Gleich im Doppelpack kamen heute die Absagen: sowohl das bereits 2012 (mit der beschämenden Ausrede “Fußball”) abstinente Polen als auch der bislang unermüdliche Eurovisionsunderdog Portugal wollen dem Eurovision Song Contest 2013 in Malmö fernbleiben. Beiden beim Grand Prix chronisch schlecht platzierten Ländern gelang seit Einführung der Semis im Jahre 2004 kaum noch eine Finalqualifikation, lediglich das aktuell von der Rezession schwer gebeutelte Portugal hatte von 2008 bis 2010 einen kleinen Lauf (unvergessen der von Herzen kommende, kollektive Jubelschrei aus tausenden Kehlen in der Belgrad-Arena, als die überaus liebenswerte Vânia Fernandes im Semi als letzte Teilnehmerin für das Finale bestätigt wurde), musste sich dort dann aber mit enttäuschenden Ergebnissen bescheiden. Chronischer Finanzmangel, die magere Erfolgsbilanz und die daraus resultierenden mauen Einschaltquoten zu Hause dürften wohl den Ausschlag für die bei den meisten Fans mit großer Bestürzung aufgenommene Entscheidung gegeben haben. Die Sender beider Po-Staaten hielten sich aber eine mögliche Rückkehr 2014 offen.
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Polen: Fußball statt Eurovision
Polen wird sich nicht am Eurovision Song Contest 2012 in Baku beteiligen. Als vorgeschobenes Argument nannte der Sender ausgerechnet das dumpfe Hetengebolze: man wolle sich im nächsten Jahr auf die Fußball-Europameisterschaft konzentrieren, die im Land und in der Ukraine stattfindet. Inwieweit die fortgesetzte Erfolglosigkeit unserer östlichen Nachbarn beim Gesangswettbewerb zu dieser Entscheidung beigetragen haben mag, darüber braucht man freilich kaum zu spekulieren. Spektakulär mit einem zweiten Platz im wohl furchtbarsten Eurovisionsjahr 1994 debütiert (und das dortige Songniveau um lockere 895.000 % überboten), ging’s seither stetig bergab. Und zwar sowohl bei der Qualität der Songs und / oder Darbietungen als auch bei deren Ergebnissen. Dennoch: hoffen wir mal, dass die Polen es sich 2013, wenn die Ausrede Fußball wegfällt, wieder anders überlegen. Sonst müsste man über die Oder-Neiße-Linie doch noch mal nachdenken: denn es gibt in diesem Land einfach zuviel musikalisches Talent, um es Resteuropa fortwährend vorzuenthalten!
Kurzes Zwischenhoch in 2003: Ich Troje
Polen macht 2012 nicht mit.
- Immer schade, wenn einer aussteigt. (45%, 59 Votes)
- Dann halt nicht. Wer nicht will, der hat schon. (33%, 43 Votes)
- Ein großer, tragischer Verlust für den Grand Prix! (13%, 17 Votes)
- Besser so. Deren große Zeit ist eh vorbei. (9%, 13 Votes)
Total Voters: 132
Loading ...Der Würger von Wolfenbüttel (ESC Semi 1 2010)

Das Jahr des Akkordeons
Jurys sind Wichser!â„¢ Meine Leser mögen mir diese etwas unfeine Ausdrucksweise verzeihen, aber manchmal ist die Wahrheit grausam und profan. Nicht nur sorgte die Wiedereinführung des Bevormundungsgremiums, welches den Grand Prix bereits zu Zeiten seiner Alleinherrschaft von 1956 bis 1997 mit schier unfasslichen Entscheidungen in Mißkredit gebracht hatte, erwartbar für eine geballte Rückkehr verstaubter und längst überwunden geglaubter musikalischer Schrecknisse (jawohl, Malta, der Finger zeigt auf Dich!). Nein, die geschmacksbehinderten Geronten schafften es auch, trotz “nur” 50% Stimmanteils am Endergebnis, in beiden Qualifikationsrunden jeweils den besten Beitrag gegen den klaren Bevölkerungswillen herauszumanipulieren. Um es mit den legendären Worten Zlatkos zu sagen: danke, ihr Fotzköppe!
I’ll fucking win (ESC Semi 2006)

Das Jahr der Monstermasken
Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die Fans in Athen noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch.
Die Kotzn in da Wiesn (ESC 2003)

Das Skandalgören-Jahr
Der zweite Platz für Alsou 2000 und der zweifache Sieg ehemaliger Sowjetstaaten (Estland 2001 und Lettland 2002) in Folge weckte den Ehrgeiz der ehemaligen und gerade wieder erstarkenden Weltmacht Russland. Als größtes und einwohnerstärkstes Land der EBU beabsichtigte man, seinen Führungsanspruch auch auf popkulturellem Gebiet zu unterstreichen. Ein Sieg sollte her, auch wenn man dazu schweres Geschütz auffahren müsste. Und das hatten die Russen diesmal, in Form der als Lesben-Lolitas vermarkteten Skandalgören Jelena Katina und Julia Wolkowa. Besser bekannt als t.a.T.u., die mit ‘All the Things she said’ im Vorjahr einen europaweiten Nummer-Eins-Hit landen und sogar die amerikanische Top 20 knacken konnten.
ESC 1995: Auch die Nacht geht mal vorüber

Der historische Tiefpunkt
Wenn man den definitiven Tiefpunkt des Eurovision Song Contest verorten möchte: 1995 wurde er erreicht. Das begann bereits Zuhause: der zuständige Zonensender MDR nominierte ohne jegliches Vorauswahlverfahren das christliche Songschreiberehepaar Glen und Cheyenne Penniston (Stone & Stone), die Komponisten des in seiner putzigen geistigen Einfalt irgendwie noch kultigen Drogen-sind-pfui-Hits ‘Julian’, gesungen von der Eintagsfliege Mandy Winter. Das unterirdisch grottige, von den Stones selbst vorgetragene Preiset-den-Herrn-Liedchen ‘Verliebt in Dich’ stellte die ARD – entgegen bisheriger Gepflogenheiten – noch nicht einmal in irgendeiner Show mehr vor. Vermutlich, um eine offene Revolte der deutschen TV-Zuschauer vor Dublin zu unterbinden.
ESC 1994: Sie zu berühren ist Sünde

Das Jahr der betrogenen Sieger
Ralph Siegel hält sich gerne zugute, dass er den europäischen Musikgeschmack kenne, oder vielmehr den der Jurys. Und so ganz kann man ihm da nicht widersprechen: MeKaDo, deren ‘Party’-Versuch sich als eines der wenigen schnelleren Stücke des Abends erwies und noch heute als garantierter Tanzflächenfüller bei jeder Eurovisionsdisco funktioniert, erreichten in Dublin den dritten Platz. Der deutsche Grand-Prix-Großvater dürfte sich wohl als Einziger richtig darüber gefreut haben. Denn zu Hause rief das gute Abschneiden Deutschlands nach langer Durststrecke nur noch Ratlosigkeit, Ablehnung und Desinteresse hervor. Ein peinliches Popstück, das niemand kaufen wollte und für das auch keiner abgestimmt hatte, bescherte uns einen vorderen Platz bei einem Musikereignis, das keinerlei relevante Popmusik mehr bot und bei dem fast niemand mehr zuschauen mochte. Ähm: hurra?
Yes, them! (PL 2011)
Offiziell läuft die Sendung noch, aber faktisch hat Magdalena Tul bereits vor zehn Minuten den polnischen Vorentscheid gewonnen und fährt mit ‘Jestem’ nach Düsseldorf. Zu Recht.
Sieht aus wie das typische Ostblockflittchen, hat aber nen geilen Song am Start: Magda
Je veux chanter, moi aussi (PL 2010)
Hat Alexander Rybak einen heimlichen polnischen Zwillingsbruder? Das war jedenfalls der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich – vier Tage nach der polnischen Vorentscheidung (ich sollte mich wohl besser in langsamgehn.de umbenennen) – mir den Auftritt des seit seiner Wildcard-Nominierung als sicherer Sieger gehandelten Marcin Mrozinski heute endlich ansah.
Kind of bitter blue (PL 2009)
Kaum sind die Jurys zurück, sind wir auch schon wieder – schwupps – tief im dunkelsten Jammertal der Neunzigerjahre angelangt, als ausnahmslos alle Länder absolut einheitliche, bis zur Hirnstarre dröge Schlichtballaden schickten, gemünzt auf den vermuteten Durchschnittsgeschmack des durchschnittlich 75jährigen Juroren. Und auch 2009 droht der Super-GAU der Langeweile, zu dem selbstverständlich auch das hierfür geradezu prädestinierte Polen in nicht unerheblichem Maße beiträgt: mit dem sterbensöden ‘I don’t wanna leave’ einer gewissen Lidia Kopinski, seit 2003 Leadsängerin der erfolglosen deutschen Band Kind of Blue, die uns bereits im Jahre 2000 mit dem nicht minder langweiligen ‘Bitter Blue’ beim deutschen Vorentscheid in Tiefschlaf versetzten. Schnarch.