Streit um Namens­rech­te: die Türk­vi­zyon auf Tauch­sta­ti­on

Die­ser Tage (die genaue­ren Anga­ben schwank­ten zuletzt irgend­wo zwi­schen dem 19. und dem 30. August 2017) soll­te in Asta­na, der Haupt­stadt Kasach­stans, eigent­lich die vier­te Aus­ga­be der Türk­vi­zyon über die Büh­ne gehen, des vom Staats­fern­se­hen TRT nach dem Vor­bild des Euro­vi­si­on Song Con­tests erst­mals 2013 ange­scho­be­nen Musik­wett­be­werbs der Turk­völ­ker, zu dem sich in die­sem Jahr nach einer Mel­dung von Euro­voix über 30 Län­der, Teil­re­pu­bli­ken und Volks­grup­pen ange­mel­det hat­ten. Doch dar­aus wird wohl vor­erst nichts: auf­grund einer gericht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung um die Namens­rech­te ver­schiebt sich die bereits 2016 aus­ge­fal­le­ne Show erneut auf unbe­stimm­te Zeit. Wie die Web­site ESCape News bereits vor zwei Mona­ten rap­por­tier­te, habe der Musi­ker Furat Emir TRT erst­mals im Jah­re 2014 wegen der Nut­zung sei­nes angeb­li­chen geis­ti­gen Eigen­tums ver­klagt. Emir behaup­te, das Kon­zept eines von ihm “Tur­ka­vi­si­on” genann­ten Con­tests ent­wi­ckelt zu haben. Im Febru­ar 2017 sprach ihm ein Gericht der Web­site zufol­ge in ers­ter Instanz die Namens­rech­te und eine Ent­schä­di­gung in Höhe von umge­rech­net rund 6.000 € für die bis­he­ri­ge Ver­wen­dung zu. Seit­her befin­det sich das tür­ki­sche Fern­se­hen – die Ver­ant­wor­tung für die Türk­vi­zyon liegt seit 2014 beim zur TRT-Sen­der­grup­pe gehö­ren­den Musik­ka­nal TMB – auf Tauch­sta­ti­on, ver­mut­lich fin­det hin­ter den Kulis­sen ein zähes Gescha­cher um eine finan­zi­el­le Kom­pen­sa­ti­on für die künf­ti­gen Nut­zungs­rech­te statt, bei dem bei­de Sei­ten offen­bar auf Zeit spie­len. Auch der You­tube-Kanal des Sen­ders ist von der Aus­ein­an­der­set­zung betrof­fen. Ob der Wett­be­werb, an dem auch Deutsch­land teil­nimmt, über­haupt noch mal statt­fin­det, bleibt abzu­war­ten. Die Ver­an­stal­tungs­rei­he scheint seit ihrer Erst­aus­ga­be ohne­hin nach­hal­tig vom Unglück ver­folgt: erst vor weni­gen Tagen erschüt­ter­te die Mel­dung die tür­ki­sche Öffent­lich­keit, dass der Mode­ra­tor der letz­ten, in Istan­bul abge­hal­te­nen Türk­vi­zyon 2015, Vat­an Şaş­maz, von sei­ner mut­maß­li­chen Gelieb­ten Filz Aker in einem Hotel­zim­mer nach einem laut­star­ken Streit mit meh­re­ren Schüs­sen getö­tet wur­de. Aker beging anschlie­ßend Selbst­mord.

Und hier zur Erin­ne­rung an bes­se­re Türk­vi­zyons-Tage einer ihrer kul­tigs­ten Bei­trä­ge: Trip­pi­ger Keh­len­ge­sang aus Keme­row.

Türk­vi­zyon wird nach Kasach­stan ver­legt

Wäh­rend sich im Zuge der aktu­el­len Euro­vi­si­ons­kri­se in der Ukrai­ne sicher­lich eini­ge Fans wün­schen, die EBU möge dem Land den Wett­be­werb weg­neh­men und in letz­ter Minu­te woan­ders­hin trans­fe­rie­ren (was nicht gesche­hen wird: wer soll das jetzt noch so schnell aus dem Boden stamp­fen kön­nen? und vor allem: wol­len?), zeich­net sich bei sei­nem osma­ni­schen Gegen­ent­wurf, der Türk­vi­zyon, etwas Ähn­li­ches ab. Der seit 2013 immer gegen Ende des Jah­res statt­fin­den­de Musik­wett­be­werb der Turk­völ­ker soll­te 2016 eigent­lich in Istan­bul (oder einer ande­ren tür­ki­schen Stadt, so genau stand das bis zuletzt nicht fest) über die Büh­ne gehen, wur­de auf­grund der aktu­el­len poli­ti­schen Umwäl­zun­gen in Erdo­gans Sul­ta­nat aber bis auf Wei­te­res ver­scho­ben. Nun ver­mel­det Euro­voix, dass die Türk­vi­zyon statt­des­sen 2017 in der kasa­chi­schen Haupt­stadt Asta­na statt­fin­den sol­le. Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung fehlt indes noch, und auch ein genau­es Datum gibt es noch nicht. Aller­dings heißt es, dass die Show in die prunk­vol­le Welt­aus­stel­lung Expo ein­ge­bun­den wer­den sol­le, die zwi­schen dem 10. Juni und dem 10. Sep­tem­ber 2017 in der ehe­ma­li­gen rus­si­schen Repu­blik ihre Zel­te auf­schlägt und heu­er unter dem Mot­to “Nach­hal­ti­ge Ener­gie” steht. Kasach­stan gewann die Türk­vi­zyon im Jah­re 2014 mit dem fan­tas­ti­schen ‘Іzіn kөrem’ von der hin­rei­ßen­den Zha­nar Dugal­o­va. 21 Natio­nen, Repu­bli­ken oder Turk­völ­ker hat­ten bis­lang ihre Teil­nah­me für 2016 zuge­sagt. Dar­un­ter Deutsch­land, das von dem in Köln leben­den Sey­ran ver­tre­ten wird, den die Gäs­te des Fan­club­tref­fens des EC Ger­ma­ny bereits im Novem­ber 2016 ken­nen­ler­nen durf­ten. Auch das Mut­ter­land der Euro­vi­si­on, Schwe­den, soll heu­er erst­mals ver­tre­ten sein. Wenn denn die aus­ge­wähl­ten Künstler/innen auch alle im Som­mer 2017 noch kön­nen und wol­len. Bestä­tigt sich die­se Mel­dung, ent­puppt sich die neue Ter­mi­nie­rung aller­dings als Glücks­fall: fie­le der herr­lich skur­ri­le Gegen-Wett­be­werb dann genau in die klas­si­sche Pha­se der PED (Post Euro­vi­si­on Depres­si­on), der Zeit zwi­schen dem Fina­le der euro­päi­schen Fest­spie­le und dem Sai­son­auf­takt der nach­fol­gen­den Vor­ent­schei­dungs­run­den für 2018. Wie wun­der­bar!

Prä­si­den­ten­treu: die Türk­vi­zyons­sie­ge­rin von 2014 aus Kasach­stan

[UPD]: Rück­tritt bei der Türk­vi­zyon 2016

Es ist voll­bracht: mit der Anmel­dung Mol­da­wi­ens zum Gesangs­wett­be­werb der Turk­völ­ker wur­de die bis­he­ri­ge Par­ti­zi­pan­ten-Höchst­mar­ke aus dem Jahr 2014 über­bo­ten. 26 25 Län­der, Regio­nen oder Volk­grup­pen tre­ten nach der­zei­ti­gem Stand zwi­schen dem 14. und 18. Dezem­ber 2016 in Istan­bul beim vier­ten osma­ni­schen Wett­sin­gen gegen­ein­an­der an. Die­ses Zeit­fens­ter nann­te jeden­falls unlängst die let­ti­sche Türk­vi­y­zons-Teil­neh­me­rin Oks­a­na Bile­ra, wäh­rend sich die tür­ki­schen Orga­ni­sa­to­ren wei­ter­hin in Schwei­gen hül­len, was die Ter­mi­ne und den Aus­tra­gungs­ort angeht – bis dato fie­len neben der Bos­po­rus-Metro­po­le auch die Namen Anka­ra und Anta­lya.

Update: Näm­li­ches Schwei­gen scheint zum Pro­blem zu wer­den – wie Euro­voix soeben ver­mel­de­te, zog Cha­kas­si­en mut­maß­lich auf­grund der man­geln­den Kom­mu­ni­ka­ti­on der Ver­an­stal­ter heu­te sei­ne Teil­nah­me zurück. Ire­nek Khan, die Ende Okto­ber in einem Vor­ent­scheid aus­ge­wähl­te Band, darf damit nicht nach Istan­bul fah­ren. Damit ist der vor weni­gen Minu­ten gemel­de­te Teil­neh­mer­re­kord vor­erst hin­fäl­lig. Auch an der Bala Türk­vi­zyon, dem Kin­der­wett­be­werb, wol­len sich die Cha­kas­sen 2016 nicht betei­li­gen.

15 14 Grup­pen und Sänger/innen sind bis­lang nament­lich bekannt, dar­un­ter der deut­sche Reprä­sen­tant Sey­ran, der erst heu­te im Inter­view mit Irving “Dr. Euro­vi­si­on” Wol­ther erzähl­te, dass er für Istan­bul noch zwi­schen einer Bal­la­de und einem Uptem­po­song schwan­ke, auf jeden Fall aber “den Turk­vi­si­on Song Con­test gewin­nen und nach Deutsch­land holen” wol­le. Ich drü­cke die Dau­men!

Lässt die Son­ne schei­nen: Deutsch­lands Türk­vi­zyons-Ver­tre­ter Sey­ran (Reper­toire­bei­spiel)

wei­ter­le­sen[UPD]: Rück­tritt bei der Türk­vi­zyon 2016

Jama­la war nicht genug: wohl kei­ne tür­ki­sche ESC-Rück­kehr

So lang­sam füllt sich das Teil­neh­mer­feld für die vier­te Aus­ga­be des osma­ni­schen Lie­der­wett­streits Türk­vi­zyon, der im Dezem­ber 2016 statt­fin­den soll – auch wenn bis­lang noch immer kein kon­kre­ter Ter­min für die Sen­dung fest­steht und noch nicht ein­mal Istan­bul als (erneu­ter) Aus­tra­gungs­ort hun­dert­pro­zen­tig sicher ist. Des­sen­un­ge­ach­tet fan­den ges­tern in der auto­no­men mol­da­wi­schen Regi­on Gag­au­si­en und in der rus­si­schen Repu­blik Cha­kas­si­en Vor­ent­schei­dun­gen statt. In der gag­ausi­schen Haupt­stadt Com­rat setz­te sich bei der rei­nen Inter­pre­ten­aus­wahl nach einer Mel­dung von Euro­voix die Sän­ge­rin Julia Arnaut gegen elf Konkurrent/innen durch. Ihr wird nun ein spe­zi­ell für die Türk­vi­zyon kom­po­nier­ter Song auf den Leib geschnei­dert. In Abakan, der Metro­po­le Cha­kas­si­ens, gewann die Folk­rock­band Ire­nek Khan die Wahl. Ihr Song steht bereits fest: er heißt ‘Kukush­ka’ (‘Kuckuck’), kann aber lei­der nicht an die musi­ka­li­sche Güte des gleich­na­mi­gen ukrai­ni­schen Vor­ent­schei­dungs­bei­trags von 2011, gesun­gen von der fabel­haf­ten Zla­ta Ogne­vich (→ UA 2013), anschlie­ßen. Damit ken­nen wir bis­lang die Namen von acht Repräsentant/innen und von zwei Bei­trä­gen für die Ersatz-Euro­vi­si­on der Turk­völ­ker. 22 Län­der, Regio­nen oder Eth­ni­en haben bis­lang zuge­sagt, dar­un­ter Deutsch­land, das vom Köl­ner Sey­ran Ismay­ilkha­nov ver­tre­ten wird.

Len­ny Kuhr trifft Yük­sek Sada­kat: die cha­kas­si­sche Band Ire­nek “Cha­ka” Khan ver­tritt die Repu­blik bei der Türk­vi­zyon 2016

wei­ter­le­senJama­la war nicht genug: wohl kei­ne tür­ki­sche ESC-Rück­kehr

Türk­vi­zyon 2016: rus­si­sche Repu­bli­ken keh­ren zurück

Wäh­rend Euro­pa gera­de aus­ein­an­der­drif­tet und der ein­zi­ge schwa­che Trost im Hin­blick auf den unglück­se­li­gen Bre­x­it dar­in liegt, dass wir nach der nun immer wahr­schein­li­cher wer­den­den Abspal­tung Schott­lands vom Unei­ni­gen König­reich dem­nächst viel­leicht ein neu­es Land beim Euro­vi­si­on Song Con­test begrü­ßen kön­nen, gibt es im eura­si­schen Raum zumin­dest einen klei­nen Licht­blick in der dor­ti­gen deso­la­ten Lage. Nach­dem sich der tür­ki­sche Sul­tan Staats­chef Erdoğan am ver­gan­ge­nen Mon­tag not­ge­drun­gen und ent­ge­gen sei­ner frü­he­ren Absich­ten für den Abschuss eines rus­si­schen Kampf­jets an der Gren­ze zu Syri­en im Novem­ber 2015 ent­schul­dig­te, hob der rus­si­sche Zar Prä­si­dent Putin am Mitt­woch, kurz nach dem schreck­li­chen Bom­ben­an­griff auf den Flug­ha­fen in Istan­bul, die ver­häng­ten Wirt­schafts­sank­tio­nen gegen den Staat am Bos­po­rus wie­der auf, wie unter ande­rem die Zeit berich­te­te. Heu­te erklär­ten fol­ge­rich­tig die rus­si­schen Teil­re­pu­bli­ken und Regio­nen Altai, Basch­kor­to­stan, Dage­stan, Bal­ka­ri­en, Cha­kas­si­en, Staw­ro­pol (Nogai­er), Tatar­stan, Tuwa, Jaku­ti­en sowie die annek­tier­te Krim, die im Dezem­ber letz­ten Jah­res auf Geheiß von Mos­kau dem osma­ni­schen Gesangs­wett­be­werb fern­blei­ben muss­ten, an der nächs­ten Türk­vi­zyon wie­der teil­zu­neh­men. Die bereits für 2015 aus­ge­wähl­ten Künstler/innen sol­len nun in die­sem Jahr zum Zuge kom­men.

Hier der fabel­haf­tes­te Türk­vi­zyons-Bei­trag 2015 aus Syri­en

[UPD] Die Türk­vi­zyon reist nicht mehr

Wie Euro­voix heu­te unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung des tür­ki­schen Musik­sen­ders TMB ver­kün­de­te, soll die vier­te Aus­ga­be des osma­ni­schen Gegen­ent­wurfs zum Euro­vi­si­on Song Con­test im Dezem­ber 2016 in der Tür­kei statt­fin­den. Man erwar­te bis zu 30 Teilnehmer/innen, wobei die span­nen­de Fra­ge bleibt, ob die rus­si­schen Teil­re­pu­bli­ken, die 2015 auf Wei­sung Putins stor­nie­ren muss­ten, dies­mal dabei sind. Ursprüng­lich war die Aus­rich­tung der 2013 erst­mals ver­an­stal­te­ten Türk­vi­zyon mit dem jähr­lich wei­ter­wan­dern­den Titel der Kul­tur­haupt­stadt der tür­ki­schen Welt, ver­lie­hen von der Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on Türks­oy, ver­knüpft. Wes­we­gen die ers­ten bei­den Aus­ga­ben des Wett­be­werbs auch fol­ge­rich­tig in Eskişe­hir (Ana­to­li­en, Tür­kei) und Kasan (Tatar­stan, Russ­land) statt­fan­den. 2015 wur­de die Türk­vi­zyon aller­dings aus unge­nann­ten Grün­den von Mery (Turk­me­ni­stan) nach Istan­bul ver­legt. In die­sem Jahr trägt das aser­bai­dscha­ni­sche Städt­chen Şəki den Titel der Kul­tur­haupt­stadt der tür­ki­schen Welt. Wes­we­gen man die Türk­vi­zyon und ihre Kin­der­aus­ga­be, die Bala Türk­vi­zyon, nicht dort oder, wie direkt im Anschluss an das Fina­le 2015 ver­kün­det, in Baku aus­rich­tet, ist nicht bekannt. Auch das genaue Aus­tra­gungs­da­tum und der Ort ste­hen noch nicht fest.

Nach­trag (23.04.2016): Wie euro­voix heu­te unter Bezug­nah­me auf das tür­ki­sche Por­tal Euro­vi­si­ondream berich­tet, soll die Türk­vi­zyon 2016 am sel­ben Ort statt­fin­den wie schon 2015: im Kemal Beyat­li Kul­tur­zen­tum in Istan­bul. Bleibt zu hof­fen, dass die Hal­le dies­mal recht­zei­tig geblockt wer­den kann, so dass die Büh­nen­ar­bei­ten noch vor den Pro­ben fer­tig wer­den…

Der Sie­ger­ti­tel der Türk­vi­y­zon 2015

San Mari­no: mit Lys an der Bar

Noch nach­zu­rei­chen gilt es den ges­tern vor­ge­stell­ten Bei­trag San Mari­nos. Der seit dem über­ra­schen­den Rück­zug des deut­schen Grand-Prix-Vete­ra­nen Ralph Sie­gel vakan­te Slot des dor­ti­gen “Über­nimm sämt­li­che Kos­ten, dann neh­men wir Dein Lied”-Arrangements ging in die­sem Jahr an den fran­zö­si­schen Mode­schöp­fer Thier­ry Mug­ler, wes­we­gen die Pres­se­kon­fe­renz zur erst­ma­li­gen öffent­li­chen Prä­sen­ta­ti­on des san­ma­ri­ne­si­schen Bei­trags auch in Paris statt­fand. Denn mit dem klei­nen ita­lie­ni­schen Berg­dörf­chen / Mini­staat hat der Song ohne­hin nichts zu tun: der Text von ‘I didn’t know’ stammt vom Grie­chen Nek­ta­ri­os Tyra­kis, der Kom­po­nist Olca­y­to Ahmet Tuğ­suz stammt eben­so aus der Tür­kei wie der Inter­pret Ser­hat Hacıpaşalıoğlu. Neben der für den Con­test pro­du­zier­ten eng­li­schen Ver­si­on sind auch noch eine ita­lie­ni­sche und eine fran­zö­si­sche Fas­sung sowie diver­se Dis­co-Remi­xe vor­ge­se­hen. Auf die bin ich beson­ders gespannt, denn das Ori­gi­nal, eine von Ser­hat hei­ser geras­pel­te Kla­vier­bal­la­de, evo­ziert vor mei­nem geis­ti­gen Auge unwei­ger­lich ver­wa­sche­ne Schwarz­weiß­bil­der, auf denen Lys Assia in einem geschmack­vol­len Cock­tail­kleid zu sehen ist, wie sie zur blau­en Stun­de in der Bar des Hotel Impe­ri­al an ihrem Old Fashio­ned nippt, wäh­rend im Hin­ter­grund der Bom­ben­ha­gel des Zwei­ten Welt­kriegs näher rückt. Oder so. Jeden­falls gäbe ‘I didn’t know’ den per­fek­ten Sound­track für einen Film der Schwar­zen Serie ab, denn aus die­ser Zeit scheint auch die Musik zu stam­men.

Dr. Idid­nt­know, der Arzt, den die Frau­en ver­hau­en

wei­ter­le­senSan Mari­no: mit Lys an der Bar

Go, wild Dan­ces: Kir­gi­si­en gewinnt die Türk­vi­zyon 2015

Die zen­tral­asia­ti­sche Repu­blik Kir­gi­si­en (ande­re Schrei­bung: Kir­gi­si­stan) gewann heu­te die drit­te Aus­ga­be des in Istan­bul aus­ge­tra­ge­nen Song Con­tests der Turk­völ­ker, der Türk­vi­zyonJii­desh İdir­i­so­va, eine Art mon­go­li­scher Rus­la­na-Klon, über­zeug­te die Juro­ren mit einer star­ken Stim­me, einer hoch ener­ge­ti­schen Cho­reo­gra­fie mit vie­len leder­be­pack­ten Tän­zern, kraft­vol­len Rhyth­men und groß­zü­gig ein­ge­streu­ten “Huh“s und “Ha“s. Also ‘Wild Dan­ces’ (UA 2004) auf osma­nisch. Der­ya Kap­tan, die deut­sche Ver­tre­te­rin, erreich­te mit einer etwas sper­ri­gen Bal­la­de in Ange­den­ken an die Opfer eines unlängst in der Tür­kei statt­ge­fun­de­nen Ter­ror­an­schlags einen acht­ba­ren elf­ten Platz und konn­te sich zudem über einen Son­der­preis für den “anspruchs­volls­ten Bei­trag” freu­en. Gute drei Stun­den dau­er­te die Show mit 21 Teilnehmer/innen, die sich von aller­lei tech­ni­schen Unzu­läng­lich­kei­ten wie einer kata­stro­pha­len Licht­re­gie – vie­le der Sänger/innen stan­den per­ma­nent im Schat­ten, wäh­rend die Backings glei­ßend aus­ge­leuch­tet wur­den – und einer inkon­sis­ten­ten Dra­ma­tur­gie sowie dem auf­fäl­li­gen Ein­satz des Halb­play­backs geprägt zeig­te.

Sade hat ange­ru­fen und will ihre Zopf­fri­sur zurück: Türk­vi­y­zonssie­ge­rin Jii­desh (KG)

wei­ter­le­senGo, wild Dan­ces: Kir­gi­si­en gewinnt die Türk­vi­zyon 2015

Türk­vi­zyon 2015: kei­ne Rus­sen – kein Semi

Nach dem Rück­zug sämt­li­cher rus­si­scher Regio­nen von der dies­jäh­ri­gen Türk­vi­y­zon in Istan­bul hat der ver­an­stal­ten­de Sen­der TMB das für Don­ners­tag geplan­te Semi­fi­na­le gestri­chen. Die ver­blie­be­nen 22 Teilnehmer/innen – wie schon bei der Pre­miè­re 2013 wird nun auch das völ­ker­recht­lich umstrit­te­ne Koso­vo wie­der dabei sein – tre­ten nun am kom­men­den Sams­tag direkt gegen­ein­an­der an, ohne Vor­de­zi­mie­rung. Die Ent­schei­dung über­rascht ein wenig, schließ­lich nah­men in den bei­den letz­ten Jah­ren auch ohne Boy­kott nur zwei bzw. drei Län­der mehr teil, den­noch gab es jeweils eine Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de, mit der die Zahl der Fina­lis­ten auf 12 bzw. 15 redu­ziert wur­de. Aller­dings dräng­te sich bereits da der Ver­dacht auf, dass das Semi haupt­säch­lich die Funk­ti­on haben könn­te, die rus­si­schen Regio­nen raus­zu­drän­gen, daher braucht man natür­lich dies­mal kei­nes. Die ers­ten Künstler/innen tru­del­ten bereits in Istan­bul ein, so auch die deut­sche Ver­tre­te­rin Der­ya Kap­tan. Und auch das Gast­ge­ber­land schaff­te es ges­tern end­lich, sei­nen Ver­tre­ter zu benen­nen: den wei­test­ge­hend unbe­kann­ten Sän­ger Gör­kem Durmaz.

Der aser­bai­dscha­ni­sche Bei­trag trägt den Ver­an­stal­tungs­ort in sich

wei­ter­le­senTürk­vi­zyon 2015: kei­ne Rus­sen – kein Semi

Tür­kei auch 2016 nicht dabei

Erwart­bar, den­noch trau­rig: nicht ein­mal zwei Tage, nach dem die reli­gi­ös-kon­ser­va­ti­ve Par­tei AKP des immer abso­lu­tis­ti­scher herr­schen­den tür­ki­schen Prä­si­den­ten Recep Tayy­ip Erdoğan bei den vor­ge­zo­ge­nen Neu­wah­len die abso­lu­te Mehr­heit hol­te, sag­te das Staats­fern­se­hen TRT die Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test 2016 in Schwe­den ab. Man zür­ne in Istan­bul noch immer hin­sicht­lich der Wie­der­ein­füh­rung der Jury und der Big-Five-Rege­lung, die das zu Zei­ten rei­nen Tele­vo­tings erfolgs­ver­wöhn­te Land am Bos­po­rus unan­ge­mes­sen benach­tei­li­ge, so zitiert Euro­voix den Fan­club OGAE Tur­key. Aus näm­li­chem Grund war man 2013 aus­ge­stie­gen, seit­her gab es meh­re­re Anbah­nungs­ge­sprä­che zwi­schen der EBU und TRT, zwi­schen­zeit­lich stan­den die Zei­chen auf Tau­wet­ter. Frag­lich ist, ob das Wahl­er­geb­nis vom Sonn­tag und die nun zu erwar­ten­de wei­te­re kul­tu­rel­le Abwen­dung des Lan­des von Euro­pa nicht der eigent­li­che Aus­lö­ser für die erneu­te Absa­ge waren. Bedau­er­lich bleibt sie auf jeden Fall.

Nur einer von vie­len fan­tas­ti­schen tür­ki­schen Bei­trä­gen: Bana bana (1989)