Das Semi-Split­vo­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

Ein wei­te­rer Euro­vi­si­ons­jahr­gang liegt hin­ter uns. Einer, bei dem, so der klu­ge Kom­men­tar der ORF-Beob­ach­ter Sophia Fel­ber­mair und Chris­ti­an Kör­ber, die “nach­denk­li­chen Män­ner, die doch Gefüh­le zei­gen” die Medail­len­plät­ze beleg­ten und so den gesell­schaft­li­chen Gegen­ent­wurf bil­de­ten zum Modell der toxi­schen Männ­lich­keit, wie es sich der­zeit lei­der vor allem in der Poli­tik mani­fes­tiert. Zeit, die Gescheh­nis­se abzu­schlie­ßen mit der tra­di­tio­nel­len Betrach­tung des Split-Voting-Ergeb­nis­ses in den bei­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den. Und die führt uns zunächst ein­mal zurück nach Wien anno 2015, fand doch heu­er eine unfrei­wil­li­ge Neu­auf­la­ge der deutsch-öster­rei­chi­schen Dop­pel­null im Jah­re 1 n.C. (nach Con­chi­ta) statt. Denn nicht nur die ger­ma­ni­schen Cas­ting-Sis­ters kas­sier­ten im Publi­kums­vo­ting die gefürch­te­ten (und ange­sichts der gebo­te­nen drei Minu­ten töd­li­cher Lan­ge­wei­le völ­lig berech­tig­ten) Nul Points, son­dern auch der lila Pæn­da-Bär aus der Stei­er­mark im zwei­ten Semi­fi­na­le. “Der Mut, mit einer völ­lig unkom­pa­ti­blen Num­mer nach Tel Aviv zu fah­ren, wur­de nicht belohnt. ‘Limits’ erwies sich als zu sper­ri­ger Song, der erst nach mehr­ma­li­gen Hören sei­ne Wir­kung ent­fal­ten kann. So viel Zeit hat man beim Song Con­test nicht,” schluss­fol­ger­ten die bei­den Mit­ar­bei­ter des Wie­ner Sen­ders.

Gib mir noch Zeit / ein klei­nes biss­chen nur / etwas mehr Zeit”: die Zuschauer/innen woll­ten Blüm­chens Rat nicht fol­gen.

Wei­ter­le­senDas Semi-Split­­vo­­ting 2019: die Dop­pel­null im Sah­ne­man­tel

1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Gleich zwei­fach erfuhr die fabel­haf­te Dana Inter­na­tio­nal, die 1998 beim Euro­vi­si­on Song Con­test in Bir­ming­ham den mit wei­tem Abstand bedeut­sams­ten Sieg in der über sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Grand Prix errang, die ihr gebüh­ren­de Ehrung im gest­ri­gen ers­ten Semi­fi­na­le 2019 zu Tel Aviv, wo sie als Inter­val Act auf­trat. Der für sei­ne 40 Len­ze erstaun­lich jung aus­se­hen­de Assi Azar, einer der über­flüs­si­ger­wei­se erneut vier (!) Gastgeber/innen des Abends, benann­te die offen­sicht­lich in den sel­ben Jung­brun­nen gefal­le­ne LGBTQI*-Ikone in sei­ner Anmo­de­ra­ti­on als sein per­sön­li­ches Idol. War es doch ihr sei­ner­zei­ti­ger Sieg, der dem damals Zwan­zig­jäh­ri­gen aus dem Ver­steck half und ihm die Kraft zum Com­ing Out gab. Zehn Jah­re spä­ter lis­te­te das US-ame­ri­ka­ni­sche Maga­zin OUT den Show­mas­ter, Fil­me­ma­cher und Akti­vis­ten als einen der “100 welt­weit ein­fluss­reichs­ten Schwu­len”. Doch auch für die tol­le letzt­jäh­ri­ge Euro­vi­si­ons­ge­win­ne­rin Net­ta Bar­zi­lai, wel­che den Rei­gen mit einem Remix von ‘Toy’ eröff­ne­te, war Dana laut Ein­spie­ler der Aus­gangs­punkt für ihre trotz aller Wid­rig­kei­ten als nicht den gän­gi­gen Schön­heits­idea­len ent­spre­chen­de Frau ver­folg­te Gesangs­kar­rie­re. Die ‘Diva’ selbst demons­trier­te mit einer Bear­bei­tung von ‘Just the Way you are’, dass sich selbst Bru­no-Mars-Songs ohne all zu gro­ßen Wür­ge­reiz anhö­ren las­sen, wenn eine Künst­le­rin ihres For­mats sie über­nimmt.

Quee­re Vor­bil­der sind so immens wich­tig. Ob vor zwan­zig Jah­ren, heu­te oder in der Zukunft. Dan­ke für alles, Dana Inter­na­tio­nal. Du bist und bleibst für immer eine Inspi­ra­ti­on.

Wei­ter­le­sen1. Semi 2019: Strah­lend weiß muss sie sein!

Rank & File 2019: Platz 9 – Pali się

Auf wenig Gegen­lie­be stieß der nächs­te Titel im aufrechtgehn.de-Ranking bis­lang in den inter­na­tio­na­len Fan-Foren. Von daher bin ich mal auf Eure Reak­tio­nen gespannt auf mei­nen

Platz 9: Polen – Tulia: Pali się (Es brennt)

Zuge­ge­ben: auch bei dem vom unter der Knu­te der auto­kra­ti­schen pol­ni­schen Rechts-Regie­rung ste­hen­den Sen­der TVP intern aus­ge­wähl­ten Bei­trag han­delt es sich um einen Mar­mi­te-Song, also ein Lied, das man augen­blick­lich hasst oder liebt. Von denen gibt es 2019 gar nicht so weni­ge, und das allei­ne ist schon mal ein siche­res Zei­chen für einen guten Jahr­gang. Die vier stets in tra­di­tio­nel­len Trach­ten auf­tre­ten­den Damen um die Namens­pa­tro­nin Tulia Bic­zak bedie­nen sich einer stein­al­ten sla­wi­schen Gesangs­tech­nik, die auf pop-ori­en­tier­te west­li­che Ohren mono­ton und anstren­gend wir­ken mag. Dass sie dies mit einer kom­plett stoi­schen Mimik tun, ver­stärkt noch den kal­ten, abwei­sen­den Ein­druck. Und doch geht von ihrem auf so rup­pi­ge Wei­se vor­ge­tra­ge­nen, hei­ßen Lie­bes­fle­hen eine eigen­wil­li­ge, befremd­li­che Fas­zi­na­ti­on aus. Gera­de weil man nichts ver­steht: das Quar­tett singt wei­test­ge­hend in Lan­des­spra­che. Wür­de die mir zur Exege­se zu Rate gezo­ge­ne Sei­te Lyrics­trans­la­te den pol­ni­schen Titel mit ‘Ver­brennt die Lin­ken’ über­set­zen, wür­de ich es auch glau­ben, ein­fach weil der Act in sei­ner Gesamt­heit wirkt und klingt wie der Sound zum gesell­schaft­li­chen Roll­back. Und den­noch kann ich mich nicht dage­gen weh­ren, dass er sich sofort in mei­nen Gehirn­win­dun­gen fest­setzt.

Der pol­ni­sche Bei­trag bet­telt nicht dar­um, zu gefal­len. Das ist unge­wohnt und mutig in den Zei­ten der sozia­len Netz­wer­ke, wo es nur noch um Likes geht.

Wei­ter­le­senRank & File 2019: Platz 9 – Pali się

WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Rie­sen­schrit­ten nähern wir uns dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len steht an die­sem Sams­tag der letz­te öffent­li­che Vor­ent­scheid an. Aus­ge­rech­net all jene Natio­nen, die zu faul oder zu gei­zig waren, einen sol­chen zu orga­ni­sie­ren, haben sich nun ver­ab­re­det, Fans und Euro­vi­si­ons­blog­ger in den Stress­in­farkt zu schi­cken, in dem sie all ihre – teils seit vie­len Wochen im Tre­sor gebun­ker­ten – Bei­trä­ge mehr oder min­der gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­ten. Den Beginn in unse­rer klei­nen Werk­schau macht das mitt­ler­wei­le auch von­sei­ten der EBU offi­zi­ell umbe­nann­te Nord­ma­ze­do­ni­en, das als ein­zi­ge der betei­lig­ten Natio­nen einen vali­den Grund vor­wei­sen kann, sei­nen Song heu­te – am Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag – her­aus­zu­brin­gen. Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song nach einer zwei­ten Stro­phe ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt.

Das Alpha­weib­chen: Tama­ra Todevs­ka führt die Schwes­tern­schaft auf die Bar­ri­ka­den. Recht so!

Wei­ter­le­senWSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Inter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Roll­backs

Nach eini­ger Ver­zö­ge­rung gegen­über dem ursprüng­lich avi­sier­ten Ver­öf­fent­li­chungs­ter­min gab das pol­ni­sche Fern­se­hen TVP am gest­ri­gen Don­ners­tag sei­ne Ver­tre­te­rin­nen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 bekannt: das Damen­quar­tett Tulia, bestehend aus den Sän­ge­rin­nen Patryc­ja Nowi­cka, Domi­ni­ka Siep­ka, Joan­na Sin­kie­wicz und der Namens­pa­tro­nin Tulia Bic­zak. Das erst 2018 gegrün­de­te, im Lan­de aus­ge­spro­chen erfolg­rei­che Quar­tett, das sich der tra­di­tio­nel­len sla­wi­schen Stimm­tech­nik des Wei­ßen Gesangs bedient, inter­pre­tiert ger­ne Pop- und Rock­klas­si­ker im folk­lo­ris­ti­schen Stil, hat aber auch eige­ne Folk­rock­songs im Reper­toire und lie­fert damit, ver­mut­lich unbe­ab­sich­tigt, so etwas wie den Sound­track zum aktu­el­len ultra­kon­ser­va­ti­ven gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Roll­back (nicht nur) in ihrem Hei­mat­land. Dazu passt auch ihre Optik: die vier Frau­en erin­nern in ihren far­ben­fro­hen Trach­ten, mit Kopf­tuch, dicken Zöp­fen und eben­so dick auf­ge­tra­ge­ner Schmin­ke unwill­kür­lich an die legen­dä­ren But­ter­mäg­de von Cleo & Dona­tan, aller­dings ohne die gerings­ten erkenn­ba­ren Spu­ren von Sex oder Iro­nie, die die­sem bahn­bre­chen­den Act anhaf­te­ten. Tulia mei­nen das, was sie machen, offen­sicht­lich sehr ernst.

Kein Sex, kei­ne Dro­gen, kein Rock’n’Roll: die züch­ti­gen Tulia mit der gesäu­ber­ten Vari­an­te des Metal­li­ca-Klas­si­kers.

Wei­ter­le­senInter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Roll­backs

Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

Wei­ter­le­senZwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Auf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Sanft gestal­te­te sich der Start in Tag heu­te Mor­gen für die nach Lis­sa­bon gereis­ten Blogger/innen. Denn der vier­te Pro­ben­tag begann mit dem geor­gi­schen Bei­trag. Die Kau­ka­sus­re­pu­blik schickt in die­sem Jahr bekannt­lich die offi­zi­ell so benann­te Eth­no-Jazz Band Iriao – und betreibt mit die­ser Aus­lo­bung kla­ren Eti­ket­ten­schwin­del. Schließ­lich hat das, was die für den ESC-Auf­tritt vom Sep­tett zum Quin­tett geschrumpf­te For­ma­ti­on in Por­tu­gal singt, weder etwas mit Eth­no zu tun, noch mit Jazz. Statt­des­sen neh­men die Fünf, wie mir dies­be­züg­lich bewan­der­te Quel­len glaub­haft ver­si­cher­ten, die Melo­die irgend­ei­nes uralten christ­li­chen Kir­chen­lie­des und tar­nen die­se mit Har­mo­nie­ge­sang in Lan­des­spra­che. Das Gan­ze tun sie in tadel­los sit­zen­den Maß­an­zü­gen und ohne jeg­li­chen Ablen­kungs­schnick­schnack, bis auf einen aser­bai­dscha­ni­schen Gold­re­gen am Ende. Ohne star­ken Kaf­fee schläft man da gleich wie­der ein. Das pol­ni­sche Hut­trä­ger­duo Gro­mee + Lukas Mei­jer weckt einen dan­kens­wer­ter mit dem (lei­der nur mit­tel­präch­ti­gen) Dance-Track ‘Light me up’ wie­der auf, so dass man sich wun­der­bar das Läs­ter­schnüt­chen über die komi­schen Hand-Wel­len­be­we­gun­gen zer­rei­ßen kann, mit denen DJ-Opi Gro­mee sich in sei­ner Kan­zel vom Nicht­ge­braucht­wer­den und Über­flüs­sig­her­um­ste­hen ablenkt. Und das ist dann auch das Inter­es­san­tes­te an die­sem Auf­tritt.

My Name is Lukas, I sing on the second Floor: der nied­li­che Leder­schwe­de muss stimm­lich noch ein paar Schip­p­chen drauf­le­gen bis zum Semi.

Wei­ter­le­senAuf­er­stan­den aus Rui­nen: vier­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

PL 2018: Zwei zum Preis von einem

Ein schwa­cher Sil­ber­streif in der end­lo­sen Düs­ter­nis: so könn­te man die gest­ri­ge pol­ni­sche Vor­ent­schei­dung Kra­jo­we Eli­mi­nac­je bezeich­nen. Zehn fast durch­gän­gig okaye, also ohne grö­ße­re Schmer­zen anhör­ba­re Pop­songs mit einer ansehn­li­chen sti­lis­ti­schen Band­brei­te fuhr der Sen­der TVP in War­schau auf. Und das reich­te an die­sem Super­ka­ta­stro­phen­sams­tag der euro­vi­sio­nä­ren Schreck­nis­se bereits, sich posi­tiv her­aus­he­ben aus der unend­li­chen euro­pa­wei­ten Fins­ter­nis. Dank der klu­gen Wahl der pol­ni­schen Televoter/innen – auch nichts, das man zwangs­läu­fig vor­aus­set­zen kann – sieg­te mit dem pas­send beti­tel­ten ‘Light me up’ eine Art von Lied­kon­glo­me­rat. Anfäng­lich noch ein hunds­or­di­nä­rer, radio­kom­pa­ti­bler Poprock­song, von dem lang­haa­ri­gen, spin­del­dür­ren, kno­pf­äu­gi­gen Schwe­den Lukas Mei­jer ein wenig win­se­lig vor­ge­tra­gen, ändert sich im direk­ten Anschluss an den ers­ten Refrain die musi­ka­li­sche Marsch­rich­tung. Der bis­lang abseits der Kame­ra ver­har­ren­de pol­ni­sche DJ und Kom­po­nist Andrzej Groma­la ali­as Gro­mee kam ins Bild – und ab geht die Luzie: mit­tels ordent­li­cher Beats und elek­tro­ni­scher Sounds wird aus ‘Light me up’ ab die­ser Stel­le ein pas­sa­bler Tanz­flä­chen­fül­ler.

Hoch die Hän­de, Wochen­en­de: auch Lukas ist ein Fan der Ganz­kör­per-Bau­ern­ma­le­rei.

Wei­ter­le­senPL 2018: Zwei zum Preis von einem

Euro­vi­si­on Death­match #9: The dire Wire is on Fire

Nichts klas­si­fi­ziert einen Song so sehr als “typisch Grand Prix” wie der immer wie­der ger­ne genom­me­ne Fire-Desi­re-Reim. Beson­ders Län­der wie Mal­ta und Rumä­ni­en mach­ten sich in der Ver­gan­gen­heit schon des Öfte­ren die­ses Ver­bre­chens schul­dig. Doch die ste­hen beim heu­ti­gen Euro­vi­si­on Death­match gar nicht in der Are­na, denn zwi­schen­zeit­lich leg­ten ande­re Natio­nen dies­be­züg­lich noch einen drauf. So wie bei­spiels­wei­se Bul­ga­ri­en, das unse­ren ers­ten Kom­bat­tan­ten schickt, den intern aus­ge­wähl­ten Kris­ti­an Kostov, nicht nur der jüngs­te Teil­neh­mer des aktu­el­len Jahr­gangs, son­dern auch der ers­te in die­sem Jahr­tau­send Gebo­re­ne – Gott, ich bin so alt *grein*! Kris­ti­an führt einen spre­chend beti­tel­ten Bei­trag namens ‘Beau­ti­ful Mess’ mit sich: eine mit glo­cken­hel­ler, wei­ner­li­cher Kna­ben­stim­me into­nier­te Elek­tro-Bal­la­de, die musi­ka­lisch völ­lig ziel­los vor sich hin mäan­dert und mit einem abstru­sen, glei­cher­ma­ßen ziel­los mäan­dern­dem Text auf­war­tet, in wel­chem er sei­ne Lie­be als “unbe­rühr­bar” klas­si­fi­ziert (Aus­triA­li­en lässt grü­ßen) und wel­cher davon Kennt­nis gibt, dass man unter Was­ser nicht atmen kön­ne (ach was!). Und der zudem fol­gen­des Zei­len­paar prä­sen­tiert: “Even in the line of fire / When every­thing is on the wire”. Ein biss­chen düs­ter, aber immer­hin mal eine neue Rei­me-Idee!

Ich weiß nicht, ob ich zu die­sem Song unbe­dingt ein Lyric-Video machen wür­de: Kris­ti­an (BG)

Wei­ter­le­senEuro­vi­si­on Death­match #9: The dire Wire is on Fire

Polen 2017: die Krä­he auf dem Draht­seil

Für einen klei­nen Moment glimm­te noch schwach Hoff­nung auf, als das pol­ni­sche Fern­se­hen bei der heu­ti­gen Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung Kra­jo­we Eli­mi­nac­je einen Schnell­durch­lauf der bereits in den ande­ren euro­päi­schen Natio­nen aus­ge­wähl­ten Grand-Prix-Bei­trä­ge zeig­te. Wür­den, so wie bei Unser Song 2017, als die­se Werk­schau für einen plötz­li­chen, dra­ma­ti­schen Stim­mungs­um­schwung hin­sicht­lich des aus­zu­wäh­len­den Lieds sorg­te, auch die Polen instink­tiv begrei­fen, dass die Quo­te für düs­te­re, dra­ma­ti­sche Bal­la­den im Jahr­gang 2017 bereits deut­lich über­erfüllt ist? Um es kurz zu machen: sie taten es nicht. Über­ein­stim­mend bestimm­te die fünf­köp­fi­ge, zu 50% wer­tungs­be­rech­tig­te Jury die hage­re Blon­di­ne Kasia Moś mit ihrem nerv­tö­ten­den (wenn auch sau­ber into­nier­ten) Geschrei über eine ‘Flesh­light’, Ver­zei­hung, das ‘Flash­light’, zur Reprä­sen­tan­tin unse­res öst­li­chen Nach­bar­lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test. Was ange­sichts des erkenn­bar über­durch­schnitt­li­chen Durch­schnitts­al­ters der Juro­ren nicht wei­ter ver­wun­der­te. Doch auch die Zuschauer/innen wähl­ten die zuge­ge­be­ner­ma­ßen stimm­star­ke, erst drei­ßig­jäh­ri­ge Musi­cal­sän­ge­rin, die aller­dings deut­lich älter aus­sieht, und die 2006 schon mal erfolg­los an der pol­ni­schen Vor­ent­schei­dung teil­nahm, auf den zwei­ten Rang, was in der Addi­ti­on für den Sieg reich­te. Und so müs­sen wir im Mai 2017 in Kiew im Semi­fi­na­le eine wei­te­re depri­mie­ren­de, geist­lo­se Stan­dard­bal­la­de über uns erge­hen las­sen, die weder über eine anspre­chen­de Melo­die noch inhalt­li­chen Tief­gang ver­fügt und statt­des­sen mal wie­der “Desi­re” auf “Fire” reimt. Immer­hin, dass muss man Kasia zuge­ste­hen, erhöht sie den mal­te­si­schen Rei­me­stan­dard sogar um ein “hig­her” und ein inter­es­san­tes “Wire”. Bie­tet jemand mehr?

Nein, der stän­di­ge erho­be­ne Zei­ge­fin­ger macht dar­aus auch nichts Bedeu­ten­des: Kasia (PL)

Wei­ter­le­senPolen 2017: die Krä­he auf dem Draht­seil