Geld­sor­gen: ukrai­ni­sche Teil­nah­me 2018 ist in Gefahr

Das kurz­fris­ti­ge Wackeln von Euro­vi­si­ons­teil­nah­men aus peku­niä­ren Grün­den scheint sich zu einem wie­der­keh­ren­den The­ma zu ent­wi­ckeln, an das wir uns wohl oder übel gewöh­nen müs­sen. Wie die EBU heu­te mor­gen in einer Pres­se­er­klä­rung ver­laut­bar­te, ist der ukrai­ni­sche Sen­der UA:PBC auf­grund chro­ni­scher Unter­fi­nan­zie­rung unmit­tel­bar in sei­nem Bestand gefähr­det. Bereits Ende April 2018, also in weni­gen Wochen, könn­te das öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen gezwun­gen sein, den Sen­de­be­trieb ein­zu­stel­len, da der sich in einem mas­si­ven Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zess befind­li­che Sen­der der­zeit nur die Hälf­te der benö­tig­ten Mit­tel erhal­te. Muss das EBU-Mit­glied wirk­lich dicht machen, kann auch der für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 aus­ge­wähl­te Emo-Boy Melóvin nicht am Wett­be­werb teil­neh­men. Was man natür­lich als Glück im Unglück bezeich­nen könn­te, da so den euro­päi­schen Zuschauer/innen zumin­dest die musi­ka­li­sche Mons­tro­si­tät ‘Under the Lad­der’ erspart blie­be. Im Hin­blick auf die Medi­en­viel­falt und Pres­se­frei­heit in der Ukrai­ne wür­de der Crash von UA:PBC aber natür­lich ein ver­hee­ren­des Zei­chen set­zen.

Erlei­det Melóvin das­sel­be Schick­sal wie sein rumä­ni­scher Kol­le­ge Ovi­diu Anton 2016?

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UA 2018: Mélo­vin hat Feu­er unterm Arsch

Das Unver­meid­li­che ist ein­ge­tre­ten: Kon­stan­tin Miko­la­je­witsch Bocharov, bes­ser bekannt unter sei­nem Künst­ler­na­men Mélo­vin, ver­tritt die Ukrai­ne beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2018 in Lis­sa­bon. Im Vor­jahr nahm der X‑Factor-Sie­ger bereits an der Vor­ent­schei­dung Vid­bir teil, schei­ter­te jedoch an der drei­köp­fi­gen Jury, was ihn selbst “Rache” schwö­ren ließ und zu Todes­dro­hun­gen sei­ner empör­ten, haupt­säch­lich aus min­der­jäh­ri­gen Emo-Mäd­chen bestehen­den, fana­ti­schen Anhän­ger­schaft gegen­über den ver­ant­wort­li­chen Juror/innen, ins­be­son­de­re Jama­la (→ UA 2016), führ­te. Auch im gest­ri­gen Vid­bir-Fina­le waren das Tee­nie-Gekrei­sche und die “Mélo­vin! Mélo­vin!”-Sprech­chö­re nicht zu über­hö­ren. Wohl aus Angst vor einer offe­nen Publi­kums­re­vol­te füg­te man sich daher dem Schick­sal: mit dem zwei­ten Platz in der Jury­wer­tung und dem wenig über­ra­schen­den Sieg im Tele­vo­ting gewann der Zwan­zig­jäh­ri­ge, der ein biss­chen so aus­sieht wie die Haupt­fi­gur aus der US-Sit­com Mal­colm mit­ten­drin in der Gothic-Pha­se, das Aus­wahl­ver­fah­ren mit einem beson­ders ver­ges­sen­wür­di­gen Rock­song namens ‘Under the Lad­der’.

Mélo­vin: kei­ne Stim­me, kei­ne Aus­spra­che, kein Timing, kein gutes Aus­se­hen, kei­nen Fun­ken Talent, und den­noch ein Star. Die Welt ist bizarr.

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Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 1: schö­nes Haar ist Dir gege­ben

Es war ein Abend der end­lo­sen euro­vi­sio­nä­ren Über­for­de­rung, der gest­ri­ge Super­sams­tag, an dem gleich acht Vor­run­den und ein natio­na­les Fina­le gleich­zei­tig um die Auf­merk­sam­keit des Grand-Prix-Fans ran­gen. Dar­un­ter mit den Semis der slo­we­ni­schen EMA und der Eesti Laul die­je­ni­gen aus gleich zwei mei­ner liebs­ten Per­len-vor-die-Säue-Län­dern, in denen jedes Jahr die aller­schöns­ten Lie­der unter die Räder kom­men und statt­des­sen (fast) immer der größ­te Mist zum Song Con­test geschickt wird. Die Esten tru­gen ihre Final­chan­cen ja bereits ver­gan­ge­nen Sams­tag zu Gra­be (und ver­ga­ben ges­tern eine wei­te­re Gele­gen­heit), in Ljub­lja­na hin­ge­gen ret­te­te man zu mei­nem gro­ßen Erstau­nen gleich meh­re­re viel­ver­spre­chen­de Titel ins EMA-Fina­le. Den­noch muss­te die Hälf­te der 16 im EMA-Semi vor­ge­stell­ten Songs drau­ßen blei­ben, und auch unter ihnen fan­den sich Mus­ter­bei­spie­le dafür, was den Vor­ent­scheid des ehe­mals jugo­sla­wi­schen Bun­des­lands so wert­voll macht: der uner­schüt­ter­li­che Glau­be näm­lich an essen­ti­el­le euro­vi­sio­nä­re Grund­ge­rüs­te wie die Syn­chrontanz-Cho­reo­gra­fie, die Wind­ma­schi­ne und das Büh­nen­re­qui­sit, vor allem aber an musi­ka­li­sche Tugen­den wie zügi­ges Tem­po und eine Melo­die.

Nuša Deren­da hat ange­ru­fen und will ihr Büh­nenout­fit zurück: die kom­ple­men­tär­far­be­ne Ana­bel (SI).

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Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Rei­hen­wei­se fan­den am gest­ri­gen Super­sams­tag neben den abschlie­ßen­den Ent­schei­dun­gen in Däne­mark und Ita­li­en noch Semi­fi­na­le quer durch Euro­pa statt, bei denen sich die abstim­mungs­be­rech­tig­ten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wie­der von ihrer schlech­tes­ten Sei­te zeig­ten und eine kata­stro­pha­le Fehl­ent­schei­dung nach der ande­ren tra­fen. Am wenigs­tens aus­ge­prägt erstaun­li­cher­wei­se dies­mal in Schwe­den, wo sich das zwei­te Semi­fi­na­le des all­ge­mein belieb­ten Melo­di­fes­ti­va­len musi­ka­lisch noch schwä­cher prä­sen­tier­te als das eigent­lich schon unter­ir­di­sche ers­te vom vor­ver­gan­ge­nen Sams­tag. Mit den Augen­sch­mäu­sen Lima­oo und Samir & Vic­tor wähl­ten die Skandinavier/innen drei ker­ni­ge Kna­ben mit träs­hi­gen Titeln ins Fina­le wei­ter, woge­gen sich natür­lich nicht das Gerings­te ein­wen­den lässt. In die Wir-quä­len-Dich-ein-zwei­tes-Mal-Run­de Andra Chan­sen dele­gier­te man die pol­ni­sche Kräch­ze Mar­ga­ret, deren Aus­schei­den beim Vor­ent­scheid ihres Hei­mat­lan­des im Jah­re 2016 mit dem in den inter­na­tio­na­len ESC-Wett­quo­ten bis dato bereits ganz weit oben lie­gen­den Titel ‘Cool me down’ für euro­pa­wei­te Ner­ven­zu­sam­men­brü­che bei den Fans sorg­te.

Eine wei­te­re Mit­rei­sen­de auf dem ‘Despacito’-Zug: Mar­ga­ret lockt uns in ihre Strand­hüt­te (SE).

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Bizarr: Euro­vi­si­ons­fans im Visier des digi­ta­len Info-Krie­ges?

Wie das Hei­se-Online-Maga­zin Tele­po­lis unter Bezug­nah­me auf eine Mel­dung der bri­ti­schen Tages­zei­tung Guar­di­an berich­tet, soll die bri­ti­sche Regie­rung die PR-Agen­tur Saatchi beauf­tragt haben, mit geziel­ten Kam­pa­gnen in den sozia­len Medi­en das Anse­hen der Ukrai­ne bei Fans des Euro­vi­si­on Song Con­test posi­tiv zu beein­flus­sen. Dies sei Teil einer groß­an­ge­leg­ten Offen­si­ve, mit wel­cher die Regie­rung des Insel­staa­tes im soge­nann­ten Info-Krieg zwi­schen Russ­land und dem Aus­rich­ter­land der euro­päi­schen Gesangs­fest­spie­le von 2017 der Ukrai­ne bei­ste­hen will. Die Fir­ma Saatchi, die zuletzt Wahl­kam­pa­gnen für die kon­ser­va­ti­ven Torys gefah­ren habe, soll nach Anga­ben des Guar­di­an hier­für rund 100.000 £ bekom­men (was natür­lich die Fra­ge auf­wirft, ob man das Geld nicht sinn­vol­ler für einen geschei­ten bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trag ver­wen­den könn­te). Erheb­lich höhe­re Mit­tel gebe man für die Bera­tung der Regie­rung in Kiew in PR-Fra­gen, Pro­gram­me für die rus­sisch­spra­chi­gen Min­der­hei­ten in den Staa­ten des Bal­ti­kums oder zur Unter­su­chung des Ein­flus­ses des kremltreu­en Sen­ders Rus­sia Today auf west­eu­ro­päi­sche Mediennutzer/innen aus. Die benö­tig­ten Gel­der stam­men der Zei­tung zufol­ge aus dem Topf des bri­ti­schen Konflikt‑, Sta­bi­li­täts- und Sicher­heits­fonds CSSF, die Regie­rung betrach­te dies als “Ant­wort auf die zuneh­men­den Info­war-Kam­pa­gnen, mit denen von Russ­land gesteu­er­te Medi­en angeb­lich ver­sucht haben, das EU-Refe­ren­dum wie auch die Wah­len in den USA, Frank­reich und Deutsch­land zu beein­flus­sen,” so der Guar­di­an. Wie Tele­po­lis ergänzt, bestün­den ähn­li­che Pro­gram­me bereits seit eini­gen Jah­ren inner­halb der EU. Auch deut­sche Uni­ver­si­tä­ten und der Aus­lands­sen­der Deut­sche Wel­le sei­en an diver­sen Medi­en­pro­jek­ten in der oder für die Ukrai­ne betei­ligt, die sich spe­zi­fisch mit rus­si­schen Des­in­for­ma­ti­ons­kam­pa­gnen beschäf­ti­gen. Ein gezielt auf Grand-Prix-Fans maß­ge­schnei­der­tes Pro­gramm scheint jedoch neu zu sein. Wie dies im Ein­zel­nen aus­se­hen soll und ob das Bud­get aus­reicht, um Euro­vi­si­ons-Iko­nen wie Lys Assia, Caro­la oder Lore­en als Tes­ti­mo­ni­al zu enga­gie­ren, dar­über war lei­der nichts zu erfah­ren. Ande­rer­seits: Rus­la­na macht das bestimmt ger­ne kos­ten­los!

Auch das einst­mals bri­tisch besetz­te Mal­ta ver­such­te sich schon an sub­ti­len Bot­schaf­ten im Info-Krieg mit Russ­land.

Not good to be back: Ukrai­ne ermit­telt gegen Scoo­ter

Die deut­schen Tech­no-Vete­ra­nen Scoo­ter (→ Vor­ent­scheid DE 2004) sind nach einem Auf­tritt auf der Krim in das Visier der ukrai­ni­schen Ermitt­lungs­be­hör­den gera­ten. Die Band spiel­te, wie bereits im Juni die­sen Jah­res ange­kün­digt, am ver­gan­ge­nen Frei­tag beim ZB-Fes­ti­val in der Nähe von Sewas­to­pol vor begeis­ter­ten Fans, was in der Ukrai­ne auf wenig Gegen­lie­be stieß. Wie die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, bezeich­ne­te der Bot­schaf­ter des Lan­des, Andrej Mel­nyk, die aus Sicht des Lan­des “ille­ga­le” Ein­rei­se auf die seit 2014 von Russ­land annek­tier­te Krim als “Ver­bre­chen mit schwer­wie­gen­den recht­li­chen Fol­gen: Das ist kein Kava­liers­de­likt, son­dern eine gra­vie­ren­de Straf­tat, die welt­weit geahn­det wird”. Man wol­le daher die deut­schen Behör­den im Wege der Amts­hil­fe bit­ten, Front­mann H.P. Baxx­ter zu dem Vor­fall zu ver­neh­men. Es droh­ten, wie schon bei der rus­si­schen Ver­tre­te­rin beim dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test, Julia Samo­yl­o­va, ein Ein­rei­se­ver­bot in die Ukrai­ne sowie – bei einem Ver­stoß der Band hier­ge­gen – bis zu acht Jah­ren Haft. Zudem habe Mel­nyk (und hier wird es irgend­wie put­zig) die Macher der RTL-Show Deutsch­land sucht den Super­star gebe­ten, Baxx­ter aus der Jury zu ent­fer­nen, weil er vor­sätz­lich gegen die Geset­ze eines ande­ren Lan­des ver­sto­ßen habe. Die sich selbst als “unpo­li­tisch” ver­ste­hen­de ‘Har­der! Fas­ter! Lou­der!’-Kapel­le hat­te trotz vor­he­ri­ger War­nun­gen sei­tens der Ukrai­ne im Vor­feld an ihrem Gig fest­ge­hal­ten: “Wir sehen das als rein musi­ka­li­schen Event, wir spie­len für unse­re Fans,” sag­ten sie bereits im Juni die­sen Jah­res auf ent­spre­chen­de Kri­tik.

Dürf­ten nach den neu­es­ten Regel­än­de­run­gen nun nicht mehr beim ESC antre­ten, falls die­ser mal wie­der in der Ukrai­ne statt­fän­de: Scoo­ter mit ihrem dama­li­gen Vor­ent­schei­dungs­bei­trag.

EBU erlässt eine Lex Samo­yl­o­va

Wie Dr. Euro­vi­si­on, Irving Wol­ther, heu­te auf eurovision.de mel­det, hat die European Broad­cas­ting Uni­on (EBU) in Reak­ti­on auf Julia­ga­te Anpas­sun­gen in den offi­zi­el­len Regeln für die Aus­rich­tung des und die Teil­nah­me am Euro­vi­si­on Song Con­test (ESC) vor­ge­nom­men. So müs­sen die ein­zel­nen natio­na­len Sen­de­an­stal­ten künf­tig eigen­ver­ant­wort­lich sicher­stel­len, dass die von ihnen aus­ge­wähl­ten Repräsentant/innen und Dele­ga­ti­ons­mit­glie­der “den Behör­den des Gast­ge­ber­lan­des” kei­nen “Anlass dafür geben, auf­grund natio­na­ler Geset­ze ein Ein­rei­se­ver­bot gegen die­se zu ver­hän­gen.” Genau die­ses war beim ESC 2017 in Kiew gesche­hen: der ukrai­ni­sche Geheim­dienst beleg­te die von Russ­land nomi­nier­te 28jährige Sän­ge­rin Julia Samo­yl­o­va mit einer Ein­rei­se­sper­re, weil die­se zuvor auf der annek­tier­ten Krim auf­ge­tre­ten war. Was zu einem unschö­nen (von Mos­kau ver­mut­lich gezielt her­bei­ge­führ­ten) Pro­pa­gan­da­krieg und für die EBU zu unan­ge­neh­men Schlag­zei­len führ­te. Noch­mal will man sich in Genf ver­ständ­li­cher­wei­se nicht vor den Kar­ren span­nen las­sen und schiebt die­ser Form der Kriegs­füh­rung damit einen Rie­gel vor.

Die Pos­ter­frau der Krim-Kri­se: die EBU bestä­tigt mit ihrer neu­es­ten Regel­än­de­rung im Nach­hin­ein den Aus­schluss von Julia Samo­yl­o­va vom ESC 2017. 

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Julia­ga­te: Ukrai­ne will Ein­spruch gegen Geld­stra­fe ein­le­gen

Die öffent­lich-recht­li­che ukrai­ni­sche Rund­funk­an­stalt UA:PBC will Ein­spruch gegen die heu­te von der EBU wegen des Julia­ga­tes ver­häng­te Geld­stra­fe ein­le­gen, wie der Inten­dant Zurab Ala­sa­nia gegen­über der Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters sag­te: “For­mell gese­hen haben nicht wir die Ent­schei­dung getrof­fen, sie [Julia Samo­yl­o­va] nicht zuzu­las­sen”. Da hat er nicht ganz Unrecht: der fak­ti­sche Aus­schluss der rus­si­schen Reprä­sen­tan­tin basier­te auf der Ent­schei­dung des ukrai­ni­schen Geheim­diens­tes, der auf­grund eines Krim-Auf­tritts der Sän­ge­rin in Über­ein­stim­mung mit gel­ten­den ukrai­ni­schen Geset­zen ein drei­jäh­ri­ges Ein­rei­se­ver­bot ver­häng­te, von dem auch der Staats­chef kei­ne Aus­nah­me für den Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 machen woll­te, wodurch dem Sen­der die Hän­de gebun­den waren. Ala­sa­nia, der die Höhe der von der EBU ver­häng­ten Geld­stra­fe auf 200.000 € bezif­fer­te, mein­te mokant, er glau­be aller­dings nicht, dass die Regie­rung die For­de­rung der EBU beglei­chen wer­de. Das scheint noch ein lus­ti­ges Hau­en und Ste­chen zu wer­den: erst letz­te Woche hat­te Ala­sa­nia durch­bli­cken las­sen, dass sein Sen­der eine schwei­ze­ri­sche Anwalts­fir­ma ein­ge­schal­tet habe, weil die EBU eine dort für den ESC 2017 hin­ter­leg­te Sicher­heit in Höhe von 15 Mil­lio­nen € ein­ge­fro­ren habe. Ob ein Zusam­men­hang mit der heu­te ange­kün­dig­ten Geld­stra­fe besteht, ist bis dato unklar. Der Ver­laut­ba­rung der EBU von heu­te Vor­mit­tag zufol­ge basie­re die Buße aller­dings auch auf dem orga­ni­sa­to­ri­schen Cha­os, das UA:PBC bei der Vor­be­rei­tung des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 ange­rich­tet hat­te und das der “Repu­ta­ti­on” des Wett­be­werbs abträg­lich gewe­sen sei. Holt schon mal das Pop­corn raus: da dürf­te wohl noch ein wenig gefeilscht wer­den zwi­schen Kiew und Genf…

Wird sich noch eine Zeit lang hin­zie­hen: das Dra­ma ums Julia­ga­te

Geld heilt alle Wun­den: die EBU legt Julia­ga­te ad acta

Wie der Nach­rich­ten­dienst Reu­ters heu­te Vor­mit­tag mel­de­te, wol­le die EBU die gast­ge­ben­de TV-Anstalt des Euro­vi­si­on Song Con­test 2017 auf­grund der mas­si­ven Ver­zö­ge­run­gen bei der Vor­be­rei­tung des Events und des “unko­ope­ra­ti­ven Ver­hal­tens” der Ukrai­ne im Zusam­men­hang mit dem Bann der rus­si­schen Ver­tre­te­rin Julia Samo­yl­o­va mit einer Geld­stra­fe bele­gen. Die Kri­se um die mona­te­lan­gen Ver­spä­tun­gen bei der Orga­ni­sa­ti­on, die ein Ein­schrei­ten der Gen­fer und die Ent­sen­dung eines Ret­tungs­teams rund um den schwe­di­schen Melo­di­fes­ti­va­len-Impre­sa­rio Chris­ter Björk­man (→ SE 1992) not­wen­dig mach­te, und das Dra­ma um Julia­ga­te hät­ten die media­le Auf­merk­sam­keit über­la­gert und die “Repu­ta­ti­on der Mar­ke Euro­vi­si­on Song Con­test gefähr­det,” so die EBU in einer Erklä­rung. “Daher schlägt der Len­kungs­aus­schuss in Über­ein­stim­mung mit den Wett­be­werbs­re­geln vor, dass UA:PBC eine emp­find­li­che Geld­stra­fe erhält”. Die ursprüng­lich mal ins Gespräch gebrach­te Euro­vi­si­ons­sper­re für die Ukrai­ne ist damit wohl vom Tisch. Über die Höhe der Buße schwieg sich die EBU indes wie immer aus [Nach­trag: laut UA:PBC beläuft sich die Stra­fe auf 200.000 €]. Das von rus­si­scher Sei­te sehr offen­sicht­lich in pro­vo­ka­ti­ver Absicht insze­nier­te Julia­ga­te hat für den sowje­ti­schen Staats­sen­der unter­des­sen kei­ne Kon­se­quen­zen: gegen­über dem Per­wy Kanal sprach man nach einer Mel­dung von Euro­voix ledig­lich einen “Tadel” aus, weil die­ser nicht an den Vor­be­rei­tungs­tref­fen für Kiew teil­nahm. Durch die Ver­knüp­fung der Geld­stra­fe mit den unbe­streit­ba­ren, mas­si­ven Orga­ni­sa­ti­ons­män­geln der ukrai­ni­schen Sen­de­an­stalt UA:PBC kann die­se sich kaum gegen die Sank­ti­on weh­ren [Nach­trag: anschei­nend doch]. Damit geht man in Genf mal wie­der den Weg des gerings­ten Wider­stands: von den unbe­dingt not­wen­di­gen Anpas­sun­gen der Wett­be­werbs­re­geln an die ver­än­der­te poli­ti­sche Welt­la­ge war jeden­falls kei­ne Rede, eben­so wenig wie von der Mit­ver­ant­wor­tung der EBU für das Desas­ter um den bewusst kal­ku­lier­ten Aus­schluss der rus­si­schen Roll­stuhl­fah­re­rin auf­grund ihres Krim-Auf­trit­tes, obwohl sich ein sol­cher Clash bereits früh­zei­tig ange­kün­digt hat­te, ohne dass man hier­auf irgend­wie reagier­te.

Ist laut dem rus­si­schen Sen­der jetzt für 2018 gesetzt: Julia Samo­yl­o­va (RU)

 

Dem Arsch von Kiew droht der Knast

Wer ver­gan­ge­ne Sams­tag­nacht wäh­rend der Wer­tungs­pau­se beim Fina­le des 62. Euro­vi­si­on Song Con­test in Kiew gera­de kurz mit der Stimm­ab­ga­be, dem Plau­dern mit Freun­den oder dem Geträn­kenach­schub beschäf­tigt war oder auch nur kurz blin­zel­te, ver­pass­te womög­lich die ärger­lich-unter­halt­sams­ten fünf Sekun­den der gesam­ten Show: wäh­rend die Vor­jah­res­sie­ge­rin Jama­la gera­de ihre spek­ta­ku­lär lang­wei­li­ge und musi­ka­lisch erstaun­lich farb­lo­se neue Sin­gle ‘I belie­ve in U’ vor­stell­te, enter­te ein mit der aus­tra­li­schen Flag­ge umhüll­ter Mann urplötz­lich die Satel­li­ten­büh­ne, umtän­zel­te kurz die ukrai­ni­sche Sän­ge­rin (die sich nichts anmer­ken ließ und ihren Auf­tritt pro­fes­sio­nell wei­ter durch­zog), um dann über­ra­schend blank­zu­zie­hen und sei­nen Aller­wer­tes­ten in die Kame­ra zu stre­cken. So schnell, wie er kam, war er auch wie­der weg: nur Sekun­den spä­ter zog ihn die Secu­ri­ty von der Büh­ne. Noch in der Nacht stell­te sich her­aus, dass es sich nicht, wie zunächst ver­mu­tet, um einen Fan-Hoo­li­gan aus Down Under han­del­te (wie auch, ein ech­ter Grand-Prix-Fan wür­de so etwas Affi­ges nie­mals tun!), son­dern um einen pro­fes­sio­nel­len Stö­rer. Vita­lii Sedi­uk heißt der Mann, ein ehe­ma­li­ger ukrai­ni­scher TV-Jour­na­list, der sei­ne mas­si­ve Pro­fil­neu­ro­se aus­lebt, in dem er welt­weit nichts Böses ahnen­de Pro­mi­nen­te beläs­tigt und für Tumul­te bei gla­mou­rö­sen Ver­an­stal­tun­gen sorgt. Er ver­grub unter ande­rem schon sein Gesicht im Schritt von Leo­nar­do DiCa­prio und ver­such­te, Kim Kar­da­shi­ans extra­or­di­nä­ren Hin­tern zu küs­sen. Nun dro­hen ihm bis zu fünf Jah­re Haft, wie unter ande­rem der Spie­gel unter Bezug auf die Nach­rich­ten­agen­tur dpa kol­por­tiert. Der von der inter­na­tio­na­len Bla­ma­ge erbos­te ukrai­ni­sche Innen­mi­nis­ter bezeich­ne­te den offen­bar sozi­al gestör­ten Mann bereits als “Schan­de des Lan­des”. Bei Sedi­uk han­delt es sich nicht um den ers­ten Euro­vi­si­ons­flit­zer: bereits 2010 enter­te der Spa­ni­er Jau­me Mar­quet wäh­rend des Auf­tritts sei­nes Lands­man­nes Dani­el Diges beim ESC in Oslo die Büh­ne und füg­te sich für weni­ge Tak­te in die Har­le­kin-Cho­reo­gra­phie des ibe­ri­schen Wal­zers ‘Algo Peque­ñi­to’ ein, ohne aller­dings irgend­wel­che Kör­per­tei­le zu ent­blö­ßen. Mar­quet kam sei­ner­zeit mit einer mil­den Geld­bu­ße davon.

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