2020

Es wird als das schlimms­te Kata­stro­phen­jahr in die Mensch­heits­ge­schich­te ein­ge­hen, nicht nur wegen der welt­wei­ten Pan­de­mie, son­dern weil wegen eben die­ser erst­mals seit 1956 das Undenk­ba­re ein­trat und der Euro­vi­si­on Song Con­test abge­sagt wer­den musste.

Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Make a Chan­ge and go: das deut­sche ESC-Fina­le 2020

Ein in jeder Hinsicht merkwürdiger Eurovisionsabend, den die ARD gestern auf die Beine stellte, und der es fertig brachte, einerseits Salz in die von der Corona-bedingten Absage des eigentlichen Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam verursachte Wunde zu streuen und gleichzeitig für linderndes Labsal zu sorgen. Ein wirklich großes Lob jedenfalls muss dem NDR ausgesprochen werden für die so eigensinnige wie richtige Entscheidung, aus der Simultanausstrahlung des vonseiten der EBU organisierten, zentralen Ersatzprogramms Europe shine a Light auszuscheren und stattdessen ein eigenes, deutsches ESC-Finale zu produzieren. Sowie das letzten Samstag auf dem Spartensender One vorausgegangene Halbfinale, bei welchem die Zuschauer:innen…
Weiterlesen
World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

World’s Worst Wohn­zim­mer: das deut­sche ESC-Halb­fi­na­le 2020

Ein tödlicher Verkehrsunfall mit zahllosen Beteiligten, dessen schaurig-morbider Faszination man sich über geschlagene vier Stunden nicht zu entziehen vermochte, so lässt sich das gestrige deutsche Eurovisions-Halbfinale 2020 beschreiben. Mit welchem die ARD versuchte, trotz der seuchenbedingten Absage des offiziellen europaweiten Wettbewerbs wenigstens auf nationaler Ebene ein adäquates Ersatz-Event auf die Beine zu stellen, wofür der Senderverbund gar nicht oft genug gelobt werden kann. Grundsätzlich nicht verkehrt auch die Idee zur Zusammenarbeit mit Funk, der hauseigenen Youtube-Spielwiese, mit welcher die Öffentlich-Rechtlichen darauf reagieren, dass Zuschauer:innen unter 30 mittlerweile durch klassisches lineares Fernsehen praktisch nicht mehr zu erreichen sind. Zu Funk gehören…
Weiterlesen
Wegen Coro­na-Kri­se: Song Con­test 2020 abgesagt

Wegen Coro­na-Kri­se: Song Con­test 2020 abgesagt

Für hartgesottene Fans wie mich fühlt sich genau so die Apokalypse an: 64 Mal fand seit 1956 der Eurovision Song Contest in ununterbrochener Folge jährlich statt. Noch nicht einmal die Kriege im ehemaligen Jugoslawien oder in der Ukraine konnten den europäischen Festspielen der leichten Muse etwas anhaben. Ein unsichtbares Virus brach unser aller Lieblingsevent nun das Genick: wie es angesichts der sich täglich verschärfenden Nachrichtenlage schon zu befürchten stand, sagte die EBU heute Nachmittag die Austragung des Wettbewerbs im Mai 2020 in Rotterdam ab. Aufgrund der auch in den Niederlanden aktuell verfügten Veranstaltungsverbote, und da derzeit nicht abzusehen ist, wie…
Weiterlesen
Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Das Land des Feuers scheint beim Eurovision Song Contest 2020 eine Art Resteverwertung zu betreiben. Zunächst verkündete der zuständige Sender Ictimai Ende Februar 2020, dass die 28jährige ehemalige The Voice-Teilnehmerin Samira Efendi, die sich zuvor schon viermal erfolglos um die Grand-Prix-Repräsentanz beworben hatte, heuer Aserbaidschan vertreten dürfe, nachdem sie sich in einer internen Jurywahl gegen vier Konkurrenten durchsetzen konnte. Heute veröffentlichte der Sender ihren Beitrag 'Cleopatra', ein ziemlich campes, orientalisch aromatisiertes Uptempo-Machwerk, zu dem ich vor meinem geistigen Auge bereits Horden von Fans allerlei Geschlechts im Euroclub den Tanz der sieben Schleier aufführen sehe und das fast so viel diebisches…
Weiterlesen
San Mari­no 2020: In the Disco

San Mari­no 2020: In the Disco

Es scheint grundsätzlich nur zwei Arten von Menschen erlaubt zu sein, das kleine San Marino beim Eurovision Song Contest zu vertreten, und die heißen entweder Valentina Monetta oder S**h*t. Der sexy Disco-Daddy Serhat war bereits letztes Jahr an der Reihe, daher holte SMTV heuer Senhit Zadik Zadik aus der Versenkung. Die langweilte uns 2011 in Düsseldorf mit dem superspröden 'Stand by' zu Tode, da noch unter dem Namen Senit, und schied zu Recht im Semi aus. Für Rotterdam lernte sie zumindest aus ihren Fehlern und versucht es heuer mit demselben Rezept wie ihr erfolgreicher Vorgänger: mit der guten, alten Disco!…
Weiterlesen
Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

In der Abendausgabe seiner TV-Nachrichten stellte der nordmazedonische Sender MRT vor wenigen Minuten den Videoclip zu seinem Eurovisionsbeitrag 2020 vor. Der heißt sehr simpel 'You' und wird gesungen von Vasil Garvanliev, der bereits letztes Jahr in Tel Aviv als Chorknabe für die Jurysiegerin Tamara Todevska im Einsatz war. Der in Mazedonien geborene Vasil wuchs hauptsächlich in den USA auf, seit seiner Rückkehr in die frühere jugoslawische Republik konnte er dort mehrere Hits platzieren. Sein Eurovisionsbeitrag, der gegen diesen Katalog natürlich deutlich abfällt, mündet nach einem einminütigen, von sparsam eingesetzten Akkordeonklängen und einer fast orientalisch anmutenden Gesangsführung begleiteten Vorspiel in einem…
Weiterlesen
Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweitbeste ist immer das Erstschlechteste. Diese Lektion lehrte uns (mal wieder) das gestrige Finale des Festival da Canção, bei dem sich in der Abstimmung Publikum und Jurys nicht einigen konnten und in Folge dessen sich die in beiden Votings lediglich Zweitplatzierte Elisa Silva durchsetzen konnte. Mit einer für meine Ohren grauslich gesungenen, steinschweren Ballade namens 'Medo de Sentir' ('Angst vor dem Gefühl'), mit denen sich das Urlaubsland mal wieder als aussichtsreicher Bewerber für den letzten Platz im ESC-Semifinale in Stellung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertragende, depressive Geflenne der aus Madeira stammenden Künstlerin im diesjährigen, sich gerade…
Weiterlesen
Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Vor komplett leeren Rängen fand das dänische Melodi Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen endgültig genug gehabt hätten von dem faden Musikbrei, denen ihnen der verantwortliche Sender DR Jahr für Jahr dort kredenzt, und den Vorentscheid boykottiert hätten. Vielmehr entschied die sozialdemokratische dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der grassierenden Coronovirus-Hysterie alle öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauer:innen zu untersagen. Nun hatte der Sender die das rund Zehnfache fassende Royal Arena in Kopenhagen bereits gebucht, die Proben schon durchgeführt. Eine Verlegung der Sendung schied aus terminlichen Gründen aus, und so…
Weiterlesen
Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein einziges gottverdammtes Pünktchen trennte am Ende einer nervenaufreibenden Abstimmung beim diesjährigen Melodifestivalen die Siegerinnen von der Fan-Favoritin. Immerhin war es hier nicht die Schuld der internationalen Jury: die zeigte sich nämlich genau so gespalten wie das Publikum und bedachte beide Beteiligten mit der exakt gleichen Stimmenzahl. So, dass es alleine den schwedischen Televoter:innen oblag, für Klarheit zu sorgen. Und die entschieden sich mit einem wirklich nur hauchdünnen Vorsprung von 0,1% der abgegebenen Stimmen für The Mamas, den Begleitchor des Vorjahresvertreters John Lundvik, die heuer, geschrumpft vom Quartett zum Trio, selbst angetreten waren im Kampf um die Fahrkarte…
Weiterlesen
Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Ein ereignisreicher Supersamstag, der letzte der Vorentscheidungssaison 2020, liegt hinter uns, mit Entscheidungen in drei skandinavischen Ländern und in Portugal. Und fast überall kam es zu totalen Katastrophen sowie erneut zum Beweis, dass Jurys elende Wichser sind, die niemand braucht. Den schlimmsten Verlust gab es bei der Uuden Musiikin Kilpailu zu beklagen. Nach zwei eher mäßigen Ergebnissen mit vom Sender vorherbestimmten Interpret:innen hatte sich YLE entschieden, in diesem Jahr wieder einen offenen Vorentscheid mit sechs Teilnehmer:innen zu veranstalten. Und seit der Veröffentlichung aller sechs Beiträge vor geraumer Zeit stand fest, dass Finnland bei dieser UMK nur einen einzigen Job zu…
Weiterlesen
Zypern 2020: Stan­ding naked

Zypern 2020: Stan­ding naked

Seit ewigen Zeiten bereits steht der deutsche Sänger und The Voice-Teilnehmer Alessandro Rütten alias Sandro Nicolas als Vertreter Zyperns beim Eurovision Song Contest 2020 fest. Auch, dass sein Beitrag 'Running' heißt, wissen wir schon länger. Heute nun, nur wenige Tage vor dem offiziellen Annahmeschluss für Rotterdam, durfte die Öffentlichkeit endlich des Machwerks gewahr werden. Lohnte sich das lange Warten wenigstens? Naja. Das (seufz!) midtemporäre 'Running' verfügt über einen ordentlichen Beat, entwickelt aber keinen Schub. Dafür kommt die Nummer über das Weglaufen vor den inneren Dämonen zu düster daher und kann sich auch nie so richtig zwischen Jammerpop und Dance-Banger entscheiden.…
Weiterlesen
Irland 2020: Whe­re the Grass is real­ly greener

Irland 2020: Whe­re the Grass is real­ly greener

Und als hätte man sich mit den am gleichen Tage veröffentlichenden Österreichern abgesprochen, setzt auch der irische Sender RTÉ, der seit Monaten großspurig und unablässig einen "Almighty Bop" ankündigte, für seinen heute endlich vorgestellten Eurovisionsbeitrag 'Story of my Life' auf gefälligen Retro-Pop. Wie eine stark verwässerte Variante von Katy Perrys Hit 'California Gurls' aus dem Jahre 2010 klingt die gitarrengetriebene, fröhliche Uptemponummer, die von Anfang an voll auf die Zwölf geht und auch inhaltlich eine lyrisch zwar gemäßigte, dennoch erfrischende Fick-Dich-ich-mach-was-ich-will-Attitüde an den Tag legt. Mit der Textzeile "I'm not a Puppet on a String" gleich im ersten Vers flicht…
Weiterlesen
Öster­reich 2020: Strai­ght Masterpieces

Öster­reich 2020: Strai­ght Masterpieces

Ein stark verwässerter Neuaufguß von Mark Ronsons Tophit 'Uptown Funk' aus dem Jahre 2014, so könnte man den heute morgen traditionell zu nachtschlafender Stunde gegen 7:40 Uhr zunächst im Ö3-Radiowecker vorgestellten und später von einem offiziellen Videoclip begleiteten österreichischen Beitrag für Rotterdam knapp zusammenfassen. Sicherlich nicht die originellste Umschreibung, aber der originellste Song ist 'Alive' ja nun auch nicht gerade. Ein bisschen schleppend fängt er an, nach knapp einer Minute schaltet er in einen höheren Gang und groovt gemächlich vor sich hin. Gerade genug zum entspannten Mitwippen im Fauteuil, ohne dass es einen zum Aufstehen und Tanzen animierte. Am Ende…
Weiterlesen
Schweiz 2020: The Rain! The Rain! Crying!

Schweiz 2020: The Rain! The Rain! Crying!

Und noch eine Ballade! Nachdem das Schweizer Fernsehen 2019 mit einem hervorragend inszenierten Uptempo-Banger erstmals seit einem guten Jahrzehnt das tiefe Tal der Tränen verließ, entschied man sich beim SRG heuer für ein entgegengesetztes Konzept. Erneut bestimmte man den Interpreten intern: der heißt Gjon Muharremaj, stammt gebürtig aus dem französischsprachigen Kanton Fribourg und nahm natürlich schon an The Voice teil, in Frankreich. Sein Künstlername lautet Gjon's Tears und macht bereits deutlich klar, wohin die Reise geht. Folgerichtig besteht 'Répondez-moi' ('Antwortet mir'), sein Beitrag für Rotterdam, aus drei Minuten hochelegantem Sadboi-Gejammer, das sich zu einem recht zurückgenommenen, molllastigen Musikbett stimmlich in…
Weiterlesen
Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2020: Nimm mich, so wie ich bin

Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2020: Nimm mich, so wie ich bin

Noch nachzureichen gilt es den gestern veröffentlichten georgischen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2020. Das Kaukasusland hatte bereits am Silvesterabend 2019 im Rahmen der Castingshow Sakartvelos Varskvlavi den kernigen Tornike Kipiani zu seinem Vertreter bestimmt. Dessen bisheriges Repertoire erweckte zunächst die Hoffnung auf etwas sehr Lautes, sehr Düsteres. Doch, leider: seine nun vorgestellte Rocknummer 'Take me as I am' fiel vergleichsweise zahm und melodisch aus, der Georgier hält sich mit dem für ihn sonst charakteristischen Anschreien ziemlich zurück und überlässt gar zwei engelsgleichen Frauenstimmen Teile des Refrains. Was nicht heißen soll, dass der Song nicht noch immer positiv herausstäche aus…
Weiterlesen
HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

Ein echtes Novum bescherte uns gestern Abend das israelische Fernsehen bei der Auswahl des Songs für seine schon länger feststehende Eurovisionsrepräsentantin Eden Alene, der Siegerin der wie jedes Jahr gefühlt über mehrere hundert Runden laufenden Castingshow HaKokhav HaBa 2020. Vier Lieder standen für die 19jährige mit den äthiopischen Wurzeln bei der etwas über einstündigen Auswahlshow HaShir HaBa zur Auswahl: eine Ballade und drei formidable Pop-Banger. Die Chance, es zu versauen, lag also rein rechnerisch bei nur 25%, und zu meinem großen Erstaunen zogen die Israelis diese Option nicht (aufgemerkt, Moldawien und Rumänien!). Die mit 60% Entscheidungsgewalt ausgestatteten, auf mehrere Gruppen…
Weiterlesen
Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kommen wie ein Wirbelwind über Europa, die drei serbischen Pop-Königinnen Ivana Nikolić, Ksenija Knežević (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Bühne stand) und Sanja Vučić ('Shelter'), welche gemeinsam die (übrigens wirklich nach zwei tropischen Orkanen benannte) Girlgroup Hurricane bilden. Als haushohe Favoritinnen gingen sie im Finale der Beovizija 2020 am vergangenen Sonntag ins Rennen, und haushoch räumten sie im Televoting ab. Selbst die Jury, die sich ansonsten bei so gut wie keinem der elf Konkurrenztitel mit dem Publikum auch nur im Entferntesten einig zeigte, ergab sich kampflos und schob den drei Glitzerelsen…
Weiterlesen
Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Die uninteressanteste Vorentscheidung der gesamten Saison 2020 ging am letzten Super-Samstag in Buzău in der Walachei über die Bühne. In das Hunderttausend-Einwohner-Städtchen hatte der unter extremen Geldnöten stehende rumänische Sender TVR die Selecția Națională verlegt, weil der dortige Bürgermeister die Kosten der kompletten Sendung aus der Gemeindekasse übernahm. Aus pekuniären Gründen erfolgte auch die Zusammenarbeit mit dem größten einheimischen Plattenlabel Global Records, das mit der vorab zur Alleininterpretin bestimmten 20jährigen Larisa Roxana Giurgiu alias Roxen immerhin einen der aktuellen Top-Stars des Landes beisteuerte. Für nämliche Roxen galt es nun, unter fünf bereits vor Tagen veröffentlichten Liedern auszuwählen; samt und sonders musikalisch…
Weiterlesen
Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Daddy?

Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Daddy?

Wie bereits im Vorjahr, als sich beim isländischen Eurovisionsvorentscheid Söngvakeppnin alles um einen einzigen Namen drehte, nämlich um Hatari, stand auch 2020 alles im Schatten der Frage: schafft es Daði Freyr Pétursson diesmal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem großartigen 'Is it Love?', erneut geschlagen geben? Die gute (und bereits seit Samstagnacht bekannte) Nachricht: er schaffte es! Gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Begleitband Gagnamagnið (in etwa: Datenvolumen) konnte er die fantastisch coole Retro-Synthie-Nummer 'Think about Things' zum Sieg führen, um die schon vor gut zwei Wochen ein Internet-Hype losbrach, nachdem Daði den dazugehörigen, extrem selbstironischen Videoclip veröffentlichte und…
Weiterlesen
Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Für eine sehr klassische, herzzerreißende Balkan-Schmerzensballade entschieden sich die Kroat:innen am vergangenen Samstagabend im Rahmen des klassischen Eurovisionsvorentscheidungsformats Dora und bestätigten damit einmal mehr ihren Ruf als konservative Grand-Prix-Nation. Denn musikalisch könnte das schmalztriefende, geigengesättigte 'Divlji Vjetre' ('Rauer Wind') mitsamt seiner etwas überraschend an der Stelle, an der man das Lied eigentlich zu Ende wähnt, drangeschraubten Rückung auch im Jahre 1990 angesiedelt sein. Oder 1960. Lyrisch war es vielleicht nicht die geschickteste Wahl für den im Frühlingsmonat Mai in Rotterdam stattfindenden Hauptwettbewerb, denn der in schwarzer Trauerkleidung auftretende Damir Kedžo, einstmals Kirchenchorknabe und später Boyband-Mitglied, greift darin zur Umschreibung seines Trennungsschmerzes…
Weiterlesen
Grie­chen­land 2020: Aga­the Bauer

Grie­chen­land 2020: Aga­the Bauer

Nur echt mit der BanAnanas: wie schon weiland bei der Eurovisionszypresse Eleni Foureira sponsort die in Irland beheimatete Fruchtimportfirma Fyffes in diesem Jahr die bereits vor gut einem Monat intern als Repräsentantin Griechenlands beim Eurovision Song Contest 2020 ausgewählte Sängerin Stefania Liberakakis. Und wie bei jener Eleni macht sich dies bemerkbar an der völlig unpassenden Platzierung eines Tellers mit gelabelten Südfrüchten im heute Nachmittag veröffentlichten Videoclip zu Stefanias Song 'Supergirl'. Der erzählt eine hochgradig unterhaltsame, anrührende Geschichte, bei welcher der ehemaligen niederländischen Junior-Eurovisions-Teilnehmerin ihre Erfahrung als Schauspielerin zugute kommt. Die in Utrecht geborene und aufgewachsene 17jährige spielt im Clip sehr…
Weiterlesen
Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Eesti Laul 2020: Baby don’t hurt me

Ach, Estland, was ist nur aus dir geworden? Einstmals das Zuhause der coolsten Vorentscheidung der Welt, hat sich die ehedem hochgelobte Eesti Laul - nicht zuletzt aufgrund jahrelanger, fortgesetzter schwerer Fehlentscheidungen der dortigen Jury - zu einer bedeutungslosen Ansammlung glatter, völlig nichtssagender Liedchen entwickelt. Noch nicht einmal mehr in den Semis findet sich irgendetwas Interessantes, wofür sich das Einschalten lohnen würde. Zum europäischen Hauptwettbewerb vermag der baltische Staat so natürlich ebenfalls nichts Wesentliches beizutragen. Stattdessen setzt man auf das Ewiggleiche: als direkten Nachfolger des schleimigen schwedischen Schönlings Victor Crone, aktuell noch beim Melodifestivalen im Rennen, und seines staubgrauen Songs 'Storm'…
Weiterlesen
O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

O Melo­di pen­tru Euro­pa 2020: Ins Gefäng­nis mit ihm!

Sie sind die Eiterpickel am Gesäß des Eurovision Song Contests: Grand-Prix-Komponisten, die sich einen Startplatz für ihre Lieder beim Wettbewerb kaufen. Über Ralph Siegel gibt es das (natürlich unbewiesene) Gerücht, dass er immer wieder Valentina Monetta für San Marino ins Rennen schicken durfte, weil er die gesamten Auftritte aus eigener Tasche finanziert haben soll. Und auch seinem russischen Pendant Phillip Kirkorov unterstellt man gelegentlich ein solches Vorgehen. Er bediene sich dabei gerne des bitterarmen Moldawiens, denn nirgends ist das Televoting mit so wenig Aufwand zu manipulieren. Und den dortigen Juror:innen sagen böse Zungen ebenfalls eine gewisse Offenheit für finanzielle Argumente…
Weiterlesen
Euro­fest 2020: Oops, he did it again

Euro­fest 2020: Oops, he did it again

Der Eklat ließ sich vorausahnen. Als bei der Vorstellung der internationalen Juror:innen für das gestrige Finale des weißrussischen Vorentscheids Eurofest der quietschige Wiwiblogger William Lee Adams über die Bühne spurtete, wusste man bereits tief drinnen: der Zuschauer:innenfavorit wird bei dieser Natsionalniy Otbor nicht obsiegen. Denn nur, wer als Sender den Durchmarsch eines Publikumslieblings um jeden Preis verhindern möchte, bucht den amerikanischen Strategen. Genau so kam es: am Ende einer ungewohnt hochklassigen, kurzweiligen Show mit 12 Acts, die von der Verlegung des Events in die BelarusFilm-Studios profitierte, wo es wesentlich glamouröser zuging als sonst, stand der erwartbare Clash der Kulturen. Die…
Weiterlesen
Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love tonight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love tonight

Bevor am heutigen Abend beim weißrussischen Vorentscheid zwölf leider durch die Bank uninteressante Songs im Kampf um die Fahrkarte nach Rotterdam antreten, gilt es, noch schnell einen nostalgisch getrübten Blick auf die legendären jährlichen öffentlichen Auditions in Minsk zu werfen. Diese fanden heuer vor gut einem Monat statt und versammelten weniger Interessierte als in früheren Jahren. Denn im Versuch, der unter anderem mit den ehemaligen Repräsentant:innen Zena und Navi bestückten Auswahljury das Schlimmste zu ersparen, hatte der Sender BTRC verfügt, dass nur noch weißrussische Staatsangehörige vorsingen dürfen. Nicht alle kapierten das: neben 65 inländischen Acts bewarben sich dennoch 30 ausländische,…
Weiterlesen