New Music Award als deut­sche Vor­ent­schei­dung?

Nach dem haus­ge­mach­ten Quo­ten­de­sas­ter von Unser Song für Baku und dem erwart­ba­ren schlech­ten Abschnei­den des ultra­lang­wei­li­gen ‘Stan­ding still’ beim Wett­be­werb stellt sich die Fra­ge nach der wei­te­ren Zusam­men­ar­beit von Ste­fan Raabs Pro­duk­ti­ons­fir­ma Brain­pool und der ARD beim deut­schen Vor­ent­scheid. Als eine mög­li­che Alter­na­ti­ve sei nach Gerüch­ten aus gewöhn­lich gut infor­mier­ten Krei­sen der New Music Award im Gespräch, ein von den Jugend­wel­len der ARD jähr­lich ver­ge­be­ner Nach­wuchs­preis, des­sen pro­mi­nen­tes­te Preis­trä­ger Kraft­klub sind: die 2010 aus­ge­zeich­ne­te Chem­nit­zer Band trat 2011 bei Raabs Bun­des­vi­si­on Song Con­test mit dem Titel ‘Ich will nicht nach Ber­lin’ an und konn­te damit einen klei­ne­ren Chart­hit rea­li­sie­ren. Aktu­el­ler Award­in­ha­ber ist die Elek­tro­band Cap­tain Capa.

httpv://youtu.be/K0rEQHbo7PQ
Das sag­ten 2011 auch die deut­schen Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­chen

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USFB: Kein Schwein schaut mir zu

Logo Unser Star für Baku
Star: die Blitz­ta­bel­le

Stell Dir vor, es ist Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung, und kei­ner schaut zu. So war es beim gest­ri­gen Fina­le von Unser Star für Baku: ledig­lich 2,19 Mil­lio­nen Zuschau­er sahen den von Anfang an erwar­te­ten Sieg von Roman Lob. Das ist die schlech­tes­te Quo­te der letz­ten zwan­zig Jah­re und weni­ger als die Hälf­te des Publi­kums von Unser Star für Oslo 2010. Selbst die desas­trö­se Vor­ent­schei­dung von 2005, als das Cas­ting­stern­chen Gra­cia Baur gegen zwei von Sie­gel geschick­te Cas­ting­stern­chen gewann, hat­te andert­halb mal so viel Zuschau­er. Von den durch Guil­do Horn ein­ge­lei­te­ten Glanz­zei­ten um die Jahr­tau­send­wen­de, als jeweils so um die 8 Mil­lio­nen Men­schen ein­schal­te­ten, ist USFB jeden­falls mei­len­weit ent­fernt. Hat also das Raab’sche Cas­ting­show­for­mat als Vor­ent­schei­dungs­kon­zept aus­ge­dient?

httpv://youtu.be/Y4pqdwOYFxE
Ein­schalt­quo­ten­kö­ni­gin: Michel­le erreich­te 8,69 Mil­lio­nen Zuschau­er

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Unser Star für Baku: wie wird gevo­tet?

Ein seit weni­gen Tagen auf Pro­Sie­ben kur­sie­ren­der Trai­ler für Unser Star für Baku sug­ge­riert dras­ti­sche Ände­run­gen im Abstim­mungs­ver­fah­ren. Ein “Voting, dass es so noch nie gab” kün­digt der neue Jury­prä­si­dent Tho­mas D. in dem Clip an. Sei­ne bei­den Mit­ju­ro­ren Ali­na Süg­ge­ler (Fri­da Gold) und Ste­fan Raab sekun­die­ren in gewohnt mar­tia­li­scher TV-Total-Dik­ti­on: “Ab jetzt kannst Du die gan­ze Wahr­heit sehen” und “Ab jetzt zählt jede Sekun­de”. Da man in allen bis­he­ri­gen Ankün­di­gun­gen ver­laut­bar­te, dass die Ent­schei­dung – wie auch schon bei Unser Star für Oslo – allei­ne beim Zuschau­er lie­ge, führt dies zur Ver­mu­tung, dass künf­tig in Gong-Show-Manier nicht nur Anru­fe für, son­dern auch sol­che gegen einen Teil­neh­mer mög­lich sind. Bei aktu­ell ein­ge­blen­de­ten Zwi­schen­stän­den. Was, gera­de bei kon­tro­ver­sen Per­sön­lich­kei­ten, wie bei­spiels­wei­se Lena es eine war, zu ein­nah­me­stei­gern­den Kampf­ab­stim­mun­gen füh­ren könn­te. Und das Span­nungs­ele­ment der in der Ver­gan­gen­heit durch die dort ver­brei­te­te Har­mo­nie­so­ße stel­len­wei­se auch schon mal lang­wei­li­ge Sen­dung erhöh­te.


Er kann’s nicht las­sen: auch Der Fei­ne Herr ist wie­der Teil der Jury

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Ste­fan Raab: “Schluß­strich unter das Kapi­tel ESC

Er hat alles erreicht, was er beim Euro­vi­si­on Song Con­test errei­chen konn­te. Mit dem von ihm kom­po­nier­ten ‘Guil­do hat Euch lieb’ hol­te Guil­do Horn 1998 den Wett­be­werb aus dem Tal der Fins­ter­nis und mach­te ihn wie­der zu einem Event von brei­tem öffent­li­chen Inter­es­se. Mit sei­ner eige­nen Teil­nah­me im Jah­re 2000 und dem für Max Mutz­ke, dem Sie­ger sei­ner von eben auf jetzt aus dem Boden gestampf­ten Cas­ting­show Ste­fan sucht den Super-Grand-Prix-Star, geschrie­be­nen ‘Can’t wait until ton­ight’ bescher­te er dem wenig erfolg­ver­wöhn­ten Deutsch­land vor­de­re Plät­ze. Mit Lena Mey­er-Land­rut fand er im Vor­jahr die zwei­te deut­sche Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin. Mit der Mode­ra­ti­on des dies­jäh­ri­gen Wett­be­werbs aus Düs­sel­dorf erfüll­te er sich schließ­lich einen wei­te­ren Wunsch­traum (und mach­te das, zu mei­nem Erstau­nen, dank vor­neh­mer Zurück­hal­tung sehr gut). Nun tritt er, auf dem Höhe­punkt sei­nes Erfol­ges, zurück und zeigt sei­nem Vor­gän­ger Ralph Sie­gel, wie ein Abgang in Wür­de aus­sieht. Ste­fan Raab zieht “einen per­sön­li­chen Schluß­strich unter das Kapi­tel ESC, wie der NDR berich­te­te.


Show some Respect: der Raab

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ESC Fina­le 2011: I’m sca­red ton­ight

Logo ESC 2011 Finale
Das schwe­di­sche Jahr

Euro­pa macht mir Angst. Erst ver­wies es, natür­lich unter tat­kräf­ti­ger Mit­hil­fe der geron­ti­schen Jurys, in den Semis mei­ne bei­den jewei­li­gen Lieb­lings­bei­trä­ge, das wun­der­bar opti­mis­ti­sche ‘Haba haba’ (NO) und das exzel­lent dra­ma­ti­sche ‘San Ange­los s’agapisa’ (CY), auf die vor­letz­ten Plät­ze. Und dann bestimm­te es im Fina­le einen musi­ka­lisch glatt­ge­bü­gel­ten, belie­bi­gen Seicht­kram zum Sie­ger, in dem sehr offen­sicht­lich die Zwangs­he­te­ro­se­xua­li­sie­rung eines bedau­erns­wer­ten, sehr offen­sicht­lich nicht inter­es­sier­ten Jüng­lings durch eine an Jah­ren und Erfah­rung rei­che Frau zele­briert wird. Bei evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­lis­ten mit ihren absur­den Homo-Hei­lungs-Pro­gram­men dürf­ten die Sekt­kor­ken geknallt haben. Für mich wur­de an die­sem Abend ein beträcht­li­ches Stück der schwu­len Iden­ti­tät des Grand Prix Euro­vi­si­on zu Gra­be getra­gen. Ein trau­ri­ger Tag für mei­ne Lieb­lings­ver­an­stal­tung.

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ESC 2. Semi 2011: Cau­se I know it’s pasi­bel

Logo des Eurovision Song Contest 2011 (Semi 2)
Das schwe­di­sche Jahr

Es geht doch, wenn man nur will: die ARD kann eine Euro­vi­si­ons­sen­dung ohne pein­li­che Tech­nikpan­nen stem­men; Anke Engel­ke kann auch rich­ti­ge Abend­klei­der tra­gen (und dar­in fan­tas­tisch aus­se­hen); Ste­fan Raab kann wit­zig sein (als Side­kick von Anke Engel­ke, die bereits mit der Mode­ra­ti­on der bei­den Semis allen Schmach, den uns Mar­le­ne Cha­rells über­am­bi­tio­nier­tes Strau­cheln 1983 bescher­te, mehr als wett­mach­te) und das Ers­te kann einen rich­tig guten Pau­se­nact orga­ni­sie­ren, der mul­ti­kul­tu­rell wirkt und den­noch etwas mit dem ver­an­stal­ten­den Land zu tun hat. A pro­pos Mul­ti­kul­ti: noch nie war ich so begeis­tert von den Post­kar­ten! Die schöns­ten Sei­ten Deutsch­lands im Märk­lin-Style, ver­knüpft mit hier leben­den und arbei­ten­den Men­schen aus dem jewei­li­gen Teil­neh­mer­land: ich glau­be, welt­of­fe­ner und sym­pa­thi­scher hät­ten wir uns nicht prä­sen­tie­ren kön­nen. Ich lie­ben!

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ESC 1. Semi 2011: Halb­zeit means Halb­zeit

Logo des Eurovision Song Contest 2011 (Semi 1)
Das schwe­di­sche Jahr

Meh­re­re Über­ra­schun­gen hielt das ers­te Semi bereit: ein dank des unheil­vol­len Ein­grei­fens geschmacks­ge­stör­ter Geron­ten­ju­rys hoch­gra­dig scho­ckie­ren­des Abstim­mungs­er­geb­nis, ver­sa­gen­de Stim­men sowie eine pein­li­che Ton­pan­ne. Und das am Tech­no­lo­gie­stand­ort Deutsch­land! Am uner­war­tes­ten aber: eine hin­rei­ßend locke­re, amü­san­te Mode­ra­ti­on, trotz Ste­fan Raab (DE 2000) als einer der drei Gast­ge­ber des Abends! Wer auch immer die Eröff­nungs­mo­de­ra­ti­on mit dem Run­ning Gag “Looks don’t mat­ter in Ger­ma­ny” schrieb, gehört für den Grim­me-Preis nomi­niert. Ent­ge­gen mei­ner schlimms­ten Befürch­tun­gen prä­sen­tier­te sich Deutsch­land durch den unver­krampft-locke­ren Schlag­ab­tausch zwi­schen der groß­ar­ti­gen Anke Engel­ke und einem ange­nehm eigeniro­ni­schen Ste­fan Raab als sou­ve­rän und unter­halt­sam. Bra­vo!

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DVE 2011: Reruns are a ris­ky Busi­ness

MiniPopIcon von Lena, DE 2011
Die Titel­ver­tei­di­ge­rin

Das Unglaub­li­che, das nicht mehr Erwar­te­te, das Wun­der war im Vor­jahr gesche­hen: das in Ste­fan Raabs Cas­ting­show Unser Star für Oslo ent­deck­te neue deut­sche Fräu­lein­wun­der Lena Mey­er-Land­rut hat­te nach 28 Jah­ren Durst­stre­cke das Mär­chen wahr gemacht und die Grand-Prix-Kro­ne heim geholt. Deutsch­land war im kol­lek­ti­ven Freu­den­tau­mel und die mit Staats­eh­ren zu Hau­se emp­fan­ge­ne Lena unse­re unum­schränk­te Volks­hel­din. Noch im Sie­ges­rausch von Oslo ent­scheid Raab, Lena zur Titel­ver­tei­di­gung in die­sem Jahr noch­mals antre­ten zu las­sen. Und ließ sich auch durch ungläu­bi­ge bis ent­setz­te Reak­tio­nen von Medi­en und Öffent­lich­keit nicht mehr davon abbrin­gen. So funk­tio­nier­te er die Vor­ent­schei­dung 2011 in eine drei­tei­li­ge, ins­ge­samt sie­ben­stün­di­ge Dau­er­wer­be­sen­dung für das von ihm pro­du­zier­te zwei­te Mas­sen-Land­flucht-Album ‘Good News’ um. Und bescher­te uns damit die wohl lang­wei­ligs­te und zähes­te Euro­vi­si­ons­vor­ent­schei­dung in der Geschich­te.

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DVE 2010: Ich freu mich so, so hart

Lena Mayer-Landrut, DE 2010
Die Mit­tel­schichts­hoff­nung

Ein aller­letz­ter und ein vor­vor­letz­ter Platz beim Euro­vi­si­on Song Con­test, ansons­ten nur Ergeb­nis­se im tie­fen zwei­stel­li­gen Bereich: so konn­te es nicht wei­ter­ge­hen, das war selbst der ARD klar. Also tat man, was man bei den Öffent­lich-Recht­li­chen immer tut, um die eige­ne Ide­en­lo­sig­keit zu bemän­teln: man kauf­te bei der pri­va­ten Kon­kur­renz ein. “Der Papa wird’s schon rich­ten” dach­te man sich wohl in Anleh­nung an einen alten Titel von Peter Alex­an­der – und der Grand-Prix-Papa, das konn­te natür­lich nie­mand anders[ref]Nein, Herr Sie­gel. Sie nicht. Ihre Zeit als Deutsch­lands Dau­er­kom­po­nist ist vor­bei. Ich weiß, Sie wol­len das nicht hören, es ist aber so.[/ref] sein als SSDS­GPS- und BuVi­So­Co-Erfin­der Ste­fan Raab. Der Mann, der Deutsch­land als Sän­ger und / oder Kom­po­nist stets eine Top-Ten-Plat­zie­rung beim ESC beschert hat­te. Also gab man in Ham­burg (nach nur andert­halb Jah­ren Vor­pla­nung und einem pein­li­chen Bei­na­he­rück­zie­her in letz­ter Sekun­de) die Vor­ent­schei­dung nach Köln ab, zu Raab TV.

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Unser Star für Oslo: ARD stellt Vor­ent­schei­dungs­kon­zept vor

Ein klei­ner Schritt für das Fern­se­hen, aber ein gro­ßer für den Euro­vi­si­on Song Con­test”, so bezeich­ne­te der ARD-Unter­hal­tungs­ko­or­di­na­tor Tho­mas Schrei­ber heu­te die Zusam­men­ar­beit mit Pro­Sie­ben bei der kom­men­den deut­schen Vor­ent­schei­dung für den Euro­vi­si­on Song Con­test in Oslo. Und auch Ste­fan Raab hielt sich mit Pathos nicht zurück auf der gemein­sa­men, gleich­zei­tig auf Phoe­nix und N24 über­tra­ge­nen Pres­se­kon­fe­renz: “Eine natio­na­le Auf­ga­be von his­to­ri­scher Trag­wei­te” sei es, die der von sei­ner Sen­der-Unter­hal­tungs­chefin als “Ret­ter des Grand Prix” Geprie­se­ne gemein­sam mit dem Ers­ten und den ARD-Pop­ra­dio­wel­len in Angriff neh­me. Mit der acht­tei­li­gen Cas­ting­show wol­le man, so Raab, die Zuschau­er wie­der “eupho­ri­sie­ren”. Nicht ganz so hoch griff er bei der Ran­king­meß­lat­te: ein Platz unter den ers­ten Zehn in Oslo sei “schön”.


Bis zur Hei­lig­spre­chung kann es nicht mehr weit sein: Raab ret­tet das Vater­land

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