Zu wis­sen, ich hab den Song Con­test über­lebt”: Wil­fried Scheutz ist tot

Als der “gro­ße alte Mann des Aus­tro­pop” sag­te ihn der Mode­ra­tor Pat Ken­ny beim Euro­vi­si­on Song Con­test 1988 in Irland an, bei dem Wil­fried Scheutz mit, man muss es lei­der so sagen, einem der schlech­tes­ten Euro­vi­si­ons­bei­trä­ge aller Zei­ten den letz­ten Platz und die gefürch­te­ten → Nul Points hol­te. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te das Urge­stein der Neu­en Öster­rei­chi­schen Volks­mu­sik bereits eine beweg­te Kar­rie­re hin­ter sich: mit rocki­gen Neu­in­ter­pre­ta­tio­nen bekann­ter Volks­lie­der wie ‘Ziwui, Ziwui’ oder dem ‘Kuf­stein­lied’ und mit geni­al-skur­ri­len Pop­songs wie ‘High­del­bee­ren’ (beglei­tet von einem der legen­därs­ten Video­clips aller Zei­ten) fei­er­te er in den Sieb­zi­gern und Acht­zi­gern gro­ße Erfol­ge und schrieb sich ins kol­lek­ti­ve Musik­ge­dächt­nis der Alpen­re­pu­blik ein. Er wirk­te zudem auf dem Pre­mie­ren­al­bum der Ers­ten All­ge­mei­nen Ver­un­si­che­rung mit, wobei er sei­ne Frau Mari­na Tatic ken­nen­lern­te. Sei­ne Teil­nah­me am Grand Prix bezeich­ne­te er im Rück­blick als “Blöd­sinn”. Über den fol­gen­den, her­ben Kar­rie­re­knick sag­te er im Mai die­sen Jah­res in einem sehr bewe­gen­den Inter­view mit dem Maga­zin News: “Nach dem Song Con­test hab ich Thea­ter gespielt, weil ganz Öster­reich gewusst hat: ‘Der größ­te Trot­tel ist der Wil­fried’. Vor­her wur­de geschrie­ben ‘Das ist ein Genie’. Die öffent­li­che Mei­nung ändert sich so schnell, wie eine Tür zufällt”. Auch Freun­de hät­ten sich in die­ser schmerz­vol­len Pha­se von ihm abge­wen­det. Den­noch ste­he er zu sei­ner dama­li­gen Ent­schei­dung: “Das sind Din­ge, die mich durchs Leben brin­gen: Zu wis­sen, ich hab den Song Con­test über­lebt”. 1996 grün­de­te er die Aca­pel­la-Grup­pe 4Xang, die mit einer Mischung aus Kaba­rett und Aus­tro­pop erfolg­reich durch die Lan­de zog und bei der er mit ehe­ma­li­gen EAV-Kol­le­gen zusam­men­ar­bei­te­te. Gemein­sam mit sei­nem Sohn Hani­bal, der auch sein letz­tes, 2017 erschie­ne­nes Album ‘Gut Lack’ pro­du­zier­te, grün­de­te er 2009 zudem die Jazz­for­ma­ti­on Fathers’n’Sons. Dane­ben war er als Schau­spie­ler tätig. Erst vor weni­gen Mona­ten mach­te er bei den Aus­tri­an Music Awards sei­ne Krebs­dia­gno­se öffent­lich. Wil­fried dazu im News-Inter­view: “Es gibt Zita­te in Lie­dern, die damit zu tun haben, dass ich mir mei­ner End­lich­keit bewusst bin. Die Krank­heit hat mir Sachen eröff­net, über die ich mir vor­her kei­ne Gedan­ken gemacht habe. Wie glück­lich mich die uner­war­te­te Zuwen­dung der Leu­te machen kann, zum Bei­spiel”. Wil­fried erlag ges­tern im Kran­ken­haus von Lili­en­feld im Alter von 67 Jah­ren der tücki­schen Krank­heit.

Die­ses Jackett! Wil­fried beim Euro­vi­si­ons-Auf­tritt.