2012

Groß­mutter, war­um hast Du so gro­ße Augen? (LV 2012)

Nein, subtil geht anders. Sie, die sie in einem weit entfernten 1980 geboren sei, das Jahr, als der Ire Johnny Logan gewann, habe da ein 'Schönes Lied', von dem sie hoffe, dass sie damit siegreich sei, einen großen, europaweiten Hit lande und überall im Fernsehen und Radio laufe. Sagt die lettische Vertreterin Anmary nicht in einem Interview, sondern singt sie. In ihrem Beitrag 'Beautiful Song'. Das ganze in Diggiloo-Goldstiefelchen, mit Napoleon-Hut und im Blümchenwiesen-Trickkleid. Und vorgetragen mit den am weitesten aufgerissenen Kuhaugen seit Sue Ellen aus Dallas (ein Fall für einen RTL2-Bericht über die Gefahren von Schönheits-OPs?). Einen schamloseren Grand-Prix-Song…
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Let’s get hap­py and let’s be gay! (UA 2012)

'Be my Guest': mit dieser - ursprünglich für die Besucher der diesjährigen Fußball-EM geschriebenen - Einladung will die Ukraine 2012 auch die Eurovisionsfans zu sich locken. Und da man in Ruslanaland aus eigener, leidvoller Erfahrung mit sich zu Tode langweilenden weiblichen Prostituierten im Euroclub zu Kiew während der Eurovisionswoche von 2005 genau weiß, aus welcher Zielgruppe diese sich rekurrieren, handelt es sich bei der Nummer musikalisch um eine klassische Neunzigerjahre-CSD-Hymne. Vorgetragen zu allem Überfluß von einer Sängerin namens Gaytana. Und begleitet von vier hinreißend fitten Tänzern in speziell an den strategischen Stellen hauteng anliegenden Motorrad-Leder-Kombis. Mit anderen Worten: ein feuchter schwuler…
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USFB: Kein Schwein schaut mir zu

Stell Dir vor, es ist Eurovisionsvorentscheidung, und keiner schaut zu. So war es beim gestrigen Finale von Unser Star für Baku: lediglich 2,19 Millionen Zuschauer sahen den von Anfang an erwarteten Sieg von Roman Lob. Das ist die schlechteste Quote der letzten zwanzig Jahre und weniger als die Hälfte des Publikums von Unser Star für Oslo 2010. Selbst die desaströse Vorentscheidung von 2005, als das Castingsternchen Gracia Baur gegen zwei von Siegel geschickte Castingsternchen gewann, hatte anderthalb mal so viel Zuschauer. Von den durch Guildo Horn eingeleiteten Glanzzeiten um die Jahrtausendwende, als jeweils so um die 8 Millionen Menschen einschalteten,…
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Kein Lob dem Grand Prix

Nicht nur die miserablen Einschaltquoten von Unser Star für Baku werfen derzeit einen bedrückenden Schatten auf die deutsche Eurovisionsteilnahme. Auch hinsichtlich der desolaten Menschenrechtslage im Austragungsland Aserbaidschan und dem Umstand, dass für den Grand Prix im Zusammenhang mit der geplanten Aufhübschung Bakus alteingessene Bewohner unter einer brutalen Vertreibung leiden, gibt es derzeit Feuer aus allen Rohren. So gingen beispielsweise die direkt im Anschluss an die gestrige Finalshow sendenden Tagesthemen gar nicht auf den Sieg von Roman ein. Stattdessen zeigten sie ein längeres Feature über die Unterdrückung der Opposition im Erdölstaat am Kaspischen Meer. Ähnlich verfuhr bereits letzte Woche das Politmagazin…
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DVE 2012: Ein Lob dem Grand Prix!

Nach quälend langen und größtenteils langweiligen acht Sendungen ist es endlich vollbracht: Roman Lob fährt für Deutschland nach Baku. Der 21jährige mit dem Holzfällerhemd und dem sanften Dackelblick, eigentlich von der ersten Sendung an der klare Favorit, setzte sich soeben mit 50,7% erstaunlich knapp gegen seine Konkurrentin Ornella de Santis durch, die mit 'Quietly' eine elfenhaft kitschige Disney-Ballade ablieferte, die bei ihr dann aber doch ein wenig quietschig wirkte und außerdem nicht richtig aus dem Quark kam. Romans 'Standing still' sorgte hingegen schon bei der ersten Performance für stehende Ovationen beim Kölner Saalpublikum. Und das nicht völlig zu Unrecht: gerade bei…
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Ticket­ver­kauf star­tet am 28. Febru­ar 2012

Wie die offiziellen Eurovisionsseiten der EBU und der ARD heute übereinstimmend vermelden, beginnt der Kartenvorverkauf für den Eurovision Song Contest 2012 am Dienstag, dem 28. Februar. Weitere Details wie Uhrzeit, Bezugsquelle und Preise sind noch nicht bekannt - lediglich, dass der Verkauf wiederum online abgewickelt wird. Wer also trotz der desolaten Menschenrechtslage in Aserbaidschan nach Baku möchte, sollte sich diesen Tag besser frei nehmen, denn: "die Tickets sind in aller Regel in sehr kurzer Zeit vergriffen," warnt die ARD. Ab sofort können sich Fans, Schwurnalisten und echte Medienvertreter außerdem um eine Akkreditierung bewerben. Reisende nach Aserbaidschan benötigen übrigens ein Visum,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Noso­tros, los Amantes

Heute Mittag stellte das spanische Fernsehen die vier möglichen Eurovisionstitel der fest gesetzten Vertreterin Pastora Soler vor. Zwei davon wählte die 33jährige Flamencosängerin selbst aus, die beiden anderen, vom Sender bestimmten Titel stehen derzeit im Internet zur Abstimmung. Denn nur einer davon kommt ins iberische Finale. Doch die RTVÉ-Songs kann man eh getrost vergessen, die stinken im Vergleich zu Pastoras Favoriten ab. Hierbei handelt es sich zum einen um eine vom schwedischen Songschreiberteam Thomas G:son, Tony Sánchez-Ohlsson und Erik Bernholm komponierte, große Eurovisionsballade namens 'Quédate conmigo'. Und zum anderen um das Update zum schwulen Eurovisions-Kampflied von 1961, 'Nous, les Amoureux' von…
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Bela­rus: Et bon­jour à toi, l’Ar­tis­te (BY 2012)

Ungeachtet etwaiger politischer Spannungen scheint ein starkes kulturelles Band zwischen der Ukraine und Weißrussland zu existieren. Nicht nur, dass beide Länder die wohl chaotischsten und korruptesten Eurovisionsvorentscheidungen hinlegen: nun nähert man sich auch hinsichtlich der Beiträge an. Beim heute Nachmittag zu einer arbeitnehmerfeindlichen Zeit (ab 16 Uhr) gestarteten Finale des Eurofests gewann mit Alyona Lanskaya eine optische wie stimmliche Alyosha-Doppelgängerin, die beim, nunja: singen ihrer struktur- wie melodielosen Leidensballade ebenso verzweifelt in die Kamera schaut wie die ukrainische Krähe von 2010. Von ihrer Aussprache mal ganz abgesehen ("All my Lie, I have waiting for your Apps to hold me"?). Um…
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USFB: die Tränenshow

War das ein Geflenne beim gestrigen Halbfinale von USFB! Sichtbar unter Schock standen die überlebenden drei Finalisten nach der ersten Abwahlrunde, als der Zufallsgenerator mal wieder gnadenlos zuschlug und mit Shelly Phillips ausgerechnet die mit weitem Abstand Beste der ersten Songspräsentationsrunde rauskegelte. Die hatte zuvor mit dem selbst geschriebenen 'Astronautenlied' einen wirklich zauberhaften Auftritt hingelegt, der in seinen besten Momenten an den Charme der Frühphase Nenas ('Nur geträumt') erinnerte. Ihr Ausscheiden in letzter Sekunde mit nur wenigen Stimmen Unterschied, nachdem die Blitztabelle mal wieder glücksradartig rotierte, zeigte auf besonders brutale Weise die völlige Sinnlosigkeit und Willkür dieses Wahlverfahrens. Genauso gut hätten die "fantastischen…
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Sabi­na Babay­e­va für Aserbaidschan

Nach ungefähr 75 Vorrunden und über drei (gefühlt: 12) Stunden des amateurhaftesten Vorentscheidungsfinales, mit einem Bühnenbild wie in den Fünfzigerjahren (Blumendekoration!), ist es endlich geschafft: die Repräsentantin Aserbaidschans für Baku steht fest. Sie heißt Sabina Babayeva und nahm 2011 schon einmal am Milli Seçim Turu teil. Doch damals legte Nikki bekanntlich das größere Bakschisch-Bündel hin. Immerhin: unter den fünf Finalisten, die allesamt wirkten, als habe man sie in einer Karaokebar mit dem Lasso eingefangen, war sie noch mit die - und ich verwende das Wort hier in gedachten Anführungszeichen - Professionellste. Auch wenn ich es ihr verüble, dass sie, wohl aus…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: fünf­ter Supersamstag

Kann die EBU nicht mal eine Koordinationsstelle für Eurovisionsvorentscheidungen einrichten? Denn so, wie es momentan läuft, artet es in Stress aus: neben gleich drei nationalen Vorentscheidungen in Norwegen, Ungarn und Island liefen gestern Abend zeitgleich auch noch zwei Semis, nämlich in Litauen und Schweden. Wie soll man sich bei so einem Angebot nur entscheiden? Jedenfalls am besten nicht, so wie ich, für das Melodifestivalen: nach einem fantastischen Auftakt letzte Woche enttäuschte die gestrige Vorrunde aus Göteborg auf ganzer Linie, fanden doch die schwedischen Televoter wieder zu ihrer altbekannten Geschmacksverirrung zurück. Ich hätte mich besser für das litauische Semi entschieden, in dem…
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Sounds of… my Ass (HU 2012)

Ergeben dem Motto "Weniger Demokratie wagen" seiner aktuellen Staatsregierung folgend, entschied sich das ungarische Fernsehen für eine Belarussifizierung der dortigen Vorentscheidung. In den beiden vorausgegangenen Semis bestimmte eine vierköpfige Jury unter Mitwirkung der Vorjahresvertreterin Kati Wolf und, wenn ich das richtig verstanden habe, des Intendanten des ungarischen Staatssenders, jeweils drei Finalisten, die Televoter einen vierten. Gestern Abend drehte man den Spieß um: nun durften die Televoter vorsortieren und sich für ihre vier Lieblingsacts entscheiden, aus denen dann die Jury alleine den Sieger bestimmte. Langer Rede kurzer Sinn: nach Baku fährt der Michalis-Rakintzis-Gedächtnisact Compact Disco mit dem Die-Borgs-schänden-Depeche-Mode-Gedächtnissong 'Sound of our Hearts'.…
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Welch ein Land, was für Män­ner! (IS 2012)

Woher haben die Isländer nur dieses musikalische Händchen? Selbst die langweiligsten ihrer sieben Finaltitel heute Abend atmeten noch Klasse und Stil. Und die Kerle, die dort auftraten: bärtig, kernig, einer leckerer als der andere! Am Ende gewann der bestaussehendste von ihnen: Jónsi, der uns schon 2004 in Istanbul in den 'Heaven' sang, unterstützt von der einen Kopf kleineren Greta Salomé. 'Mundu eftir mér' ('Erinnere Dich meiner'), ihr Beitrag für Baku, hat exakt alles, was ich von einer klassischen Eurovisionsballade will: Drama nämlich! Dramatisch aufspielende Geigen, dramatisch modulierter Gesang, dramatisch tiefe Blicke, ein dramatisch hingebungsvoll huhender Hintergrundchor und eine dramatische, große Rückung…
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Stop, don’t say that it’s impos­si­ble (NO 2012)

Im Semifinale des Melodi Grand Prix trat Tooji Keshtkar noch im Hoodie als klischeemäßiger böser Bube an. Nach seinem Sieg vor wenigen Minuten ließ sich der 25jährige, im Iran geborene Sänger, der sein Glück offenbar kaum zu fassen vermochte, auf der Bühne von seiner sichtlich stolzen Mama herzen. Awwww! Mit dem optischen wie akustischen Eric-Saade-Abklatsch und seinem fabelhaften Dance-Elektro-Kracher 'Stay' entschieden sich die Norweger erstaunlicherweise richtig: erwartete man im Vorfeld doch allgemein den Sieg der entsetzlichen Nordic-Folk-Kappelle Plumbo. Dieser Kelch ging an uns vorüber, und dafür schon mal herzlichen Dank! Das macht zwar Oh-Gate (das unverständliche Ausscheiden des einzigen wirklich guten Beitrags des kompletten MGP-Line-ups,…
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Izabo für Israel

Die Indie-Band Izabo vertritt das Land der aufblasbaren Hammer in Baku. Die vom israelischen Fernsehen intern bestimmte Kappelle, die laut der alleswissenden Müllhalde während ihres 23jährigen Bestehens ganze zwei Alben veröffentlichte und deren Stil als "brillante, treibende Kombination aus psychedelischem Rock, Disco und Punk mit arabischer Würzung" beschrieben wird, bringt den Titel 'Time' zu Gehör. Wann dieser der Öffentlichkeit vorgestellt wird, blieb zunächst unklar. Ihr bisheriges Portfolio bestätigt zumindest die Definition der Musikgattung "Indie" durch einen Eurovisionsfan im ESCN-Forum: "Das heißt, dass dem Song ein Refrain fehlt". httpv://youtu.be/nZOaXwEFVwA 'Morning Hero', ihr Hit aus dem Jahre 2003.
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Cra­zy for Life

Bereits im vergangenen Jahr schlug ich vor, einen mit Selbstschußanlagen bewehrten Elektrozaun um Litauen zu bauen, angesichts des Mentalzustands einer Mehrzahl seiner Vorentscheidungsvertreter. Eine Forderung, die ich nach Sichtung der gestrigen ersten Vorrunde der Eurovizija nur bekräftigen kann. Alle ins Finale Weitergekommenen vermitteln irgendwie den Eindruck, als seien sie frisch aus der Klapse entsprungen oder gehörten zumindest zügig dort eingewiesen. Das gilt beispielsweise für den Vorrundensieger Artūras Žabas alias Beissol, dessen melancholisch klagende Nummer 'Why' ja gar nicht so schlecht kommt. Wäre da nur nicht dieser mit Armeestiefeln und Pinguinfrack verkleidete Schlacks von Sänger mit seiner ekelhaften Guttenbergfrisur und seiner total enervierenden…
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Mal­ta: This is so light!

Gerade noch mal eben so gerettet! Nachdem beim gestrigen Semi mit 'Whoop it up' und 'I want to run away' der von mir so sehr geliebte maltesische Spitzentrash ausschied, wählten die Juroren (und, als pseudodemokratisches Feigenblatt, die zu einem Sechstel zählenden Televoter) heute den einzigen im Feld noch verbliebenen halbwegs passablen Titel für Baku aus: 'This is the Night' von Kurt Calleja, ein schwacher Abklatsch von Sakis Rouvas' fast gleichnamigen Beitrag von 2009. Aufgepeppt mit den nach Ell&Nikki wohl unvermeidlichen 'Oh-oh-oh's, wenn auch hier notdürftig getarnt als 'Eh-eh-eh'. Besagtes aserbaidschanisches Siegerpärchen war übrigens in Malta zu Gast, ebenso wie die französische Vertreterin…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: vier­ter Supersamstag

Mit dem ersten Semi des schwedischen Melodifestivalen startete heute die heiße Phase der Vorentscheidungssaison. Und der völlige Overload, denn zeitgleich liefen Vorrunden in Norwegen, Ungarn und Litauen. Sowie das maltesische Finale. Doch zum Wichtigsten zuerst: nach Växjö! Dort fand die erste Runde des MF statt, in dem sich mehr fantastische Songs und Performances versammelten (allerdings leider auch Stimmen vom Backingtape, die teilweise über 80% der Darbietung ausmachten) als in den kompletten bisherigen Vorentscheidungen aller anderen Länder zusammen. Zwei davon schafften es Direkt til Globen: die Fanfavoritin Loreen mit dem passend betitelten 'Euphoria', einem Discoschlager mit starkem Neunzigerjahre-Ibiza-Rave-Einschlag, zu dem die ein wenig durch den Wind…
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Per­len vor die Malteser

So. Nun habe ich extra 12 Stunden mit dem Schreiben dieses Artikels über das maltesische Semifinale vom Freitag abgewartet, um zu sehen, ob mein heiliger Zorn über die geschmackliche Unzurechnungsfähigkeit der Mittelmeerinsulaner vielleicht verraucht. Tut er aber nicht. Sechs von 24 Titeln schmissen die Malteser gestern Abend aus dem Rennen, darunter selbstverständlich die beiden einzigen guten Beiträge. Also, "gut" im Sinne von: wunderbar trashig. Werfen wir daher einen letzten, tränenumflorten Abschiedsblick auf die Contestperlen 'I want to run away' von Eleanor Cassar und 'Whoop it up' von Annalise Ellul. Auch das natürlich ebenfalls ausgeschiedene, lustige 'DNA' von Romina Mamo, so etwas wie das Ahnungslos-und-Spaß-dabei-Update…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Sido im Augen­blick der Illusion

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Sido im Augen­blick der Illusion

Die beiden letzten Titel für die österreichische Vorentscheidung 2012 stehen fest. Zunächst präsentierten 3nach9 3punkt5, auch bekannt als Sidos Straßenkinder, ein von dem deutschen Rapper in Zusammenarbeit mit dem ORF aus Menschen mit typischen DSDS-Lebensläufen gecastetes Bandprojekt, heute endlich ihren Song 'Augenblick': eine streichergesättigte Schicksalsballade mit gerappten Strophen (darunter eine in kroatisch) und gesungenem Refrain. Und wie fast immer, wenn sich ein paar harte Jungs verletzlich geben und Weltschmerz mit Kampfgeist mischen, schmelze ich dahin. Desweiteren gab der Wiener Sender den Ersatz für die disqualifizierten Deladap bekannt: es sind... Deladap! Entgegen allen guten Zuredens durfte die Kapelle, deren Beitrag 'Crazy…
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USFB: A Mil­li­on in 1 – 2 – 3

Seines erlernten Berufs wegen nennt man Stefan Raab ja gerne mal den Metzger. Dabei wäre Melker die viel passendere Berufsbezeichnung. Ich kann ihn nur aufrichtig dafür bewundern, wie er es schafft, selbst die untauglichsten und ausgelutschtesten Ideen gnadenlos auszumelken und damit Geld wie Heu zu scheffeln. Die von ihm in der Slowakei geklaute und ins deutsche Castingshowunwesen eingeführte Blitztabelle produziert die langweiligste und vorhersehbarste Staffel seit Menschengedenken, bei der eigentlich schon von der ersten Sendung an, allerspätestens aber seit heute für jeden klar erkennbar feststeht, welche beiden Kandidaten ins Finale einziehen werden (nämlich Rehauge Roman  Meier-Landlob und Wuchtbrumme Yanafer Gerke-Braun) und…
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Frank­reich 2012: Toi, la Musi­que et moi

Heute veröffentlichte das französische Fernsehen den Beitrag, mit dem Anggun im Mai in Baku die Trikolore vertritt. 'Echo (You and I)' heißt der Uptemposong und beinhaltet französische wie englische Textzeilen. Wobei die in Indonesien geborene Sängerin im Angelsächsischen eine überzeugendere Vorstellung abgibt. Musikalisch irritiert das Machwerk hauptsächlich durch unmotivierte Tempiwechsel und verstörende Elektrosounds, wirkt aber zumindest so, als habe es einen Bezug zur realen Popwelt und hebt sich damit deutlich von den bisher bekannten Vorentscheidungsbeiträgen aller anderen Länder ab. Spannend bleibt nun noch die Frage, wie das ganze live klingt, denn bei der vorliegenden Studioaufnahme kam das Autotune schon ganz…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: drit­ter Supersamstag

Welch' ein furchtbarer Eurovisionssamstag! Ob ausfallende Mikrofone in Ungarn oder kollektive Geschmacksverirrung in Norwegen: bei den drei heutigen Semifinals reihte sich ein Mißgriff an den nächsten. Am ärgerlichsten der in der zweiten Runde des Melodi Grand Prix: dort fand sich mit der fabelhaften Minnie Oh (nicht zu verwechseln mit der schwedischen Melodifestivalen-Teilnehmerin Mimi Oh oder dem Grey's-Anatomy-Star Sandra Oh) und ihrem discotastischen 'You and I' der einzige richtig gute Song des heutigen Abends. Und ein sensationeller Auftritt mit halbnackten Tänzern, Keyboardspielern mit Mülleimern auf dem Kopf und einer voluminösen Sängerin mit Schulterpolstern aus der Jurassic-Park-Kollektion. Doch sie schaffte es nicht ins Finale. Stattdessen…
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Nina Bad­ric: kein Sex vor dem Contest

Diese Meldung des englischen Boulevardblatts Metro kann ich meinen Lesern natürlich nicht vorenthalten: die kroatische Vertreterin für Baku, Nina Badric, will sich in Vorbereitung auf den Contest einen viermonatigen Sexbann auferlegen. "Diesmal habe ich mich entschieden, mich bestmöglich vorzubereiten, so wie ein Olympionike oder ein Boxer vor dem Weltmeisterkampf," sagte die 39jährige. Daher wolle die verheiratete Sängerin bis zum Sieg beim Eurovision Song Contest die Ehe nicht mehr vollziehen, um sich ganz auf ihre Gesangsvorbereitungen konzentrieren zu können. Wie albern! Damit steht sie im direkten Gegensatz zu ihrer Kollegin von 2006, Severina Vukovic, die für ihr legendäres 'Moja Štikla' mit…
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Die Blitz­ta­bel­le ist eine Witztabelle

Die deutschen Televoter haben wirklich einen eigenartigen Sinn für Humor. Obwohl in der heutigen dritten Runde von Unser Star für Baku nur zwei von zehn jungen Hoffnungsvollen herauszuwählen waren, schafften sie es streckenweise beinahe, einen völligen Punktegleichstand zwischen den acht Letztplatzierten hinzubekommen. Im altbekannten Voting-Yo-Yo stürzte fast jeder einmal auf einen der Abstiegsplätze, schoß wieder nach oben und sackte wieder ab. Noch deutlicher als in den beiden ersten Sendungen offenbarte sich heute erneut die völlige Untauglichkeit der Dauereinblendung der Punktestände, denn erneut sorgte die Blitztabelle dafür, dass die Zuschauer immer nur dann für ihren persönlichen Liebling anriefen, wenn es ernst wurde.…
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