Neu im Kino: Sakis Rou­vas beim Schwanz­ver­gleich

Wer, wie ich, schon immer wis­sen woll­te, ob Grie­chen­gott Sakis Rou­vas sich bei sei­nen Auf­trit­ten eine Hasen­pfo­te in die Hose stopf­te oder nicht, kann sich nun mit eige­nen Augen über­zeu­gen: der hel­le­ni­sche Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter von 2004 und 2009 spielt im neu­es­ten Kino­film der grie­chi­schen Regis­seu­rin Athi­na Rachel Tsanga­ri, ‘Che­va­lier’, mit, der ab heu­te in aus­ge­wähl­ten deut­schen Pro­gramm­ki­nos läuft. In der von der Kri­tik hoch gelob­ten Tra­gi­ko­mö­die tref­fen sechs Män­ner auf einer Yacht auf dem Ägäi­schen Meer zusam­men und wett­ei­fern – zunächst zum Spaß – um den Titel des “bes­ten Man­nes”. Schnell wan­delt sich das Spiel in einen “har­ten und immer irr­wit­zi­ge­ren Wett­be­werb,” wie der Ver­leih schreibt: “Kör­per­tei­le wer­den ver­gli­chen und ver­mes­sen, gefolgt von Dis­zi­pli­nen wie Fens­ter­put­zen, Sil­ber­po­lie­ren oder See­igel­sa­lat zube­rei­ten. Aus Freun­den wer­den Fein­de – hung­ri­ge Fein­de. Aber kei­ner der Män­ner denkt dar­an, von Bord zu gehen, ehe er nicht zum Gewin­ner gekrönt wur­de. Die­ser wird am klei­nen Fin­ger den Ring des Sie­ges tra­gen: den Che­va­lier.” Eine bit­ter­bö­se und sicher­lich sehens­wer­te Sati­re aufs Macho­tum – und für Grand-Prix-Fans allei­ne schon wegen der Euro­vi­si­ons­pro­mi­nenz unver­zicht­bar.

Läuft im grie­chi­schen Ori­gi­nal mit Unter­ti­teln: der Kino­film mit Sakis Rou­vas

ESC Fina­le 2009: It comes as no Sur­pri­se

Logo Eurovision Song Contest 2009 (Semi 2)
Das Jahr der Gei­gen

Als haus­ho­her Favo­rit ging er ins Ren­nen, als wol­ken­krat­z­er­ho­her Sie­ger ging er dar­aus her­vor: der nor­we­gi­sche Knuf­fel Alex­an­der Rybak. Punk­te aus allen 42 abstim­men­den Län­dern, dar­un­ter sech­zehn Mal die Höchst­wer­tung; hun­dert Punk­te Abstand zur Zweit­plat­zier­ten: das Abschnei­den des nor­di­schen Euro­vi­si­ons­mär­chens geriet zum erwart­bars­ten Sieg seit 1976. Und stand somit lei­der auch am Ende der wohl lang­wei­ligs­ten Punk­teaus­zäh­lung seit Men­schen­ge­den­ken. Die auch durch den neu ein­ge­führ­ten 50/50-Jury-Tele­vo­ting-Mix nicht span­nen­der wur­de – im Gegen­teil: auch die Juro­ren setz­ten den nor­we­gi­schen Gei­gen­t­roll mit astro­no­mi­schem Abstand an die Spit­ze.

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ESC Fina­le 2006: Hard Rock? Hal­le­lu­jah!

Logo des Eurovision Song Contest 2006 (Semifinale)
Das Jahr der Mons­ter­ro­cker

Dass ich das noch erle­ben durf­te: die Fin­nen gewin­nen! Athen warf ein bis dato unum­stöß­li­ches Grand-Prix-Gesetz über den Hau­fen. Was kommt als nächs­tes? Ein Sieg Por­tu­gals? Andor­ra im Fina­le? Eine ost­eu­ro­päi­sche Sän­ge­rin, deren Rock die Scham bedeckt? Man darf gespannt sein! Die meis­tens Fans in der Athe­ner Olym­pia­hal­le reagier­ten geschockt, als der Sieg der Mons­ter­ro­cker sich abzeich­ne­te. Nur weni­ge zeig­ten sich (wie ich) begeis­tert, unter­stütz­ten jede Zwölf-Punk­te-Wer­tung für Lor­di mit einem spon­ta­nen “Lap­po­nia”-Gesang oder rock­ten bei der Sie­ger­re­pri­se auf dem Stuhl ste­hend mit.

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ESC Fina­le 2004: Just may­be I’m cra­zy

Logo des Eurovision Song Contest 2004 (Semifinale)
Das Jahr der wil­den Tän­ze

Man möge es mir nach­se­hen: die­sen Jahr­gang kann ich nicht nach den übli­chen Maß­stä­ben beur­tei­len. Denn zum ers­ten Mal ver­folg­te ich das Gesche­hen nicht mehr zu Hau­se am Fern­se­her, son­dern live vor Ort in der Hal­le. Ein völ­lig ande­res Erleb­nis, das ich jedem nur emp­feh­len kann! Die EBU hat­te just in jenem Jahr erst­mals dem eigent­li­chen Grand Prix eine Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de vor­ge­schal­tet, die ich als beken­nen­der Trash­gour­met seit­her noch mehr lie­be als das Fina­le, weil sich dort die tra­gi­sche­ren Bei­trä­ge sam­meln. In die­ser End­run­de nun tum­mel­ten sich die Big Four und die zehn best­plat­zier­ten Län­der aus 2003. Sowie eben die zehn Bes­ten aus dem Semi, die im Fina­le eben­falls sehr gut abschnit­ten.

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ESC Semi 2004: Take my Shoes and go strai­ght

Logo des Eurovision Song Contest 2004 (Finale)
Das Jahr der wil­den Tän­ze

Wer nicht zu den aller­ein­ge­fleisch­tes­ten Euro­vi­si­ons­fans gehört, für den könn­te der Begriff “Semi” bis heu­te Neu­land sein. Kein Wun­der: die deut­schen Medi­en – inklu­si­ve der ARD – schwei­gen die­se Neue­rung beharr­lich tot. Seit dem mas­sen­haf­ten Zustrom ost­eu­ro­päi­scher Län­der muss­ten bis­lang jedes Jahr etli­che Antritts­wil­li­ge aus­set­zen, was in den regel­mä­ßig betrof­fe­nen Län­dern zu einem star­ken Rück­gang des öffent­li­chen Inter­es­ses führ­te. Als Abhil­fe schuf die EBU 2004 ein brand­neu­es Vor­sor­tier­fah­ren: die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de a.k.a. Semi, durch das alle durch­muss­ten, die 2003 schlech­ter als Platz 10 abge­schnit­ten hat­ten. Mit Aus­nah­me der Big Four: Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Spa­ni­en und Deutsch­land, die auf­grund ihrer Finanz­kraft und Zuschau­er­mas­sen stets direkt fürs Fina­le gesetzt sind. Wegen des zu erwar­ten­den gerin­gen Inter­es­ses ver­steck­te der NDR die Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de in sei­nem drit­ten Pro­gramm.

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