Die Sechziger

Euro­vi­si­ons­his­to­rie: die Wett­be­wer­be von 1960 bis 1969.

Melo­di Grand Prix 1964: Für immer jung

Melo­di Grand Prix 1964: Für immer jung

Man könnte es als eine Art von Lehrstunde zum Thema Generationenkonflikt bezeichnen, was sich beim norwegischen Eurovisionsvorentscheid von 1964 abspielte. Und was auf seine eher spielerische Weise das reflektierte, was in der echten Popwelt draußen seit kurzer Zeit in Form des massiven Durchmarsches von Bands wie den Beatles passierte, begleitet von hysterischem Verhalten der jugendlichen Fans, die in ihrem Übermut ganze Konzertsäle zerlegten, sowie vom völligen Unverständnis und der schroffen Ablehnung der "langhaarigen Gammler" durch die Erwachsenengeneration, die in ihnen eine Bedrohung für die bestehende gesellschaftliche Ruhe und Ordnung sah. Lustigerweise repräsentierte beim Melodi Grand Prix (MGP) ein Mann gleich…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1964: Hey, Macarena!

Eurovi­isukar­sin­ta 1964: Hey, Macarena!

"Finnisch ist eine dermaßen gangstermäßige Sprache," stellte der isländische Comedian Ari Eldjárn in einem sich mit den skandinavischen Sprachen befassenden Standup-Set mal bewundernd fest. Er machte dies - neben den fantastischen Möglichkeiten, auf finnisch zu fluchen - an der Übersetzung der drei schönsten Wörter in fast jeder Sprache fest: "Ich liebe Dich" heißt dort nämlich "Rakastan sinua". Das klinge für Außenstehende eher wie "Bring das Geld bis Donnerstag bei", meinte Ari nicht ganz zu Unrecht. Ein schönes Beispiel hierfür lieferte auch die finnische Grand-Prix-Vorentscheidung, die Euroviisukarsinta von 1964, wo der 1979 verstorbene Schnulzensänger Taisto Tammi zu kitschigen Geigen etwas vom…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1964: Es ist was faul im Staa­te Dänemark

Dansk Melo­di Grand Prix 1964: Es ist was faul im Staa­te Dänemark

Die Warnung gleich vorweg: am besten sparen Sie sich die Lektüre dieses Artikels, denn es gibt über den dänischen Vorentscheid von 1964 beim besten Willen nichts Interessantes zu erzählen. Von keinem einzigen der insgesamt neun gesungenen Beiträge des Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) existiert ein bewegter Videomitschnitt. Selbst nicht vom Siegertitel 'Sangen om dig' ('Lied über Dich') von Bjørn Tidmand. Augenscheinlich verschlampte der verantwortliche Sender Dansk Radio (DR), dem dank des mit norwegischer Hilfe geschobenen Vorjahressieges die Aufgabe zufiel, den Eurovision Song Contest 1964 zu veranstalten, nicht nur die Aufzeichnung der internationalen Show, sondern auch diejenige des einige Wochen zuvor…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1964: Ich den­ke, also sing ich

Con­cours Euro­vi­si­on 1964: Ich den­ke, also sing ich

Sie sind schon ein Haufen chaotischer Leichtfüßler und Hallodris, diese Schweizer:innen, das muss man einmal klar und deutlich so sagen. Ordnung scheint ihnen völlig fremd zu sein, die eigene Geschichte unbedeutend, archivarische Verpflichtungen nichts als unnützer Ballast! Was sie ironischerweise mit den Dänen eint, deren geschobener Sieg im Vorjahr zur Folge hatte, dass der Eurovision Song Contest 1964 nicht in Lausanne oder Lugano stattfand, sondern in Kopenhagen. Und dass dieser Jahrgang heute nicht mehr existiert, weil der dänische Rundfunk die Aufzeichnung verschlampte. Ob das unter der Ägide des Schweizer Fernsehens anders gelaufen wäre? Vermutlich nicht, denn was den helvetischen Eurovisionsvorentscheid…
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A Song for Euro­pe 1964: Lie­bes­grü­ße aus London

A Song for Euro­pe 1964: Lie­bes­grü­ße aus London

Einen etablierten Star, einen großen Namen als Repräsentanten des Vereinigten Königreichs beim Eurovision Song Contest zu finden, das war Anfang der Sechzigerjahre das Ziel des seinerzeitigen BBC-Unterhaltungschefs Tom Sloan, wie der britische Buchautor Gordon Roxburgh in seiner Fibel 'Songs for Europe, Volume One' rapportiert. Und so ließ er sich vom deutschen Vorentscheid 1963 inspirieren und änderte das Format des im Jahre 1964 erstmals unter dem Rubrum A Song for Europe firmierenden Auswahlverfahrens: anstelle mehrerer Künstler:innen sollte nur noch ein:e einzige:r, vorab ausgewählte:r, Interpret:in sämtliche Titel vorstellen. Nebenbei wollte Sloan so den Fokus stärker auf den Song lenken: anstatt für den charmantesten…
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Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weißröckchen

Jugo­vi­zi­ja 1964: Schnee­flöck­chen, Weißröckchen

Wie in der gesamten Anfangsphase des Grand Prix erweist sich auch für das Jahr 1964 die Faktenlage nur eingeschränkt ertragreich, was den Eurovisionsvorentscheid des damals noch unter Tito vereinten südslawischen Vielvölkerstaates angeht. Immerhin kennen wir, und das stellt bei der Jugovizija der Sechzigerjahre keine Selbstverständlichkeit dar, die komplette Teilnehmer:innenliste inklusive der Lieder. Doch das nützt nur bedingt, finden sich doch lediglich vier der acht Wettbewerbsbeiträge als Audiospur im Netz, darunter der Siegertitel sowie die lieblich plinkernde Schneeflockenballade 'Kakor bela Snežinka' des slowenischen Sängers Stane Mancini. Ob eine Verwandtschaft zur 2012er Repräsentantin Hannah Mancini besteht, ist mir leider nicht bekannt: vom Alter…
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Fes­ti­val da Can­ção 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubeißen

Fes­ti­val da Can­ção 1964: auch mor­gen noch kraft­voll zubeißen

Gute drei Jahre vor meiner Geburt begann sie: die lange Leidensgeschichte des westlichsten Landes Kontinentaleuropas beim Eurovision Song Contest, die erst 48 Teilnahmen und 53 Jahre später mit dem Sieg von Salvador Sobral ihr temporäres Ende finden sollte. Bis dahin erwies sich der von zahlreichen Roten Laternen und kümmerlichen Punktegaben gesäumte Weg als qualvoll und steinig. Schaut man sich das 1964 eigens zu diesem Zwecke, als nationale Vorentscheidung, aus der Taufe gehobene und bis zum heutigen Tag zu diesem Behufe verwendete Festival da Canção in voller Länge an, ahnt man, warum. Sechs Sänger:innen traten gegeneinander an bei der Premiere dieser…
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San-Remo-Fes­ti­val 1964: Gib mir noch Zeit

San-Remo-Fes­ti­val 1964: Gib mir noch Zeit

Welche herausragende Bedeutung das San-Remo-Festival zu seiner Blütezeit weit über die Grenzen Italiens hinaus hatte, vermag man sich heutzutage kaum noch vorzustellen. Eine leichte Ahnung davon vermittelt der Blick auf die Interpretenliste des als Grand-Prix-Vorentscheid genutzten Wettbewerbs im Jahre 1964. Da kam die ausführende Sendeanstalt Rai nämlich auf die grandiose Idee, die Zweitversionen der in den beiden Semifinalen vorgestellten 24 Lieder von internationalen Künstler:innen singen zu lassen, um den Duft der großen weiten Welt in die ohnehin schon glamouröse Veranstaltung zu holen. Und das Verrückte: die eingeladenen Gäste kamen auch! So unternahm beispielsweise neben der Italienerin Milva die Französin und spätere…
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Ein Lied für Kopen­ha­gen 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Ein Lied für Kopen­ha­gen 1964: Ist die Ent­täu­schung groß

Bereits in den frühen Sechzigerjahren verlief kein Jahrgang wie der andere beim deutschen Vorentscheid - eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat. Nach den glamourösen Deutschen Schlagerfestspielen von 1962, deren aktuelle Siegerin Siw Malmkvist mit ihrem Wettbewerbsbeitrag 'Liebeskummer lohnt sich nicht' die deutschsprachige Hitsingle des Jahres lieferte, und der in Sachen Einschaltquote extrem erfolgreichen One-Women-Show mit Heidi Brühl in Jahre 1963 fand diesmal im Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main wieder eine klassische öffentliche Vorentscheidung mit mehreren Interpret:innen statt. Diese stand erstmals unter dem dann für ein knappes Vierteljahrhundert gültigen Rubrum "Ein Lied für..." (ELF), gefolgt…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1964: War­te noch ein Weilchen

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1964: War­te noch ein Weilchen

Wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren - und wie im übrigen während des restlichen Dezenniums - wählte der französische Sender ORTF seinen Grand-Prix-Beitrag auch 1964 hinter verschlossenen Türen aus. Es existiert eine fragmentarische Auswahlliste, auf welcher sich für diesen denkwürdigen Eurovisionsjahrgang knapp 50 Titel finden, von denen sich jedoch nur elfen jeweils ein:e Interpret:in zuordnen lässt. Ob diejenigen sich damals tatsächlich aktiv bei ORTF bewarben oder ob es sich nur um die unverbindliche Wunschliste des Senders handelt, wissen wir ebenso wenig wie die Kriterien oder das Verfahren, nach denen die Auswahl erfolgte. Beim Stöbern auf Youtube fällt auf, dass…
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ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

ESC-Fina­le 1963: Melo­die einer Nacht

Die von etlichen europäischen Sendeanstalten (einschließlich der ARD) aus finanziellen Gründen sehr gefürchtete Eurovisionsregel, wonach der Sieger des Wettbewerbs im Folgejahr prinzipiell den Contest austragen soll (nicht: muss), existiert bereits seit seit dem zweiten Jahr seines Bestehens, also seit 1957. Doch nicht jeder glückliche Gewinner verhält sich regelkonform: dem schlechten Beispiel der Niederlande folgend, weigerte sich heuer das innerhalb von nur sechs Jahren bereits zum dritten Male (nämlich 1958, 1960 und 1962) viktoriöse Frankreich, die Show zu organisieren und alleine finanziell zu stemmen. Das mondäne Cannes, wo der Wettbewerb bereits 1959 und 1961 stattgefunden hatte, entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der jährlichen…
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Deut­scher Vor­ent­scheid 1963: Das geht mir viel zu schnell

Deut­scher Vor­ent­scheid 1963: Das geht mir viel zu schnell

Die Idee, die vom Südwestfunk aus der Taufe gehobenen und von gleich vier ARD-Landessendern gemeinschaftlich veranstalteten Deutschen Schlagerfestspiele als Grand-Prix-Vorentscheid zu nutzen, hatte 1962 Modernität und Glanz in die Veranstaltung gebracht und mit 'Zwei kleine Italiener' für einen frischen, kommerziell überaus erfolgreichen deutschen Beitrag gesorgt, den erfolgreichsten dieses Dezenniums gar. Würde man dieses rundherum gelungene Experiment also fortsetzen, wie es jede menschliche Logik gebietet? Weit gefehlt! Denn Hans-Otto Grünefeldt, der Unterhaltungschef des Hessischen Rundfunks und damalige Eurovisionsverantwortliche der ARD, wollte ja gerade keine Hits, sondern ein "anspruchsvolles" Lied. Noch dazu belegte die auf diesem Wege ausgewählte Conny Froboess im europäischen Schlagerwettbewerb in…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1963: Je ne sais pas pourquoi

Dansk Melo­di Grand Prix 1963: Je ne sais pas pourquoi

Acht Beiträge stritten um die Gunst einer zehnköpfigen Jury bei der dänischen Vorentscheidung von 1963, dem Melodi Grand Prix (DMGP), von denen der letztplatzierte des Schauspielers Preben Mahrt komplett punktefrei ausging. Vielleicht war er den Jurymitgliedern einfach zu 'Abstrakt'? Ansonsten bestand das Personal überwiegend aus altgedienten Namen: sowohl die heimische Vertreterin von 1957 und 1962, Birthe Wilke, als auch der dänische ESC-Repräsentant von 1961, Dario Campeotto, starteten einen weiteren Versuch. Wobei sich erstere im Hinblick auf die von ihrem Beitrag ausgehende, gepflegte Langeweile nicht ohne Grund selbst fragte: 'Pourquoi' ('Warum')? Das Tanzorchester Melody Mixers widmete sich in seinem extrem fluiden…
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A Song for Euro­pe 1963: Der Tag am Meer

A Song for Euro­pe 1963: Der Tag am Meer

Wie der Autor Gordon Roxburgh in seinem Buch Songs for Europe berichtet, nahm sich der seinerzeitige Eurovisionsverantwortliche der BBC, der TV-Unterhaltungschef Tom Sloan, die Zuschauer:innenkritik über das als schlecht empfundene Niveau der direkt durch die Industrie kommissionierten Beiträge im britischen Vorentscheid von 1962 sehr zu Herzen. In einem Interview mit der Programmzeitschrift Radio Times legte er zwei drängende Probleme offen: "Ich denke, das Wettbewerbselement hält viele Musikverleger davon ab, ihr bestes Material einzureichen, weil die Gefahr besteht, dass es in der nationalen Abstimmung verliert. Außerdem konzentrieren sich die Plattenfirmen natürlich vor allem auf Songs, die auf das kaufkräftige jugendliche Publikum zielen,…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1963: von Bie­nen und Blumen

Melo­di­fes­ti­va­len 1963: von Bie­nen und Blumen

Es gibt ihn wohl überall, den Typus des unverdrossenen Vorentscheidungsteilnehmers, der es stoisch immer und immer wieder aufs Neue probiert, das Ticket fürs internationale Finale zu ersingen. Bernhard Brink mit seinen sechs Versuchen beim deutschen Vorentscheid ist ein klassisches Beispiel hierfür. Kaum jemand legte dabei indes eine derartige Penetranz an den Tag wie Brinks schwedische Schlagerkollegin Ann-Louise Hanson, die mit insgesamt 13 stets erfolglosen Bewerbungen beim Melodifestivalen plus einer ebenso folgenlosen Teilnahme am deutschen Vorentscheid 1962 den Rekord hält. Zuletzt ward sie im Jahre 2004 im Mello-Finale gesehen. Ihr Debüt gab sie 1963 mit dem kinderliedhaften 'Zum zum zum, lilla Sommarbi', einem…
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Eurovi­isukar­sin­ta 1963: I am what I am

Eurovi­isukar­sin­ta 1963: I am what I am

Viel Mühe hatte sich das finnische Fernsehen YLE gegeben mit seiner dritten Eurovisionsvorentscheidung, der Suomen Euroviisukarsinta 1963. Acht Titel hatte man kommissioniert, darunter Stücke mit so vielversprechenden Titeln wie 'Pimpula vei' ('Verflucht'): keine Sprache klingt so gangstermäßig und eignet sich so gut zum Fluchen wie das Finnische! Wie seinerzeit üblich, wurden alle Beiträge jeweils von zwei verschiedenen Künstler:innen dargeboten, in unterschiedlicher Instrumentierung, um den Fokus der zweihundertköpfigen (!) Laienjury weg vom Interpreten und hin zum Song zu lenken. Dies gelang jedoch nur sehr eingeschränkt (wie auch, schließlich bildet beides eine untrennbare Einheit), und nicht immer unbedingt zum Vorteil der Künstler:innen. So…
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Melo­di Grand Prix 1963: Blon­di­ne in Fesseln

Melo­di Grand Prix 1963: Blon­di­ne in Fesseln

„Es ist offensichtlich das Ergebnis einer Qualitätsbewertung,“ so selbstkritisch-maliziös kommentierte der Pressechef des veranstaltenden norwegischen Rundfunks NRK gegenüber der Tageszeitung Dagbladet den Umstand, dass der Sender den Melodi Grand Prix (MGP) 1963 nicht (auch) im Radio übertrug, wie in den Vorjahren üblich, sondern ausschließlich im Fernsehen, das zu diesem Zeitpunkt alleine schon aus technischen Gründen nur ein knappes Viertel der norwegischen Haushalte erreichte. Auch die Zeitung hämte, dass den Radio-Zuhörer:innen da wohl einiges erspart geblieben sei, und das Konkurrenzblatt Aftenposten ergänzte Salz-in-die-Wunden-streuend, "alle fünf Kompositionen," die ein lediglich dreiköpfiges Senderkomitee aus 221 Einsendungen auswählte, "könnten leichthin bereits vor dreißig Jahren…
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San-Remo-Fes­ti­val 1963: A Cock in a Frock on a Rock

San-Remo-Fes­ti­val 1963: A Cock in a Frock on a Rock

Italiens berühmtester TV-Moderator, der Gameshow-Gastgeber Mike Bongiorno (nein, kein Künstlername: der hieß wirklich so!), übernahm ab 1963 für eine komplette Dekade, die aus heutiger Sicht aufgrund der Einschaltquoten als die goldene Ära des San-Remo-Festivals gilt, die Aufgabe des Conferenciers beim ligurischen Liederwettstreit. Lustiger Wikipedia-Fakt: der Autor Umberto Eco sah in Signor Gutenmorgen, der schon 1954 beim Sendestart der Rai mit an Bord war und bis zu seinem Tode im Jahre 2009 im TV auftrat, das "Abbild der Beschränktheit" der Zuschauer:innen, der seinen Erfolg alleine der Tatsache verdanke, "dass aus jeder Handlung und jedem Wort eine absolute Mittelmäßigkeit spricht". Warum nur…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1963: Water­loo und Robinson

Con­cours Euro­vi­si­on 1963: Water­loo und Robinson

Zwei Unverdrossene, ein Unbekannter und ein werdender Weltstar: das Line-up der helvetischen Eurovisionsvorentscheidung von 1963 hätte nicht diverser und irgendwie auch grotesker ausfallen können. So bewarben sich, erneut erfolglos, die beiden Dauerteilnehmer:innen Jo Roland und Anita Traversi, Letztere gar mit gleich drei Beiträgen. Doch nicht einmal das nach eigener Behauptung 'Schönste Lied der Welt' nutzte ihr hier etwas. Denn neben einer weiteren Randfigur mit dem im deutschsprachigen Raum anonymstmöglichen Künstlernamen Willy Schmid, der mit 'Einmal in Mexico' den Veranstaltungsort des diesjährigen Contests um mehrere Kontinente verfehlte, war es dem Schweizer Fernsehen gelungen, eine junge, vielseitig begabte Schauspielerin und Sängerin israelischer…
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Nie­der­län­di­scher Vor­ent­scheid 1963: Die Spiel­do­se steht still, wenn Dein star­ker Arm es will

Nie­der­län­di­scher Vor­ent­scheid 1963: Die Spiel­do­se steht still, wenn Dein star­ker Arm es will

Null Punkte beim Eurovision Song Contest von 1962 für die per öffentlichem Vorentscheid ausgewählten Speelbrekers: das niederländische Fernsehen reagierte prompt und verlegte sich für 1963 auf eine intern ausgesuchte Interpretin und eine jurygestützte Songauswahl. Die stets ein wenig dröge wirkende Annie Palmen begann ihre Karriere einst als Sängerin verschiedener Tanzorchester, die vom Südseeschlager bis zum Country alle möglichen Stile abdeckten. 1948 gewann sie einen Talentwettbewerb eines holländischen Radiosenders, kam dort öfters zum Einsatz und konnte in der Folge erste Hits erzielen. 1960 trat sie beim niederländischen Vorentscheid an und sang dort das Siegerlied 'Wat een Geluk', welches die Jury aber…
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Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Jugo­vi­zi­ja 1963: Hüpf auf mein Schiff, Baby

Ein dreifaches Hoch auf die segensreichen Wirkungen des Internets und die fleißigen Nerds, die es füttern! Zeigte sich die Datenlage bezüglich der Eurovisionsvorentscheidungen im seinerzeit noch vereinten Jugoslawien der Sechzigerjahre zu Beginn meiner Jugovizija-Recherchen noch als ziemlich bruchstückhaft und klaffte im Jahre 1963 gar einst ein kratergroßes schwarzes Loch in der Kenntnislandschaft, so konnten mittlerweile dank der unermüdlichen Arbeit verschiedener Fanclubs und ehrenamtlicher Wikipedianer:innen die meisten Wissenslücken geschlossen werden. Die bosnische Ausgabe des Internetlexikons benannte schon länger Majda Sepe, Sabahudin Kurt (ESC 1964) und Anica Zubović als Teilnehmer:innen dieses Jahrgangs, bei dem sich erstmals alle acht Landessender des damaligen - je nach…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1963: Stell Dir vor, Sizi­li­en 1936…

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1963: Stell Dir vor, Sizi­li­en 1936…

Was ist das nur mit den Belgier:innen und ihren italiophilen Connections? Das Gastarbeiterkind Rocco Granata schaffte seinen europaweiten Durchbruch mit dem selbst geschriebenen Millionenseller 'Marina' von seiner damaligen Heimat Belgien aus; die bis zum heutigen Tage einzige Grand-Prix-Siegerin des Pommes-Frites-Staates, Sandra Kim, verfügt ebenfalls über Vorfahren aus dem Pizza-und-Pasta-Land; und der letztplatzierte Titel der belgischen Eurovisionsvorentscheidung von 1963, bizarrerweise veranstaltet unter dem Titel Canzonissima (den eigentlich die Rai für eine in ihrem Programm jahrzehntelang laufende, sehr beliebte Revueshow verwendete), hieß 'Con Amore', gesungen von einer Dame mit dem Namen einer ukrainischen Puffmutter und einer nachgerade sensationellen Marge-Simpson-Frisur. Der Lieve Olga wurde…
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ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

ESC-Fina­le 1962: Ring a tipi tii ding

Luxemburg, das 1962 als Gastgeber für den Eurovision Song Contest fungierte, gilt im Allgemeinen als finanziell wohlsituierte europäische Steuerfluchtoase. Um so merkwürdiger muteten die anhaltenden Stromschwankungen und mehrfachen Lichtausfälle im RTL-Auditorium während der Grand-Prix-Übertragung an, die den Zuschauer:innen infrastrukturell eher den Eindruck eines Dritte-Welt-Landes (oder der heutigen USA) vermittelten. Wohl auch, um Kosten zu sparen, gestaltete der Sender des Großherzogtums den Ablauf der Show ziemlich zügig, die Lieder folgten fast nahtlos aufeinander. Das Anziehen des Tempos übertrug sich in wohltuender Weise ebenfalls auf das senderseitig gestellte, erstaunlich druckvoll und präzise aufspielende Orchester. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, Rhythmusinstrumente wie…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1962: Kat­in­ka lacht und fällt bei Nacht in die Gracht

Natio­naal Song­fes­ti­val 1962: Kat­in­ka lacht und fällt bei Nacht in die Gracht

Gesellschaftliche Fortschrittlichkeit, wie wir sie typischerweise mit den Niederlanden verbinden, setzt immer eine gewisse Experimentierfreudigkeit voraus. Und die kann man den Holländern nun sicher nicht absprechen, auch nicht beim Eurovisionsvorentscheid. Nachdem das bis dahin übliche Nationaal Songfestival 1960 mit Rudi Carrells 'Wat een Geluck' dem Land einen vorletzten Platz beim europäischen Wettsingen beschert hatte, versuchte man es 1961 mit einer Direktnominierung. Die Jazz-Chanteuse Greetje Kauffeld mochte ihren (beim ESC zehntplatzierten) Beitrag 'Wat een Tag' allerdings berechtigterweise selbst so wenig leiden, dass sie ihn nicht auf Platte aufnahm. So kehrte man 1962 wieder zu einer offenen, wenngleich deutlich entschlackten Vorentscheidung zurück.…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1962: Vier mal eins macht null

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1962: Vier mal eins macht null

Es ist wirklich immer das gleiche, ermüdende Spiel in den geraden Jahren beim belgischen Eurovisions-Vorentscheid: sobald die französischsprachigen Wallonen dran sind mit dem Beitrag des kulturell zweigeteilten Landes, lassen sich Informationen nur sehr, sehr spärlich recherchieren. Bekannt ist lediglich, dass es eine Auswahl mit insgesamt fünf Künstler:innen gab, darunter eine Dame namens Any Godet mit einer Hommage an die deutsche Hafenstadt 'Hambourg'. Deren Platzierungen, die Beiträge selbst: alles verschollen im Dunst der Geschichtsschreibung. Wie die Seite songfestival.be recherchierte, handelte es sich bei der TV-Ausstrahlung des Vorentscheids um eine Aufzeichnung, tatsächlich fand die Show bereits am 1. Februar 1962 statt. Wie…
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