Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kom­men wie ein Wir­bel­wind über Euro­pa, die drei ser­bi­schen Pop-Köni­gin­nen Iva­na Niko­lić, Kse­ni­ja Kneže­vić (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Büh­ne stand) und San­ja Vučić (‘Shel­ter’), wel­che gemein­sam die (übri­gens wirk­lich nach zwei tro­pi­schen Orka­nen benann­te) Girl­group Hur­ri­ca­ne bil­den. Als haus­ho­he Favo­ri­tin­nen gin­gen sie im Fina­le der Beo­vi­zi­ja 2020 am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ins Ren­nen, und haus­hoch räum­ten sie im Tele­vo­ting ab. Selbst die Jury, die sich ansons­ten bei so gut wie kei­nem der elf Kon­kur­renz­ti­tel mit dem Publi­kum auch nur im Ent­fern­tes­ten einig zeig­te, ergab sich kampf­los und schob den drei Glit­ze­rel­sen die Höchst­wer­tung rüber, wohl um einen Volks­auf­stand zu ver­hin­dern. Und das mit Recht: ‘Has­ta la Vis­ta’ (ser­bi­scher Text, spa­ni­sche Hook­li­ne) über­zeugt als erfri­schend bil­li­ger, extrem hart boun­cen­der, unwi­der­steh­li­cher Hands-in-the-Air-Euro­club­kra­cher, der ein­fach ohne Ende Spaß macht. Er lebt neben der elek­tro­brass­las­ti­gen Instru­men­tie­rung vor allem von der selbst­be­wuss­ten In-your-Face-Atti­tü­de der drei sen­sa­tio­nel­len Euro­vi­si­ons­di­ven, die in ihren fut­ti­gen Glit­ze­rout­fits, nut­ti­gen High Heels und mit im Wind­ma­schi­nen­sturm wehen­den Haa­ren wun­der­bar tra­shig aus­sa­hen, dazu jedoch der­ma­ßen domi­nan­te Bli­cke in die Kame­ra schick­ten, dass sofort klar wur­de: die­se drei star­ken Frau­en sind ange­tre­ten, um in Rot­ter­dam zu regie­ren!

Ich dreh mich in der Müh­le / der stür­mi­schen Gefüh­le: so ein Hur­ri­ca­ne.

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Beo­vi­zi­ja: Kon­tro­ver­se über gewalt­ver­herr­li­chen­den Song­text

Ich habe die Bom­be mit­ge­bracht (…). Wenn Du nein sagst, spren­ge ich alles in die Luft:” mit die­sen Zei­len war­te­te der für die ser­bi­sche Euro­vi­si­ons-Vor­ent­schei­dung Beo­vi­zi­ja 2020 gelis­te­te Bei­trag ‘Svad­ba veli­ka’ (‘Gro­ße Hoch­zeit’) auf. Bora Dugić, der beim ESC 2008 mit Jele­na Tomaše­vić (‘Oro’) auf der Büh­ne stand und die Flö­te spiel­te, sowie die Roma­ka­pel­le Bal­ku­ba­no inter­pre­tie­ren das tra­di­tio­na­lis­ti­sche Volks­lied mit sei­nen fröh­li­chen Tönen und Rhyth­men, deren Text es in sich hat: in ihm bedeu­tet der Sän­ger einer Frau, in die er sich ver­liebt haben will, dass er pla­ne, in Gegen­wart ihres Vater um ihre Hand anzu­hal­ten. Ver­bun­den mit der offe­nen Dro­hung zum Ein­satz von Spreng­stoff, falls sie es wage, abzu­leh­nen. Denn: “nie­mand ande­rem ist es erlaubt, dich zu haben,” so der Song­text wei­ter. Das Auto­no­me Frau­en­zen­trum Ser­bi­en for­der­te nun vom Sen­der RTS, den Bei­trag zu dis­qua­li­fi­zie­ren, weil es inak­zep­ta­bel sei, einem expli­zi­ten Mord­auf­ruf eine öffent­li­che Büh­ne zu geben: “Das ist nicht der ers­te oder ein­zi­ge Pop­song, der zur Gewalt gegen Frau­en auf­sta­chelt, und wir fin­den es extrem wich­tig, sol­che Wer­te nicht mehr zu unter­stüt­zen,” heißt es in einem State­ment des Frau­en­zen­trums. “Wir erin­nern dar­an, dass in Ser­bi­en jedes Jahr zwi­schen 30 und 40 Frau­en durch häus­li­che Gewalt getö­tet wer­den. An die­ser Situa­ti­on wird sich nichts ändern, solan­ge nicht alle gesell­schaft­li­chen Kräf­te Ver­ant­wor­tung dafür über­neh­men, Gewalt gegen Frau­en zu ver­hin­dern”.

Hier ein Aus­zug mit der bean­stan­de­ten Fas­sung des Lied­tex­tes.

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Rank & File 2019: Platz 22 – Kru­na

Ser­bi­ens Vor­ent­scheid, die Beo­vi­zi­ja, reih­te sich in die­sem Jahr ein in den immer stär­ker wer­den­den Strom an Län­dern, die zwecks Zuschau­er­bin­dung und Gene­rie­rung von Ein­nah­men zwar pro for­ma noch das Publi­kum abstim­men las­sen, per Jury­ent­scheid jedoch aktiv sicher­stel­len, das bloß nicht die Favo­ri­ten des unmün­di­gen Vol­kes gewin­nen. Und so vote­te man ein rap­pen­des Kampf­les­ben-Duo vor­sätz­lich her­un­ter und mani­pu­lier­te statt­des­sen die trotz ihrer Jugend sehr ver­sier­te Neve­na, die das Land schon beim JESC sowie 2013 beim rich­ti­gen Grand Prix ver­tre­ten hat, an die Spit­ze.

Platz 22: Ser­bi­en – Neve­na Božo­vić: Kru­na (Kro­ne)

Die erschre­ckend dür­re Blon­de ver­fügt mit ‘Kru­na’ denn auch über eine ganz ordent­li­che Bal­kan­bal­la­de und macht auf dem Papier alles rich­tig: die Inter­pre­tin schreit sich die See­le aus dem zar­ten Laib, trifft dabei die Töne tadel­los, singt in der Lan­des­spra­che, ham­pelt nicht albern her­um, schaut ange­mes­sen leid­voll drein und zeigt dabei soviel Bein, wie es gera­de noch eben als ange­mes­sen und geschmack­voll, aber sexy durch­geht. Und anders als ihr ges­tern vor­ge­stell­ter rus­si­scher Kol­le­ge Ser­gey tritt sie für ein Land an, aus dem man ein lang­sa­mes Lied gera­de­zu erwar­tet, ja, das gewis­ser­ma­ßen das Patent dar­auf hält. Doch nicht nur die zwei völ­lig über­flüs­si­gen, anbie­dern­den Text­zei­len auf Eng­lisch las­sen einen stol­pern und zei­gen, das hier irgend­was nicht stimmt. Irgend­wie will hier nichts rich­tig zusam­men­pas­sen: die Brü­cke, der Instru­men­tal­part in der Mit­te, wirkt, als sei sie ledig­lich zu dem Zweck da, um Zeit zu schin­den, und bleibt ein Fremd­kör­per, der nicht orga­nisch mit dem rest­li­chen Song zusam­men­wach­sen will. Das wich­ti­ge Fina­le scheint blut­leer und abrupt, der Refrain bleibt nicht hän­gen. Und die “rocki­ge” E‑Gitarre soll den Song wohl in der Jetzt­zeit ver­or­ten, wird hier­für aber in viel zu homöo­pa­thi­scher Dosis ein­ge­setzt. Hat man gera­de aus Ser­bi­en alles schon sehr oft sehr viel bes­ser gehört. ‘Kru­na’ ent­täuscht die Erwar­tun­gen, jeden­falls mei­ne.

Gebt der armen Frau doch mal was zu essen! Dann wirkt sie viel­leicht auch nicht mehr so apa­thisch. Nee-Vena beim Beo­vi­zi­ja-Auf­tritt.

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Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Neben Nord­ma­ze­do­ni­en, Russ­land, San Mari­no und Ungarn schickt nun auch Ser­bi­en eine Rück­keh­re­rin zum Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 nach Tel Aviv: bereits vor sechs Jah­ren stand Neve­na Božo­vić in Mal­mö auf den Bret­tern, die die Welt bedeu­ten; sei­ner­zeit als Teil des unmit­tel­bar nach dem Wett­be­werb wie­der auf­ge­lös­ten Trash-Tri­os Moje 3 mit ihrer Alle-mei­ne-Ent­chen-Melo­die ‘Lju­bav je svu­da’, das ver­mut­lich auch dank der grau­sam ent­stel­len­den Kla­mot­ten­wahl der drei ser­bi­schen Lieb­chen im Semi­fi­na­le aus­schied. Modisch hat sich die erschre­ckend dün­ne Neve­na, die zur Sicher­heit stets eine gan­ze Bat­te­rie von Vomi­tier­spa­teln am Arm und um den Hals mit sich führt, um bei buli­mi­schen Fress­an­fäl­len sofort gegen­steu­ern zu kön­nen, zwi­schen­zeit­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Auch musi­ka­lisch kommt sie 2019 anders daher: ihre selbst geschrie­be­ne, für mei­ne Ohren aller­dings selt­sam blut­lee­re und sakri­leg­haft mit eng­li­schen Text­ein­spreng­seln ver­se­he­ne Bal­kan­bal­la­de ‘Kru­na’ (‘Kro­ne’) ver­moch­te im gest­ri­gen Fina­le der Beo­vi­zi­ja die Juror/innen über­zeu­gen, die sie mit deut­li­chem Punk­te­vor­sprung an die Spit­ze wähl­ten. Beim hei­mi­schen Publi­kum lan­de­te Frau Božo­vić hin­ge­gen nur auf dem drit­ten Rang.

Von der Jury zur Köni­gin gekrönt: Neve­na.

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Per­len der Vor­ent­schei­dung: die ser­bi­sche Strick­lie­sel

Bevor der heu­ti­ge letz­te Super­sams­tag der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019 unse­re letz­ten Kraft­re­ser­ven for­dert, gilt es noch, die bei­den Semi­fi­na­le der ser­bi­schen Beo­vi­zi­ja Revue pas­sie­ren zu las­sen, die am Mitt­woch und Don­ners­tag die­ser Woche über die Büh­ne gin­gen und die sich über wei­tes­te Stre­cken in einer schier unglaub­li­chen Nost­al­gie ergin­gen. Wäh­rend man näm­lich die jeweils 12 Kombattant/innen je Run­de, von denen die Hälf­te ins Fina­le pas­sie­ren durf­te, in einer knap­pen Drei­vier­tel­stun­de Schlag auf Schlag durch das Pro­gramm prü­gel­te, unter­bro­chen nur von kaum ein­mi­nü­ti­gen Ein­spie­lern (sieh und ler­ne, NDR!) füll­te der Sen­der RTS die ver­blie­be­nen mehr als zwei Stun­den Sen­de­zeit bis zum Bers­ten mit nam­haf­ten Star­gäs­ten aus dem gesam­ten Bal­kan. So wie bei­spiels­wei­se der anbe­tungs­wür­di­gen Kalio­pi, dem etwas abge­härmt aus­se­hen­den Laka, der frisch gestraff­ten San­ja Vučić, dem sicht­lich geal­ter­ten Knez oder der zucker­sü­ßen Boja­na Sta­men­ov, die nicht nur jeweils ihre eige­nen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge noch­mals zum Bes­ten gaben, son­dern auch, zusam­men­ge­stellt zu Super­star-Duet­ten bis Quar­tet­ten, wei­te­re Bal­kan- und Euro­vi­si­ons­klas­si­ker prä­sen­tier­ten. Und damit das zuvor gezeig­te aktu­el­le Beo­vi­zi­ja-Teil­neh­mer­feld der­ma­ßen grell über­strahl­ten, dass nur die gele­gent­lich ein­ge­streu­ten Schnell­durch­läu­fe es vor dem völ­li­gen Ver­ges­sen bewahr­te.

Ob die Lipi­de für San­ja Vučićs Lip­pen­auf­sprit­zung direkt aus dem Gesäß von Jac­ques Hou­dek abge­saugt wur­den?

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Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lone­ly at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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RS 2018: Der Flö­ten­schlumpf fängt an

Wenn die Ser­ben etwas machen, dann machen sie es rich­tig! Nach zwei eher ent­täu­schen­den inter­nen Inter­pre­ten­aus­wah­len ließ es der Sen­der RTS beim dies­jäh­ri­gen natio­na­len Vor­ent­scheid unter dem his­to­ri­schen Titel Beo­vi­zi­ja rich­tig kra­chen. Gleich 17 Bei­trä­ge bot man auf, die fast alle­samt auf das Präch­tigs­te unter­hiel­ten und den Fan des gepfleg­ten Eth­no-Pop­schla­gers in einen der­ma­ßenen Glücks­rausch ver­setz­ten, als sei er ver­se­hent­lich über Nacht in der Süß­wa­ren­ab­tei­lung des Kauf­hau­ses ein­ge­schlos­sen. Min­des­tens sechs abso­lu­te Lieb­lings­lie­der, die alle­samt hät­ten gewin­nen dür­fen, zähl­te ich am Ende, und mit dem unter ande­rem durch einen zau­sel­bär­ti­gen Flö­ten­schlumpf folk­lo­ris­tisch instru­men­tier­ten, kla­ge­wei­ber­haft dahin­ge­jam­mer­ten, druck­vol­len Bal­kan­klop­per ‘Nova Deca’ (‘Neue Kin­der’) des 66jährigen Kom­po­nis­ten San­ja Ilić und sei­ner For­ma­ti­on Bal­ka­ni­ka sieg­te dann, unge­wöhn­lich genug, sogar eines davon. Ilić ver­fügt als Song­schrei­ber bereits über Euro­vi­si­ons­er­fah­rung: aus sei­ner Feder stammt das ungleich fade­re ‘Halo, Halo’ (→ YU 1982).

Der schmu­cke voll­bär­ti­ge Glatz­kopf in der Mit­te heißt übri­gens Mla­den Lukić.

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Zwei­tes Semi­fi­na­le 2017: We have lost our Vero­na

Zwei der iri­schen Backings © Mar­tin Schmidtner

War­um macht ihr so etwas, lie­be Büh­nen­bild­ver­ant­wort­li­che? War­um ver­steckt ihr in die­sem Jahr prak­tisch alle die Chorsänger/innen hin­ter der Büh­ne? Schon im ers­ten Semi­fi­na­le 2017 am ver­gan­ge­nen Diens­tag irri­tier­te es maß­los, wenn man mit den Augen ledig­lich eine ein­zel­ne, völ­lig ver­lo­ren im Far­ben­wir­bel des Back­drops ver­schwin­den­de Per­son auf der Büh­ne sah, gleich­zei­tig jedoch mit den Ohren wah­re Cho­rä­le erschal­len hör­te und das völ­lig über­for­der­te, bedau­erns­wer­te Gehirn die­se bei­den sich gegen­sei­tig wider­spre­chen­den Sin­nes­wahr­neh­mun­gen irgend­wie zusam­men bekom­men soll­te, ohne dabei zu implo­die­ren. Bei der gest­ri­gen zwei­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de dann, erneut aus­ge­tra­gen in der nur mäßig besetz­ten Inter­na­tio­na­len Aus­stel­lungs­hal­le zu Kiew, erneut bestückt mit der irgend­wo zwi­schen Raum­schiff Enter­pri­se und der Außen­re­kla­me für das berühmt-berüch­tig­te Ree­per­bahn-Eta­blis­se­ment Zur Rit­ze chan­gie­ren­den Büh­ne sowie den drei kom­plett unlus­ti­gen Mode­ra­to­ren Tick, Trick und Track, nerv­te es nur noch. Zumal man uns damit um eini­ge Augen­wei­den brach­te, so bei­spiels­wei­se um die zwei rot­haa­ri­gen Hin­gu­cker des milch­bü­bi­gen Iren Bren­dan Mur­ray, die deut­lich mehr her­ge­macht hät­ten als der arm­se­li­ge, wind­schie­fe und zu allem Übel auch noch am Boden blei­ben­de Fes­sel­bal­lon, den die RTÉ-Dele­ga­ti­on statt­des­sen als schlecht über­leg­tes Büh­nen­gim­mick mit­brach­te.

Zwei­ein­vier­tel Stun­de frag­wür­di­ge Musik und noch frag­wür­di­ge­re Gar­de­ro­ben: das zwei­te Semi­fi­na­le 2017 am Stück

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Euro­vi­si­on Death­match #8: der flot­te Drei­er

Als wir das euro­vi­sio­nä­re Todes­du­ell letz­te Woche star­te­ten, befan­den sich inklu­si­ve des rus­si­schen Bei­trags offi­zi­ell noch 43 Titel im Ren­nen (wonach es aktu­ell immer weni­ger aus­sieht). Da sich unge­ra­de Zah­len bekannt­lich nicht durch zwei tei­len las­sen, müs­sen wir dies­mal aus­nahms­wei­se ein Oxy­mo­ron ein­schie­ben, näm­lich ein Drei­er­du­ell. Gleich drei Damen aus benach­bar­ten Staa­ten des Bal­kan stei­gen also heu­te in den Ring, um sich die fet­ten Beats ihrer Dance-Songs um die Ohren zu hau­en. Wir begin­nen ganz im Süden: unse­re ers­te Kom­bat­tan­tin ist die 25jährige Grie­chin Dimi­tra Papa­dea ali­as Demy, vom wie­der­auf­er­stan­de­nen hel­le­ni­schen Staats­sen­der ERT intern aus­ge­wählt und in einem Song-Vor­ent­scheid mit dem fla­chen, voll auf die Zwölf gehen­den Dance-Stamp­fer ‘This is Love’ ver­sorgt. Der klingt wie ein flau­er Auf­guss von Cas­ca­das ‘Glo­rious’ (→ DE 2013), was bekannt­lich auch nur ein flau­er Abklatsch von Lore­ens ‘Eupho­ria’ (→ SE 2012) war. Von den schlim­men lyri­schen Sün­den des Song­tex­tes hat man immer­hin die fuß­nä­ge­lauf­rol­lends­te (“This is Love / Rain falls from above”: von wo bit­te sonst?) zwi­schen­zeit­lich über­ar­bei­tet, doch noch immer reimt Demy “There’s an echo in my head” auf “There’s a cross­road up ahead”. Nun ja, auch mit fett aus den Kopf­hö­rern bol­lern­den Bäs­sen im drö­hend lee­ren Schä­del läuft es sich ziel­ge­rich­tet über die stark befah­re­nen Stra­ßen­kreu­zun­gen Athens, und beim Nah­kampf um Leben und Tod gegen ihre bei­den Kon­kur­ren­tin­nen kann zuviel Nach­den­ken ja auch von Nach­teil sein.

Feu­ert aus allen Roh­ren: Demy (GR)

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Ser­bi­en 2017: Birds are fal­ling from the Ski­es

Nach­zu­rei­chen gibt es noch ein paar ges­tern bzw. sogar schon am Frei­tag vor­ge­stell­te Bei­trä­ge vom Bal­kan, wo man sich durch die Bank für intern aus­ge­wähl­te Repräsentant/innen ent­schie­den hat­te. So wie in Ser­bi­en, wo Tija­na Bogiće­vić, ihres Zei­chens ehe­ma­li­ge Chor­sän­ge­rin bei Nina (→ RS 2011), den Bei­trag des recht erfolg­rei­chen Euro­vi­si­ons­lan­des singt. Der heißt, wie wir nun wis­sen, ‘In too Deep’, ist eine schwe­di­ser­bi­sche Kopro­duk­ti­on, des­sen Team auch schon für Poli Geno­vas ‘If Love was a Crime’ (→ BG 2016) ver­ant­wort­lich zeich­ne­te und erweist sich im Gegen­satz zu die­sem Titel lei­der als recht belang­los vor sich hin plät­schern­der Uptem­po-Album­track ohne jeg­li­chen musi­ka­li­schen oder gesang­li­chen Höhe­punkt. Tija­nas per Auto­tu­ne glatt­ge­bü­gel­te, aus­tausch­ba­re Stim­me schwebt süß­lich über der in Ansät­zen sphä­ri­schen Num­mer, zu der man sanft mit­wip­pen kann, die aber kei­ner­lei Begeis­te­rungs­stür­me aus­zu­lö­sen ver­mag. Im dazu­ge­hö­ri­gen Video­clip, von dem vor allem der ath­le­ti­sche, wie aus Stein gemei­ßel­te Kör­per des halb­nack­ten Tän­zers in Erin­ne­rung bleibt, prä­sen­tiert sich die blass blei­ben­de Sän­ge­rin als in einem Vogel­reif sit­zen­der, trau­ri­ger Papa­gei im PVC-Body. Das ist alles ganz nett, zieht sich aber den­noch gefühlt deut­lich län­ger als drei Minu­ten dahin und reicht ganz sicher nicht für den vom ser­bi­schen Sen­der bereits her­bei­phan­ta­sier­ten erneu­ten Euro­vi­si­ons­sieg.

Ein­mal von der Vogel-Stan­ge: Tija­na (RS)

Kommt Ser­bi­en mit Tija­na ins Fina­le?

  • Selbst­re­dend, weil Ser­bi­en. Der Song hät­te es aber nicht ver­dient. (44%, 33 Votes)
  • Nein, das ist ein­fach zu lahm und glanz­los. (37%, 28 Votes)
  • Natür­lich, und zu Recht. Das ist ein moder­ner, gut gemach­ter Pop­song. (19%, 14 Votes)

Total Voters: 75

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