Con­cours Euro­vi­si­on 1960: Le Java sans Tralala

Welch’ ein Durch­ein­an­der in der sonst doch als so ordent­lich gel­ten­den Schweiz! Fehl­te beim hel­ve­ti­schen Vor­ent­scheid von 1959 bereits das Tes­sin als eines von drei aus Grün­den des Sprach­re­gio­nen­pro­por­zes stets zu reprä­sen­tie­ren­den Lan­des­tei­len, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht ein­mal mehr her­aus­le­sen, wer nun für wel­chen Part der Eid­ge­nos­sen­schaft star­te­te. So stamm­te der ein­zi­ge (!) deutsch­spra­chi­ge Titel im Auf­ge­bot mit dem immer­grü­nen The­ma ‘Früh­ling’ von einem heu­te völ­lig ver­ges­se­nen Sän­ger mit ita­lie­ni­schem Namen, näm­lich Bian­co Caval­li­ni. Was auch noch klingt wie ein Tetra­pack-Tafel­weiß­wein aus dem Dis­coun­ter für 1,59 € der Liter. Als ein­zi­ge ver­läss­li­che Grö­ße sorg­te der eid­ge­nös­si­sche Dau­er­teil­neh­mer Jo Roland für Kon­ti­nui­tät, der wie stets die Roman­die reprä­sen­tier­te und mit ‘Ché­rie, Ché­rie’ (Lady?) fol­ge­rich­tig ein fran­zö­si­sches Chan­son anbot.

Im Rhein­land ein Gericht, in der Schweiz ein Euro­vi­si­ons­bei­trag: Ani­ta Tra­ver­si mit ‘Him­mel und Erde’.

Doch auch der vier­fa­che (!) bel­gi­sche Ver­tre­ter Fud Leclerc, der sich Wochen vor dem schwei­ze­ri­schen Aus­wahl­ver­fah­ren bereits zu Hau­se für den Grand Prix in Lon­don qua­li­fi­ziert hat­te, offe­rier­te hier gleich drei (!) im gal­li­schen Idi­om gesun­ge­ne Lie­der, dar­un­ter das unter Trash­ge­sichts­punk­ten äußerst viel­ver­spre­chen­de, im Netz jedoch bedau­er­li­cher­wei­se nicht auf­find­ba­re ‘Le Java sans Tra­la­la’. Neben Caval­li­ni und dem Wie­der­keh­rer Gian­ni Fer­ra­re­si fand sich mit Ani­ta Tra­ver­si gar noch eine drit­te Tes­si­ne­rin am Start. Sie brach­te gleich zwei Can­zo­ni dar, von denen das lieb­lich-lang­wei­li­ge, gei­gen­ge­schwän­ger­te ‘Him­mel und Erde’ gewann. Und zuge­ge­ben, auf ita­lie­nisch hört es sich als ‘Cie­lo e Ter­ra’ deut­lich bes­ser an, wie eben alles in die­ser Spra­che. Viel­leicht spe­ku­lier­te man auf Punk­te von der Mit­tel­meer-Halb­in­sel, wo Tra­ver­si im glei­chen Jahr gemein­sam mit Adria­no Cel­en­ta­no einen Top-Ten-Hit mit dem flot­ten Duett ‘Pic­co­la’ lan­den konnte?

Sol­che Kost hät­te man sich beim Grand Prix mal gewünscht! Adria­no & Ani­ta mit dem Strand­bar-Smas­her ‘Pic­co­la’ (Reper­toire­bei­spiel).

Vor­ent­scheid CH 1960

Con­cours Euro­vi­si­on. Mon­tag, 29. Febru­ar 1960, aus den DRS-Fern­seh­stu­di­os in Basel. Fünf TeilnehmerIinnen

#Interpret:inSong­ti­telErgeb­nis
01Fud LeclercAttra­p’­çan.b.
02Ani­ta TraversiMal­can­to­ne­si­nan.b.
03Jo RolandMadri­galn.b.
04Fud LeclercLa Java sans Tralalan.b.
05Bian­co CavalliniFrüh­lingn.b.
06Gian­ni FerraresiE’ sta­ta qui’n.b.
07Ani­ta TraversiCie­lo e Terra1
08Fud LeclercChin Chinn.b.
09Jo RolandChé­rie Chérien.b.

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 27.02.2021

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2 Comments

  • Alkibernd -

    Sehr flei­ßig! Toll, die ESC-Geschich­te noch bis in die letz­te ver­win­kel­te prä­his­to­ri­sche Spur zur ver­fol­gen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Ich bin gespannt auf das ent­ste­hen­de umfas­sen­de Kompendium :-))

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