2010

Tür­kei 2010: Miche­al learns to rock

So, nun isser nach viel Gewese endlich da: 'We could be the Same', der türkische Song für Oslo. Und wenn auch musikalisch immer noch nicht meine Baustelle, so ist es bislang der einzige (!) im Rennen, der so etwas wie eine Brücke zum aktuellen Musikgeschehen in der Realwelt schlägt. Kein Wunder, entsenden die Türken da ja ein paar ganz Große: die New-Metal-Band (Eigendefinition) maNga waren Sieger in der Kategorie Best European Act bei den MTV Europe Music Awards 2009 in Berlin. Schon damals ließ die Band auf einer Pressekonferenz durchscheinen, dass sie bereit sei, die "große Verantwortung" auf sich zu nehmen,…
Weiterlesen

Dima Bilan zieht Bei­trag zurück

Traurige Nachrichten für alle Fans von größenwahnsinnigen Drogenopfern: überraschend zog das Team von Dima Bilan seine angekündigte Bewerbung um eine Wildcard in der russischen Vorentscheidung (und damit seine sichere dritte Teilnahme für die Großmacht) mit dem von Philip Kirkorov geschriebenen Titel 'White Nights' zurück, wie Eurofire soeben unter Berufung auf eine Moskauer Tageszeitung meldet. Sah man am Ende doch ein, dass auf einen zweiten Platz 2006 und den ersten Platz 2008 einfach keine Steigerung mehr folgen kann? Oder kann Dima nach zu vielen 'White Nights' (hier schniefendes Geräusch dazu denken) schlicht nicht mehr? Verschenkt: die Demoversion der weißen Nächte  
Weiterlesen

Bul­ga­ri­en 2010: Camp as a Row of Tents

Erwartungsgemäß setzte sich im bulgarischen Songfinale soeben das von Miro selbst geschriebene Discodrama 'Angel si ti' durch - mit knapp 50% der Stimmen. Gut! Fünf Nummern befanden sich im Rennen - wenngleich sich dies von Beginn an etwas unfair gestaltete. Miro, einer der größten Stars Bulgariens (und mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein ausgestattet), stand bereits seit Oktober 2009 als Interpret fest, seine fünf Titel rotierten seit Anfang Februar in den bulgarischen Rundfunkstationen. 'Angel si ti' verfasste er selbst: kein Wunder, dass er diese Nummer mit der größten Inbrunst intonierte und seine Fans via Website dazu aufrief, für diesen Titel zu stimmen. High on…
Weiterlesen

Lett­land 2010: Oh. Mein. Gott!

Mit existenziellen Themen setzt sich der lettische Eurovisionsbeitrag 2010 auseinander; mit der Frage nach dem Leben, dem Universum und überhaupt allem. Dabei ist die Antwort doch so einfach: 42! Aisha hingegen begibt sich bei der Suche nach Antworten auf die von ihr in etwas holprigem Englisch aufgeworfenen großen Fragen ("What for are we dying?") auf ausgetretene religiöse Pfade und resümiert: "Only Mister God knows why". Dabei ist der doch bekanntlich tot! Und für die Verortung als "Mister" Gott bekäme Aisha hierzulande von militanteren Teilen der Frauenbewegung direkt eins auf die Fresse. Aisha & der Chor der geknechteten Waschweiber (mehr …)
Weiterlesen

USFO-Halb­zeit: die Super Sechs

"Dein Image als Schmuseonkel bist Du jetzt erst mal los" - mit dieser amtlichen Feststellung reagierte Jurypräsident Raab in der gestrigen Runde der deutschen Vorentscheidungsshow Unser Star für Oslo auf die überzeugende Vorstellung von Leon Taylor mit Lenny Kravitz' 'Are you gonna go my Way'. Ohne angeben zu wollen *hüstel*: richtig lag ich mit meiner Vorhersage, dass Cyril Krüger und Katrin Walter ausscheiden. Und zu Recht: auch wenn Frau Walter endlich ein bisschen aus sich herausging; gegen die unglaubliche Lässigkeit von Lena Meyer-Landrut, die sich diesmal sogar einen bekannten Song (das großartige 'Foundations', das sie dennoch zu ihrem eigenen Lied machte) aussuchte, reicht…
Weiterlesen

Spa­ni­en 2010: Gra­ci­as, Ihr Fotzköppe!

Die Niederlande bekommen Konkurrenz: auch Spanien schickt einen Drehorgelschlager gen Oslo - allerdings einen voller Feuer und Leidenschaft! Daniel Diges, der sympathische junge Mann mit der starken Stimme und der auffälligen Schamhaarfrisur räumte bei den fünf anwesenden Juroren ebenso ab wie im Televoting und entschied die Wertung klar für sich. Hurra! 12 Punkte alleine schon für die Billy-Idol-Schmolllippe (mehr …)
Weiterlesen

Slo­we­ni­en 2010: And the Night­ma­re continues!

Ob die vielen aggressiven Henkel-Reinigungsprodukte, für die im slowenischen Fernsehen massiv Werbung läuft, das dortige Grundwasser vergiftet haben? Anders ist die Entscheidung für eine Volksmusik-trifft-Haarrock-Kapelle nicht erklärbar. Vor wenigen Minuten endete die EMA 2010 mit einem echten Schock: während die von den Eurofans favorisierten Eurovisionsdiven wie Nuša Derenda (SI 2001), Brigita Šuler und Manca Špik mit fabelhaften Discoschlagern im Mittelfeld verendeten und selbst die in der Vergangenheit nur durch massive Jury-Manipulation vom Sieg ferngehaltene Zigankapelle Skupina Langa auf dem dritten Rang landete, fuhr eine aus trachtentragenden Quetschkommodenspielern und lederjackentragenden Achtizgerjahre-Haarrockern zusammengewürfelte Band beim Televoting einen nur noch als erdrutschartig zu…
Weiterlesen

Stock & Water­man kom­po­nie­ren für Großbritannien!

Nach Monaten des Schweigens gab die BBC Ende Januar bekannt, wer den britischen Song for Europe komponiert. Und legt in der Nachfolge zum erfolgreichen Musical-Kitsch-Schreiber Andrew Lloyd Webber ein Schippchen drauf: kein Geringerer als S/A/W-Mastermind Pete Waterman, der größte und erfolgreichste Bubblegum-Pop-Komponist der Achtzigerjahre und so etwas wie der britische Dieter Bohlen, schreibt das Lied für Oslo! Wie heute, drei Wochen später, herauskam, assistiert ihm sein früherer Kompagnon Mike Stock dabei. Wer auf ein Comeback von Jason Donovan spekulierte, wird indes enttäuscht: erneut sucht die BBC einen Newcomer als Interpreten. Spitzenparodie auf die S/A/W-Fließband-Hits von Morris Minor & the Majors…
Weiterlesen

Arme­ni­en 2010: Aus­ge­rech­net Bananen

Welch wunderbar absurde Darbietung: kaum hat man sich kurz darüber beömmelt, dass die armenische Vorentscheidung aus irgendeinem Grund Eurostuhl zu heißen scheint (so viel Scheiße dabei?), erschrickt man schon zu Tode. Denn aus dem tiefen Dunkel der Bühne taucht unvermittelt Gevatter Hein, der grimme Schnitter, auf und quäkt ein paar jaulende Töne durch eine Blockflöte. Gerade ältere Zuschauer könnten an dieser Stelle denken, nun habe ihr letztes Stündlein geschlagen. Gefolgt von einem mafiös aussehender Gitarristen und einer haarverlängerten Yvonne Schnatterfeld (unter dem Tarnnamen Eva Rivas), die im Hochzeitskleid und in einem Mischmasch aus typisch grottigem Ostblock-Englisch und anderen, genau so…
Weiterlesen

Polen 2010: Je veux chan­ter, moi aussi

Hat Alexander Rybak (NO 2009) einen heimlichen polnischen Zwillingsbruder? Das war jedenfalls der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich - vier Tage nach der polnischen Vorentscheidung (ich sollte mich wohl besser in langsamgehn.de umbenennen) - mir den Auftritt des seit seiner Wildcard-Nominierung als sicherer Sieger gehandelten Marcin Mroziński heute endlich ansah. Fast ein bisschen zu authentisch! (mehr …)
Weiterlesen

Leon Tay­lor: Unser Star für Oslo?

Heute Abend stellte Stefan Raab in der zweiten Sendung von USFO, dem neuen deutschen Vorentscheidungsformat, die zweite Hälfte der zwanzig Kandidaten für Oslo vor. Ab nächsten Dienstag geht's also um die Wurst. Wobei: wenn es mir nach geht, haben wir Unseren Star für Oslo bereits gefunden: es ist Leon Taylor! Und das sage ich nicht nur, weil der Junge gebürtig aus meiner Heimatstadt Frankfurt kommt und als einziger im Casting einen deutschen Song präsentierte. Ehrlich gesagt, habe ich auf den Text von Grönemeyers 'Der Weg' gar nicht geachtet - dennoch hatte ich während Leons Performance Pippi in den Augen. Diese Stimme…
Weiterlesen

Zypern 2010: Iri­scher Frühling

Solidarität der Insulaner? Heute wählten die Zyprioten einen Iren[ref]Wie mein Leser Rainer zu Recht in den Kommentaren bemerkt, ist Jon Lilygreen in Wahrheit Waliser, stammt also von der anderen Insel. Sorry.[/ref] zu ihrem Eurovisionsvertreter 2010. Mit einer hoffnungsfrohen Botschaft: 'Life looks better in Spring'. Schon, aber nicht mit solcher Musik! Der Junge mit der Gitarre (mehr …)
Weiterlesen

Nor­we­gen 2010: My Hard is yours

Seit Eddie Friels 'Dreamin' (IE 1995) gab es beim Grand Prix keinen Titel mehr, welcher derartig offengrundig den Zweck verfolgt, einen erneuten Sieg des Veranstalterlandes um jeden Preis zu verhindern. Und wenn dieser Preis darin besteht, das gesamte Europa am 29. Mai diesen Jahres für drei Minuten in todesartigen Tiefschlaf zu singen. Gegen Didrik Solli-Tangen versprüht selbst Rick Astley noch echten Popstar-Appeal. Seine Superschmalzballade 'My Heart is yours', bei der sich selbst Neunzigjährige angewidert abwenden dürften, kommt ohne erkennbaren Refrain aus. Immerhin beherrscht Soli-Fangen den Trick, das kaum vorhandene Tempo des Musikstücks aus dem Stand auf Null zu bremsen. Ein…
Weiterlesen

Däne­mark 2010: Een beetje

Von allem ein bisschen, aber nichts richtig: die Dänen schicken mal wieder bis zur Hirnstarre langweiligen Durchschnitt. Auf Thomas G:son ist anscheinend auch kein Verlass mehr. Ein G:son, das war früher mal ein echtes Qualitätssiegel und stand für flotte, oft lateinamerikanisch angehauchte Eurovisions-Disco-Schlager mit garantierter Rückung vor dem letzten Refrain - meiner Grand-Prix-Lieblingsgattung. Das von ihm mitverfasste 'In a Moment like this' hingegen entpuppt sich als mut- und kraftlose Mixtur aus einem Teil Pophymne, einem Teil Radio-Softrock und zwei Teilen Langweilerballade, vorgetragen von der Drittbesetzung eines viertklassigen Musicals. Vor und hinter der Schämwand: Schantall & Nevergood (mehr …)
Weiterlesen

Island 2010: Ich weiß, es wird ein­mal ein Wun­der geschehn

Reykjavik 2011? Wenn es gerecht zuginge auf der Welt, dann bestimmt, denn die Isländer beglücken uns mit dem adorierenswertesten Eurovisionsölfass nach Vanîa Fernandes (PT 2008) und einem Comme-il-faut-Grand-Prix-Schlager! Zur "Gabi des Jahres" rief sie Jan Feddersen unlängst in seinem Eurovisionsblog aus. Und erläuterte fachkundig: "Gabis sind gern etwas ältere Frauen, die von Männern, die auf Männer stehen, angebetet werden, weil sie eine Mischung aus der schützenden großen Schwester, der liebsten Frau, mit der man lachen kann, aber keinen Sex haben will und der Mama, die ich nie hatte, verkörpern." Da muss ich ausnahmsweise mal uneingeschränkt zustimmen. Zumal ich die gute…
Weiterlesen

Maze­do­ni­en 2010: Hear my Plea

Gott, wird das ein furchtbarer Jahrgang: in Mazedonien manipulierte die Jury schlimmsten Ostrock an die Spitze. Wo ist die KFOR, wenn man sie braucht? Auch der exjugoslawische Stadtstaat (oder gibt es dort außerhalb von Skopje tatsächlich Leben?) konnte mal wieder nicht von dem unsäglichen Jury-Televoting-Mix lassen, mit einem sehr lustigen Ergebnis: punktgleich landeten nämlich der von den Zuschauern bevorzugte (und bei der Jury Zweitplatzierte) Vlatko Ilievski und der bei den Anrufern Zweitplatzierte Juryfavorit Gjoko Tanevski mit jeweils 22 Punkten auf dem zweiten Rang. Oder dem ersten, je nachdem. Glamour scheint als Konzept in Mazedonien unbekannt (mehr …)
Weiterlesen

Schweiz 2010: Ein biss­chen Son­ne, ein biss­chen Regen

Wie es klingt, wenn Patricia Kaas (FR 2009) und Lena Philipsson (SE 2004) sich im feuchtfröhlichen Liebesspiel vereinen, demonstriert uns der Schweizer Michael von der Heide. Auf der Bühne. Für die Schweiz. Am vergangenen Samstag stellte der bereits als Gastsänger bei der deutschen Vorentscheidung 1999 bekannte Michael von der Heide sein Lied für Oslo im Rahmen der TV-Show SwissAward vor. Darin besingt er auf französisch seine Vorliebe für die nasse Spielart ('Il pleut de l'Or' bedeutet 'Es regnet Gold', im Englischen auch als 'Golden Shower' bekannt), zur optischen Unterstützung der inhaltlichen Aussage im goldenen Jäckchen. Damit setzt die sonst ja…
Weiterlesen

39 Län­der am Start in Oslo

Pünktlich zum Jahreswechsel gab die EBU heute die offizielle Teilnehmerliste des fünfundfünfzigsten Eurovision Song Contest bekannt. 39 Länder (und damit drei weniger als noch im Vorjahr) treten beim größten Gesangswettbewerb der Welt in Oslo gegeneinander an. Gegenüber dem Moskauer Contest fehlen Andorra, Montenegro, Tschechien und Ungarn (die alle 2009 die Vorrunde nicht überlebten), dafür nimmt Georgien wieder teil, das zuletzt den arschkriechenden EBU-Zensoren zum Opfer fiel. Monaco, Österreich und San Marino setzen weiterhin aus. Wie immer sind die Big Four (Frankreich, Großbritannien, Spanien und Deutschland) sowie das Gastgeberland (Norwegen) direkt fürs samstägliche Finale gesetzt, die restlichen 34 Kombattanten verteilen sich…
Weiterlesen

Alba­ni­en 2010: An einem Sonn­tag in Tirana

Wie man Traditionen schafft und gleichzeitig mit ihnen bricht, bewies Albanien beim Festivali i Kenges. Schon traditionell wählte Albanien wieder über die Weihnachtsfeiertage seinen Eurovisionsbeitrag aus und ist damit erneut (und auch bereits traditionell) das erste Land, von dem sowohl Interpret als auch das Lied für Oslo feststehen. Weniger traditionell erscheint der Beitrag: begeisterte mich das Land seit seiner Erstteilnahme fast immer mit zunächst schwer zugänglichen, beim siebzehnten Hören aber um so schöneren Ethnoballaden oder mit grotesk kostümiertem, wunderbar eingängigen Eurotrash, so entschied sich die allein stimmberechtigte Jury diesmal für ein nichts sagendes Nullachtfünfzehn-Uptempostück namens 'Nuk mundem pa ty' (laut…
Weiterlesen

Hurts für Großbritannien?

Der großartige britische Internetklatschblog popbitch.com stellt diese Woche eine neue britische Band vor, die wir eventuell in Oslo wiedersehen könnten. Hurts sind zwei Jungs aus Manchester, die sich in der Warteschlange vor einem Nachtclub kennenlernten, während Bekannte von ihnen in eine Schlägerei gerieten. Sie machen eine Art von Wave, ihren Look beschreibt popbitch.com als "beinahe teutonisch" (kein Wunder, das Video zu ihrer ersten Single 'Wonderful Life' erinnert denn auch ziemlich stark an Kraftwerk.) Dem Blog zufolge hätten sich Hurts in ihrem Plattenvertrag eine Extraklausel ausbedungen, die es ihnen erlaube, beim Eurovision Song Contest 2010 aufzutreten. Und ich würde sie dort…
Weiterlesen

Ab 2010: Jurys jetzt auch im Semi

Sind das noch die Spätfolgen von BSE oder schon die ersten Vorzeichen der Schweinegrippe? In einem Spitzenakt der Gehirnerweichung beschloss bereits letzte Woche die Reference Group, das Lenkungsorgan der EBU zum Eurovision Song Contest, den in diesem Jahr erstmals beim Finale eingeführten Jury-Televoting-Mix ab 2010 auch auf die beiden Qualifikationsrunden anzuwenden. Grund sei der "überwältigende Zuspruch", den das neue System bei Journalisten, Musikern und Fans erfahren habe. Ab dieser Saison dürfen die organisierten Korruptionselemente, die sich nach Gutdünken der nationalen TV-Anstalten aus sogenannten "Musikexperten" (wie beispielsweise Tobi Künzel von den Prinzen oder H.P. Baxxter von Scooter) zusammensetzen, also auch in…
Weiterlesen