Schlagwort: Schweiz

Hei­mat der EBU-Zen­tra­le, Ver­an­stal­ter und Sie­ger des ers­ten Grand Prix von 1956: die Eid­ge­nos­sen­schaft kann als Heim­stät­te des Euro­vi­si­on Song Con­test bezeich­net wer­den. Bis auf vier unfrei­wil­li­ge Rele­ga­tio­nen immer dabei, schnei­det das für sei­ne oft­mals beson­ders reiz­lo­sen Bei­trä­ge bekann­te Land dabei meist schlecht ab. Bleibt seit Ein­füh­rung der Semis über­wie­gend dort kle­ben. Neu­tra­li­tät ist halt nicht unter­halt­sam.
ESC-Sie­ge: 1956, 1988
Rote Later­nen: 1964, 1967, 1974, 1998, 2004, 2010, 2011, 2015, 2016

2020, Die Zwanzigzwanziger

Schweiz 2020: The Rain! The Rain! Cry­ing!

Und noch eine Ballade! Nachdem das Schweizer Fernsehen 2019 mit einem hervorragend inszenierten Uptempo-Banger erstmals seit einem guten Jahrzehnt das tiefe Tal der Tränen verließ, entschied man sich beim SRG heuer für ein entgegengesetztes Konzept. Erneut bestimmte man den Interpreten intern: der heißt Gjon Muharremaj, stammt gebürtig aus dem französischsprachigen Kanton Fribourg und nahm natürlich schon an The Voice teil, in Frankreich. Sein Künstlername lautet Gjon's Tears und macht bereits deutlich klar, wohin die Reise geht. Folgerichtig besteht 'Répondez-moi' ('Antwortet mir'), sein Beitrag für Rotterdam, aus drei Minuten hochelegantem Sadboi-Gejammer, das sich zu einem recht zurückgenommenen, molllastigen Musikbett stimmlich in geradezu alpine Höhen schraubt. Es passt zur trüben Sti...
Der eine ESC-Song, den nie­mand mag
Diese Welt, Unsere Lieblinge

Der eine ESC-Song, den nie­mand mag

Bei Diskussionen mit anderen Grand-Prix-Fans oder dem Lesen von Kommentaren stellt man immer wieder erstaunt fest: selbst die scheußlichsten Eurovisionsbeiträge haben ihre Anhänger*innen. Aber es muss doch in der langen ESC-Geschichte mit ihren vielen musikalischen Missgriffen wenigstens einen einzigen Song geben, bei dem sich im Hinblick auf seine fehlende Attraktivität mal ausnahmslos alle einig sind? Dies herauszufinden, machte sich der selbst für einige Rohrkrepierer wie zum Beispiel 'Et cetera' von Sinéad Mulvey verantwortliche schwedische Komponist Jonas Gladnikoff mithilfe des internationalen Fan-Bords auf ESC Nation zur Aufgabe und veranstaltete dort ein Voting mit rund 70 Teilnehmer/innen über den am wenigsten gemochten Eurovisionstitel von 1956 bis heute. Und siehe da: es gibt ta...
Fina­le 2019: <span class="caps">ESC</span> is a losing Game
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Finale

Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hatte die EBU in diesem Jahr eigens erneut das Auszählungsverfahren geändert, um die Sache spannender zu gestalten. Und doch trat die langweiligste aller möglicher Optionen ein: wie bereits seit Monaten von allen Wettbüros eisern vorhergesagt, gewann heute Nacht der Niederländer Duncan Laurence den Eurovision Song Contest 2019. Der 24jährige Musiker vereinte die in diesem Jahr augenscheinlich wichtigsten Eigenschaften für eine erfolgreiche Grand-Prix-Teilnahme: er ist männlich, vollbärtig, gutaussehend und er jaulte weite Teile seiner gefühlvollen Klavierballade 'Arcade' in Falsettstimme. Sein Lied handelt dem reinen Text nach von einer unglücklichen Beziehung, die der Protagonist nicht beenden kann, weil er süchtig nach ihr ist; nach der Aussage des Interpreten jedoch betrauere er den ...
2019, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Schwules

2. Semi 2019: Dei­ne Spu­ren im Sand

Madonna wird am Samstag im Finale des Eurovision Song Contest 2019 auftreten. Die seit Monaten als Gerücht gestreute, in den letzten Tagen mit einem entweder unnötigen oder gefakten Drama um nicht unterschriebene Verträge gehypte und gestern bestätigte Nachricht, dass die EBU der amerikanischen Großmutter des Pop, die hierfür sogar noch eine von einem israelischen Industriellen finanzierte Millionengage einstreicht, in der zuschauerstärksten TV-Show der Welt kostenlos die Möglichkeit zur Bewerbung ihres neuesten Albums einräumt, nahm am gestrigen Donnerstagabend gefühlt ein Viertel der Sendezeit, mindestens jedoch der Moderation ein und degradierte die achtzehn im Kampf um den Finaleinzug angetretenen Acts zur bloßen Staffage. Vertraut die EBU der Strahlkraft ihrer eigenen Vorzeigesendung ...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 17 – She got me

Das am schlechtesten gehütete Geheimnis der diesjährigen Vorentscheidungssaison war wohl die Direktnominierung des ehemaligen DSDS-Siegers Luca Hänni für die Eidgenossenschaft. Im Land des Käsefondues konnten die Fans kaum an sich halten vor Verzückung, und das ist ja auch verständlich. Platz 17: Schweiz - Luca Hänni - She got me (Sie bringt mich dazu) Der Berner Twink sieht nämlich ganz niedlich aus, kann zugegebenermaßen ganz gut singen und hervorragend tanzen. Und er neigt zum freien Oberkörper, um den Rest der Welt am Ergebnis seines regelmäßigen Workouts teilhaben zu lassen. Sein Song ist für Schweizer Verhältnisse überraschend uptemporär und milde mitreißend. Wie sein offensichtliches Vorbild 'Fuego' bietet auch Lucas Lied Raum für eine spektakuläre Hochleistungschoreographie (hu...
2019

Schweiz 2019: die Kalbs­ha­xe Flo­ri­da

Dass das singende Formfleischschnitzel Luca Hänni die Eidgenossen beim ESC 2019 in Tel Aviv vertritt, geisterte bereits seit einem gefühlten halben Jahr durch die Grand-Prix-Gerüchteküche. Die Ex-Prinzen haben den bisherigen musikalischen Werdegang des gebürtigen Berners vom DSDS-Sieg 2012 inklusive der üblichen Halbwertszeit mit stetig sinkenden Plattenverkäufen bis zu seinem letztjährigen Comebackversuch als Schlagersänger sehr schön zusammengefasst und ansprechend bebildert. Was sich in Lucas Fall besonders lohnt, neigt der durchtrainierte Twink doch dazu, sich bei jeder Gelegenheit auszuziehen, was natürlich nur begrüsst werden kann! Bedauerlicherweise zeigt er sich jedoch ausgerechnet im heute Abend vom SRF veröffentlichten Videoclip seines Eurovisionsbeitrags 'She got me' geradezu ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tier­le­ben

Echte Eurovisionsfans befinden sich - getreu des Mottos: nach dem ESC ist vor dem ESC - bereits seit vergangenem Mai gedanklich im Jahr 2019. Seit heute stimmt dann auch der offizielle Kalender wieder mit dem Empfinden überein. Höchste Zeit also für einen Überblick über die Geschehnisse in den 42 in Tel Aviv teilnehmenden Nationen, die mir in den letzten Wochen durchgerutscht sind. Dabei scheint, dass das gackernde Huhn vom letzten Jahr so manch anderes lustiges Getier inspirierte: dabei sind unter anderem singende Katzen und ironische Hyänen.  Den Auftakt aber macht eine halbe Göttin. Sagt sie zumindest von sich selbst. Sie, das ist die ehemalige X-Factor-Zweite Srbuhi Sargsian, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Srbuk. Die 24jährige wurde von ArmTV als Eurovisionsrepräsentan...
Unsere Lieblinge

Som­mer­loch-News: “DJ Bobo ist die här­tes­te Sau”

Während das unter Sparzwang stehende Schweizer Fernsehen gerade die TV-Entscheidungsshow streicht, erfährt einer der glücklosesten helvetischen Eurovisionsvertreter ein überraschendes subkulturelles Comeback: in den Straßen meiner Heimatstadt Frankfurt am Main verzieren seit einiger Zeit Aufkleber der virtuellen DJ Bobo Ultras Laternenpfähle, Stromkästen und U-Bahn-Abgänge. In einem Interview mit der Frankfurter Neuen Presse erläuterte der hinter der Aktion steckenden Street-Art-Künstler Mine heute seine Beweggründe: "Bobo ist der letzte Überlebende, die härteste Sau der ganzen Eurodance-Trash-Musiker von damals". Und tatsächlich tourt der Schweizer Künstler, der beim ESC 2007 in Helsinki mit 'Vampires are alive' und seinem Ausscheiden im Semifinale den vielleicht spektakulärsten Favorit...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Schwei­zer Fern­se­hen streicht die Ent­schei­dungs­show

Nach dem Ausscheiden der schweizerischen ESC-Vertreter Zibbz im ersten Semifinale 2018 schraubt der verantwortliche Sender SRF weiter am Vorauswahlverfahren für den Eurovision Song Contest 2019. Wie das helvetische Fernsehen heute bekannt gab, orientiert man sich am erfolgreichen Konzept des NDR und bedient sich eines einhundertköpfigen Zuschauerpanels sowie einer internationalen Fachjury aus 20 ehemaligen ESC-Teilnehmer/innen oder -Juror/innen. Diese wählen - wie in Deutschland - in einem mehrstufigen Verfahren aus den vorselektierten Bewerbungen den eidgenössischen Repräsentanten für Israel. Der SRF behält sich innerhalb des Verfahrens die Vergabe zusätzlicher Wildcards vor, die endgültige Entscheidung liegt allerdings ausschließlich bei den beiden Panels, für deren Zusammenstellung der ...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Ganze 53 Jahre musste das kleine, geografisch etwas randständige und kulturell auf europäischer Ebene nicht unbedingt massenkompatible Portugal von seiner Erstteilnahme im Jahre 1964 bis zu seinem Eurovisionssieg 2017 warten. Ein verschrobener Barde namens Salvador Sobral holte bekanntlich den Pott und die Gastgeberschaft nach Lissabon, mit einer intimen, aus der Zeit gefallenen Trennungsschmerzballade in seiner Muttersprache. Mit "Musik, die wirklich etwas ausdrückt", wie es der lebensbedrohlich erkrankte Adelsspross, dem es nach einer Herztransplantation mittlerweile wieder besser geht, im Überschwang seiner Siegesansprache formulierte. Und nun das: ein Jahr später, im ersten Semifinale des in der portugiesischen Hauptstadt abgehaltenen 2018er Grand Prix, fliegen gleich zwei von insgesam...
Unsere Lieblinge

Eine Ära endet: Lys Assia ist tot

Für altgediente Eurovisionsfans kam die Nachricht wie ein Schock: am gestrigen Samstag verstarb Medienberichten zufolge die dreifache schweizerische Grand-Prix-Teilnehmerin und Siegerin der Premierenausgabe des Wettbewerbs von 1956, Lys Assia, im Alter von 94 Jahren in einem Krankenhaus in Zollikon bei Zürich. Damit geht eine Ära unwiederbringlich zu Ende, denn Assia hatte unter eingeschworenen Anhängern des europäischen Liederfestivals den Status einer Galionsfigur inne, die den selben Rang einnahm wie Cher im Bereich der Popmusik oder Keith Richards im Rock: dass die unverwüstliche "Grand Dame des Chanson" (Blick) selbst einen Atomkrieg unbeschadet überleben würde, auf jeden Fall aber uns gewöhnliche Sterbliche, galt als unerschütterliche Gewissheit. Und so trauert die Grand-Prix-Gemeind...
2018, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Geld­sor­gen: ukrai­ni­sche Teil­nah­me 2018 ist in Gefahr

Das kurzfristige Wackeln von Eurovisionsteilnahmen aus pekuniären Gründen scheint sich zu einem wiederkehrenden Thema zu entwickeln, an das wir uns wohl oder übel gewöhnen müssen. Wie die EBU heute morgen in einer Presseerklärung verlautbarte, ist der ukrainische Sender UA:PBC aufgrund chronischer Unterfinanzierung unmittelbar in seinem Bestand gefährdet. Bereits Ende April 2018, also in wenigen Wochen, könnte das öffentlich-rechtliche Fernsehen gezwungen sein, den Sendebetrieb einzustellen, da der sich in einem massiven Umstrukturierungsprozess befindliche Sender derzeit nur die Hälfte der benötigten Mittel erhalte. Muss das EBU-Mitglied wirklich dicht machen, kann auch der für den Eurovision Song Contest 2018 ausgewählte Emo-Boy Melóvin nicht am Wettbewerb teilnehmen. Was man natürlich a...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

CH 2018: alter­na­ti­ve Fak­ten

Corinne (Co) und Stefan (Stee) Gfeller aus dem Aargau gewannen am heutigen Samstag erwartungsgemäß die Entscheidungsshow des Schweizer Fernsehens und vertreten die Eidgenossenschaft beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Als Duo nennen sich die Beiden Zibbz (von Siblings, englisch für Geschwister), und den Lyrics ihres Beitrags 'Stones' hört man ihren zweiten Wohnsitz in Los Angeles an: mit dem "Wild Joker on a Gold Throne" gleich in ihrer ersten Textzeile kann niemand anderes gemeint sein als der US-amerikanische Präsident Donald Trump. Ein Song gegen die anonyme Hetze in den sozialen Netzwerken soll 'Stones' sein, erzählte Co der Aargauer Zeitung: "Es ist so einfach, feige hinter dem Compi zu sitzen und auf andere abzufeuern". Doch genauso gut lässt er sich als politischer Kommen...
Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Die Schweiz melo­di­fes­ti­va­li­siert ihren Vor­ent­scheid

Es stand zu erwarten: nachdem das Schweizer Fernsehen sich im Juni 2017 als Reaktion auf die fast durchgehend schlechten Ergebnisse der Eidgenossenschaft beim europäischen Wettbewerb in den letzten Jahren einem Eurovisions-Workshop mit den schwedischen ESC-Produzenten Christer Björkman (→ SE 1992) und Martin Österdahl unterzog, präsentierte der SRF heute die wenig überraschenden Ergebnisse des gemeinsamen Brainstormings, welche unter anderem die Einführung einer internationalen Jury beinhalten, wie sie beim von Björkman verantworteten Melodifestivalen schon seit Jahren zum Einsatz kommt. Auch will man, dem deutschen Beispiel folgend, den Fokus bei der Beitragssuche stärker auf das Lied legen und zunächst mit Hilfe einer sowohl mit Musikschaffenden als auch mit Eurovisionsfans besetzten, ru...
Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten <span class="caps">ESC</span>
1956, Die Fünfziger, ESC Finale, Internationale Vorentscheidungen

Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten ESC

Womit wäre die eurovisionäre Sommerpause besser zu überbrücken als mit Meldungen aus der reichhaltigen Geschichte des Wettbewerbs? So ist es dem schottischen Eurovisionsfan David A. Allen nach hartnäckigem Drängen gelungen, lange Zeit verschollene Dokumente aus dem Stadtarchiv von Lugano auszugraben, wo 1956 die Premiere des europäischen Gesangswettbewerbs über die Bühne ging. Und zwar deswegen, weil die Schweiz als neutrales Land im Zweiten Weltkrieg weitestgehend verschont blieb und seinerzeit über die intakteste und fortschrittlichste TV-Infrastruktur verfügte. Da der Song Contest auch eine Leistungsschau des Fernsehens sein sollte, fiel die Wahl beim konstituierende EBU-Eurovisions-Treffen in Rom im Oktober 1955 dementsprechend auf die Eidgenossen. Die gaben die Stafette an den Sender ...
Zei­tungs­be­richt von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punk­ten
1956, Die Fünfziger, Diese Welt, Unsere Lieblinge

Zei­tungs­be­richt von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punk­ten

Wie die Fan-Seite Eurofestival Italia in dieser Woche enthüllte, soll es sich bei dem ersten Grand-Prix-Sieg in der mehr als sechzigjährigen Geschichte des Wettbewerbs um einen sehr eindeutigen gehandelt haben. Einer der Fan-Seite zufolge aus einem Archiv ausgegrabenen Besprechung des Premieren-Wettbewerbs im schweizerischen Lugano in der Tageszeitung La Stampa vom 25. Mai 1956 zufolge konnte Lys Assia (→ CH 1956, 1957, 1958) für ihr Lied 'Refrain' 102 Punkte auf sich vereinen. Bislang wusste man lediglich, dass die Jurys sie zur Siegerin gekürt hatten, danach aber alle Stimmzettel vernichteten, so dass kein genaueres Ergebnis bekannt war. Bis auf kurze Ausschnitte aus der Siegerreprise besteht auch keine Bildaufzeichnung des Ereignisses. Da bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs nur siebe...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschi...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #12: Jodel Cha Cha

Wenn der Eurovisionsjahrgang 2017 von einem nicht zu wenig hat, dann sind es Jodlerinnen. Nein, damit meine ich nicht den rumänischen Beitrag, sondern Balladessen mit starken Stimmen, welche die Noten in die Länge ziehen bis kurz vor die Unendlichkeit und beim Singen gerne mal die Tonleiter hoch und runter joggen, um ihre Range zu präsentieren und den Juroren, denen wir diese Flut einzig und alleine zu verdanken haben, die Punkte aus der Tasche zu holen. Vergangenen Mittwoch präsentierte ich bereits die erste Eurovision-Deathmatch-Paarung dieser Hochleistungsdamen, und das heutige Schreiende-Frauen-Duell zwischen Dänemark und der Schweiz wird nicht das letzte seiner Art sein in unserem Leser/innen-Spiel. Anja Nissen tritt also an für unser skandinavisches Nachbarland, und sie zieht bei 'Wh...
2017, Remixe

Atem­los durch die Bal­la­den­nacht: die Remi­xe sind da!

Nachdem am gestrigen Supersamstag die letzten öffentlichen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2017 über die Bühne gingen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letzten intern ausgewählten Beiträge für Kiew warten (als da wären: der für den heutigen Abend gegen 18 Uhr angekündigte, angeblich von einem international bekannten Duo interpretierte sanmarinesische Song; der für den morgigen Montag beworbene bulgarische Beitrag; das erst für den kommenden Samstag annoncierte, von Artsvik gesungene armenische Lied; die bereits angekündigte anglifizierte Fassung des albanischen Songs 'Botë' alias 'World' sowie der russische Beitrag - wobei es immer unwahrscheinlicher wird, dass das mit dem Gastgeberland Ukraine kriegerisch verfeindete Land überhaupt teilnimmt), haben neben Weißrussland nun noch...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Schweiz 2017: Time­bel­le sinkt im Semi

Sie führte bereits im Vorfeld in allen einschlägigen Fan-Polls, das Schweizer Fernsehen ließ sie extra auf dem letzten Startplatz antreten, dem Pimp Slot, die Leadsängerin Miruna Manescu trug das klassischste Abendkleid und sang von allen sechs Kombattantinnen am wenigsten schief - natürlich gewann, zu niemandes Überraschung, die rumänischweizerische Band Timebelle (mit knapp der Hälfte der Zuschauerstimmen sehr überzeugend) die heutige helvetische Entscheidungsshow. Damit kehren die Eidgenossen zum bewährten Konzept des internationalen Interpreten-Imports zurück: Miruna und ihre zwei Begleitungen stammen aus dem Niedriglohn-EU-Ausland. Ihr Lied 'Apollo', ein völlig belangloser Midtemposeich, bildet musikalisch den Durchschnitt sämtlicher aserbaidschanischen und dänischen Eurovisionsbeiträ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: das ist die Tes­si­ner Luft

Ach, Helvetia! Du machst es mir wirklich schwer. Gerne mal wurde mir von Leser/innen aus dem Land der Toblerone und der Kantone in den vergangenen Jahren vorgeworfen, ich betriebe Schweiz-Bashing oder habe gar persönlich etwas gegen die Eidgenossen. Was von der Wahrheit nicht weiter entfernt sein könnte: nur enttäuschte Liebe war's, die aus mir sprach. Kredenzten unsere südlichen Nachbarn mit der für die Verzweifelten und Beladenen aus aller Welt sperrangelweit offenen Internet-Vorrunde ihrer Großen Entscheidungsshow doch lange Jahre ein unerschöpfliches Füllhorn des von mir so heiß geliebten Abseitigen und Schrägen - nur, um dann all diese Perlen zielsicher auszusortieren und im nationalen Vorentscheid zu meiner Bestürzung stets die gleichen, sterbenslangweiligen Variationen von beige anz...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Die Schweiz schließt die Pfor­ten des Inter­net-Hades

Nicht nur der NDR will nach den schlechten Ergebnissen der letzten Jahre seinen Vorentscheid neu aufstellen: auch das Schweizer Fernsehen nimmt gravierende Neuerungen an der nationalen Vorauswahl vor, wie der deutschsprachige Sender SRF heute Morgen bekannt gab. Dabei entfällt zu meinem großen Bedauern der bisherige Internet-Vor-Vorentscheid, der stets als schier unerschöpfliche Fundgrube des herrlichsten Song-Trashs diente. Fürderhin sichtet eine rund zwanzigköpfige Fachjury ganz alleine die eingereichten Beiträge und siebt aus allen Einsendungen zirka 20 Songs aus. Anschließt bestellt sie deren Interpreten zum Vorsingen ein, wo sie die Auswahl dann auf etwa acht Titel dezimiert, mit denen der Vorentscheid am Sonntag, dem 5. Februar 2017, bestückt wird. Die bisherige Quotenregelung, nach ...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

"Måns ist sehr enttäuscht": das war er, der Satz des Abends, gesprochen vom deutschen Kommentator Peter Urban, nachdem Gastgeberin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auftritt des Weißrussen Ivan informierte, dass dieser ursprünglich nackt und in Begleitung von Wölfen zu performen gedachte, was die EBU im Hinblick auf die Regeln leider verbieten musste. Zum Missfallen des komoderierenden Vorjahressiegers, der gerade hinter Petra die Bühne enterte - im Adamskostüm, leider mit einem strategisch platzierten Plüschwolf vor dem Gemächt. Wie dankbar bin ich dem Schweden dafür, dass er ein dergestalt schamlos selbstverliebter, zeigefreudiger Exhibitionist ist, der wirklich keine Gelegenheit auslässt, seinen durchtrainierten Körper möglichst textilfrei der Öffentlichkeit zu präsentieren. Und wie...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und weiter geht's mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher 'Heartbeat' eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole a...
2016, Deutsche Vorentscheidung, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Von Göte­borg nach Stock­holm: ein Kes­sel Bun­tes vom Vor­ent­scheid

Meine Güte, was ein Stress: in Köln fanden heute bereits die ersten Generalproben statt für den morgigen deutschen Vorentscheid Unser Lied für Stockholm, bei denen tatsächlich alles auf die langweiligste Option hinauszulaufen scheint; auf den Song, der mich am kältesten lässt: auf das farblose 'Ghost' von Castingshow-Sternchen Jamie Lee Kriewitz nämlich. Gähn. Doch so viel ist noch nachzuholen, so viele Ereignisse stapeln sich noch aus den letzten Tagen, dass sie nur noch in chronologischer Reihenfolge abzuarbeiten sind. Beginnen wir mit dem Halbfinale der lettischen Supernova vom vergangenen Sonntag: dort passierte zwar musikalisch nichts Neues mehr, ging es ja nur noch um das Eindampfen der Finalteilnehmer/innen. Um so lustiger die unvermittelte Zwangspause, als LTV unmittelbar nach dem ...