2018

Nach Pla­gi­ats­vor­wür­fen: Dio­go Piçar­ra schmeißt beim FdC hin

Nach Pla­gi­ats­vor­wür­fen: Dio­go Piçar­ra schmeißt beim FdC hin

Vergangenen Sonntag gewann er mit doppelten Douze Points aus dem Jury- und dem Publikumsvoting das zweite Semifinale des portugiesischen Eurovisionsvorentscheids Festival da Canção: der bereits als heißer Favorit für den FdC-Gesamtsieg gehandelte 27jährige Singer-Songwriter Diogo Piçarra. Doch kurze Zeit später erschütterten die bei Grand-Prix-Fans mit zu viel Freizeit so beliebten Plagiatsvorwürfe die Medien: sein selbstkomponierter Wettbewerbsbeitrag 'Canção do Fim' ('Lied vom Ende') klinge haargenau wie der Erweckungssong 'Abre os meus Olhos' ('Öffne meine Augen') des Predigers und Sektengründers Walter McCallister aus dem Jahre 1986. Heute verkündete der langhaarige Künstler mit den auffälligen Augenbrauen auf Facebook seinen Rückzug vom Vorentscheid, da er "die…
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Depi Evra­tes­il 2018: Bring mir den Chai!

Depi Evra­tes­il 2018: Bring mir den Chai!

Ein einziger Song in Landessprache stand zur Wahl im heutigen Finale der armenischen Eurovisionsvorentscheidung Depi Evratesil, und er siegte mit den Höchstwertungen der Jury und des Televoting. 'Qami' ('Wind') heißt das Stück, es ist eine ziemlich klassische, leicht düstere, sachte beginnende und sich langsam, aber stetig ins Dramatische steigernde Ballade, die ab der Zwei-Minuten-Marke so richtig aufdreht. Dann kommt ein gospeliger Chor (hier offensichtlich vom Band) hinzu, und der vollbärtige, mit einem schwarzen Gladiatoren-Wams aus Plaste angetane Sänger Sevak Khanagyan beschränkt sich ab dieser Stelle vollständig darauf, mit voller Inbrunst immer und immer wieder nach seinem bereits vor einer Viertelstunde…
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O Melo­die pen­tru Euro­pa 2018: Love for Sale

O Melo­die pen­tru Euro­pa 2018: Love for Sale

Das Beste zum Schluss: an einem ziemlich durchwachsenen Eurovisions-Supersamstag unterhielt das moldawische Fernsehen TRM mit einer herausragenden O Melodie pentru Europa (OMpE), bei der - wie wir das von dem rumänischen Bruderstaat gewohnt sind - mal wieder ein Trash-Highlight das nächste jagte. Angefangen vom erwartbaren Siegersong: dass 'My lucky Day' von den DoReDos den Vorentscheid gewinnen würde, stand schon im Vorfeld fest. Stammt das uptemporäre, schlagerhafte Machwerk doch aus der Feder der barocken russischen Komponistentunte Phillip Karkorov (→ RU 1993). Und der verfügte über genügend Knete, um dem aus einem Dörfchen im abtrünnigen Transnistrien stammenden Trio sowohl eine mit militärischem…
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Super­no­va 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risotto

Super­no­va 2018: Ein Wee­kend mit Dir und Risot­to, Risot­to, Risot­to, Risotto

"Das könnte direkt vom Soundtrack zu 'Fifty Shades of Grey' stammen", so liest sich einer der häufigsten Kommentare im Netz zum Sieg der 23jährigen, in Rio de Janeiro geborenen lettischen Sängerin Laura Rizotto beim gestrigen Vorentscheid ihrer baltischen Heimat. Was vielleicht erklärt, warum mich ihr Beitrag 'Funny Girl' so seltsam unberührt und ratlos zurücklässt, habe ich doch weder das millionenfach verkaufte Buch gelesen noch den Film gesehen, weil mich der Hype darum so sehr nervt. Nun fand sich in dem aufgrund von Abstimmungsfehlern und einer Wildcard von ursprünglich sechs auf acht Plätze aufgestockten Supernova-Finale nicht ein einziger Titel, welcher der…
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A Dal 2018: Und es war Sommer

A Dal 2018: Und es war Sommer

Ähnlich wie in der Ukraine verlor auch im benachbarten Ungarn gestern Abend beim dortigen Eurovisionsvorentscheid A Dal die machtbewußte Jury den bis zuletzt eisern geführten Kampf gegen den Willen des Publikums. Allerdings mit einem zumindest musikalisch deutlich erfreulicheren Ergebnis. Die mutigen Magyaren schicken nämlich mit der von den Musikexperten bei Wiwibloggs als "Post-Hardcore-Band" bezeichneten Kapelle AWS fünf sehr laut aufspielende und herumschreiende, ausgesprochen kernige Buben. Mit leider arg kryptofaschistisch anmutenden Popper-Haarschnitten, so dass man sich spontan zunächst fragt, ob das Band-Akronym für "Amazon Web Services" oder doch eher für "Aggressive White Supremacists" stehen mag. Da sie auf ungarisch singen, hilft…
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Vid­bir 2018: Mélo­vin hat Feu­er unterm Arsch

Vid­bir 2018: Mélo­vin hat Feu­er unterm Arsch

Das Unvermeidliche ist eingetreten: Konstantin Mikolajewitsch Bocharov, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Mélovin, vertritt die Ukraine beim Eurovision Song Contest 2018 in Lissabon. Im Vorjahr nahm der X-Factor-Sieger bereits an der Vorentscheidung Vidbir teil, scheiterte jedoch an der dreiköpfigen Jury, was ihn selbst "Rache" schwören ließ und zu Todesdrohungen seiner empörten, hauptsächlich aus minderjährigen Emo-Mädchen bestehenden, fanatischen Anhängerschaft gegenüber den verantwortlichen Juror/innen, insbesondere Jamala (→ UA 2016), führte. Auch im gestrigen Vidbir-Finale waren das Teenie-Gekreische und die "Mélovin! Mélovin!"-Sprechchöre nicht zu überhören. Wohl aus Angst vor einer offenen Publikumsrevolte fügte man sich daher dem Schicksal: mit dem zweiten Platz in der Jurywertung…
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Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja 2018: Ich möch­te das nicht

Evro­vi­zijs­ka Melo­di­ja 2018: Ich möch­te das nicht

Es scheint stets aufs Neue so eine Art kreative Herausforderung für die Verantwortlichen des slowenischen Fernsehens RTV Slo darzustellen: wie manipuliere ich die traditionsreiche Eurovisionsvorentscheidung EMA und stelle sicher, dass der Zuschauerfavorit auf gar keinen Fall gewinnt? Bereits im vergangenen Jahr mogelte der Sender mithilfe der Jury die maue Ballade des Balkan-Robbie-Williams Omar Naber (→ SI 2005, 2017) an den eindeutigen Publikumslieblingen BQL vorbei, zwei ganz putzigen Brüdern. Die versuchten es heuer erneut, und da man trotz ihres im Vergleich zum Vorjahr deutlich schlechteren Titels 'Promise' aufgrund ihrer massiven Beliebtheit bei anruffreudigen jungen Mädchen davon ausgehen konnte, dass sie das…
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Unser Lied für Lis­sa­bon 2018: Oh mein Papa

Unser Lied für Lis­sa­bon 2018: Oh mein Papa

Es war eine Art von Kulturkampf, die sich gestern Abend beim deutschen Eurovisionsvorentscheid vor den Augen der Nation entfaltete: während die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd gerade eine künftig stärkere Zusammenarbeit ankündigten und damit die langlebigste innerdeutsche Grenze in Frage stellen, den Aldi-Äquator nämlich, lebte dieser bei Unser Lied für Lissabon gewissermaßen fort. Norddeutsches Understatement gegen hemmungslose alpine Skihütten-Party lautete der Zweikampf. Und während der bollerige Schuhplattl-Spaß von voXXclub in Sachen Auffälligkeit und Unverwechselbarkeit die risikoreichere und damit international womöglich bessere Wahl gewesen wäre, entschied sich das Publikum im Verbund mit gleich zwei Jurys für die edsheeraneske Ballade 'You let me…
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Was wird Unser Lied für Lissabon?

Was wird Unser Lied für Lissabon?

So, heute Abend gilt's. In gut vier Stunden beginnt er, der deutsche Vorentscheid 2018 unter dem schönen Titel Unser Lied für Lissabon. Fleißig schraubte der NDR nach den wenig ruhmreichen Ergebnisse der Vorjahre an der Vorauswahl der sechs Teilnehmer/innen der heute Abend aus Berlin-Adlershof gesendeten und sowohl im Ersten wie auf dem Digitalsender One übertragenen Show. Eine aus jungen Fans plus eine aus internationalen ESC-Juroren und -Teilnehmer/innen wie z.B. Margaret Berger (NO 2013) zusammengesetzte Jury waren an der Auswahl beteiligt und dürften auch beide in der heutigen Sendung zu jeweils einem Drittel mitstimmen. Ausdrücklich suchte der NDR-Verantwortliche Thomas Schreiber diesmal „kantige“ Acts, um den in den letzten Jahren unweigerlichen…
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Beo­vi­zi­ja 2018: Der Flö­ten­schlumpf fängt an

Beo­vi­zi­ja 2018: Der Flö­ten­schlumpf fängt an

Wenn die Serben etwas machen, dann machen sie es richtig! Nach zwei eher enttäuschenden internen Interpretenauswahlen ließ es der Sender RTS beim diesjährigen nationalen Vorentscheid unter dem historischen Titel Beovizija richtig krachen. Gleich 17 Beiträge bot man auf, die fast allesamt auf das Prächtigste unterhielten und den Fan des gepflegten Ethno-Popschlagers in einen dermaßenen Glücksrausch versetzten, als sei er versehentlich über Nacht in der Süßwarenabteilung des Kaufhauses eingeschlossen. Mindestens sechs absolute Lieblingslieder, die allesamt hätten gewinnen dürfen, zählte ich am Ende, und mit dem unter anderem durch einen zauselbärtigen Flötenschlumpf folkloristisch instrumentierten, klageweiberhaft dahingejammerten, druckvollen Balkanklopper 'Nova Deca' ('Neue Kinder')…
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San Mari­no 2018: Give me Chan­ce to refinance

San Mari­no 2018: Give me Chan­ce to refinance

Eine kostspielige Angelegenheit ist die Teilnahme am Eurovision Song Contest, und gerade die TV-Stationen kleinerer und finanzschwächerer Länder müssen hier oft kreative Wege gehen. So wie die gerade mal 30.000 Einwohner starke Winz-Republik San Marino. Jahrelang ließ man sich dort den Beitrag von Ralph Siegel bereitstellen und bezahlen, was einer gewissen Valentina Monetta (→ SM 2012, 2013, 2014, 2017) zu fragwürdiger Berühmtheit verhalf. In diesem Jahr legte das sanmarinesische Fernsehen die Verantwortung in die Hände des österreichischen Musikproduzenten Christoph Straub, des Vaters von Zoë (→ AT 2016), die ihrerseits als Co-Komponistin an fast allen Titeln des Vorentscheidungsformats 1in360 beteiligt ist.…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ein Fisch namens Dracula

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ein Fisch namens Dracula

Am vergangenen Sonntag ging im Gastgeberland des diesjährigen Eurovision Song Contest, in Portugal, die erste von zwei Halbfinalen des Festival da Canção über die Bühne. Auf der Halbinsel glaubt man noch fest an das Konzept des → Komponistenwettbewerbs, und so lud der Sender 26 Songschreiber ein, ein Lied für Lissabon zu komponieren und entweder selbst zu singen oder einen passenden Interpreten mitzubringen. Die Hälfte von ihnen, also 13, durften gestern ihre Ergebnisse vorstellen. Und wie zu erwarten, wurde es ein langer, lahmer Abend voll von sanften Balladen und introvertierten Auftritten. Wie ein Fanal stach da die völlig bizarre Darbietung des Singer-Songwriters…
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Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 2: mor­gens bin ich immer müde

Bin ich mittlerweile einfach zu verwöhnt, zu überkritisch? Ist es vermessen von mir, zu verlangen, dass das Rad mit jeder Performance neu erfunden wird? Kann ich mich mit meiner ständigen Originalitätserwartung einfach nicht mehr erfreuen an solide gemachten Liedern und Auftritten? Oder woran liegt es, dass mir das Melodifestivalen, der heilige Gral der Eurovisionsvorentscheidungen, in diesem Jahr so über die Maßen lahm vorkommt, die Songs so schwach, die Darbietungen so uninspiriert? So, als läge eine einzige, abgrundtiefe Müdigkeit über dem schwedischen Vorauswahlverfahren, ein Mehltau, über den keine Choreografie, kein Glanz und Glitter mehr hinwegtäuschen kann? Am augenfälligsten wehte dieser Eindruck…
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Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 1: schö­nes Haar ist Dir gegeben

Fünf­ter Super­sams­tag 2018, Teil 1: schö­nes Haar ist Dir gegeben

Es war ein Abend der endlosen eurovisionären Überforderung, der gestrige Supersamstag, an dem gleich acht Vorrunden und ein nationales Finale gleichzeitig um die Aufmerksamkeit des Grand-Prix-Fans rangen. Darunter mit den Semis der slowenischen EMA und der Eesti Laul diejenigen aus gleich zwei meiner liebsten Perlen-vor-die-Säue-Ländern, in denen jedes Jahr die allerschönsten Lieder unter die Räder kommen und stattdessen (fast) immer der größte Mist zum Song Contest geschickt wird. Die Esten trugen ihre Finalchancen ja bereits vergangenen Samstag zu Grabe (und vergaben gestern eine weitere Gelegenheit), in Ljubljana hingegen rettete man zu meinem großen Erstaunen gleich mehrere vielversprechende Titel ins EMA-Finale. Dennoch…
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Mon­te­vi­zi­ja 2018: Van­ja spielt auf dem Bajan

Mon­te­vi­zi­ja 2018: Van­ja spielt auf dem Bajan

Dass sich Kultur nicht demokratisch organisieren lässt, belegte heute Abend der erstmals seit zehn Jahren wieder ausgetragene offene Vorentscheid des rund 600.000 Einwohner starken Balkanstaates Montenegro. Bis dato bestimmte der Sender RTCG seine Eurovisionsvertreter/innen nämlich direkt und traf dabei oft sehr mutige Entscheidungen, die das kleine Land zu einem Innovationsmotoren des Grand Prix machten, auch wenn sich das leider nur selten in adäquaten Platzierungen auszahlte. Nun sollte es 2018 die Montevizija sein, bei der fünf durch die Bank schwache Songs um die Gunst der alleine entscheidungsberechtigten Zuschauer/innen buhlten. Es gewann der einzige Mann, der trotz seiner über 30 Jahre sehr…
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Euro­fest 2018: Cha­sing Russians

Euro­fest 2018: Cha­sing Russians

Sie haben schon einen besonderen Sinn für Humor, die Belarussen. Einen großen nationalen Vorentscheid aufzuziehen mit zehn Teilnehmer/innen und noch einmal zehn Interval Acts, und das alles, obwohl der Beitrag für Lissabon bereits lange vorher feststand: sicherheitshalber mit zwei Mal 12 Punkten im Tele- und Juryvoting siegte heute Abend erwartungsgemäß der in Moskau lebende Ukrainer Nikita Alekseev mit dem umstrittenen Titel 'Forever'. Mit dem bewarb er sich zunächst erfolglos beim Vorsingen in seinem Herkunftsland und wechselte, als er dort abblitzte, nach Minsk. Das sorgte für erheblichen Unmut bei den weißrussischen Konkurrent/innen; sechs von ihnen drohten mit Boykott (und eine zog es…
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Elli­ni­kós Teli­kós 2018: Was vom Tage übrig blieb

Elli­ni­kós Teli­kós 2018: Was vom Tage übrig blieb

Da war es nur noch Eine: eurovision.tv bestätigte heute unter Berufung auf den griechischen Sender ERT die Spekulationen der letzten Tage, wonach die ursprünglich geplante öffentliche Vorentscheidung Ellinikós Telikós 2018 mangels Masse ausfallen musste und die Hellenen die einzige verbleibende Bewerberin nach Lissabon entsenden. Nämlich Yianna Terzi mit ihrem midtemporären, sphärisch-panflötig gewürzten 'Oneiro mou' ('Mein Traum'), einem weiteren Grand-Prix-Beitrag in Landessprache. Das griechische Auswahlverfahren entfaltete in diesem Jahr alle Züge eines klassischen Dramas: nach einem entsprechenden Aufruf des hellenischen Fernsehens an die Plattenfirmen des Landes reichten diese zunächst 20 Vorschläge beim Sender ein, darunter Acts wie Stereo Soul (→ GR 2011)…
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HaKok­hav Haba 2018: Vor­sprung durch Technik

HaKok­hav Haba 2018: Vor­sprung durch Technik

Da kommt eine spannende Grundsatzdebatte auf uns zu: wie weit darf der Einsatz von Technik beim Eurovision Song Contest gehen? Am gestrigen Abend gewann die 25jährige Wuchtbrumme Netta Barzilai mithilfe der Jury ziemlich knapp die israelische Grand-Prix-Castingshow HaKokhav Haba, hierzulande gefloppt unter dem Titel Rising Star. Nettas Markenzeichen in der Show war der exzessive Einsatz eines Loopers, also eines manuell gesteuerten technischen Trickkästchens, mit dessen Hilfe man Instrumente, Geräusche oder die eigene Stimme aufnehmen, elektronisch beliebig bearbeiten (sprich: mit Hall unterlegen, verstärken, verdoppeln, verfremden) und in Dauerschleife gewissermaßen als selbstgemachten Begleitchor oder musikalische Untermalung zum eigenen Live-Gesang abspielen kann. Diese relativ…
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Die Bal­kan­di­da­ten­kür: (You dri­ve me) Crazy

Die Bal­kan­di­da­ten­kür: (You dri­ve me) Crazy

Gleich zwei Balkanstaaten gaben heute ihre jeweils intern bestimmten Vertreter/innen für den Eurovision Song Contest 2018 bekannt. Die frühere jugoslawische Republik Mazedonien, die derzeit (hoffentlich!) auf eine baldige Lösung des jahrzehntelangen, ermüdenden Namensstreits mit den in dieser Angelegenheit bis zuletzt sturen Griechen zusteuert, ernannte das phonetisch clever benannte Duo Eye Cue (lies: IQ bzw. "I q" = ich qualifiziere mich [für das Finale]), bestehend aus dem Komponisten Bojan Traikovski und der Leadsängerin Marija Ivanoska. Die beiden machen seit mehr als zehn Jahren gemeinsam Musik. Und zwar, wie eine schnelle Youtube-Werkschau bestätigt, in der Hauptsache zähen, handgeklampften, midtemporären, leicht melancholischen Middle-of-the-Road-Seich (seufz). Wie…
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Let­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Let­ti­sches Voting-Cha­os: Riga-Reg­gae-Foto ret­tet Riva

Ein falsch platziertes Foto rettet dem lettischen Vorentscheidungsveteranen Markus Riva den Arsch: wie der Sender LTV heute bekannt gab, darf der am vergangenen Samstag im zweiten Semifinale der Supernova eigentlich bereits ausgeschiedene Sänger und stets erfolglose Dauerbewerber nun doch am Finale des Vorauswahlverfahrens teilnehmen. Der Sender hatte beim Onlinevoting versehentlich das Foto der Band Riga Reggae beim Abstimmungslink für den Konkurrenten Ritvars platziert, welcher daraufhin als Zweitplatzierter der Gesamtwertung weiterkam, während Riva mit Rang 3 den Kürzeren zog. Nunmehr annullierte LTV die Internet-Ergebnisse für alle Teilnehmer/innen und sortierte die Liste anhand der restlichen Faktoren - Telefonanrufe, SMS, Spotify-Abrufe und Jurystimmen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spirits

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Smells like old Spirits

Seit dem gestrigen Semifinale der Selecția Națională wünsche ich mir dringend einen Sieg Rumäniens beim Eurovision Song Contest. Nicht aufgrund der im siebenbürgischen Turda präsentierten Songs - die waren durch die Bank gräuslich, - sondern wegen der abgefahrenen Location, in dem die Show stattfand und die ich auch gerne als Veranstaltungsort für den Grand Prix sähe: tief unter der Erde, in einem nicht mehr genutzten und zum Museum / zur Event-Location ausgebauten Stollen eines Salzbergwerks fand die vierte SN-Runde statt. Und auch, wenn sich die Jurorin Ilinca Băcilă (→ RO 2017) aufgrund der in der ungeheizten Höhle herrschenden Eiseskälte in eine wärmende Wolldecke…
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Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Vier­ter Super­sams­tag 2018: ent­mün­digt die Esten!

Reihenweise fanden am gestrigen Supersamstag neben den abschließenden Entscheidungen in Dänemark und Italien noch Semifinale quer durch Europa statt, bei denen sich die abstimmungsberechtigten Zuschauer/innen und Juror/innen mal wieder von ihrer schlechtesten Seite zeigten und eine katastrophale Fehlentscheidung nach der anderen trafen. Am wenigstens ausgeprägt erstaunlicherweise diesmal in Schweden, wo sich das zweite Semifinale des allgemein beliebten Melodifestivalen musikalisch noch schwächer präsentierte als das eigentlich schon unterirdische erste vom vorvergangenen Samstag. Mit den Augenschmäusen Limaoo und Samir & Victor wählten die Skandinavier/innen drei kernige Knaben mit träshigen Titeln ins Finale weiter, wogegen sich natürlich nicht das Geringste einwenden lässt. In…
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IT 2018: Blut in der Gosse

Mit einem Lied gegen den Terror tritt Italien beim Eurovision Song Contest 2018 in Portugal an, so das (erwartbare) Ergebnis des 68. Festival della Canzone italiana alias San-Remo-Festival, das gestern Nacht mit dem Sieg des Duos Ermal Meta und Fabrizio Moro zu Ende ging. Das damit verbundene Erstzugriffsrecht auf das Ticket nach Lissabon nahmen die Beiden wahr, wie sie noch in der Nacht erklärten. Der im albanischen Fier, dem Heimatort der diesjährigen zypriotischen Grand-Prix-Kollegin Eleni Foureira geborene Meta und der Römer Moro setzten sich mit ihrem gefühlvollen Beitrag in dem fünftägigen Liederwettstreit gegen 19 Konkurrent/innen durch, darunter sehr viele sehr alte…
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DK 2018: In der Regel hat­ten die Wikin­ger rote Bärte

Ein Wikinger mit langen Haaren und rotem Vollbart, in Begleitung von vier finster dreinblickenden Gestalten, die eine mild martialisch anmutende Rockpomphymne namens 'Higher Ground' singen, in der von Kampfschiffen, Schwertern und Pfeilen die Rede ist, in Szene gesetzt mit gehissten Segeln, Trockeneisnebel und dezentem Windmaschineneinsatz: was im ersten Moment klingt wie die Wiederkehr von Santiano (→ Vorentscheid DE 2014) und eine musikalische Kriegserklärung der Dänen ans restliche Europa, nach der Androhung der kriegerischen Landnahme wie im finstersten Mittelalter, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als überraschend pazifistischer Beitrag. Von der Sage des 1898 heilig gesprochenen Wikingers Magnus Erlendsson, der sich der…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Boo­ni­ka bate Doba

Seit Dienstag dieser Woche läuft wieder das italienische San-Remo-Festival, ein seit 1956 stattfindender jährlicher Wettbewerb um das festlichste Abendkleid, die längste Moderation und die unbotmäßigste Sendezeitüberziehung, bei dem die RAI zur Wiederbelebung der Zuschauer/innen immer dann, wenn die hochfrequenten Dauerredner/innen zum Befeuchten der Stimmbänder eine kurze Pause einlegen müssen, musikalische Gäste zur Überbrückung auftreten lässt, deren Lieder zur weiteren Erhöhung des Unterhaltungsfaktors in einem Wettbewerb stehen und bei dem am Ende des fünftägigen Marathons nach einem hochkomplexen Berechnungsverfahren, an dessen Entschlüsselung schon mehrere Schachweltmeister scheiterten, ein Sieger ermittelt wird, der dann zum Eurovision Song Contest fahren darf. Aber nur, wenn…
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