Som­mer­loch-News: “DJ Bobo ist die här­tes­te Sau”

Don’t mess with the Bobo!

Wäh­rend das unter Spar­zwang ste­hen­de Schwei­zer Fern­se­hen gera­de die TV-Ent­schei­dungs­show streicht, erfährt einer der glück­lo­ses­ten hel­ve­ti­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter ein über­ra­schen­des sub­kul­tu­rel­les Come­back: in den Stra­ßen mei­ner Hei­mat­stadt Frank­furt am Main ver­zie­ren seit eini­ger Zeit Auf­kle­ber der vir­tu­el­len DJ Bobo Ultras Later­nen­pfäh­le, Strom­käs­ten und U-Bahn-Abgän­ge. In einem Inter­view mit der Frank­fur­ter Neu­en Pres­se erläu­ter­te der hin­ter der Akti­on ste­cken­den Street-Art-Künst­ler Mine heu­te sei­ne Beweg­grün­de: “Bobo ist der letz­te Über­le­ben­de, die här­tes­te Sau der gan­zen Euro­dance-Trash-Musi­ker von damals”. Und tat­säch­lich tourt der Schwei­zer Künst­ler, der beim ESC 2007 in Hel­sin­ki mit ‘Vam­pi­res are ali­ve’ und sei­nem Aus­schei­den im Semi­fi­na­le den viel­leicht spek­ta­ku­lärs­ten Favo­ri­ten­sturz aller Zei­ten hin­leg­te, aber den­noch erst kürz­lich sein 25jähriges Büh­nen­ju­bi­lä­um fei­er­te, noch immer flei­ßig durch die Lan­de.

In der Stu­dio­ver­si­on ein süf­fi­ger Euro­dance-Schla­ger: DJ Bobos Grand-Prix-Bei­trag litt live unter der atem­be­rau­ben­den Cho­reo­gra­fie und der ver­ma­le­dei­ten → Sechs-Per­so­nen-Regel.

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Schwei­zer Fern­se­hen streicht die Ent­schei­dungs­show

Nach dem Aus­schei­den der schwei­ze­ri­schen ESC-Ver­tre­ter Zibbz im ers­ten Semi­fi­na­le 2018 schraubt der ver­ant­wort­li­che Sen­der SRF wei­ter am Vor­auswahl­ver­fah­ren für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Wie das hel­ve­ti­sche Fern­se­hen heu­te bekannt gab, ori­en­tiert man sich am erfolg­rei­chen Kon­zept des NDR und bedient sich eines ein­hun­dert­köp­fi­gen Zuschau­er­pa­nels sowie einer inter­na­tio­na­len Fach­ju­ry aus 20 ehe­ma­li­gen ESC-Teil­neh­mer/in­nen oder -Juror/innen. Die­se wäh­len – wie in Deutsch­land – in einem mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren aus den vor­se­lek­tier­ten Bewer­bun­gen den eid­ge­nös­si­schen Reprä­sen­tan­ten für Isra­el. Der SRF behält sich inner­halb des Ver­fah­rens die Ver­ga­be zusätz­li­cher Wild­cards vor, die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung liegt aller­dings aus­schließ­lich bei den bei­den Panels, für deren Zusam­men­stel­lung der Sen­der mit dem deut­schen Unter­neh­men diga­me zusam­men­ar­bei­tet, das auch die deut­schen Jurys orga­ni­siert. Bewer­bun­gen für das Fan-Panel sind ab Ende August 2018 mög­lich, poten­ti­el­le Songs kön­nen im Sep­tem­ber 2018 ein­ge­reicht wer­den.

Schon deut­lich bes­ser als der Schwei­zer Durch­schnitt, aber nicht stark genug fürs Fina­le: für die Zibbz war in Lis­sa­bon im Semi Schluss.

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Ers­tes Semi 2018: Die Rück­kehr des Fast-Food-Pop

Gan­ze 53 Jah­re muss­te das klei­ne, geo­gra­fisch etwas rand­stän­di­ge und kul­tu­rell auf euro­päi­scher Ebe­ne nicht unbe­dingt mas­sen­kom­pa­ti­ble Por­tu­gal von sei­ner Erst­teil­nah­me im Jah­re 1964 bis zu sei­nem Euro­vi­si­ons­sieg 2017 war­ten. Ein ver­schro­be­ner Bar­de namens Sal­va­dor Sobral hol­te bekannt­lich den Pott und die Gast­ge­ber­schaft nach Lis­sa­bon, mit einer inti­men, aus der Zeit gefal­le­nen Tren­nungs­schmerz­bal­la­de in sei­ner Mut­ter­spra­che. Mit “Musik, die wirk­lich etwas aus­drückt”, wie es der lebens­be­droh­lich erkrank­te Adels­spross, dem es nach einer Herz­trans­plan­ta­ti­on mitt­ler­wei­le wie­der bes­ser geht, im Über­schwang sei­ner Sie­ges­an­spra­che for­mu­lier­te. Und nun das: ein Jahr spä­ter, im ers­ten Semi­fi­na­le des in der por­tu­gie­si­schen Haupt­stadt abge­hal­te­nen 2018er Grand Prix, flie­gen gleich zwei von ins­ge­samt ledig­lich drei Bei­trä­gen in Lan­des­spra­che raus, bei­des Bal­la­den. Statt­des­sen folgt ein Durch­marsch fröh­li­cher, größ­ten­teils stark cho­reo­gra­fier­ter und mit mehr oder min­der mas­si­ven Gim­micks arbei­ten­der Uptem­po­num­mern, von “Fast-Food-Pop”, wie Sobral es nen­nen wür­de. Als beken­nen­der Lieb­ha­ber von ‘Amar pelos Dois’ einer­seits und glü­hen­der Dance-Trash-Fan ande­rer­seits sage ich: gut, dass beim Grand Prix für bei­des Platz ist!

L’amour est bleu: das kom­plet­te ers­te Semi­fi­na­le des ESC 2018.

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Eine Ära endet: Lys Assia ist tot

Für alt­ge­dien­te Euro­vi­si­ons­fans kam die Nach­richt wie ein Schock: am gest­ri­gen Sams­tag ver­starb Medi­en­be­rich­ten zufol­ge die drei­fa­che schwei­ze­ri­sche Grand-Prix-Teil­neh­me­rin und Sie­ge­rin der Pre­mie­ren­aus­ga­be des Wett­be­werbs von 1956, Lys Assia, im Alter von 94 Jah­ren in einem Kran­ken­haus in Zol­li­kon bei Zürich. Damit geht eine Ära unwie­der­bring­lich zu Ende, denn Assia hat­te unter ein­ge­schwo­re­nen Anhän­gern des euro­päi­schen Lie­der­fes­ti­vals den Sta­tus einer Gali­ons­fi­gur inne, die den sel­ben Rang ein­nahm wie Cher im Bereich der Pop­mu­sik oder Keith Richards im Rock: dass die unver­wüst­li­che “Grand Dame des Chan­son” (Blick) selbst einen Atom­krieg unbe­scha­det über­le­ben wür­de, auf jeden Fall aber uns gewöhn­li­che Sterb­li­che, galt als uner­schüt­ter­li­che Gewiss­heit. Und so trau­ert die Grand-Prix-Gemein­de nicht nur um ein euro­vi­sio­nä­res Aus­hän­ge­schild, das auf kei­ner Fest­ver­an­stal­tung rund um den Euro­vi­si­on Song Con­test feh­len durf­te, son­dern auch um eine Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur. Wenn selbst Lys Assia das Zeit­li­che seg­nen muss, so die ban­ge Fra­ge, ist es dann auch vor­stell­bar, dass es den Euro­vi­si­on Song Con­test womög­lich nicht ewig geben wird?

Lys Assia mit ‘Gior­gio’, dem bes­ten ihrer vier Grand-Prix-Bei­trä­ge und einem ech­ten Kult­hit.

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Geld­sor­gen: ukrai­ni­sche Teil­nah­me 2018 ist in Gefahr

Das kurz­fris­ti­ge Wackeln von Euro­vi­si­ons­teil­nah­men aus peku­niä­ren Grün­den scheint sich zu einem wie­der­keh­ren­den The­ma zu ent­wi­ckeln, an das wir uns wohl oder übel gewöh­nen müs­sen. Wie die EBU heu­te mor­gen in einer Pres­se­er­klä­rung ver­laut­bar­te, ist der ukrai­ni­sche Sen­der UA:PBC auf­grund chro­ni­scher Unter­fi­nan­zie­rung unmit­tel­bar in sei­nem Bestand gefähr­det. Bereits Ende April 2018, also in weni­gen Wochen, könn­te das öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen gezwun­gen sein, den Sen­de­be­trieb ein­zu­stel­len, da der sich in einem mas­si­ven Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zess befind­li­che Sen­der der­zeit nur die Hälf­te der benö­tig­ten Mit­tel erhal­te. Muss das EBU-Mit­glied wirk­lich dicht machen, kann auch der für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 aus­ge­wähl­te Emo-Boy Melóvin nicht am Wett­be­werb teil­neh­men. Was man natür­lich als Glück im Unglück bezeich­nen könn­te, da so den euro­päi­schen Zuschauer/innen zumin­dest die musi­ka­li­sche Mons­tro­si­tät ‘Under the Lad­der’ erspart blie­be. Im Hin­blick auf die Medi­en­viel­falt und Pres­se­frei­heit in der Ukrai­ne wür­de der Crash von UA:PBC aber natür­lich ein ver­hee­ren­des Zei­chen set­zen.

Erlei­det Melóvin das­sel­be Schick­sal wie sein rumä­ni­scher Kol­le­ge Ovi­diu Anton 2016?

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CH 2018: alter­na­ti­ve Fak­ten

Corin­ne (Co) und Ste­fan (Stee) Gfel­ler aus dem Aar­gau gewan­nen am heu­ti­gen Sams­tag erwar­tungs­ge­mäß die Ent­schei­dungs­show des Schwei­zer Fern­se­hens und ver­tre­ten die Eid­ge­nos­sen­schaft beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon. Als Duo nen­nen sich die Bei­den Zibbz (von Sib­lings, eng­lisch für Geschwis­ter), und den Lyrics ihres Bei­trags ‘Stones’ hört man ihren zwei­ten Wohn­sitz in Los Ange­les an: mit dem “Wild Joker on a Gold Thro­ne” gleich in ihrer ers­ten Text­zei­le kann nie­mand ande­res gemeint sein als der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Donald Trump. Ein Song gegen die anony­me Het­ze in den sozia­len Netz­wer­ken soll ‘Stones’ sein, erzähl­te Co der Aar­gau­er Zei­tung: “Es ist so ein­fach, fei­ge hin­ter dem Com­pi zu sit­zen und auf ande­re abzu­feu­ern”. Doch genau­so gut lässt er sich als poli­ti­scher Kom­men­tar lesen: “We’re the Liars in the Face of Facts” ist ein offen­sicht­li­cher Sei­ten­hieb auf die neu­en Rech­ten und ihre “alter­na­ti­ven Fak­ten”. Ver­packt ist die­se klu­ge Gesell­schafts­kri­tik in einen ein­gän­gi­gen und ver­hält­nis­mä­ßig kan­ti­gen Poprock­song. “Vom Stil her erin­nert ‘Stones’ ein wenig an ‘Black Smo­ke’ (→ DE 2015), der Zibbz-Song ist aber etwas rot­zi­ger und hat einen stär­ke­ren Beat,” fass­te das der Prinz-Blog­ger Mat­thi­as in sei­nem Song-Check sehr schön zusam­men.

Nein, das ist nicht Sal­va­dor Sobral (PT 2017) an den Drums, son­dern Stee Gfel­ler.

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Ent­schei­dungs-Show 2018

Sechs vom Schwei­zer Fern­se­hen SRF unter Betei­li­gung einer breit gefä­cher­ten Jury (dar­un­ter inter­na­tio­na­le ESC-Juro­ren genau so wie OGAE-Fans) sorg­fäl­tig hand­ver­le­se­ne Interpret/innen tre­ten in Zürich um das Ticket nach Por­tu­gal an. Die Bei­trä­ge über­ra­schen mit einer für die Eid­ge­nos­sen­schaft unge­wöhn­li­chen Kan­tig­keit und sti­lis­ti­schen Band­brei­te. Eine Jury und das TV-Publi­kum ent­schei­den jeweils zu 50%, wobei heu­er – wie beim Melo­di­fes­ti­va­len – erst­ma­lig eine inter­na­tio­na­le Jury zum Ein­satz kom­men soll, erstaun­li­cher­wei­se sogar mit deut­scher Betei­li­gung! Wie immer mode­riert Sven Epi­ney.

Live­stream Ent­schei­dungs­show

Live­stream SRF zwei (nur in der Schweiz)

You­tube-Live­stream

Die sechs Bei­trä­ge in der Vor­schau:

Der Live­stream:

Vor­ent­scheid CH 2018

Ent­schei­dungs­show. Sonn­tag, 4. Febru­ar 2018, 20:05 Uhr, aus den SRF-Stu­di­os in Zürich. Sechs Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Sven Epi­ney.
#Interpret/inTitelTVJuryGesamtPlatz
1ZibbzStones777615301
2Angie OttA thousand Times392606505
3NaemanKiss me191403306
4Chia­ra DubeySecrets and Lies442206604
5Ale­jan­dro ReyesCom­pass487212002
6Vanes­sa Ira­ciRed­lights254206703

Die Schweiz melo­di­fes­ti­va­li­siert ihren Vor­ent­scheid

Es stand zu erwar­ten: nach­dem das Schwei­zer Fern­se­hen sich im Juni 2017 als Reak­ti­on auf die fast durch­ge­hend schlech­ten Ergeb­nis­se der Eid­ge­nos­sen­schaft beim euro­päi­schen Wett­be­werb in den letz­ten Jah­ren einem Euro­vi­si­ons-Work­shop mit den schwe­di­schen ESC-Pro­du­zen­ten Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) und Mar­tin Öster­dahl unter­zog, prä­sen­tier­te der SRF heu­te die wenig über­ra­schen­den Ergeb­nis­se des gemein­sa­men Brain­stor­mings, wel­che unter ande­rem die Ein­füh­rung einer inter­na­tio­na­len Jury beinhal­ten, wie sie beim von Björk­man ver­ant­wor­te­ten Melo­di­fes­ti­va­len schon seit Jah­ren zum Ein­satz kommt. Auch will man, dem deut­schen Bei­spiel fol­gend, den Fokus bei der Bei­trags­su­che stär­ker auf das Lied legen und zunächst mit Hil­fe einer sowohl mit Musik­schaf­fen­den als auch mit Euro­vi­si­ons­fans besetz­ten, rund zwan­zig­köp­fi­gen Aus­wahl­ju­ry vor­aus­sicht­lich sechs mög­lichst wett­be­werbs­fä­hi­ge Titel für die Ent­schei­dungs­show am 4. Febru­ar 2018 fin­den.

Der schwei­ze­ri­sche Bibo von 2017 muss­te im Semi­fi­na­le Federn las­sen.

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Neu­es von Damals: Luga­no zahl­te für den ers­ten ESC

Womit wäre die euro­vi­sio­nä­re Som­mer­pau­se bes­ser zu über­brü­cken als mit Mel­dun­gen aus der reich­hal­ti­gen Geschich­te des Wett­be­werbs? So ist es dem schot­ti­schen Euro­vi­si­ons­fan David A. Allen nach hart­nä­cki­gem Drän­gen gelun­gen, lan­ge Zeit ver­schol­le­ne Doku­men­te aus dem Stadt­ar­chiv von Luga­no aus­zu­gra­ben, wo 1956 die Pre­miè­re des euro­päi­schen Gesangs­wett­be­werbs über die Büh­ne ging. Und zwar des­we­gen, weil die Schweiz als neu­tra­les Land im Zwei­ten Welt­krieg wei­test­ge­hend ver­schont blieb und sei­ner­zeit über die intak­tes­te und fort­schritt­lichs­te TV-Infra­struk­tur ver­füg­te. Da der Song Con­test auch eine Leis­tungs­schau des Fern­se­hens sein soll­te, fiel die Wahl beim kon­sti­tu­ie­ren­de EBU-Euro­vi­si­ons-Tref­fen in Rom im Okto­ber 1955 dem­entspre­chend auf die Eid­ge­nos­sen. Die gaben die Sta­fet­te an den Sen­der ihres ita­lie­nisch­spra­chi­gen Lan­des­teils, Radio Sviz­ze­ra Ita­lia­na (RSI) wei­ter, der den Unter­la­gen zufol­ge nicht nur das Sen­de­for­mat und die Regeln des Pre­mie­ren­wett­be­werbs völ­lig eigen­stän­dig und ohne Vor­ga­ben aus Genf ent­wi­ckeln, son­dern auch eine geeig­ne­te Loca­ti­on fin­den muss­te. Die größ­te Stadt des male­ri­schen Tes­sin, eines der bei­den italo­phi­len Lan­des­tei­le der Schweiz, griff dem Sen­der dabei groß­zü­gig unter die Arme: nicht nur stell­te sie das Thea­tro Kur­saal mit dem ange­schlos­se­nen Kasi­no für die Show und die After-Show-Par­ty kos­ten­los zur Ver­fü­gung und orga­ni­sier­te ver­bil­lig­te Hotel­zim­mer für die anrei­sen­den Dele­ga­tio­nen, sie steu­er­te auch 7.000 Schwei­zer Fran­ken – und damit rund ein Sieb­tel der avi­sier­ten Kos­ten – zum Bud­get bei, sei­ner­zeit eine Men­ge Geld (den Löwen­an­teil von 30.000 Fran­ken teil­ten sich RSI und das Schwei­zer Fern­se­hen). Im Gegen­zug ver­sprach RSI der 60.000-Einwohner-Gemeinde eine Stei­ge­rung der tou­ris­ti­schen Bekannt­heit des grenz­na­hen See­an­rai­ner­städt­chens: “Der Name Luga­no wird nicht nur in den natio­na­len Vor­ent­schei­dung Erwäh­nung fin­den – das TV-Fina­le wird die Auf­merk­sam­keit von Mil­lio­nen Men­schen auf Luga­no len­ken,” so ste­he es in den Unter­la­gen.

© Vin­cen­zo Vica­ri / David A Allen. Hier ein Foto vom Auf­tritt von Miche­le Arnauld (LU).

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Zei­tungs­be­richt von 1956: Lys Assia gewann mit 102 Punk­ten

Wie die Fan-Sei­te Euro­fes­ti­val Ita­lia in die­ser Woche ent­hüll­te, soll es sich bei dem ers­ten Grand-Prix-Sieg in der mehr als sech­zig­jäh­ri­gen Geschich­te des Wett­be­werbs um einen sehr ein­deu­ti­gen gehan­delt haben. Einer der Fan-Sei­te zufol­ge aus einem Archiv aus­ge­gra­be­nen Bespre­chung des Pre­mie­ren-Wett­be­werbs im schwei­ze­ri­schen Luga­no in der Tages­zei­tung La Stam­pa vom 25. Mai 1956 zufol­ge konn­te Lys Assia (→ CH 1956, 1957, 1958) für ihr Lied ‘Refrain’ 102 Punk­te auf sich ver­ei­nen. Bis­lang wuss­te man ledig­lich, dass die Jurys sie zur Sie­ge­rin gekürt hat­ten, danach aber alle Stimm­zet­tel ver­nich­te­ten, so dass kein genaue­res Ergeb­nis bekannt war. Bis auf kur­ze Aus­schnit­te aus der Sie­ger­re­pri­se besteht auch kei­ne Bild­auf­zeich­nung des Ereig­nis­ses. Da bei der ers­ten Aus­ga­be des Wett­be­werbs nur sie­ben Län­der mit­mach­ten, die jeweils zwei Juro­ren ent­sand­ten, die wie­der­um jedem Lied zwi­schen einem und zehn Punk­ten geben durf­ten – und das nach herr­schen­der Leh­re sei­ner­zeit noch unter Ein­schluss des eige­nen Lan­des, – läge die rech­ne­risch maxi­mal zu errei­chen­de Zahl an Punk­ten für jeden Song des 1956er Jahr­gangs bei 140. Die hel­ve­ti­sche Chan­teu­se hät­te damit 72,9% des Poten­ti­als aus­ge­schöpft. Zum Ver­gleich: der aktu­el­le Gewin­ner von 2017Sal­va­dor Sobral, erhielt 758 von 984 maxi­mal mög­li­chen Punk­ten (41 abstim­mungs­be­rech­tig­te Län­der [ohne das eige­ne] mal 12 Punk­te Höchst­wer­tung mal 2 [Jury plus Tel­e­vo­ting]) oder 77%. Das Ergeb­nis deckt sich mit den Beob­ach­tun­gen des Repor­ters, der nach Lys’ Auf­tritt “nicht enden wol­len­den Applaus” im Thea­tro Kur­saal notier­te, wäh­rend er bei­spiels­wei­se für die bei­den deut­schen Bei­trä­ge von Wal­ter Andre­as Schwarz und Fred­dy Quinn nur “Applau­si dis­creti” ver­merkt. Die fran­zö­si­sche Chan­son­sän­ge­rin Mat­hé Alté­ry habe für ‘Les Temps per­du’ sogar nur “Höf­lich­keits­bei­fall” erhal­ten, so der nament­lich nicht genann­te Repor­ter. Zu den rest­li­chen Plat­zie­run­gen oder Punk­ten kann aber auch die­ses Fund­stück nichts bei­tra­gen – die gab man sei­ner­zeit schlicht­weg nicht bekannt.

Lys Assia vor 102 Blu­men bei der Sie­ger­re­pri­se von ‘Refrain’