Türk­vi­zyon: Eldar Zha­ni­ka­ev für Kabar­di­no-Bal­ka­ri­en

Vor weni­gen Tagen erst kam sie über­ra­schend als 21. Teil­neh­mer­land zum tür­ki­schen Gegen-Grand-Prix Türk­vi­zyon hin­zu: die im Nord­kau­ka­sus gele­ge­ne rus­si­sche Repu­blik Kabar­di­no-Bal­ka­ri­en. Deren Vor­ent­schei­dung fand inter­es­san­ter­wei­se in einem Restau­rant in der Haupt­stadt der Nach­bar­re­pu­blik Karat­sc­hai-Tscher­kes­si­en statt – wie Euro­voix schreibt, tei­len die bei­den Län­der nicht nur eine Vor­lie­be für unaus­sprech­li­che Bin­de­strich­na­men (tut sich hier eine neue Kar­rie­re­chan­ce für Ingrid Sabi­ne Leu­theus­ser-Schnar­ren­ber­ger als Kau­ka­sus­kö­ni­gin auf?), son­dern tre­ten auch als eine gemein­sa­me Regi­on beim tür­ki­schen Song Con­test an. Und zwar ver­tre­ten von Eldar Zha­ni­ka­ev, wel­cher der Jury unter zwölf Kom­bat­tan­ten als am “pro­fes­sio­nells­ten und far­ben­fro­hes­ten” erschien. Er kön­ne “die Ori­gi­na­li­tät moder­ner bal­ka­ri­scher Lie­der” am bes­ten trans­por­tie­ren, mein­te die Jury­vor­sit­zen­de Per­vina Sadi­gov. Über­zeu­gen Sie sich selbst: sein Song heißt ‘Imja tebe-che­lovek’.


Far­ben­froh und pro­fes­sio­nell: der Han­dy­m­it­schnitt vom Vor­ent­scheid

Türk­vi­zyon: neue Län­der und Sän­ger

Wie Euro­voix berich­tet, ist ein wei­te­res Land zum Teil­neh­mer­kreis der Türk­vi­zyon hin­zu gesto­ßen: die nörd­lich von Geor­gi­en gele­ge­ne rus­si­sche Teil­re­pu­blik Kaba­di­no-Bal­ka­ri­en. Die von knapp 900.000 Men­schen bewohn­te Regi­on gilt Wiki­pe­dia zufol­ge als eines der Zen­tren des isla­mis­ti­schen Extre­mis­mus und lei­det unter hoher Arbeits­lo­sig­keit und Armut. Die tür­kisch­stäm­mi­gen Bal­ka­ren machen etwa ein Ach­tel der Bevöl­ke­rung aus. Die bal­ka­ri­sche Vor­ent­schei­dung fin­de nach Anga­ben von Euro­voix mor­gen Nach­mit­tag in einem Restau­rant statt – und zwar in Tscher­kess, der Haupt­stadt der angren­zen­den Repu­blik Karat­sc­hai-Tscher­kes­si­en. Sehr merk­wür­dig, all das! Als gesi­chert darf hin­ge­gen die Teil­nah­me Tatarstans gel­ten. Die Wol­ga­re­pu­blik wird durch die Sän­ge­rin  Ali­ne Şerip­ca­no­va ver­tre­ten. Ihre Inau­gu­ra­ti­on erfolg­te vor lee­ren Zuschau­er­rän­gen: auf­grund eines Flug­zeug­ab­stur­zes mit 50 Toten, dar­un­ter dem Sohn des Regio­nal­fürs­ten, in der Haupt­stadt Kasan letz­te Woche herrscht in Tatar­stan Trau­er, die Vor­ent­schei­dung fand ohne Publi­kum statt. Ein kur­zer Aus­schnitt aus Ali­nes Bal­la­de ist hier bei Minu­te 1:15 zu sehen. Die auto­no­me ukrai­ni­sche Teil­re­pu­blik Krim schickt die Sän­ge­rin Elvi­ra Sari­ha­lil (ande­re Schrei­bung: Sarykha­lil) nach Eskişe­hir. Sie setz­te sich gegen 13 Kon­kur­ren­ten durch. Über ihren Titel war noch nichts in Erfah­rung zu brin­gen.


Elvi­ra Sari­ha­li ver­tritt die Krim bei der Türk­vi­zyon (Reper­toire­bei­spiel)

EBU ver­län­gert Frist für Grie­chen­land

Sicher­zu­stel­len, dass so vie­le Län­der wie mög­lich in Kopen­ha­gen teil­neh­men, hat für uns hohe Prio­ri­tät,” sag­te der EBU-Beauf­trag­te für den Euro­vi­si­on Song Con­test, Jan Ola Sand, heu­te in Genf. Daher räumt die EBU den Grie­chen eine ver­län­ger­te Anmel­de­frist ein. An sich endet die Dead­line für die ver­bind­li­che Zusa­ge der teil­nah­me­wil­li­gen Sen­der am kom­men­den Frei­tag. Abge­sagt haben bis­lang Zypern und Kroa­ti­en, dafür will Por­tu­gal wie­der mit­ma­chen. Die Grie­chen auch – aller­dings ver­fü­gen sie der­zeit über kei­nen teil­nah­me­be­rech­tig­ten TV-Sen­der. Im Juni die­sen Jah­res lös­te die grie­chi­sche Regie­rung in einer bis­lang bei­spiel­lo­sen Akti­on vom einen auf den ande­ren Tag den bis­he­ri­gen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk ERT ersatz­los auf und ent­ließ sämt­li­che Mit­ar­bei­ter, was auch den Pro­test der EBU nach sich zog. Offi­zi­el­le Begrün­dung: der von der EZB unter maß­geb­li­cher Füh­rung von Mer­kel auf­ok­troy­ier­te Aus­teri­täts­kurs, der har­te finan­zi­el­le Ein­schnit­te for­dert. Zu ver­mu­ten­der wirk­li­cher Grund: der Aus­teri­täts­kurs und die her­vor­ra­gen­de Gele­gen­heit, poli­tisch unlieb­sa­me, kri­ti­sche Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen. Erst vori­ge Woche ließ die sel­be Regie­rung das von einem Häuf­lein auf­rech­ter Wider­ständ­ler besetz­te Sen­de­zen­trum in den frü­hen Mor­gen­stun­den von der Poli­zei räu­men, was die­se on Air mit einem resi­gnier­ten “Will­kom­men, Mit­tel­al­ter” kom­men­tier­ten.


Star­tet für Russ­land bei der Türk­vi­zyon: Sai­lyk Ommun (Reper­toire­bei­spiel)

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Die Türk­vi­zyon: ein homo­frei­er Gegen-Grand-Prix?

Im Dezem­ber die­sen Jah­res ver­an­stal­tet, wie bereits berich­tet, das tür­ki­sche Fern­se­hen TRT erst­ma­lig die Türk­vi­zyon, eine Art Gegen-Grand-Prix eura­si­scher Län­der und Regio­nen mit star­ken Turk­volk-Antei­len. Zwan­zig Kom­bat­tan­ten tre­ten vom 19. bis 21. Dezem­ber im ana­to­li­schen Eskişe­hir gegen­ein­an­der an. Auf der Lis­te der Teil­neh­mer­län­der fin­det sich zunächst das Erwart­ba­re: neben der Tür­kei und dem Bru­der­staat Aser­bai­dschan zählt dazu das tür­kisch besetz­te Nord­zy­pern sowie eine Rei­he von osma­nisch gepräg­ten Kau­ka­sus­staa­ten und auto­no­men ehe­ma­li­gen Sowjet­re­pu­bli­ken. Auch die Teil­nah­me des mehr­heit­lich mus­li­misch ori­en­tier­ten Bos­ni­ens – wie vie­le der ande­ren Län­der übri­gens ver­tre­ten von einem Pri­vat­sen­der – über­rascht nicht. Im Gegen­satz zu Russ­land, der Ukrai­ne, Geor­gi­en, Mol­da­wi­en und Weiß­russ­land: Staa­ten, die nach mei­ner bis­he­ri­gen Wahr­neh­mung deut­lich weni­ger tür­kisch geprägt sein dürf­ten als bei­spiels­wei­se Deutsch­land. Auch wenn etli­che die­ser Län­der vor­aus­sicht­lich bei bei­den Ver­an­stal­tun­gen mit­ma­chen: hier könn­te der EBU eine star­ke Kon­kur­renz erwach­sen – und ein pro­ba­tes Druck­mit­tel für publi­kums­star­ke Sen­der aus dem eura­si­schen Raum, die eige­nen Reform­vor­stel­lun­gen bei­spiels­wei­se zum unge­lieb­ten Big-Five-Pri­vi­leg durch­zu­set­zen. Oder auch die eige­nen kul­tu­rel­len Wer­te: wie Wiwi­bloggs heu­te unter Bezug auf die Nach­rich­ten­sei­te NewsRU.com berich­tet, haben Ein­woh­ner Weiß­russ­lands eine Peti­ti­on gestar­tet, die das staat­li­che Fern­se­hen auf­for­dert, bei der Über­tra­gung des Euro­vi­si­on Song Con­test 2014 den Auf­tritt der öster­rei­chi­schen Ver­tre­te­rin Con­chi­ta Wurst aus­zu­blen­den, da die­ser nicht den “nor­ma­len und gesun­den Fami­li­en­wer­ten” des Lan­des ent­sprä­che.


The Wurst is yet to come: die fabel­haf­te Con­chi­ta

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