Schlagwort-Archiv: Spanien

Wer sind Sie und was haben Sie Herrn Siegel angetan? (SM, MK 2013)

Und erneut überschlugen sich gestern, nur wenige Tage vor der EBU-Deadline, die Eurovisionsereignisse wieder so stark, dass ich sie hier nur gesammelt nachreichen kann. Beginnen wir mit dem erstaunlichsten Geschehen dieses Jahres, ach was: dieses Jahrzehnts! Ralph Siegel hat ein Lied für den Grand Prix geschrieben – und es ist gut! Doch, wirklich! Wenn ich es doch sage! Der deutsche Altmeister verfasste bekanntlich erneut den sanmarinesischen Beitrag, erneut gesungen von Valentina Monetta. Und wer jetzt, wie ich, ein erneutes Trash-Spektakel à la ‘Facebook, uuh-uuh’, erwartete, sah sich bei der gestrigen Songpräsentation heftig überrascht. Denn ‘Crisalide’ ist eine rundweg gelungene Eurovisionsballade, mit jeweils exakt den richtigen Anteilen an Dramatik, Power, Melodie, Schmalz und einer stimmigen Instrumentierung. Sie erfindet das Genre nicht neu, sticht aber selbst in der diesjährige Balladensee positiv hervor – auch aufgrund Valentinas stimmlicher Leistung, zwischen Stärke und Verletzlichkeit genau den richtigen Punkt treffend.

Valentina Monetta – Crisalide (San Marino) 2013 Eurovision Song Contest Official Video

Und ohne Pornozopf sieht Valentina sogar gut aus!

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Spanien: They can stop the Spring

Vermutlich noch niemals in der Eurovisionsgeschichte war eine Nation bereits im Vorfeld so eindeutig für den letzten Platz im Finale prädestiniert wie Spanien in diesem Jahr. Ganze drei Songs standen zur Auswahl bei der gerade zu Ende gegangenen Destino Eurovisión, alle drei vorgetragen von der bereits vorab bestimmten Folkpopband El Sueño de Morfeo. ‘Contigo hasta el Final’, der erklärte Lieblingstitel der Band selbst, ist es nun geworden, wobei dies letztlich keine Rolle spielte. Denn drei Mal klang es wie ein lauer Aufguss der gecrashten irischen Band Dervish (2007): müde, kraftlos, katastrophal gesungen und zu Tode langweilend. Kurzzeitig war ich versucht, mir Nägel in den Unterarm zu schlagen, um vor dem Livestream nicht einzuschlafen.

El Sueño De Morfeo – Contigo Hasta El Final (Eurovision 2013 Spain)

Das kommt mir irisch vor: ESdM

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Nichts Revolutionäres aus Spanien

Musikalischer Mehltau kommt heute nicht nur aus Bayern, sondern auch aus dem noch ein paar Kilometer weiter südlich gelegenen Spanien. Dort stellte der Sender RTVE vier Titel ins Netz, von denen es drei in die am 26. Februar stattfindende Songauswahl für die bereits als Interpret feststehende Gruppe El Sueño de Morfeo schaffen sollen. Zwei davon sind ebenfalls fest gesetzt, unter zwei weiteren (natürlich den besseren) dürfen die Internetvoter abstimmen. Wobei “besser” hier relativ ist: alle vier Titel ziehen jetzt nicht unbedingt die Wurst vom Teller. Eher schnarchiges, deutliches zu harmloses Folk-Geklimpere, von welchem der sich in der Vorabstimmung befindliche Song ‘Revolución’ noch den meisten Esprit hat. Wenngleich auch er seinen Titel Lügen straft: eine echte Revolution ließe sich mit diesem lahmen Singsang sicher nicht anstiften!

El Sueño De Morfeo – Revolución (Pre – Selection Eurovision Spain 2013)

Wo wir gerade beim Thema Revolución sind…

Welches ist Dein Favorit unter den spanischen Songvorschlägen?

  • Keiner davon. Alles öde. (50%, 20 Votes)
  • Atrévete (15%, 6 Votes)
  • Contigo haste el Final (15%, 6 Votes)
  • Revolución (15%, 6 Votes)
  • Dame tu Voz (5%, 2 Votes)

Total Voters: 40

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El Sueño de Morfeo für Spanien

Spanien wird in Malmö durch die Poprockband El Sueño de Morfeo (Morpheus’ Traum) vertreten, wie der Sender TVE heute Abend live im Fernsehen bekannt gab. Der Titel wird wie schon letztes Jahr in einer noch nicht genau terminierten Show im Mix aus Televoting und Jury ausgewählt. ESCnation beschreibt den Werdegang der Gruppe sehr schön wie folgt: “Hatten 2005 ihren Durchbruch mit dem dem Nummer-Eins-Hit ‘Nunca volverá’, das Debutalbum blieb 75 Wochen in den spanischen Charts. Seither folgten drei weitere Alben, jedes ein bisschen weniger erfolgreich als der Vorgänger. Die letzte Veröffentlichung aus 2012, ‘Buscamos sonrisas’, war die erste, die es nicht mehr in die Top 5 schaffte und auf Platz 16 der Albumcharts kleben blieb. Damit ist es nun Zeit für die Eurovision.” Da gibt es wohl nicht viel hinzuzufügen. Herzlich willkommen in Morpheus’ Armen!


Hörprobe aus 2009

An everlasting Piece of Art (Finale ESC 2012)

Logo ESC 2012 Finale

Das gerontische Jahr

Europa altert – und der Eurovision Song Contest reflektiert das. Musste die EBU noch 1990 eine Altersuntergrenze von 16 Jahren einführen, um den Wettbewerb nicht zur Mini Playback Show verkommen zu lassen, so schienen sich die Teilnehmerländer dieses Jahrgangs einen Wettstreit um den ältesten Grand-Prix-Partizipanten zu liefern. Nicht nur die Jugos schickten mit dem serbischen Balkanballadenkönig Željko Joksimović (40) und der mazedonischen Nina Hagen, Kaliopi (46), lebenserfahrene Barden. Gleich der erste Starter des Abends riß die bisherige, vom kroatischen Gerontorapper 75 Cents gelegte Meßlatte: das Vereinigte Königreich entsandte nämlich den sich nach einem schon lange verschiedenen deutschen Komponisten nennenden, mittlerweile 76jährigen Schnulzier Engelbert Humperdinck, steinalten Menschen wie mir noch bekannt durch seinen 1966er Superhit ‘(Please) Release me’.

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Good Taste Day in Baku: zweite Proben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe – oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch drei Generalproben lang Zeit. Anggun entschied sich nicht, wie ich gestern vermutete, für ein weißes Brautkleid, sondern fürs Kleine Schwarze; ihre beeindruckend muskulösen Bodenturner für oberkörperfrei. Sehr aufmerksam! Auch sie klang stimmlich viel besser als gestern – und zeigte sich deutlich angepisst, dass Videos von ihrer ersten Probe im Netz sind. Nicht aufregen, Liebes: es sind nur eine Handvoll Hardcorefans, die das verfolgen – 98% der Voter hören Dich Samstag das erste Mal!


Zickenalarm: Anggun kann mit Druck nicht gut umgehen (FR)

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Unter uns Pastora-Töchtern: 1. Proben Spanien

Im Gegensatz zu ihrer italienischen Konkurrentin erschien die spanische Diva Pastora Soler ordentlich mattiert und mit frisch gewaschenen, zu einem strengen Dominazopf gebundenen Haaren zu ihrer Probe. Nur das etwas farblose Kleid aus der “Mode für die betuchte Dame ab 50″-Kollektion sollte sie noch mal überdenken. Wobei: irgendwie passt es zu ihrer zwar großen und stimmlich perfekt gemeisterten, aber dennoch etwas unterkühlt wirkenden Ballade ‘Quédate conmigo’, die ich mir zwar bereits vor der spanischen Vorentscheidung notgedrungen schöngehört hatte, weil bei all der Fan-Hysterie klar war, dass dieser Titel gewinnt. Von der ich aber, je näher der alles entscheidende Tag rückt, um so überzeugter bin, dass sie die falsche Wahl war und die Spanierin mit der CSD-Hymne ‘Tu Vida es tu Vida’ besser bedient gewesen wäre. Sei’s drum: Pastora performt zuerst scheinbar völlig alleine; erst in dem Moment, da man denkt, dieses Stimmvolumen kann sie doch gar nicht alleine meistern, erscheinen aus dem Bühnenhintergrund fünf Backings, die sich für den letzten, großen Refrain nach der Rückung zu ihr gesellen. Hat was, dennoch glaube ich, dass Nina Zilli ihr die Stimmen stiehlt und wir Pastora auf der Punktetafel noch hinter Roman Lob wiederfinden werden.


Scheinbar all die richtigen Zutaten, dennoch geht das Rezept nicht auf (ES)

Lost and forgotten (IS, ES, HU, AZ 2012)

Sie haben es tatsächlich wahr gemacht. Ich könnte heulen vor Wut! Wie bereits angedroht, singen Gréta Salóme und Jónsi ihren Beitrag in Baku nicht, wie noch bei der Vorentscheidung, in isländischer Muttersprache, sondern auf englisch. ‘Never forget’ heißt der Song nun, und ich muss den Beiden zugestehen, dass es sich wohl um eine ziemlich werkgetreue Übersetzung handelt, die auch – anders als so mancher osteuropäische, englisch gesungene Beitrag der letzten Jahre – weder Ohren noch Hirn beleidigt. Dennoch: für mich geht mit der Anglifizierung ein Gutteil der wilden, düsteren, mystischen Magie des Originalliedes ‘Mundu eftir mér’ so schmerzlich wie unwiderbringlich verloren. Ansonsten machten die Zwei mit dem heute vorgestellten Video alles richtig: es badet in der rauen Schönheit der isländischen Natur, Jónsi ist noch immer eine Augenweide und trägt noch immer die schweinegeilen Stiefel. Und das musikalische Arrangement bleibt unverändert. Gut. Ob ich den Isländern aber die schwerwiegende Enttäuschung des Sprachwechsels jemals werde verzeihen können?


Das werde ich Euch niemals vergessen!

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Spanien: die skandiberische Fusion (ES 2012)

Der schwedische Siegeszug setzt sich fort: vor wenigen Minuten gewann erwartungsgemäß die von Thomas G:son geschriebene Ballade ‘Quédate conmigo’ die spanische Songauswahl. Der sowohl von den lautstarken Eurovisionsfans im Studio wie auch von der Sängerin Pastora Soler selbst favorisierte Beitrag setzte sich sehr eindeutig, sowohl bei den Juroren als auch im Televoting, gegen die beiden Konkurrenten ‘Ahora u nunca’, ein etwas fades Geplodder, und die discotastische CSD-Hymne ‘Tu Vida es tu Vida’, meinen persönlichen absoluten Lieblingsbeitrag der diesjährigen Vorentscheidungssaison, durch. Die fabelhafte Flamencokünstlerin mit der beeindruckenden Stimme und den beängstigenden Hauern 1 dürfte es freuen. Und den schwedischen Ralph Siegel auch.


An der Kleiderfrage arbeiten wir aber noch mal bis Baku, ja, Pastora?

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Notes:

  1. Ich wette, sie könnte einen angreifenden Braunbären nur durch einen gezielten Genickbiß töten!

Perlen der Vorentscheidung: Nosotros, los Amantes

Heute Mittag stellte das spanische Fernsehen die vier möglichen Eurovisionstitel der fest gesetzten Vertreterin Pastora Soler vor. Zwei davon wählte die 33jährige Flamencosängerin selbst aus, die beiden anderen, vom Sender bestimmten Titel stehen derzeit im Internet zur Abstimmung. Denn nur einer davon kommt ins iberische Finale. Doch die RTVÉ-Songs kann man eh getrost vergessen, die stinken im Vergleich zu Pastoras Favoriten ab. Hierbei handelt es sich zum einen um eine vom schwedischen Songschreiberteam Thomas G:son, Tony Sánchez-Ohlsson und Erik Bernholm komponierte, große Eurovisionsballade namens ‘Quédate conmigo’. Und zum anderen um das Update zum schwulen Eurovisions-Kampflied von 1961, ‘Nous, les Amoureux’ von Jean-Claude Pascal, das im Disco-Remix daherkommende ‘Tu Vida es tu Vida’, das mit dramatischen Textzeilen wie “Und jetzt sage mir, wer es wagte, Steine ​​auf deine Liebe zu werfen” aufwartet. Ganz großes Gefühlskino!


‘Tu Vida es tu Vida’: exakt SO muss ein spanischer Eurovisionsbeitrag klingen!

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