ESC 1995: Auch die Nacht geht mal vor­über

Logo des Eurovision Song Contest 1995
Der his­to­ri­sche Tief­punkt

Möch­te man den defi­ni­ti­ven Tief­punkt des Euro­vi­si­on Song Con­test ver­or­ten: hier ist er! Das Elend begann bereits Zuhau­se: der zustän­di­ge Zonen­sen­der MDR nomi­nier­te ohne jeg­li­ches Vor­auswahl­ver­fah­ren das christ­li­che Song­schrei­ber­ehe­paar Che­yenne Stone und Glen Pen­nis­ton (Stone & Stone), die Kom­po­nis­ten des in sei­ner Nai­vi­tät irgend­wie put­zi­gen Dro­gen-sind-pfui-Hits ‘Juli­an’, gesun­gen von der Ein­tags­flie­ge Man­dy Win­ter. Das unter­ir­di­sche, von den Stones selbst vor­ge­tra­ge­ne Prei­set-den-Herrn-Lied­chen ‘Ver­liebt in Dich’ stell­te die ARD – ent­ge­gen bis­he­ri­ger Gepflo­gen­hei­ten – noch nicht ein­mal in irgend­ei­ner Show mehr vor. Ver­mut­lich, um eine offe­ne Revol­te der deut­schen TV-Zuschau­er vor Dub­lin zu unter­bin­den.

Wei­ter­le­senESC 1995: Auch die Nacht geht mal vor­über

ESC 1994: Sie zu berüh­ren ist Sün­de

Logo des Eurovision Song Contest 1994
Das Jahr der betro­ge­nen Sie­ger

Ralph Sie­gel hält sich ger­ne zugu­te, dass er den euro­päi­schen Musik­ge­schmack ken­ne, oder viel­mehr den der Jurys. Und ganz kann man ihm da nicht wider­spre­chen: MeKa­Do, deren ‘Par­ty’-Ver­such sich als eines der weni­gen schnel­le­ren Stü­cke des Abends erwies und noch heu­te als garan­tier­ter Tanz­flä­chen­fül­ler bei jeder Euro­vi­si­ons­dis­co funk­tio­niert, erreich­ten in Dub­lin den drit­ten Platz. Der deut­sche Grand-Prix-Groß­va­ter dürf­te sich wohl als Ein­zi­ger rich­tig dar­über gefreut haben. Denn zu Hau­se rief das gute Abschnei­den Deutsch­lands nach lan­ger Durst­stre­cke nur noch Rat­lo­sig­keit, Ableh­nung und Des­in­ter­es­se her­vor. Ein pein­li­ches Pop­stück, das nie­mand kau­fen woll­te und für das auch kei­ner abge­stimmt hat­te, bescher­te uns einen vor­de­ren Platz bei einem Musik­ereig­nis, das kei­ner­lei rele­van­te Pop­mu­sik mehr bot und bei dem fast nie­mand mehr zuschau­en moch­te. Ähm: hur­ra?

Wei­ter­le­senESC 1994: Sie zu berüh­ren ist Sün­de

ESC 1992: Why her?

Logo des Eurovision Song Contest 1992
Das Jahr des feh­len­den “I”.

Nor­disch unter­kühlt das schwe­di­sche Mode­ra­ti­ons­paar, belang­los das Gros der vor­ge­tra­ge­nen Lie­der: wenig blieb hän­gen vom musi­ka­li­schen Auf­ge­bot die­ses Abends. Auch in den Charts: völ­li­ge Fehl­an­zei­ge. So waren es mal wie­der die opti­schen Ein­drü­cke, die den Bericht loh­nen. Wie bei­spiels­wei­se der kreg­le Zei­chen­trick­vo­gel Song Trush, der die Post­kar­ten ein­läu­te­te (und heu­te sei­ne vir­tu­el­le Hei­mat auf der exzel­len­ten Song­tex­te-Sei­te Dig­gi­loo gefun­den hat). Oder das rie­si­ge Wikin­ger­schiff auf der Büh­ne, das die Zuschau­er dar­an erin­nern soll­te, wer hier Mil­lio­nen für fla­che Unter­hal­tung aus­gab. Und das die Sän­ger mit Tro­cken­eis­rauch aus sei­nem Dra­chen­kopf am Bug von der Büh­ne scheuch­te, wenn die­se ihre drei Minu­ten zu über­zie­hen droh­ten.

Wei­ter­le­senESC 1992: Why her?

ESC 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel

Logo Eurovision Song Contest 1982
Das Jahr des Bruchs

1982: eine magi­sche Zahl für Deutsch­land, ein natio­na­les Trau­ma. Nicht nur, weil sich damals ein bir­nen­för­mi­ger Oggers­hei­mer anschick­te, das Land mit einer sech­zehn Jah­re wäh­ren­den Schre­ckens­herr­schaft zu über­zie­hen. Viel wich­ti­ger: wir gewan­nen den Grand Prix! Zum ers­ten – und, wie ich bis zum 29. Mai 2010, als Lena Mey­er-Land­rut die Wach­ab­lö­sung voll­zog und die Ära Sie­gel been­de­te, fest glaub­te, auch zum letz­ten – Mal. Der Con­test zog von den bis­her meist als Aus­tra­gungs­ort aus­ge­wähl­ten Haupt­städ­ten in die tiefs­te bri­ti­sche Pro­vinz nach Hor­ror­ga­te Har­ro­ga­te. Wie pas­send, denn pro­vin­zi­ell mute­te auch das musi­ka­li­sche Auf­ge­bot an.

Wei­ter­le­senESC 1982: Mei­ne Lie­der, die ändern nicht viel