Schlagwort: Wencke Myhre

Ein Lied für Ber­gen 1986: Unse­re ein­zi­ge Welt
1986, Deutsche Vorentscheidung, Die Achtziger, Schwules, Unsere Lieblinge

Ein Lied für Ber­gen 1986: Unse­re ein­zi­ge Welt

Sie begann schon mit einem Knaller, die vom Bayerischen Rundfunk leicht anrüchig als "Endausscheidung" apostrophierte Vorauswahl 1986: gerade groovten sich die deutschen Vorjahresvertreter Wind auf der Bühne des Deutschen Theaters zu München zum Vollplayback von 'Für alle' ein, da klemmte bereits nach wenigen Sekunden das Band. Es folgte hilflos-nervtötendes Gestammel von einer absurd auftoupierten Dame mit dem sehr sprechenden Namen Sabrina Lallinger, während ihre Komoderatorin, der die Aufgabe zuteil kam, die zwölf Lieder anzusagen, dabei dermaßen grauenhafte Limericks stolpernd vom Blatt ablesen musste, dass man sich die Einführung der Scharia in Deutschland herbeisehnte, um die hierfür verantwortlichen BR-Redakteure mit Stockschlägen bestrafen zu dürfen. Nicht jedoch die Ableserin, d...
1983, Deutsche Vorentscheidung, Die Achtziger, Unsere Lieblinge

DE 1983: Ver­band uns wirk­lich nur die Nacht?

Im Jahr Eins nach Nicole hielt sich Ralph Siegel aus der deutschen Vorentscheidung komplett heraus. Kein "Projekt Titelverteidigung" wie bei einem anderen großen Eurovisionsegomanen - Onkel Ralph wusste, dass sich die Magie des Augenblicks nicht einfach wiederholen lässt. Ansonsten blieb alles wie gehabt: abgehalfterte Schlagerstars und unbekannte Sternchen sangen (noch immer unter der selben Lichtorgel wie schon 1979!) eine Auswahl ermüdender Schlichtschlager - alles, was auch nur im Entferntesten nach Subversion oder Blödelei hätte klingen können, siebten die Juroren und die Hörer/innen der ARD-Schlagerwellen in den Vorwahlen gnadenlos aus. Die deutsche Vorentscheidung blieb ein Hort der spießig-heilen Schlagerwelt, ein Bollwerk gegen modernen Deutschpop, gegen das richtige Leben. (m...
<span class="caps">ESC</span> 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted
1968, Die Sechziger, ESC Finale, Jurys sind Wichser, Schwules, Unsere Lieblinge

ESC 1968: Hap­pi­ness had­n’t been inven­ted

Jurys sind Wichser™! Den im Vergleich zu den → Nul-Point-Ergebnissen der Vorjahre zwar deutlich besseren, im Lichte der Konkurrenz dennoch etwas enttäuschenden (und ungerechten!) sechsten Platz im ersten Jahr der eurovisionären Farbausstrahlung verdankt der fabelhafte deutsche Beitrag von 1968 unter anderem den norwegischen Wertungsrichtern: die reagierten pikiert, weil die in Oslo gebürtige, in Deutschland jedoch keinen unerheblichen Anteil ihres Einkommens als Schlagersängerin generierende Wencke Myhre nicht fürs Heimatland sang, und straften sie fürs Fremdgehen mit null Punkten ab. Doch auch Deutschland sorgte beim Contest in London nicht nur mit dem progressiven 'Ein Hoch der Liebe' für Furore, sondern eben auch mit den sehr offensichtlich - eine andere Erklärung scheidet aus - von K...
<span class="caps">DE</span> 1968: Das ist das ers­te Mal für mich
1968, Deutsche Vorentscheidung, Die Sechziger, Unsere Lieblinge

DE 1968: Das ist das ers­te Mal für mich

Auch 1968 blieb es hinsichtlich der Ermittlung des deutschen Grand-Prix-Beitrages beim strikt internen Auswahlverfahren. Allerdings bequemte sich der zuständige Hessische Rundfunk nach den Pleiten der letzten Jahre mit angestaubten Durchhalteschlagern endlich zum längst überfälligen Modernitätssprung. Als Komponisten des aktuellen Beitrags verpflichtete man den Easy-Listening-Genius Horst Jankowski, Schöpfer des fabelhaften, schwungvoll-poppigen Instrumentaltitels 'Schwarzwaldfahrt' (ein US-Hit im Jahre 1965!). Er schrieb das nicht minder schwungvolle und poppige 'Ein Hoch der Liebe'; verpasste dem Stück einen Text, in dem es, wie fast immer im Schlager, unterschwellig ums Poppen ging; verzierte den Refrain mit polyglotten Einsprengseln in englisch, französisch und spanisch und bestand -...
Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it
1966, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

Melo­di Grand Prix 1966: We’­re not gon­na take it

Sie hatte ein klein wenig was von einem feministischen Folk-Festival, die norwegische Eurovisions-Vorentscheidung Melodi Grand Prix 1966. Was nicht nur daran lag, dass ausschließlich Frauen sangen. Nein, auch der eine oder andere der insgesamt fünf dort vorgestellten Titel verströmte einen leisen, leichten Hauch von Auflehnung und Rebellion, sei es durch seine Instrumentierung, seinen Text oder seine Interpretation. Interessanterweise stammten diese Lieder allesamt aus der schöpferischen Hand eines einzelnen Mannes, nämlich des norwegischen Komponisten und ESC-Vertreters von 1964, Arne Bendiksen. Was auch vor dem weiteren Hintergrund bemerkenswert erscheint, dass eine sendereigene Jury diese fünf - in jeweils zwei unterschiedlich instrumentierten Fassungen von zwei unterschiedlichen Sänger...
1964, Die Sechziger, Internationale Vorentscheidungen, Jurys sind Wichser

NO 1964: Für immer jung

Es war eine Art von Lehrstunde zum Thema Generationenkonflikt, was sich beim norwegischen Eurovisionsvorentscheid von 1964 abspielte. Und was auf seine eher spielerische Weise das reflektierte, was in der echten Popwelt draußen gerade in Form des massiven Durchmarsches von Bands wie den Beatles passierte, begleitet von hysterischem Verhalten der jugendlichen Fans, die in ihrem Übermut ganze Konzertsäle zerlegten, sowie vom völligen Unverständnis und der schroffen Ablehnung der "langhaarigen Gammler" durch die Erwachsenengeneration, die in ihnen - nicht ganz zu Unrecht - eine Bedrohung für die bestehende gesellschaftliche Ruhe und Ordnung sah. Lustigerweise repräsentierte beim Norske Melodi Grand Prix ein Mann gleich beide Seiten der Medaille: der norwegische Sänger, Musiker, Bandleader, Ko...