Russ­land 2019: Dei­ne Gewalt ist nur ein stum­mer Schrei nach Lie­be

Es muss einer der frü­hes­ten Favo­ri­ten­stür­ze in der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te sein. Als das rus­si­sche Fern­se­hen Anfang Febru­ar 2019 bestä­tig­te, dass Ser­gey Laza­rev erneut die Föde­ra­ti­on in Tel Aviv ver­tre­ten wer­de, schoss das Land umge­hend in den Wett­quo­ten ganz nach oben. Nicht zuletzt, weil der kna­cki­ge und zei­ge­freu­di­ge Super­star 2016 bereits den Euro­vi­si­on Song Con­test gewann, zumin­dest im Tele­vo­ting, also in der maß­geb­li­chen Abstim­mung. Der aktu­el­le Erz­feind, die Ukrai­ne, schoss sich aus lau­ter Angst vor einem neu­er­li­chen Zwei­kampf und einem mög­li­chen Gesichts­ver­lust durch einen Gesamt­sieg Laza­revs im Rah­men ihres Vor­ent­scheids sogleich selbst ins Knie und muss­te die Teil­nah­me in Isra­el stor­nie­ren. Vor­sichts­hal­ber gab man umge­hend zu Pro­to­koll, 2020 eben­falls nicht mit­ma­chen zu wol­len, falls der Wett­be­werb wie­der in Mos­kau statt­fin­de. Heu­te Nach­mit­tag nun erblick­te Ser­geys Bei­trag ‘Scream’ nach lan­gem Getue und Gewe­se end­lich das Licht der Welt, wor­auf­hin Russ­land bei den Buch­ma­chern inner­halb von nur einer Stun­de sei­ner Favo­ri­ten­rol­le ver­lus­tig ging. Und das ver­wun­dert nicht, lei­det die pom­pö­se Bom­bast­bal­la­de doch, wie so vie­le zeit­ge­nös­si­sche Pop­songs, unter einer ekla­tan­ten Refrain­schwä­che.

I’ll swal­low hard” und “my Throath is on Fire”: geschickt spielt Sehr­gay mit den Wunsch­träu­men vie­ler schwu­ler Fans.

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Kann Ser­gey Laza­rev einen Dima Bilan pul­len?

Es war eines der am schlech­tes­ten gehü­te­ten Euro­vi­si­ons­ge­heim­nis­se: ges­tern bestä­tig­te das rus­si­sche Fern­se­hen end­lich, was die Spat­zen bereits seit Wochen von den Dächern pfif­fen: Ser­gey Laza­rev, der von den russo­pho­ben Juro­ren aus poli­ti­schen Grün­den um den Gesamt­sieg betro­ge­ne Tele­vo­ting­ge­win­ner des Euro­vi­si­on Song Con­tests von 2016, ver­tritt die Föde­ra­ti­on 2019 in Tel Aviv. Die Nach­richt sorg­te für auf­ge­reg­tes Geschnat­ter in den Fan-Foren, zeigt der durch­trai­nier­te 35jährige bei sei­nen Auf­trit­ten doch nur zu ger­ne nack­te Haut und prä­sen­tiert sich im eng gesteck­ten Rah­men des für ihn als eta­blier­ten Star im streng homo­pho­ben Russ­land Mach­ba­ren als “gay­fri­end­ly”, auch wenn er sein eige­nes Pri­vat­le­ben aus der Öffent­lich­keit her­aus­hal­ten möch­te. Die eben­falls ver­kün­de­te Bot­schaft, dass Sehr­gay für sei­nen aktu­el­len Euro­vi­si­ons­bei­trag mit dem bewähr­ten Dream­team aus Filip Kir­ko­rov, Dimi­tris Kon­to­po­lous und Fokas Evan­ge­li­nos zusam­men­ar­bei­tet, wel­ches bereits für sei­nen spek­ta­ku­lär insze­nier­ten, herr­lich tra­shi­gen Pop­schla­ger ‘You are the only One’ ver­ant­wort­lich zeich­ne­te, weck­te aller­freu­digs­te Erwar­tun­gen auf einen erneu­ten Kra­cher der­sel­ben Güte­klas­se. Doch nun erstick­te Laza­rev alle dies­be­züg­li­chen Hoff­nun­gen bru­tal im Keim.

Viel nack­te Haut und pin­ke Kla­mot­ten: so lie­ben wir unse­ren Ser­gey (Reper­toire­bei­spiel). So wer­den wir ihn in Tel Aviv aber lei­der nicht erle­ben.

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