Zwei­tes Semi 2018: vom Tod und ande­ren Tabus

Sie haben es tat­säch­lich geschafft. Der mut­maß­li­che, sinis­te­re Plan der Rus­sen, erst­ma­lig seit der Ein­füh­rung der Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­den im Jah­re 2004 in einer sol­chen aus­zu­schei­den, ging auf. Zum zwei­ten Mal hin­ter­ein­an­der wies das kalt­her­zi­ge Euro­pa die im Roll­stuhl sit­zen­de Inter­pre­tin Julia Samo­yl­o­va ab: 2017 aus poli­ti­schen Grün­den, 2018 aus purer Bös­ar­tig­keit und in Negie­rung des von der EBU ver­brei­te­ten Mär­chens der Inklu­si­on, die beim Euro­vi­si­on Song Con­test eben nur für bär­ti­ge Frau­en gilt. So ver­mut­lich die Melo­die des Lie­des, wel­ches Putins Staats­me­di­en ab sofort ver­brei­ten dürf­ten. Dabei tat das rus­si­sche Team selbst alles, um den Final­ein­zug zu ver­hin­dern: es ver­sorg­te sei­ne (auf­grund ihrer mut­maß­lich unfrei­wil­li­gen Rol­le in die­ser PR-Schlacht wirk­lich zu bemit­lei­den­de) Reprä­sen­tan­tin mit einem abso­lut grot­ti­gen Song und ertränk­te ihre krank­heits­be­dingt schwa­che Stim­me wei­test­ge­hend in einem See von beson­ders laut ein­ge­stell­ten Cho­ris­ten, was es nur noch offen­sicht­li­cher mach­te. In der völ­lig absur­den und sinn­be­frei­ten Insze­nie­rung rund um den Mount Rus­sia­mo­re distan­zier­ten sich die Backings, eben­so wie das über­flüs­si­ge Tän­zer­paar, noch dazu visu­ell und räum­lich von der Sän­ge­rin, soweit es die Büh­ne gera­de eben zuließ, stell­ver­tre­tend für das Land. Kein Wun­der, dass nie­mand für Julia anrief.

It’s lonely at the Moun­tain Top: Julia Samo­yl­o­va als nuscheln­der Berg­gip­fel (RU).

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SI 2018: Ich möch­te das nicht

Es scheint stets aufs Neue so eine Art krea­ti­ve Her­aus­for­de­rung für die Ver­ant­wort­li­chen des slo­we­ni­schen Fern­se­hens RTV Slo dar­zu­stel­len: wie mani­pu­lie­re ich die tra­di­ti­ons­rei­che Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung EMA und stel­le sicher, dass der Zuschau­er­fa­vo­rit auf gar kei­nen Fall gewinnt? Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr mogel­te der Sen­der mit­hil­fe der Jury die maue Bal­la­de des Bal­kan-Rob­bie-Wil­liams Omar Naber (→ SI 2005, 2017) an den ein­deu­ti­gen Publi­kums­lieb­lin­gen BQL vor­bei, zwei ganz put­zi­gen Brü­dern. Die ver­such­ten es heu­er erneut, und da man trotz ihres im Ver­gleich zum Vor­jahr deut­lich schlech­te­ren Titels ‘Pro­mi­se’ auf­grund ihrer mas­si­ven Beliebt­heit bei anruf­freu­di­gen jun­gen Mäd­chen davon aus­ge­hen konn­te, dass sie das Tel­e­vo­ting erneut top­pen wür­den (was genau so ein­trat), fuhr der Sen­der dies­mal vor­sichts­hal­ber gleich sechs (!) ver­schie­de­ne Jurys auf, deren Auf­ga­be ein­zig und allei­ne dar­in bestand, BQL weit genug her­un­ter­zu­vo­ten, damit sie unter kei­nen Umstän­den den Sieg davon trü­gen. Klapp­te: vor­sichts­hal­ber ver­ga­ben die Juro­ren gera­de mal halb so vie­le Punk­te an die Bru­der-Boy-Band als an die RTV-Slo-Favo­ri­tin Lea Sirk, die fol­ge­rich­tig gewann und Slo­we­ni­en nun beim ESC in Por­tu­gal ver­tritt.

Dan­ke, nein: mit dem Song­ti­tel ist das Schick­sal des slo­we­ni­schen Bei­trags 2018 bereits beschrie­ben.

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EMA 2018, Fina­le

Acht aus dem EMA-Semi von letz­ter Woche übrig geblie­be­ne Acts, dar­un­ter die Brü­der-Büb­chen-Boy­band BQL (die eben­so wie die Kol­le­gin Ina Shai im Fina­le auf eng­lisch sin­gen – im Semi war slo­we­nisch noch ver­bind­lich vor­ge­schrie­ben -) und die Schla­ger­hel­din Nuš­ka Drašček, kämp­fen heu­te um das Euro­vi­si­onsti­cket. Die Zuschauer/innen sowie ins­ge­samt sechs ver­schie­de­ne (!) Jurys, von Kom­po­nis­ten über Sän­ger über OGAE-Fans sowie Radio- und TV-Pro­fis bis hin zur nicht feh­len dür­fen­den inter­na­tio­na­len Jury, ent­schei­den hier­über. Bei­de Sei­ten ver­ge­ben jeweils 252 Punk­te, wobei nur jeweils die sechs best­be­wer­te­ten Songs aus bei­den Abstim­mun­gen Punk­te erhal­ten. Klingt kom­pli­ziert? Ist es auch – aber nur so ver­blei­ben dem Sen­der genü­gend Ein­fluss­mög­lich­kei­ten, das Publi­kums­vo­ting aus­zu­he­beln, wie es in Slo­we­ni­en Tra­di­ti­on hat.

Alle Final-Lie­der:

Live­stream RTV SLO (benö­tigt Octo­s­hape)

Vor­ent­scheid SI 2018 (Fina­le)

EMA. Sams­tag, 24. Febru­ar 2018, aus dem RTV SLO-Fern­seh­stu­dio in Ljublja­na. 8 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Vid Valič.
#Interpret/inTitelTVJuryGesamtPlatz
01Lea SirkHva­la, ne486811601
02Indi­goVes­na001801807
03Ina ShaiGlow122603806
04BQLPro­mi­se723410602
05Mari­na Mar­tenssonBli­zu001001008
06Lara KadisZdaj sem tu363807404
07Pro­perUkra­den cvet243005405
08Nuš­ka DraščekNe zapus­ti me zdaj602808803

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 1: schö­nes Haar ist Dir gege­ben

Es war ein Abend der end­lo­sen euro­vi­sio­nä­ren Über­for­de­rung, der gest­ri­ge Super­sams­tag, an dem gleich acht Vor­run­den und ein natio­na­les Fina­le gleich­zei­tig um die Auf­merk­sam­keit des Grand-Prix-Fans ran­gen. Dar­un­ter mit den Semis der slo­we­ni­schen EMA und der Eesti Laul die­je­ni­gen aus gleich zwei mei­ner liebs­ten Per­len-vor-die-Säue-Län­dern, in denen jedes Jahr die aller­schöns­ten Lie­der unter die Räder kom­men und statt­des­sen (fast) immer der größ­te Mist zum Song Con­test geschickt wird. Die Esten tru­gen ihre Final­chan­cen ja bereits ver­gan­ge­nen Sams­tag zu Gra­be (und ver­ga­ben ges­tern eine wei­te­re Gele­gen­heit), in Ljublja­na hin­ge­gen ret­te­te man zu mei­nem gro­ßen Erstau­nen gleich meh­re­re viel­ver­spre­chen­de Titel ins EMA-Fina­le. Den­noch muss­te die Hälf­te der 16 im EMA-Semi vor­ge­stell­ten Songs drau­ßen blei­ben, und auch unter ihnen fan­den sich Mus­ter­bei­spie­le dafür, was den Vor­ent­scheid des ehe­mals jugo­sla­wi­schen Bun­des­lands so wert­voll macht: der uner­schüt­ter­li­che Glau­be näm­lich an essen­ti­el­le euro­vi­sio­nä­re Grund­ge­rüs­te wie die Syn­chrontanz-Cho­reo­gra­fie, die Wind­ma­schi­ne und das Büh­nen­re­qui­sit, vor allem aber an musi­ka­li­sche Tugen­den wie zügi­ges Tem­po und eine Melo­die.

Nuša Deren­da hat ange­ru­fen und will ihr Büh­nen­out­fit zurück: die kom­ple­men­tär­far­be­ne Ana­bel (SI).

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EMA 2018, Semi­fi­na­le

Viel­ver­spre­chen­der als das gleich­zei­tig lau­fen­de, müde Melo­di­fes­ti­va­len scheint die eben­falls um 20:00 Uhr star­ten­de, vier­te von ins­ge­samt neun Shows des heu­ti­gen Super-Sams­tags zu sein, die tra­di­ti­ons­rei­che slo­we­ni­sche Vor­ent­schei­dung EMA. In deren heu­ti­gem Semi­fi­na­le tre­ten gleich alle 16 zur Aus­wahl ste­hen­den Acts an, dar­un­ter etli­che Wiederkehrer/innen wie die Gebrü­der Pile­tič, bes­ser bekannt als die Buben-Boy­band BQL (→ EMA 2017), sowie die ehe­ma­li­gen ESC-Ver­tre­te­rin­nen Manu­El­la (2016) und Tan­ja Ribič (1997). Sal­va­dors Sieg hat sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen: alle 16 müs­sen, so die Fest­le­gung des Sen­ders, in slo­we­ni­scher Spra­che sin­gen. Die Hälf­te von ihnen kommt ins Fina­le in einer Woche. Vier Titel suchen die Zuschauer/innen per Tel­e­vo­ting her­aus, wei­te­re vier Bei­trä­ge bestimmt eine sie­ben­köp­fi­ge Jury.

Aus­schnit­te aus allen Wett­be­werbs­bei­trä­gen:

Live­stream RTV SLO (benö­tigt Octo­s­hape)

Vor­ent­scheid SI 2018 (Semi)

EMA. Sams­tag, 17. Febru­ar 2018, aus dem RTV SLO-Fern­seh­stu­dio in Ljublja­na. 16 Teilnehmer/innen. Mode­ra­ti­on: Vid Valič.
#Interpret/inTitelTVJuryPlatz
01Ana­belPozi­ti­vax
02Tan­ja RibičLjud­jex
03King FooŽive san­jex
04Ina ShaiV neboQ
05Indi­goVes­naQ
06Manu­El­laGlasx
07MilaSvo­bo­dax
08Lara KadisZdaj sem tuQ
09BQLPti­caQ
10Pro­perUkra­den cvetQ
11Nika Zor­janUspa­van­kax
12Mari­na Mar­tenssonBli­zuQ
13Nuš­ka DraščekNe zapus­ti me zdajQ
14OrterTisoč letx
15Gre­gor Rav­nikZdaj je časx
16Lea SirkCir­queQ

Euro­vi­si­on Death­match #17: Nur noch Gefühl

Die Bal­la­den­flut, sie ist beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 nicht zu leug­nen: fast jeder zwei­te Song für Kiew gehört zur Gat­tung der lang­sa­me­ren Lie­der, frag­los eine Fol­ge des unheil­vol­len Ein­flus­ses der → Jury. Und so tref­fen auch im heu­ti­gen Euro­vi­si­on Death­match wie­der zwei gefühls­be­ton­te, kei­nes­falls zum aus­ge­las­se­nen Tan­zen oder fröh­li­chen Fei­ern auf­for­dern­de Songs auf­ein­an­der. Unser ers­ter Kom­bat­tant bedient zudem eine wei­te­re, heu­er beson­ders aus­ge­präg­te Grand-Prix-Tra­di­ti­on, näm­lich die des Rück­keh­rers. Schon beim letz­ten Wett­be­werb aus Kiew, dem aus 2005, ging Omar Naber, der slo­we­ni­sche Rob­bie Wil­liams, für sein Land an den Start. In die­sem Jahr konn­te er die hei­mi­sche EMA gegen den Wil­len der Zuschauer/innen dank der mehr als akti­ven Mit­hil­fe der bereits erwähn­ten Jury gewin­nen und sülzt uns nun mit dem äußerst pom­pö­sen Stück ‘On my Way’ die Ohren voll. Hier­zu greift er kom­po­si­to­risch so tief in den Schmalz­topf, dass selbst ein alt­ge­dien­ter Croo­ner wie Engel­bert Hum­per­dinck (→ UK 2012) ver­mut­lich Reiß­aus näh­me. Was der Slo­we­nen-Schnu­ckel übri­gens auch tut: er singt uns vom Auf­bruch in die Fer­ne und dem Ver­las­sen sei­ner Hei­mat. Und er hofft, nein betet, dass die­je­ni­gen, die er hin­ter sich lässt, dar­ob nicht wei­nen müs­sen. Ja, klar, Omar! Als ob Du nicht genau dar­auf hoff­test! Lass es Dir gesagt sein: die Slo­we­nen wer­den erst dann wei­nen, wenn Du nach dem Aus­schei­den aus dem Semi wie­der heim­fliegst!

John­ny Bra­vo hat ange­ru­fen und will die Fri­sur zurück: Omer Naber (SI)

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Slo­we­ni­en 2017: die Rück­kehr des Jugo-Rob­bie

Bei man­chen Län­dern fragt man sich doch, war­um sie über­haupt noch schein­bar öffent­li­che Vor­ent­schei­dun­gen abhal­ten, wenn sie ihren Ver­tre­ter doch ohne­hin längst intern bestimmt haben. So wie heu­te Abend bei der slo­we­ni­schen EMA: dort ent­schied sich das Publi­kum mit gro­ßer Mehr­heit für das aus zwei Brü­dern bestehen­de Wort­spiel-Duo BQL (gespro­chen: “be cool”) mit dem musi­ka­lisch zwar nicht son­der­lich ori­gi­nel­len, aber zumin­dest extrem ein­gän­gi­gen Mid­tem­po­song ‘Heart of Gold’, eines der weni­gen Lie­der die­sen Abends (und Jahr­gan­ges), das tat­säch­lich über einen erkenn­ba­ren Refrain ver­füg­te. Doch die kos­ten­pflich­ti­gen Anru­fe hät­ten sich die Slo­we­nen (wie immer) spa­ren kön­nen: die Jurys wer­te­ten die bei­den char­man­ten Jungs, deren Ver­wandt­schaft auch stimm­lich unver­kenn­bar schien, vor­sichts­hal­ber in einer offen­sicht­lich vor­her abge­spro­che­nen kon­zer­tier­ten Akti­on vor­sätz­lich her­un­ter und schum­mel­ten den Sieg so ihrem ein­deu­ti­gen Favo­ri­ten zu, dem Wie­der­keh­rer Omar Naber (→ SI 2005). Der Rob­bie Wil­liams des Bal­kan sah zwar trotz einer etwas arg nach­läs­si­gen Gar­de­ro­be und feh­len­der Gesichts­be­haa­rung noch immer so gut aus wie bei sei­nem ers­ten Euro­vi­si­ons­auf­tritt in Kiew, lie­fer­te aber mit ‘On my Way’ eine der­ma­ßen alt­ba­cke­ne, kitsch­trie­fen­de, dis­ney­fi­zier­te Grand-Prix-Bal­la­de ab, dass wohl selbst ein völ­lig abge­schmack­ter Schnul­zier wie Engel­bert Hum­per­dinck (→ UK 2012) sich für solch eine Num­mer zu Tode schä­men wür­de. Zumin­dest erklär­te das Ergeb­nis den nerv­tö­ten­den Ein­satz des ohrenz­er­mür­bend laut­star­ken Dosen­ap­plau­ses (der um so offen­sicht­li­cher auf­fiel, da an der Stel­le, wo der Loop zu Ende war, stets eine ein­se­kün­di­ge Jubel­pau­se ein­trat, bevor das Gejoh­le wie­der von vor­ne los­ging) wäh­rend der EMA: konn­te man auf die­se Wei­se doch die ver­mut­lich von vor­ne­her­ein ein­kal­ku­lier­ten Pfif­fe und Buh­ru­fe des düpier­ten Saal­pu­bli­kums erfolg­reich über­tün­chen und tumult­ar­ti­ge Sze­nen wie in Spa­ni­en ver­hin­dern. Nur dem bereits vor der Sen­dung fest­ste­hen­den Sie­ger hat­te nie­mand das Memo zukom­men las­sen: Omar zeig­te sich wäh­rend sei­ner Repri­se sicht­bar ange­pisst und griff sich an einer Stel­le wäh­rend des Vor­trags gar in den Schritt – offen­sicht­lich als gars­ti­ge Ges­te gegen­über dem Publi­kum und in Refe­renz auf John Cobra (→ Vor­ent­scheid ES 2010).

Kennt sich in Kiew bereits bes­tens aus: Omar Naber (SI)

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Drit­ter Super­sams­tag 2017: extrem hete­ro­se­xu­ell

Es war mal wie­der ein Abend der euro­vi­sio­nä­ren Über­for­de­rung ges­tern: neben den gleich drei fina­len Ent­schei­dun­gen in Ungarn, Mal­ta und Polen lie­fen zeit­gleich noch fünf (!) wei­te­re Vor­run­den und Semis. Und in den meis­ten von ihnen fie­len ähn­lich depri­mie­ren­de Fehl­ent­schei­dun­gen. Das begann bereits im schwe­di­schen Väx­jö, wo das bis­lang schwächs­te Vier­tel­fi­na­le des Melo­di­fes­ti­va­len mit durch die Bank völ­lig ega­len Bei­trä­gen über die Büh­ne ging und wo die wun­der­ba­re, quir­li­ge Kris­ta Sieg­frids (→ FI 2013) mit dem wun­der­ba­ren, quir­li­gen Mel­lo-Schla­ger ‘Snur­ra min jord’, frag­los dem ein­zi­gen guten Song des gesam­ten Abends, unfass­ba­rer­wei­se auf dem letz­ten Platz lan­de­te. Und das trotz vor­schrifts­mä­ßi­ger Cho­reo­gra­fie mit Holo­gramm und Haar­schüt­tel­beu­ge, schwe­di­scher Spra­che, des für deut­sche Ohren lus­ti­gen Lied­ti­tels und der kris­ta­ty­pi­schen Fabel­haf­tig­keit des gesam­ten Packa­ges. War­um, oh Schwe­den, war­um? Ich kann eigent­lich nur zwei mög­li­che Erklä­run­gen hier­für fin­den, und bei­de sind glei­cher­ma­ßen betrüb­lich: ent­we­der seid ihr gene­rell fin­nin­nen­feind­lich oder ihr lei­det schlicht­weg unter kol­lek­ti­ver Geschmacks­ver­ir­rung. Statt­des­sen schick­tet ihr mit Oweh Thörn­qvist und sei­nem schreck­li­chen ‘Boo­gie­man Blues’ einen schät­zungs­wei­sen hun­dert­jäh­ri­gen Tatter­greis Direkt till Glo­ben (DTG) ins Mel­lo-Fina­le, der ohne den eigens für ihn als Stüt­ze auf die Büh­ne gestell­ten Bar­ho­cker wohl noch wäh­rend sei­nes Auf­trit­tes stumpf umge­klappt wäre. War­um, oh Schwe­den, war­um? Immer­hin ver­moch­te mich Eure zwei­te DTG-Wahl etwas zu besänf­ti­gen: der mensch­ge­wor­de­ne Schleim­prop­fen Robin Beng­ts­son, der sich in der Wer­tungs­pau­se von Mel­lo-Mode­ra­tor David Lind­gren abschle­cken las­sen muss­te, prä­sen­tier­te mit ‘I can’t go on’ einen zwar kom­plett unori­gi­nel­len, aber von Robin und sei­ner Brech­reiz-Yup­pies-Begleit­ban­de zumin­dest her­aus­ra­gend vor­ge­tanz­ten, uptem­po­rä­ren Schwe­den­schla­ger. Euer Glück, dass wenigs­tens er pas­sie­ren durf­te, sonst hie­ße es heu­te Abend zur Stra­fe ohne Essen ins Bett!

Erfreu­lich: dank flei­ßi­gen Jod-Kon­sums schnurrt Kris­ta wie ein neu­ge­bo­re­nes Kätz­chen (SE)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love

Zuneh­mend plä­die­re ich dafür, den ein­zel­nen Natio­nen in ihren jewei­li­gen Euro­vi­si­ons-Vor­auswah­len die Ent­schei­dungs­ge­walt über die Fra­ge, wel­che der vor­ge­stell­ten Titel wei­ter­kom­men sol­len, voll­stän­dig weg­zu­neh­men und auf die inter­na­tio­na­le Zuschau­er­schaft zu über­tra­gen. Aktu­el­ler Grund für die­se For­de­rung: das am heu­ti­gen Frei­tag­abend aus­ge­strahl­te ers­te Semi­fi­na­le der slo­we­ni­schen EMA, bei wel­cher das hei­mi­sche Publi­kum mal wie­der gene­ri­schen Mist weit­er­wähl­te und den ein­zi­gen inter­es­san­ten Bei­trag des Abends zurück­wies. So schaff­te es der bereits von letz­ten Con­test aus Kiew bekann­te (und immer noch sehr nett anzu­schau­en­de) Omar Naber (→ SI 2005) mit einem wirk­lich schlim­men Schleim­prop­fen von Lied, für wel­ches sich selbst ein Julio Igle­si­as (→ ES 1970) wohl schä­men wür­de, ins Fina­le, wäh­rend das dümmst­mög­lich benams­te Damen­trio Tos­ca Beat die Par­füm­fläsch­chen wie­der ein­pa­cken muss­te. Dabei boten die drei Pope­ra-Gra­zi­en im ganz und gar auf ihren Auf­tritt zurecht­de­ko­rier­ten Sen­de­stu­dio von RTVS­LO mit dem Titel ‘Free World’ so etwas wie eine extrem weich­ge­spül­te Vari­an­te des größ­ten slo­we­ni­schen Pop-Export-Schla­gers feil, der Art­house-Indus­tri­al-Band Lai­bach näm­lich. Von der grun­zend tie­fen Män­ner­stim­me über die faschis­ti­schick-mili­tä­risch ange­hauch­te Büh­nen­gar­de­ro­be und einer Gleich­schritt-Marsch-Cho­reo bis zu per Mega­fon ein­ge­streu­ten, poli­tisch klin­gen­den Pos­tu­la­ten erin­ner­te etli­ches ent­fernt an die Ele­men­te, wel­che das bewusst mit den ästhe­ti­schen Codes mili­tan­ter Orga­ni­sa­tio­nen spie­len­de, seit 1980 bestehen­de Kunst­pro­jekt aus Ljublja­na ger­ne nutzt. Wobei ich den Namen der slo­we­ni­schen “Ramm­stein für Erwach­se­ne” (Eigen­be­zeich­nung) durch den Ver­gleich zu unse­rem EMA-Act nicht in den Schmutz zie­hen möch­te: da lie­gen natür­lich künst­le­ri­sche Wel­ten dazwi­schen. Ach was: Welt­al­le!

Lai­bach trifft Alen­ka Gotar: Tos­ca Beat (SI)

wei­ter­le­senPer­len der Vor­ent­schei­dun­gen: from Lai­bach with Love

Zwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt

Måns ist sehr ent­täuscht”: das war er, der Satz des Abends, gespro­chen vom deut­schen Kom­men­ta­tor Peter Urban, nach­dem Gast­ge­be­rin Petra Mede direkt im Anschluss an den Auf­tritt des Weiß­rus­sen Ivan infor­mier­te, dass die­ser ursprüng­lich nackt und in Beglei­tung von Wöl­fen zu per­for­men gedach­te, was die EBU im Hin­blick auf die Regeln lei­der ver­bie­ten muss­te. Zum Miss­fal­len des komo­de­rie­ren­den Vor­jah­res­sie­gers, der gera­de hin­ter Petra die Büh­ne enter­te – im Adams­kos­tüm, lei­der mit einem stra­te­gisch plat­zier­ten Plü­sch­wolf vor dem Gemächt. Wie dank­bar bin ich dem Schwe­den dafür, dass er ein der­ge­stalt scham­los selbst­ver­lieb­ter, zei­ge­freu­di­ger Exhi­bi­tio­nist ist, der wirk­lich kei­ne Gele­gen­heit aus­lässt, sei­nen durch­trai­nier­ten Kör­per mög­lichst tex­tilfrei der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Und wie dank­bar bin ich den Schwe­den dafür, dass sie mit solch einer Leich­tig­keit durch die­sen Abend führ­ten und die Show mit einem wun­der­ba­ren Mini-Musi­cal eröff­ne­ten, das uns in vier Minu­ten dar­über auf­klär­te, was die Euro­vi­si­on eigent­lich ist und dabei so fach­lich akku­rat wie herr­lich selbst­iro­nisch daher­kam. Der Stimm­aus­zäh­lungs-Über­brü­ckungs­act ‘Man vs. Machi­ne’, eine Art Hom­mage an die Tanz­sze­nen aus dem Acht­zi­ger­jah­re-Strei­fen ‘Num­mer 5 lebt’, fiel gegen das bewe­gen­de Flücht­lings­bal­lett vom Diens­tag zwar etwas ab, ergab aber den­noch eine schö­ne Pau­sen­un­ter­hal­tung. SVT: 12 Points!

Nicht nur Måns ist ent­täuscht – ich eben­so: von der Grö­ße sei­nes, ähm, Wolfs!

wei­ter­le­senZwei­tes Semi­fi­na­le 2016: der sich den Wolf tanzt