Braucht Salvador Sobral ein neues Herz?

Um den portugiesischen Repräsentanten beim Eurovision Song Contest 2017, Salvador Sobral, scheint es möglicherweise ernster zu stehen, als zunächst angenommen: wie das Klatschmagazin Flash! angeblich aus einer „der Familie Sobral nahestehenden Quelle“ erfahren haben will, schwebe der 27jährige wegen seines schwachen Herzens „in Lebensgefahr“. Er stehe auf der Warteliste für eine Transplantation und müsse bis spätestens Jahresende ein Spenderherz erhalten. Derzeit behelfe er sich mit einem Schrittmacher, was auch der Grund für seine weite Kleidung sei: er kaschiere damit die externen Batterien, die er als Gürteltasche ständig mit sich tragen müsse. Sein Management bleibt unterdessen bei der bereits im Umfeld des Festival da Cançaõ verbreiteten Darstellung, Salvador habe sich einer Operation wegen zweier Hernien im Nabel- und Leistenbereich unterziehen müssen. Seine Eurovisionsteilnahme sei nicht in Gefahr. Sobrals musikalisch völlig aus der Zeit gefallene, pittoreske Jazz-Ballade ‚Amar pelos Deus‘ gilt nicht zuletzt aufgrund der liebenswert verschrobenen Vortragsweise des Sängers als Geheimtipp für einen Überraschungssieg in Kiew.

Kann für zwei lieben: Salvador Sobral (PT)

Portugal 2017: siempre la Magia del Corazón

Bis um 1 Uhr 45 in der Nacht dauerte es mal wieder beim portugiesischen Festival da Canção 2017, bis alle gefühlt 8.000 Honoratioren gebauchpinselt, sämtlichen Beiträgen der wenig glorreichen Grand-Prix-Geschichte des Landes die Hommage erwiesen sowie alle sieben regionalen Jurys abgefragt waren und das Ergebnis endlich feststand. Doch das Wachbleiben lohnte sich, denn die Wahl der Portugiesen, sie machte mich im Gegensatz zu so vielen Vorentscheidungen der letzten Wochen unendlich glücklich. Wie von mir und vielen internationalen Fans seit seinem ersten Vorentscheidungsauftritt vor zwei Wochen herbeigesehnt, gewann der zauberhaft verspult wirkende Salvador Sobral mit der völlig aus der Zeit gefallenen, hochgradig fragilen Prä-Disney-Liebesfilm-Ballade ‚Amar pelos Dois‘ das Ticket nach Kiew. Allerdings nur mit Hilfe der Jury: das Publikum zog das rundheraus schrecklich Popera-Stück ‚Nova Glória‘ von Viva la Diva vor, welches die hilfreichen Juroren vorsichtshalber auf Rang 5 setzten und damit den Sieg Salvadors, der im Televoting auf dem zweiten Rang landete, zementierten. Dankenswerterweise, denn von dem geschickt auf der Geschmacksgrenze zwischen Langeweile, Kitsch und Anspruch changierenden Lied geht, nicht zuletzt dank der selbstvergessenen, verschrobenen Vortragsweise des Sängers, eine geradezu magische Verzauberung aus. Jedenfalls, wenn man sein Herz dafür öffnet.

Das bekiffte Teletubbie: Salvador Sobral (PT)

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Perlen der Vorentscheidungen: Joy to the World

Zwei Semifinale vom vergangenen Sonntag gilt es noch nachzutragen: die zweite Runde des portugiesischen Festival da Canção und das rumänische Semifinale, das zur Aufgabe hatte, die von der Jury vorausgewählten 15 Titel auf deren zehn einzudampfen – und zwar durch erneute alleinige Entscheidung der Jury! Wie komplett absurd! Schauen wir aber zunächst nach Portugal: dort überraschte uns die deutsche Grand-Prix-Legende Joy Fleming (→ DE 1975) mit einem Cameo-Auftritt unter dem Tarnnamen Celina da Piedade. Sie trug ihr schwarzes Zeltkleid aus dem Vorentscheid von 2001 nochmal auf. Die seinerzeit als Girlande um den Hals geschlungenen Plastikblumen fanden sich nun im Haar und auf der kilometerlangen Schleppe wieder, dazu bewaffnete sie sich mit einem Akkordeon, das auch musikalisch ausführlich zum Einsatz kam. Klingt recht niedlich und ein bisschen wie Flor-de-Lis (→ PT 2009), obwohl die gute Celina dort niemals mitspielte, stattdessen jedoch bei den gut gemeinten, aber schlecht gemachten Homens da Luta (→ PT 2011).

Mandolinen und Mondenschein: in Portugal mag man’s possierlich (PT)

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Perlen der Vorentscheidungen: en stenhipp Man och en Prinsessa

Stellen Sie sich vor, liebe Leserin, lieber Leser: Sizilien 1931 Lissabon 2017. Es ist der Abend des ersten Semifinales des neu aufgelegten Festival da Canção, Portugals traditionsreichem Liederabend, der nach einem Jahr eurovisionärer Schmollpause – angeblich inhaltlich komplett aufgefrischt – erneut als Vorentscheidungsformat des notorisch erfolglosen Grand-Prix-Landes fungiert. Sechs der acht Beiträge dieser Runde sind bereits an Ihnen vorübergezogen, erste Ermüdungserscheinungen stellen sich ein, geschuldet der Tatsache, dass das Festival traditionell erst gegen 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit startet. Und dass Sie, was die bisherigen Lieder anging, nichts von der groß verkündeten Neuausrichtung feststellen konnten: fade und glanzlos plätscherte das alles an Ihnen vorbei, selbst der einzige englischsprachige Uptemposong löste nur Langeweile aus. Nun annonciert ein Einspieler den siebten Teilnehmer des Abends, einen hübschen jungen Mann namens Salvador Sobral, seinem Äußeren nach zu urteilen ein sympathisch wirkender urbaner Hipster mit lässigem Haarzopf und sexy Vollbart. Etwas verspielt-cooles wird jetzt sicher kommen, denken Sie sich, vielleicht ein wenig Elektrofolk wie seinerzeit von ByeAlex (→ HU 2013). ‚Amar pelos Dois‘ (‚Liebe für Zwei‘) heißt der Titel, wie die Einblendung verrät – ein gern genommenes Songthema, das keine weiteren Aufschlüsse zulässt. Dann blendet die Kamera in den Saal und fährt langsam auf Salvador zu, der in der Bühnenmitte im Halbdunkel steht. Während sie sich ihm immer mehr nähert, setzt die Musik ein. Und Sie merken instinktiv: hier stimmt etwas nicht.

Was zur Hölle? (PT)

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Ist Portugal schwedophob?

Wie eurofire heute berichtet, gab der portugiesische Sender RTP gegenüber dem dortigen Fanclub OGAE bekannt, dass das Land 2016 nicht am Eurovision Song Contest in Schweden teilnimmt. Und so langsam scheint sich hier ein Muster abzuzeichnen, denn somit fehlt/e Portugal bei sämtlichen Contests des aktuellen Jahrtausends, die im IKEA-Land stattfanden bzw. stattfinden: auch schon 2000 und 2013 fand sich kein Beitrag Lusitaniens im Line-up. Allerdings war die Absenz im Jahr von ‚Wadde hadde dudde da‘ nicht ganz freiwillig: seinerzeit gab’s noch keine Semis, die Schlechtestplatzierten der Vorjahre mussten aussetzen, und da gehörte Portugal nun mal zu. 2013 indes fehlte man angeblich aus finanziellen Gründen, so wie auch heuer: der Sender gehe durch eine Restrukturierung. 2017, so ließ RTP laut eurofire verlauten, wolle man wieder dabei sein und bis dahin auch den Vorentscheid so reformiert haben, dass man endlich wettbewerbsfähige Beiträge senden könne.

Sollte die Ronaldo-Schwester verhindert werden? Kátia Aveiro bewarb sich im Vorfeld offensiv als Portugals ESC-Repräsentantin 2016

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Neues Jahr, neues Glück: das ESC-Jahr 2016 beginnt

Ob sie es aber so ins Finale schaffen? Ich zweifle.Heute ist der 1. September 2015, für Eurovisionsfans beginnt damit offiziell das neue Jahr. Denn ab heute dürfen mögliche Beiträge zum 61. Eurovision Song Contest, der am 10. (erstes Semi), 12. (zweites Semi) und 14. Mai 2016 (Finale) im Stockholmer Globen stattfinden wird, veröffentlicht werden. Måns Zelmerlöw ist daher ab diesem Moment der letztjährige Gewinner (obwohl, das ist falsch: Il Volo sind die letztjährigen Gewinner). Der diesjährige Contest, bereits der zweite in diesem Jahrtausend, der im Schnellen Brüter der schwedischen Hauptstadt stattfindet (und schon der fünfte sechste, den die Schweden insgesamt ausrichten dürfen), steuert auf einen möglichen neuen Teilnehmerrekord zu, wenn man den ersten Pressemeldungen Glauben schenken darf. Nicht nur, dass Tschechien trotz des enttäuschenden Ausscheidens im Semi in Wien dabei bleiben will (hurra!) und Griechenland trotz akuter Finanzmisere bereits eine Vorentscheidung angekündigt hat (hurra!). Auch die kriegsgeschüttelte Ukraine versucht laut NDR, einen Beitrag für Stockholm auf die Beine zu stellen (hurra!). Und zu guter Letzt scheint die Rückkehr der seit 2013 abtrünnigen Türkei in den Schoss der Grand-Prix-Familie mittlerweile ziemlich sicher zu sein. Herzlich willkommen zurück, wir haben Euch schrecklich vermisst! Wenn jetzt auch noch Bosnien und Bulgarien wieder mitmachen, bin ich richtig, richtig glücklich!

2000 für die Türkei im Globen am Start: die fabelhafte Pinar Ayhan

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Schweden und die HJ: erste Proben zweites Semi 2015

In Wien setzten sich am Mittwoch und Donnerstag die ersten Probedurchläufe fort, diesmal mit den Teilnehmer/innen des zweiten Semifinales vom kommenden Donnerstag. Eine Fortsetzung fand auch die Saga um die händchenhaltenden Ampelmännchen: ausgerechnet die sich selbst als „freiheitlich“ titulierende FPÖ drohte an, die hübsche Geste gegenüber der Eurovisions-Kernzielgruppe (und Umsetzung der Toleranzbotschaft der aktuell regierenden Eurovisionskaiserin Conchita) zur Anzeige zu bringen. Es handele sich um „grüne Klientelpolitik und Steuergeldverschwendung in Reinkultur,“ so der FPÖ-Mann Toni Mahdalik laut Kronenzeitung. Da Beides nicht verboten ist, begründete die FPÖ die Anzeige offiziell mit einem „Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung“ – und musste sich prompt belehren lassen, dass in der StVO „lediglich die Farben Rot, Grün, Gelb geregelt [sind], jedoch nicht die Form“, so Sonja Vicht von der Wiener Stadtverwaltung. Es gilt übrigens nochmals darauf hinzuweisen, dass unter den drei Motiven auch ein Hetero-Pärchen zu sehen ist – was uns wunderbar auf die ersten Starter im zweiten Eurovisionssemi hinleitet…

Beste Stelle bei 0:48 Minuten: ich weiß nicht warum, aber irgendwie scheint mir das mit der erhöhten Aufmerksamkeit nicht ganz zu funktionieren! 

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Portugal 2015: kein Fado, aber fade

Und zu für portugiesische Verhältnisse sehr früher Stunde ist denn auch das Festival da Canção überstanden. Genauer gesagt: das Finale der dortigen Vorentscheidung, dem bereits zwei Semis vorausgingen. Heute standen noch sechs Künstler/innen zu Wahl, darunter die mittlerweile 77jährige Eurovisionslegende (PT 1965, 1969) Simone de Oliveira, die jedoch im Vorfeld durchsickern ließ, im Falle ihres Sieges nicht nach Wien fahren zu wollen. Zum Kümmert-Moment kam es jedoch nicht: Simone schied, nach dem sie im Gegensatz zu ihrem Semifinalauftritt heute weite Strecken ihrer zerbrechlichen Ballade ‚À espera das Canções‘ verröchelte, in der ersten Wertungsrunde (zwei Songs durch Televoting, ein dritter durch die Jury) aus, ebenso wie die im Vorfeld als Favoritin gehandelte Yola Dinis, die den einzigen (fantastisch dramatischen!) Fado des Abends interpretierte. Nach Wien fährt unterdessen die als Valium-Rockchick performende Leonor Andrade, ein weiteres The Voice-Gewächs, die mit ‚Há um Mar que nos separa‘ (die Hymne der afrikanischen Bootsflüchtlinge? Nein, Portugal grenzt ja an das andere Meer!) ein schaumgebremstes Formatradiorockpopliedchen singt. Und obwohl ich Dankbarkeit alleine dafür empfinden müsste, dass wir nicht mit noch einer Ballade behelligt werden und Leonor für den echten Grand-Prix-Flair sogar eine Rückung einbaute, schalten meine Ohren bei dem todlangweiligen Seichtsong nach zehn Sekunden auf Durchzug.

Uns trennt kein Meer, aber der Musikgeschmack: Portugal bleibt der Fadheit in Treue fest verbunden

Schafft Portugal mit Leonor Andrade die Finalqualifikation?

  • Sollte sie es mangels Konkurrenz ins Finale schaffen, macht sie dort den letzten Platz. (45%, 39 Votes)
  • Guter Witz. Da schläft ja alles ein! Letzter Platz im Semi. (42%, 36 Votes)
  • Warum nicht? Ist doch mal was Modernes. (13%, 11 Votes)

Total Voters: 86

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Simone de Oliveira pullt einen Kümmert!

Die eurovisionäre Rücktritteritis scheint ansteckend zu sein: nach dem spektakulären Verzicht des Unser Song für Österreich-Gewinners Andreas Kümmert auf die Fahrkarte nach Wien am Donnerstag gab nun die portugiesische Grand-Prix-Legende Simone de Oliveira (PT 1965, 1969) bekannt, im Falle eines Sieges beim diesjährigen Festival da Canção ebenfalls die Teilnahme am Eurovision Song Contest zu verweigern, wie Eurovision Apocalypse heute berichtet. Kleiner, aber feiner Unterschied zu Kümmert: die mittlerweile 77jährige Frau de Oliveira verfügte zumindest über die Klasse, ihre fehlende Repräsentationsbereitschaft rechtzeitig vor dem heute Abend stattfindenden Finale der portugiesischen Vorentscheidung bekannt zu geben, so dass die Televoter, die sie am Donnerstag im zweiten Semi des Festival da Canção unterstützten, sich eine/n andere/n Favorit/in suchen können. Dennoch schade: ihre Ballade ‚À Espera das Canções‘ fällt zwar musikalisch in den schier unerschöpflichen Topf portugiesischer Depressionsmusik, wird aber durch die atemberaubende Interpretation der schildkrötengesichtigen Grande Dame des lusitanischen Chansons zum echten Erlebnis.

Vorsicht, zerbrechlich: auch Simone de Oliveira will nicht zum ESC

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Elhaida Dani pullt eine Elitsa

Eigentlich gehört der unverhoffte Songtausch ja zu den weißrussischen oder ukrainischen Spezialitäten. Nun übt sich auch Albanien in dieser Kunst: wie die Gewinnerin des 53. Festivali i Kenges und diesjährige skipetarische Eurovisionsvertreterin Elhaida Dani gestern auf ihrer Facebook-Seite verkündete, steht ihr Siegertitel ‚Diell‘ nicht mehr für Wien zur Verfügung. Nach ihren Angaben habe Aldo Shllaku, der Komponist des Liedes, sein Einverständnis für die Verwendung als Wettbewerbsbeitrag zurückgezogen. Ob dies im Zusammenhang mit der geplanten Transferierung in Englische und / oder der notwendigen Kürzung auf die regelkonformen drei Minuten steht, ist nicht bekannt. Denkbar scheint auch, dass Dani und / oder RTSH kalte Füße bekamen, zumal man überraschend schnell Ersatz fand: der neue Titel heißt ‚I’m alive‘ und stammt aus der Feder des kosovarischen Produzentenduos Zzap & Chris (Arber Elshani und Chriss Lekaj), die für den dritten Platz beim letzten FiK verantwortlich zeichneten. Orientierte man sich womöglich am bulgarischen Beispiel? 2013 „mussten“ Elitsa Todovora und Stoyan Yankoulov den vom Publikum ausgewählten Beitrag ‚Kismet‘ wegen der angeblich fehlenden Zustimmung des Komponisten stornieren und ihn durch den von ihnen (und der bulgarischen Jury) favorisierten Song ‚Samo Shampioni‘ ersetzen…

Geht ‚I’m alive‘ auch in diese Richtung? Lindita Hamili mit einem Song von Zzap & Chris (AL)

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