Fare­well

Lie­be Lese­rin, lie­ber Leser,

aus per­sön­li­chen Grün­den habe ich mich ent­schlos­sen, mei­nen Euro­vi­si­ons­blog nicht mehr wei­ter zu füh­ren. Ich las­se das bis­her Geschrie­be­ne hier ste­hen, Neu­es kommt aber nicht mehr hinzu.

Wenn Sie ein wenig im Archiv stö­bern wol­len, bie­tet Ihnen der schwar­ze Kas­ten unten meh­re­re Zugangs­we­ge über die ver­schie­de­nen Jahr­gän­ge, die teil­neh­men­den Län­der oder diver­se Stich­wor­te. Für den his­to­ri­schen Ein­stieg ins Grand-Prix-Gesche­hen star­ten Sie am bes­ten beim San-Remo-Fes­ti­val 1956. Viel Vergnügen!

aufrechtgehn.de ent­stand mehr oder min­der aus einer Lau­ne her­aus in den Nul­ler Jah­ren und ent­wi­ckel­te sich im Lauf der Jah­re zu einem immer brei­ter aus­ge­bau­ten Blog zum tolls­ten Musi­ke­vent der Welt, dem Euro­vi­si­on Song Con­test. Über mein Lieb­lings­the­ma zu schrei­ben und Sie mit hof­fent­lich eini­ger­ma­ßen amü­san­ten, lie­be­voll bös­ar­ti­gen Läs­te­rei­en zu Euro­pas bes­tem und lang­le­bigs­tem TV-Pro­jekt zu unter­hal­ten, hat mir unglaub­lich viel Freu­de bereitet.

In den letz­ten Jah­ren misch­te sich unter die­se Freu­de gele­gent­lich ein lei­ses Gefühl der Über­sät­ti­gung und Müdig­keit, wur­de aus einem Hob­by manch­mal Ver­pflich­tung. Die Super­sams­ta­ge mit ihren gefühlt bis zu zehn par­al­lel lau­fen­den Vor­ent­schei­dun­gen und der Fakt, dass in Zei­ten von Social Media jede noch so pro­fa­ne Nich­tig­keit in Sekun­den­schnel­le einer brei­ten Dis­kus­si­on zuge­führt wird, sorg­ten für so viel Euro­vi­si­ons­ver­gnü­gen wie noch nie­mals zuvor. Und ver­ur­sach­ten mir doch gleich­zei­tig Stress.

Hin­zu kommt, dass ich mit zuneh­men­dem Alter mit dem meis­ten aktu­el­len Pop, sei es beim Song Con­test oder im rich­ti­gen Leben, kaum noch etwas anfan­gen kann und er mir sel­ten mehr als ein schul­ter­zu­cken­des “Meh” ent­lockt. Der ESC rich­tet sich – rich­ti­ger­wei­se – an eine jün­ge­re Ziel­grup­pe mit ande­ren geschmack­li­chen Prä­fe­ren­zen. Mich hat in der dunk­len Pha­se des Grand Prix, in den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern, der dort gezeig­te Trash und Camp zum ESC geführt. Ich habe die gol­de­ne Zeit der Nul­ler Jah­re gefei­ert, als im Zei­chen des rei­nen Tele­vo­tings die so genann­ten “Spaß­bei­trä­ge” regier­ten. Ich habe die Hoch­pha­se der Rückun­gen und Trick­klei­der mit­er­le­ben dür­fen, die für mich nach wie vor die Quint­essenz die­ser Show ausmachen.

Die Zei­ten sind ande­re gewor­den. Düs­te­rer, erns­ter. Das ist ange­sichts der Welt­la­ge und der sich immer wei­ter auf­tür­men­den Kri­sen nicht ver­wun­der­lich. Der von mir nie für mög­lich gehal­te­ne, erst­ma­li­ge Aus­fall des Wett­be­werbs im Zei­chen der Pan­de­mie im Jah­re 2020 hat­te sich für mich bereits wie ein Abschied ange­fühlt, den ich aber immer wie­der hin­aus­ge­scho­ben habe, weil ich noch nicht soweit war, los­zu­las­sen. Jetzt bin ich das, und es fühlt sich rich­tig an.

Ich dan­ke Ihnen aus tiefs­tem Her­zen für die Treue und Ver­bun­den­heit in den ver­gan­ge­nen zwei Jahr­zehn­ten, für die fun­dier­te Kri­tik, die vie­len guten Hin­wei­se und Feh­ler­mel­dun­gen, die fan­tas­ti­schen und anre­gen­den Dis­kus­sio­nen in den Kom­men­ta­ren. Ich hat­te die bes­ten Lese­rin­nen und Leser der Welt. Die wer­de ich ver­mis­sen! Wir wer­den uns hof­fent­lich noch wei­ter begeg­nen, bei Fan-Events (sobald Innen­räu­me wie­der sicher sind) oder in den Kom­men­tar­spal­ten ande­rer Blogs oder auf Twit­ter. Denn ESC-Fan wer­de ich natür­lich bleiben.

Dan­ke für alles,

Oli­ver Rau