Fina­le 2019: ESC is a losing Game

Da hat­te die EBU in die­sem Jahr eigens erneut das Aus­zäh­lungs­ver­fah­ren geän­dert, um die Sache span­nen­der zu gestal­ten. Und doch trat die lang­wei­ligs­te aller mög­li­cher Optio­nen ein: wie bereits seit Mona­ten von allen Wett­bü­ros eisern vor­her­ge­sagt, gewann heu­te Nacht der Nie­der­län­der Dun­can Lau­rence den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019. Der 24jährige Musi­ker ver­ein­te die in die­sem Jahr augen­schein­lich wich­tigs­ten Eigen­schaf­ten für eine erfolg­rei­che Grand-Prix-Teil­nah­me: er ist männ­lich, voll­bär­tig, gut­aus­se­hend und er jaul­te wei­te Tei­le sei­ner gefühl­vol­len Kla­vier­bal­la­de ‘Arca­de’ in Fal­sett­stim­me. Sein Lied han­delt dem rei­nen Text nach von einer unglück­li­chen Bezie­hung, die der Prot­ago­nist nicht been­den kann, weil er süch­tig nach ihr ist; nach der Aus­sa­ge des Inter­pre­ten jedoch betraue­re er den Ver­lust einer gelieb­ten Per­son. Eben­so zwie­späl­tig wie die Lyrics gestal­te­te sich auch Dun­cans Sieg, der mich genau­so rat­los und unbe­frie­digt zurück­lässt wie zuletzt der von Ell & Nik­ki in Düs­sel­dorf und der streng­ge­nom­men auch gar kei­ner war: sowohl beim Publi­kum als auch bei den Jurys lag in der Abstim­mung jeweils ein ande­rer Act vor­ne, der apar­te Hol­län­der gewann ein­zig auf­grund der mas­si­ven Unei­nig­keit der “pro­fes­sio­nel­len” Voter mit den Zuschauer/innen und konn­te sich als jeweils Dritt- bzw. Zweit­plat­zier­ter kumu­liert einen aus­ge­spro­chen schä­bi­gen Gesamt­sieg erschlei­chen.

Dun­can bei der Sie­ger­re­pri­se, die gleich viel bes­ser wirk­te als sei­ne Wett­be­werbsper­for­mance, wo er ver­krampft wie ein ver­bo­ge­ner Klei­der­ha­ken hin­ter dem Pia­no saß.

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Rank & File 2019: Platz 16 – La Ven­da

Mit einem ähn­li­chen Rezept wie die im aufrechtgehn.de-Ranking eine Num­mer tie­fer plat­zier­te Schweiz ver­su­chen es in die­sem Jahr auch die Spa­ni­er. Nur, dass ihr mit­klatsch­fä­hi­ger Lati­no­pop deut­lich authen­ti­scher klingt als die eid­ge­nös­si­sche Rös­ti-Vari­an­te. Den­noch ver­mag ‘La Ven­da’ nur in Maßen zu über­zeu­gen. Der Schwach­punkt hier vor allem: der Inter­pret.

Platz 16: Spa­ni­en – Miki Núñez: La Ven­da (Die Augen­bin­de)

Dabei ist der jun­ge Kata­lo­nier kein Kind von Häss­lich­keit. Es gibt Fan­sei­ten im Netz, die gan­ze Elo­gen auf sei­ne durch­trai­nier­ten Ober­ar­me sin­gen. Sein aus­ge­spro­chen nach­läs­si­ger Klei­dungs­stil und sein tap­si­ges Auf­tre­ten las­sen ihn gleich­zei­tig zugäng­lich wir­ken. Selbst sei­ne in man­chen Momen­ten an den toten Biber auf dem Kopf des US-ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten erin­nern­de tuf­fi­ge Natur­krau­se wirkt an ihm noch ganz ansehn­lich, solan­ge Miki nicht im Takt zur Musik auf und ab hüpft und der Biber in Wal­lung gerät. Mit dem Gesprin­ge, einer Polo­nä­se durchs TV-Stu­dio und der direk­ten Inter­ak­ti­on mit den Fans gelang es dem Sän­ger­schlumpf, im Fina­le der Ope­ra­ción Tri­unfo die Meu­te mit­zu­rei­ßen und so den Vor­ent­scheid zu gewin­nen. Für Tel Aviv braucht es jedoch eine ande­re Stra­te­gie: gera­de die nor­di­schen Natio­nen ent­flam­men nicht so leicht für Bal­ler­mann­schla­ger, und der etwas ver­pei­le Kif­fer­charme des Inter­pre­ten dürf­te ober­halb des Weiß­wur­st­äqua­tors eher auf eisi­ge Ableh­nung sto­ßen. Für schwe­di­sche See­len muss Mikis OT-Per­for­mance vor allem lin­kisch und unpro­fes­sio­nell wir­ken, und in Kom­bi­na­ti­on mit sei­nem von kei­ner­lei Selbst­zwei­fel ange­kratz­ten Auf­tre­ten und den fünf aus­schließ­lich zu Deko­ra­ti­ons­zwe­cken hin­ter ihm (deut­lich strin­gen­ter) ope­rie­ren­den Mädels könn­te er als Mus­ter­bei­spiel für einen wei­ßen Hete­ro-Mann her­hal­ten, der sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en nicht bewusst ist.

Der Adam Sand­ler des ESC: Miki “Krau­se” Núñez bei der OT.

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OT 2018: Hier flie­gen gleich die Löcher aus dem Käse

Mit dem deut­li­chen Sieg eines Bal­ler­mann-Kra­chers ging ges­tern Nacht die Euro­vi­si­ons­ga­la der bereits im Sep­tem­ber 2018 gestar­te­ten Cas­ting­show Ope­ra­ción Tri­unfo zu Ende. ‘La Ven­da’ heißt der Mit­klatsch­stamp­fer, den man bis zum Euro­vi­si­on Song Con­test im Mai 2019 bes­ser nur in homöo­pa­thi­schen Dosen genie­ßen soll­te, weil er ver­mut­lich extrem schnell anfängt, zu ner­ven. Die Faschings­taug­lich­keit sei­nes Songs unter­strich der Inter­pret Miguel Núñez Pozo (oder schlicht­weg Miki) auf das Vor­treff­lichs­te, indem er per Polo­nä­se ins OT-Stu­dio ein­zog, gefolgt von weib­li­chen Models, die irgend­wel­che Instru­men­te hiel­ten und denen vor allem die Auf­ga­be zukam, optisch vom Sän­ger abzu­len­ken. Wobei der 23jährige Bar­ce­lo­ne­se mit sei­nem puber­tä­ren Milch­flaum auf eine nerd­haft ver­peil­te Wei­se sogar ganz knuf­fig aus­sä­he, wäre da nicht das voll­kom­men irri­tie­rend im Takt sei­nes ener­gie­ge­la­de­nen Her­um­ge­hüp­fes mit­wip­pen­de Nest locki­gen Haupt­haa­res und die dro­gen­dür­ren Bein­chen. Miki erin­nert an den Kif­fer aus dem Phy­sik-Leis­tungs­kurs, der in sei­ner Fri­sur Joints auf den Abi-Ball schmug­gelt, dort betrun­ken die Büh­ne stürmt und fünf Minu­ten spä­ter in die Bow­le kotzt.

Die hete­ro­se­xu­ells­te ESC-Dar­bie­tung seit Men­schen­ge­den­ken: Miki.

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Brehms Tier­le­ben

Slo­gan ESC 2019 © EBU

Ech­te Euro­vi­si­ons­fans befin­den sich – getreu des Mot­tos: nach dem ESC ist vor dem ESC – bereits seit ver­gan­ge­nem Mai gedank­lich im Jahr 2019. Seit heu­te stimmt dann auch der offi­zi­el­le Kalen­der wie­der mit dem Emp­fin­den über­ein. Höchs­te Zeit also für einen Über­blick über die Gescheh­nis­se in den 42 in Tel Aviv teil­neh­men­den Natio­nen, die mir in den letz­ten Wochen durch­ge­rutscht sind. Dabei scheint, dass das gackern­de Huhn vom letz­ten Jahr so manch ande­res lus­ti­ges Getier inspi­rier­te: dabei sind unter ande­rem sin­gen­de Kat­zen und iro­ni­sche Hyä­nen.  Den Auf­takt aber macht eine hal­be Göt­tin. Sagt sie zumin­dest von sich selbst. Sie, das ist die ehe­ma­li­ge X‑Factor-Zwei­te Srbuhi Sargsi­an, bes­ser bekannt unter ihrem Künst­le­rin­nen­na­men Srbuk. Die 24jährige wur­de von ArmTV als Euro­vi­si­ons­re­prä­sen­tan­tin nomi­niert. Nun sucht der arme­ni­sche Sen­der noch ein pas­sen­des Lied, bis zum 10. Janu­ar nimmt man in Jere­wan noch Kom­po­si­tio­nen ent­ge­gen. Dabei hät­te die 24jährige mit ihrer erst im Novem­ber 2018 ver­öf­fent­li­chen Sin­gle ‘Half a Godess’ doch sogar einen wett­be­werbs­fä­hi­gen Titel am Start. Die Ent­schei­dung über den Bei­trag soll eben­falls intern fal­len.

Halb­göt­tin Srbuk mit ihrer aktu­el­len Sin­gle (Reper­toire­bei­spiel).

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Von Peli­ka­nen und Kame­len: das ESC-Fina­le 2018

Hat das Land so eine Art von Geheim­ver­trag mit dem Kar­ma? Oder wie schafft Isra­el es sonst, sei­ne Euro­vi­si­ons­sie­ge mit einer der­ar­ti­gen mathe­ma­ti­schen Prä­zi­si­on in Abstän­den von jeweils exakt 20 Jah­ren über die Grand-Prix-Geschich­te zu ver­tei­len? Und das auch noch mit einem jeweils ziem­lich ähn­li­chen Kon­zept: 1978 schaff­te es Izhar Cohen auf dem Höhe­punkt der Dis­co­wel­le mit einem tanz­ba­ren, von der uni­ver­sa­len Lie­be unter den Men­schen han­deln­den Kin­der­lied namens ‘A Ba Ni Bi’ und einer sen­sa­tio­nel­len Mar­ge-Simp­son-Fri­sur, die Jurys im Sturm zu erobern; 1998 gelang der kämp­fe­ri­schen Trans­se­xu­el­len Dana Inter­na­tio­nal mit dem Tanz­flä­chen­fül­ler ‘Diva’ der bis heu­te wich­tigs­te, weil ein unüber­seh­ba­res, die gesell­schaft­li­che Libe­ra­li­tät beflü­geln­des Zei­chen für Tole­ranz und Respekt gegen­über dem Anders­sein set­zen­de Sieg in der Euro­vi­si­ons­his­to­rie. Und nun, wei­te­re 20 Jah­re spä­ter, führt die fan­tas­ti­sche, vor selbst­be­wuss­tem Charme nur so sprü­hen­de Wucht­brum­me Net­ta Bar­zi­lai die­se pro­gres­si­ve Tra­di­ti­on fort und gewinnt mit der unglaub­lich spa­ßi­gen, eben­falls extrem tanz­ba­ren Eman­zi­pa­ti­ons­hym­ne ‘Toy’, einem so unver­krampf­ten wie kraft­vol­len Bei­trag zur aktu­el­len Femi­nis­mus­de­bat­te, die euro­päi­schen Lie­der­wett­spie­le. Wie wun­der­bar!

Sie sei eine “schö­ne Krea­tur”, behaup­tet die hier vor ihren gol­de­nen “Bären” (Peter Urban) zu sehen­de Net­ta in ihrem Song über sich selbst. Völ­lig zu Recht. Und ein Vor­bild dazu (IL).

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ES 2018: Wie Mut­ter und Toch­ter

Das Hete­ro­pär­chen gewinnt. Immer. Da kann der Song ein noch so grau­en­haf­ter, vomita­bler Sülz sein: gib ihn einem frisch ver­lieb­ten (oder die Roman­ze eini­ger­ma­ßen glaub­haft vor­täu­schen­den) Mann-Frau-Duo, und er räumt gna­den­los ab. So ließ es sich in der Nacht vom ver­gan­ge­nen Mon­tag auf Diens­tag (arbei­ten die Spanier/innen nicht?) mal wie­der aufs Des­il­lu­sio­nie­rends­te beob­ach­ten in der Gala Euro­vi­sión der vom Sen­der TVÉ nach fünf Jah­ren Pau­se wie­der aus der Ver­sen­kung gehol­ten und seit Win­ter 2017 lau­fen­den Cas­ting­show Ope­ra­ción Tri­unfo, mit wel­cher die Ibe­rer heu­er ihren Bei­trag für Lis­sa­bon bestimm­ten. Fünf Finalist/innen waren übrig geblie­ben, neun Songs teil­te man unter ihnen auf, die sie in ver­schie­de­nen Agglo­me­ra­tio­nen prä­sen­tier­ten; jeweils einen solo, einen als Duett und die Hym­ne die­ser OT-Staf­fel, das beson­ders chee­si­ge ‘Cami­na’, als Quin­tett. Nach gefühl­ten drei­ßig Stun­den Sen­dung und einem (völ­lig über­flüs­sig, das zu schrei­ben:) völ­lig über­flüs­si­gen Super­fi­na­le gewann, wie von Anfang an klar, das sac­char­in­sü­ße Reiß­brett-Duett ‘Tu Can­ción’ von Ama­ia Rome­ro und Alfred Gar­cía. Zwei Tri­un­fis­tas, die sich im Lau­fe der seit vie­len Wochen lau­fen­den Sen­de­rei­he wohl auch per­sön­lich näher kamen, wes­we­gen die Che­mie zwi­schen den Bei­den so erkenn­bar stimm­te.

Drei­ßig Jah­re spä­ter, und nichts hat sich geän­dert: die Kin­der von Chris + Maxi Gar­den (DE 1988) ver­tre­ten Spa­ni­en beim ESC 2018.

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Euro­vi­si­on Death­match #6: Ein Schlaf­sack und eine Gitar­re

Hand­ge­klampf­te Gitar­ren, Lager­feu­er­ro­man­tik, som­mer­li­che Fröh­lich­keit und hoch repe­ti­ti­ve Lyrics kenn­zeich­nen die Bei­trä­ge der Kom­bat­tan­ten im sechs­ten Euro­vi­si­ons­batt­le um Leben und Tod. Für das demo­kra­tisch unter­ent­wi­ckel­te Weiß­russ­land steigt das beim dor­ti­gen Vor­ent­scheid von der Jury mas­siv gegen die Zuschau­er­mehr­heit durch­ge­box­te Folk-Duo Navi in den Ring. Die 2013 in Minsk gegrün­de­te Band erzählt uns die ‘Histo­ry­ja majho žyccia’, also die Geschich­te ihres Lebens – und die­se scheint text­lich nicht beson­ders umfang­reich zu sein, dafür aber um so schwung­vol­ler: mit 155 BPM lie­fern die Bela­rus­sen den rasan­tes­ten Song der Sai­son ab. Von der Idee her pas­send wirkt das in einem durch­ge­hen­den Take im Wald gedreh­te Video, demons­triert es doch die beson­de­re Natur­ver­bun­den­heit des pos­sier­li­chen, locken­köp­fi­gen Pär­chens, das auf der Klamp­fe spie­lend einen Abhang hin­un­ter zu einem klei­nen See tollt und dabei vom Fun­keln der Son­ne in ihrem Blut berich­tet. Scha­de nur, dass sie den Clip noch zum Win­ter­en­de hin dre­hen muss­ten: dem som­mer­lich-leicht klin­gen­den Lied mit sei­nen vie­len “La la la“s hät­te etwas mehr Grün (und etwas mehr von der besun­ge­nen Son­ne) bes­ser gestan­den. Doch das ist Jam­mern auf hohem Niveau: die lan­des­sprach­lich (!) into­nier­te Wei­se zählt frag­los zu den Fan-Favo­ri­ten die­ses Jahr­gangs.

Ver­scheu­chen noch die letz­ten Rehe aus dem Gehölz: Navi (BY)

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Spa­ni­en: Dele­ga­ti­ons­lei­ter tritt vor­zei­tig zurück

Nie­mand beherrscht Euro­vi­si­ons­dra­ma so gut wie die Ibe­rer! Nach den Tumul­ten beim spa­ni­schen Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid 2017 rund um die offen­sicht­li­che Jury-Schie­bung roll­te nun ein Kopf: Feder­i­co Lla­no, seit 2002 Dele­ga­ti­ons­lei­ter des Lan­des beim Euro­vi­si­on Song Con­test, trat vor­zei­tig von sei­nem Pos­ten zurück, wie Euro­voix heu­te unter Bezug­nah­me auf ein spa­ni­sches Nach­rich­ten­por­tal berich­tet. Eigent­lich woll­te er den Job noch bis Juni 2017 machen, wie OnEuro­pe weiß, gab die Dele­ga­ti­ons­lei­tung aber nun schon vor Kiew an die Lei­te­rin der Abtei­lung für Inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen beim Sen­der RTVE, Ana Maria Bordas, ab. Angeb­lich sei­en “per­sön­li­che Grün­de” und sei­ne Arbeits­be­las­tung für die Ent­schei­dung aus­schlag­ge­bend. Das glau­be aller­dings, wer will. Die Ereig­nis­se des ibe­ri­schen Fina­les vom 12. Febru­ar 2017, als es zu einem Punk­te­gleich­stand zwi­schen der Publi­kums­fa­vo­ri­tin Mire­la und dem Jury­lieb­ling Manel Navar­ro kam und die für die­sen Fall erneut abstim­mungs­be­rech­tig­te Jury ihren Wil­len gegen das laut­stark skan­die­ren­de Stu­dio­pu­bli­kum durch­setz­te, sorg­ten im Land bereits für hohe Wel­len. Die Fans erbos­ten sich nicht nur über die kla­re Miss­ach­tung des Zuschau­er­wil­lens, son­dern auch über die engen (und nach den Regeln eigent­lich unzu­läs­si­gen) Ver­bin­dun­gen zwi­schen Navar­ro und dem Jury­mit­glied Xavier Mar­ti­nez, der in sei­nem Brot­be­ruf als Radio-DJ bereits im Vor­feld der Obje­tivo Euro­vi­si­on kei­nen Hehl aus sei­ner Unter­stüt­zung für den jun­gen Sur­fer­boy Manel gemacht hat­te und des­sen Bei­trag ‘Do it for your Lover’ auch in sei­nen Radio­sen­dun­gen push­te. Mar­ti­nez gab bei der Vor­ent­schei­dung nicht nur sei­ne Höchst­wer­tung an Navar­ro, son­dern ver­hin­der­te aktiv Mire­las Sieg, in dem er ihr vor­sorg­lich die nied­rigst mög­li­che Punkt­zahl zuschus­ter­te. Ein Mire­la-Fan echauf­fier­te sich hier­über so stark, dass er nach der Show Mar­ti­nez etwas unsanft anging, was natür­lich inak­zep­ta­bel ist. Sein Günst­ling Navar­ro hin­ge­gen mach­te sich kei­ne Freun­de, als er der nach sei­ner Sie­ges­ak­kla­ma­ti­on laut­stark buhen­den Meu­te im Über­schwang der Gefüh­le die Stin­ke­faust zeig­te, wofür er sich spä­ter ent­schul­dig­te. Doch damit nicht genug!

Hier die umstrit­te­ne Jury-Ent­schei­dung bei Obje­tivo Euro­vi­si­on

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Spa­ni­en 2017: ein aus­ge­buh­ter Sie­ger

Tumult­ar­ti­ge Sze­nen spiel­ten sich heu­te früh im Fina­le der spa­ni­schen Vor­ent­schei­dung Obje­tivo Euro­vi­sión ab, wie Euro­fire berich­tet (ich selbst konn­te die Sen­dung dank eines zicki­gen, auf mei­nem Rech­ner ums Ver­re­cken nicht funk­tio­nie­ren­den Live­streams lei­der nicht mit­ver­fol­gen – “dan­ke” noch­mal an die EBU für die Ent­schei­dung, die natio­na­len Fina­le nicht mehr auf eurovision.tv zu über­tra­gen!). Denn es kam mal wie­der zum klas­si­schen Patt zwi­schen der Jury und dem Publi­kum. Das favo­ri­sier­te klar die Sän­ge­rin Mire­la und ihren (zuge­ge­be­ner­ma­ßen extrem euro­vi­si­ons­kli­schee­haf­ten, aber wenigs­tens flot­ten) Grand-Prix-Schla­ger ‘Con­ti­go’. Von den drei Juror/innen hin­ge­gen stand eine eben­falls auf der Sei­te Mire­las, zwei aber bevor­zug­ten den (im Tele­vo­ting nur dritt­plat­zier­ten) zwan­zig­jäh­ri­gen Sur­fer­boy Manel Navar­ro und sein selbst­ge­schrie­be­nes, mit­tel­schwung­vol­les und arg repe­ti­ti­ves ‘Do it for your Lover’, wel­ches der Hawaii­hemd­en­trä­ger in größ­ten­teils erstaun­lich gutem Eng­lisch vor­trug – bis auf den letz­ten Lied­part, wo er stän­dig “to sue it for your Lover” for­der­te. Wen sol­len wir da ver­kla­gen? Das spa­ni­sche Fern­se­hen? Wegen der Schie­bung? Denn auf­grund der Unei­nig­keit von Volk und Herr­schaft kam es zum Punk­te­gleich­stand, und statt das demo­kra­tisch Rich­ti­ge zu tun und das Ple­bis­zit anzu­er­ken­nen, über­ließ TVE dem Mani­pu­la­ti­ons­ko­mi­tee die Ent­schei­dung. Die drei Juro­ren muss­ten noch­mals ein­zeln abstim­men und votier­ten – wenig über­ra­schend – mit Zwei­drit­tel­mehr­heit erneut für Manel. Das ent­fes­sel­te Stu­dio­pu­bli­kum, das bereits laut­stark “Mire­la a Euro­vi­si­on” skan­dier­te, quit­tier­te die Bevor­mun­dung ver­ständ­li­cher­wei­se mit Buh­ru­fen. Und damit fährt auf­grund des Wil­lens von zwei (!) ein­zel­nen (!!) Per­so­nen, die ein gan­zes Volk düpie­ren durf­ten, nun jemand zum Con­test nach Kiew, der zuhau­se die kla­re Mehr­heit gegen sich hat. Das ist ja schon mal ein gutes Omen, wie Atlan­tis 2000 (→ DE 1991) dem Spa­ni­er sicher erzäh­len könn­ten.

Du hast die Haa­re schön: Manel Navar­ro (ES)

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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: beim Bar­te des Cäsa­ren!

So lang­sam beginnt in der lau­fen­den Vor­ent­schei­dungs­sai­son wie­der der Auf­merk­sam­keits­stress, wenn auch noch in ver­gleichs­wei­se mode­ra­ter Dosie­rung: am gest­ri­gen Sams­tag­abend gin­gen zeit­gleich zwei Vor­run­den über die Büh­ne. Begin­nen wir mit Ungarn, wo das ers­te Vier­tel­fi­na­le von Á Dal 2017 statt­fand. Dort hat, wie soll­te es in der lupen­rei­nen Demo­kra­tie Vik­tor Orb­ans anders sein, die Jury das Zep­ter fest in der Hand. Um so erstaun­li­cher also vor dem Hin­ter­grund der gesell­schaft­li­chen Anfein­dun­gen, die sich die­se Min­der­heit im Land der Magya­ren auch aus der Poli­tik aus­ge­setzt sieht, dass sel­bi­ge Jury eine Band mit dem selbst­er­klä­ren­den Namen Roma Soul weit­er­wähl­te. Deren Song ‘Nyit­va a Ház’ (in etwa ‘Öff­ne Dein Haus’) ent­wi­ckelt aller­dings erst im letz­ten Drit­tel ein biss­chen Tem­po und Feu­er, wobei der Rhyth­mus hier von einem Beat­bo­xer und auf einer Zink­va­se erzeugt wird. Also so ein biss­chen Wit­loof Bay (→ BE 2011) trifft Pfu­ri, Gorps und Kni­ri (→ CH 1979). Im Gedächt­nis bleibt der Auf­tritt haupt­säch­lich durch die neon­bun­ten T‑Shirts, mit denen sich die Musi­ker uni­so­no klei­de­ten und die mich ver­mu­ten las­sen, dass die Num­mer eine völ­lig ande­re Dyna­mik ent­fal­tet, wenn man vor dem Anschau­en etwas LSD ein­wirft. Zumal die farb­star­ken, trip­pi­gen gra­fi­schen Mus­ter auch ihren Weg auf die LED-Wand fan­den. Hin­sicht­lich der schrä­gen Schnit­te sel­bi­ger Her­ren­ober­be­klei­dungs­stü­cke feh­len mir als Mode­muf­fel die Kennt­nis­se, ob dies irgend­ei­nem aktu­el­len Trend ent­spricht – ich weiß nur, dass es total schei­ße aus­sieht. Unge­ach­tet des modi­schen Faux Pas han­del­te es sich bei der Roma-See­le um den ein­zi­gen nen­nens­wer­ten Bei­trag der gest­ri­gen Run­de. Viel­leicht noch bis auf einen gewis­sen Ben­ji, der bei sei­nem Auf­tritt schwitz­te wie bei einem Besuch in der Dampf­sau­na und den die Zuschauer/innen, die im Anschluss an die Jury aus den Res­ten noch einen Act aus­su­chen durf­ten, ob sei­ner erkenn­ba­ren Qua­len wohl in einer Art Mit­leids­vo­tum ret­te­ten.

Far­ben sind die Augen uns’­rer Erde (HU)

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