Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

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Rank & File 2019: Platz 23 – Scream

Eigent­lich hat der rus­si­sche Super­star Ser­gey Laza­rev ja bereits den ESC gewon­nen. 2016, bei sei­ner Erst­teil­nah­me, wo er im Zuschau­er­vo­ting regel­recht abräum­te. Aus poli­ti­schen Grün­den stahl ihm die Jury jedoch den Sieg und schanz­te ihn aus­ge­rech­net dem Erz­feind Ukrai­ne zu. Gelingt es dem durch­trai­nier­ten Sehr­gay nun, wie wei­land Dima Bilan im zwei­ten Anlauf die Kro­ne zu errin­gen?

Platz 23: Russ­land – Ser­gey Laza­rev: Scream (Schrei)

Die Ukrai­ne jeden­falls strich schon mal die Segel und schoss sich die aus­ge­wähl­te Kan­di­da­tin Maruv, frag­los eine der stärks­ten Mitbewerber/innen auf den Grand Prix, sicher­heits­hal­ber selbst weg. Ein biss­chen vor­ei­lig viel­leicht, denn direkt nach der Ver­öf­fent­li­chung von Ser­geys Wett­be­werbs­ti­tel sank sein bis dahin hell fun­keln­der Stern bei den Buch­ma­chern rapi­de. Und das mit Recht. ‘Scream’ ist zwar, das muss man dem Rus­sen las­sen, eine star­ke, viel­schich­ti­ge Bal­la­de mit dra­ma­ti­schen Strei­chern und einer nicht min­der dra­ma­ti­schen Melo­die­füh­rung, die für Ser­gey und sei­nen Begleit­chor mas­sen­haft har­te Belas­tungs­pro­ben für die hof­fent­lich gut geöl­ten Stimm­bän­der bereit­hal­ten und die Raum für eine bom­bas­ti­sche Insze­nie­rung bie­tet. Feuch­te Hös­chen bei den Juror/innen sind also garan­tiert, und ver­mut­lich sehen die­se des­we­gen sogar über das arg anti­kli­ma­ti­sche Song­fi­na­le und die ekla­tan­te Refrain­schwä­che des Lie­des hin­weg, das getreu sei­nes Titels anstel­le eines mit­rei­ßen­den Kehr­rei­mes ledig­lich einen röcheln­den Schrei offe­riert. In der aufrechtgehn.de-Wer­tung kann es jedoch ledig­lich für einen Platz in der zwei­ten Hälf­te rei­chen, denn ich will von dem schnu­cke­li­gen Pop­star mit dem Hang zu nack­ter Haut natür­lich nur eine bis aufs Mark durch­cho­reo­gra­fier­te, fröh­lich-fluffi­ge Uptem­po-Num­mer hören und sehen, aber doch um Him­mels Wil­len kei­ne Depri-Bal­la­de!

Die Welt ist ein düs­te­rer und gefähr­li­cher Ort, aber der rus­si­sche Fähr­mann bringt uns sicher durch die schwar­ze Nacht und tötet für uns alle Dra­chen: Ser­geys Video­clip spart nicht an star­ken Bil­dern.

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Russ­land 2019: Dei­ne Gewalt ist nur ein stum­mer Schrei nach Lie­be

Es muss einer der frü­hes­ten Favo­ri­ten­stür­ze in der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te sein. Als das rus­si­sche Fern­se­hen Anfang Febru­ar 2019 bestä­tig­te, dass Ser­gey Laza­rev erneut die Föde­ra­ti­on in Tel Aviv ver­tre­ten wer­de, schoss das Land umge­hend in den Wett­quo­ten ganz nach oben. Nicht zuletzt, weil der kna­cki­ge und zei­ge­freu­di­ge Super­star 2016 bereits den Euro­vi­si­on Song Con­test gewann, zumin­dest im Tele­vo­ting, also in der maß­geb­li­chen Abstim­mung. Der aktu­el­le Erz­feind, die Ukrai­ne, schoss sich aus lau­ter Angst vor einem neu­er­li­chen Zwei­kampf und einem mög­li­chen Gesichts­ver­lust durch einen Gesamt­sieg Laza­revs im Rah­men ihres Vor­ent­scheids sogleich selbst ins Knie und muss­te die Teil­nah­me in Isra­el stor­nie­ren. Vor­sichts­hal­ber gab man umge­hend zu Pro­to­koll, 2020 eben­falls nicht mit­ma­chen zu wol­len, falls der Wett­be­werb wie­der in Mos­kau statt­fin­de. Heu­te Nach­mit­tag nun erblick­te Ser­geys Bei­trag ‘Scream’ nach lan­gem Getue und Gewe­se end­lich das Licht der Welt, wor­auf­hin Russ­land bei den Buch­ma­chern inner­halb von nur einer Stun­de sei­ner Favo­ri­ten­rol­le ver­lus­tig ging. Und das ver­wun­dert nicht, lei­det die pom­pö­se Bom­bast­bal­la­de doch, wie so vie­le zeit­ge­nös­si­sche Pop­songs, unter einer ekla­tan­ten Refrain­schwä­che.

I’ll swal­low hard” und “my Throath is on Fire”: geschickt spielt Sehr­gay mit den Wunsch­träu­men vie­ler schwu­ler Fans.

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Kann Ser­gey Laza­rev einen Dima Bilan pul­len?

Es war eines der am schlech­tes­ten gehü­te­ten Euro­vi­si­ons­ge­heim­nis­se: ges­tern bestä­tig­te das rus­si­sche Fern­se­hen end­lich, was die Spat­zen bereits seit Wochen von den Dächern pfif­fen: Ser­gey Laza­rev, der von den russo­pho­ben Juro­ren aus poli­ti­schen Grün­den um den Gesamt­sieg betro­ge­ne Tele­vo­ting­ge­win­ner des Euro­vi­si­on Song Con­tests von 2016, ver­tritt die Föde­ra­ti­on 2019 in Tel Aviv. Die Nach­richt sorg­te für auf­ge­reg­tes Geschnat­ter in den Fan-Foren, zeigt der durch­trai­nier­te 35jährige bei sei­nen Auf­trit­ten doch nur zu ger­ne nack­te Haut und prä­sen­tiert sich im eng gesteck­ten Rah­men des für ihn als eta­blier­ten Star im streng homo­pho­ben Russ­land Mach­ba­ren als “gay­fri­end­ly”, auch wenn er sein eige­nes Pri­vat­le­ben aus der Öffent­lich­keit her­aus­hal­ten möch­te. Die eben­falls ver­kün­de­te Bot­schaft, dass Sehr­gay für sei­nen aktu­el­len Euro­vi­si­ons­bei­trag mit dem bewähr­ten Dream­team aus Filip Kir­ko­rov, Dimi­tris Kon­to­po­lous und Fokas Evan­ge­li­nos zusam­men­ar­bei­tet, wel­ches bereits für sei­nen spek­ta­ku­lär insze­nier­ten, herr­lich tra­shi­gen Pop­schla­ger ‘You are the only One’ ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, weck­te aller­freu­digs­te Erwar­tun­gen auf einen erneu­ten Kra­cher der­sel­ben Güte­klas­se. Doch nun erstick­te Laza­rev alle dies­be­züg­li­chen Hoff­nun­gen bru­tal im Keim.

Viel nack­te Haut und pin­ke Kla­mot­ten: so lie­ben wir unse­ren Ser­gey (Reper­toire­bei­spiel). So wer­den wir ihn in Tel Aviv aber lei­der nicht erle­ben.

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Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Pro­ben für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in der Alti­ce-Are­na zu Lis­sa­bon wei­ter, heu­te mit der ers­ten Hälf­te des zwei­ten Semi­fi­na­les. Das eröff­net bekannt­lich, in Per­son Alex­an­der Rybaks, ein ehe­ma­li­ger Euro­vi­si­ons­ge­win­ner. Und wie­wohl sein Bei­trag ‘That’s how you wri­te a Song’ die euro­päi­schen Schwur­na­lis­ten in Fans und beken­nen­de Has­ser spal­tet, herrscht unter den Blogger/innen ziem­li­che Einig­keit, dass auch die­ser Titel erneut um den Sieg mit­spie­len könn­te. Rybak, der Dori­an Gray der Euro­vi­si­on, der seit sei­ner letz­ten Grand-Prix-Teil­nah­me offen­sicht­lich kei­nen Tag alter­te und noch immer über sei­nen Laus­bu­ben­charme ver­fügt, bringt – wie schon 2009 – das bereits aus­ge­reif­te audio­vi­su­el­le Gesamt­kon­zept des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix mit zum Con­test und setzt es dort Punkt für Punkt um, mit­samt den per Zei­chen­trick hin­zu­ge­füg­ten und um eini­ge Herz­chen erwei­ter­ten Bild­schirm­gra­fi­ken, die sei­ne Cho­reo­gra­fie ergän­zen. Und war­um auch nicht, der Mann weiß schließ­lich, was er tut. Im Pres­se­zen­trum machen sich die Ers­ten nun schon Sor­gen, dass sie nächs­tes Jahr für ein Bier im Euro­club zu Oslo eine wei­te­re Hypo­thek aufs Haus auf­neh­men müs­sen. Und dass, wo doch das Super Bock in Lis­sa­bon so herr­lich güns­tig ist!

Nur echt mit der Vio­li­ne: der Rybak.

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RU 2018: Sticks and Stones won’t break your Bones

Und auch im Fal­le der rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018, Julia Samo­yl­o­va, und ihrem Grand-Prix-Bei­trag hiel­ten die Däm­me nicht: bereits vor der offi­zi­el­len Vor­stel­lung in den heu­ti­gen Haupt­abend­nach­rich­ten des Sen­ders leak­te der Song. Der heißt ‘I won’t break’, stammt vom sel­ben Kom­po­nis­ten­trio, das bereits Dina Gari­po­vas (→ RU 2013) gru­se­li­ge Gehirn­wä­sche-Hym­ne ‘What if we’ ver­brach und ent­puppt sich musi­ka­lisch als belang­lo­ses­ter Radio­pop ohne den gerings­ten Fun­ken von Authen­ti­zi­tät. Zumin­dest in der Stu­dio­fas­sung stellt er den­noch eine leich­te Ver­bes­se­rung zu Juli­as letzt­jäh­ri­gem Lied ‘Fla­me is bur­ning’ dar, was vor allem dar­an liegt, dass ein mehr­stim­mi­ger Frau­en­chor ihr den Refrain wei­test­ge­hend abnimmt, wäh­rend­des­sen sie ledig­lich das titel­ge­ben­de Ver­spre­chen ihres immer­wäh­ren­den Wider­stands dahin­mur­melt. Und selbst­ver­ständ­lich nutz­ten die Tex­ter die nahe­lie­gen­de Gele­gen­heit, die Inter­pre­tin in ihren leicht düs­te­ren Lyrics zu einer Art wie Phö­nix aus der Asche stei­gen­den Mär­ty­re­rin zu sti­li­sie­ren.

Die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne rollt wie­der: die hel­den­haf­te Frei­heits­kämp­fe­rin Julia Samo­yl­o­va.

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Bestä­tigt: Julia Samo­yl­o­va rollt nach Lis­sa­bon

Also doch: allen Zweifler/innen und Unkenrufer/innen zum Trotz hält das rus­si­sche Fern­se­hen eisern an Julia Samo­yl­o­va fest: heu­te bestä­tig­te der Per­wy Kanal (hihi) offi­zi­ell, dass man, wie bereits direkt nach dem dem als Julia­ga­te in die Euro­vi­si­ons­ge­schich­te ein­ge­gan­ge­nen Aus­schluss der desi­gnier­ten rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew durch die Sicher­heits­be­hör­den der Gast­ge­ber trot­zig ver­kün­det, die an den Roll­stuhl gefes­sel­te Sän­ge­rin zum euro­päi­schen Wett­sin­gen nach Lis­sa­bon ent­sen­den wer­de. Und war­um soll­te sich Mos­kau auch die Chan­ce ent­ge­hen las­sen, die per­fi­de ein­ge­fä­del­te Geschich­te um ein armes behin­der­tes Mäd­chen, deren Traum eines Auf­tritts auf der gro­ßen Grand-Prix-Büh­ne an den hals­star­ri­gen Ukrai­nern schei­ter­te, wei­ter zu mel­ken? Die Sän­ge­rin selbst nähr­te in den letz­ten Tagen die Gerüch­te um ihre Teil­nah­me durch die Ver­kün­dung, sie habe gemein­sam mit ihrem Mann und Mana­ger zwei Lie­der für Lis­sa­bon geschrie­ben. Die woll­te der Sen­der aller­dings nicht, wie Wiwi­bloggs in Erfah­rung brach­te: man habe bereits einen Song eines ande­ren Kom­po­nis­ten aus­ge­wählt, den die Sän­ge­rin nun auf­neh­me (und mit des­sen Ver­öf­fent­li­chung ver­mut­lich Mit­te März zu rech­nen sein dürf­te). In Lis­sa­bon trifft Julia im zwei­ten Semi­fi­na­le auf den noch aus­zu­wäh­len­den Ver­tre­ter der Ukrai­ne: mal schau­en, wel­che unter­halt­sa­men Schar­müt­zel da noch auf uns zukom­men…

Mit die­sem Auf­tritt in der rus­si­schen Cas­ting­show ‘Fak­tor A’ begann Juli­as Kar­rie­re (Reper­toire­bei­spiel).

Bizarr: Euro­vi­si­ons­fans im Visier des digi­ta­len Info-Krie­ges?

Wie das Hei­se-Online-Maga­zin Tele­po­lis unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung der bri­ti­schen Tages­zei­tung Guar­di­an berich­tet, soll die bri­ti­sche Regie­rung die PR-Agen­tur Saatchi beauf­tragt haben, mit geziel­ten Kam­pa­gnen in den sozia­len Medi­en das Anse­hen der Ukrai­ne bei Fans des Euro­vi­si­on Song Con­test posi­tiv zu beein­flus­sen. Dies sei Teil einer groß­an­ge­leg­ten Offen­si­ve, mit wel­cher die Regie­rung des Insel­staa­tes im soge­nann­ten Info-Krieg zwi­schen Russ­land und dem Aus­rich­ter­land der euro­päi­schen Gesangs­fest­spie­le von 2017 der Ukrai­ne bei­ste­hen will. Die Fir­ma Saatchi, die zuletzt Wahl­kam­pa­gnen für die kon­ser­va­ti­ven Torys gefah­ren habe, soll nach Anga­ben des Guar­di­an hier­für rund 100.000 £ bekom­men (was natür­lich die Fra­ge auf­wirft, ob man das Geld nicht sinn­vol­ler für einen geschei­ten bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag ver­wen­den könn­te). Erheb­lich höhe­re Mit­tel gebe man für die Bera­tung der Regie­rung in Kiew in PR-Fra­gen, Pro­gram­me für die rus­sisch­spra­chi­gen Min­der­hei­ten in den Staa­ten des Bal­ti­kums oder zur Unter­su­chung des Ein­flus­ses des kremltreu­en Sen­ders Rus­sia Today auf west­eu­ro­päi­sche Mediennutzer/innen aus. Die benö­tig­ten Gel­der stam­men der Zei­tung zufol­ge aus dem Topf des bri­ti­schen Kon­flikt-, Sta­bi­li­täts- und Sicher­heits­fonds CSSF, die Regie­rung betrach­te dies als “Ant­wort auf die zuneh­men­den Info­war-Kam­pa­gnen, mit denen von Russ­land gesteu­er­te Medi­en angeb­lich ver­sucht haben, das EU-Refe­ren­dum wie auch die Wah­len in den USA, Frank­reich und Deutsch­land zu beein­flus­sen,” so der Guar­di­an. Wie Tele­po­lis ergänzt, bestün­den ähn­li­che Pro­gram­me bereits seit eini­gen Jah­ren inner­halb der EU. Auch deut­sche Uni­ver­si­tä­ten und der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le sei­en an diver­sen Medi­en­pro­jek­ten in der oder für die Ukrai­ne betei­ligt, die sich spe­zi­fisch mit rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beschäf­ti­gen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maß­ge­schnei­der­tes Pro­gramm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Ein­zel­nen aus­se­hen soll und ob das Bud­get aus­reicht, um Euro­vi­si­ons-Iko­nen wie Lys Assia, Caro­la oder Lore­en als Tes­ti­mo­ni­al zu enga­gie­ren, dar­über war lei­der nichts zu erfah­ren. Ande­rer­seits: Rus­la­na macht das bestimmt ger­ne kos­ten­los!

Auch das einst­mals bri­tisch besetz­te Mal­ta ver­such­te sich schon an sub­ti­len Bot­schaf­ten im Info-Krieg mit Russ­land.

EBU erlässt eine Lex Samo­yl­o­va

Wie Dr. Euro­vi­si­on, Irving Wol­ther, heu­te auf eurovision.de mel­det, hat die European Broad­cas­ting Uni­on (EBU) in Reak­ti­on auf Julia­ga­te Anpas­sun­gen in den offi­zi­el­len Regeln für die Aus­rich­tung des und die Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test (ESC) vor­ge­nom­men. So müs­sen die ein­zel­nen natio­na­len Sen­de­an­stal­ten künf­tig eigen­ver­ant­wort­lich sicher­stel­len, dass die von ihnen aus­ge­wähl­ten Repräsentant/innen und Dele­ga­ti­ons­mit­glie­der “den Behör­den des Gast­ge­ber­lan­des” kei­nen “Anlass dafür geben, auf­grund natio­na­ler Geset­ze ein Ein­rei­se­ver­bot gegen die­se zu ver­hän­gen.” Genau die­ses war beim ESC 2017 in Kiew gesche­hen: der ukrai­ni­sche Geheim­dienst beleg­te die von Russ­land nomi­nier­te 28jährige Sän­ge­rin Julia Samo­yl­o­va mit einer Ein­rei­se­sper­re, weil die­se zuvor auf der annek­tier­ten Krim auf­ge­tre­ten war. Was zu einem unschö­nen (von Mos­kau ver­mut­lich gezielt her­bei­ge­führ­ten) Pro­pa­gan­da­krieg und für die EBU zu unan­ge­neh­men Schlag­zei­len führ­te. Noch­mal will man sich in Genf ver­ständ­li­cher­wei­se nicht vor den Kar­ren span­nen las­sen und schiebt die­ser Form der Kriegs­füh­rung damit einen Rie­gel vor.

Die Pos­ter­frau der Krim-Kri­se: die EBU bestä­tigt mit ihrer neu­es­ten Regel­än­de­rung im Nach­hin­ein den Aus­schluss von Julia Samo­yl­o­va vom ESC 2017. 

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