2015

Spa­ni­en 2015: Edur­ne macht das Jodeldiplom

Die iberische Interpretin Edurne García Almagro und ihr Songtitel 'Amanecer', geschrieben vom Schwedenteam G:son und Bostrom, stehen schon länger fest, der Beitrag war aber bislang noch nirgends zu hören. Heute warf das spanische Fernsehen RTVE der hungrigen Eurovisionsmeute erstmals einen Happen hin: das Lyric-Video des im Vorfeld euphorisch als "Qualitäts-Pop" und "völlig anders als alles Bisherige" annoncierten Songs nämlich. Was soll man sagen: anders als klassische Grand-Prix-Kost ist 'Amencer' tatsächlich. Und zwar in der Hinsicht, dass der kraftvollen Ballade eine maßgebliche Zutat vollständig fehlt: ein Refrain nämlich! Nach einem etwas verhaltenen, beinahe sphärischen Songauftakt steigert sich 'Amancer' in den Strophen zwar…
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Vier­ter Super­sams­tag: der gei­le Kata­stro­phen­tag (FI, HU, MD 2015)

Neben Slowenien entschieden am heutigen vierten Supersamstag noch drei weitere Länder über ihre Beiträge. Im Gegensatz zu den sich selbst als Mitteleuropäer verstehenden Balkanbewohnern gingen in Finnland, Ungarn und Moldawien den heutigen Entscheidungen jeweils zahlreiche Vorrunden voraus. Wie in Slowenien siegten auch hier die im Vorfeld als Favoriten getippten Acts, allerdings handelt es sich bei allen drei Neuzugängen für Wien um recht umstrittene Siegertitel. Und ich finde sie alle drei geil! Das gilt natürlich im besondere Maße für Finnland, das mit der Wahl der aus vier ruppig aussehenden Kerlen mit Lernbehinderung bestehenden Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät erneut seinen Sinn für unübertreffliche…
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Slo­we­ni­en 2015: Amy Wine­house statt Oberkrainer

Eine echte Richtungswahl fand vor wenigen Minuten in Ljubljana statt: im Superfinale der EMA standen sich ein klassischer Turbo-Polka-Titel und ein druckvoller Indie-Pop-Song gegenüber: beide in ihrer Art brillant und sich beim Contest aus dem diesjährigen Meer der drögen Mittelmäßigkeit deutlich heraushebend. Das Publikum entschied sich für das modernere Angebot: ins nahe Wien fahren Maraaya, bestehend aus dem (niedlichen) Produzenten Raay, der bereits für das letztjährige 'Spet' mit verantwortlich zeichnete, und der Sängerin Marjetka Vovk. Sie verfügt über eine außergewöhnliche, leicht kratzige und ein wenig an die verstorbene Amy Winehouse erinnernde Stimme, die dem schmissigen Neo-Soul-Song (Eigeneinschätzung des Duos) 'Here…
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Irland 2015: When Words are not enough

Selbstaufgabe. Mit nur einen Wort lässt sich das Trauerspiel der irischen Eurovisionsvorentscheidung zusammenfassen, die gestern Abend (mal wieder) im Rahmen der RTÉ-Talkshow Late Late Show über die Bühne ging. Zwei Stunden lang zeigte man Clips der sieben irischen Grand-Prix-Gewinner/innen, präsentierte Medleys und Karaoke mit den bekanntesten Contestmelodien der grünen und ihrer britischen Nachbarinsel, natürlich keine davon frischer als von 1996, und erneut saß die unvermeidliche Linda Martin (IE 1984, 1992) im Kommentatorenpanel. Wohl im Angesicht des Sieges von Conchita Wurst ergänzte RTÉ die Kritikerrunde um eine zweite Dragqueen, Miss Panti Bliss, die laut Wikipedia Berühmtheit erlangte, weil sie 2014 im…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Opa, Pasha!

In erschreckender Weise führt uns die griechische Eurovisionsvorentscheidung die verheerenden Folgen der Austeritätspolitik vor: noch nicht mal mehr Autos können sich die Hellenen leisten, so dass in Athener Parkhäusern nun ganze Etagen leerstehen. Dies nutzte der vom Staatssender NERIT mit der Eurovisionsauswahl beauftragte private Musikkanal MAD und drehte die Clips zu den fünf diese Woche der Öffentlichkeit präsentierten Vorentscheidungsbeiträge in einer schäbigen, klaustrophobieauslösenden Parketage. Andererseits könnte man sich das für den kommenden Mittwoch terminierte Finale auch ganz sparen, gibt es doch ohnehin nur einen einzigen denkbaren Siegertitel: 'Jazz & Sirtaki' von Thomaï Apergi! Der Song liefert exakt das ab, was sein Titel…
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Elhai­da Dani pullt eine Elitsa

Eigentlich gehört der unverhoffte Songtausch ja zu den weißrussischen oder ukrainischen Spezialitäten. Nun übt sich auch Albanien in dieser Kunst: wie die Gewinnerin des 53. Festivali i Kenges und diesjährige skipetarische Eurovisionsvertreterin Elhaida Dani gestern auf ihrer Facebook-Seite verkündete, steht ihr Siegertitel 'Diell' nicht mehr für Wien zur Verfügung. Nach ihren Angaben habe Aldo Shllaku, der Komponist des Liedes, sein Einverständnis für die Verwendung als Wettbewerbsbeitrag zurückgezogen. Ob dies im Zusammenhang mit der geplanten Transferierung in Englische und / oder der notwendigen Kürzung auf die regelkonformen drei Minuten steht, ist nicht bekannt. Denkbar scheint auch, dass Dani und / oder RTSH…
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Lett­land 2015: Taken by a Beaver

Was ist denn da nur auf einmal mit dem Baltikum passiert? Legten gestern Abend bereits Estland und Litauen mit zwei Siegeskandidaten für Wien vor, so komplettierte Lettland vor wenigen Minuten das Trio der Fabelhaftigkeit mit einem rundweg fantastischen Beitrag, bestehend aus vier Teilen Rihanna, zwei Teilen Björk und einem Teil 'Taken by a Stranger' (Lena Meyer-Landrut, DE 2011): dunkel, dräuend, kraftvoll und treibend - passend zum Songtext über die Liebe, der mit unkitschigen Worten wie "Verlangen" und "nackt" spielt und doch vor allem die entfesselnde Kraft der Himmelsmacht besingt. Und das ganze von der sensationell performenden und hinreißend anzuschauenden Aminata Savadogo und…
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Bal­ti­kum, wir kom­men! (Est­land und Litau­en 2015)

Merkt Euch meine Worte: der Eurovision Song Contest wird 2016 im Baltikum stattfinden. Punktum. Nachdem die bisherige Vorentscheidungssaison so ziemlich eine Enttäuschung nach der anderen hervorbrachte, legten heute Abend direkt hintereinander die beiden Baltenstaaten Litauen und Estland Punktlandungen hin und wählten die ersten beiden Knaller des aktuellen Jahrgangs und heißesten (oder richtiger: einzigen) Anwärter auf die Eurovisionskrone 2015. Sollte unter den noch offenen Vorentscheidungen kein absoluter Überflieger mehr dabei sein (und für Deutschland können wir das beispielsweise definitiv ausschließen), so haben wir den Siegersong dieses Jahrgangs heute Abend gehört. Die Frage ist nur noch: Tallin oder Vilnius? http://youtu.be/ziXkmxouw8Y?t=2m9s It's in his…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: <span class="caps">NDR</span>, schau hierher!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: NDR, schau hierher!

Was haben wir da 2011 für eine Chance vergeben, als wir Lena Meyer-Landrut einfach nochmal schickten, anstatt die Siegesvibes und das daraus entstehende Interesse zu so einer Vorentscheidung zu nutzen, wie sie die Österreicher diesmal hinlegen! 16 Acts konnte der ORF für die schon längst aufgezeichnete und gestern Abend versendete erste Folge von Wer singt für Österreich? casten. 16 Acts, wie sie in ihrer musikalischen Bandbreite - von volkstümlichem Crossover über Elektro, Swing, Folk, Singer-Songwriter-Pop und Chanson bis zu Dancehall und etlichem mehr - vor allem aber in ihrer Professionalität Anlass zum Staunen gaben. Insbesondere, wenn man ans deutsche USFÖ-Clubkonzert vom Donnerstag denkt.…
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Ann Sophie errülpst sich die Wildcard

Ann Sophie errülpst sich die Wildcard

Als "Rampensau" bezeichnete sie sich selbst, und tatsächlich erwies sie sich als die einzige professionell performende Künstlerin an diesem Abend der durch die Bank schief jaulenden Nachwuchstalente (dass Gastgeberin Barbara Schöneberger die Sendung mit 50 Shades of Grey-Anspielungen eröffnete, hatte schon seinen Grund!): die 24jährige Hamburgerin Ann Sophie gewann vor wenigen Minuten beim Clubkonzert des NDR in der Großen Freiheit 36 die Wildcard für die deutsche Vorentscheidung am 5. März in Hannover. 'Jump the Gun', in einem aufmerksamkeitsstark roten, rückenfreien Hosenanzug dargeboten, beginnt mit einem herzhaften Rülpser vom Band und liefert zwei Minuten lang druckvollen Pop. Im letzten Drittel des…
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Isra­el 2015: das dicke Kind von Haifa

Nadav Guedj ist der Vertreter Israels in Wien. Der wohlgenährt aussehende Sechzehnjährige setzte sich gestern Abend im Finale der hierzulande spektakulär gefloppten Castingshow Rising Star gegen drei Konkurrenten durch. Er hat noch keinen Song: in dem auf einem Privatsender, mit welchem das staatliche Fernsehen IBA für die Eurovisionsteilnahme kooperiert, ausgestrahlten Format kamen nur Coverversionen zum Einsatz. Nadav überzeugte das Publikum durch die Adaption von Beyoncés 'Crazy in Love' sowie der John-Legend-Ballade 'All of me', die er für meine Begriffe allerdings eher massakrierte als interpretierte und bei der nur die Stellen erträglich waren, an denen ihn sein achtköpfiger Begleitchor unterstützte. Bleibt abzuwarten,…
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Ser­bi­en schickt die Rettungs-Bojana

Ich bin 2 Chiaras, A Single Ton of Fun, An even rounder Girl: Serbien schickt mit Bojana Stamenov in diesem Jahr eine Sängerin mit unübersehbarer Leibesfülle zum Eurovision Song Contest. Und damit auch jeder die enormen Formen der ihre stimmlichen Fähigkeiten leicht überschätzenden Diva wahrnimmt, steht sie zum Songauftakt im Halbdunkel der Bühne, wo LED-Lichtspielereien in voller Breite auf die Leinwand projiziert werden, die ihr rotes Zeltkleid umspannt. Bedient sich die Präsentation schamlos bei Sabina Babayeva (AZ 2012), so greift ihr Beitrag 'Ceo Svet je moj' ('Die Welt gehört mir' - reiht sich nahtlos in das diesjährige 'Kriegerinnen'-Thema ein) Valentina Monettas 'Crisalide' (SM…
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Zwei­ter Super­sams­tag 2015: zwi­schen ges­tern und morgen

Ein geschäftiger Samstag mal wieder: neben den beiden eher enttäuschenden Entscheidungen in Island und Italien fanden gestern Abend noch fünf Semifinalrunden, verteilt über ganz Europa statt. Das unter Fans am meisten beachtete natürlich in Malmö: in der zweiten Vorrunde des schwedischen Melodifestivalen trafen bekannte Namen wie Linus Svenning, Marie Bergman (SE 1994) und Magnus Carlsson aufeinander. Das Ex-Alcazar-Mitglied qualifizierte sich mit seinem klassischen Schwedenschlager 'Möt mig i gamla stan' denn auch direkt fürs MF-Finale, wie auch eine Mariette Hansson, von der am ehesten der merkwürdig deplaziert aussehende Dreadlock-Dutt in Erinnerung bleibt. Frau Bergman schaffte es nicht weiter, für den bis zum…
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Ita­li­en 2015: die drei jun­gen Tumore

Der Alptraum ist wahr geworden: beim Samstagnacht bzw. Sonntagmorgen nach lediglich viereinhalb Stunden überraschend doch noch zu Ende gegangenen San Remo Festival setzte sich mit Il Volo ein Trio von Knödeltenören durch, die mit reziprok zu ihrem Aussehen stehenden Stimmen gesegnet sind - die zwei ganz Hübschen singen so mittelmäßig, der menschliche Spitzmäuserich mit der Brille trägt den Poperaschlager 'Grande Amore' ziemlich alleine. Kurz bestand noch Hoffnung, die drei jungen Tumore könnten - dieses Recht hatte die RAI vorab allen San-Remo-Finalisten eingeräumt - die Ehre der Landesverteidung ablehnen. Aber nein: sie wollen nach Wien. Nun gehört ihr Song unter den mir bislang…
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Island 2015: San­na de Forest in Grün

Auch 2016 wollen uns die Isländer offensichtlich mit Gewalt von ihrer schönen Insel fernhalten: diesen Samstag entschieden sie sich mit María Ólafsdóttir für eine barfüßig auftretende Piepsmaus und eine tausend Mal gehörte Midtempoballade von der Stange. Dass Marías Performance wirkte, als habe Kristina Pelakova (SK 2010) 'Only Teardrops' (DK 2013) inszeniert, und sie mit dem Songtitel 'Unbroken' gar wortkompositorische Anleihen bei Sanna Nielsen (SE 2014) nahm, dürfte ihr in Wien nichts nützen: auch wenn seit 2011 alle zwei Jahre seichtes Mittelmaß gewinnt, langweilt der isländische Beitrag so sehr, dass es weh tut. Gerade, weil der Song so verzweifelt versucht, bloß niemandem weh zu…
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Arme­ni­sche Ahnen­for­schung in Wien

Während der ein oder andere Lordsiegelbewahrer des großen Grand-Prix-Regelwerks noch auf geradezu rührende Weise damit kämpft, dass sich die EBU zum sechzigsten Jahrestag der geilsten TV-Show der Welt auf sympathische Weise locker macht und den (aufgrund ihrer Geschichte als ehemalige britische Kolonie kulturell ja durchaus mit Europa verbundenen) Australiern einmalig den lang gehegten Herzenswunsch erfüllt, auch mal offiziell mitfeiern zu dürfen (willkommen!), greifen die Armenier sehr geschickt das diesjährige Motto "Brücken bauen" auf, um subtil die Anti-Politik-Regel der EBU zu unterlaufen. Wie eurovision.tv heute Abend berichtete, will das Kaukasusland eine sechsköpfige Gruppe nach Wien schicken, die sich aus (bislang ungenannten Exil-)Armeniern von allen fünf Kontinenten…
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Zum Sech­zigs­ten: Aus­tra­li­en in Austria

Es ist nicht der erste April, und die Meldung kommt direkt von der EBU, also wird sie wohl stimmen: als spezielles Bonbon zum sechzigsten Eurovision Song Contest wird Australien beim Wettbewerb in Wien teilnehmen. So richtig mit eigenem Beitrag (der noch ausgewählt werden muss) und eigener Stimmberechtigung. Das geopolitisch nun beim besten Willen nicht mehr zu Europa zählende Land ergänzt als fix gesetzter 27. Starter das Finale und bringt die Gesamtteilnehmerzahl damit auf die magische 40. Der Eurovisions-Supervisor Jan Ola Sand kommentierte: "Es ist ein wagemutiger und gleichzeitig wahnsinnig aufregender Schritt. Es ist unsere Art zu sagen: lasst uns die…
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Anne Gade­gaard (DK): “Die Jury stinkt zum Himmel!”

Sie gewann gestern beim dänischen Vorentscheid Melodi Grand Prix das Televoting: Anne Gadegaard mit dem hübschen, wenn auch arg belanglosen Folk-Pop-Schlager 'Suitcase'. Das Ticket nach Wien bekam sie dennoch nicht, denn die gleichberechtigt mit abstimmenden fünf regionalen Jurys gaben der entsetzlichen Schülerband Anti Social Media den Vorzug - mit einem so starken Punktevorsprung, dass Anne im Gesamtranking mit ein paar Zählern Differenz als Zweite abschloss. Nicht zu ihrer Freude: "Ich bin enttäuscht, dass ich nicht gewonnen habe. Vor allem, wenn man weiß, dass das Publikum mich lieber wollte," zitiert sie die Eurovisionsseite ESC United. Das Wissen, dass sie die Siegerin wäre,…
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Ers­ter Super­sams­tag 2015: der Wind von Jönköping

Es war ein geschäftiger Samstagabend in Europa: neben dem dänischen MGP mit seinem vorhersehbaren Katastrophenergebnis fanden gestern in sechs weiteren Ländern Vorentscheidungsvorrunden statt. So beispielsweise in Finnland, wo sich im ersten Semi des Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) erwartungsgemäß die aus vier gestandenen Kerlen mit Down-Syndrom bestehende Punkband Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) mit einem knackigen, dankenswerterweise kurzen Punksong durchsetzte. Sowie die musikalischen Coldplay-Eleven Satin Circus, deren Beitrag 'Crossroads' im Gegensatz zu dem suizidalen Gejammer der Briten immerhin über ein klein wenig Pep verfügte, und mit dem vollbärtigen Wuschelhaarträger Paul Uotila über einen der bestaussehendsten Leadsänger des Abends. Wobei ich das Lied besser fände,…
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Däne­mark 2015: Anti­so­zia­le Wikinger

Schlimmer hätte es nicht laufen können heute Abend in Aalborg - somit also genau wie erwartet. Zehn Songs stellte das dänische Fernsehen beim Melodi Grand Prix vor: acht mal belanglose, mittelmäßig bis wenig mitreißende, aber immerhin leicht konsumierbare Pop-Zuckerwatte in nur leicht unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, eine rundweg schamlose Eins-zu-Eins-Kopie von 'In a Moment like this' (DK 2010) und nur einen einzigen noch furchtbareren Song: 'The Way you are', vorgetragen von einer extra für den Contest zusammengestellten Boyband, dessen sich selbst offensichtlich sehr toll findender, teiggesichtiger Leadsänger über die sympathische Ausstrahlung eines BWL-Verbindungsstudenten / Investmentbankers / Mietwohnungsmaklers verfügt. Natürlich entschieden sich die fünf regionalen Jurys mit…
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USFÖ-Nach­wuchs: ihr Kin­der­lein kommet

Tja, das kommt davon, wenn - wie im Vorjahr - der beim Nachwuchswettbewerb ausgewählte Vorentscheidungsact in klassischer David-gegen-Goliath-Manier die am Busen der Industrie aufgezogenen Künstler abledert und mit Unheilig gar einen der potentesten deutschen Umsatzträger zum Abdanken bringt. Natürlich beteiligten sich die Gesandten der Musikmajors dennoch auch in diesem Jahr wieder an der undankbaren Aufgabe, aus den rund 1.200 Videobewerbungen - halb so viele wie noch im Vorjahr, da leistete die klare Beschränkung auf die Schattierungen von Beige bereits ganze Arbeit - gemeinschaftlich mit ARD- und Brainpool-Juroren wieder zehn Glückliche für das Clubkonzert in Hamburg (19. Februar 2015, live auf N3, Televoting) auszuwählen.…
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Zypern 2015: What have we done to you, lately?

Das ist nach meiner Erinnerung ein völliges Novum: dass mich ein Sender soweit kriegt, die Liveübertragung einer Eurovisionsvorentscheidung noch vor Bekanntgabe des Ergebnisses abzuschalten. Gestern schaffte das zyprische Fernsehen CyBC genau dieses, trotz eigentlich hoher Leidensbereitschaft. Lediglich sechs Songs tummelten sich im Finale des Eurovision Song Project: drei völlig indiskutable Darbietungen auf dem Niveau eines Bewerbungssingens für den bunten Abend der örtlichen Grundschule zum Auftakt; gefolgt von einem (zumindest professionell dargebotenen) Rocksong, der noch nicht mal als Albumfüller eine Berechtigung hätte, sowie dem (am Ende siegreichen) männlichen Gegenentwurf zum zypriotischen Beitrag von 2004 und einem herrlich altmodischen Drama-Dualsprach-Duett, das sich…
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Unri­se like Lean­der: zwei­tes Jury­ga­te bei A Dal 2015

Erneut erwies sich gestern Abend beim zweiten Semifinale der ungarischen Eurovisionsvorentscheidung A Dal die völlige Untauglichkeit des dortigen Abstimmungssystems, bei dem zunächst vier Juroren plus das Publikum (mit jeweils 20% Gewichtung) über die ersten fünf Finalplätze aus zehn Kombattanten entscheiden und dann die Televoter ein Juryopfer retten dürfen. Wie schon in der Vorwoche lagen bei dem - musikalisch gut bestückten - A Dal am Ende zwei Kandidaten punktgleich auf dem fünften Rang. Und da Ungarn sich nicht nur in Eurovisionsdingen bekanntlich zunehmend am Vorbild Weißrussland orientiert, entscheiden hier die Juroren nach purer Willkür, wer weiterkommt. Was bedeutet, dass ein singender Frosch…
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Tsche­chi­en 2015: die Hoff­nung stirbt zuletzt

In Tschechien, so lernte ich erst dieser Tage durch die 3sat-Sendung yourope (Bildungsauftrag erfüllt, danke!), wird der Besitz von bis zu zehn Gramm Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgt, sondern lediglich mit einer moderaten Geldstrafe belegt. Liegt es daran, dass sich das Staatsfernsehen ČT trotz der bisherigen Bilanz als offiziell erfolglosestes Eurovisionsland bei seiner mutigen Rückkehr so hoffnungsfroh gibt? 'Hope never dies' heißt der (allerdings noch nicht veröffentlichte) Beitrag des Landes zum Song Contest 2015, wie der Sender gestern ohne viel Tamtam verkündete. Geschrieben hat den Titel nicht, wie ursprünglich angedacht, der erfolgreiche Filmmusikkomponist Ondřej Soukup, sondern einer der beiden Interpreten, der 34jährige Nu-Metal- und Rocksänger Václav…
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Ich bin die Schweiz, holt mich hier raus! (CH 2015)

Als hätten sich die Programmplaner von RTL und dem Schweizer Fernsehen SRF abgesprochen, gingen auf deren Kanälen gestern Abend zeitlich perfekt aufeinander abgestimmt die Finalsendungen zweier Shows über die Sender, die mit ihrem sonst üblichen Suhlen im Trash und dem gnadenlosen öffentlichen Vorführen verzweifelter Has-Beens wie Lys Assia (CH 1956, 1957, 1958, VE 2012) oder Costa Cordalis (DVE 1980, 1983) bestens dazu geeignet sind, dem von der Winterdepression gepeinigten Publikum den unerträglichsten Monat des Jahres durch eine gehörige Portion an Schadenfreude zu versüßen, diesmal jedoch auf voller Linie versagten, weil spätestens mit der Nominierung der Finalisten jegliches Mitfiebern verflogen und die unendliche Ödnis vorprogrammiert…
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