Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Mori­tu­ri te salutant!

Zwei Vor­ent­schei­dun­gen vom Wochen­en­de gilt es noch nach­zu­rei­chen. Die letz­te Vor­run­de der litaui­schen Euro­vi­zi­ja vom ver­gan­ge­nen Sams­tag zeig­te sich erstaun­lich arm an… – nein, prä­zi­ser: ent­täu­schend frei von Durch­ge­knall­tem, wie wir es sonst von dem Bal­ten­staat ken­nen und lie­ben. Am schrägs­ten viel­leicht noch der Auf­tritt einer gewis­sen Ofe­li­ja, deren rein musi­ka­lisch betrach­tet (wäre da nur nicht der gräus­li­che Gesang!) noch nicht ein­mal schlech­tes Elek­tro­pop­lied­chen den Titel ‘But­ter­fly’ trug und die sich, wenig über­ra­schend, mit bun­ten Schmet­ter­lings­flü­geln aus­ge­stat­tet hat­te. Die sie aller­dings erst nach zwei Minu­ten zur vol­len Pracht ent­fal­te­te: zunächst saß sie hin­ter einer schä­bi­gen Heim­or­gel, anschlie­ßend ließ sie sich von einem tan­zen­den Pär­chen umsprin­gen. Ins­ge­samt ver­mit­tel­te die gute Ofe­li­ja ein wenig den Ein­druck, in den Neun­zi­gern hän­gen­ge­blie­ben zu sein. Und wer woll­te es ihr ver­den­ken: außer beim Song Con­test war das schließ­lich pop­mu­si­ka­lisch wie gesell­schafts­po­li­tisch die bes­te Deka­de! Um so unvor­be­rei­te­ter traf den Zuhö­rer der nihi­lis­tisch-pro­fun­de Schluss­satz ihres fluffi­gen Songs, der da lau­te­te: “Becau­se I’m like a But­ter­fly / and soon I’m gon­na die”. Hopp­la!

Bes­tens für die anste­hen­de Faschings­sai­son gerüs­tet: Ophe­lia und ihr Begleit­bal­lett (LT).

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Im Schmerz gebo­ren

Es ist eine Gewis­sens­ent­schei­dung, die man als lei­den­schaft­li­cher Euro­vi­si­ons­fan wäh­rend der Vor­ent­schei­dungs­sai­son tref­fen muss: schaut man Sonn­tags­abends um 20:15 Uhr wei­ter­hin den Tat­ort, wie es sich für einen ordent­li­chen Deut­schen ver­pflich­tend gehört? Oder lässt man den kol­lek­ti­ven TV-Got­tes­dienst sau­sen, um sich leicht­fer­tig den Ver­lo­ckun­gen des rumä­ni­schen Vor­ent­schei­dungs­ma­ra­thons, der Sel­ecția Națio­nală (SN) hin­zu­ge­ben, die seit vor­ver­gan­ge­nem Sonn­tag für ein­ein­halb Mona­te zeit­gleich läuft? Nun, als ech­ter Con­nais­seur des Abar­ti­gen fällt die Ant­wort natür­lich leicht! Erst recht in die­sem Jahr, in dem der Sen­der des Kar­pa­ten­staa­tes aus Anlass des hun­dert­jäh­ri­gen Geburts­tags Rumä­ni­ens in sei­ner heu­ti­gen Aus­deh­nung das For­mat auf fünf Semi­fi­na­le mit ins­ge­samt 60 Lie­dern aus­ge­dehnt hat. Und, wie um den Ent­zug leich­ter zu gestal­ten, war­te­te das gest­ri­ge zwei­te SN-Semi mit einer Mord­dich­te auf, mit der noch nicht mal der legen­dä­re Murot-Tat­ort ‘Im Schmerz gebo­ren’ mit­hal­ten kann. Nur, dass man im Natio­nal­thea­ter von Timişo­ara (Temes­war), wo die Show gas­tier­te, kei­ne Schau­spie­ler rei­hen­wei­se dahin­met­zel­te, son­dern Töne.

Ein Ver­bre­chen gegen die Musik: Ales­san­dro Dănes­cu stran­gu­liert sei­nen Bei­trag.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The per­fect Fail

#metoo: Ilin­ca ist von Alex’ unge­stü­mer Zunei­gung nicht begeis­tert.

Wie viel Punk­te hat sie für ihren Ex wohl übrig? Die­se ban­ge Fra­ge schweb­te am gest­ri­gen Sonn­tag­abend über dem ers­ten Semi­fi­na­le der rumä­ni­schen Sel­ecția Națio­nală. Sie, das ist natür­lich die Jodel-Queen Ilin­ca Băcilă, die letz­tes Jahr beim Euro­vi­si­on Song Con­test gemein­sam mit Bad Boy Alex Flo­rea einen fünf­ten Platz für das Land erjo­del­te und heu­er in der (allei­ne abstim­mungs­be­rech­tig­ten) Jury saß. Und die in die­ser Funk­ti­on auch den neu­en, sehe­risch beti­tel­ten Wett­be­werbs­bei­trag von Alex bewer­ten muss­te, der es dies­mal solo ver­such­te. Wür­de sie ihm noch gram sein ob sei­ner dama­li­gen unge­woll­ten Kuss­at­ta­cke, und ihn abstra­fen? Oder wür­de sie ihm aus alter Ver­bun­den­heit unver­dien­te Dou­ze Points zuschau­feln für sei­nen über die Maßen lah­men, wei­ner­li­chen Poprocks­eich, mit dem er sei­ne sof­te Sei­te zei­gen woll­te? Ilin­ca wähl­te den Mit­tel­weg und zog sich mit (sehr groß­zü­gi­gen) sechs Punk­ten geschickt aus der Affä­re. Zum Final­ein­zug reich­te das jedoch nicht, und so folg­te für den zwi­schen­zeit­lich etwas paus­bä­cki­ger, dabei immer noch heiß aus­schau­en­den Alex auf das erfolg­reich absol­vier­te Euro­vi­si­ons­fi­na­le das unrühm­li­che Aus­schei­den im Vor­ent­scheid. Autsch!

Nobo­dy told me that it would hurt’. Man­che Lie­der kom­men­tie­ren sich schlicht­weg von selbst (RO).

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: the Cat with the Hat

Sech­zig Songs, auf­ge­split­tet auf fünf Vor­run­den aus fünf quer über das Land ver­teil­ten Städt­chen: 2018 pullt das rumä­ni­sche Fern­se­hen TVR bei der Aus­wahl sei­nes Grand-Prix-Lie­des ein Melo­di­fes­ti­va­len. Den Auf­hän­ger für die Line Exten­si­on der Sel­ecția Națio­nală bil­det das hun­dert­jäh­ri­ge Jubi­lä­um des his­to­ri­schen Groß­ru­mä­ni­ens, wel­ches nach dem Ende des Ers­ten Welt­kriegs unter Ein­schluss ehe­ma­li­ger rus­si­scher und unga­ri­scher Gebie­te ent­stand, und das man ent­spre­chend groß abfei­ern möch­te. Schö­ner Neben­ef­fekt für den 2016 wegen offe­ner EBU-Rech­nun­gen noch kurz­fris­tig vom Song Con­test aus­ge­schlos­se­nen Sen­der: die Kos­ten für die fünf SN-Semis tra­gen die aus­ge­wähl­ten Kom­mu­nen. Der­zeit stellt TVR zum Anhei­zen für die ab kom­men­dem Sonn­tag star­ten­de Sen­de­rei­he suk­zes­si­ve die Mit­schnit­te der bereits vor eini­ger Zeit durch­führ­ten SN-Audi­tions auf You­tube ein. Und auch, wenn ob der Viel­zahl der zu befül­len­den Sen­de­flä­chen fast jede/r genom­men wur­de, der/die kam, so gab es doch ein paar Gestal­ten, die selbst der rumä­ni­schen Vor­auswahl­ju­ry zu tra­gisch erschie­nen, um sie in einem der Semis zu ver­klap­pen. Was sie natür­lich zu einem gefun­de­nen Fres­sen für die Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen macht.

Ein Mann mit einer Mis­si­on: Dorel Giur­giu ist auf der Suche nach Frie­den. Und nach Ruhe vor der Stim­men in sei­nem Kopf.

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Alex Flo­rea bezich­tigt Sal­va­dor Sobral des “Thea­ter­spiels”

Nach dem Schwe­den Robin Beng­ts­son hat sich nun auch der rumä­ni­sche Rap­per Alex Flo­rea (‘Yodel it!’) kri­tisch über den am ver­gan­ge­nen Sams­tag sieg­rei­chen Por­tu­gie­sen Sal­va­dor Sobral geäu­ßert. Wie Wiwi­bloggs rap­por­tiert, äußer­te er heu­te früh in einem live aus­ge­strahl­ten Video-Inter­view mit der rumä­ni­schen Tages­zei­tung Ade­va­rul Zwei­fel an den gesund­heit­li­chen Pro­ble­men des schlump­fi­gen Hip­sters und ver­brei­te­te die Theo­rie, es han­de­le sich dabei um Mit­leids-“Mar­ke­ting”, wie es in Cas­ting­shows an der Tages­ord­nung sei: “Sei­ne Hin­ter­grund­sto­ry funk­tio­nier­te, das Publi­kum hat es geschluckt,” so Flo­rea. Sobral war auf Anra­ten sei­ner Ärz­te erst spä­ter als sei­ne Konkurrent/innen nach Kiew ange­reist und etli­chen Pro­ben fern­ge­blie­ben, in den Medi­en mach­ten (von eini­gen Kom­men­ta­to­ren offen­sicht­lich wei­ter­ver­brei­te­te) Gerüch­te über eine lebens­be­droh­li­che Herz­er­kran­kung die Run­de, die sein Manage­ment aller­dings strikt zurück­wies. Auf Anfra­gen besorg­ter Schwur­na­lis­ten in den Pres­se­kon­fe­ren­zen in Kiew räum­te Sal­va­dor aller­dings gesund­heit­li­che Pro­ble­me ein. Der rumä­ni­sche Bad Boy kauf­te ihm das aber nicht ab: “Sal­va­dor hat kei­ne Herz­pro­ble­me, bei ihm stimmt etwas im Kopf nicht”. Er sei von sei­nem “bil­li­gen Thea­ter” ange­wi­dert, des­we­gen reagie­re er so zynisch: “Ich habe in Cas­ting­shows auch schon Pro­ble­me gehabt, aber nie zu sol­chen Tak­ti­ken gegrif­fen, um zu gewin­nen,” so der Rumä­ne, der Sobral jedoch zumin­dest zuge­stand, dass sein Song “exzel­lent” gewe­sen sei. Flo­reas jodeln­de Duett­part­ne­rin Illin­ca Băcilă zeig­te sich im glei­chen Inter­view dage­gen “glück­lich” über den Sieg des Por­tu­gie­sen: “Was Sal­va­dor tat, kann man als Kunst begrei­fen, daher herz­li­chen Glück­wunsch zum Erfolg”! Sie gra­tu­lier­te außer­dem dem Sun­Stro­ke Pro­ject aus dem Nach­bar­land Mol­da­wi­en, das für die Bron­ze­me­dail­le beim Con­test, das bes­te Ergeb­nis des Bal­kan­lan­des bis­her, vom hei­mi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Igor Dodon nach Bericht von Euro­voix sogar eine staat­li­che Aus­zeich­nung erhal­ten soll: “Eine super­be Show”! Der rumä­ni­sche Jodel-Rap lan­de­te beim Publi­kum auf dem fünf­ten Rang, wur­de von den Jurys aber auf den sieb­ten Platz abge­wer­tet.

Schießt mit Kano­nen auf Spat­zen: Alex Flo­rea (RO)

Euro­vi­si­on Death­match #16: Rapper’s Sur­pri­se

Mit der Maxi­sin­gle (die Älte­ren unter mei­nen Leser/innen wer­den sich noch erin­nern) ‘Rapper’s Delight’ der Sugar­hill Gang fand bereits 1979 der als Rap bezeich­ne­te Sprech­ge­sang erst­ma­lig welt­weit Ein­zug in die Charts: die kom­mer­zi­el­le Geburts­stun­de des Hip-Hop, bis heu­te eines der erfolg­reichs­ten Musik­gen­res aller Zei­ten. Außer beim Euro­vi­si­on Song Con­test: dort sind Bei­trä­ge, die sich die­ser Tech­nik bedie­nen, meist nicht so gut gelit­ten. Dabei erfand die legen­dä­re Lys Assia die stak­ka­to­ar­ti­ge Sprach­ein­la­ge (“Polen­ta, Polen­ta, Polen­ta, Polen­ta”) doch bereits im Jah­re 1958! Auch im Jah­re 2017 gehen jeden­falls zwei muti­ge Natio­nen erneut das Risi­ko ein, es mit Rap zu ver­su­chen. Als ers­ter Kom­bat­tant steigt für Ungarn Joci Pápai in den Ring, der sich beim magya­ri­schen Vor­ent­scheid A Dal erstaun­li­cher­wei­se durch­set­zen konn­te. Der voll­bär­ti­ge Papí, Ver­zei­hung, Pápai, gehört der (nicht nur) in Ungarn unter­drück­ten Min­der­heit der Roma an, was man in dem Eth­no-Folk-Stamp­fer ‘Ori­go’ auch musi­ka­lisch deut­lich hört: schmerz­lich sehn­suchts­vol­le Zigan-Gitar­ren und lei­se kla­gen­de Flö­ten­tö­ne beglei­ten einen tief unter die Haut gehen­den Text, der sich auf poe­ti­sche Wei­se mit den bedrü­cken­den Erfah­run­gen des all­täg­li­chen Ras­sis­mus beschäf­tigt: “War­um hast du mir vor­ge­lo­gen / Dass mei­ne Far­be kei­ne Rol­le spie­le,” so fragt er ver­bit­tert im Refrain. “Du wuss­test, dass mei­ne Augen braun sind / Es ver­än­dert nichts in mir”. Und gera­de auch die Rap-Parts erschüt­tern die See­le: “Geheim­nis­vol­le Kräf­te wohn­ten in dem Kind / Sie hat­ten Angst vor ihm, man sah es in sei­nen Augen,” beschreibt er unter ande­rem die magi­schen Kräf­te der Musik: “Die Trä­nen Tau­sen­der klin­gen auf mei­ner Gitar­re”. Auch hier gilt jedoch: man muss der unga­ri­schen Spra­che gar nicht mäch­tig sein und den (Sprech-)Gesang ver­ste­hen, um im Gefühl des trot­zi­gen Schmer­zes zu ertrin­ken, wel­chen Joci hier vor uns aus­gießt.

Berührt das Herz: Joci Pápai (HU)

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Rumä­ni­en 2017: da hat man was Eige­nes

Sie haben es tat­säch­lich getan: die Rumä­nen schi­cken 2017 ein jodeln­des Pop-Pär­chen zum Euro­vi­si­on Song Con­test! Bereits im Vor­feld euro­pa­weit von Fans heiß­ge­liebt und gehasst, ver­ein­ten Ilin­ca und Alex Flo­rea im Fina­le der Sel­ecția Națio­nală mehr als dop­pelt so vie­le Stim­men auf sich wie ihr här­tes­ter Kon­kur­rent, der sehr unvor­teil­haft geal­ter­te Ver­tre­ter von 2006Mihai Trăis­ta­riu. ‘Yodel it!’ bringt end­lich den bit­ter benö­tig­ten Spaß zurück zum Euro­vi­si­on Song Con­test, wie­wohl es sich trotz des The­mas um kei­nen Come­dy-Bei­trag han­delt. Und es schlägt den Bogen zum vori­gen Wett­be­werb aus Kiew, dem von 2005, als die öster­rei­chi­schen Global.Kryner mit ‘Y así’ eben­falls die­ser Gesangs­art frön­ten. Ilin­ca, am gest­ri­gen Sonn­tag­abend in einem schlich­ten Kleid mit gigan­ti­scher Schnal­le, leg­te erneut feh­ler­frei ihr Jodel­di­plom ab. Aber nicht zu furcht­ba­ren Volks­mu­sik­klän­gen, wie man befürch­ten könn­te, son­dern zu ordent­lich gemach­tem Pop. Ihr super­se­xy Bad-Boy-Part­ner, der das etwas irri­tie­ren­de, schwarz­ge­färb­te Bibo-Feder­kos­tüm und die Leder­ho­se aus dem Semi zuhau­se ließ und in zer­ris­se­nen Jeans antrat, lie­fer­te dazu Sprech­ge­sän­ge und eine extrem ener­ge­ti­sche Per­for­mance. Fast sah es aus, als woll­te er durch pures rhyth­mi­sches Auf­stamp­fen auf den Büh­nen­bo­den ein Erd­be­ben aus­lö­sen. Und betrach­tet man das End­ergeb­nis des ein­stün­di­gen Tele­vo­tings, so gelang ihm das auch! ‘Yodel it!’ ist wage­mu­tig, es teilt die Zuhö­rer­schaft (in mei­nen Augen eine posi­ti­ve Eigen­schaft) und sticht aus dem Meer der weich­ge­spül­ten Ein­tö­nig­keit her­aus, die uns die­ses Jahr beim Song Con­test über­flu­tet. Und so kann ich den Rumä­nen gar nicht genug dan­ken, dass sie uns end­lich eine Ret­tungs­in­sel zuwer­fen.

Was für eine Schnal­le! (RO)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Joy to the World

Zwei Semi­fi­na­le vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag gilt es noch nach­zu­tra­gen: die zwei­te Run­de des por­tu­gie­si­schen Fes­ti­val da Canção und das rumä­ni­sche Semi­fi­na­le, das zur Auf­ga­be hat­te, die von der Jury vor­ausge­wähl­ten 15 Titel auf deren zehn ein­zu­damp­fen – und zwar durch erneu­te allei­ni­ge Ent­schei­dung der Jury! Wie kom­plett absurd! Schau­en wir aber zunächst nach Por­tu­gal: dort über­rasch­te uns die deut­sche Grand-Prix-Legen­de Joy Fle­ming (→ DE 1975) mit einem Cameo-Auf­tritt unter dem Tarn­na­men Celi­na da Piedade. Sie trug ihr schwar­zes Zelt­kleid aus dem Vor­ent­scheid von 2001 noch­mal auf. Die sei­ner­zeit als Gir­lan­de um den Hals geschlun­ge­nen Plas­tik­blu­men fan­den sich nun im Haar und auf der kilo­me­ter­lan­gen Schlep­pe wie­der, dazu bewaff­ne­te sie sich mit einem Akkor­de­on, das auch musi­ka­lisch aus­führ­lich zum Ein­satz kam. Klingt recht nied­lich und ein biss­chen wie Flor-de-Lis (→ PT 2009), obwohl die gute Celi­na dort nie­mals mit­spiel­te, statt­des­sen jedoch bei den gut gemein­ten, aber schlecht gemach­ten Homens da Luta (→ PT 2011).

Man­do­li­nen und Mon­den­schein: in Por­tu­gal mag man’s pos­sier­lich (PT)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Fak­ten, Fan­ta­sy und Fla­tu­len­zen

Um nach dem Deutsch­land-Diss die Lau­ne wie­der etwas zu haben, schal­ten wir nun nach Rumä­ni­en, wo zwi­schen­zeit­lich wei­te­re Acts für die Selec­tia Natio­na­le vor­san­gen, von denen ich Euch ein paar beim bes­ten Wil­len nicht vor­ent­hal­ten kann. Das gilt ins­be­son­de­re für Dorel Giur­giu, des­sen Auf­tritt sich eigent­lich kaum in Wor­te fas­sen lässt. Ich will es den­noch ver­su­chen: da kniet zunächst ein zot­tel­haa­ri­ger, ver­knautscht drein­bli­cken­der Mann mitt­le­ren Alters in einem um eine bis zwei Num­mern zu gro­ßen Anzug starr und in andäch­ti­ger Posi­ti­on auf der Büh­ne. Läge ein Hut vor ihm auf dem Boden – ich wür­de zwei Euro rein­wer­fen. Dann erklingt eine fiep­si­ge, ziem­lich schie­fe Casio-Melo­die, die klingt wie ein abge­lehn­ter Roh­ent­wurf für die musi­ka­li­sche Unter­ma­lung eines Ata­ri-Video­spiels. Dorel erhebt sich umständ­lich und fängt tap­sig an zu tan­zen, dazu mur­melt er gele­gent­lich ein paar undeut­li­che Wor­te ins Mikro­fon, immer so zir­ka eine bis zwei Sekun­den hin­ter dem Beat her. Es wirkt, als habe der Kom­po­nist des Bei­trags einen Obdach­lo­sen von der Stra­ße gezerrt, ihn ein­mal abge­duscht, in ein paar sau­be­re Kla­mot­ten aus dem Rote-Kreuz-Con­tai­ner gesteckt und ihn auf die Büh­ne gescho­ben. Jeden­falls auf den ers­ten Blick. Doch schnell beschleicht einen der Ver­dacht, dass sich hier ein genia­ler Komi­ker einen herr­li­chen Spaß mit dem Aus­wahl­ko­mi­tee erlaubt, denn nicht nur, dass der Song ‘Be strong!’ heißt, was auf der Meta­ebe­ne irgend­wie wit­zig ist. Herr Giur­giu singt auch zu per­fekt immer genau eine bis zwei Sekun­den zu spät und einen bis zwei Töne dane­ben. Sei­ne Bewe­gun­gen sol­len wie zufäl­lig wir­ken, aber eigent­lich ist sei­ne Cho­reo­gra­fie ziem­lich aus­ge­feilt. Dem­entspre­chend ver­wirrt und indi­gniert schaut die Jury auch drein, auf die das rumä­ni­sche Fern­se­hen dan­kens­wer­ter­wei­se zwi­schen­drin schnei­det und zu der neben frü­he­ren natio­na­len Ver­tre­tern wie Ovi (→ RO 2010, 2014) inter­es­san­ter­wei­se auch der ehe­ma­li­ge Focus-Chef Hel­mut “Fak­ten, Fak­ten, Fak­ten!” Mark­wort zu gehö­ren scheint. Der schnallt offen­bar sehr genau, dass er hier gera­de könig­lich ver­arscht wird, und man sieht ihm an, wie sehr er sich beherr­schen muss, um nicht auf­zu­ste­hen und Dorel eine aufs Maul zu hau­en. Sel­ten habe ich mich in drei Minu­ten könig­li­cher amü­siert!

Sei­en Sie jetzt bit­te stark: Dorel (RO)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: ab 5 Uhr 45 wird zurück­ge­jo­delt!

Respekt, ihr Rumä­nen! Dass die unter­hal­tungs­ge­werb­lich nicht all­zu gut bestück­te Schweiz für die Prä­sen­ta­ti­on ihres Euro­vi­si­ons­bei­tra­ges bei Euch wil­dern ging und ver­gan­ge­nen Sonn­tag Eure Lands­män­nin Miru­na Manes­cu und ihr Trio Time­bel­le zur Reprä­sen­tan­tin wähl­te, ließt Ihr nicht all zu lan­ge auf Euch sit­zen: ‘Yodel it!’ heißt Eure promp­te Ant­wort, lus­ti­ger­wei­se vom sel­ben Kom­po­nis­ten geschrie­ben, der auch das Schwei­zer Trio pro­du­ziert. Und die ist so cle­ver wie groß­ar­tig: eine ein­gän­gi­ge Pop­num­mer mit ordent­li­chem Schub und, wie es der Titel bereits ver­spricht, aus­führ­li­chem, tech­nisch ein­wand­frei­em Jodeln. Also dem eigent­lich tra­di­tio­nel­len alpen­län­di­schen Mar­ken­zei­chen in Sachen Gesang! Dass dies aber eben nicht nur die Eid­ge­nos­sen (und die Öster­rei­cher) beherr­schen, bewie­sen die rumä­ni­sche Sän­ge­rin Ilin­ca und ihr Beglei­ter Alex Flo­rea sehr ein­drück­lich – beim erst­ma­lig (noch bis Sonn­tag scheib­chen­wei­se im Fern­se­hen) über­tra­ge­nen Vor­sin­gen aller 72 Bewerber/innen für die hei­mi­sche Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung. Und zwar pas­send zur moder­nen Anmu­tung des Songs nicht in Dirndl und Leder­ho­sen, son­dern auch optisch sehr sexy. Jetzt kann ich nur hof­fen, dass ‘Yodel it!’ nicht nur in die Sel­ecţia Naţio­nală ein­zieht (am 12. Febru­ar 2017 gibt TVR die 15 Glück­li­chen bekannt), son­dern dort auch gewinnt. Es wäre eine gute Wahl: an die­se Num­mer erin­nern sich die Zuschauer/innen im Mai 2017 auch nach 26 Titeln noch. Und obschon sie rich­tig viel Spaß macht, ist es kein tra­shi­ger Come­dy-Bei­trag, soll­te also auch bei den Juro­ren gut ankom­men. Bit­te schickt das!

Haben ihr Jodel­di­plom mit Aus­zeich­nung bestan­den: Ilin­ca & Alex (RO)

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