Super­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Poly­es­ter

Zähig­keit zahlt sich aus. Seit 2012 ver­sucht es die let­ti­sche Sän­ge­rin Saman­ta Poļa­ko­va, bes­ser bekannt unter ihrem Künst­le­rin­nen­na­men Saman­ta Tīna, prak­tisch durch­gän­gig beim Vor­ent­scheid in ihrer Hei­mat (und gele­gent­lich auch im Nach­bar­land Litau­en). Nun hat sie es geschafft: die dies­mal allei­ne abstim­mungs­be­rech­tig­ten Zuschauer:innen der Super­no­va wähl­ten sie ges­tern Abend zu ihrer Reprä­sen­tan­tin für Rot­ter­dam. Viel­leicht nah­men sie den sub­ti­len Hin­weis ihres Titels ‘Still breat­hing’ zum Anlass, der 30jährigen ihren Her­zens­wunsch end­lich zu erfül­len. An ihrem selbst­ge­schrie­be­nen und mit einem Text aus der Feder von Ami­na­ta Sava­do­go ver­edel­ten Song kann es kaum gele­gen haben, denn der erwies sich vor allem als aggres­si­ve Atta­cke auf die Sin­ne: lau­tes Geschrei, auf­dring­li­cher Dub­step und epi­lep­sie­för­der­li­che Licht­blit­ze bil­de­ten ein Gesamt­pa­ket, des­sen Nerv­fak­tor es mit der Sei­ten­ba­cher-Radio­wer­bung auf­zu­neh­men ver­mag. Den Löwen­an­teil der Gesangs­parts, ins­be­son­de­re den Refrain, steu­er­ten drei mit faschis­toi­den Gesichts­vi­so­ren und Sprüh­fla­schen mit asep­ti­schem Haus­halts­rei­ni­ger bewaff­ne­te Chor­sän­ge­rin­nen bei, die ihre Vokal- und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten aus uner­find­li­chen Grün­den nur mit einem Kor­sett beklei­det ver­rich­te­ten. Frau Tīna war unter­des­sen haupt­säch­lich damit beschäf­tigt, die Fran­sen ihres Salo­mé-Gedächt­nis­dres­ses durch wil­de Zuckun­gen in per­ma­nen­ter Wal­lung zu hal­ten und gele­gent­li­che, unver­mit­tel­te Kiek­ser und Schreie aus­zu­sto­ßen, so als sei sie beses­sen.

Voll auf die Zwölf: SamT­am­ta Tīna.

Wei­ter­le­senSuper­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Poly­es­ter

Super­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell

Ein wei­te­res natio­na­les Vor­ent­schei­dungs­fi­na­le ging ges­tern Abend noch über die Büh­ne, das ich vor lau­ter Super­sams­tags­stress bei­na­he über­se­hen hät­te. Die let­ti­sche Super­no­va macht das einem aber auch leicht: die mit sofor­ti­ger See­krank­heit indu­zie­ren­den, stüm­per­haf­ten Kame­ra­schwenks gefilm­ten Shows (ein­schließ­lich der bei­den vor­ge­schal­te­ten Semis) lau­fen schließ­lich stets par­al­lel zu ande­ren, wesent­lich inter­es­san­te­ren For­ma­ten. Ein­schließ­lich der bei­na­he unend­li­chen Euro­vi­zi­jos im bal­ti­schen Nach­bar­land Litau­en, das zwar stets zu ähn­lich aus­sichts­lo­sen Ergeb­nis­sen gelangt, auf dem lan­gen Weg dort­hin aber zumin­dest den deut­lich gru­se­li­ge­ren musi­ka­li­schen Irr­sinn auf­tischt. Das let­ti­sche Fern­se­hen LTV scheint hin­ge­gen aus einem sehr begrenz­ten Pool von sehr mäßig begab­ten Talen­ten zu fischen, und so han­del­te es sich bei gleich drei der ins­ge­samt acht dies­jäh­ri­gen Super­no­va-Finalist/innen um bereits hin­läng­lich bekann­te Namen. Neben der ent­setz­lich zurech­ton­du­lier­ten Saman­ta Tīna, die in ‘Cut­ting the Wire’ in ermü­den­der Wei­se die erwart­ba­ren Rei­me “Fire, Desi­re” auf­tisch­te und allen­falls mit den ein­lei­ten­den Wor­ten “What the Fuck” für einen kur­zen “Das hat sie gera­de nicht gesagt!”-Moment sorg­te, durf­ten auch Edgars Krei­lis und der ewi­ge Mar­kus Riva nicht feh­len.

Es kos­tet sicher ver­dammt viel, so bil­lig aus­zu­se­hen: Mar­kus Riva.

Wei­ter­le­senSuper­no­va 2019: auf dem Karus­sell kot­zen alle gleich schnell