Social­ly distant Euro­vi­si­on: bloß kei­ne alten Laborratten!

Wie Euro­fire ges­tern ver­mel­de­te, wer­den die über Sieb­zig­jäh­ri­gen von der geplan­ten Coro­na­par­ty in Rot­ter­dam aus­ge­schlos­sen: nach­dem die EBU wei­ter­hin dar­an fest­hält, den dies­jäh­ri­gen Euro­vi­si­on Song Con­test vor einer auf 3.500 Per­so­nen redu­zier­ten Zuschau­er­men­ge statt­fin­den zu las­sen, erhiel­ten Grand-Prix-Fans ober­halb die­ser Alters­gren­ze, die für 2020 bereits Tickets erwor­ben hat­ten, die Mit­tei­lung, dass sie lei­der drau­ßen blei­ben müs­sen. Jün­ge­re Vorjahres-Karteninhaber:innen dür­fen sich hin­ge­gen wei­ter­hin um eine Ein­tritts­kar­te für die Ahoy-Are­na bewer­ben und sich damit frei­wil­lig als Test­ka­nin­chen für die mit Geneh­mi­gung der nie­der­län­di­schen Regie­rung als “Feld­la­bor” euphe­mi­sier­te Test­an­ord­nung zur Ver­fü­gung stel­len, wie vie­le Men­schen sich bei einem sol­chen Super­sprea­der-Event in einer geschlos­se­nen Hal­le anste­cken, wenn man sich von allen vor­her (bekannt­lich nicht sehr ver­läss­li­che) Schnell­test-Ergeb­nis­se zei­gen lässt. Dass man die mit einem beson­ders hohen Todes­ri­si­ko behaf­te­te Alters­grup­pe von die­sem unver­ant­wort­li­chen Durch­seu­chungs-Expe­ri­ment aus­nimmt, ent­behrt nicht einer gewis­sen zyni­schen Logik: schließ­lich soll das inmit­ten der drit­ten Wel­le durch­ge­führ­te Event als Recht­fer­ti­gung für wei­te­re von der Poli­tik und der Wirt­schaft erwünsch­te Öff­nungs­or­gi­en die­nen. Da wären Mel­dun­gen über anschlie­ßend ver­stor­be­ne Zuschauer:innen kon­tra­pro­duk­tiv. Jün­ge­re Fans aber will man auf den Rän­gen sogar ohne Mas­ke sit­zen las­sen, um unbe­schwer­tes Kame­ra­fut­ter zu erhal­ten. Mit den mög­li­chen Lang­zeit­fol­gen einer so von einem Sitz­nach­barn mit falsch nega­ti­vem Schnell­test erwor­be­nen Infek­ti­on dür­fen sich die Betrof­fe­nen dann allei­ne her­um­schla­gen. Na dann, viel Spaß in Rotterdam!

Lang­zeit­schä­den wie chro­ni­sche Müdig­keit oder Kurz­at­mig­keit tre­ten auch bei Jün­ge­ren sehr häu­fig auf. Den­noch spie­len sie in der poli­ti­schen Dis­kus­si­on kaum eine Rolle.

Wenn du eine Kar­te bekom­men könn­test: wür­dest du in der Ahoy-Are­na sein wollen?

  • Mir per­sön­lich wäre das Risi­ko zu hoch. Aber wer will, soll fah­ren. (34%, 44 Votes)
  • Mein täg­li­ches Risi­ko am Arbeits­platz oder auf dem Weg dahin ist viel höher. Klar wäre ich dabei. (21%, 27 Votes)
  • Um kei­nen Preis der Welt wür­de ich an einem sol­chen Super­sprea­der-Event teil­neh­men. (18%, 23 Votes)
  • Nein, und wer da hin­fährt, han­delt unver­ant­wort­lich und unso­li­da­risch. (12%, 16 Votes)
  • Ja, denn ich bin bereits geimpft. Jetzt will ich auch end­lich wie­der was Schö­nes erle­ben! (10%, 13 Votes)
  • Na klar! Schließ­lich lebe und ster­be ich für den Song Con­test. (5%, 7 Votes)

Total Voters: 130

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8 Comments

  • thomas -

    @ Rai­ner: Das Leben muss trotz­dem weitergehen.…so wie für die vie­len Erkrank­ten auf den Intensivstationen…so wie für die vie­le Men­schen mit Langzeitschäden…so wie für die vie­len Corona-Toten????.…na, Haupt­sa­che Du hast Spaß!

  • Den ESC mit Live­au­f­trit­ten in der Are­na kann man für mein Emp­fin­den mit all den Sicher­heits­kon­zep­ten mitt­ler­wei­le guten Gewis­sens durchführen.
    Die Zuschau­er hät­te ich jetzt nicht gebraucht, das wird mir eher die Freu­de und Unbe­küm­mert­heit beim Zuschau­en ein Stück weit nehmen.
    Es ist auch ein­fach noch zu früh um Bil­der fei­ern­der Men­schen­mas­sen in die Welt zu sen­den, gera­de wenn man in ande­re tei­le der Welt wie z.B. nach Indi­en Blickt.

  • Mareike Kaa -

    Kann nicht guten Gewis­sens mit abstim­men, da ich sowie­so nie zum ESC fah­ren wür­de, auch ohne Coro­na, weil mich so gro­ße Men­schen­an­samm­lun­gen gene­rell furcht­bar stres­sen. Ich fin­de aber auch, die Nie­der­län­der neh­men die Situa­ti­on etwas zu sehr auf die leich­te Schul­ter. Ande­rer­seits bin ich natür­lich froh, dass der ESC über­haupt statt­fin­det. Schwierig.

  • Kein Queerdenkerr -

    Bei einem Event mit 3500 Zuschau­ern, in einer Hal­le die für 25000 aus­ge­legt ist, von einem Super-Sprea­der-Event zu spre­chen, ist sehr sarkastisch.

    Es gibt Hygie­ne-Kon­zep­te die es mög­lich machen eine Ver­an­stal­tung die­ses Pro­fils sicher ablau­fen zu las­sen. Jeder Ein­kauf beim Lidl ist deut­lich gefähr­li­cher, da die­ser pro­por­tio­nal umge­rech­net vol­ler ist und Abstands­re­ge­lung nicht ein­ge­hal­ten werden. 

    Im letz­ten Jahr wur­de die Ersatz­show hier mas­siv atta­ckiert, weil sich die Zuschau­er wegen der Durch­hal­te­pa­ro­len und dem Akzent auf die Pan­de­mie genervt fühl­ten. Den Satz, “Muss­te das sein?!”, eines Lesers habe ich nie ver­ges­sen. Zu wenig “Trul­ler­lie, ich bin die Ücke­rin!”, “Hol­la­dio, ich bin die Herr­man­ne­rin!”. Zu viel Pan­de­mie im Fokus. Dach­te so man­cher wohl, es sei bereits vorbei. 

    Jetzt plötz­lich ist es wie­der nicht recht, dass die Ver­an­stal­tung unter mas­sivs­ten Sicher­heits­vor­keh­run­gen statt­fin­den soll. 

    Eini­ge wer­den sicher auch bereits geimpft sein – Nein, nicht zu 100 %, aber immer­hin zu 95% ist es sicher. Ande­re Län­der sind deut­lich schnel­ler, als wir.

    Jeder kennt jeman­den der dar­an starb, oder einen schlim­men Ver­lauf hat­te. Bis in alle Ewig­keit alles abzu­sa­gen ist den­noch falsch.

  • Scanto2 -

    Kann über die Lang­zeit­fol­gen einer Infek­ti­on ein Lied singen…Und ja,ein Lied über Coro­na im Wett­be­werb wäre mal was Zeit­ge­mä­ßes gewe­sen Man­gels hei­ßen Favo­ri­ten fällt s mir die­ses Jahr leicht Distanz zu ESC­Par­ties zu wahren.

  • Bei einem Event mit 3500 Zuschau­ern, in einer Hal­le die für 25000 aus­ge­legt ist, von einem Super-Sprea­der-Event zu spre­chen, ist sehr sar­kas­tisch.” – wenn die Gäs­te gleich­mä­ßig über die Flä­che für 25000 ver­teilt wären wür­de ich eher zustim­men. Da die Tri­bü­nen aber nor­mal besetzt wer­den ist dort lokal kein Abstand vor­han­den – und der Lidlver­gleich hinkt natür­lich, dort sitzt kei­ner ohne Mas­ke für 4 Stun­den vor, hin­ter und neben mir.

    Wer neben jeman­dem sitzt der falsch-nega­tiv getes­tet wur­de (gibt es bei den dort ver­wen­de­ten Test auch wie bei den Abstrich­schnell­tests den Zeit­ver­satz, dass man Anste­ckun­gen detek­tiert bevor Sym­pto­me auf­tre­ten, aber der Test erst anschlägt wenn die Per­son schon eini­ge Zeit anste­ckend war?) mari­niert also vier Stun­den mas­ken­los in den Aero­so­len – da ist die Fra­ge doch nur wie vie­le, und nicht ob sich wel­che anstecken.

  • ESClucas98 -

    Jun­ger Vater! Der Artikel-Banner!
    Der Haus­herr hat schon einen spe­zi­el­len Humor 😉

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