Vicky Lean­dros: when I’m six­ty-four

Uner­war­te­ter Ärger für Deutsch­lands füh­ren­des Fach­blatt in Vicky-Lean­dros-Fra­gen, die Bild: wie Ste­fan Nig­ge­mei­er heu­te im Bild­Blog berich­tet, ließ die Sän­ge­rin dem Bou­le­vard­blatt, mit dem die Frei­frau von Rup­pin bis­lang ein ziem­lich enges Ver­hält­nis pfleg­te, ein anwalt­li­ches Mahn­schrei­ben zuge­hen. Grund ihrer Incon­ten­an­ce: die Bild hat­te sich erdreis­tet, ihr Alter mit 64 Jah­ren anzu­ge­ben. Vicky besteht jedoch dar­auf, ledig­lich zar­te 61 Len­ze zu zäh­len. Was bedeu­te­te, dass sie bei ihrem ers­ten Grand-Prix-Auf­tritt mit ‘L’Amour est bleu’, 1967 in der Wie­ner Hof­burg, erst puber­tä­re 14 Jah­re auf dem hal­tungs­schä­den­be­ding­ten Buckel hat­te (was damals kein Regel­ver­stoß gewe­sen wäre). Den­noch ver­mag sich Nig­ge­mei­er den süf­fi­san­ten Hin­weis nicht ver­knei­fen, dass der Kom­men­ta­tor sie sei­ner­zeit als “eine Sän­ge­rin aus Grie­chen­land, 17 Jah­re alt” annon­cier­te, was ange­sichts ihres Erschei­nungs­bilds ein biss­chen glaub­wür­di­ger wirkt. Bild-Chef Kai Diek­mann ver­öf­fent­lich­te das Mahn­schrei­ben auf Twit­ter und zeig­te sich indi­gniert: “Lie­be Vicky, seit wann kom­mu­ni­zie­ren wir über Anwalt? Du hast doch mei­ne Tele­fon-Num­mer”. Hof­fen wir mal sehr, dass da jetzt kei­ne klas­si­sche Bild-Rache­be­richt­erstat­tung aus ent­täusch­ter Lie­be folgt, denn das hät­te unse­re ewig jun­ge Euro­vi­si­ons­kö­ni­gin nun wirk­lich nicht ver­dient!


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Vicky + Scoo­ter: C’est blöd

Es schei­nen gera­de Euro­vi­si­ons­kir­mes­tech­no­wo­chen zu sein: nicht nur, dass sich der noto­ri­sche Mave O’Rick, bekannt und gefürch­tet von unzäh­li­gen Auf­trit­ten auf CSDs und Fan­club­tref­fen, unlängst an Anne-Marie Davids ‘Tu te recon­naî­tras’ (LU 1973) ver­griff und dar­aus eine sei­ner übli­chen Duracell-Dis­co­bun­ny-Dan­ce­beat­stamp­fer bas­tel­te. Nun sind auch die nicht min­der gefürch­te­ten, kom­mer­zi­ell jedoch ungleich erfolg­rei­che­ren Kir­mes­tech­nopio­nie­re Scoo­ter (DVE 2004) sei­nem schlech­ten Vor­bild gefolgt und ver­ge­wal­tig­ten Vicky Lean­dros. Also, musi­ka­lisch. Ihren 1967er Grand-Prix-Bei­trag ‘L’Amour est bleu’ schick­ten sie durch den elek­tro­ni­schen Rüt­tel­wür­ger, eben­so wie Vickys Stim­me, brüll­ten selbst noch ein paar Wort­fet­zen dazu und misch­ten knall­har­te Bumms­beats drun­ter. Also genau so, wie Mave auch mit Anne-Marie umsprang. Mit dem ein­zi­gen Unter­schied, dass Scoo­ter auf­grund ihres Namens mit dem ent­wür­di­gen­den Song­bas­tard ‘C’est bleu’ Air­play erhal­ten und O’Rick nicht. Böse Welt. Und noch böse­re Welt, die solch’ musi­ka­li­schen Sakri­le­ge über­haupt zulässt. Wo ist die Geschmacks­po­li­zei, wenn man sie braucht?

httpv://www.youtube.com/watch?v=eJkbKXTjNrA
Tei­len sich einen Kajal­stift: Hans-Peter Baxx­ter und Vicky Lean­dros

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Vicky Lean­dros: Akro­po­lis adieu

Nach nur zwei Jah­ren im Amt tritt Vicky Lean­dros vor­zei­tig von ihrem Pos­ten als Kul­tur­stadt­rä­tin im Athe­ner Hafen­vor­ort Pirä­us zurück, wie SpOn am Diens­tag berich­te­te. Die in Ber­lin leben­de Schla­ger­sän­ge­rin habe die mit der Auf­ga­be ver­bun­de­ne zeit­li­che Belas­tung unter­schätzt, wie sie in einem Inter­view mit dem Poli­tik­ma­ga­zin Frau im Spie­gel sag­te. Künf­tig wol­le sie sich wie­der ver­stärkt der Musik wid­men.


Auch eine ande­re Euro­vi­si­ons­sie­ge­rin zogs schon nach Pirä­us!

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Vicky Lean­dros erhält den Sau­ma­gen-Orden

Ihren letz­ten Grand Prix gewann sie 1972. 2006 konn­te sie noch nicht mal mehr die Fahr­kar­te nach Hel­sin­ki errin­gen, genau so wenig wie 2007 einen Pos­ten als grie­chi­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin. Ent­schä­di­gung für all die­se bit­te­ren Nie­der­la­gen wur­de der gro­ßen, unver­gleich­li­chen, ein­zig­ar­ti­gen Euro­vi­si­ons­di­va Vicky Lean­dros nun durch den Schif­fer­städ­ter Kar­ne­vals­ver­ein Schlot­te zuteil, der sie mit dem Pfäl­zer Sau­ma­gen aus­zeich­ne­te: eine aus Rosen­quarz gefer­tig­te Nach­bil­dung des Leib­ge­richts unse­rer Kanz­le­r­alt­last – so was stellt man sich doch ger­ne ins Tro­phä­en­re­gal!


Fischer & Fischer: Will­kom­men in der Ver­gan­gen­heit

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Vicky Lean­dros: Ein Mäd­chen von Pirä­us

Vicky Lean­dros’ Ver­such, grie­chi­sche Kul­tus­mi­nis­te­rin zu wer­den, ist geschei­tert. Ihre Lis­te, die sozia­lis­ti­sche Oppo­si­ti­ons­par­tei Pas­ok, erhielt bei der Wahl am Sonn­tag zu weni­ge Stim­men. Immer­hin bleibt der zwei­ma­li­gen Euro­vi­si­ons­teil­neh­me­rin und Sie­ge­rin von 1972 noch ihr bis­he­ri­ger Pos­ten als Beauf­trag­te für inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen und Kul­tur im Athe­ner Hafen­vor­ort Pirä­us.


Euro­vi­si­ons­kol­le­gin Lisa del Bo (BE 1996) singt Vicky ein Ständ­chen

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DVE 2006: Nor­disch by Natu­re

Jane Comerford von Texas Lightning, DE 2006
Deutsch­lands Liebs­te

Nach der Schan­de von Kiew (letz­ter Platz für Gra­cia mit 4 Mit­leids­zäh­lern) gab der NDR-Unter­hal­tungs­chef Jür­gen Mei­er-Beer ent­nervt sei­nen Rück­tritt als Euro­vi­si­ons­ver­ant­wort­li­cher bekannt. In sei­ner Rat­lo­sig­keit, was er nun mit der Sen­dung anfan­gen soll­te, hol­te sich der öffent­lich-recht­li­che Sen­der Unter­stüt­zung dort, wo in Deutsch­land die Unter­hal­tungs­kom­pe­tenz behei­ma­tet ist: bei den Pri­va­ten. Genau­er: bei Pro­Sie­ben und des­sen Come­dy-Aus­hän­ge­schild Tho­mas Her­manns (Quatsch Come­dy Club, Pop Club). Der beken­nen­de Grand-Prix-Fan stürz­te sich mit Feu­er­ei­fer an die Auf­ga­be und pro­du­zier­te eine gla­mou­rö­se, schwel­ge­ri­sche Retro-Show rund um den fünf­zigs­ten Geburts­tag des Song Con­tests.

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ESC 1972: Tage voll hel­lem Son­nen­schein

Logo des Eurovision Song Contest 1972
Das Jahr der deut­schen Diven

Das 1971 sieg­rei­che Fürs­ten­tum Mona­co, dank eige­ner Spiel­bank finan­zi­ell auf Rosen gebet­tet, lehn­te die Aus­tra­gung des Con­tests ab: nach offi­zi­el­ler Dar­stel­lung woll­te Tele­ra­dio Mon­te Car­lo den Event man­gels geeig­ne­ter Hal­le erst im Juni 1972 im Frei­en abhal­ten. Das war den grö­ße­ren Sen­dern, allen vor­an der BBC, zu spät: bis dato lief der Con­test meist im März. Eine neue Hal­le konn­te und woll­te der Stadt­staat inner­halb weni­ger Mona­te aber nicht aus dem knap­pen Boden stamp­fen. Wie fast immer bei sol­chen Gele­gen­hei­ten sprang die BBC ein. So kam der Wett­be­werb aus der Ehr­furcht ein­flö­ßen­den Usher Hall im schot­ti­schen Edin­burgh. Die anbe­tungs­wür­di­ge Tän­ze­rin und Schau­spie­le­rin Moi­ra Shea­rer (‘Die roten Schu­he’) führ­te in unnach­ahm­lich bri­ti­scher Wei­se, in einer hin­rei­ßen­den Mischung aus pro­fes­sio­nel­ler Stren­ge, aris­to­kra­ti­scher Nobles­se und natür­li­chem Charme durch den aus deut­scher Sicht bes­ten Jahr­gang der Euro­vi­si­ons­ge­schich­te.

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ESC 1967: Sicher vor der sen­gen­den Son­ne

Logo Eurovision Song Contest 1967
Das Jahr der Viel­spra­chig­keit

Schon seit vie­len Jah­ren war den Hol­län­dern kein Sieg beim Grand Prix mehr gelun­gen. Und das, obwohl sie doch in den Anfangs­jah­ren des Wett­be­werbs regel­mä­ßig im Wech­sel mit Frank­reich den ers­ten Platz beleg­ten! Auch die dies­jäh­ri­ge Ver­tre­te­rin Thé­rè­se Stein­metz, die in Wien als ers­te Kom­bat­tan­tin auf die mit moder­nen Dreh­spie­geln aus­staf­fier­te Büh­ne im ansons­ten extrem baro­cken Fest­saal der kai­ser­li­chen Hof­burg – bis heu­te unge­schla­gen die nobels­te Loca­ti­on, in wel­cher der Euro­vi­si­ons­zir­kus jemals gas­tier­te! – muss­te, lan­de­te weit abge­schla­gen auf dem vier­zehn­ten Rang. Skur­ril – denn vom laut­ma­le­ri­schen ‘Ring Din­ge Ding’ ist es, zumin­dest pho­ne­tisch, nicht sehr weit zu ‘Ding A Dong’, mit dem die Nie­der­län­der erst 1975 wie­der die Kro­ne errin­gen konn­ten (mal abge­se­hen natür­lich von 1969, wo sich Len­ny Kuhr den Sieg jedoch mit drei Mit­be­wer­be­rin­nen tei­len muss­te). Eine kom­men­de Grand-Prix-Gewin­ne­rin ging indes heu­er erst­mals für Luxem­burg an den Start.

Ein bis­sel grus­lig: man war­tet drei Minu­ten drauf, ob Thé­rè­ses Hals­schlag­ader gleich platzt? (NL)

Die in Deutsch­land leben­de Grie­chin Vicky Lean­dros (→ LU 1972, Vor­ent­scheid DE 2006) hat­te jedoch trotz eines gran­dio­sen, klas­sisch fran­ko­phi­len Gefühls­stur­mes in die­sem Jahr kei­ne Chan­ce. Denn das vom fran­zö­si­schen Kom­po­nis­ten André Popp (→ ‘Tom Pil­li­bi’, FR 1960) ver­fass­te ‘L’Amour est bleu’ muss­te von Start­po­si­ti­on 2 aus ins Ren­nen: bekann­ter­ma­ßen der Todes­stoß für jeden Bei­trag. Erschwe­rend kam hin­zu, dass sie hier sang wie eine Hupe und auf der Büh­ne stand wie ein Schluck Was­ser in der Kur­ve. Der Legen­de zufol­ge schwor sich Vicky nach der Ver­an­stal­tung, eine tri­um­pha­le Rück­kehr hin­zu­le­gen: fünf Jah­re spä­ter mach­te sie es wahr. Die Gast­ge­ber schick­ten den Lie­der­ma­cher Peter Hor­ten (→ Vor­ent­scheid DE 1972, 1975), der sich spä­ter auf Druck der gleich­na­mi­gen, mitt­ler­wei­le längst im Metro-Kon­zern auf­ge­gan­ge­nen Kauf­haus­ket­te in Hor­ton umbe­nen­nen muss­te. Hof­fen wir für Mil­lio­nen Deut­sche, dass der Mol­ke­rei­pa­te Theo Mül­ler nie auf dum­me Gedan­ken kommt! ‘War­um es hun­dert­tau­send Ster­ne gibt’, woll­te aber außer­halb Öster­reichs nie­mand wis­sen: Platz 14.

Eine Kör­per­hal­tung wie ein Fra­ge­zei­chen: Vicky Lean­dros (LU)

Für Finn­land sang der etwas fül­li­ge Fre­di (→ FI 1976) lei­den­schaft­lich krä­hend sein ein­dring­li­ches ‘Var­joon-suo­ja­an’, eine ers­te War­nung vor den Fol­gen des Ozon­lochs (“Schutz vor dem glei­ßen­den Him­mel”). Sein Titel kam jedoch zu früh für die ver­schnarcht-kon­ser­va­ti­ven → Jurys, die erwar­tungs­ge­mäß kei­ner­lei Gespür für öko­lo­gi­sche The­men bewie­sen. Ganz → ohne Punk­te schick­ten sie dies­mal immer­hin nur eine Künst­le­rin heim: die schwei­ze­ri­sche Reprä­sen­tan­tin Géral­di­ne Gau­lier. Das aller­dings auch zu Recht, denn sie ver­ge­wal­tig­te die Töne eher, als sie zu sin­gen. Ins­be­son­de­re die gro­ße hohe Schluss­no­te ging einem so sehr durch Mark und Bein wie das Geräusch krat­zen­der Fin­ger­nä­gel auf einer Schie­fer­ta­fel. ‘Anousch­ka’, der deut­sche Bei­trag, hät­te in der von Alex­an­dra inter­pre­tier­ten Fas­sung durch­aus Chan­cen beses­sen, womit Inge Brücks Fähig­kei­ten nicht abge­wer­tet wer­den sol­len. Aber der wun­der­bar melan­cho­li­sche Trös­tungs­schla­ger war, sehr hör­bar, auf die schmerz­haft schö­ne, tief­trau­ri­ge Stim­me Alex­an­dras (eine der Stamm­ab­neh­me­rin­nen des Kom­po­nis­ten Hans Blum) hin geschrie­ben und gewinnt erst in der sub­ti­len Bre­chung der Durch­hal­te­bot­schaft (”Musst nicht wei­nen, klei­ne Anousch­ka / Er kommt wie­der, klei­ne Anousch­ka”) durch das ein­zig­ar­tig bit­ter­sü­ße Tim­bre der Aus­nah­mesän­ge­rin den nöti­gen inhalt­li­chen Tief­gang. Inge Brück gab ihr Bes­tes, ver­füg­te aber nicht nur über eine Fri­sur wie Ange­la Mer­kel, son­dern auch über deren Büh­nen­aus­strah­lung. Und sank in Wien folg­lich wie ein Stein.

Maso­chis­ten hal­ten bit­te bis zum bit­te­ren Ende durch: es lohnt sich! (CH)

Denn Groß­bri­tan­ni­en, bekannt­lich das Mut­ter­land des Pop, schick­te eine jun­ge, gut aus­se­hen­de Frau mit ech­tem Pop­star-Appeal und einem ech­ten Pop­song. San­die Shaw, die den brit­schen Vor­ent­scheid A Song for Euro­pe zuvor allei­ne bestrei­ten durf­te, brach­te – nach der Vor­ar­beit von Fran­ce Gall 1965 – mit nur fünf Jah­ren Ver­spä­tung nun end­gül­tig den Beat zum Con­test. Auch wenn ‘Pup­pet on a String’ eine gewis­se musi­ka­li­sche Ver­wandt­schaft zum Humptata-Schla­ger des Musi­kan­ten­stadls auf­weist: sei­ner­zeit ging man mit den Gen­re­gren­zen noch nicht so streng um wie heu­te. Zudem erscheint es als nahe­lie­gend, dass gera­de die Kom­bi­na­ti­on der für dama­li­ge Ver­hält­nis­se unkon­ven­tio­nell auf­tre­ten­den und damit frisch wir­ken­den Shaw und des eher gewöhn­li­chen, ver­söhn­lich wir­ken­den Lieds (das für die nächs­ten zehn Jah­re so etwas wie die Blau­pau­se aller bri­ti­schen Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge lie­fern soll­te) zum Sieg führ­ten. Mit Madame Gall ver­band Miss Shaw indes nicht nur die Mario­net­ten-The­ma­tik des Song­tex­tes, den die Sän­ge­rin selbst als “sexis­ti­schen Schwach­sinn” brand­mark­te, son­dern auch der damit ver­bun­de­ne Erfolg und des­sen spä­te­re ent­schie­de­ne Ableh­nung.

Wahr­lich nicht schlech­ter: ‘Tell the Boys’, Platz 2 beim Song for Euro­pe 1967

Shaw wäre wohl deut­lich lie­ber mit dem zweit­plat­zier­ten Bei­trag des bri­ti­schen Vor­ent­scheids nach Wien gefah­ren. Ver­ständ­li­cher­wei­se, wie man sagen muss: ‘Tell the Boys’ klang deut­lich weni­ger nach Bier­zelt und ein biss­chen mehr nach Motown, war dabei sehr ein­gän­gig und mit­rei­ßend, und erzähl­te inhalt­lich, wenn­gleich es vor­der­grün­dig ums The­ma Treue ging, eine deut­lich eman­zi­pier­te­re Geschich­te (die sich jetzt in fes­ten Hän­den befin­den­de San­die ver­ab­schie­det sich von ihren zahl­rei­chen frü­he­ren Lieb­ha­bern, mit denen sie bis­lang “sehr viel Spaß” hat­te) als der Titel, den ihr das Publi­kum letzt­lich her­aus­such­te. Das aber natür­lich, wie stets, die rich­ti­ge Wahl traf: ihr in der Hof­burg bar­fuß vor­ge­tra­ge­nes ‘Pup­pet on a String’ gewann nicht nur mit rie­si­gem Vor­sprung den Song Con­test, es warf auch einen euro­pa­wei­ten Num­mer-Eins-Hit ab und avan­cier­te zum unver­ges­se­nen Ever­green. Sogar die eilig ein­ge­deutsch­te, von der bedau­erns­wer­ten Inter­pre­tin eigens pho­ne­tisch ein­ge­sun­ge­ne Fas­sung ‘Wie­de­hopf im Mai’ fand trotz absur­des­ter Über­set­zungs­ly­rik noch ihre Abneh­mer (#36). San­dies Sieg mar­kier­te damit den unum­kehr­ba­ren Über­gang in eine neue Euro­vi­si­ons­ära: weg vom getra­ge­nen fran­ko­phi­len Chan­son, hin zum beat­be­ton­ten, hit­pa­ra­den­taug­li­chen Pop­song. Eine gut­zu­hei­ßen­de Ent­wick­lung.

Da stand anfangs wohl irgend­je­mand auf der Lei­tung! (UK)

Einen wei­te­ren Moder­ni­täts­schub lie­fer­te Mona­co, das die Fran­zö­sin Min­ou­che Barel­li und ihr von Ser­ge Gains­bourg (→ ‘Pou­pée de Cire, Pou­pée de Son’, LU 1965) kom­po­nier­tes Anti­kriegs­lied ‘Boum Bad­abo­um’ ein­ge­kauft hat­te. Nicht nur ein musi­ka­li­scher Don­ner­schlag: die Aus­sa­ge, ange­sichts des durch die Atom­bom­be bald bevor­ste­hen­den Welt­un­ter­gangs noch schnell das Leben in vol­len Zügen genie­ßen zu wol­len (natür­lich, es ist ja von Gains­bourg, auch sexu­ell), kann für Grand-Prix-Ver­hält­nis­se als gera­de­zu revo­lu­tio­när poli­tisch gel­ten. Heut­zu­ta­ge fie­le so eine Num­mer sicher­lich der EBU-Zen­sur zum Opfer. Barel­li ver­starb 2004 im Alter von nur 57 Jah­ren in Mona­co, zwei Jah­re, nach­dem sie die Staats­an­ge­hö­rig­keit des Stadt­staa­tes ange­nom­men hat­te. Mit gar nur 43 Jah­ren riss ein Auto­un­fall 1980 den bel­gi­schen Ver­tre­ter Luis Neefs (→ BE 1969) aus dem Leben. Sein deut­lich tra­di­tio­nel­le­rer Schla­ger ‘Ik heb Zor­gen’ hät­te auch von Peter Alex­an­der stam­men kön­nen, unter­hielt aber immer­hin durch eine per­fi­de Klatsch­fal­le: einem ange­täusch­ten, abrup­ten Lied­en­de, das aber in Wahr­heit nur aus einer zir­ka ein­se­kün­di­gen Kunst­pau­se bestand, nach wel­cher der Inter­pret so über­ra­schen­der- wie über­flüs­si­ger­wei­se den Refrain noch ein­mal wie­der­hol­te. Sol­che klei­nen Schock­mo­men­te lieb­te Neefs sehr, was ihn zum gru­se­ligs­ten Mann des Grand Prix mach­te.

Ein wenig fröh­li­cher als Nico­le: das Anti­kriegs­lied von Min­ou­che (MC)

Spa­ni­en schick­te erneut den Vor­jah­res­sän­ger Rapha­el (→ ES 1966), mit einem wei­te­ren dra­ma­ti­schen Bei­trag namens ‘Hab­la­mos del Amor’, der aber nicht ganz an die Ein­dring­lich­keit von ‘Yo soy aquél’ anknüp­fen konn­te. Fast allen die­sen Län­dern soll­te der ers­te Tri­umph noch bevor­ste­hen. Öster­reich hin­ge­gen muss­te ein knap­pes hal­bes Jahr­hun­dert auf einen wei­te­ren Sieg war­ten, und nach die­ser Ver­an­stal­tung ist das auch kein Wun­der. Die ORF-Mode­ra­to­rin Eri­ca Vaal ver­hed­der­te sich bei der Punk­te­ver­ga­be völ­lig und rief San­die Shaw (die zu die­sem Zeit­punkt aller­dings bereits unein­hol­bar führ­te) bereits vor der letz­ten Wer­tung zur Sie­ge­rin aus, was der düpier­te iri­sche Jury­spre­cher mit einem mokan­ten “I thought we were going to be left out” kom­men­tier­te, wäh­rend die Gast­ge­be­rin vor lau­ter Zer­knirscht­heit an ihrem “Oh, I am so sor­ry” fast erstick­te. So weit, so amü­sant. Doch galt das weni­ger für den zähen Show-Auf­takt, bei dem Frau Vaal ihre gefühlt drei­stün­di­ge (und real zehn­mi­nü­ti­ge) Begrü­ßungs­re­de auf deutsch, fran­zö­sisch, eng­lisch, ita­lie­nisch, spa­nisch und – für die Zuschauer/innen der Inter­vi­si­on – rus­sisch hielt. Anschlie­ßend ent­schul­dig­te sie sich, nicht auch noch die Spra­chen der rest­li­chen Teil­neh­mer­län­der gelernt zu haben, ver­sprach aber, das nach­zu­ho­len, soll­te der Con­test “in naher Zukunft” noch­mals in Wien statt­fin­den. Die Euro­pä­er begrif­fen das wohl als ernst­zu­neh­men­de Dro­hung: erst der Tod von Frau Vaal im Okto­ber 2013 ebne­te tra­gi­scher­wei­se den Weg für Con­chi­ta Wurst (→ AT 2014)!

Spieg­lein, Spieg­lein an der Wand, wer singt am schöns­ten im gan­zen Land? Der ESC 1967

Euro­vi­si­on Song Con­test 1967

Grand Prix de la Chan­son. Sams­tag, 8. April 1967, aus dem Gro­ßen Fest­saal der Hof­burg in Wien, Öster­reich. 17 Teil­neh­mer­län­der, Mode­ra­ti­on: Eri­ca Vaal.
#LandInter­pretTitelPunk­tePlatz
01NLThé­rè­se Stein­metzRing Din­ge Ding0214
02LUVicky Lean­drosL’Amour est bleu1704
03ATPeter Hor­tonWar­um es 100.000 Ster­ne gibt0214
04FRNoël­le Cor­dierIl doit fai­re beau là-bas2003
05PTEdu­ar­do Nasci­men­toO Ven­to mudou0312
06CHGéral­di­ne Gau­lierQuel Coeur vas-tu bri­ser?0017
07SEÖsten War­ner­bringSom en Dröm0708
08FIFre­diVar­joon-Suo­jann0312
09DEInge BrückAnousch­ka0710
10BELou­is NeefsIk heb Zor­gen0807
11UKSan­die ShawPup­pet on a String4701
12ESRapha­el Mar­tos Sán­chezHable­m­os del Amor0906
13NOKirsti Spar­boeDuk­ke­man0214
14MCMin­ou­che Barel­liBoum Bad­abo­um1005
15YULado Lesko­varVse Rože Sve­ta0709
16ITClau­dio Vil­laNon anda­re più lon­ta­no0411
17IESean Dun­phyIf I could choo­se2202