Zweites Semifinale 2017: We have lost our Verona

Zwei der irischen Backings (c) Martin Schmidtner

Warum macht ihr so etwas, liebe Bühnenbildverantwortliche? Warum versteckt ihr in diesem Jahr praktisch alle die Chorsänger/innen hinter der Bühne? Schon im ersten Semifinale 2017 am vergangenen Dienstag irritierte es maßlos, wenn man mit den Augen lediglich eine einzelne, völlig verloren im Farbenwirbel des Backdrops verschwindende Person auf der Bühne sah, gleichzeitig jedoch mit den Ohren wahre Choräle erschallen hörte und das völlig überforderte, bedauernswerte Gehirn diese beiden sich gegenseitig widersprechenden Sinneswahrnehmungen irgendwie zusammen bekommen sollte, ohne dabei zu implodieren. Bei der gestrigen zweiten Qualifikationsrunde dann, erneut ausgetragen in der nur mäßig besetzten Internationalen Ausstellungshalle zu Kiew, erneut bestückt mit der irgendwo zwischen Raumschiff Enterprise und der Außenreklame für das berühmt-berüchtigte Reeperbahn-Etablissement Zur Ritze changierenden Bühne sowie den drei komplett unlustigen Moderatoren Tick, Trick und Track, nervte es nur noch. Zumal man uns damit um einige Augenweiden brachte, so beispielsweise um die zwei rothaarigen Hingucker des milchbübigen Iren Brendan Murray, die deutlich mehr hergemacht hätten als der armselige, windschiefe und zu allem Übel auch noch am Boden bleibende Fesselballon, den die RTÉ-Delegation stattdessen als schlecht überlegtes Bühnengimmick mitbrachte.

Zweieinviertel Stunde fragwürdige Musik und noch fragwürdigere Garderoben: das zweite Semifinale 2017 am Stück

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Eurovision Deathmatch #15: Marleen, eine von uns beiden muss nun gehn

Der Samstag: Zeit für hemmungsloses Tanzvergnügen! Und da wir uns hier beim Eurovision Song Contest befinden, heißt das natürlich: Schlagerdisco! Gleich zwei Schlagerpärchen beliefern uns in diesem Jahr mit rettungslos altmodischem, herrlich campem, gnadenlos tanzbarem Schlagerspaß und geben gerade den Lebenserfahreneren unter uns (*hüstel*) den Glauben an den Grand Prix zurück. Anfangen möchte ich mit den estnischen Rückkehrern Koit Toome (→ EE 1998) und Laura Põldvere (→ EE 2005, ebenfalls in Kiew), die heuer gemeinsam die Eesti Laul gewannen und sich – in schlauer Vorahnung hinsichtlich des potentiellen Siegers des diesjährigen Contests – zum gemeinsamen romantischen Sommerurlaub auf den Spuren von Romeo und Julia ins italienische ‚Verona‘ begaben. Keine gute Idee: wie es manchmal so ist, brachte die viele zu Zweit verbrachte Zeit der beiden nach Eigenauskunft „rücksichtslosen“ Egoisten ihre bereits bröckelnde Beziehung endgültig zum Einsturz, so dass sie nun nach zu viel Vino Veritas und einem heftigen Streit verkatert und kopflos durch die sehenswerte Altstadt des norditalienischen Städtchens stolpern. Musikalisch entführen sie uns in die goldenen Achtzigerjahre zurück, klingt ihr Discofox-gesteuerter Trennungsschlager doch, wie es ein Fan mal so schön formulierte, als ob Ralph Siegel versucht, einen Dieter-Bohlen-Song zu schreiben. Also angenehm moderntalkinesk – angenehm natürlich nur dann, wenn man wie ich in diesem Jahrzehnt seine popmusikalische Prägung erfuhr und (peinliches Geständnis!) alle Singles des teutonischen Duos kaufte. Wie schon bei Modern Talking ist auch beim estnischen Duo die dunkelhaarige Dame für die tieferen Töne zuständig, während der Kerl die hochgepitchten Gesangsparts beisteuert.

„Western Type of Woman / Western Type of Man“ in Verona: in Italien scheint das ‚Karma des Okzidents‘ beheimatet zu sein! (EE)

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San Marino 2017: Oops, they did it again!

Oh! Mein! Gott! Sie sind tatsächlich zurück! Vor wenigen Minuten stellte das sanmarinesische Fernsehen seinen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2017 vor, nachdem man bis zuletzt geheimnisvoll tat und lediglich das Gerücht streute, ein „international bekanntes“ Duo, bestehend aus einem EU- und einem Nicht-EU-Partizipanten, werde die Miniaturrepublik vertreten. Und das stimmt auch, ein bisschen: der mittlerweile in Deutschland lebende, gebürtige US-Amerikaner Jimmie Wilson (noch nie von ihm gehört!) und die Eurovisionslegende Valentina Monetta (→ SM 2012, 2013, 2014) treten mit einem schmissigen, hoffnungslos campen Eurodance-Schlager namens ‚Spirit of the Night‘ an. Das im Münchener Schickeria-Schuppen P1 gedrehte Video bebildert eine zarte Disco-Romanze zwischen der rothaarigen Grand-Prix-Queen und dem schwarzen, deutlich jüngeren Sänger. Und natürlich stammt die Nummer aus der Feder von Ralph Siegel und klingt genau so, wie sich ein alternder Grandseigneur wohl einen jugendlichen Clubabend vorstellt. Mit klassischem Aufbau, bollernden Beats, amtlicher → Rückung und dem vollem Programm! Und was soll man sagen: genau so einen unfreiwillig unterhaltsamen Beitrag hat dieser Jahrgang dringend gebraucht! Danke also an unseren allerliebsten Eurovisions-Opi, der dann doch noch mal das von SMTV gerüchtehalber geforderte Startgeld in Höhe von einer halben Million locker machte und ohne den ein Grand Prix kein richtiger Grand Prix wäre. Und danke an Valentina Monetta, die ja eigentlich nie wieder etwas mit der Veranstaltung zu tun haben und endlich wieder Jazz singen wollte, jetzt aber auf alle künstlerische Integrität scheißt und uns nochmal auf das Königlichste unterhält. Wie wunderbar!

Samantha Fox hat angerufen und will ihren Titel zurück (SM)

Siegel zurück in San Marino! Wie geil ist das denn?

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1. Semi 2014: Drei Mal dabei, bitte weiterwählen!

Sie sind doch einfach jedes Mal für Überraschungen gut, diese Qualifikationsrunden und insbesondere die Antworten, die Europas Zuschauer und Juroren auf die Frage geben, welche der gezeigten Performances sie am Samstag im Finale wiedersehen wollen. So gut wie niemand hatte wohl ernsthaft Valentina Monetta auf seinem Tippzettel, und nachdem der unter langjährigen Leidensgenossen nur noch „der Unvermeidliche“ genannte Ralph Siegel diesmal auch noch prominent am Flügel saß, als sei er die Reinkarnation von Andrew Lloyd-Webber (UK 2009), sah ich offen gestanden endgültig schwarz für die sanmarinesische Lys Assia (CH 1956-1958). Ob die Verleihung der Finalkarte nun den Lohn für die Persistenz der Unermüdlichen darstellte oder das freundliche Abschiedsgeschenk der Juroren, da Valentina, so zu lesen war, in Kopenhagen angekündigt habe, dies sei ihr letzter Grand-Prix-Auftritt: „es muss uns für den deutschen Komponisten freuen“, so Peter Urban diplomatisch. Muss es das? Gut: ‚Maybe‘ war der beste seiner drei Versuche unter der Flagge der winzigen Republik, die ohne Frage Platz unter der Stoffmuschel fände, mit der er seine Künstlerin zur Venus von Milo aufzuhübschen gedachte. Und Frau Monetta wirkte diesmal gelöster als sonst und nicht so krampfhaft überperformativ. Dennoch bleibt es ein Titel, der 1974 (Siegels Erstteilnahme als Komponist) bereits als altbacken zu bezeichnen gewesen wäre. Der nun aber, so viel lässt sich schon jetzt vorhersagen, am Samstag besser abschneiden wird als der für den letzten Platz prädestinierte offizielle deutsche Beitrag von Elaiza. Womit Siegel über alle Modernitätsbemühungen des NDR der letzten zehn Jahre triumphiert. Kotz.


Welche Perle fanden die Juroren da nur? (SM)

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Siegel: „‚Let’s get happy‘ war für Anke Engelke“

Alleine bei der Vorstellung fällt mir fast die Kaffeetasse aus der Hand: in einem Interview mit dem aus Deutschland stammenden mehrfachen Schweizer Vor-Vorentscheids-Teilnehmer Mave O’Rick (bekannt durch den Flummitechnoremix von Anne-Marie Davids ‚Tu te reconnaîtras‘) für die Onlineausgabe des Schwulenmagazins Männer behauptete der deutsche Grand-Prix-Grandseigneur gestern, er habe ‚Let’s get happy‘ (DE 2003) ursprünglich nicht für Lou Hoffner, sondern für Anke Engelke komponiert. „Und fast hätte sie den Song gesungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dann ein besserer Platz dabei heraus gesprungen wäre,“ so Siegel. Das lässt nun Raum für Spekulationen: scheiterte es wie weiland 1997 am schnöden Mammon, als der Münchener Songschreiber seinen Titel ‚Zeit‘ von der ursprünglich angefragten Esther Ofarim (CH 1963) aufgrund derer hohen Gagenforderung, die Siegel nicht erfüllen wollte, an die Bielefelder Bankkauffrau Bianca Shomburg weiterreichen musste? Verleitete ein verdutzt-höfliches „Ich denke drüber nach“ der genialen Comedienne und späteren Eurovisionsmoderatorin Siegel zur irrigen Annahme, sie zöge sein Elaborat ernsthaft in Betracht? Oder sind das doch die ersten Zeichen einer beginnenden Alzheimer?


Zu viele bunte Glückspillen genommen? Laut Siegel sollte Anke ursprünglich den Song singen

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San Marino 2014: Mit Dir vielleicht, vielleicht auch nicht

Eins vorweg: ich will mit meiner Kritik am sanmarinesischen Beitrag keinesfalls Ralph Siegel dissen. Der Mann nötigt mir mit seiner weit über normalen Altersstarrsinn hinausgehenden Hingabe zum Grand Prix eine Art von Respekt ab und nichts würde ich ihm mehr gönnen, als es für ein kleines Außenseiterland wie San Marino noch einmal zu schaffen. Ich fürchte nur, daraus wird auch dieses Jahr nichts. ‚Maybe‘, der mittlerweile dritte Titel in Folge, den der deutsche Altmeister für Valentina Monetta schrieb, lehnt sich am Konzept des Vorjahresbeitrags ‚Crisalide‘ an und kommt balladesk daher – im balladenschwangeren ersten Semi, durch das Ralphs verlässlichste Abnehmerin muss, keine gute Voraussetzung. Den Fehler, nach zwei Dritteln zum Siebzigerjahre-Discosound zu wechseln, wiederholt Onkel Ralph nicht: zwar bringen ein paar dezente Beats ab der zweiten Strophe etwas Fahrt in die Nummer, ohne jedoch das Lied zu vergewaltigen. Dennoch fasst der Titel ‚Maybe‘ den Song ganz gut zusammen: er plätschert unentschlossen vor sich hin, wirkt ungeschliffen und unfertig, will nirgends erkennbar hin. Selbst in der heute präsentierten Studiofassung scheinen der Chor und die irgendwie nuschelig klingende Valentina gegeneinander zu singen statt miteinander. Und von einem einprägsamen Refrain zeigt sich das Lied so weit entfernt wie Herr Siegel von seiner letzten Chartplatzierung. 2015 der nächste Versuch, Valentina?


Überperformativ wie ein Soap-Sternchen: die Monetta

Was schätzt Du: wie viele Anläufe wird Siegel mit Valentina noch machen?

  • So viele, wie er braucht, um ins Finale zu kommen. Und wenn es hundert sind. (50%, 50 Votes)
  • Dass die Monetta das mitmacht! Jeder ernsthafte Künstler würde doch... oh, warte.... (34%, 34 Votes)
  • Man kann nur hoffen, dass ihm bald das Geld ausgeht und der Spuk ein Ende hat. (16%, 16 Votes)

Total Voters: 100

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Aller guten Siegel sind drei: Valentina singt auch 2014!

Der sanmarinesische Sender SMTV hätte sich keinen passenderen Tag aussuchen können: praktisch zeitgleich mit den historischen Worten Angela Merkels anlässlich ihrer Pressekonferenz zum Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Berlin – „Das Internet ist für uns alle Neuland“ – bestätigte die kleinste Republik der Welt Europas offiziell, dass die 2012 durch den ‚Social Network Song (oh oh uh oh oh)‘ zum Kultobjekt gewordene Valentina Monetta 2014 das Land bereits zum dritten Mal in Folge vertreten soll. Natürlich erneut mit einem Titel aus der Feder Ralph Siegels, der die komplette Sause vermutlich bezahlt. Vielleicht kann Valentina unserer Kanzlerin bei Gelegenheit mal auf eine Entdeckungsreise in das ihr bislang unbekannte Land mitnehmen?


Findet Angela auf Facebook ja auch „a Million Friends“?

Wird Valentina nun so lange teilnehmen, bis sie es endlich ins Finale schafft?

  • ...oder sie stirbt. Je nachdem, was eher eintritt. (34%, 56 Votes)
  • ...oder Ralph Siegel das Geld ausgeht. Je nachdem, was eher eintritt. (34%, 56 Votes)
  • Wie sagte schon Heck: Drei Mal dabei - bitte nicht wiederwählen! (32%, 53 Votes)

Total Voters: 165

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