Das Millenium

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 2000 bis 2009.

Rus­si­scher Vor­ent­scheid 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen weinen

Rus­si­scher Vor­ent­scheid 2009: Du sollst doch nicht um Dei­nen Jun­gen weinen

Sie kam, sang und siegte: erst zwei Tage vor dem gestrigen Vorentscheidungsfinale vom Sender noch ganz schnell ins Partizipantenfeld gemogelt, überzeugte die durch ihren Sieg in der russischen Castingshow Star Factory bekannte 21jährige ukrainische Sängerin Anastasia Prihodko sowohl die Televoter, die sie mit 26% der Stimmen an die Spitze setzten, als auch die Fachjury, die anschließend noch mal unter den drei Höchstplatzierten auswählte (auch bekannt als das weißrussische Verfahren). Ihr dramatischer Rocksong 'Mama' war zuvor von der ukrainischen Vorentscheidung ausgeschlossen worden - eine Entscheidung, gegen die das Management der Sängerin laut einem Bericht von escKaz Rechtsmittel anstrengte. Nun darf sie…
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Aser­bai­dschan 2009: Alliterationsalarm!

Aser­bai­dschan 2009: Alliterationsalarm!

Nachdem der Kaukasusstaat bei seinem letztjährigen Einstand mit einer der spektakulärsten Vorentscheidungsshows beeindruckte, entschied man sich in Baku diesmal für eine Auswahl hinter verschlossenen Türen. Die einzige Bühnenerfahrung der erst neunzehnjährigen Aysel Teymurzadeh besteht in einigen kurzen Auftritten in einer Castingshow, in der sie nicht die Endrunde erreichte. Sie hat noch nichts veröffentlicht - ihr vom schwedisch-iranischen Komponisten Arash Lebaf geschriebener Grand-Prix-Beitrag 'Always', nach Eigendarstellung des Songschreibers eine "romantische Ballade", tatsächlich aber ein weiteres druckvolles Ethno-Flavour-Disco-Stück, darf gleichzeitig als erste Single-Veröffentlichung herhalten. Immerhin glaubt sie an sich selbst: "Ich werde die Erste sein", versprach sie bei einer Pressekonferenz. Gewann die Vorentscheidung und hatte…
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Isra­el 2009: Ein biss­chen Frieden

Isra­el 2009: Ein biss­chen Frieden

Mitten im Krieg um den Gaza-Streifen sendet das israelische Fernsehen mit seiner Eurovisionsnominierung ein schwach glimmendes Friedenslicht. Anfang Januar ernannte die IBA die international erfolgreiche Sängerin Achinoam Nini, auch bekannt als Noa, zu ihrer Eurovisionsvertreterin. Die von ihrem zweiten bis zum siebzehnten Lebensjahr in der New Yorker Bronx aufgewachsene Sängerin, die sich für einen Dialog zwischen Israelis und Arabern einsetzt, machte ihren Auftritt von der Teilnahme der befreundeten Sängerin Mira Awad abhängig, einer Israelin mit arabischen Wurzeln. Noa, Kind jemenitischer Juden, fasste ihren Lösungsansatz für eine Aussöhnung der verfeindeten Völker in einem TV-Interview wie folgt zusammen: "Wir (beide) müssen uns…
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Bos­ni­en 2009: Ein lei­ses Lied in die­ser lau­ten Zeit

Bos­ni­en 2009: Ein lei­ses Lied in die­ser lau­ten Zeit

Am Sonntag präsentierte das bosnischen Fernsehen erstmals sein Lied für Moskau im Rahmen einer eigenen Show. Schon Mitte Januar erfolgte die Direktnominierung der Rockband Regina, einer 1990 gegründeten Gruppe, die sich nach mehreren erfolgreichen Alben im Jahre 2000 zunächst aufgelöst hatte, 2006 aber wieder zusammenfand. Ihr Beitrag heißt 'Bistra Voda' ('Klares Wasser') - der Titel klingt nach einem Ökosong, ist aber wohl eher ein Liebeslied. Das sehr, sehr verhalten beginnt und irgendwie nicht so Recht aus dem Quark kommt. Speziell die Live-Präsentation wirkt, als habe irgendjemand der Band Tranquilizer in ihr Wasser gemischt. Braucht ein bisschen: das Bistro-Wasser Weit über…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Mi Nume­ro Uno

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 2009: Mi Nume­ro Uno

Da hat die griechische Eurovisionsgöttin Helena Paparizou doch Spuren hinterlassen! Wenig überraschend entschied sich das spanische TV-Publikum gestern Nacht für den fantastischen mediterranen Discostampfer 'La Noche es para mi' von Laura Voutilainen Soraya Arnelas, der schon seit der Eröffnung des ersten Internetvotings vor vielen Monaten durchgängig in der Zuschauergunst führte. Wie schon die schöne Helena setzt auch Soraya auf mitreißende Rhythmen, eine super eingängige Melodie, eine divaeske Präsentation, knackige Tänzer, schöne Hebefiguren und leicht zu merkende Texteinsprengsel wie "Shake me". Sie würzt dieses Erfolgsrezept mit einem dezenten Latinoflavour. Bleibt nur noch eine Frage: Madrid oder Barcelona 2010? Seit wann kann…
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Fes­ti­val da Can­çao 2009: The Streets of Lisboa

Fes­ti­val da Can­çao 2009: The Streets of Lisboa

Knapp elf Millionen Einwohner hat Portugal, und jeweils fünf von ihnen bildeten eine (einzeln abstimmungsberechtigte) regionale Jury beim Festival da Cançao an diesem Samstagabend Samstagnacht Sonntagmorgen Wochenende. Weniger als eine Stunde dauerte die Vorstellung der teilnehmenden Songs, dann wurde bis in die frühen Morgenstunden abgestimmt. Wie von Anfang an erwartet, setzten sich ziemlich schnell die Folkbarden Flor de Lis mit ihrer blumenkinderhaften Ode an die 'Straßen der Liebe' durch. Eine für portugiesische Verhältnisse beinahe schon fröhlich zu nennende Nummer, obschon gewisse Anleihen an ‚De Troubadour’, den niederländischen Eurovisionsgewinner von 1969, nicht abzustreiten sind. Be sure to wear some Flowers in…
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Eirod­zies­ma 2009: Freut Euch, jetzt kom­men die schlech­ten Zeiten

Eirod­zies­ma 2009: Freut Euch, jetzt kom­men die schlech­ten Zeiten

Die weltweite Rezession trifft derzeit auch das Baltikum hart. So scheinen den Letten nicht nur ihre materiellen Güter und Arbeitsplätze abhanden gekommen zu sein - nein, auch um die geistige Gesundheit des Volkes steht es nicht zum Besten. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der Sieger des heutigen Eirodziesma, der Punkrocker Intars Busulis, mit einem, tja, wie soll man das beschreiben: Lied? Nicht wirklich. Kriegsgeschrei? Dafür hat es zu schöne, wenn auch kurze, Gesangseinlagen. Heidnisches Ritual? Schon eher. Nennen wir es einfach: Gesamtkunstwerk. Es handelt übrigens von: der Rezession. Unter den Finalisten war es das einzige auf lettisch gesungene Lied, in Moskau…
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Dora 2009: Bin­den beflügeln

Dora 2009: Bin­den beflügeln

Während in den meisten Ländern die Teilrückkehr der Jurys für einen Rückfall in die schlimmsten Niederungen der Neunzigerjahre mit sterbenslangweiligen Schnarchballaden sorgte, entschied sich die ehemalige Eurovisionssupermacht Kroatien gleich für die schlimmsten Niederungen der Sechzigerjahre: es schickt ein unglaublich bieder aussehendes Bübchen namens Igor Cukrov (selbstredend ein Castingshowteilnehmer, wie geschätzt 130% aller derzeit im Musikbusiness Tätigen) mit einer schnulzig-abgestandenen Liebeserklärung aus dem Hause Huljić an ein Produkt des täglichen Bedarfs. Jedenfalls für die Generation, welche die Sechzigerjahre noch live miterleben durfte: 'Ljepa Tena'. Er knödelt und kreischt, dass man inkontinent davon werden könnte! Cukrovs Sieg führt einmal mehr die Absurdität des…
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Schweiz 2009: You can count on them

Schweiz 2009: You can count on them

Bereits seit Januar steht die Basler Band Lovebugs als Repräsentant der Eidgenossenschaft beim Grand Prix 2009 fest. Das Quintett besteht seit 15 Jahren und veröffentlichte vor wenigen Tagen sein zehntes Album 'The highest Heights' mit grässlicher, spannungsarmer Rockpop-Mucke, produziert von Richard Rainey, der auch schon den Platten der nicht minder langweilenden Iren von U2 ihren letzten Schliff verlieh. Der Titeltrack aus besagtem Album ist nun auch, wie schon allgemein erwartet, das schweizerische Lied für Moskau, wie sowohl die Band als auch das SF bestätigten. Wie schon die erste Singleauskoppelung '21st Century Man' klingt auch 'The highest Heights' wie das uneheliche…
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Ungarn 2009: Aller guten Din­ge sind drei

Ungarn 2009: Aller guten Din­ge sind drei

Köstlich: diese Woche präsentierte das ungarische Fernsehen bereits zum dritten Mal seinen Vertreter für Moskau, nach dem die beiden ersten wegen Regelverletzungen bzw. "zu vollem Terminkalender" ausschieden. Sollte es bei Ádokzoli (so die ungarische Schreibweise) bleiben, dann hat sich die lange, qualvolle Suche gelohnt: 'Dance with me' ist eine derartig camp präsentierte, futtige Oh-mein-Gott-ist-das-schwul-Disconummer, dass selbst Deens Darbietung von 'In the Disco' beim Grand Prix 2004 dagegen als glaubwürdig heterosexuell durchgeht. Kein Wunder, arbeitet Zoltán Ádok (so der volle Name des Sängers) doch mit dem selben schwedischen Produzenten zusammen, der schon für Alcazars 'Crying at the Discotheque' verantwortlich zeichnete. Himmlisch! Als…
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Es tut unheim­lich weh: das ist die deut­sche Jury

Als Erster outete sich Scooter-Frontmann H.P. Baxxter (DVE 2004) am Freitag im Rahmen der Echo-Verleihung. Am Montag gab der NDR die Namen der vier restlichen Jurymitglieder bekannt, deren persönlicher Geschmack im Mai genau so stark zählen wird wie der von Millionen TV-Zuschauern, die ihr Geld für Telefonanrufe opfern. Neben der Gallionsfigur des deutschen Kirmestechno und Held aller Golf-GTI-Fahrer sind dies die als Soapsternchen wie Musikmeuchlerin gleichermaßen unbegabte Jeanette Biedermann (DVE 1999); der Meister und Retter des Grand Prix, Guildo Horn; das Phonoakademie-Mitglied Sylvia Kollek und, gewissermaßen als adeliges Oberhaupt dieser Schreckensgalerie, der Prinzen-Sängerknabe Tobias Künzel. Die öffentliche Bekanntmachung der Jury-Zusammensetzung…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 2009: Kiss, Fist, Gang-Bang

Deut­scher Vor­ent­scheid 2009: Kiss, Fist, Gang-Bang

Von einer "Kreativpause" war seitens des NDR die Rede. Und von der Chance, mit dem Verzicht auf einen öffentlichen Vorentscheid endlich große Namen zum Contest zu locken. Etablierte Künstler, die sich nicht mit einer Niederlage im Publikumsvoting die Karriere kaputt machen wollen und daher sonst immer kneifen. So tagte stattdessen eine funkhausinterne Jury unter Vorsitz des NDR-Unterhaltungschefs Thomas Quibeldey und entscheid sich unter den Tonnen von Einsendungen für einen ganz, ganz großen Namen. Atemlose Spannung, imaginärer Trommelwirbel, Tusch: Oscar Loya. Jawohl, meine Damen und Herren, der Oscar Loya! Wie jetzt, den kannten Sie nicht? Noch nie vorher gehört? Macht nichts, der…
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Skop­je­fest 2009: Es bleibt in der Familie

Skop­je­fest 2009: Es bleibt in der Familie

Es ist schon lustig: kaum überwindet die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Montenegro ihre furchtbare Vorliebe für grauenhaftesten, abgestandenen Poprock, den niemand hören will, und kauft einen erstaunlich flotten Siegel-Seniorendisco-Song ein, da springt der Virus auf die frühere jugoslawische Republik Mazedonien über. Mit nur einem Punkt Vorsprung gewann dort die Bon-Jovi-Gedächtniskappelle Next Time mit dem entsetzlichen Gitarrengeschrammel 'Nesto sto ke ostane' (keine Ahnung, was das heißt, und es ist mir auch egal) soeben den Vorentscheid. Da dürften diesmal wohl Jury und Zuschauer im Quali sagen: maybe next Time! Ob die Münchener Freiheit (DE 1993) in den Achtzigern auch den Balkan bereiste? Der Leadsänger von…
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Bul­ga­ri­scher Vor­ent­scheid 2009: Klaus Nomi lebt!

Bul­ga­ri­scher Vor­ent­scheid 2009: Klaus Nomi lebt!

Drafi Deutscher scherzte einst, dass Modern Talking für ihre Studioaufnahmen wohl einen "Klötisten" beschäftigten, der mit zwei Backsteinen in den Händen im Tonstudio wartet und in dem Moment, wo die Stimme im Refrain in unnatürliche Höhen zu gehen hat, strategisch zuschlägt. Ob beim bulgarischen Eurovisionsvertreter Krassimir Avramov ein solcher in Lohn in Brot steht und mit welchen Wackersteinen der zuhaut, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls kreischt und jodelt der Countertenor die meiste Zeit in höchster Falsettlage. Um dennoch einigermaßen männlich zu wirken, verkleidet er sich bei seinem Auftritt als Ritter - doch wer jetzt an mittelalterliche Klänge denkt, unterliegt einer…
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Melo­di Grand Prix 2009: Strings of my Heart

Melo­di Grand Prix 2009: Strings of my Heart

Seit Wochen schon machen sich Eurovisionsfans aller Nationen wegen ihm ins Höschen, nun sind sie endlich vom Bangen und Zittern erlöst: mit einem fulminanten Erdrutschsieg - er vereinigte drei Mal so viele Stimmen auf sich wie seine drei Finalkonkurrenten zusammen - gewann Alexander Rybak, der erst 23jährige feuchte Traum aller schwulen Päderasten Grand-Prix-Fans soeben den Melodi Grand Prix. Kein all zu großes Wunder, stand sein ethnohaftes Violinenmärchen 'Fairytale' bereits vor dem nationalen Finale auf Platz 1 der norwegischen Verkaufscharts. Allgemein werden dem gebürtigen Weißrussen mit der überzeugend dargebotenen Nummer große Chancen auf eine Topplatzierung in Moskau eingeräumt. Ein Siegerstrahlen wie…
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Alex Chris­ten­sen im Größenwahn

Das nennt man die Latte hoch legen: in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt zeigt sich Komponist Alex Christensen extrem überzeugt von seinem Grand-Prix-Beitrag: "'Miss Kiss Kiss Bang' ist der beste Song, den ich seit Ewigkeiten geschrieben habe," sagte er der Zeitung. Nun ist "schreiben" vielleicht eine etwas eigenwillige Bezeichnung für den kreativen Prozess des Zusammenfügens dreier bereits vorhandener Popstücke (nämlich Shirley Basseys abgelehntem Titelsong 'Mister Kiss Kiss Bang Bang' für den James-Bond-Streifen von 1965, 'Feuerball', sowie den 1999er Hits 'Livin' la Vida loca' und 'Mambo No. Five' in der Neubearbeitung von Lou Bega) zu einem neuen Titel. Christensen ficht…
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Iri­scher Vor­ent­scheid 2009: One Nati­on under no Groove

Iri­scher Vor­ent­scheid 2009: One Nati­on under no Groove

Jetzt haben sie es also doch noch geschafft: gestern setzte sich in der irischen Vorentscheid der Beitrag des internationalen Songschreiberteams von ESC Nation um das schwedische Jack-Sparrow-Double Jonas Gladnikoff durch, nach dem die ambitionierten Eurovisionsfans im dänischen Vorentscheid mit Hera Björks Superkitschballade 'Someday' noch knapp scheiterten. Sinéad Mulvey, eine der Finalistinnen des irischen Grand-Prix-Castingcamps You're a Star aus dem Jahre 2005, singt die rockige Uptemponummer 'Et cetera' im Vanilla-Ninja-Stil und wird dabei von der Girlgroup Black Daisy (ebenfalls Teilnehmerinnen an You're a Star, allerdings aus dem letzten Jahr, als das Format nicht mehr als Vorentscheid genutzt wurde) unterstützt. 'Et cetera' wartet mit…
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Mol­da­wi­en 2009: Zur Zigeunerweise

Mol­da­wi­en 2009: Zur Zigeunerweise

Zwei lustig umherhüpfende, bezopfte Pocahontasse, ein Rapper, eine bewundernswert schnell singende Sintessa, Verzeihung, ein weibliches Mitglied des moldawischen Unterhaltungsgewerbes namens Nelly Ciobanu, sowie blechbläserlastige Ethnoklänge bis zum Abwinken: so stellt sich der Beitrag des rumänischen Vororts in diesem Jahr da. 'Hora din Moldova' heißt er, und aufgrund mangelnder Rumänischkenntnisse kann ich nur vermuten, ob das 'Die moldawische Stunde' (hat 75 Minuten), 'Das moldawische Freudenmädchen' oder 'Ruhm und Ehre der baltischen Flotte meinem Land' bedeutet. Ich tippe mal auf Letzteres. Ob der quirlige Beitrag seinem Absenderland (ja, das aus dem Songtitel!) tatsächlich Ruhm und Ehre beim Grand Prix eintragen wird? Nun ja,…
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Polen 2009: Kind of bit­ter blue

Polen 2009: Kind of bit­ter blue

Kaum sind die Jurys zurück, sind wir auch schon wieder - schwupps - tief im dunkelsten Jammertal der Neunzigerjahre angelangt, als ausnahmslos alle Länder absolut einheitliche, bis zur Hirnstarre dröge Schlichtballaden schickten, gemünzt auf den vermuteten Durchschnittsgeschmack des durchschnittlich 75jährigen Juroren. Und auch 2009 droht der Super-GAU der Langeweile, zu dem selbstverständlich auch das hierfür geradezu prädestinierte Polen in nicht unerheblichem Maße beiträgt: mit dem sterbensöden 'I don't wanna leave' einer gewissen Lidia Kopinski, seit 2003 Leadsängerin der erfolglosen deutschen Band Kind of Blue, die uns bereits im Jahre 2000 mit dem nicht minder langweiligen 'Bitter Blue' beim deutschen Vorentscheid…
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Söng­va­kepp­nin 2009: Is she through? Are we over?

Söng­va­kepp­nin 2009: Is she through? Are we over?

Kaum sind die Jurys zurück, sind wir auch schon wieder - schwupps - tief im dunkelsten Jammertal der Neunzigerjahre angelangt, als ausnahmslos alle Länder absolut einheitliche, bis zur Hirnstarre dröge Schlichtballaden schickten, gemünzt auf den vermuteten Durchschnittsgeschmack des durchschnittlich 75jährigen Juroren. Und auch 2009 droht der Super-GAU der Langeweile, zu dem beispielsweise auch das offensichtlich nicht nur finanziell, sondern mittlerweile auch künsterlisch bankrotte Island in nicht unerheblichem Maße beiträgt: mit dem sterbensöden 'Is it true' der bezaubernden Yohanna. Schnarch. Aus Island will ich Eurodance, klar?
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Lie­tu­vos Dainų Dai­na 2009: Feu­er brennt nicht nur im Kamin

Lie­tu­vos Dainų Dai­na 2009: Feu­er brennt nicht nur im Kamin

Weiter zu Litauen: der dortige haushohe Sieger heißt eigentlich Dima Savrovas, nennt sich allerdings Sasha Son und gibt sich optisch als die osteuropäische Antwort auf Justin Timberlake. Seine gefühlvolle Klavierballade 'Pasiklydes Zmogus' verfügt wenigstens noch über eine gewisse ihr innewohnende Dramatik - jedenfalls in der (anderthalb mal so lang wie zulässigen) litauischen Originalfassung. Doch natürlich wird sich das Land mutwillig sämtliche Chancen mit einer sterilen und seelenlosen Übersetzung in die vermeintliche Weltsprache des Pop, Englisch, verderben. Da heißt der Song dann 'Love' und dürfte im Meer der diesjährigen Balladen untergehen. Gut behütet: der Son (mehr …)
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Arme­ni­en 2009: Es fährt ein Zug nach nirgendwo

So, Halbzeit und ich hänge schon wieder: nun im Schnelldurchlauf die Eurovisionsbeiträge der letzten Woche. Armenien schickt zwei Schwestern (Inga & Anush Arshakyan), die den Achtzigerjahre-Look mit Stirnbändern und voluminösen Klamotten mit Neunzigerjahre-Schwarz und Ethnoschmuck kreuzen. Und auch musikalisch bedient ihr Song 'Jan jan' Retrotrends: zu ethnolastigem Dudelsack-Geflöte, das einem bereits nach wenigen Sekunden stark auf die Nerven geht, kommen Riverdance-Stampfrhythmen und ein Rumms-Bumms-Hammerrefrain. Angesichts des in diesem Jahr bejammernswert schwachen Wettbewerbsumfelds mit bislang vielleicht drei oder vier Titeln, die das Weiterkommen ins Finale verdienen, und der starken armenischen Diaspora scheint ein Scheitern im Semi dennoch unwahrscheinlich. In Armenien flötet man…
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Grie­chen­land 2009: Noch­mal! Nochmal!

Jawohl, auf die TV-Zuschauer ist Verlaß! Gestern pickten die Televoter unter den drei Songs, mit denen der Eurovisionsadonis Sakis Rouvas die hellenische Vorentscheidung bestreiten durfte, zielsicher die eine und einzige Nummer heraus, mit welcher der gutgebaute Sänger, der bereits 2004 durch artistischen Einsatz entzückte und für sein Land den dritten Platz erreichte, zumindest eine Chance auf eine erneute Top-Platzierung haben könnte. Zwar handelt es sich bei 'This is our Night' um einen im Vergleich zu 'Shake it' eher unterdurchschnittlichen Discosong, aber wenigstens geht er ins Ohr und in die Hüften. Hochleistungsturnen zum Vollplayback: so mögen wir unseren Sakis Tzazikis! (mehr …)
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Deutsch­land 2009: They stood us up, again!

Swing, schon wieder Swing! Als ob der berechtigte neunzehnte Platz für Roger Zitzenfroh beim Contest von 2007, als dieser Retro-Musik-Trend auch schon wieder seit vier Jahren vorbei war, uns nicht Lehre genug hätte sein können. Denkste! Unbehelligt von jedem Zuschauervotum wählte die NDR-Jury (unter Mitwirkung von Guildo Horn und Grand-Prix-Kommentator Peter Urban) den Swing-Dance-Titel 'Miss Kiss Kiss Bang', produziert vom deutschen Kommerztechnopionier Alex Christensen und gesungen von dem bislang völlig unbekannten Oscar Loya. Die offizielle Vorstellung erfolgt am 21. Februar im Rahmen der Echo-Verleihung. "Germany, two Points" (Oliver Pocher): die Premiere beim Echo (mehr …)
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Mal­ta 2009: On again – off again (MT 2009)

Das erwartete Grauen ist eingetreten: Maltas Joy Fleming gewann bereits zum dritten Mal den Song for Europe und darf uns in Moskau mit ihrer entsetzlichen Schnarchballade 'What if we' in den Schlaf singen. Ralph Siegel kam mit seinen lustigen Tenören erst gar nicht ins Superfinale - am Montag wissen wir, ob es einer seiner drei Einreichungen für den heimischen Beitrag geschafft hat (wohl eher nicht). Jetzt darf Air Malta also schon mal zwei Plätze für Chiara Siracusa reservieren und die Grand-Prix-Fans angesichts der immer weiter wachsenden Flut langweiliger Balladen schon mal die Red-Bull-Vorräte für Mai aufstocken. Das von dem belgischen Komponisten…
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