ESC 1962: Ring a tipi tii ding

Logo des Eurovision Song Contest 1962
Das Jahr des Schlag­zeugs

Luxem­burg gilt im All­ge­mei­nen als finan­zi­ell wohl­si­tu­ier­te euro­päi­sche Steu­er­flucht­oase. Um so merk­wür­di­ger mute­ten die anhal­ten­den Strom­schwan­kun­gen und mehr­fa­chen Licht­aus­fäl­le im RTL-Audi­to­ri­um wäh­rend der Grand-Prix-Über­tra­gung von 1962 an, die den Zuschauer/innen infra­struk­tu­rell eher den Ein­druck eines Drit­te-Welt-Lan­des (oder der heu­ti­gen USA) ver­mit­tel­ten. Wohl auch, um Kos­ten zu spa­ren, gestal­te­te der Sen­der des Groß­her­zog­tums den Ablauf der Show ziem­lich zügig, die Lie­der folg­ten fast naht­los auf­ein­an­der. Das Anzie­hen des Tem­pos über­trug sich in wohl­tu­en­der Wei­se eben­falls auf das sen­der­sei­tig gestell­te, erstaun­lich druck­voll und prä­zi­se auf­spie­len­de Orches­ter. Fast konn­te man den Ein­druck gewin­nen, Rhyth­mus­in­stru­men­te wie das Schlag­zeug sei­en in die­sem Jahr erst erfun­den wor­den. Jeden­falls kamen sie erst­mals bei einer Viel­zahl der Wett­be­werbs­bei­trä­ge deut­lich hör­bar zum Ein­satz – und das tat dem Musik­me­nü sehr, sehr gut.

Auf­ge­trie­delt: Mari­on Rung (FI).

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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1962: Und das Tele­fon sagt Du

16 Lie­der hat­te der spa­ni­sche Sen­der TVE zuge­las­sen für sei­ne zwei­te natio­na­le Pre­sel­ección im Jah­re 1962. Sechs davon schie­den aller­dings einen Tag vor dem TV-Fina­le in einer Radio-Vor­run­de wie­der aus. Erstaun­li­cher­wei­se gehör­te der Can­to de un Fra­ca­so, also der ‘Song vom Fias­ko’ des Kom­po­nis­ten, Schau­spie­lers und Sän­gers Ton­io Are­ta (†2012) nicht dazu, obwohl er doch das Schei­tern bereits im Titel trug. Wie eini­ge der Finalist/innen hat­te er gleich zwei Eisen im Feu­er: sein ande­rer Wett­be­werbs­bei­trag Un vie­jo Para­gu­as (‘Ein alter Regen­schirm’) mach­te immer­hin die Sil­ber­me­dail­le klar. Ich dach­te, den braucht man über­haupt nie in dem Land, wo “die Son­ne scheint bei Tag und Nacht”? Zu den Dop­pel­star­tern zähl­te auch der kata­la­ni­sche Sän­ger Josep (José) Guar­dio­la Díaz de Rada (eben­falls †2012), der auf dem Pfad der Erin­ne­run­gen wan­del­te, jedoch sowohl mit dem ‘Recuer­do’ (‘Sou­ve­nir’) als auch der Nost­al­gia an den zehn regio­na­len Jurys schei­ter­te, die offen­sicht­lich eher Gegen­warts­be­zo­ge­nes gou­tier­ten. Mög­li­cher­wei­se hing ihm noch der Skan­dal des Fes­ti­val de la Can­ción Medi­ter­rá­nea nach, eines ande­ren der in Spa­ni­en sehr zahl­rei­chen Lie­der­wett­strei­te, den er zwar gewann, jedoch dis­qua­li­fi­ziert wur­de, weil bei der Aus­zäh­lung mehr Stimm­zet­tel zusam­men­ka­men als man vor­her aus­ge­ge­ben hat­te. Des­sen­un­ge­ach­tet bestimm­te TVE im Jahr dar­auf Guar­dio­la intern zum Reprä­sen­tan­ten der Ibe­rer.

Der rach­süch­ti­ge Rapha­el spielt den Jago.

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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1961: Babe­bi­bu­bá Bau­tis­ta!

Auf eine wech­sel­vol­le Grand-Prix-Geschich­te blickt das 1961 erst­mals am Euro­vi­si­on Song Con­test teil­neh­men­de Spa­ni­en zurück, gekenn­zeich­net von zwei direkt auf­ein­an­der­fol­gen­den, stark umstrit­te­nen Sie­gen (1968 und 1969), drei Nul-Points-Ergeb­nis­sen und einer fast immer skan­da­lö­sen Miss­ach­tung sei­ner meist fabel­haf­ten Bei­trä­ge. Bei sei­ner Erst­teil­nah­me noch in den Klau­en des rechts­ge­rich­te­ten Dik­ta­tors Fran­co (was beim ESC von 1964 in Kopen­ha­gen zu poli­ti­schem Pro­test auf der Büh­ne führ­te), seit 1978 jedoch demo­kra­tisch regiert, ist die son­ni­ge Halb­in­sel heu­te auf­grund ihrer Ein­woh­ner­stär­ke wie Deutsch­land Teil der Big Five. Und wür­de es, wie Deutsch­land, ohne die­ses Pri­vi­leg kaum noch ins Fina­le schaf­fen. Vor allem die jün­ge­ren spa­ni­schen Euro­vi­si­ons­fans sind auf­grund ihrer oft ans Mili­tan­te gren­zen­den Ver­eh­rung ihrer Repräsentant/innen und ihres Han­ges zu laut­star­kem Geschnat­ter inter­na­tio­nal gefürch­tet. Was aber wäre der Grand Prix ohne die Bereit­schaft zu Lei­den­schaft und Dra­ma? Die­se bei­den quint­essen­ti­el­len Qua­li­tä­ten zeich­nen auch etli­che ibe­ri­sche Bei­trä­ge aus. Und wirk­lich nie­mand könn­te dies bes­ser illus­trie­ren als Spa­ni­ens aller­ers­te Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin María Con­cep­ción Bau­tis­ta Fernán­dez ali­as Con­chi­ta Bau­tis­ta!

Dra­ma, Baby! Con­chi­ta bei ihrem Euro­vi­si­ons­auf­tritt in Can­nes.

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