Bul­ga­ri­en 2020: Mor­gens bin ich immer müde

Ken­nen Sie das, liebe:r Leser:in? Wenn man manch­mal nur noch elen­dig­lich müde ist? Müde der Hin­hal­te­tak­tik von immer mehr Euro­vi­si­ons­na­tio­nen, die wie Bul­ga­ri­en ihre Reprä­sen­tan­tin für Rot­ter­dam bereits im Novem­ber letz­ten Jah­res bekannt­ga­ben, sich aber, unter­bro­chen von stän­di­gen nutz­lo­sen Teasern, bis heu­te früh Zeit lie­ßen mit der voll­stän­di­gen Ver­öf­fent­li­chung des Wett­be­werbs­bei­trags? Müde der Flut von depri­mie­ren­den Jam­mer­bal­la­den, zu denen das vom Sym­pho­nix-Kol­lek­tiv und der Inter­pre­tin Vic­to­ria Geor­gi­e­va selbst geschrie­be­ne ‘Tears get­ting sober’ einen wei­te­ren Trop­fen bei­trägt? Müde der Tex­te, die sich nach offi­zi­el­ler Dar­stel­lung mit wich­ti­gen, zeit­ge­mä­ßen The­men wie psy­chi­schen Erkran­kun­gen befas­sen, sich tat­säch­lich aber in einer lyri­schen Belie­big­keit und Unbe­stimmt­heit ver­lie­ren, die kei­ne fass­ba­re inhalt­li­che Aus­sa­ge erken­nen lässt? Und von denen man als Zuhörer:in ohne­hin kaum ein Wort ver­steht, weil sich die Sän­ge­rin und der sie durch das gesam­te Lied beglei­ten­de, elek­tro­nisch ver­frem­de­te Engel­schor in einer säu­selnd-ver­wa­sche­nen Beto­nung gefal­len? Müde der zwi­schen spar­sam und süß­lich-schwel­ge­risch chan­gie­ren­den orches­tra­len Instru­men­tie­rung, die aus dem bul­ga­ri­schen Bei­trag eine Art musi­ka­li­scher Zucker­wat­te mit Bit­ter­man­del­ge­schmack macht? Ja, ken­nen Sie? Dann kön­nen Sie viel­leicht nach­emp­fin­den, wie drin­gend ich jetzt was zum Wach­wer­den bräuch­te. Kof­fe­in- oder Koks­spen­den wer­den ger­ne ent­ge­gen genom­men.

Selbst Vic­to­ria schaut ganz ver­schla­fen drein.

Unsub­stan­ti­al Blues: BNT nomi­niert Vic­to­ria Geor­gi­e­va für Rot­ter­dam

Die 22jährige Vic­to­ria Geor­gi­e­va wird beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020 Bul­ga­ri­en ver­tre­ten, wie der ver­ant­wort­li­che Sen­der BNT heu­te annon­cier­te. Bekannt­heit erlang­te die intern bestimm­te Reprä­sen­tan­tin durch ihre Teil­nah­me an der Cas­ting­show X Fac­tor Bul­ga­ria, wobei sie sich durch Beharr­lich­keit aus­zeich­ne­te: schon bei der Erst­aus­strah­lung des For­mats in ihrem Hei­mat­land im Jah­re 2011 bewarb sie sich, schaff­te es aber – auch auf­grund ihres Alters – nicht in die Sen­dung. Was sie nicht davon abhielt, es so lan­ge immer wie­der zu ver­su­chen, bis sie Ende 2015 in der vier­ten Staf­fel end­lich antre­ten durf­te. Übri­gens unter Juro­ren­schaft von Lucy Dia­kovs­ka von den No Angels und in Kon­kur­renz zu Kris­ti­an Kostov, dem ESC-Ver­tre­ter von 2017. Der beleg­te bei X Fac­tor den zwei­ten Rang, Vic­to­ria hin­ge­gen schied als Sechst­plat­zier­te aus. Trotz­dem gelang es ihr, einen Plat­ten­ver­trag klar zu machen, und ihre Sin­gles zei­gen, war­um: Stim­me hat das Mädel, Aus­strah­lung eben­falls. Hin­zu kommt ein Hang zur deko­ra­ti­ven Düs­ter­keit, wie er sich auch in dem knapp vier­mi­nü­ti­gen, leicht ans Prä­ten­tiö­se gren­zen­den Pro­mo-Clip mani­fes­tiert, mit dem BNT heu­te die Sän­ge­rin vor­stell­te. Vic­to­ri­as Label jeden­falls glaubt an sie, schließ­lich finan­ziert es die kom­plet­ten ESC-Teil­nah­me­kos­ten. Könn­te sich rech­nen: wenn ihr Euro­vi­si­ons­bei­trag, auf wel­chen wir aller­dings noch bis März 2020 war­ten müs­sen (buh!), qua­li­ta­tiv mit ihren bis­he­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen mit­hal­ten kann, ste­hen die Chan­cen gut, dass Bul­ga­ri­en erneut ganz vor­ne mit­mischt.

Man fragt sich, was die bei­den “bösen Buben” im LKW aus Vic­to­ria her­aus­prü­geln woll­ten: wel­chen Abdeck­stift sie benutzt? (Reper­toire­bei­spiel)