2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madon­na wird am Sams­tag im Fina­le des Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 auf­tre­ten. Die seit Mona­ten als Gerücht gestreu­te, in den letz­ten Tagen mit einem ent­we­der unnö­ti­gen oder gefak­ten Dra­ma um nicht unter­schrie­be­ne Ver­trä­ge gehyp­te und ges­tern bestä­tig­te Nach­richt, dass die EBU der ame­ri­ka­ni­schen Groß­mutter des Pop, die hier­für sogar noch eine von einem israe­li­schen Indus­tri­el­len finan­zier­te Mil­lio­nen­ga­ge ein­streicht, in der zuschau­er­stärks­ten TV-Show der Welt kos­ten­los die Mög­lich­keit zur Bewer­bung ihres neu­es­ten Albums ein­räumt, nahm am gest­ri­gen Don­ners­tag­abend gefühlt ein Vier­tel der Sen­de­zeit, min­des­tens jedoch der Mode­ra­ti­on ein und degra­dier­te die acht­zehn im Kampf um den Final­ein­zug ange­tre­te­nen Acts zur blo­ßen Staf­fa­ge. Ver­traut die EBU der Strahl­kraft ihrer eige­nen Vor­zei­ge­sen­dung mitt­ler­wei­le so wenig, dass sie glaubt, die­ses erbärm­li­che Spiel mit­ma­chen zu müs­sen? Gut, der musi­ka­li­sche Anspruch des zwei­ten Semi­fi­na­les, in dem sich zwar alle nicht fix fürs Fina­le gesetz­ten Buch­ma­cher-Favo­ri­ten tum­mel­ten, das aber größ­ten­teils durch glatt­po­lier­te, main­strea­m­i­ge Lan­ge­wei­le glänz­te, ließ einen ein Stück weit nach­voll­zie­hen, war­um man sich sei­tens des Sen­ders KAN so auf das Drum­her­um kapri­zier­te.

Die dür­fen das: der Pau­se­nact Shal­va mit einem wun­der­bar herz­er­wär­men­den Kitsch­stück.

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Rank & File 2019: Platz 38 – On a Sunday

Wenn zwei sich strei­ten, freut sich die Drit­te: die rumä­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin 2019, Ester Peo­ny, erhielt im Tele­vo­ting der Vor­ent­schei­dung Sel­ecția Națio­nală gera­de mal 365 Anru­fe und damit weni­ger als ein Zwölf­tel (!) der Publi­kums­fa­vo­ri­tin Lau­ra Bre­tan. Doch die sechs­köp­fi­ge inter­na­tio­na­le Jury woll­te die erz­kon­ser­va­ti­ve Chris­ten­toch­ter gott­lob um jeden Preis ver­hin­dern und schau­fel­te in einem über­ra­schen­den Move Frau Crețu (wie das Peo­ny bür­ger­lich heißt) die Punk­te zu.

Platz 38: Rumä­ni­en – Ester Peo­ny: On a Sunday (An einem Sonn­tag)

Und so gesellt sich das Land der Kar­pa­ten in der aufrechtgehn.de-Wertung Seit’ an Seit’ mit dem nur einen Rang wei­ter unter plat­zier­ten Bru­der­staat Mol­da­wi­en. Wobei ‘On a Sunday’ für sich genom­men sogar eine Kate­go­rie höher spie­len könn­te, in der Abtei­lung “Ver­zicht­bar”. Der bol­le­ri­ge Mid­tem­po­song mit dem mage­ren “Hey hey hey”-Refrain klingt in der Stu­dio­fas­sung gut pro­du­ziert und löst zumin­dest kei­ne akti­ve ästhe­ti­sche Abwehr­re­ak­ti­on aus, fließt jedoch schlicht an mei­nen Ohren vor­bei, ohne sich irgend­wo fest­zu­ha­ken. Er wirkt kalt und ste­ril, frei von Emo­tio­nen und voll­kom­men zweck­los. Auch der Tren­nungs­schmerz-Text kommt ohne all zu vie­le kit­schi­ge Kli­schees aus, hin­ter­lässt jedoch kei­nen authen­ti­schen Ein­druck und klingt irgend­wie auf­ge­sagt. Der mit dra­ma­tisch düs­te­ren Bil­dern aus einer Burg­rui­ne auf­war­ten­de Video­clip beschwört Geis­ter, Wöl­fe und Fabel­we­sen, erzählt aber genau so wenig eine Geschich­te, die mich erreicht.

Am Mor­gen nach der Abriss­par­ty: der offi­zi­el­le Video­clip zu ‘On a Sunday’.

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Am I a Cri­mi­nal?”: Moni­ka Mari­ja kauft sich für 2.000 Euro frei

Man kann die Stra­te­gie für befremd­lich hal­ten: mit gleich zwei musi­ka­lisch sehr ähn­li­chen Titeln trat die litaui­sche Sän­ge­rin Moni­ka Mari­ja Pau­laus­kaitė in die­sem Jahr beim Vor­ent­scheid ihres Lan­des an, der Nacio­na­linė Euro­vi­zi­jos Atran­ka. Näm­lich mit der Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Lights on’ und der… Mid­tem­po-Power­bal­la­de ‘Cri­mi­nal’. Bei­de über­stan­den unbe­scha­det die gefühlt sieb­zig Vor­run­den und Semi­fi­na­le der litaui­schen Mara­thon-Show. Und das, obwohl Frau Pau­laus­kaitė im Vor­feld des Semis am ver­gan­ge­nen Sams­tag die Jury und die Zuschauer/innen beschwo­ren hat­te, bit­te bloß nicht für ‘Cri­mi­nal’ zu stim­men bzw. anzu­ru­fen. Den Gefal­len taten ihre Lands­leu­te ihr aber nicht und auch die­sen Song ins Fina­le am Sams­tag durch. ‘Lights on’ hat­te sich bereits in der Woche davor qua­li­fi­ziert. Wohl, um der Gefahr zu ent­ge­hen, dass sich kom­men­den Sams­tag nun die Stim­men gleich­mä­ßig auf bei­de Bei­trä­ge ver­tei­len und jemand anders ihr den Sieg weg­schnappt, zog Moni­ka Mari­ja ‘Cri­mi­nal’ nun vom Wett­be­werb zurück, wofür sie eine Ver­trags­stra­fe von 2.000 € an den Sen­der LRT ent­rich­ten muss. Der lässt sie dafür nun mit ihrem deut­lich zähe­ren und lang­wei­li­ge­ren Wunsch­bei­trag mit­ma­chen.

Eine Kri­mi­nel­le will sie nicht mehr sein, die Moni­ka Mari­ja. Also kauft sie sich von dem Vor­wurf Song frei.

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Sel­ecția Națio­nală 2019: Immer wie­der sonn­tags

Das Wich­tigs­te zuerst: herz­li­chen Dank an die­ser Stel­le an die bei­den Blog­ger­kol­le­gen Wil­liam Lee Adams und Deban Ader­e­mi von Wiwi­bloggs, die Euro­pa prak­tisch im Allein­gang vor der hass­erfüll­ten homo­pho­ben Het­ze­rin bewahr­ten. Und eben­so herz­li­chen Dank an die, wie Euro­fire von deren Face­book­sei­te zitiert, “stin­ken­den Kom­mu­nis­ten von TVR,” dem rumä­ni­schen Staats­sen­der, der dies durch sein völ­lig absur­des Voting­ver­fah­ren erst mög­lich mach­te. Denn beim dies­jäh­ri­gen rumä­ni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid, der Sel­ecția Națio­nală, tob­te bekannt­lich so eine Art Glau­bens­krieg, ein epi­scher Kampf zwi­schen Gut und Böse. Letz­te­res in die­sem Fall reprä­sen­tiert durch die vor­he­ri­ge Favo­ri­tin und haus­ho­he Sie­ge­rin im Tele­vo­ting, die sech­zehn­jäh­ri­ge Lau­ra Bre­tan. Die in Chi­ca­go gebo­re­ne und von ihren streng evan­ge­li­ka­len Eltern zu Hau­se unter­rich­te­te Lau­ra posi­tio­nier­te sich ver­gan­ge­nen Okto­ber öffent­lich als Geg­ne­rin der Homo-Ehe und unter­stütz­te das – glück­li­cher­wei­se geschei­ter­te – rumä­ni­sche Refe­ren­dum, mit dem die Ehe per Ver­fas­sung als aus­schließ­li­che Ver­bin­dung von Mann und Frau zemen­tiert wer­den soll­te. “So, wie Gott die Fami­lie gewollt hat” in den Wor­ten der Sän­ge­rin. Sie zu ver­hin­dern war daher alles, was heu­te zähl­te. Und es ist gelun­gen!

Die knall­hart kon­ser­va­ti­ve Unschuld in weiß: Lau­ra Bre­tan mit dem Sound­track zur Trump-Ära.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: der sen­si­ble Bal­kan

Ein aus­drück­li­ches Lob muss ich an die­ser Stel­le ein­mal an den rumä­ni­schen Sen­der TVR rich­ten. Nach dem hek­ti­schen Irr­sinn des mit Vor­ent­schei­dun­gen kom­plett über­frach­te­ten ver­gan­ge­nen Super­sams­tags (an den kom­men­den darf ich erst gar nicht den­ken!) gestal­te­te sich der Sonn­tag­abend mit dem Genuss des zwei­ten Semis der Sel­ecția Națio­nală gera­de­zu kusch­lig-kom­mod. Vie­len Dank für die­se Ent­zer­rung! Freund­li­cher­wei­se stell­te TVR einen ruck­el­frei­en You­tube-Live­stream in HD-Qua­li­tät zur Ver­fü­gung, und die aus der Klein­stadt Arad über­tra­ge­ne Show glänz­te mit einem deut­lich bes­se­ren Line-up als noch das ers­te SN-Semi vor 14 Tagen. Selbst die Fehl­ur­teils­quo­te der Jury, die fünf der sechs Fina­lis­ten allei­ne bestim­men durf­te, hielt sich in Gren­zen. Ledig­lich der Ver­lust des den Auf­takt geben­den, zweck­mä­ßig benann­ten Män­ner­du­os 2 Gents ist zu bekla­gen, deren flot­ter Turbo­folk-Schla­ger ‘Lele­le’ exakt das lie­fer­te, was der Titel ver­sprach, aller­dings arg unter der kata­stro­pha­len Sound­ab­mi­schung litt: die viel zu lei­se aus­ge­steu­er­ten Vocals ver­san­ken zu einem mat­schi­gen Brei, wäh­rend die Drums (hand­ge­spielt auf einem pit­to­res­ken Zwit­ter­in­stru­ment, einer Art Alp­horn­trom­mel) zeit­ver­setzt dop­pelt zu hören waren, was extrem irri­tier­te.

The grab­bing Hands / grab all they can / Lele­le counts / in small Amounts.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Saint­li­ke Beha­viour

Nach­zu­lie­fern ist noch die Nach­schau des ers­ten Semi­fi­na­les der rumä­ni­schen Sel­ecția Națio­nală (SN), die am ver­gan­ge­nen Sonn­tag in der 300.000-Einwohner-Stadt Iași (gespro­chen: “Jasch”), der eins­ti­gen Metro­po­le des Fürs­ten­tums Mol­dau, über die Büh­ne ging. Elf Acts tra­ten an, doch streng­ge­nom­men dreh­te sich der gesam­te Abend nur um eine ein­zi­ge Teil­neh­me­rin, näm­lich um Bel­la San­tia­go. Die gebür­ti­ge Phil­ip­pi­nin, die bereits ver­gan­ge­nes Jahr mit ‘Auzi Cum Bate’ einen der bes­ten Songs zum rumä­ni­schen Vor­ent­scheid bei­steu­er­te und im Herbst des glei­chen Jah­res in der Cas­ting­show X‑Factor abräum­te, hat­te ihren aktu­el­len Bei­trag ‘Army of Love’ erst nach Ablauf der Dead­line bei TVR ein­ge­reicht, aber vom Sen­der eine Wild­card erhal­ten. Wie es hieß, ver­schob man für sie sogar eigens den Ter­min die­ses Semis. Was die ursprüng­lich eben­falls für die­se SN auf­ge­stell­te, alt­be­kann­te Dra­ma­queen Mihai Trăis­ta­riu der­ma­ßen erbos­te, dass der ‘Tor­neró’-Mann sei­nen Auf­tritt gleich nach Weiß­russ­land ver­leg­te. Frau San­tia­go prä­sen­tier­te am Sonn­tag dann prak­tisch den ein­zi­gen anhör­ba­ren Song.

Der mit den lan­gen Haa­ren und dem Voll­bart (wie zu hören war, ein Ita­lie­ner) gehört mir!

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Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Pro­ben für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in der Alti­ce-Are­na zu Lis­sa­bon wei­ter, heu­te mit der ers­ten Hälf­te des zwei­ten Semi­fi­na­les. Das eröff­net bekannt­lich, in Per­son Alex­an­der Rybaks, ein ehe­ma­li­ger Euro­vi­si­ons­ge­win­ner. Und wie­wohl sein Bei­trag ‘That’s how you wri­te a Song’ die euro­päi­schen Schwur­na­lis­ten in Fans und beken­nen­de Has­ser spal­tet, herrscht unter den Blogger/innen ziem­li­che Einig­keit, dass auch die­ser Titel erneut um den Sieg mit­spie­len könn­te. Rybak, der Dori­an Gray der Euro­vi­si­on, der seit sei­ner letz­ten Grand-Prix-Teil­nah­me offen­sicht­lich kei­nen Tag alter­te und noch immer über sei­nen Laus­bu­ben­charme ver­fügt, bringt – wie schon 2009 – das bereits aus­ge­reif­te audio­vi­su­el­le Gesamt­kon­zept des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix mit zum Con­test und setzt es dort Punkt für Punkt um, mit­samt den per Zei­chen­trick hin­zu­ge­füg­ten und um eini­ge Herz­chen erwei­ter­ten Bild­schirm­gra­fi­ken, die sei­ne Cho­reo­gra­fie ergän­zen. Und war­um auch nicht, der Mann weiß schließ­lich, was er tut. Im Pres­se­zen­trum machen sich die Ers­ten nun schon Sor­gen, dass sie nächs­tes Jahr für ein Bier im Euro­club zu Oslo eine wei­te­re Hypo­thek aufs Haus auf­neh­men müs­sen. Und dass, wo doch das Super Bock in Lis­sa­bon so herr­lich güns­tig ist!

Nur echt mit der Vio­li­ne: der Rybak.

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RO 2018: Irren ist mensch­lich

Einen Euro­vi­si­ons­bei­trag für die Fest­spie­le im Mai 2018 im son­ni­gen Lis­sa­bon gilt es noch nach­zu­tra­gen vom ver­gan­ge­nen Wochen­en­de. Am Sonn­tag sieg­te im Fina­le der rumä­ni­schen Sel­ecția Națio­nală ent­täu­schen­der­wei­se die erst seit einem Jahr bestehen­de Poprock­ka­pel­le The Humans mit dem maxi­mal durch­schnitt­li­chen ‘Good­bye’: der Titel dürf­te sich wohl auch auf die Final­chan­cen des Bal­kan­lan­des in Por­tu­gal bezie­hen. Die Band um die blon­de Lead­sän­ge­rin und Kom­po­nis­tin Cris­ti­na Cara­mar­cu sam­mel­te inner­halb des ein­stün­di­gen (!) Abstim­mungs­fens­ters knapp 3.300 Stim­men ein und schlug damit auf den letz­ten Metern das Frisch­ver­lieb­te-Kin­der-Pär­chen Ale­xia & Matei, das in der bestän­dig ein­ge­blen­de­ten Blitz­ta­bel­le lan­ge Zeit schein­bar unein­hol­bar vor­ne lag. Das nen­ne ich mal den Teu­fel mit dem Beel­ze­bub aus­trei­ben! Die mit einer leid­lich inter­es­san­ten, so kurz­at­mi­gen wie dunk­len Reib­ei­sen­stim­me aus­ge­stat­te­te Chris­ti­na begann ihren Vor­trag in einem schwar­zen Cape, umrahmt von zwei mas­kier­ten Män­nern. Nach knap­pen 45 Sekun­den fie­len jedoch sowohl Trick­kleid wie Gesichts­schutz, und ab da regier­te dann nur noch die Ödnis.

She’s hol­ding out for some Breath‑o: Cris­ti­na Cara­ma­cu (RO).

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ein Fisch namens Dra­cu­la

Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ging im Gast­ge­ber­land des dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test, in Por­tu­gal, die ers­te von zwei Halb­fi­na­len des Fes­ti­val da Canção über die Büh­ne. Auf der Halb­in­sel glaubt man noch fest an das Kon­zept des → Kom­po­nis­ten­wett­be­werbs, und so lud der Sen­der 26 Song­schrei­ber ein, ein Lied für Lis­sa­bon zu kom­po­nie­ren und ent­we­der selbst zu sin­gen oder einen pas­sen­den Inter­pre­ten mit­zu­brin­gen. Die Hälf­te von ihnen, also 13, durf­ten ges­tern ihre Ergeb­nis­se vor­stel­len. Und wie zu erwar­ten, wur­de es ein lan­ger, lah­mer Abend voll von sanf­ten Bal­la­den und intro­ver­tier­ten Auf­trit­ten. Wie ein Fanal stach da die völ­lig bizar­re Dar­bie­tung des Sin­ger-Song­wri­ters JP Simões her­vor, der – Halb­play­back oder tech­ni­scher Trick? – zwei­stim­mig gewis­ser­ma­ßen gegen sich selbst sang und dabei voll­kom­men sto­isch wirk­te, auch als sein ohne­hin ziem­lich schrä­ger, irgend­wie latent bedroh­li­cher Bei­trag ‘Alvor­o­ço’ (‘Hoo­li­gan’) an der Zwei-Minu­ten-Mar­ke plötz­lich in eine wil­de Kako­pho­nie aus schril­len Trom­pe­ten und sich über­schla­gen­den Trom­meln abdrif­te­te, beglei­tet von einem epi­lep­sie­aus­lö­sen­den Blitz­lichts­tak­ka­to. Unge­rührt starrt JP wei­ter mit sei­nem “Ver­piss Dich”-Blick in die Kame­ras und brach­te die Num­mer zurück in ruhi­ge­re Fahr­was­ser. Ganz gro­ßes Grand-Prix-Kino!

JP: der ver­heim­lich­te, noch böse­re Zwil­lings­bru­der des Film-Schur­ken Otto (Kevin Kli­ne) aus ‘Ein Fisch namens Wan­da’ (PT).

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