ESC 1996: Bin fieb­rig vor Ver­lan­gen

Logo des Eurovision Song Contest 1996
Der Genick­bruch der Jurys

Für ein deut­lich höhe­res Inter­es­se als das eigent­li­che Teil­neh­mer­feld sorg­te in die­sem Jahr der Aus­wahl­skan­dal im Vor­feld des Wett­be­werbs. Nach der Erwei­te­rung der EBU gen Ost­eu­ro­pa, wo bei­na­he stünd­lich neue Staa­ten ent­stan­den, woll­ten heu­er 30 Län­der mit­ma­chen beim Grand Prix Euro­vi­si­on. Soll­te die Ver­an­stal­tung, die laut Regle­ment erst um 21 Uhr MEZ anfan­gen darf[ref]Das ent­spricht 20 Uhr bri­ti­scher Zeit, dem Beginn der Prime­time bei der BBC, die bei der Fest­le­gung die­ser Zeit­mar­ke das Sagen hat­te. Wes­we­gen die ARD die Lücke zwi­schen tages­schau und ESC immer mit die­ser schlim­men Grand-Prix-Par­ty über­brü­cken muss. Schlech­ter traf es aller­dings die nach­träg­lich dazu­ge­kom­me­nen Ost­län­der: in Mos­kau beginnt die Show um 23 Uhr, in Baku (Aser­bai­dschan) gar erst um Mitternacht.[/ref], nicht bis tief in die Nacht aus­ge­dehnt wer­den, muss­te man das Teil­neh­mer­feld begren­zen. Bis­lang bedeu­te­te das für die schlech­test­plat­zier­ten Län­der des Vor­jah­res, jeweils eine Run­de aus­zu­set­zen, doch dies­mal hat­te man eine neue Idee.

Wei­ter­le­senESC 1996: Bin fieb­rig vor Ver­lan­gen

ESC 1991: Hier decke ich den Tisch

Logo des Eurovision Song Contest 1991
Das gla­mou­rö­se Jahr

Mit einer Hym­ne auf das neu ver­ein­te Euro­pa (‘Insie­me: 1992’) hat­ten die Ita­lie­ner im Vor­jahr die­ses merk­wür­di­ge Wett­sin­gen gewon­nen, das bekannt­lich auf dem Vor­bild ihres heiß­ge­lieb­ten San-Remo-Fes­ti­vals basiert. Da lag es auf der Hand, sel­bi­gem Vor­bild zu hul­di­gen und den Con­test in näm­li­chem ligu­ri­schen Kur­ort aus­zu­tra­gen. Doch je näher das Ereig­nis her­an­rück­te, des­to stär­ker nag­ten die Zwei­fel: wür­de man mit die­sem obsku­ren Euro­trash­spek­ta­kel in der gehei­lig­ten Stät­te des Aris­ton-Thea­ters zu San Remo nicht das Anse­hen des im Lan­de wesent­lich belieb­te­ren Ori­gi­nals beschmut­zen? Woll­te man sich als selbst emp­fun­de­ner kul­tu­rel­ler Nabel Euro­pas wirk­lich die­se Laus in den Pelz set­zen? Also ver­leg­te die RAI die Show in letz­ter Sekun­de nach Rom.

Wei­ter­le­senESC 1991: Hier decke ich den Tisch

ESC 1989: Why do they always get it wrong?

Logo des Eurovision Song Contest 1989
Das Jahr des Super­trashs

Ein Jahr­gang, der mich wie kein zwei­ter gespal­ten hin­ter­lässt: einer­seits unglaub­lich reich an Spit­zen­er­zeug­nis­sen des Trashs und der unfrei­wil­li­gen Komik und damit ein ernst­haf­ter Anwär­ter auf die Top Five mei­ner Lieb­lings­con­tests. Ande­rer­seits rui­niert durch rund­weg skan­da­lö­se Jury­ent­schei­dun­gen und den unge­recht­fer­tigs­ten Sie­ger­ti­tel aller Zei­ten. Doch begin­nen wir mit den amü­san­ten Sei­ten die­ses Con­tests: das eid­ge­nös­si­sche Fern­se­hen unter­hielt die Zuschauer/innen zum Auf­takt und in den Post­kar­ten mit idyl­li­schen Kli­schee­bil­dern über Ber­ge, Kühe, Ber­ge, Käse, Ber­ge, Uhren, Ber­ge, Alp­hör­ner, Ber­ge, das Hei­di und Ber­ge – was man sich eben unter der Schweiz so vor­stellt! Ban­ken­nie­der­las­sun­gen mit dis­kre­ten Kon­ten für das Blut­geld aus den Dik­ta­tu­ren die­ser Welt oder die schwar­zen Kas­sen der CDU spar­te man hin­ge­gen aus.

Wei­ter­le­senESC 1989: Why do they always get it wrong?

ESC 1988: Gib mir mei­ne Chan­ce

Logo des Eurovision Song Contest 1988
Das Jahr der Herz­schlag­wer­tung

Schon ein­mal, 1974, fun­gier­te der Euro­vi­si­on Song Con­test als Sprung­brett für eine inter­na­tio­na­le Musik­kar­rie­re der Super­la­ti­ve: sei­ner­zeit für das schwe­di­sche Quar­tett Abba. In Dub­lin, wo der Wett­be­werb bereits zum drit­ten (wenn auch nicht zum letz­ten) Mal statt­fand, leg­te eine im Hei­mat­land bereits erfolg­rei­che, bei uns bis dato jedoch völ­lig unbe­kann­te Fran­ko­ka­na­die­rin namens Céli­ne Dion den Grund­stein zu ihrer Welt­kar­rie­re. Sie hol­te den Sieg als Gast­sän­ge­rin für die Schweiz mit dem Mus­ter­bei­spiel eines klas­si­schen fran­ko­phi­len Gefühls­sturms, ‘Ne par­tez pas sans moi’, für mei­nen Geschmack das schöns­te Exem­plar die­ser viel­ge­lieb­ten, wenn­gleich mitt­ler­wei­le hoff­nungs­los ver­al­te­ten Musik­gat­tung.

Wei­ter­le­senESC 1988: Gib mir mei­ne Chan­ce

ESC 1987: Is het een orka­an?

Logo des Eurovision Song Contest 1987
Das Jahr der Wie­der­kehr

Der Brüs­se­ler Con­test – ein ein­zi­ges Déjà Vu: der­sel­be Sie­ger wie schon 1980; die glei­chen deut­schen Teil­neh­mer wie schon 1985, die wie­der­um die­sel­be Plat­zie­rung erreich­ten wie bereits zwei Jah­re zuvor, näm­lich den zwei­ten Rang. Erneut erhiel­ten wir nur einen Punkt aus der Schweiz – auch das war man gewohnt. Dies­mal spiel­te es aber kei­ne Rol­le mehr: selbst mit zwölf hel­ve­ti­schen Zäh­lern hät­ten Wind (DE 1985, 1992, DVE 1998, 1999) nicht mehr gewon­nen. ‘Lass die Son­ne in Dein Herz’, für des­sen stump­fe Gleich­schritts­prä­sen­ta­ti­on Ralph Sie­gel eigens für teu­er Geld eine “eng­li­sche Cho­reo­gra­fin, aus Eng­land” enga­giert habe, wie er in einem ARD-Spe­cial stolz erzähl­te, hass­te ich eigent­lich immer abgrund­tief. Bis zur 50-Jah­re-ESC-Fei­er Congra­tu­la­ti­ons in Kopen­ha­gen: dort wur­de ich bei der fröh­li­chen, knall­vol­len After-Show-Par­ty im Jail­house Zeu­ge, wie ein äußerst knuf­fi­ger, rand­voll mit Bier und Jäger­meis­ter abge­füll­ter Däne den Sie­gel-Schla­ger inbrüns­tig mit­träl­ler­te. Auf deutsch und mit sehr nied­li­chem däni­schen Akzent. Ich weiß auch nicht, war­um, aber seit­her mag ich die Num­mer irgend­wie!

Wei­ter­le­senESC 1987: Is het een orka­an?

ESC 1983: Wie­der holen ist gestoh­len

Logo des Eurovision Song Contest 1983
Das ver­fluch­te Jahr

Drei früh­zei­tig dahin­ge­schie­de­ne Teilnehmer/innen; zwei Nil­poin­ter; der ers­te kom­mer­zi­ell erfolg­lo­se Sie­ger­ti­tel seit über zwan­zig Jah­ren; ein Büh­nen­bild wie das Innen­le­ben eines Heiz­lüf­ters und eine sich stän­dig ver­has­peln­de Gast­ge­be­rin: es scheint, als läge ein Fluch über der Mün­che­ner Ver­an­stal­tung. Dabei woll­te man doch alles rich­tig machen und sich inter­na­tio­nal prä­sen­tie­ren nach dem ers­ten Sieg Deutsch­lands mit Nico­le. Deren so gut ange­kom­me­ne “spon­ta­ne” Ges­te, ihren Titel bei der Sie­ger­re­pri­se in meh­re­ren Spra­chen zu sin­gen, inspi­rier­te die als Mode­ra­to­rin gebuch­te Tän­ze­rin Mar­lè­ne Cha­rell (gebo­ren als Ange­la Miebs in Win­sen an der Luhe), es ihr gleich­zu­tun.

Wei­ter­le­senESC 1983: Wie­der holen ist gestoh­len

ESC 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

Logo Eurovision Song Contest 1982
Das Jahr des Bruchs

1982: eine magi­sche Zahl für Deutsch­land, ein natio­na­les Trau­ma. Nicht nur, weil sich damals ein bir­nen­för­mi­ger Oggers­hei­mer anschick­te, das Land mit einer sech­zehn Jah­re wäh­ren­den Schre­ckens­herr­schaft zu über­zie­hen. Viel wich­ti­ger: wir gewan­nen den Grand Prix! Zum ers­ten – und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Mey­er-Land­rut die Wach­ab­lö­sung voll­zog und die Ära Sie­gel been­de­te, fest glaub­te, auch zum letz­ten – Mal. Der Con­test zog von den bis­her meist als Aus­tra­gungs­ort aus­ge­wähl­ten Haupt­städ­ten in die tiefs­te bri­ti­sche Pro­vinz nach Hor­ror­ga­te Har­ro­ga­te. Wie pas­send, denn pro­vin­zi­ell mute­te auch das musi­ka­li­sche Auf­ge­bot an.

Wei­ter­le­senESC 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

ESC 1981: Take you from behind

Logo Eurovision Song Contest 1981
Das Jahr des Trick­kleids

Die Deut­schen schäum­ten vor Zorn, waren auf­rich­tig erbost! Im Land wei­len­de Schwei­zer zeig­ten sich im April 1981 gut bera­ten, ihre Her­kunft zu ver­schwei­gen. Nach­dem wir schon im Vor­jahr nur knapp an der Euro­vi­si­ons­kro­ne vor­bei­schramm­ten, gin­gen wir dies­mal um so sie­ges­si­che­rer ins Ren­nen. Eine so wun­der­ba­re Rühr­schnul­ze mit Behin­der­ten­mit­leids­bo­nus hat­ten wir extra gewählt, und die mit unüber­hör­bar frän­kisch rol­len­dem “R” into­nie­ren­de (“Die Jun­gen dort drr­rau­ßen, die rrrie­fen nur hin­ter ihm her”) Lena Valai­tis sang sau­ber, wohl­tim­briert und vol­ler Lei­den­schaft und Anmut die bit­ter­sü­ße Bal­la­de vom blin­den Jun­gen ‘John­ny Blue’ direkt in alle Her­zen hin­ein. Selbst die Buch­ma­cher sahen uns ganz vor­ne.

Wei­ter­le­senESC 1981: Take you from behind

ESC 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

Logo des Eurovision Song Contest 1979
Das Jahr der deut­schen Schan­de

Hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen ent­brann­ten im Vor­feld die­ses Jahr­gangs um den deut­schen Bei­trag. Aus­ge­rech­net nach Jeru­sa­lem mit einem Song zu fah­ren, der von einem gewalt­tä­ti­gen Impe­ra­to­ren han­delt und mit Text­zei­len wie “Sie tru­gen Angst und Schre­cken in jedes Land” auf­war­tet, zeug­te nicht eben von aus­ge­präg­tem geschicht­li­chen Fein­ge­fühl. Es hagel­te Pro­tes­te und Ver­bots­for­de­run­gen, man befürch­te­te eine Belas­tung der diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen und die dama­li­ge Fami­li­en­mi­nis­te­rin Ant­je Huber (SPD) gei­ßel­te den Text gar als “dumm und geschmack­los”. Ach was!

Wei­ter­le­senESC 1979: Er zeug­te sie­ben Kin­der in einer Nacht

ESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel

Logo des Eurovision Song Contest 1975
Das Jahr des dösen­den Orches­ters

Nach jah­re­lan­gen Dis­kus­sio­nen und etli­chen Fehl­ver­su­chen setz­te die EBU 1975 ein kom­plett neu­es Wer­tungs­ver­fah­ren für den belieb­tes­ten Musik­wett­be­werb der Welt in Kraft. Ein so erfolg­rei­ches, dass es sich bis heu­te hält: dass näm­lich aus jedem Land die zehn belieb­tes­ten Titel in auf­stei­gen­der Rei­hen­fol­ge Punk­te erhal­ten; die bei­den Lieb­lings­lie­der sogar noch einen Bonus, um einen mög­lichst ein­deu­ti­gen Sie­ger zu ermit­teln. 1–2‑3–4‑5–6‑7–8‑10–12, so lau­tet seit­her die magi­sche For­mel, “Dou­ze Points” das Maß aller Din­ge. Für Deutsch­land, das ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Initi­ie­rung die­ses Stan­dards hat­te, führ­te er bei sei­ner Pre­miè­re zu einem höchst ver­drieß­li­chen Ergeb­nis.

Wei­ter­le­senESC 1975: Nicht jeder kommt ans Ziel