Melo­di­fes­ti­va­len 1968: Was mit Peng-peng

Zehn Aus­ga­ben brauch­te es, bis sich die schwe­di­sche Vor­ent­schei­dung end­lich vor­sich­tig dem Pop öff­ne­te. 1965 hat­te man noch einen Opern­te­nor zum euro­päi­schen Wett­sin­gen geschickt, und in den bei­den Fol­ge­jah­ren bestimm­te eher Jaz­zi­ges das Melo­di­fes­ti­va­len. Dies­mal wähl­te der Sen­der SVT im Vor­feld selbst die zehn Interpret:innen aus, und es fan­den sich größ­ten­teils bereits bekann­te Namen dar­un­ter, so zum Bei­spiel die ehe­ma­li­gen Euro­vi­si­ons­ver­tre­ter Svan­te Thures­son (1966) und Östen War­ner­bring (1967), Letz­te­rer in einem Duett mit Ers­te­rem, in dem die Bei­den die Pri­vi­le­gi­en ihrer Geschlechts­zu­ge­hö­rig­keit glo­ri­fi­zier­ten (‘Hier kom­men die Jungs’). Für die Songs schal­te­te SVT eine für Jeder­mann offe­ne Ein­rei­chungs­pha­se vor, und es kamen um die 2.000 Lied­vor­schlä­ge. Inter­es­san­ter­wei­se domi­nier­te mit Peter Him­mel­strand den­noch ein Kom­po­nist das Wett­be­werbs­feld, des­sen drei aus­ge­wähl­te Bei­trä­ge am Ende unter den ers­ten vier Rän­gen lan­de­ten und die alle­samt den Sound des schwe­di­schen Vor­ent­scheids etwas näher an die Jetzt­zeit heranführten.

Mit eige­nem Video­clip: Mona Wess­man im Kaufmannsladen.

Dazu zähl­te der fröh­lich-augen­zwin­kern­de Schla­ger ‘Gå och göm dej, Åke Tråk’ (‘Geh und ver­steck dich, Åke Tråk’) der im Vor­jahr in einer TV-Show über hei­mi­sche Nach­wuchs­ta­len­te erst­mals der Öffent­lich­keit vor­ge­stell­ten Mona Wess­man, die damit ihren aller­ers­ten nicht aus einer Cover­ver­si­on bestehen­den Top-Ten-Hit lan­de­te. In den Sieb­zi­gern sank ihr Stern wie­der: 1973 beleg­te sie beim Melo­di­fes­ti­va­len den letz­ten Rang. 1976 muss­te sie nach einem Stimm­band-Kno­ten ihre Schla­ger­kar­rie­re been­den und arbei­te­te fort­an als Rei­se­lei­te­rin in Spa­ni­en. Punkt­gleich (aber mit einer höhe­ren Ein­zel­wer­tung von einer der elf regio­na­len Jurys) auf dem drit­ten Platz lan­de­te Towa Car­son mit ‘Du vet var jag finns’ (‘Du weißt, wo ich zu fin­den bin’), von dem die in den 2000ern beim MF stets erfolg­lo­se ehe­ma­li­ge Rock­sän­ge­rin Anne-Lie Rydé 1994 eine Neu­auf­nah­me ein­spiel­te. Der Sieg ging jedoch an einen jun­gen Künst­ler, des­sen Kar­rie­re gemein­sam mit Mona Wess­man in der sel­ben Pro­mo-Show begon­nen hat­te und auch zeit­gleich mit ihr beim MF 1973 wie­der endete.

Der Schnell­durch­lauf: alle zehn Bei­trä­ge des Melo­di­fes­ti­va­len 1968 in acht Minuten.

Die Rede ist natür­lich von Cla­es-Gör­an Heder­ström und sei­nem süf­fig-ele­gan­ten Jazz­schla­ger ‘Det bör­jar ver­ka Kärlek, ban­ne mej’ (‘Das sieht sehr nach Lie­be aus, ver­damm’ mich’), mit dem er zu Hau­se einen Num­mer-Eins-Hit hat­te und der sei­ne Lands­leu­te auch heu­te noch in kol­lek­ti­ve Schla­gerek­sta­se ver­set­zen kann. Kein Wun­der, arbei­tet sein Song­text mit augen­zwin­kernd vor­ge­tra­ge­nen Geschlech­terkli­schees (“Ges­tern ging ich mit dir in eine Lie­bes­schnul­ze, obwohl ich lie­ber was mit Peng-Peng sehen woll­te”) und skiz­ziert die Lie­be als eine Art unge­woll­te Natur­ge­walt, die Jungs dazu bringt, Din­ge zu tun, die ihnen fremd sind, um die Mädels sanft zu stim­men. Das macht aus Cla­es-Gör­an qua­si den Mario Barth des Grand Prix, nur wesent­lich coo­ler. Zumal er für sich ver­bu­chen kann, als ers­ter Euro­vi­si­ons­teil­neh­mer einen Fluch in sei­nem Song­ti­tel unter­ge­bracht zu haben: dass die Juror:innen nicht rei­hen­wei­se vor Empö­rung in Ohn­macht fie­len, ist wohl der Sprach­bar­rie­re zu ver­dan­ken. Nach einer Rei­he wei­te­rer Hits ver­such­te auch Heder­ström es 1973 noch­mals beim Melo­di­fes­ti­va­len und wur­de dort Achter.

Miss­trau­isch, aber auch schick­sals­er­ge­ben: Claes-Göran.

Vor­ent­scheid SE 1968

Melo­di­fes­ti­va­len. Frei­tag, 9. März 1968, aus dem Cir­kus in Stock­holm. Zehn Teilnehmer:innen. Mode­ra­ti­on: Magnus Banck.
#Inter­pre­tenSong­ti­telJuryPlatz
01Svan­te ThuressonDu är en Vår­vind i April2102
02Anna-Lena Löf­grenJag vill tro0506
03Cla­es-Gör­an HederströmDet bör­jar ver­ka Kärlek,
ban­ne mej
2301
04Towa Car­sonDu vet var jag finns1503
05Östen War­ner­bring + Svan­te ThuressonHär kom­mer Pojkar1305
06Britt Berg­strömFri hos dej0109
07Gun­nar WiklundJag ser en Värld0307
08Ceci­lia StamLåt mej få va’ i fred0308
09Lars Lönn­dahlDu och jag och Våren0010
10Mona Wess­mannGå och göm dej, Åke tråk1504

Letz­te Aktua­li­sie­rung: 27.02.2021

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