Öster­reich 2020: Strai­ght Mas­ter­pie­ces

Ein stark ver­wäs­ser­ter Neu­auf­guß von Mark Ron­sons Top­hit ‘Uptown Funk’ aus dem Jah­re 2014, so könn­te man den heu­te mor­gen tra­di­tio­nell zu nacht­schla­fen­der Stun­de gegen 7:40 Uhr zunächst im Ö3-Radio­we­cker vor­ge­stell­ten und spä­ter von einem offi­zi­el­len Video­clip beglei­te­ten öster­rei­chi­schen Bei­trag für Rot­ter­dam knapp zusam­men­fas­sen. Sicher­lich nicht die ori­gi­nells­te Umschrei­bung, aber der ori­gi­nells­te Song ist ‘Ali­ve’ ja nun auch nicht gera­de. Ein biss­chen schlep­pend fängt er an, nach knapp einer Minu­te schal­tet er in einen höhe­ren Gang und groovt gemäch­lich vor sich hin. Gera­de genug zum ent­spann­ten Mit­wip­pen im Fau­teuil, ohne dass es einen zum Auf­ste­hen und Tan­zen ani­mier­te. Am Ende haut ‘Ali­ve’ wie­der die Hand­brem­se rein und ver­san­det flach, wie es der­zeit eine weit ver­brei­te­te Unart ist bei Grand-Prix-Bei­trä­gen. Stimm­lich for­dert der wun­der­bar neben­bei hör­ba­re und für eine sta­bi­le Kauf- oder Pro­duk­ti­vi­täts­lau­ne sor­gen­de Radio-Song mit sei­nen vie­len “Oh oh oh“s den bereits im Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res als Inter­pret bekannt­ge­ge­be­nen Vin­cent Bue­no nicht beson­ders her­aus, das soll­te also auch live klap­pen. Ob er die Mas­sen dazu bewegt, für ihn anzu­ru­fen, wird wohl stark von der Büh­nen­show abhän­gen. Und die muss spek­ta­ku­lär aus­fal­len (ich gebets­müh­le da ger­ne: Tän­zer! Tän­zer! Tän­zer!), wenn das Kin­der-Bue­no im Gedächt­nis blei­ben will. Aber immer­hin: es ist kei­ne wei­te­re Bal­la­de. Dan­ke dafür, Öster­reich!

Nervt nicht, schlä­fert nicht ein, depri­miert nicht: Vin­cent Bue­nos Song ist rund­her­um nett.

Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rot­ter­dam

Den Sil­ves­ter­abend 2019 wähl­te das geor­gi­sche Fern­se­hen als pro­mi­nen­ten Sen­de­platz für das Fina­le der aktu­el­len Staf­fel der Cas­ting­show Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi, hier­zu­lan­de bekannt als DSDS. Span­nungs­arm ging die­se zu Ende: wie bereits in aus­nahms­los allen vor­an­ge­gan­ge­nen Run­den setz­te sich der 32jährige Tor­ni­ke Kipia­ni auch im Fina­le spie­lend gegen drei ver­blie­be­ne Konkurrent/innen durch und ver­tritt damit das Kau­ka­sus­land beim Euro­vi­si­on Song Con­test 2020. Sein Bei­trag für Rot­ter­dam steht aller­dings noch nicht fest: die Show dien­te heu­er nur zur Ermitt­lung des Inter­pre­ten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fens­ter, wenn man spe­ku­liert, dass es laut und düs­ter wer­den dürf­te, denn hei­ser Gegröhl­tes ist die Spe­zia­li­tät von Kipia­ni. 2014 gewann er bereits die geor­gi­sche Aus­ga­be der Kon­kur­renz­cas­ting­show X‑Factor, unter ande­rem mit einer bizar­ren, mari­lyn­man­so­nes­ken Neu­be­ar­bei­tung von Kylie Mino­gues fabel­haf­tem Pop-Ban­ger ‘Can’t get you out of my Head’. 2017 ver­such­te er es beim hei­mi­schen Vor­ent­scheid und schaff­te damit zumin­dest eine “beson­ders loben­de Erwäh­nung” in die­sem Blog” für sei­nen “auf ange­neh­me Art und Wei­se ver­stö­ren­den Auf­tritt” mit einem iro­nisch beti­tel­ten, aggres­siv mono­to­nen Tech­no­t­ra­ck.

Das per­fek­te Sound­bett für ein dro­gen­um­ne­bel­tes Aben­teu­er in einem ver­si­ff­ten Ber­li­ner Fetisch­club. Und der per­fek­te Part­ner dafür gleich dazu: Tor­ni­ke mit sei­nem VE-Bei­trag von 2017.

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