Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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We can’t move a Moun­tain: drit­ter Pro­ben­tag in Lis­sa­bon

Auch am Tag der Arbeit gehen die Pro­ben für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in der Alti­ce-Are­na zu Lis­sa­bon wei­ter, heu­te mit der ers­ten Hälf­te des zwei­ten Semi­fi­na­les. Das eröff­net bekannt­lich, in Per­son Alex­an­der Rybaks, ein ehe­ma­li­ger Euro­vi­si­ons­ge­win­ner. Und wie­wohl sein Bei­trag ‘That’s how you wri­te a Song’ die euro­päi­schen Schwur­na­lis­ten in Fans und beken­nen­de Has­ser spal­tet, herrscht unter den Blogger/innen ziem­li­che Einig­keit, dass auch die­ser Titel erneut um den Sieg mit­spie­len könn­te. Rybak, der Dori­an Gray der Euro­vi­si­on, der seit sei­ner letz­ten Grand-Prix-Teil­nah­me offen­sicht­lich kei­nen Tag alter­te und noch immer über sei­nen Laus­bu­ben­charme ver­fügt, bringt – wie schon 2009 – das bereits aus­ge­reif­te audio­vi­su­el­le Gesamt­kon­zept des nor­we­gi­schen Melo­di Grand Prix mit zum Con­test und setzt es dort Punkt für Punkt um, mit­samt den per Zei­chen­trick hin­zu­ge­füg­ten und um eini­ge Herz­chen erwei­ter­ten Bild­schirm­gra­fi­ken, die sei­ne Cho­reo­gra­fie ergän­zen. Und war­um auch nicht, der Mann weiß schließ­lich, was er tut. Im Pres­se­zen­trum machen sich die Ers­ten nun schon Sor­gen, dass sie nächs­tes Jahr für ein Bier im Euro­club zu Oslo eine wei­te­re Hypo­thek aufs Haus auf­neh­men müs­sen. Und dass, wo doch das Super Bock in Lis­sa­bon so herr­lich güns­tig ist!

Nur echt mit der Vio­li­ne: der Rybak.

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RU 2018: Sticks and Stones won’t break your Bones

Und auch im Fal­le der rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018, Julia Samo­yl­o­va, und ihrem Grand-Prix-Bei­trag hiel­ten die Däm­me nicht: bereits vor der offi­zi­el­len Vor­stel­lung in den heu­ti­gen Haupt­abend­nach­rich­ten des Sen­ders leak­te der Song. Der heißt ‘I won’t break’, stammt vom sel­ben Kom­po­nis­ten­trio, das bereits Dina Gari­po­vas (→ RU 2013) gru­se­li­ge Gehirn­wä­sche-Hym­ne ‘What if we’ ver­brach und ent­puppt sich musi­ka­lisch als belang­lo­ses­ter Radio­pop ohne den gerings­ten Fun­ken von Authen­ti­zi­tät. Zumin­dest in der Stu­dio­fas­sung stellt er den­noch eine leich­te Ver­bes­se­rung zu Juli­as letzt­jäh­ri­gem Lied ‘Fla­me is bur­ning’ dar, was vor allem dar­an liegt, dass ein mehr­stim­mi­ger Frau­en­chor ihr den Refrain wei­test­ge­hend abnimmt, wäh­rend­des­sen sie ledig­lich das titel­ge­ben­de Ver­spre­chen ihres immer­wäh­ren­den Wider­stands dahin­mur­melt. Und selbst­ver­ständ­lich nutz­ten die Tex­ter die nahe­lie­gen­de Gele­gen­heit, die Inter­pre­tin in ihren leicht düs­te­ren Lyrics zu einer Art wie Phö­nix aus der Asche stei­gen­den Mär­ty­re­rin zu sti­li­sie­ren.

Die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne rollt wie­der: die hel­den­haf­te Frei­heits­kämp­fe­rin Julia Samo­yl­o­va.

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Bestä­tigt: Julia Samo­yl­o­va rollt nach Lis­sa­bon

Also doch: allen Zweifler/innen und Unkenrufer/innen zum Trotz hält das rus­si­sche Fern­se­hen eisern an Julia Samo­yl­o­va fest: heu­te bestä­tig­te der Per­wy Kanal (hihi) offi­zi­ell, dass man, wie bereits direkt nach dem dem als Julia­ga­te in die Euro­vi­si­ons­ge­schich­te ein­ge­gan­ge­nen Aus­schluss der desi­gnier­ten rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew durch die Sicher­heits­be­hör­den der Gast­ge­ber trot­zig ver­kün­det, die an den Roll­stuhl gefes­sel­te Sän­ge­rin zum euro­päi­schen Wett­sin­gen nach Lis­sa­bon ent­sen­den wer­de. Und war­um soll­te sich Mos­kau auch die Chan­ce ent­ge­hen las­sen, die per­fi­de ein­ge­fä­del­te Geschich­te um ein armes behin­der­tes Mäd­chen, deren Traum eines Auf­tritts auf der gro­ßen Grand-Prix-Büh­ne an den hals­star­ri­gen Ukrai­nern schei­ter­te, wei­ter zu mel­ken? Die Sän­ge­rin selbst nähr­te in den letz­ten Tagen die Gerüch­te um ihre Teil­nah­me durch die Ver­kün­dung, sie habe gemein­sam mit ihrem Mann und Mana­ger zwei Lie­der für Lis­sa­bon geschrie­ben. Die woll­te der Sen­der aller­dings nicht, wie Wiwi­bloggs in Erfah­rung brach­te: man habe bereits einen Song eines ande­ren Kom­po­nis­ten aus­ge­wählt, den die Sän­ge­rin nun auf­neh­me (und mit des­sen Ver­öf­fent­li­chung ver­mut­lich Mit­te März zu rech­nen sein dürf­te). In Lis­sa­bon trifft Julia im zwei­ten Semi­fi­na­le auf den noch aus­zu­wäh­len­den Ver­tre­ter der Ukrai­ne: mal schau­en, wel­che unter­halt­sa­men Schar­müt­zel da noch auf uns zukom­men…

Mit die­sem Auf­tritt in der rus­si­schen Cas­ting­show ‘Fak­tor A’ begann Juli­as Kar­rie­re (Reper­toire­bei­spiel).

Bizarr: Euro­vi­si­ons­fans im Visier des digi­ta­len Info-Krie­ges?

Wie das Hei­se-Online-Maga­zin Tele­po­lis unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung der bri­ti­schen Tages­zei­tung Guar­di­an berich­tet, soll die bri­ti­sche Regie­rung die PR-Agen­tur Saatchi beauf­tragt haben, mit geziel­ten Kam­pa­gnen in den sozia­len Medi­en das Anse­hen der Ukrai­ne bei Fans des Euro­vi­si­on Song Con­test posi­tiv zu beein­flus­sen. Dies sei Teil einer groß­an­ge­leg­ten Offen­si­ve, mit wel­cher die Regie­rung des Insel­staa­tes im soge­nann­ten Info-Krieg zwi­schen Russ­land und dem Aus­rich­ter­land der euro­päi­schen Gesangs­fest­spie­le von 2017 der Ukrai­ne bei­ste­hen will. Die Fir­ma Saatchi, die zuletzt Wahl­kam­pa­gnen für die kon­ser­va­ti­ven Torys gefah­ren habe, soll nach Anga­ben des Guar­di­an hier­für rund 100.000 £ bekom­men (was natür­lich die Fra­ge auf­wirft, ob man das Geld nicht sinn­vol­ler für einen geschei­ten bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag ver­wen­den könn­te). Erheb­lich höhe­re Mit­tel gebe man für die Bera­tung der Regie­rung in Kiew in PR-Fra­gen, Pro­gram­me für die rus­sisch­spra­chi­gen Min­der­hei­ten in den Staa­ten des Bal­ti­kums oder zur Unter­su­chung des Ein­flus­ses des kremltreu­en Sen­ders Rus­sia Today auf west­eu­ro­päi­sche Mediennutzer/innen aus. Die benö­tig­ten Gel­der stam­men der Zei­tung zufol­ge aus dem Topf des bri­ti­schen Kon­flikt-, Sta­bi­li­täts- und Sicher­heits­fonds CSSF, die Regie­rung betrach­te dies als “Ant­wort auf die zuneh­men­den Info­war-Kam­pa­gnen, mit denen von Russ­land gesteu­er­te Medi­en angeb­lich ver­sucht haben, das EU-Refe­ren­dum wie auch die Wah­len in den USA, Frank­reich und Deutsch­land zu beein­flus­sen,” so der Guar­di­an. Wie Tele­po­lis ergänzt, bestün­den ähn­li­che Pro­gram­me bereits seit eini­gen Jah­ren inner­halb der EU. Auch deut­sche Uni­ver­si­tä­ten und der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le sei­en an diver­sen Medi­en­pro­jek­ten in der oder für die Ukrai­ne betei­ligt, die sich spe­zi­fisch mit rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beschäf­ti­gen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maß­ge­schnei­der­tes Pro­gramm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Ein­zel­nen aus­se­hen soll und ob das Bud­get aus­reicht, um Euro­vi­si­ons-Iko­nen wie Lys Assia, Caro­la oder Lore­en als Tes­ti­mo­ni­al zu enga­gie­ren, dar­über war lei­der nichts zu erfah­ren. Ande­rer­seits: Rus­la­na macht das bestimmt ger­ne kos­ten­los!

Auch das einst­mals bri­tisch besetz­te Mal­ta ver­such­te sich schon an sub­ti­len Bot­schaf­ten im Info-Krieg mit Russ­land.

EBU erlässt eine Lex Samo­yl­o­va

Wie Dr. Euro­vi­si­on, Irving Wol­ther, heu­te auf eurovision.de mel­det, hat die European Broad­cas­ting Uni­on (EBU) in Reak­ti­on auf Julia­ga­te Anpas­sun­gen in den offi­zi­el­len Regeln für die Aus­rich­tung des und die Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test (ESC) vor­ge­nom­men. So müs­sen die ein­zel­nen natio­na­len Sen­de­an­stal­ten künf­tig eigen­ver­ant­wort­lich sicher­stel­len, dass die von ihnen aus­ge­wähl­ten Repräsentant/innen und Dele­ga­ti­ons­mit­glie­der “den Behör­den des Gast­ge­ber­lan­des” kei­nen “Anlass dafür geben, auf­grund natio­na­ler Geset­ze ein Ein­rei­se­ver­bot gegen die­se zu ver­hän­gen.” Genau die­ses war beim ESC 2017 in Kiew gesche­hen: der ukrai­ni­sche Geheim­dienst beleg­te die von Russ­land nomi­nier­te 28jährige Sän­ge­rin Julia Samo­yl­o­va mit einer Ein­rei­se­sper­re, weil die­se zuvor auf der annek­tier­ten Krim auf­ge­tre­ten war. Was zu einem unschö­nen (von Mos­kau ver­mut­lich gezielt her­bei­ge­führ­ten) Pro­pa­gan­da­krieg und für die EBU zu unan­ge­neh­men Schlag­zei­len führ­te. Noch­mal will man sich in Genf ver­ständ­li­cher­wei­se nicht vor den Kar­ren span­nen las­sen und schiebt die­ser Form der Kriegs­füh­rung damit einen Rie­gel vor.

Die Pos­ter­frau der Krim-Kri­se: die EBU bestä­tigt mit ihrer neu­es­ten Regel­än­de­rung im Nach­hin­ein den Aus­schluss von Julia Samo­yl­o­va vom ESC 2017. 

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Julia­ga­te: Ukrai­ne will Ein­spruch gegen Geld­stra­fe ein­le­gen

Die öffent­lich-recht­li­che ukrai­ni­sche Rund­funk­an­stalt UA:PBC will Ein­spruch gegen die heu­te von der EBU wegen des Julia­ga­tes ver­häng­te Geld­stra­fe ein­le­gen, wie der Inten­dant Zurab Ala­sa­nia gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters sag­te: “For­mell gese­hen haben nicht wir die Ent­schei­dung getrof­fen, sie [Julia Samo­yl­o­va] nicht zuzu­las­sen”. Da hat er nicht ganz Unrecht: der fak­ti­sche Aus­schluss der rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin basier­te auf der Ent­schei­dung des ukrai­ni­schen Geheim­diens­tes, der auf­grund eines Krim-Auf­tritts der Sän­ge­rin in Über­ein­stim­mung mit gel­ten­den ukrai­ni­schen Geset­zen ein drei­jäh­ri­ges Ein­rei­se­ver­bot ver­häng­te, von dem auch der Staats­chef kei­ne Aus­nah­me für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 machen woll­te, wodurch dem Sen­der die Hän­de gebun­den waren. Ala­sa­nia, der die Höhe der von der EBU ver­häng­ten Geld­stra­fe auf 200.000 € bezif­fer­te, mein­te mokant, er glau­be aller­dings nicht, dass die Regie­rung die For­de­rung der EBU beglei­chen wer­de. Das scheint noch ein lus­ti­ges Hau­en und Ste­chen zu wer­den: erst letz­te Woche hat­te Ala­sa­nia durch­bli­cken las­sen, dass sein Sen­der eine schwei­ze­ri­sche Anwalts­fir­ma ein­ge­schal­tet habe, weil die EBU eine dort für den ESC 2017 hin­ter­leg­te Sicher­heit in Höhe von 15 Mil­lio­nen € ein­ge­fro­ren habe. Ob ein Zusam­men­hang mit der heu­te ange­kün­dig­ten Geld­stra­fe besteht, ist bis dato unklar. Der Ver­laut­ba­rung der EBU von heu­te Vor­mit­tag zufol­ge basie­re die Buße aller­dings auch auf dem orga­ni­sa­to­ri­schen Cha­os, das UA:PBC bei der Vor­be­rei­tung des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 ange­rich­tet hat­te und das der “Repu­ta­ti­on” des Wett­be­werbs abträg­lich gewe­sen sei. Holt schon mal das Pop­corn raus: da dürf­te wohl noch ein wenig gefeilscht wer­den zwi­schen Kiew und Genf…

Wird sich noch eine Zeit lang hin­zie­hen: das Dra­ma ums Julia­ga­te

Geld heilt alle Wun­den: die EBU legt Julia­ga­te ad acta

Wie der Nach­rich­ten­dienst Reu­ters heu­te Vor­mit­tag mel­de­te, wol­le die EBU die gast­ge­ben­de TV-Anstalt des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 auf­grund der mas­si­ven Ver­zö­ge­run­gen bei der Vor­be­rei­tung des Events und des “unko­ope­ra­ti­ven Ver­hal­tens” der Ukrai­ne im Zusam­men­hang mit dem Bann der rus­si­schen Ver­tre­te­rin Julia Samo­yl­o­va mit einer Geld­stra­fe bele­gen. Die Kri­se um die mona­te­lan­gen Ver­spä­tun­gen bei der Orga­ni­sa­ti­on, die ein Ein­schrei­ten der Gen­fer und die Ent­sen­dung eines Ret­tungs­teams rund um den schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len-Impre­sa­rio Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) not­wen­dig mach­te, und das Dra­ma um Julia­ga­te hät­ten die media­le Auf­merk­sam­keit über­la­gert und die “Repu­ta­ti­on der Mar­ke Euro­vi­si­on Song Con­test gefähr­det,” so die EBU in einer Erklä­rung. “Daher schlägt der Len­kungs­aus­schuss in Über­ein­stim­mung mit den Wett­be­werbs­re­geln vor, dass UA:PBC eine emp­find­li­che Geld­stra­fe erhält”. Die ursprüng­lich mal ins Gespräch gebrach­te Euro­vi­si­ons­sper­re für die Ukrai­ne ist damit wohl vom Tisch. Über die Höhe der Buße schwieg sich die EBU indes wie immer aus [Nach­trag: laut UA:PBC beläuft sich die Stra­fe auf 200.000 €]. Das von rus­si­scher Sei­te sehr offen­sicht­lich in pro­vo­ka­ti­ver Absicht insze­nier­te Julia­ga­te hat für den sowje­ti­schen Staats­sen­der unter­des­sen kei­ne Kon­se­quen­zen: gegen­über dem Per­wy Kanal sprach man nach einer Mel­dung von Euro­voix ledig­lich einen “Tadel” aus, weil die­ser nicht an den Vor­be­rei­tungs­tref­fen für Kiew teil­nahm. Durch die Ver­knüp­fung der Geld­stra­fe mit den unbe­streit­ba­ren, mas­si­ven Orga­ni­sa­ti­ons­män­geln der ukrai­ni­schen Sen­de­an­stalt UA:PBC kann die­se sich kaum gegen die Sank­ti­on weh­ren [Nach­trag: anschei­nend doch]. Damit geht man in Genf mal wie­der den Weg des gerings­ten Wider­stands: von den unbe­dingt not­wen­di­gen Anpas­sun­gen der Wett­be­werbs­re­geln an die ver­än­der­te poli­ti­sche Welt­la­ge war jeden­falls kei­ne Rede, eben­so wenig wie von der Mit­ver­ant­wor­tung der EBU für das Desas­ter um den bewusst kal­ku­lier­ten Aus­schluss der rus­si­schen Roll­stuhl­fah­re­rin auf­grund ihres Krim-Auf­trit­tes, obwohl sich ein sol­cher Clash bereits früh­zei­tig ange­kün­digt hat­te, ohne dass man hier­auf irgend­wie reagier­te.

Ist laut dem rus­si­schen Sen­der jetzt für 2018 gesetzt: Julia Samo­yl­o­va (RU)

 

Julia­ga­te: EBU kün­digt Stra­fen an

Das unse­li­ge Dra­ma um den Aus­schluss der rus­si­schen Teil­neh­me­rin Julia Samo­yl­o­va vom Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in der ukrai­ni­schen Metro­po­le Kiew wird Kon­se­quen­zen für bei­de Län­der haben, wie die European Broad­cas­ting Uni­on am heu­ti­gen Tage nach einer Mel­dung von heute.de bekannt gab. Die Nach­rich­ten­sen­dung des ZDF zitiert den haus­ei­ge­nen Lei­ter der Abtei­lung Inter­na­tio­na­le Ange­le­gen­heit und Vor­sit­zen­den der EBU-Refe­rence Group, Frank-Die­ter Frei­ling, nach des­sen Dar­stel­lung sich der gast­ge­ben­de Sen­der sowie der ukrai­ni­sche Pre­mier­mi­nis­ter ver­pflich­tet hät­ten, alle Gäs­te der EBU wie des ESC in Kiew will­kom­men zu hei­ßen. “Inso­fern ist das ein Ver­stoß gegen die Sta­tu­ten, der sank­tio­niert wer­den muss”, so Frei­ling gegen­über heute.de. Doch auch die Rus­sen müss­ten mit Sank­tio­nen rech­nen, “weil sie an ver­schie­de­nen ver­pflich­ten­den Sit­zun­gen im Vor­feld in Kiew nicht teil­ge­nom­men haben”. Nächs­te Woche wol­le man sich näher mit den Vor­gän­gen beschäf­ti­gen. Dem ZDF-Mann zufol­ge gehe es dabei nicht mehr um das Ob, son­dern nur noch um die Höhe der Stra­fe. “Unse­re Sta­tu­ten sehen man­ches bei Ver­stö­ßen vor, von einer Geld­stra­fe, dem Ent­zug der Spon­so­ren­an­tei­le bis zu einer Sper­re von bis zu drei Jah­ren”, so Frei­ling, der zwi­schen den Zei­len ziem­lich klar für einen Aus­schluss der bei­den Län­der von den Wett­be­wer­ben 2018 bis 2020 plä­diert. Eine offi­zi­el­le Ver­kün­di­gung sei jedoch nicht vor dem 12. Juni 2017 zu erwar­ten, dem ers­ten tur­nus­mä­ßi­gen EBU-Tref­fen nach den dies­jäh­ri­gen Fest­spie­len.

Der Ukrai­ne könn­te das Fei­ern bald ver­ge­hen

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Julia­ga­te: “Die Rus­sen woll­ten nie­mals teil­neh­men”

Einen Tag nach der offi­zi­el­len Bekannt­ga­be des rus­si­schen Rück­zugs beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 in Kiew lecken die Betei­lig­ten ihre Wun­den. So erneu­er­te der Sen­der­chef des rus­si­schen Per­wy Kanal, Kon­stan­tin Ernst, am heu­ti­gen Kar­frei­tag das Ver­spre­chen gegen­über der aus­ge­boo­te­ten Julia Samo­yl­o­va, dass die schwer­be­hin­der­te Sän­ge­rin fix für 2018 gesetzt sei. Die­se Auf­tritts­ga­ran­tie sei laut Ernst mit der EBU abge­stimmt, wie Die Pres­se unter Bezug auf die Mos­kau­er Agen­tur Inter­fax berich­tet. Damit steht gleich­zei­tig fest, dass sich die Föde­ra­ti­on nach der geplatz­ten Teil­nah­me in Kiew nicht dau­er­haft vom euro­päi­schen Wett­sin­gen zurück­zieht – eine gute Nach­richt nicht nur für die EBU, der in die­sem Jahr wegen der weg­fal­len­den Aus­strah­lung der Sen­dung auf dem Ter­ri­to­ri­um des größ­ten Teil­neh­mer­lan­des bis zu 15 Mil­lio­nen Zuschauer/innen weg­bre­chen, wie Euro­Vi­sio­na­ry aus­rech­ne­te (bezie­hungs­wei­se dop­pelt so vie­le, wenn man die außer­halb des Mut­ter­lan­des leben­den Russ/innen mit­zählt, die nun ver­mut­lich eben­falls nicht mehr zuschal­ten), son­dern auch für Euro­pa und die völ­ker­ver­ei­ni­gen­de Idee der Show. Der aus­tra­gen­de ukrai­ni­sche Sen­der UA:PBC ver­such­te in einer heu­te ver­öf­fent­lich­ten Stel­lung­nah­me (Quel­le: escK­AZ) unter­des­sen, den Schwar­zen Peter von sich weg­zu­schie­ben und kar­te­te noch­mals in Rich­tung der Gegen­sei­te nach: “Aus Respekt vor dem Wunsch der EBU, die Teil­nah­me aller 43 Län­der am Song Con­test sicher­zu­stel­len (…), hat die Ukrai­ne die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on mehr­fach dazu ein­ge­la­den, einen Teil­neh­mer nach Kiew zu ent­sen­den, der kei­ne ukrai­ni­schen Geset­ze ver­letzt hat. Aber die rus­si­sche Sei­te hat es bei ihrer Ent­schei­dung belas­sen. Die Wei­ge­rung des Per­wy Kanal, den ESC zu über­tra­gen, beweist aller­dings (…), dass es von Anfang an nicht das Ziel Russ­lands war, am Wett­be­werb teil­zu­neh­men, son­dern eine nega­ti­ve Atmo­sphä­re rund um die Vor­be­rei­tun­gen und die Orga­ni­sa­ti­on des Events zu kre­ieren”.

Ra-ra-ras-Putin: Oh, tho­se Rus­si­ans!

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