Jahr: 1969

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

ESC-Fina­le 1969: Er mach­te Fröh­li­che melancholisch

Es hätte eine Warnung sein können: bereits im Jahre 1968 erschien in Frankreich die mit dem (gefakten) Werbesticker "Offizielles Lied Liechtensteins für den Eurovision Song Contest 1969" versehene Single 'Un beau Matin', eine possierliche Parodie auf den europäischen Gesangswettbewerb, in der eine Sängerin namens Vichy mit hoher Stimme über einen zuckrigen Geigenteppich Harmlosigkeiten über dort teilnehmenden Nationen intonierte. Nun war der an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz liegende, winzige Stadtstaat nie Mitglied der EBU und durfte daher gar nicht teilnehmen. Dass man sich aber mittlerweile über die nach wie vor mit staatstragendem Pomp zelebrierte Veranstaltung so belustigte, war…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1969: Das B zu ihrem A

Melo­di­fes­ti­va­len 1969: Das B zu ihrem A

Gewissermaßen unter Vorbehalt fand es statt, das Melodifestivalen 1969: da der Eurovision Song Contest in diesem Jahr in Spanien gastierte, seinerzeit noch ein faschistisch regiertes Land, haderten die skandinavischen Länder mit ihrer Teilnahme. Dennoch führte man in allen nordischen Nationen Vorentscheidungen durch und beschloss, die endgültige Entscheidung erst nach dem Mello zu fällen. Wie gut, dass so lief, denn wenn man so möchte, wurde bei dieser Veranstaltung der Grundstock für die beste Popband der Welt gelegt. Wie bereits im Vorjahr hatte der Sender SVT vorab zehn Künstler:innen ausgewählt, für die man aus rund 2.400 Liedvorschlägen geeignete Beiträge kommissionierte. Darunter fanden…
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Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Melo­di Grand Prix 1969: Kenn­wort Vorurteilsfrei

Die zehnte Ausgabe des norwegischen Eurovisionsvorentscheids sorgte für eine wochenlange, erregt geführte öffentliche Debatte hart an der Grenze zu einem Krieg der Kulturen. Sowie gar zu einer zeitweiligen Verschlechterung des norwegisch-dänischen Verhältnisses. Dabei gestaltete sich die etwas über einstündige Sendung für sich genommen gar nicht so spektakulär, auch wenn der verantwortliche Sender NRK eine grundlegende Regeländerung vorgenommen hatte: anstatt des bislang praktizierten Verfahrens, jeden Beitrag in zwei unterschiedlich instrumentierten Fassungen mit verschiedenen Interpret:innen darzubieten, stellte man diesmal jedes Lied nur einmal vor. Dafür verdoppelte man das Feld: zusätzlich zu den fünf von einer Jury aus den 418 Einsendungen eines offenen…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1969: Touch my Tralala

Natio­naal Song­fes­ti­val 1969: Touch my Tralala

Als Vorentscheid mit Hindernissen entpuppte sich das Nationaal Songfestival von 1969: gleich vier der zehn ursprünglich vorgesehenen Teilnehmer:innen musste der Sender NOS vor der Veranstaltung aus den diversesten Gründen austauschen. So trat beispielsweise anstelle der späteren dreimaligen Eurovisionsrepräsentantin Sandra Reemer die auf der zu Indonesien gehörenden Insel Sulawesi geborene Sängerin Annet Hesterman an, die zwar im selben Jahr die niederländische Flagge bei einem internationalen Liederfestival vertreten sollte. Allerdings nicht beim ESC in Madrid, sondern beim Songfestival im belgischen Knokke, wo sie einen von den Festlichkeiten berichtenden Pressevertreter zu dem fragwürdigen Qualitätsurteil "kindlich, reif und sexy" hinriss. Was wiederum ein gutes…
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Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Fes­ti­val da Can­ção 1969: Wer ein Kind macht, tut es zum Vergnügen

Sie war eigentlich nicht die erste Wahl des Komponisten Nuno Nazareth Fernandes, die heutige portugiesische Eurovisionslegende Simone de Oliveira, die sich exakt diesen Ruf jedoch mit exakt diesem Lied erarbeitete. Mit 'Desfolhada portuguesa' nämlich, der 'Portugiesischen Entblätterung', dem ersten von noch vielen folgenden patriotischen Grand-Prix-Beiträgen der iberischen Nation, der mittlerweile so etwas wie einen Status als zweite Nationalhymne besitzt. Die erst wenige Tage vor dem Festival da Canção mit der Interpretation beauftragte Simone besingt darin die blonden Weizenfelder, den Königsmais, die Rindernelke, die grüne Kiefer, den blauen Himmel, das Meer, die aufsteigende Sonne, die alles verbrennende Hitze, den "dich küssenden"…
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Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Ein Lied für Madrid 1969: Hey, das ist Musik für mich!

Als Lehrstunde des germanischen öffentlich-rechtlichen Unterhaltungselends kann ohne jede Frage die Vorentscheidung des Jahres 1969 dienen. Die vom musikalischen Niveau und in ihrer Gestaltung nach dem hoffnungsfrohen ästhetischen Aufbruch im Vorjahr wiederum einen typischen herben Rückschritt in den Eurovisionsvorentscheidungsmodernisierungsbemühungen der ARD markierende Show lief vermutlich exakt so ab, wie sich das Deutschlands oberster Grand-Prix-Beamte, Hans-Otto Grünefeldt vom Hessischen Rundfunk, immer vorgestellt hatte. So verwendete er quälend lange Sendeminuten darauf, den Zuschauer:innen haarklein auseinanderzusetzen, dass dies hier ein Komponistenwettbewerb sei, in welcher Form die Vorauswahl der neun an diesem Abend zu Gehör zu bringenden Schlichtschlager erfolgte, und dass die Auftrittsreihenfolge der…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1969: Alles wie immer

Eurovi­isukar­sin­ta 1969: Alles wie immer

Ausschließlich etablierte Acts fuhr das finnische Fernsehen YLE auf für den heimischen Eurovisionsvorentscheid 1969. Drei der sechs Interpret:innen hatten die blauweiße Flagge bereits verteidigt, vier von sechs schon mal an einer Euroviisukarsinta teilgenommen. Vom eher ernsten Schmalzbarden Viktor Klimenko über die verträumte Laila Kinnunen (die aufgrund ihrer Alkoholabhängigkeit gerade ohne Plattenvertrag dastand und ihren 'Potkis' daher nicht selbst veröffentlichen konnte) bis hin zu den beiden Schlageretten Katri Helena und Marion Rung war für viele Geschmäcker und Altersklassen etwas dabei. Die das Feld der Verdienten Sänger:innen des Volkes ergänzenden zwei Euroviisukarsinta-Newcomer:innen konnten ebenfalls kommerzielle Erfolge vorweisen: der damals 19jährige Markku Aro…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Zwei Jahre zuvor, als der flämische Landessender BRT zuletzt für die belgische Eurovisionsteilnahme verantwortlich zeichnete, musste sich der ehemalige Technische Zeichner Louis Neefs (nicht zu verwechseln mit dem beim Chaos-Contest von 1991 in Rom zu Weltruhm gelangten EBU-Aufsichtsbeamten Frank Naef) noch in einem mehrstufigen offenen Vorentscheid gegen zahlreiche mit harten Bandagen kämpfende Konkurrent:innen durchsetzen. Seinen damaligen Sieg verdankte er auch seinem strategischen Geschick, alles auf eine Karte zu setzen und einen seiner beiden Finaltitel zurückzuziehen. Diesmal gestaltete sich die Sache für ihn deutlich entspannter: zur Belohnung für seine mit dem siebten Rang verhältnismäßige gute Platzierung beim Eurovision Song Contest in…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Man muss sie nicht unbedingt verstehen, die Tendenz des spanischen Senders TVE, es sich unnötig schwer zu machen mit seiner nationalen Vorentscheidung. Speziell 1969, da man nach dem ersten, mit tatkräftiger deutscher Hilfe realisierten Eurovisionssieg des damals noch diktatorisch geführten Landes eigentlich alle Hände voll zu tun hatte, den diesjährigen Wettbewerb in Madrid auszurichten. So entschied sich der Sender, die seinerzeit 29jährige Maria Rosa Marco Poquet alias Salomé, die bereits im Vorjahr kurzzeitig als Ersatz für den von Franco geschassten Juan Manuel Serrat im Gespräch war, die Rolle als künstlerische Kollaborateurin jedoch ablehnte, direkt zur Repräsentantin des Landes zu ernennen.…
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A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

Kein Problem sollte es für die BBC im Jahre 1969 darstellen, erneut einen aktuellen Popstar von der A-Liste als Eurovisionsrepräsentantin zu finden: die als Marie McDonald McLaughlin Lawrie geborene schottische Sängerin Lulu hatte bereits als Fünfzehnjährige mit einer robusten Coverversion der Isley-Brothers-Nummer 'Shout' ihren ersten von zahlreichen Tophits. Mehrere von ihr in Folge aufgenommene deutschsprachige Singles floppten zwar, dafür landete sie 1968 bei uns mit 'I'm a Tiger' ihren größten kommerziellen Erfolg, auch wenn dieser heutzutage weniger präsent ist als ihre Zusammenarbeit mit der Boyband Take That im Jahre 1993 mit der Neuauflage des Discoklassikers 'Relight my Fire'. Praktischerweise hatte…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 1969: Love is very nice when you pay the Price

Iri­scher Vor­ent­scheid 1969: Love is very nice when you pay the Price

Alle vier bisherigen irischen Eurovisionsvertreter warfen beim fünften nationalen Vorentscheid der Grünen Insel ihren Hut erneut in Ring, sollten sich jedoch mit extrem bescheidenen Punktegaben durch die zehn regionalen Jurys zufrieden geben müssen. Ihnen gegenüber standen vier Frauen, zwei von ihnen aus dem zum Vereinigten Königreich zählenden Nordirland, das just zu diesem Zeitpunkt unter großer politischer Spannung zwischen den nach Wiedervereinigung strebenden katholische Republikanern und protestantischen Unionisten, die den Verbleib unter der Krone der britischen Queen wollten, stand, welche kurz darauf in gut drei Jahrzehnte lang anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen und blutigen Anschlägen eskalierten sollte, den sogenannten "Troubles". Beide Damen teilten…
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Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Jugo­vi­zi­ja 1969: Vier gewinnt

Wie bereits im Vorjahr steuerten sechs der acht seinerzeitigen jugoslawischen Landessender Beiträge zur Jugovizija 1969 zu, die heuer in Zagreb stattfand. 17 Songs gingen insgesamt ins Rennen, von denen sich knapp die Hälfte noch im Netz finden lässt. Zu den bekannten Namen im Line-up zählten die ehemaligen Eurovisionsrepräsentant:innen Vice Vukov und Lola Novaković, die Wiederkehrer:innen Nina Spirova, Marjana Deržaj, Majda Sepe und Ivo Robić sowie die noch am Beginn ihrer Dekaden umspannenden Schlagerkarriere stehende Neda Ukraden, deren umfangreiches Hit-Repertoire einem jeden anempfohlen sei, der bereit ist, sich vom Zauber des Balkan-Schlager gefangen nehmen zu lassen. Daneben tummelten sich etliche Bands:…
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San-Remo-Fes­ti­val 1969: Baby it’s cold outside

San-Remo-Fes­ti­val 1969: Baby it’s cold outside

Viel Feind - viel Ehr': die herausragende Popularität des als ESC-Vorentscheid genutzten ligurischen Liederfestivals und seine eminente kulturelle Bedeutung machten es zu einer idealen Zielscheibe der auch in Italien Ende der Sechzigerjahre gegen die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufbegehrenden Studentenbewegung. Ein vom Satiriker und Theatermacher Dario Fo veranstaltetes und von der Kommunistischen Partei unterstütztes Gegenfestival, mit dem man gegen den als "bürgerlich" gebrandmarkten Songwettstreit protestieren und an das Bewusstsein der Arbeiterschaft appellieren wollte, sorgte für Unruhe bei der Rai, die aus Furcht vor Störern die beiden Semis und das Finale der Show bereits am jeweiligen Nachmittag als Playback aufzeichnen ließ, um…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1969: Ein Lager aus Verlegenheit

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1969: Ein Lager aus Verlegenheit

Erstmalig überschritt die Zahl der vorgeschlagenen Lieder für die hausinterne Eurovisionsauswahl des französischen Senders ORTF im Jahre 1969 die magische Grenze zur Dreistelligkeit: 108 Titel zählt die Website Eurovision History, von denen sich jedoch nur gut jeder zehnte auch Interpret:innen zuordnen lässt. Mit gleich zwei Liedern war dabei der in der Bretagne geborene Sänger Romuald Figuier vertreten, doch weder die passend zum Liedtitel sehr uptemporär-eingängigen 'Trommeln des Windes' schafften es, noch das eher belanglos vor sich hin plätschernde 'Seul notre Amour n’a pas changé'. Wie bereits fünf Jahre zuvor und wie auch fünf Jahre später, als der im eigenen Land…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Con­cours Euro­vi­si­on 1969: Sie kann nicht schö­ner sein

Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Schweiz als Standort der ausrichtenden EBU sowie als Erfinder, Ausrichter und Sieger des allerersten Grand Prix Eurovision nicht ganz ohne Grund als ideelle Heimat des Eurovision Song Contest betrachtet, kommt man nicht umhin, die Eidgenoss:innen für ihren mehr als laxen Umgang mit der Historie ihrer eigenen nationalen Vorentscheide zu tadeln. Zugegeben, auch in Deutschland klaffen in der ersten Dekade des Wettbewerbs archivarische Lücken. Doch in der kulturell dreigeteilten Alpennation treten diese auch beim Übergang in die Hochphase des Wettbewerbs Anfang der Siebzigerjahre erneut offen zutage. Und das ausgerechnet beim im Gegensatz zur bisher…
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