Schlagwort: Serbien

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020
2020, Die Zwanzigzwanziger, ESC Semifinale

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören inhal...
Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans
2020, Die Zwanzigzwanziger, Internationale Vorentscheidungen

Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kommen wie ein Wirbelwind über Europa, die drei serbischen Pop-Königinnen Ivana Nikolić, Ksenija Knežević (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Bühne stand) und Sanja Vučić ('Shelter'), welche gemeinsam die (übrigens wirklich nach zwei tropischen Orkanen benannte) Girlgroup Hurricane bilden. Als haushohe Favoritinnen gingen sie im Finale der Beovizija 2020 am vergangenen Sonntag ins Rennen, und haushoch räumten sie im Televoting ab. Selbst die Jury, die sich ansonsten bei so gut wie keinem der elf Konkurrenztitel mit dem Publikum auch nur im Entferntesten einig zeigte, ergab sich kampflos und schob den drei Glitzerelsen die Höchstwertung rüber, wohl um einen Volksaufstand zu verhindern. Und das mit Recht: 'Hasta la Vista' (serbischer Text, spanische Hookline) überz...
2020, Die Zwanzigzwanziger, Diese Welt, Internationale Vorentscheidungen

Beo­vi­zi­ja: Kon­tro­ver­se über gewalt­ver­herr­li­chen­den Song­text

"Ich habe die Bombe mitgebracht (...). Wenn Du nein sagst, sprenge ich alles in die Luft:" mit diesen Zeilen wartete der für die serbische Eurovisions-Vorentscheidung Beovizija 2020 gelistete Beitrag 'Svadba velika' ('Große Hochzeit') auf. Bora Dugić, der beim ESC 2008 mit Jelena Tomašević ('Oro') auf der Bühne stand und die Flöte spielte, sowie die Romakapelle Balkubano interpretieren das traditionalistische Volkslied mit seinen fröhlichen Tönen und Rhythmen, deren Text es in sich hat: in ihm bedeutet der Sänger einer Frau, in die er sich verliebt haben will, dass er plane, in Gegenwart ihres Vater um ihre Hand anzuhalten. Verbunden mit der offenen Drohung zum Einsatz von Sprengstoff, falls sie es wage, abzulehnen. Denn: "niemand anderem ist es erlaubt, dich zu haben," so der Songtext wei...
2019, Die Zwanzigzehner

Rank & File 2019: Platz 22 – Kru­na

Serbiens Vorentscheid, die Beovizija, reihte sich in diesem Jahr ein in den immer stärker werdenden Strom an Ländern, die zwecks Zuschauerbindung und Generierung von Einnahmen zwar pro forma noch das Publikum abstimmen lassen, per Juryentscheid jedoch aktiv sicherstellen, das bloß nicht die Favoriten des unmündigen Volkes gewinnen. Und so votete man ein rappendes Kampflesben-Duo vorsätzlich herunter und manipulierte stattdessen die trotz ihrer Jugend sehr versierte Nevena, die das Land schon beim JESC sowie 2013 beim richtigen Grand Prix vertreten hat, an die Spitze. Platz 22: Serbien - Nevena Božović: Kruna (Krone) Die erschreckend dürre Blonde verfügt mit 'Kruna' denn auch über eine ganz ordentliche Balkanballade und macht auf dem Papier alles richtig: die Interpretin schreit sich di...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Neben Nordmazedonien, Russland, San Marino und Ungarn schickt nun auch Serbien eine Rückkehrerin zum Eurovision Song Contest 2019 nach Tel Aviv: bereits vor sechs Jahren stand Nevena Božović in Malmö auf den Brettern, die die Welt bedeuten; seinerzeit als Teil des unmittelbar nach dem Wettbewerb wieder aufgelösten Trash-Trios Moje 3 mit ihrer Alle-meine-Entchen-Melodie 'Ljubav je svuda', das vermutlich auch dank der grausam entstellenden Klamottenwahl der drei serbischen Liebchen im Semifinale ausschied. Modisch hat sich die erschreckend dünne Nevena, die zur Sicherheit stets eine ganze Batterie von Vomitierspateln am Arm und um den Hals mit sich führt, um bei bulimischen Fressanfällen sofort gegensteuern zu können, zwischenzeitlich weiterentwickelt. Auch musikalisch kommt sie 2019 anders ...
2019, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Per­len der Vor­ent­schei­dung: die ser­bi­sche Strick­lie­sel

Bevor der heutige letzte Supersamstag der Vorentscheidungssaison 2019 unsere letzten Kraftreserven fordert, gilt es noch, die beiden Semifinale der serbischen Beovizija Revue passieren zu lassen, die am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche über die Bühne gingen und die sich über weiteste Strecken in einer schier unglaublichen Nostalgie ergingen. Während man nämlich die jeweils 12 Kombattant/innen je Runde, von denen die Hälfte ins Finale passieren durfte, in einer knappen Dreiviertelstunde Schlag auf Schlag durch das Programm prügelte, unterbrochen nur von kaum einminütigen Einspielern (sieh und lerne, NDR!) füllte der Sender RTS die verbliebenen mehr als zwei Stunden Sendezeit bis zum Bersten mit namhaften Stargästen aus dem gesamten Balkan. So wie beispielsweise der anbetungswürdigen Kal...
2018, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale

Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tatsächlich geschafft. Der mutmaßliche, sinistere Plan der Russen, erstmalig seit der Einführung der Qualifikationsrunden im Jahre 2004 in einer solchen auszuscheiden, ging auf. Zum zweiten Mal hintereinander wies das kaltherzige Europa die im Rollstuhl sitzende Interpretin Julia Samoylova ab: 2017 aus politischen Gründen, 2018 aus purer Bösartigkeit und in Negierung des von der EBU verbreiteten Märchens der Inklusion, die beim Eurovision Song Contest eben nur für bärtige Frauen gilt. So vermutlich die Melodie des Liedes, welches Putins Staatsmedien ab sofort verbreiten dürften. Dabei tat das russische Team selbst alles, um den Finaleinzug zu verhindern: es versorgte seine (aufgrund ihrer mutmaßlich unfreiwilligen Rolle in dieser PR-Schlacht wirklich zu bemitleidende) Repräsen...
2018, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

RS 2018: Der Flö­ten­schlumpf fängt an

Wenn die Serben etwas machen, dann machen sie es richtig! Nach zwei eher enttäuschenden internen Interpretenauswahlen ließ es der Sender RTS beim diesjährigen nationalen Vorentscheid unter dem historischen Titel Beovizija richtig krachen. Gleich 17 Beiträge bot man auf, die fast allesamt auf das Prächtigste unterhielten und den Fan des gepflegten Ethno-Popschlagers in einen dermaßenen Glücksrausch versetzten, als sei er versehentlich über Nacht in der Süßwarenabteilung des Kaufhauses eingeschlossen. Mindestens sechs absolute Lieblingslieder, die allesamt hätten gewinnen dürfen, zählte ich am Ende, und mit dem unter anderem durch einen zauselbärtigen Flötenschlumpf folkloristisch instrumentierten, klageweiberhaft dahingejammerten, druckvollen Balkanklopper 'Nova Deca' ('Neue Kinder') des 66...
2017, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Unsere Lieblinge

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschi...
2017, Die Zwanzigzehner, Eurovision Deathmatch

Euro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Als wir das eurovisionäre Todesduell letzte Woche starteten, befanden sich inklusive des russischen Beitrags offiziell noch 43 Titel im Rennen (wonach es aktuell immer weniger aussieht). Da sich ungerade Zahlen bekanntlich nicht durch zwei teilen lassen, müssen wir diesmal ausnahmsweise ein Oxymoron einschieben, nämlich ein Dreierduell. Gleich drei Damen aus benachbarten Staaten des Balkan steigen also heute in den Ring, um sich die fetten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hauen. Wir beginnen ganz im Süden: unsere erste Kombattantin ist die 25jährige Griechin Dimitra Papadea alias Demy, vom wiederauferstandenen hellenischen Staatssender ERT intern ausgewählt und in einem Song-Vorentscheid mit dem flachen, voll auf die Zwölf gehenden Dance-Stampfer 'This is Love' versorgt. Der klingt ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ser­bi­en 2017: Birds are fal­ling from the Ski­es

Nachzureichen gibt es noch ein paar gestern bzw. sogar schon am Freitag vorgestellte Beiträge vom Balkan, wo man sich durch die Bank für intern ausgewählte Repräsentant/innen entschieden hatte. So wie in Serbien, wo Tijana Bogićević, ihres Zeichens ehemalige Chorsängerin bei Nina (→ RS 2011), den Beitrag des recht erfolgreichen Eurovisionslandes singt. Der heißt, wie wir nun wissen, 'In too Deep', ist eine schwediserbische Koproduktion, dessen Team auch schon für Poli Genovas 'If Love was a Crime' (→ BG 2016) verantwortlich zeichnete und erweist sich im Gegensatz zu diesem Titel leider als recht belanglos vor sich hin plätschernder Uptempo-Albumtrack ohne jeglichen musikalischen oder gesanglichen Höhepunkt. Tijanas per Autotune glattgebügelte, austauschbare Stimme schwebt süßlich über der ...
2017, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ser­bi­en 2017: if Caro­ban was a Crime

Wie esctoday.com heute Abend unter Bezugnahme auf eine Verlautbarung des serbischen Sender RTS berichtete, schickt das Balkanland die laut Wiwibloggs schwerpunktmäßig in den USA lebende Sängerin Tijana Bogićević als ihre Vertreterin zum Eurovision Song Contest 2017 nach Kiew. Bogićević stand bereits beim Wettsingen in Düsseldorf 2011 auf der Grand-Prix-Bühne, als Chorsängerin für Nina. Zwei Jahre zuvor hatte sie es bereits bei der serbischen Vorentscheidung Beovizija versucht, kam aber nicht über das Halbfinale hinaus. Einen Song gibt es nach Verlautbarung des Senders bereits - geschrieben von Borislav Milanov und Bo Persson, die auch an Poli Genovas 'If Love was a Crime' (→ BG 2016) beteiligt waren. Allerdings bekommen wir den erst zu einem späteren Zeitpunkt zu hören: wie so viele Rundfu...
2016, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben

Klei­der­ka­ta­stro­phen und Gän­se­haut: die Pro­ben zum zwei­ten Semi 2016

Und weiter geht's mit der noch ausstehenden Kommentierung zu den ersten Probedurchläufen des zweiten Semifinales. Der Lette Justs darf dieses mit seinem von der Vorjahresteilnehmerin Aminata geschriebenen Elektrokracher 'Heartbeat' eröffnen, ebenso wie die Proben am Mittwoch. Dort gab er schon mal alles, was ihm zwar Lob bei den Bloggern eintrug, sich im dritten Durchgang dann aber stimmlich bemerkbar machte. Haushalten mit den Kräften ist hier die Devise! Leider müssen wir erneut auf den Riga-Biber verzichten, ansonsten gibt es eine visuell etwas aufgebügelte Version des Vorentscheidungsauftritts, was auch gut funktioniert. Nur die Paola-Gedächtnis-Föhnwelle von Justs stört mich nach wie vor. Kann man den nicht zwangsfrisieren? Gewagte modische Statements auch von Michał Szpak: der Pole a...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Ser­bi­en 2016: ein Fall für den Exor­zis­ten

Und schließlich präsentierte am gestrigen Samstagabend auch noch Serbien sein Lied für Stockholm. Und dieses bringt mich in echte Gewissensbisse. Es handelt sich um eine weitere düstere Ballade (stöhn!), allerdings um eine, die mit einem sich langsam steigernden Liedaufbau, schwelgerischen Geigen, (leider nur sehr) homöopathisch eingestreuten Balkan-Flöten, einem hübschen Gospelchor im letzten Drittel, einem dramatischen Songfinale und vor allem einem wichtigen Text aufwartet: in 'Goodbye (Shelter)' geht es um eine gewalttätige Beziehung, aus der sich die Protagonistin nur schwer lösen kann. Ich sollte das serbische Lied also mögen. Ich möchte es mögen! Ich kann es nur nicht. Wer mir das verunmöglicht, ist seine Interpretin: die vom Sender intern bestimmte Sanja Vučić kommt aus dem Jazz. U...
2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

San­ja Vučić singt für Ser­bi­en

Und erneut bewahrheitet sich, dass Eurovisionsgerüchte immer stimmen: seit Tagen geistert der Name Sanja Vučić als Vertreterin Serbiens beim Eurovision Song Contest 2016 durch die Gegend. Zuerst brachte das serbische Newsportal Telegraf vergangenen Freitag die Leadsängerin der Band Zaa ins Gespräch, am Samstag bestätigte der Sender RTS die Meldung auf seiner Internetseite, und heute zog auch eurovision.tv nach. Nicht ganz klar wird aus der offiziellen Mitteilung, ob Vučić nun alleine oder in Begleitung ihrer Band nach Stockholm fährt. Hingegen steht der Titel fest, er heißt 'Goodbye' und wurde von Ivana Peters (Teil der Band Negative) komponiert, laut Telegraf die ursprüngliche Wunschkandidatin von RTS, die jedoch wegen anderweitiger Verpflichtungen abgelehnt habe. Das Repertoire beider Fr...
2015, 2016, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Türkvizyon

Türk­vi­zyon 2015: Na und?

Etwas Erholung vom heimischen Eurovisionsdrama um Xavier Naidoo gefällig? Dann werfen wir doch mal einen kurzen Blick auf die Türkvizyon, die Ende Dezember in Istanbul über die Bühne geht. Dort hat sich die Teilnehmerzahl mittlerweile auf 30 erhöht. Wie Eurovoix berichtete, gab der serbische Sänger Almedin Varosanin bekannt, sein Land beim Gesangswettbewerb der Turkvölker zu vertreten. Augenscheinlich kann man dort auf Zuruf mitmachen. Schon länger gesetzt ist der bosnische Vertreter Adis Škaljo. Sein Beitrag 'Pa šta' (Nein, es geht nicht um leckere Nudeln, das heißt auf Deutsch: 'Na und') wurde heute veröffentlicht und verstärkt die Trauer darüber, dass das Land beim Eurovision Song Contest seit Jahren fehlt, noch mehr. Wobei auch hier noch ein letzter Funken Hoffnung glimmt: wie Eurofire...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

A Touch too much: das Fina­le 2015

Okay, ich geb's zu: sie kommt ein bisschen spät, diese Besprechung. Direkt nach dem Finale im Mai ging das Buch vor und danach brauchte ich erst mal ein bisschen Abstand. Mit eben diesem Abstand habe ich mir nun, mehr als zwei Monate nach dem eigentlichen Event, die TV-Aufzeichnung des von mir live besuchten Jubiläums-Contests angeschaut. Und prompt stellte es sich wieder ein: dieses schon ihn Wien sehr subtil vorhandene Gefühl, dass es des Guten einfach irgendwie zu viel war. Zu viel von allem: zu viel Sendung (geschlagene vier Stunden ging die Show diesmal), zu viele Lieder (27, so viele wie noch nie zuvor im Finale), zu viele Moderatorinnen ("Dreieinhalb", wie es Barbara Schöneberger in der Anmoderation der deutschen Punktevergabe so neckisch zusammenfasste), zu viel LED-Hintergrundanim...
2015, Die Zwanzigzehner, Diese Welt, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Unsere Lieblinge

Bos­ni­ens Sen­der bald plei­te, Måns schwul?

Für die baldige Rückkehr des von mir schmerzlich vermissten Bosnien-Herzegowina zum Eurovision Song Contest sieht es finster aus: einer Pressemeldung der EBU von letzter Woche zufolge stehe der Staatssender BHRT "kurz vor dem Kollaps". Die bosnische Regierung habe es seit Jahren versäumt, ein adäquates und funktionierendes Gebühreneinzugsmodell zu verabschieden. In dem politisch zwischen Bosniaken und Serben geteilten Land bestehen mit RTFBiH (Bosnien) und RTRS (Republika Srpska) zwei weitere auf das jeweilige Bundesland ausgerichtete  Sender, die sich laut EBU "als Rivalen verhalten", anstatt mit der übergeordneten, für die gesamte Nation zuständigen Station zusammenzuarbeiten. Das politisch gewollte finanzielle Ausbluten von BHRT, das bereits zur Folge hatte, dass das Land seit 2013 aus ...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Finale, ESC Semifinale, Jurys sind Wichser

Das Jury-Gate: Il Volo sind die wah­ren Sie­ger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums - nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager 'Grande Amore' - sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit 'Heroes'. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von den Jurys auf den Silbermedaillenplatz hochgejazzt wurde, fest davon ausging, dass es ausdrückliche Pflichtau...
2015, Die Zwanzigzehner, ESC Semifinale, Proben, Schwules

Die Vil­la­ge Peop­le sind in Wien: ers­te Pro­ben ers­tes Semi 2015

Seit Montag Mittag sind die Spiele offiziell eröffnet: in der Wiener Stadthalle probten gestern und heute die 16 Teilnehmer/innen des ersten Semifinales am kommenden Dienstag. Und obgleich es sich um den allerersten, technischen Durchlauf handelte, der hauptsächlich zum Finden der richtigen Kameraeinstellungen und Beleuchtung diente, berichteten die zahlreich in Wien bereits aufgeschlagenen Schwurnalisten natürlich ausführlich über jedes noch so kleine Detail und erstellten umgehend neue Prognosen. Wenn nicht gerade kontrovers über den Aufreger des Tages debattiert wurde: so rüstet die Wiener Stadtverwaltung derzeit 120 Fußgängerampeln mit mit neuen Symbolen aus: händchenhaltend gemeinsam wartende bzw. laufende Pärchen - darunter auch gleichgeschlechtliche - sollen für höhere eine Aufmerks...
2015, Die Zwanzigzehner, Diese Welt

Die gan­ze Welt spricht deutsch

Lange Zeit schien sie vollständig ausgestorben zu sein: die bis hinein in die Achtzigerjahre beim Song Contest sehr lebendige Tradition, die Songs in zahlreichen unterschiedlichen Sprachfassungen aufzunehmen. Unvergesslich beispielsweise unsere Nicole, die 'Ein bisschen Frieden' nicht nur in fast jeder Sprache dieses Planeten einspielte, sondern bei ihrer Siegerreprise 1982 ein Medley der schönsten Fassungen in ihre Präsentation packte. Nun lässt die Serbin Bojana Stamenov die guten alten Zeiten wieder aufleben: zwar singt auch sie ihren Beitrag 'Beauty never lies' in Wien - wie fast alle Teilnehmer/innen dieses Jahrgangs - auf englisch. Aufgenommen hat sie den Song (neben der serbischen Originalversion) aber auch in französisch und spanisch - und nun sogar auf deutsch. 'Die ganze Welt ist...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Der Lum­pen­samm­ler nach Wien (NO, AZ, RU, SM 2015)

Eigentlich sollte heute Vormittag noch ein ausführlicher Bericht zum Melodi Grand Prix folgen, das ich am Samstag nicht mehr schaffte und Sonntag früh nachzuholen gedachte. Doch dann machte mir die Technik einen Strich durch die Rechnung - nie wieder PCs oder Laptops von Acer! Und zwischenzeitlich stapeln sich hier die noch in letzter Minute vor dem Einsendeschluss ausgewählten oder upgedateten Beiträge für Wien. Daher jetzt im Schnelldurchlauf alles Wichtige vom Wochenende. Die Norweger entschieden sich am Samstag sehenden Auges für noch eine Ballade - und sie trafen damit eine gute Wahl. 'Monster like me' von Mørland und Debrah Scarlett klingt nicht nur vom Namen her wie die Titelmelodie einer Teenager-Vampir-Drama-Serie, auch musikalisch und textlich überzeugt das düstere und dramatisch...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Trickkleid

Ser­bi­en schickt die Ret­tungs-Boja­na

Ich bin 2 Chiaras, A Single Ton of Fun, An even rounder Girl: Serbien schickt mit Bojana Stamenov in diesem Jahr eine Sängerin mit unübersehbarer Leibesfülle zum Eurovision Song Contest. Und damit auch jeder die enormen Formen der ihre stimmlichen Fähigkeiten leicht überschätzenden Diva wahrnimmt, steht sie zum Songauftakt im Halbdunkel der Bühne, wo LED-Lichtspielereien in voller Breite auf die Leinwand projiziert werden, die ihr rotes Zeltkleid umspannt. Bedient sich die Präsentation schamlos bei Sabina Babayeva (AZ 2012), so greift ihr Beitrag 'Ceo Svet je moj' ('Die Welt gehört mir' - reiht sich nahtlos in das diesjährige 'Kriegerinnen'-Thema ein) Valentina Monettas 'Crisalide' (SM 2013) auf: der Song beginnt als verhaltene Balkanballade, dreht im letzten Drittel aber noch mal auf und ...
2015, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen, Unsere Lieblinge

Spa­ni­en 2015: Edur­ne und der “Qua­li­täts-Pop”

Noch nachzureichen gilt es die ebenfalls gestern vom Sender TVE annoncierte spanische Vertreterin: die 29jährige Edurne García Almagro, die nur unter ihrem Vornamen auftritt, soll die iberischen Farben in Wien vertreten. Bekanntheit erlangte sie durch die Castingshow Operación Triunfo, aus der 2002 Rosa López hervorging, deren Fans damals sämtliche Eurovisionsforen trollten. 2005, als Edurne teilnahm, wurde die Show aber schon nicht mehr als Vorentscheidungsformat genutzt. Mit Auftritten in weiteren TV-Formaten wie You can dance, einer Daily Soap sowie der Hauptrolle im Musical Grease sicherte sich die schwerpunktmäßig in tanzbarem Pop machende Sängerin seither durchgehende Präsenz. Ihr ebenfalls uptemporärer, noch nicht veröffentlichter Eurovisionsbeitrag heißt 'Amanecer' und stammt laut ...
2014, Die Zwanzigzehner, Internationale Vorentscheidungen

Das Bal­kan-Bäum­chen-wech­sel-Dich

Nicht nur bei der Türkvizyon wechseln die Teilnehmerländer schneller, als ich "einen vegetarischen Döner mit allem ohne scharf" sagen kann - auch beim richtigen Eurovision Song Contest geht es drunter und drüber mit den An- und Abmeldungen. Vor vier Wochen erst jubelte ich über die Meldung, dass Bosnien, eines meiner eurovisionären Lieblingsländer, das 2013 wegen Geldmangels aussetzte, 2014 wieder mitmachen wollte. Seinerzeit sagte man in Sarajewo, man sei auf der Suche nach Sponsoren, um trotz der grassierenden Unterfinanzierung des Senders BHRT in Kopenhagen teilnehmen zu können. Heute kam die Hiobsbotschaft, dass diese Suche wohl erfolglos blieb, gefolgt von der endgültigen Absage für 2014. Schluchz! Ganz anders hingegen im benachbarten Serbien: dort bot dieser Tage der neue Privatsende...