CZ 2018: Set my Camel in the Mood

Da dürften wohl etliche Fans beiderlei Geschlechtes eine Pfütze unter sich machen: wenig überraschend entsendet Tschechien das 23jährige Exmodel Mikolas Josef zum Eurovision Song Contest 2018 nach Lissabon. Der smarte Jüngling konnte, wie bereits vor einer Woche verkündet, in dem vollständig ins Internet ausgelagerten Vorentscheid Eurovision Song CZ die Stimmen der internationalen Jury gewinnen. Auch die per Eurovisions-App votierenden Zuschauer/innen gaben ihm anscheinend ihr Plazet, selbst wenn bei der dürren Verkündigung seiner Grand-Prix-Teilnahme in den heutigen Abendnachrichten des Senders Česká Televize nicht ein Wort über die dort erreichten Punkte oder die Platzierungen seiner fünf Konkurrent/innen fiel. Was die böse Vermutung aufkeimen lässt, die wenig eurovisionsbegeisterten Tschech/innen könnten sich vielleicht der Abstimmung ganz enthalten haben? Wie dem auch sei: die Wahl von Mikolas ist eine kluge, sein schmissig-funkiger Popsong ‚Lie to me‘ mit den fantastischen Handclaps klingt wie etwas, das auch in den realen Charts stattfinden könnte. Für Lissabon muss er jedoch seinen Songtext, in dem mehrfach das Wort „Fuck“ vorkommt, noch etwas entschärfen.

So unschuldig er aussieht, so faustdick hat er’s hinter den Ohren: Mikolas Josef.

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Eurovision Song CZ

Für ein interessantes Online-Verfahren zur Ermittlung seines Eurovisionsbeitrags 2018 entscheid sich das tschechische Fernsehen Česká Televize: seit dem 8. Januar stehen die Songs der sechs Vorentscheidungsteilnehmer/innen bei Youtube ein, bis einschließlich 22. Januar duften die Tschech/innen mittels der offiziellen Eurovisions-App darüber abstimmen. Daneben beriet eine zehnköpfige, internationale Jury aus lauter ehemaligen ESC-Teilnehmer/innen (siehe Liste). Merkwürdig: zwar steht auch deren Voting bereits seit dem 22. fest (die Höchstwertung ging an den Fan-Favoriten Mikolas Josef), dennoch will ČT das Gesamtergebnis erst heute, eine Woche später, in den Abendnachrichten bekanntgeben. Wird da noch etwas Zeit zum Nachjustieren benötigt?

Livestream CT Události

Livestream CT1

Die internationalen Juror/innen:

  • Dami Im (ΑU 2016)
  • Robin Bengtsson (SE 2017)
  • Naviband (BY 2017)
  • SunStroke Project (MD 2010, 2017)
  • Sanja Vučić (RS 2016)
  • Jalisse (IT 1997)
  • Iveta Mukuchyan (AM 2016)
  • Nathan Trent (AT 2017)
  • Norma John (FI 2017)
  • Liora Simon (IL 1995)

Die sechs Beiträge als Lyric-Videos:

Vorentscheid CZ 2018

Eurovision Song CZ. Montag, 29. Januar 2018, aus Prag. Sechs Teilnehmer/innen (Siegerverkündung).
#Interpret/inTitelTVJuryPlatz
1DebbieHigh on Love35402
2Eddie StoilowWe rule the World22705
3Eva BurešováFly62703
4Pavel CalltaNever forget43404
5Mikolas JosefLie to me86801
6Doctor VictorStand up13006

Perlen der Vorentscheidung: die Pfützen von Prag

Neben beleidigten Rückzügen in Litauen gab es heute auch neue Songs auf die Ohren: das tschechische Fernsehen CT veröffentlichte sämtliche sechs Beiträge seiner Vorauswahl Eurovision Song CZ auf seinem Youtube-Kanal. Der im Übrigen zugleich als Ort des Vorentscheids fungiert, denn Sendezeit im Fernsehen räumt CT ob des geringen Interesses am Eurovision Song Contest im Lande hierfür nicht frei. Stattdessen dürfen die Tschech/innen ab heute 14 Tage lang per Eurovision-App über ihren Lieblingsbeitrag abstimmen. Und nur diese: zwar können Fans aus anderen Ländern rein technisch ebenfalls voten, ihre Stimmen aber zählen nicht. Anschließend kommen noch die Ergebnisse einer internationalen Jury hinzu, und am 29. Januar 2018 erfahren wir, wer das tschechische Ticket nach Lissabon löst. Als heißer Favorit gilt der sich bereits 2017 in der engeren Auswahl befindliche 22jährige Mikolas Josef mit dem hippen Stück ‚Lie to me‘.

Macht gerne mal unter sich: der Mikolas. Wäre das übrigens nicht der perfekte Name für schokolierte Jahresend-Hohlfiguren aus dem Hause Milka?

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Eurovision Deathmatch #17: Nur noch Gefühl

Die Balladenflut, sie ist beim Eurovision Song Contest 2017 nicht zu leugnen: fast jeder zweite Song für Kiew gehört zur Gattung der langsameren Lieder, fraglos eine Folge des unheilvollen Einflusses der → Jury. Und so treffen auch im heutigen Eurovision Deathmatch wieder zwei gefühlsbetonte, keinesfalls zum ausgelassenen Tanzen oder fröhlichen Feiern auffordernde Songs aufeinander. Unser erster Kombattant bedient zudem eine weitere, heuer besonders ausgeprägte Grand-Prix-Tradition, nämlich die des Rückkehrers. Schon beim letzten Wettbewerb aus Kiew, dem aus 2005, ging Omar Naber, der slowenische Robbie Williams, für sein Land an den Start. In diesem Jahr konnte er die heimische EMA gegen den Willen der Zuschauer/innen dank der mehr als aktiven Mithilfe der bereits erwähnten Jury gewinnen und sülzt uns nun mit dem äußerst pompösen Stück ‚On my Way‘ die Ohren voll. Hierzu greift er kompositorisch so tief in den Schmalztopf, dass selbst ein altgedienter Crooner wie Engelbert Humperdinck (→ UK 2012) vermutlich Reißaus nähme. Was der Slowenen-Schnuckel übrigens auch tut: er singt uns vom Aufbruch in die Ferne und dem Verlassen seiner Heimat. Und er hofft, nein betet, dass diejenigen, die er hinter sich lässt, darob nicht weinen müssen. Ja, klar, Omar! Als ob Du nicht genau darauf hofftest! Lass es Dir gesagt sein: die Slowenen werden erst dann weinen, wenn Du nach dem Ausscheiden aus dem Semi wieder heimfliegst!

Johnny Bravo hat angerufen und will die Frisur zurück: Omer Naber (SI)

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Atemlos durch die Balladennacht: die Remixe sind da!

Nachdem am gestrigen Supersamstag die letzten öffentlichen Vorentscheide der Eurovisionssaison 2017 über die Bühne gingen und wir noch immer auf die vier bzw. fünf letzten intern ausgewählten Beiträge für Kiew warten (als da wären: der für den heutigen Abend gegen 18 Uhr angekündigte, angeblich von einem international bekannten Duo interpretierte sanmarinesische Song; der für den morgigen Montag beworbene bulgarische Beitrag; das erst für den kommenden Samstag annoncierte, von Artsvik gesungene armenische Lied; die bereits angekündigte anglifizierte Fassung des albanischen Songs ‚Botë‘ alias ‚World‘ sowie der russische Beitrag – wobei es immer unwahrscheinlicher wird, dass das mit dem Gastgeberland Ukraine kriegerisch verfeindete Land überhaupt teilnimmt), haben neben Weißrussland nun noch weitere Teilnehmernationen aufgefrischte Fassungen ihrer Songs für Kiew vorgestellt. So zum Beispiel die Schweizer, die das hoffnungslos öde ‚Apollo‘ von Timebelle musikalisch deutlich aufdramatisierten und auch die Stimme ihrer rumänischstämmigen Leadsängerin im Tonstudio mit dem Dampfstrahler behandelten. Hilft natürlich auch alles nichts mehr, aber den Versuch war’s wert.

Prominent verpackt: Zeus und Apollo, die eidgenössischen Wunderwaffen (CH)

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Tschechien 2017: der Wille zum Minus-Rekord

Nach unterschiedlichen Ankündigungen zum Veröffentlichungstermin und mehreren irreführenden Countdowns auf der Website der diesjährigen, erneut intern ausgewählten Eurovisionsvertreterin Martina Bárta stellten die Tschechen heute Abend dann doch noch den Audiotrack ihres Wettbewerbsbeitrags ‚My Turn‘ ins Netz. Und obgleich die hauptsächlich in Deutschland lebende Sängerin bislang als Jazzmusikerin in Erscheinung trat, handelt es sich bei dem für sie geschriebenen Stück um… *Trommelwirbel, Tusch*: eine sanfte Klavierballade! Hurra! Genau das, was dem Grand Prix 2017 so dringend gefehlt hat! Das mit verhältnismäßig tiefer Stimme sehr sauber gesungene Lied zum Thema Beziehungsarbeit erweist sich als atmosphärisch angenehm und dreht im instrumental schwelgerischen Refrain auch ganz gut auf. Als Soundtrack für einen melancholischen Arthouse-Liebesfilm gäbe es die perfekte Untermalung ab für die große romantische Schlussszene. Als zusätzlicher Beitrag zum Balladensee des diesjährigen Eurovision Song Contest steigert es jedoch schlichtweg den Bedarf an aufputschenden Substanzen, um das erste Semifinale am Dienstag zu überstehen, ohne ins Koma zu fallen. Für den 11. März 2017, also den letzten und härtesten Supersamstag der Vorentscheidungssaison (perfektes Timing!), ist noch ein ordentliches Musikvideo angekündigt, mit halbnackten Menschen ohne Model-Maße. Welche Botschaft auch immer damit verkündet werden soll (ich bin sicher, wir werden es noch erfahren): es scheint alles daraus hinauszulaufen, dass das erfolgloseste Eurovisionsland ever seinen Minusrekord von 2009 einzustellen vermag, als Gipsy.cz im Semifinale zu Moskau mit null Punkten Letzte wurden. Und ich kann im Hinblick auf den Lebenswillen der Eurovisionszuschauer/innen nur an die EBU appellieren, endlich ernsthaft über eine Balladenobergrenze bei ihrem Vorzeigewettbewerb nachzudenken. Oder den Einfluss der Jurys, dem wir dies zu verdanken haben, zurückzudrängen.

Farblos: die Bárta (CZ)

Tschechien 2017: All that Jazz

Die bislang in der breiten Öffentlichkeit eher wenig bekannte Jazzsängerin Martina Bárta vertritt die Tschechische Republik in Kiew, wie heute eher versehentlich bekannt wurde. Denn eigentlich wollte das tschechische Team den Namen erst im März 2017 verkünden, zusammen mit dem derzeit in London aufgenommenen Song. Doch die in Egelsbach bei Frankfurt am Main beheimatete Jazzkapelle 4 to the Bar, die jederzeit für Firmenveranstaltungen und Partys buchbar ist und in welcher die in Prag geborene und derzeit in Berlin lebende Martina (neben anderen Formationen) ebenfalls singt und das Waldhorn spielt, verriet die Nachricht heute Nachmittag auf ihrer Homepage. Frau Bártas auf Youtube zu findendes Œuvre umfasst denn bislang auch ausschließlich Jazz-Titel. Ob die beim Song Contest bislang eher mäßig erfolgreiche Republik allerdings das Wagnis eingeht, sie mit diesem bei dem Pop-Wettbewerb ziemlich selten vorkommenden und bislang eher mäßig erfolgreichen Musikstil antreten zu lassen, bleibt der Spekulation überlassen. Bislang wissen wir nur, dass der aus insgesamt 300 Einsendungen intern ausgewählte Beitrag auf Englisch gesungen werden soll und nicht von einem heimischen Komponisten stammt. Unter den Song-Vorschlägen hätten sich allerdings nach Aussage des tschechischen Delegationsleiters Jan Bors „viele Balladen“ befunden, so dass das Schlimmste zu befürchten steht.

Stylish & eigenironisch: Martina Bárta (Repertoirebeispiel)

Tschechien 2016: Last Woman standing

Viel Zeit ließ sich das Fernsehen der tschechischen Republik mit der Bekanntgabe seiner intern ausgewählten Eurovisionsvertreterin. Ursprünglich für Februar 2016 angekündigt, herrschte in Prag so lange völlige Funkstille, dass man sich schon Sorgen machen musste, der Sender ČT habe den Song Contest schlichtweg vergessen. Gestern sickerte es dann durch: die 22jährige Gabriela Gunčíková vertritt das Land mit der Ballade ‚I stand‘. Die in dem mährischen Städtchen Kroměříž (deutsch: Kremsier, die tschechische Schreibweise mit dem Diakrit-Durchfall gefällt mir aber viel besser, weswegen ich das überhaupt hier erwähne) geborene, optisch ein wenig an Cameron Diaz erinnernde Gunčíková erlangte 2011 mit ihrer Teilnahme an der Castingshow SuperStar Bekanntheit und veröffentlichte seitdem zwei Alben. Ihre von einem schwedischen Team geschriebene Ballade verfügt über deutlich mehr Dynamik und Dramatik als das praktisch zeitgleich veröffentliche Angebot der australischen Mitbewerberin, langweilt also nur halb so sehr, wird aber vermutlich dennoch (oder gerade deswegen) deutlich schlechter abschneiden. So ungerecht ist die Welt.

Strahlt ein wenig zu sehr für die Düsterkeit ihrer Ballade: Gabriela

Hat Tschechien mit Gabriela Gunčíková Chancen aufs Finale?

  • Klar. Das ist eine wunderschöne, gefühlvolle Ballade, sie sieht toll aus und hat eine schöne Stimme. Das kommt weiter. (53%, 62 Votes)
  • Nein. Das ist kompetentes Mittelmaß und langweilt ohne Ende. (31%, 36 Votes)
  • Ich mag das, aber Tschechien ist leider generell chancenlos. (17%, 20 Votes)

Total Voters: 118

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Das Jury-Gate: Il Volo sind die wahren Sieger 2015!

Seit der Wiedereinführung der Jurys, im besonderen Maße aber seit ihrer stärkeren Gewichtung gegenüber dem Televoting seit 2013, stand es zu befürchten, und nun trat es ein: erstmalig seit 1997 gewannen beim Eurovision Song Contest 2015 nicht die Lieblinge des Publikums – nämlich die italienischen jungen Tenöre Il Volo mit ihrem Popera-Schlager ‚Grande Amore‘ – sondern der Juryfavorit, in diesem Falle der Schwede Måns Zelmerlöw mit ‚Heroes‘. Was erstaunt, weil ich gerade nach dem überraschenden Ergebnis von 2011, als das nach ewiger ESC-Pause von der EBU mit Engelszungen zur Rückkehr überredete Italien, mit einem furchtbaren Bar-Jazz-Geklimper beim Publikum auf Rang 11 landend, von den Jurys auf den Silbermedaillenplatz hochgejazzt wurde, fest davon ausging, dass es ausdrückliche Pflichtaufgabe dieser Institution sei, neben dem Bestrafen von auswanderungsstarken Ländern wie z.B. Polen oder Armenien (als Ausgleich zum Diasporavoting) auch die nach wie vor wackeligen römischen Raggazzi bei der Stange zu halten. So kann man sich täuschen!

Schleimten Europas Schwuppen und Weibsvolk erfolgreich voll: ESC-Publikumssieger Il Volo (IT)

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The King of Fun: zweites Semi 2015

Na, das war aber auch an der Zeit! Da musste erst ein kerniger siebzehnjähriger ‚Golden Boy‘ aus Tel Aviv kommen, um den Fluch von ‚Ding-Dong‘Dana (IL 1998, 2011) abzuschütteln und die Israelis nach einer fünfjährigen Durststrecke endlich wieder ins Gelobte Land zu führen. Dramaturgisch geschickt hatte sich der ORF die Verkündung des Finaleinzugs von Nadav Guedj bis ganz am Schluss aufgehoben, und der kollektive Erleichterungsschrei aus über zehntausend Fankehlen ließ die Wiener Stadthalle beinahe in ihren Grundfesten erbeben. Wäre Israel diesmal wieder kleben geblieben, hätte ich auch endgültig den Glauben an die Menschheit verloren. Doch dazu erwies sich die Mischung aus goldenen Schuhen (schon für Schweden 1984 ein Siegesrezept), jugendlicher Energie, bewährter israelischer Engtanzchoreografie, genialen Textzeilen wie „Before I leave / let me show you Tel Aviv“ (sehr gerne!) und dem lustigen Selfie zum Songfinale als zu unwiderstehlich. Daher heute keine Publikumsbeschimpfung, sondern ein herzliches: danke, Europa!

Schön auch die subtile Homoerotik in Nadavs Tanzmoves bei „Do you like my Dancing?“ bei 1:45 Minuten. Yes, Honey, we do! (IL)

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