Jahr: 2020

Bel­gi­en 2020: Let the Sky fall

Bel­gi­en 2020: Let the Sky fall

Lange mussten wir auf den Song warten: am heutigen Morgen feierte der belgische Beitrag der bereits im Oktober vergangenen Jahres vom flämischen Sender Één intern nominierten Band Hooverphonic in einer Radioshow Premiere. Und seit heute Mittag steht auch ein Youtube-Video bereit. Doch zum Lied: 'Release me' sei diversen Verlautbarungen zufolge dem vor kurzem verstorbenen Vater des Bandleaders Alex Callier gewidmet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung lyrisch allerdings als klassische Trennungsschmerzballade. Es folgt in dieser verwunderlichen Text-Bedeutungsschere dem letztjährigen Siegersong von Duncan Laurence, der zu 'Arcade', einer Betrachtung über Spielsucht, ja ebenfalls durch den Tod eines nahe stehenden Menschen inspiriert worden…
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Frank­reich 2020: La Vie en jau­ne Bonbon

Frank­reich 2020: La Vie en jau­ne Bonbon

Und dafür schmiss das französische Fernsehen die Destination Eurovision, Europas besten Vorentscheid der letzten zwei Jahre, weg? Ernsthaft? Heute veröffentlichte France 2 das Präsentationsvideo für den Beitrag des im Januar 2020 intern ausgewählten Vertreters Tom Leeb. Der heißt 'The Best in me', fällt, wie bei einem derartigen Songtitel nicht anders zu erwarten, in die Kategorie der bereits eine Million Mal gehörten pompösen Powerballade, verfügt über eine Rückung und besteht aus französischen Strophen und einem englischen Refrain. Wie heutzutage üblich, werkelten ganze sechs (!) Personen daran herum, damit niemand alleine die Verantwortung für die Maladesse übernehmen muss: die in Spurenelementen vom…
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Paban­dom iš nau­jo 2020: The Roop is on Fire

Paban­dom iš nau­jo 2020: The Roop is on Fire

Herrschaften! Auch, wenn zum jetzigen Zeitpunkt erst ein gutes Sechstel der Songs für Rotterdam feststehen, lege ich mich fest: der Siegertitel des Eurovision Song Contest 2020 ist gefunden! Und zwar, wer hätte es für möglich gehalten, im gestrigen Finale des litauischen Vorentscheids, der Nacionalinė Eurovizijos Atranka, welche in diesem Jahr unter dem trotzig-mutmachenden Motto "Pabandom iš naujo!" ("Versuchen wir's nochmal") stand und sich nicht nur durch ein gestrafftes Verfahren auszeichnete, sondern tatsächlich mit einem überraschend hochklassigen musikalischen Angebot auffiel. Und einem hoch erfreulichen Ergebnis: mit einer für den Baltikumsstaat historischen Rekordzahl an Anrufen obsiegte dort gestern das Trio The Roop mit…
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Depi Evra­tes­il 2020: Mama, du sollst doch nicht um dei­ne Per­len weinen

Depi Evra­tes­il 2020: Mama, du sollst doch nicht um dei­ne Per­len weinen

Nach dem Semifinal-Aus für die intern bestimmte Srbuk beim Eurovision Song Contest 2019 kehrte das erfolgsverwöhnte und -hungrige Armenien in diesem Jahr zum Vorentscheidungsformat Depi Evratesil zurück. 12 hoffnungsvolle junge Talente versammelte der Sender ARMTV am gestrigen Samstagabend in Jerewan, die fast ausnahmslos mit selbst geschriebenen Liedern antraten. Tragischerweise allesamt in englisch, auch wenn sich, wie an Songtiteln ('What it is to be in Love'), Silben-zu-Melodie-Ratio und Intonation erkenntlich, die Sprachkenntnisse der meisten Teilnehmer:innen rein auf das Phonetische beschränkten. Die musikalische Qualität des Angebotes glich der einer weißrussischen Vorauswahlrunde, mehrfach ertappte man sich beim Zuschauen, wie man nach wenigen Sekunden…
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Melo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Melo­di Grand Prix 2020: der App-Sturz

Was für eine Blamage! Groß und glamourös sollte es werden; in einem technischen Fiasko endete es für den norwegischen Sender NRK, der aus Anlass des sechzigjährigen Jubiläums seiner stets unter der selben Marke organisierten Eurovisionsvorentscheidung Melodi Grand Prix (liest du mit, NDR?) tief in die Tasche griff und das Format auf sechs Shows erweiterte. In fünf regionalen Vorrunden (Nord, Süd, Mitte, Ost und West, was merkwürdig wirkt in einem Land, dessen Geografie eher wurmförmig anmutet als quadratisch) siebte man aus 20 Kandidat:innen im Duellverfahren jeweils eine:n Teilnehmer:in für das gestrige Finale heraus, wo sie auf weitere fünf fix gesetzte Konkurrent:innen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I should be straight

Bevor heute in wenigen Minuten der nächste Supersamstag beginnt, gilt es noch etliche Perlen vom letzten Wochenende nachzuliefern, an welchem ich im Zuge des längsten Vorentscheidungstages der bisherigen Eurovisionshistorie aus arbeitskapazitären Gründen leider gezwungen war, etliche Vorrunden und Semis zu vernachlässigen. Den herbsten Verlust gab es dabei in der Ukraine zu beklagen. Dort hatten wir das seltene Vergnügen, einem knapp vierminütigen schamanistischen Ritual beiwohnen zu dürfen, zu dem uns Katya Chilly und ihr Geistheilerzirkel einluden. Der bestand aus einem pittoresk gekleideten Druiden, der völlig in sich versunken heilige Verse murmelte; drei Damen, die den, wenn man so will, entfernt an…
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ARD-Zuschauer:innen zu alt für ein Televoting

ARD-Zuschauer:innen zu alt für ein Televoting

Nach monatelangem, hartnäckigen Stillschweigen und einer "Ende Januar" unelegant gerissenen Deadline bestätigte der NDR am heutigen Morgen in einer offiziellen Presseerklärung lediglich, was wir im Prinzip ohnehin schon wussten: es gibt 2020 keinen deutschen Vorentscheid, die oder der Repräsentant:in des Landes beim Eurovision Song Contest in Rotterdam wurde samt Beitrag bereits Mitte Dezember 2019 intern ausgewählt. Wer es nun ist, hält der Sender aber weiterhin geheim. Was dafür spricht, dass wir uns alle (ohnehin absurden) Hoffnungen auf eine echte Sensation in der Helene-Fischer-Preisklasse endgültig abschminken können, denn sonst wäre das bereits längst durchgesickert. Die Verkündung erfolgt - auch das war…
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San-Remo-Fes­ti­val 2020: Hun­de, wollt ihr ewig leben?

San-Remo-Fes­ti­val 2020: Hun­de, wollt ihr ewig leben?

Auch im Jahre 2020 hatten die Italiener mal wieder den Längsten. Eurovisionsvorentscheid aller Nationen nämlich. Geschlagene fünfeinhalb Stunden (!) ließ man sich Zeit im Finale des 70. Festival della Canzone Italiana di Sanremo, bis endlich der 39jährige Singer-Songwriter Antonio Diodato mit der selbst komponierten Sülzballade 'Fai Rumore' ('Lärm machen') als Sieger des ligurischen Liederwettbewerbs und italienischer Vertreter beim Eurovision Song Contest in Rotterdam feststand. Vor der Verkündigung des Endergebnisses des San-Remo-Superfinales gegen 2:30 Uhr (!) in der Nacht trieb es der Sender Rai mit einem mehr als sechzigminütigen (!) Pausenprogramm auf die Spitze, zu dessen absoluten Tiefpunkten der Auftritt eines…
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Super­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Polyester

Super­no­va 2020: Mei­ne Schwes­ter, die Polyester

Zähigkeit zahlt sich aus. Seit 2012 versucht es die lettische Sängerin Samanta Poļakova, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Samanta Tīna, praktisch durchgängig beim Vorentscheid in ihrer Heimat (und gelegentlich auch im Nachbarland Litauen). Nun hat sie es geschafft: die diesmal alleine abstimmungsberechtigten Zuschauer:innen der Supernova wählten sie gestern Abend zu ihrer Repräsentantin für Rotterdam. Vielleicht nahmen sie den subtilen Hinweis ihres Titels 'Still breathing' zum Anlass, der 30jährigen ihren Herzenswunsch endlich zu erfüllen. An ihrem selbstgeschriebenen und mit einem Text aus der Feder von Aminata Savadogo veredelten Song kann es kaum gelegen haben, denn der erwies sich vor allem als…
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Aus­tra­lia deci­des 2020: Send in the Clowns

Aus­tra­lia deci­des 2020: Send in the Clowns

Wie die uneheliche Tochter von Marge Simpson und einer Kragenechse, so sah die diesjährige Siegerin des Eurovisionsvorentscheids Australia decides, Montaigne, bei ihrem heutigen Auftritt aus. Dabei erwies sich der Titel der aufgrund der Zeitverschiebung in Europa bereits am Samstagmittag über den Äther gegangenen Sendung als glatte Lüge: denn nicht die australischen Zuschauer:innen, die sich mehrheitlich für eine in dieser Form bereits millionenfach dargebotene Baukasten-Powerballade der ehemaligen Siegerin der Aussieversionen der Trash-TV-Formate DSDS (2004) und IBES (2017), Casey Donovan, entschieden, bestimmten am Ende, wer Down Under in Rotterdam vertreten darf, sondern die Juror:innen, welche das Televoting überstimmten und der 24jährigen, in…
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Euro­vi­si­on Song <span class="caps">CZ</span> 2020: Ben Cris­to gibt ’ne Party

Euro­vi­si­on Song CZ 2020: Ben Cris­to gibt ’ne Party

Gechillte Party-Vibes bringt der 32jährige Ben da Silva Cristóvão mit dem sehr geilen Song 'Kemama' zum diesjährigen Eurovision Song Contest. Nein, nicht für Portugal, wie man aufgrund seines Geburtsnamens vermuten könnte, sondern für sein Heimatland Tschechien. Dort ist der Sohn eines Angolaners und einer Tschechin seit seiner Teilnahme am örtlichen Superstar-Format im Jahre 2009 als Benny Cristo ein etablierter Künstler mit bereits mehreren erfolgreichen Alben. Neben seiner Musikkarriere ist er auch als Tänzer, Schauspieler und Sportler aktiv. Und als Mensch mit Haltung: 2016, so verrät es Wikipedia, lehnte er die persönliche Entgegennahme eines Preises für den meistgestreamten Song des Jahres…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Boys do cry

Spüren Sie ihn auch, liebe Leser:innen, den steigenden Adrenalinspiegel? Kein Wunder: pünktlich zum 1. Februar erhöhte die laufende Vorentscheidungssaison 2020 am gestrigen Supersamstag europaweit die Drehzahl und bombardierte uns mit gleich vier Semifinalen, darunter der ersten Runde des schwedischen Melodifestivalen. Überall, so scheint es, kommt man mittlerweile in die Gänge. Außer in Deutschland. In Hamburg schreckte man gestern nur kurz aus dem eurovisionären Dornröschenschlaf auf und postete folgende Nicht-Info zum heimischen Vorentscheid: https://twitter.com/eurovisionde/status/1223639746259439620?s=20 Und ehrlich gesagt: egaler könnte es mir mittlerweile nicht mehr sein, erwarte ich vom NDR schon längst nichts mehr außer gelegentlichen versehentlichen Zufallstreffern. Daher flugs wieder zurück…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Funds have been spent

Ein weiterer kleiner Supersamstag liegt hinter uns, und erneut schrägte es auf dem Weg nach Rotterdam etliche, nunja, schräge Acts. So beispielsweise in Norwegen den 19jährigen Alexandru Gros Grindvoll, der bereits 2016 am dortigen Vorentscheid Melodi Grand Prix teilnahm, damals als Teil der Boyband Suite 16, und der heuer mit der erfrischend billigen Plastikpop-Perle 'Pink Jacket' einen astreinen Tooji-Gedächtnisact ablieferte, wenngleich unter vertauschten Vorzeichen: während der 2012er Vertreter des erdölreichen Königtums zu seinem damaligen Klopper 'Stay' eine astreine Tanzperformance ablieferte, diese jedoch mit fußnägelaufrollend schiefem Gesang konterkarierte, hielt sich Alexandru in der dritten Vorrunde des MGP fern von falschen Tönen,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Verse

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Never mind the Verse

Gefühlt deutlich später und zähflüssiger als in vorangegangenen Jahren nimmt die Vorentscheidungssaison 2020 nun doch langsam Fahrt auf: die ersten beiden Samstage mit parallel laufenden Auswahlrunden liegen hinter uns, wenngleich es sich lediglich um Semis beziehungsweise Nachwuchswettbewerbe handelte. Nichtsdestotrotz können wir bereits zum jetzigen Zeitpunkt den Banjo-Laura-Preis für die dümmste und kriminellste Fehlentscheidung des gesamten Jahrgangs verleihen, und zwar an die litauischen Juror/innen. Der Sender des Baltenstaates, LRT, verpasste der dortigen Vorentscheidung zwar heuer den hoffnungsvoll-trotzigen Untertitel Pabandom iš naujo! (Lass es uns nochmal versuchen!). Viel Neues ließ sich aber bislang nicht finden: wie gewohnt liegt die Dichte an offensichtlich…
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Nie­der­lan­de 2020: The Boy from Paramaribo

Nie­der­lan­de 2020: The Boy from Paramaribo

Zehn Tage ist das neue Jahr alt, und schon ist der erste Neujahrsvorsatz gebrochen: an sich wollte ich über reine Kandidatennominierungen nicht mehr berichten, so lange der Beitrag noch nicht feststeht. Doch heute bestätigte der niederländische Sender AVROTROS, dass der Sänger Jeangu Macrooy das gastgebende Land in Rotterdam vertritt. Und setzt damit, passend zum Contestmotto "Open up", auch ein Zeichen für Diversität: denn Macrooy ist schwarz - und schwul. Der Endzwanziger kam 1993 in dem südamerikanischen Staat Suriname zur Welt, einer erst seit 1975 unabhängigen früheren niederländischen Kolonie. Wie das Portal queer.de unter Bezug auf eine dpa-Meldung berichtet, sei er…
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Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rotterdam

Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rotterdam

Den Silvesterabend 2019 wählte das georgische Fernsehen als prominenten Sendeplatz für das Finale der aktuellen Staffel der Castingshow Sakartvelos Varskvlavi, hierzulande bekannt als DSDS. Spannungsarm ging diese zu Ende: wie bereits in ausnahmslos allen vorangegangenen Runden setzte sich der 32jährige Tornike Kipiani auch im Finale spielend gegen drei verbliebene Konkurrent/innen durch und vertritt damit das Kaukasusland beim Eurovision Song Contest 2020. Sein Beitrag für Rotterdam steht allerdings noch nicht fest: die Show diente heuer nur zur Ermittlung des Interpreten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man spekuliert, dass es laut und düster werden dürfte, denn…
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