Paban­dom iš nau­jo! 2022: Zieh dich aus, du alte Hippe!

Welch eine Aus­nah­me­ta­lent sich das litaui­sche Fern­se­hen 2020 und 2021 mit The Roop gean­gelt hat­te und wie sehr das LRT weiß, ließ sich am gest­ri­gen Abend im Fina­le der dies­jäh­ri­gen Vor­ent­schei­dung Paban­dom iš nau­jo! wun­der­bar erken­nen. Gleich drei Mal kam die For­ma­ti­on im Rah­men­pro­gramm zum Ein­satz, neben ihren bei­den Euro­vi­si­ons­ti­teln durf­ten sie auch ihre neue Sin­gle ‘Let’s get naked’ vor­stel­len: lei­der ein lee­res Ver­spre­chen, wie sich her­aus­stel­len soll­te, denn die drei Jungs per­form­ten im coro­na­kon­form men­schen­lee­ren TV-Stu­dio voll­stän­dig beklei­det zum Voll­play­back. Scha­de! Dane­ben saß der cha­ris­ma­ti­sche Front­mann Vai­do­tas Vali­uke­viči­us, wie bereits in den meis­ten der fünf Vor­run­den und Semis, in der Jury, wobei er in sei­nem gelb­blau­en Büh­nen­kos­tüm mit gigan­ti­schen gol­de­nen Epau­let­ten aus­sah wie ein Faschings­prinz. Aber einen schö­nen Mann ent­stellt ja bekannt­lich nichts! Von den ursprüng­lich 36 Kandidat:innen hat­te sich das Feld in besag­ten Vor­run­den auf hand­hab­ba­re acht Final­bei­trä­ge redu­ziert, von denen sich die meis­ten in der ein oder ande­ren Form in die Kate­go­rie “Elek­tro” ein­sor­tie­ren lie­ßen, ohne dass es dadurch ein­tö­nig aus­fiel. Dafür sorg­te bereits die ers­te Star­te­rin des Abends, die gehörn­te Drag Queen Loli­ta Zero.

Ein biss­chen beru­higt es mich ja, dass Loli­ta nicht mei­ne Mut­ter sein möch­te, auch wenn ich natür­lich verehre!

Das Büh­nen-Alter-Ego des Schau­spie­lers Gytis Iva­n­aus­kas über­zeug­te mit einem mini­ma­lis­ti­schen Tech­no-Track und einer gegen­über dem Semi deut­lich strin­gen­te­ren, sehr viel selbst­si­che­rer per­form­ten Show. Dabei beweg­te sich die auf einem klei­nen Podest fest­zemen­tier­te Loli­ta prak­tisch gar nicht – wie auch, bei die­sen gigan­ti­schen Glitzer­hör­nen und in die­sen Huf­schu­hen! Das Tan­zen über­nah­men ihre vier Sil­ber­fi­sche, Zero sorg­te statt­des­sen mit einem zwi­schen­durch über­ra­schend ein­ge­streu­ten “Eins! Zwei! Drei! Vier!” (auf deutsch!) für einen klei­nen ‘Lasha Tum­bai’-Moment. Das begeis­ter­te auch ihre Lands­leu­te: mit knapp 21.000 Anru­fen sam­mel­te sie im Tele­vo­ting dop­pelt so vie­le Stim­men ein wie alle acht hin­ter ihr Plat­zier­ten gemein­sam. Sowie das drei­tau­send­fa­che der litaui­schen Euro­vi­si­ons­ver­tre­te­rin von 2018, Ieva Zasim­aus­kai­tė, die mit der sehr, sehr zag­haf­ten Bal­la­de ‘I’ll be the­re’ dies­mal zu Recht Letz­te wur­de. Zumal sie, anders als damals, kei­nen Ehe­mann dabei hat­te, den sie ver­liebt anschmach­ten konn­te. Noch 2.000 Stim­men mehr als Frau Zero sowie die Höchst­punkt­zahl bei den Jurys kas­sier­te Moni­ka Liubinai­tė. Wenig über­ra­schend, denn die Jazz-Stu­den­tin führ­te mit ihrem exqui­si­ten lan­des­sprach­li­chen Neo-Chan­son ‘Sen­ti­men­tai’ bereits in allen Vor­run­den klar. Wie­so also hät­te das dies­mal anders sein sollen?

Fri­sur: Mireil­le Mathieu. Rücken­frei­es Kleid: Ire­en Sheer. Dis­co-Effek­te: Tom­my See­bach. Zusam­men. Moni­ka Liu.

Immer­hin noch rund 4.000 Anru­fe und einen sehr soli­den zwei­ten Platz bei den Jurys konn­te die im Jah­re 2005 durch ihre Teil­nah­me an einer Rea­li­ty-Show bekannt gewor­de­ne Augus­tė Ved­rick­ai­tė bei ihrem mitt­ler­wei­le sechs­ten Vor­ent­schei­dungs­ver­such für ihr sehr soli­des Poprock­lied ‘Befo­re you’­re 6ft under’ auf sich ver­ei­nen. Reicht lei­der noch nicht ganz für die kul­tu­rel­le Unsterb­lich­keit! Mit den gro­ßen Sinn­fra­gen beschäf­tig­te sich auch ihre Kol­le­gin Jus­tė Krau­je­ly­tė, die in ihrer düs­te­ren Elek­tro­bal­la­de wis­sen woll­te: ‘How to get my Life back’? Dazu pinn­te sie sich eine Art von Solar­kol­lek­tor auf den Kopf und ließ sich von zwei hünen­haf­ten Ker­len im schwar­zen Gesta­po­man­tel ein­drucks­voll umtan­zen. Als genau so vor­her­sag­bar wie Moni­kas Sieg ent­pupp­te sich der letz­te Platz für das tol­le Trash-Trio Queens of Roses. Dabei hat­ten auch sie an ihre Per­for­mance und ihren wun­der­bar bil­li­gen Plas­tik­pop-Titel ‘Washing Machi­ne’ noch­mal ordent­lich durch­ge­schrubbt, der mit einem rund­erneu­er­ten Refrain gera­de­zu blitz­sauber und april­frisch daher­kam. Half nix: die Jurys has­sen Spaß, und beson­ders gut war’s ja nun auch nicht. Aber unter­halt­sam, und dafür gibt es ja die Vorentscheide.

Mit Per­woll gewa­schen: die Zöp­fe der drei Rosenköniginnen.

Vor­ent­scheid LT 2022

Paban­dom iš Nau­jo! Sams­tag, 12. Febru­ar 2022, aus den LRT-Sen­de­stu­di­os in Vil­ni­us, Litau­en. Acht Teilnehmer:innen. Mode­ra­ti­on: Giedri­us Masalskis, Ieva Sta­siu­le­vičiū­tėm Richar­das Jonai­tis. 50% Jury, 50% Televoting.
#Inter­pre­tenSong­ti­telTele­vo­teJuryPlatz
01Loli­ta ZeroNot your Mother20.9295703
02Ieva Zasim­aus­kai­tėI’ll be there7293307
03Rūta LoopCall me cold1.8305104
04Gebra­syInto your Arms1.4044205
05Jus­tė KraujelytėHow to get my Life back1.1643706
06Queens of RosesWashing Maschi­ne1.1082108
07Moni­ka LiuSen­ti­men­tai23.6048401
08Augus­tė VedrickaitėBefo­re you’­re 6ft under4.1476002

 

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4 Comments

  • Ach men­no, nach den Glo­busen sehen wir nun auch nicht die Loli­ta-Hör­ner in Turin 🙁
    Neben der Show fand ich tat­säch­lich auch die Musik deut­lich fes­seln­der als Moni­kas wirk­lich ele­gan­te, aber auch etwas ein­schlä­fern­de Nummer

  • Ich habe mich bereits nach den Vor­run­den als Fan von La Liu geoutet und bin natür­lich ent­zückt, daß wir die­sen schö­nen Bei­trag aus Syn­thie­sound und Chan­son à la Caba­ret in Turin erle­ben dür­fen. Hoch­pro­fes­sio­nell ´, zudem ein lyri­scher Text (es geht auch um ein litaui­sches Mär­chen). Litau­en auch dies­mal in der vor­de­ren Hälf­te ? Wür­de mich sehr freu­en, Ich wer­te mit 10 von 12 Punk­ten und bis­lang hin­ter Ita­li­en mein zwei­ter Platz.

  • Drei erfreu­li­che Ent­schei­dun­gen am Sams­tag, der Jahr­gang kommt in Fahrt…

    Ita­li­en 11/12
    Litau­en 10/12
    Ukrai­ne 9/12
    Est­land 8/12
    Tsche­chi­en 7,5/12
    Mol­dau 6,5/12
    Spa­ni­en 5/12
    Alba­ni­en 4,5/12
    Nord­ma­ze­do­ni­en 3,5/12
    Bul­ga­ri­en 2,5/12
    Isra­el 2/12
    Irland 1/12

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