Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weißröckchen

Wie in der gesam­ten Anfangs­pha­se des Grand Prix erweist sich auch für das Jahr 1964 die Fak­ten­la­ge nur ein­ge­schränkt ertrag­reich, was den Euro­vi­si­ons­vor­ent­scheid des damals noch unter Tito ver­ein­ten süd­sla­wi­schen Viel­völ­ker­staa­tes angeht. Immer­hin ken­nen wir, und das stellt bei der Jugo­vi­zi­ja der Sech­zi­ger­jah­re kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit dar, die kom­plet­te Teilnehmer:innenliste inklu­si­ve der Lie­der. Doch das nützt nur bedingt, fin­den sich doch ledig­lich vier der acht Wett­be­werbs­bei­trä­ge als Audio­spur im Netz, dar­un­ter der Sie­ger­ti­tel sowie die lieb­lich plin­kern­de Schnee­flo­cken­bal­la­de ‘Kakor bela Snežin­ka’ des slo­we­ni­schen Sän­gers Sta­ne Man­ci­ni. Ob eine Ver­wandt­schaft zur 2012er Reprä­sen­tan­tin Han­nah Man­ci­ni besteht, ist mir lei­der nicht bekannt: vom Alter her könn­te Sta­ne ihr Groß­va­ter sein. Kei­ne Spur hin­ge­gen von ‘Ent­schei­de Dich’ des gefei­er­ten kroa­ti­schen Chan­son­niers und Poe­ten Arsen Dedić (†2015) oder von ‘Ihr ers­ter Tanz’ des welt­be­kann­ten Ivo Rob, der hier punk­te­frei aus­ging. Vor­ne lagen nach der Aus­zäh­lung der Abstim­mungs­er­geb­nis­se der acht regio­na­len Jurys punkt­gleich zwei Lie­der, von denen aller­dings der ‘Gol­de­ne April’ der mehr­fa­chen slo­we­ni­schen Jugo­vi­zi­ja-Teil­neh­me­rin Mar­ja­na Deržaj (†2005) weni­ger Spit­zen­wer­tun­gen ein­sam­mel­te und daher zu Hau­se blei­ben musste.

Recht schnar­chig: die Play­list mit der Hälf­te der jugo­sla­wi­schen Vor­ent­schei­dungs­bei­trä­ge 1964.

An ihrer Stel­le erklär­te man den Bos­ni­er Saba­hu­din Kurt mit sei­ner gei­gen­ge­schwän­ger­ten Bal­la­de ‘Život je sklo­pio krug’ (sinn­ge­mäß: ‘Der Zir­kel­schluss des Lebens ist voll­bracht’) zum Gewin­ner und Reprä­sen­tan­ten des Lan­des beim euro­päi­schen Wett­be­werb in Kopen­ha­gen. Auch dort muss­te sich der ver­träumt drein­bli­cken­de Sän­ger sein Ran­king punkt­gleich mit diver­sen Konkurrent:innen tei­len – aller­dings ging es dies­mal nicht um der ers­ten, son­dern im Gegen­teil um den letz­ten Platz, um die gefürch­te­ten Nul Points. Ein, man muss es lei­der so sagen, aus­ge­spro­chen gerech­tes Ergeb­nis für die­se hirn­er­star­rend lang­wei­li­ge Song­sül­ze! Saba­hu­din trat spä­ter beim jugo­sla­wi­schen Vor­ent­scheid nicht mehr Erschei­nung, soll sich aber der bri­ti­schen Wiki­pe­dia zufol­ge erst 2007 nach einer Herz-OP aus dem Musik­ge­schäft zurück­ge­zo­gen haben. Er ver­starb an Kar­frei­tag 2018 im Alter von 82 Jah­ren. Und damit, lie­be Leser:innen, haben wir den Zir­kel­schluss unse­res Kennt­nis­stan­des über die­sen Abend im slo­we­ni­schen Städt­chen Trbo­vlje vollbracht.

Zu viel gekifft? Saba­hu­din beim Grand Prix (nur Audio).

Vor­ent­scheid YU 1964

Jugo­vi­zi­ja. Mitt­woch, 5. Febru­ar 1964, aus dem Delav­ski Dom in Trbo­vlje (heu­ti­ges Slo­we­ni­en). Acht Teilnehmer:innen. Mode­ra­ti­on: Hele­na Koder. Acht regio­na­le Jurys.

#Interpret:inSong­ti­telJuryPlatz
01Boš­ko OrobovićVeče0505
02Krs­ta PetrovićOka tvog da nema0107
03Sta­ne ManciniKakor bela Snežinka0306
04Ivo RobićNjen prvi Ples0008
05Saba­hu­din KurtŽivot je sklo­pio Krug2101
06Lola Nova­ko­vićTra­gom Zvezda0804
07Mar­ja­na DeržajZla­ti April2102
08Arsen DedićOdluči se1303

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