Schlagwort: Polen

2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Szan­sa na Suk­ces 2020: der Sieg der Laut­stär­ke

Wenn ein noch absurderes Vorentscheidungssystem existiert als das slowenische, dann das polnische. Wiewohl das Format Szansa na Sukces dem Sender TVP gleich zwei Siege in Folge beim Junior-ESC bescherte. Unter grotesk hohem Blutzoll: gleich 21 junge, aktuelle Künstler:innen stellten sich heuer in drei Vorrunden zum nationalen Vorentscheid zur Wahl. Sie durften dort allerdings nicht ihre eigenen Lieder singen, sondern mussten sich an thematisch vorgegebenen, steinalten Oldies versuchen, die natürlich nicht dem musikalischen Stil der Teilnehmer:innen entsprachen und damit über keinerlei Aussagekraft verfügten. Dennoch bildeten sie die Grundlage für die Auslese: nur die drei Anpassungsfähigsten überlebten das völlig unnötige Blutbad. Und durften im heute Nachmittag ausgestrahlten Finale endli...
Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Ein weiterer Eurovisionsjahrgang liegt hinter uns. Einer, bei dem, so der kluge Kommentar der ORF-Beobachter Sophia Felbermair und Christian Körber, die "nachdenklichen Männer, die doch Gefühle zeigen" die Medaillenplätze belegten und so den gesellschaftlichen Gegenentwurf bildeten zum Modell der toxischen Männlichkeit, wie es sich derzeit leider vor allem in der Politik manifestiert. Zeit, die Geschehnisse abzuschließen mit der traditionellen Betrachtung des Split-Voting-Ergebnisses in den beiden Qualifikationsrunden. Und die führt uns zunächst einmal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heuer eine unfreiwillige Neuauflage der deutsch-österreichischen Doppelnull im Jahre 1 n.C. (nach Conchita) statt. Denn nicht nur die germanischen Casting-Sisters kassierten im Publikumsvoting die gefürc...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zweifach erfuhr die fabelhafte Dana International, die 1998 beim Eurovision Song Contest in Birmingham den mit weitem Abstand bedeutsamsten Sieg in der über sechzigjährigen Geschichte des Grand Prix errang, die ihr gebührende Ehrung im gestrigen ersten Semifinale 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Interval Act auftrat. Der für seine 40 Lenze erstaunlich jung aussehende Assi Azar, einer der überflüssigerweise erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benannte die offensichtlich in den selben Jungbrunnen gefallene LGBTQI*-Ikone in seiner Anmoderation als sein persönliches Idol. War es doch ihr seinerzeitiger Sieg, der dem damals Zwanzigjährigen aus dem Versteck half und ihm die Kraft zum Coming Out gab. Zehn Jahre später listete das US-amerikanische Magazin OUT den Showmaster, Filmemacher...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 9 – Pali się

Auf wenig Gegenliebe stieß der nächste Titel im aufrechtgehn.de-Ranking bislang in den internationalen Fan-Foren. Von daher bin ich mal auf Eure Reaktionen gespannt auf meinen Platz 9: Polen - Tulia: Pali się (Es brennt) Zugegeben: auch bei dem vom unter der Knute der autokratischen polnischen Rechts-Regierung stehenden Sender TVP intern ausgewählten Beitrag handelt es sich um einen Marmite-Song, also ein Lied, das man augenblicklich hasst oder liebt. Von denen gibt es 2019 gar nicht so wenige, und das alleine ist schon mal ein sicheres Zeichen für einen guten Jahrgang. Die vier stets in traditionellen Trachten auftretenden Damen um die Namenspatronin Tulia Biczak bedienen sich einer steinalten slawischen Gesangstechnik, die auf pop-orientierte westliche Ohren monoton und anstrengend w...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Riesenschritten nähern wir uns dem Ende der Vorentscheidungssaison 2019. Mit dem Finale des schwedischen Melodifestivalen steht an diesem Samstag der letzte öffentliche Vorentscheid an. Ausgerechnet all jene Nationen, die zu faul oder zu geizig waren, einen solchen zu organisieren, haben sich nun verabredet, Fans und Eurovisionsblogger in den Stressinfarkt zu schicken, in dem sie all ihre - teils seit vielen Wochen im Tresor gebunkerten - Beiträge mehr oder minder gleichzeitig veröffentlichten. Den Beginn in unserer kleinen Werkschau macht das mittlerweile auch vonseiten der EBU offiziell umbenannte Nordmazedonien, das als einzige der beteiligten Nationen einen validen Grund vorweisen kann, seinen Song heute - am Internationalen Frauentag - herauszubringen. Handelt es sich bei 'Proud' ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Inter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Roll­backs

Nach einiger Verzögerung gegenüber dem ursprünglich avisierten Veröffentlichungstermin gab das polnische Fernsehen TVP am gestrigen Donnerstag seine Vertreterinnen für den Eurovision Song Contest 2019 bekannt: das Damenquartett Tulia, bestehend aus den Sängerinnen Patrycja Nowicka, Dominika Siepka, Joanna Sinkiewicz und der Namenspatronin Tulia Biczak. Das erst 2018 gegründete, im Lande ausgesprochen erfolgreiche Quartett, das sich der traditionellen slawischen Stimmtechnik des Weißen Gesangs bedient, interpretiert gerne Pop- und Rockklassiker im folkloristischen Stil, hat aber auch eigene Folkrocksongs im Repertoire und liefert damit, vermutlich unbeabsichtigt, so etwas wie den Soundtrack zum aktuellen ultrakonservativen gesellschaftlichen und politischen Rollback (nicht nur) in ihrem Hei...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine (aufgrund ihrer mutmaßlich unfreiwilligen Rolle in dieser PR-Schlacht wirklich zu bemitleidende) Repräsen...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Sanft gestaltete sich der Start in Tag heute Morgen für die nach Lissabon gereisten Blogger/innen. Denn der vierte Probentag begann mit dem georgischen Beitrag. Die Kaukasusrepublik schickt in diesem Jahr bekanntlich die offiziell so benannte Ethno-Jazz Band Iriao - und betreibt mit dieser Auslobung klaren Etikettenschwindel. Schließlich hat das, was die für den ESC-Auftritt vom Septett zum Quintett geschrumpfte Formation in Portugal singt, weder etwas mit Ethno zu tun, noch mit Jazz. Stattdessen nehmen die Fünf, wie mir diesbezüglich bewanderte Quellen glaubhaft versicherten, die Melodie irgendeines uralten christlichen Kirchenliedes und tarnen diese mit Harmoniegesang in Landessprache. Das Ganze tun sie in tadellos sitzenden Maßanzügen und ohne jeglichen Ablenkungsschnickschnack, bis auf...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

PL 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwacher Silberstreif in der endlosen Düsternis: so könnte man die gestrige polnische Vorentscheidung Krajowe Eliminacje bezeichnen. Zehn fast durchgängig okaye, also ohne größere Schmerzen anhörbare Popsongs mit einer ansehnlichen stilistischen Bandbreite fuhr der Sender TVP in Warschau auf. Und das reichte an diesem Superkatastrophensamstag der eurovisionären Schrecknisse bereits, sich positiv herausheben aus der unendlichen europaweiten Finsternis. Dank der klugen Wahl der polnischen Televoter/innen - auch nichts, das man zwangsläufig voraussetzen kann - siegte mit dem passend betitelten 'Light me up' eine Art von Liedkonglomerat. Anfänglich noch ein hundsordinärer, radiokompatibler Poprocksong, von dem langhaarigen, spindeldürren, knopfäugigen Schweden Lukas Meijer ein wenig winse...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #9: The dire Wire is on Fire

Nichts klassifiziert einen Song so sehr als "typisch Grand Prix" wie der immer wieder gerne genommene Fire-Desire-Reim. Besonders Länder wie Malta und Rumänien machten sich in der Vergangenheit schon des Öfteren dieses Verbrechens schuldig. Doch die stehen beim heutigen Eurovision Deathmatch gar nicht in der Arena, denn zwischenzeitlich legten andere Nationen diesbezüglich noch einen drauf. So wie beispielsweise Bulgarien, das unseren ersten Kombattanten schickt, den intern ausgewählten Kristian Kostov, nicht nur der jüngste Teilnehmer des aktuellen Jahrgangs, sondern auch der erste in diesem Jahrtausend Geborene - Gott, ich bin so alt *grein*! Kristian führt einen sprechend betitelten Beitrag namens 'Beautiful Mess' mit sich: eine mit glockenheller, weinerlicher Knabenstimme intonierte El...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

Polen 2017: die Krä­he auf dem Draht­seil

Für einen kleinen Moment glimmte noch schwach Hoffnung auf, als das polnische Fernsehen bei der heutigen Eurovisionsvorentscheidung Krajowe Eliminacje einen Schnelldurchlauf der bereits in den anderen europäischen Nationen ausgewählten Grand-Prix-Beiträge zeigte. Würden, so wie bei Unser Song 2017, als diese Werkschau für einen plötzlichen, dramatischen Stimmungsumschwung hinsichtlich des auszuwählenden Lieds sorgte, auch die Polen instinktiv begreifen, dass die Quote für düstere, dramatische Balladen im Jahrgang 2017 bereits deutlich übererfüllt ist? Um es kurz zu machen: sie taten es nicht. Übereinstimmend bestimmte die fünfköpfige, zu 50% wertungsberechtigte Jury die hagere Blondine Kasia Moś mit ihrem nervtötenden (wenn auch sauber intonierten) Geschrei über eine 'Fleshlight', Verzeihu...
2016, Die Zwanzigzehner, Türkvizyon

Türk­vi­zyon 2016: auch Polen debü­tiert

Die Gerüchte existierten schon länger, heute bestätigten sie sich: neben Lettland, Schweden, den Niederlanden und Moldawien treten auch unsere polnischen Nachbarn 2016 erstmals beim osmanischen Gegenentwurf zum Eurovision Song Contest, der Türkvizyon, an. Und auch hier bewahrheitet sich erneut, dass der türkische Eurovisionsableger in besonderer Zahl besonders ehrgeizige Kombattant/innen anzieht, die sich in den verschiedenen nationalen Grand-Prix-Vorentscheidungen noch nicht durchsetzen konnten: Olga Shimanskaya (in deutscher Schreibung: Olga Schimanskaja) vertritt nämlich den Weichselstaat in Istanbul, ihres Zeichens Leadsängerin des weißrussischen (!) Musikprojektes Napoli. Das versuchte es seit 2014 durchgehend beim Vorentscheid in Minsk und erzielte 2016 - da bereits vom Trio zur Solo...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und weiter geht's mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher 'Heartbeat' eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole a...
2016, Die Zwanzigzehner

Kei­ne Ster­ne in Tel Aviv: die ers­ten ESC-Remi­xe sind da!

Mit dem schwedischen Melodifestivalen, traditionell immer nur wenige Tage vor dem offiziellen Abgabetermin aller Beiträge bei der EBU terminiert, ging gestern Abend die Vorentscheidungssaison für den Eurovisionsjahrgang 2016 zu Ende. Noch aber wartet die Welt mit angehaltenem Atem auf zwei offene Beiträge und zwei ESC-Versionen bereits gewählter Titel. Während bereits seit geraumer Zeit feststeht, dass die Albanerin Enada Tarifa ihr in der Originalfassung sterbensschönes 'Përrallë' in Stockholm in einer (noch nicht veröffentlichen) anglifizierten Version als 'Fairytale Love' verhunzt, stieg in Rom noch immer kein weißer Rauch auf: ob die San-Remo-Zweite Francesca Miechelin 'Nessun Grade di Separazione', wie von den Fans erhofft, in Landessprache singt oder ebenso den Fehler begeht, auf Eng...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Von blon­dier­ten Bar­bies und toten Schla­ger­di­ven

So, ein verregneter Sonntagnachmittag, noch ein paar Minuten bis zum Beginn des rumänischen Vorentscheidungsfinales: kurz Zeit also, über einige Phänomene der letzten Tage zu sinnieren. Beginnen wir zunächst mit dem scheinbar merkwürdigen Abstimmungsverhalten in einigen Ländern und den dazugehörigen Hintergründen. Da ist das allgemein unerwartete und schockierende Ergebnis in Polen, wo die Zuschauer/innen eine zottelige Jack-Sparrow-Kopie wählten und den von vielen Fans bereits als möglichen Siegertitel des ESC 2016 gehandelten Song 'Cool me down' von Margaret verschmähten. Was vielleicht weniger verwundert, wenn man sich vor Augen führt, dass der Sender TVP beim gestrigen Televoting pro Anschluss lediglich einen Anruf wertete. Sicherlich fairer im Hinblick auf ein repräsentatives, weniger...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Trickkleid

Polen 2016: wer hat nur die­sen Spa­cken gewählt?

Den vermutlich größten Schockmoment der laufenden Eurovisionssaison bescherten gestern Abend die polnischen Televoter/innen dem fassungslos japsenden restlichen Europa. Seit der Bekanntgabe des neunköpfigen Teilnehmerfeldes der Krajowe Eliminacje war ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Eurovisionslegende Edyta Górniak (PL 1994) und einer gewissen Margaret vorhergesagt worden. In sicherer Erwartung des Sieges der letztgenannten Sängerin und ihres rihannesken 'Cool me down' lag das Land in den Wettquoten bereits ganz oben - bis zur Bekanntgabe des Televoting-Ergebnisses. Die alleine stimmberechtigten Anrufer/innen wählten nämlich zum kollektiven Entsetzen aller Zuschauer/innen außerhalb Polens mit knapp 36% den ehemaligen X-Factor-Teilnehmer Michał Szpak, optisch am ehesten als Jack-Sparrow...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Polen: EU-Prü­fung, aber kein ESC-Aus­schluss

"Polen droht Ausschluss vom Eurovision Song Contest": mit dieser Schlagzeile machte Spiegel Online heute Mittag auf. Die im Artikel geäußerte Behauptung, die EBU prüfe derzeit, ob das umstrittene neue polnische Mediengesetz, das die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks TVP bedroht und den Sender faktisch unter Aufsicht der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit stellt, gegen die Statuten der Rundfunkunion verstoße, was zu einem "Ausschluss vom ESC" führen könne, basierte dabei auf einer entsprechenden Meldung des amerikanischen Blogs Politico. Und wurde aus Genf umgehend zurückgewiesen: "TVP und Polskie Radio bleiben Vollmitglieder der EBU. Dieser Status steht nicht zur Debatte, ebensowenig wie ihre Beteiligung (...) am Eurovision Song Contest," erklä...
2016, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen, Schwules

Polen: Con­chi­ta-Geg­ner ist neu­er Sen­der­chef

Das war es dann wohl mit den selbstironischen Buttermädgen: in Anwendung des hoch umstrittenen neuen polnischen Mediengesetzes, das den öffentlich-rechtlichen Rundfunk des Landes direkt der staatlichen Kontrolle unterstellt, wurde dieser Tage Jacek Kurski als neuer TVP-Senderchef ernannt. Der steht dem Vorsitzenden der regierenden nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, sehr nahe, und hat als dessen selbst ernannter "Bullterrier" die Aufgabe, den Sender auf Parteilinie zu bringen. So untersagte er dem Moderator einer politischen Talkshow, den ursprünglich in die Sendung eingeladenen Präsidenten des polnischen Verfassungsgerichtes, dessen Befugnisse die PiS ebenfalls stark beschneiden will, zu Wort kommen zu lassen, wie die Süddeutsche berichtet. Auch...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

The King of Fun: zwei­tes Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger 'Golden Boy' aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von 'Ding-Dong'-Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus goldenen Schuhen (schon für Schweden 1984 ein Siegesrezept), jugendlicher Energie, bewährter israelischer Engtanzchor...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben, Schwules

Schwe­den und die HJ: ers­te Pro­ben zwei­tes Semi 2015

In Wien setzten sich am Mittwoch und Donnerstag die ersten Probedurchläufe fort, diesmal mit den Teilnehmer/innen des zweiten Semifinales vom kommenden Donnerstag. Eine Fortsetzung fand auch die Saga um die händchenhaltenden Ampelmännchen: ausgerechnet die sich selbst als "freiheitlich" titulierende FPÖ drohte an, die hübsche Geste gegenüber der Eurovisions-Kernzielgruppe (und Umsetzung der Toleranzbotschaft der aktuell regierenden Eurovisionskaiserin Conchita) zur Anzeige zu bringen. Es handele sich um "grüne Klientelpolitik und Steuergeldverschwendung in Reinkultur," so der FPÖ-Mann Toni Mahdalik laut Kronenzeitung. Da Beides nicht verboten ist, begründete die FPÖ die Anzeige offiziell mit einem "Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung" - und musste sich prompt belehren lassen, dass in ...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Nun ist Polen doch ver­lo­ren

Es scheint, dass der sechzigste Eurovision Song Contest in Wien den Inklusionsbambi gewinnen könnte. Nicht nur treten bekanntermaßen finnische Punks mit Down-Syndrom bzw. Autismus (und famosem Spaltpotenzial) und eine britische Vertreterin mit Mukoviszidose an; nun entsendet das polnische Fernsehen eine partiell gelähmte Sängerin. Monika Kuszyńska, die am Montag Abend annoncierte Repräsentantin des Landes, war bis zum Jahre 2006 noch die Frontstimme der Band Varius Manx, mit der sie sich 2003 bereits (erfolglos) um das Eurovisionsticket bewarb. In besagtem Schicksalsjahr war die Band in einen schweren Autounfall verwickelt, seither sitzt Monika im Rollstuhl. Prominente polnische Künstlerkollegen veranstalteten seinerzeit ein Charity-Konzert für sie und ihren lebensgefährlich verletzten Ban...
2014, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules

Fina­le 2014: The Secret is Love

Schon der Einspieler hätte es erahnen lassen können, in dem die Dänen die Eurovisionstrophäe, das gläserne Mikrofon, vom 14 Kilometer entfernten Malmö nach Kopenhagen holten - mit abenteuerlichen Stunts in bester James-Bond-Manier und unterlegt von den jazzigen Klängen des 1963er Siegertitels 'Dansevise' vom dänischen Filmmusikkomponisten Jørgen Ingman. Dennoch: dass am Ende dieses grandiosen Abends eine österreichische Diva mit Bart und einer shirleybasseyesken Bond-Ballade selbige Trophäe mit einem triumphalen "We are unstoppable!" in die Luft recken würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt. Doch Europa zeigte sich an diesem denkwürdigen, geschichtsträchtigen Samstag toleranter und offener als erwartet. Und zwar - ebenfalls entgegen der vorherigen Befürchtungen ...
2014, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Split­vo­ting: das kai­ser­li­che Kuchen­ga­te

Noch gestern Nacht veröffentlichte die EBU die detaillierten Einzelergebnisse aus den Wertungen der Jurys und des Televotings. Und erneut zeigte sich, dass das kollektive Bevormundungsorgan generell alles massiv herabwertete, was ein bisschen Spaß und Tempo in die Sendung brachte. Als besonders ärgerlich erweist sich die Macht der Juroren natürlich in den Semis: dort hatten sie erneut einige Titel auf dem Gewissen, die es ohne sie ins gestrige Finale geschafft hätten. So beispielsweise die lettischen Kuchenbäcker Aarzemnieki rund um den sympathischen Bochumer Jöran Steinhauer: sein charmant-philosophisches Lagerfeuerliedchen 'Cake to bake' landete im Zuschauerranking auf dem zehnten Platz und wäre damit ebenso im Finale gewesen wie der zwar äußerst seichte und unzeitgemäße, aber wenigstens...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Polen backt uns lecke­re Quark­ta­schen!

Es ist der aktuell größte Hit jenseits der Oder und der dazugehörige, mit prallen Rundungen nicht geizende Youtube-Clip konnte seit seiner Veröffentlichung im November 2013 bereits knapp 40 Millionen (!) Klicks generieren: 'My Słowianie', eine Ode an die Schönheit und die Verführungskünste slawischer Frauen, dargeboten in einem sensationellen Mix aus akkordeonschwangerem Turbofolk, bellendem weiblichen Sprechgesang und hart bollernden Hip-Hop-Beats von Donatan & Cleo. Sogar die Aufmerksamkeit der BBC konnte man schon erwecken. Vor knapp zwei Wochen erschien eine englische Fassung, und prompt kam das Gerücht auf, der Titel könnte Polen beim diesjährigen Eurovision Song Contest vertreten. Natürlich folgte ebenso prompt das Dementi Donatans, und ebenso folgerichtig bestätigte das polnisch...