WSV 2019: das Bes­te und die Res­te

Mit Rie­sen­schrit­ten nähern wir uns dem Ende der Vor­ent­schei­dungs­sai­son 2019. Mit dem Fina­le des schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len steht an die­sem Sams­tag der letz­te öffent­li­che Vor­ent­scheid an. Aus­ge­rech­net all jene Natio­nen, die zu faul oder zu gei­zig waren, einen sol­chen zu orga­ni­sie­ren, haben sich nun ver­ab­re­det, Fans und Euro­vi­si­ons­blog­ger in den Stress­in­farkt zu schi­cken, in dem sie all ihre – teils seit vie­len Wochen im Tre­sor gebun­ker­ten – Bei­trä­ge mehr oder min­der gleich­zei­tig ver­öf­fent­lich­ten. Den Beginn in unse­rer klei­nen Werk­schau macht das mitt­ler­wei­le auch von­sei­ten der EBU offi­zi­ell umbe­nann­te Nord­ma­ze­do­ni­en, das als ein­zi­ge der betei­lig­ten Natio­nen einen vali­den Grund vor­wei­sen kann, sei­nen Song heu­te – am Inter­na­tio­na­len Frau­en­tag – her­aus­zu­brin­gen. Han­delt es sich bei ‘Proud’ doch um eine Bal­la­de zum The­ma der weib­li­chen Selbst­er­mäch­ti­gung, die den zusam­men­ge­cas­te­ten deut­schen Sis­ters, die mit dem glei­chem Sujet unter­wegs sind, zeigt, wo der Ham­mer hängt. Und zwar sowohl musi­ka­lisch, wo nach einem etwas sprö­den, ver­hal­te­nen Anfang ein zwar schon hun­dert­mal gehör­ter, aber gera­de des­we­gen sofort mit­sing­ba­rer Refrain kommt und wo der Song nach einer zwei­ten Stro­phe ziem­lich unver­mit­telt in die Vol­len geht und dabei fast schon gos­pel­haf­te Qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt.

Das Alpha­weib­chen: Tama­ra Todevs­ka führt die Schwes­tern­schaft auf die Bar­ri­ka­den. Recht so!

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Inter­pre­ten­kür 2019: Polen lie­fert den Sound­track des Roll­backs

Nach eini­ger Ver­zö­ge­rung gegen­über dem ursprüng­lich avi­sier­ten Ver­öf­fent­li­chungs­ter­min gab das pol­ni­sche Fern­se­hen TVP am gest­ri­gen Don­ners­tag sei­ne Ver­tre­te­rin­nen für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2019 bekannt: das Damen­quar­tett Tulia, bestehend aus den Sän­ge­rin­nen Patryc­ja Nowi­cka, Domi­ni­ka Siep­ka, Joan­na Sin­kie­wicz und der Namens­pa­tro­nin Tulia Bic­zak. Das erst 2018 gegrün­de­te, im Lan­de aus­ge­spro­chen erfolg­rei­che Quar­tett, das sich der tra­di­tio­nel­len sla­wi­schen Stimm­tech­nik des Wei­ßen Gesangs bedient, inter­pre­tiert ger­ne Pop- und Rock­klas­si­ker im folk­lo­ris­ti­schen Stil, hat aber auch eige­ne Folk­rock­songs im Reper­toire und lie­fert damit, ver­mut­lich unbe­ab­sich­tigt, so etwas wie den Sound­track zum aktu­el­len ultra­kon­ser­va­ti­ven gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Roll­back (nicht nur) in ihrem Hei­mat­land. Dazu passt auch ihre Optik: die vier Frau­en erin­nern in ihren far­ben­fro­hen Trach­ten, mit Kopf­tuch, dicken Zöp­fen und eben­so dick auf­ge­tra­ge­ner Schmin­ke unwill­kür­lich an die legen­dä­ren But­ter­mäg­de von Cleo & Dona­tan, aller­dings ohne die gerings­ten erkenn­ba­ren Spu­ren von Sex oder Iro­nie, die die­sem bahn­bre­chen­den Act anhaf­te­ten. Tulia mei­nen das, was sie machen, offen­sicht­lich sehr ernst.

Kein Sex, kei­ne Dro­gen, kein Rock’n’Roll: die züch­ti­gen Tulia mit der gesäu­ber­ten Vari­an­te des Metal­li­ca-Klas­si­kers.

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