Perlen

Tief muss man nach ihnen tau­chen, denn zu fin­den sind sie lei­der meist nur noch gut ver­steckt in den Semi­fi­nals oder gar den Vor­auswahl­run­den der natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen: die Rede ist von den unge­wöhn­li­chen Songs, den schrä­gen, den tra­shi­gen, den unge­wollt komi­schen, den unfrei­wil­lig tra­gi­schen und den über­se­he­nen stil­len Schön­hei­ten. In die­ser Rubrik wer­den die­se Schät­ze geho­ben. Viel Vergnügen!

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Das Geheim­nis von Meg­han Mer­kles Haar

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Das Geheim­nis von Meg­han Mer­kles Haar

Endlich mal jemand, der das Thema Handhygiene in Zeiten der Pandemie richtig ernst nimmt! Beim gestrigen ersten Semifinale der serbischen Vorentscheidung Pesma za Evroviziju 22, dem inhaltsgleichen Nachfolgeformat zur wegen eines Namensrechtsstreits nicht mehr sogenannt werden dürfenden Beovizija, erregte die Künstlerin Konstrakta (bürgerlich: Ana Đurić) Aufsehen mit ihrer bizarren Show, zu der ein sehr ausgiebiges und mehrfach wiederholtes, beinahe schon rituell zu nennendes Händewaschen gehörte. Dafür stand vor der auf einem Stuhl sitzenden Ana eigens eine befüllte Waschschüssel bereit, um sie herum gruppierte Nichttänzer reichten ihr zwischendurch Handtücher an. Die Merkwürdigkeit dieser Darbietung korrelierte perfekt mit dem ausgefallenen musikalischen Elektro-Rap-Bett und…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Mein Hum­mus brennt

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Mein Hum­mus brennt

Lustig: erst lamentierten die deutschen Fans, als die ARD bekannt gab, den an diesem Freitag stattfindenden Vorentscheid Germany 12 Points dieses Jahr "nur" in allen Dritten (und auf One) auszustrahlen. Nun, da man im Zeichen des Kriegs entschied, die Show aufgrund einer kurzfristig eingeschobenen Solidaritätssendung mit der Ukraine auf 21 Uhr zu verlegen, dafür jedoch zusätzlich auch im Ersten zu senden, jammern schon wieder etliche. Denn damit sei aufgrund des Altersdurchschnitts der dortigen Zuschauer:innen der Sieg des einzigen deutschsprachigen Angebots, 'Hallo Welt' von Nico Suave und dem Team Liebe nicht mehr zu verhindern, zumal es sich um ein Friedenskitschlied in…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Flieg nicht so hoch, mein klei­ner Freund

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Flieg nicht so hoch, mein klei­ner Freund

Neben den vier Finalentscheidungen des vergangenen Supersamstages fanden in der zurückliegenden Woche quer durch Europa noch etliche Vorrunden statt, von denen an dieser Stelle das Wichtigste komprimiert zusammenfasst werden soll. Beginnen wir in Estland, wo am Donnerstag und am Samstag die beiden Halbfinale der Eesti Laul stattfanden, erstmals mit Live-Auftritten der 20 Überlebenden der vier bereits im vergangenen Jahr abgehaltenen und rein auf Videoclips basierenden Erstauswahlrunden. Jedenfalls größtenteils: einen kleineren Teil der Kombattant:innen hatte zwischenzeitlich die Seuche niedergestreckt, so dass auch hier ersatzweise der Clip zur Ausstrahlung gelangte. Ein unfairer Vorteil? Nicht unbedingt: auch bei den Live-Acts kamen so viel Chorstimmen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ohne Brüs­te kei­ne Menschheit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ohne Brüs­te kei­ne Menschheit

Während in Deutschland trotz der gefühlt vierhundertsten Neuausrichtung des nationalen Vorentscheids in den letzten zehn Jahren das "ESC-Feuer" noch nicht richtig lodern will, entzündete der spanische Sender RTVE diese Woche mit dem traditionsreichen, am Vorbild von San Remo geschulten Festival Internacional de la Canción de Benidorm, welches RTVE 16 Jahre nach dessen Einstellung wieder aus der Mottenkiste kramte, entstaubte und unter dem etwas knackigeren Namen Benidorm Fest neu auflegte, tatsächlich ein hell leuchtendes Grand-Prix-Feuerwerk. An zwei Abenden traten zu angemessen später Stunde jeweils sieben herausragende Acts mit tollen Songs und fantastischer Präsentation gegeneinander an und kämpften um einen der vier…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ja ja… dei­ne Mudder

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Ja ja… dei­ne Mudder

Ein extrem seltenes Kunststück brachte das litauische Fernsehen LRT mit der gestrigen dritten und letzten Vorrunde des Vorentscheidungsformats Pabandom iš naujo fertig. Zwölf Beiträge präsentierte man der Weltöffentlichkeit - darunter nicht ein einziger (!), der den hiesigen Blogger aktiv genervt oder gelangweilt hätte. Selbst die schlechtesten der ein Dutzend Songs erwiesen sich noch als mindestens annehmbarer, in weiten Teilen jedoch genüsslicher Hörspaß, wozu auch das vorbildlich ausgewogene Verhältnis von lediglich einer Ballade zu elf uptemporären, meist elektrolastigen Stücken entscheidend beitrug. Sowie die Inszenierungen: wo nicht exquisite Tanzchoreografien und ein augenscheinlich ziemlich verbindlicher Dresscode ein erstaunlich hochwertiges visuelles Vergnügen sicherstellten, da…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Nor­we­gens Hass auf das Meer

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Nor­we­gens Hass auf das Meer

Seit Jahrzehnten steht das Königreich Norwegen, neben Island und Japan eine von weltweit nur noch drei Nationen, die trotz eines internationalen Moratoriums weiterhin kommerziellen Walfang betreibt, für eben dieses Tun unter scharfer Kritik von Tierschutzverbänden. Das hiermit verbundene negative Image scheint dem Wikingervölkchen nicht nur egal zu sein, sondern sie zu Trotzreaktionen aufzustacheln. Nur so erklärt sich das Blutbad im gestrigen ersten Viertelfinale des diesjährigen Melodi Grand Prix (MGP), bei dem das abstimmungsberechtigte Publikum vor den Augen der entsetzten Zuschauer:innen aus ganz Europa vor laufenden Kameras rosa Flamingos abschlachtete. Nach den für ihre Intelligenz bekannten Meeressäugern nun also auch die…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Zu viel Rot auf dei­nen Lippen

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Zu viel Rot auf dei­nen Lippen

Es scheint sich wohl doch um ein Strohfeuer gehandelt zu haben bei dem kurzen Lauf des litauischen Vorentscheidungsverfahrens Pabandom iš naujo (PIN), das in der zweimaligen Delegation der fantastischen Formation The Roop zum Eurovision Song Contest resultierte. Deren charismatischer Frontmann Vaidotas Valiukevičius sitzt in diesem Jahr allerdings in der Jury, zu deren Hauptaufgaben erneut das Strecken der Sendezeit der insgesamt sechs PIN-Ausgaben durch ausufernde Sabbelblöcke zwischen den Auftritten der insgesamt 36 Vorrundenteilnehmer:innen zählt. Der gestern Abend ausgestrahlten Auftaktshow nach zu urteilen, folgt die litauische Vorauswahl leider zunehmend dem Vorbild des baltischen Nachbars Estland: richtig trashige Beiträge, wie sie sich in…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: What a Dif­fe­rence a Day makes

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: What a Dif­fe­rence a Day makes

Jahr für Jahr macht uns der albanische Sender RTSH das schönste und beste Weihnachtsgeschenk mit seinem traditionellen, von San Remo abgeschauten Liederwettbewerb Festivali i Këngës, der seit 2004 zugleich als nationaler Vorentscheid dient. Heuer beschenkte uns RTSH besonders reich: aus Anlass des sechzigjährigen FiK-Jubiläums organisierte man in Tirana am zweiten Abend der dreitägigen Festspiele eine glanzvolle Gala und holte die Legenden aus der Steinzeit der Veranstaltungsreihe wieder aus der Versenkung. Und zwar nicht, wie die ARD anno 2006, um sie im Dreierpack mit brutal zusammengestoppelten Medleys ihrer alten Lieder schnellstmöglich über die Bühne zu scheuchen. Nein, auf dem Balkan zeigt…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Komm in mir

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Komm in mir

Lebenserfahrene unter meinen Leser:innen werden sich vielleicht noch an Amanda Lear erinnern, die in den Siebzigerjahren eine Karriere als Discokönigin ('Follow me') machte und aufgrund ihrer extrem herben Stimme von der Skandalpresse eine Zeitlang fälschlicherweise als Transsexuelle gehandelt wurde, was damals absurderweise noch zum ungeheuerlich-pikanten Skandal taugte. Heutzutage braucht es dazu andere Ingredienzien: so wie zum Beispiel das Tragen eines Pelzmantels oder das (aus Jugendschutzgründe digital zensierte) Rauchen einer Zigarette in einem Musikvideo, wie es die im letzten Viertelfinale der Eesti Laul angetretene Namens- und Tiefsingvetterin der Lear, Amanda Hermiine Künnapas, tat. Die gab sich allerdings den absolut genialen Künstlerinnennamen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Feel it Day and Night

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Feel it Day and Night

Ganz ehrlich: ich kann überhaupt nicht mehr zählen, wie oft und seit wann mir in diversesten Diskussionsforen zum Eurovision Song Contest schon der Name Eskimo Callboy über den Weg lief. So oft jedenfalls, dass es in mir eine komplette innere Aversion auslöste, mich mit dem musikalischen Schaffen des Sextetts näher zu befassen. Heute nun bestätigte die 2010 in Castrop-Rauxel gegründete Metalcore-Band nach einigem medialen Trommelwirbel in den sozialen Medien, dass sie sich mit ihrem erst am vergangenen Freitag veröffentlichten (und seither bereits anderthalb Millionen [!] Aufrufe generiert habenden) Song 'Pump it' offiziell um die Teilnahme am deutschen Vorentscheid 2022 bewirbt.…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Shut up and vote with me

Vielleicht ist es doch an der Zeit, dass Putins Armee in Tallinn einmarschiert und das baltische Land wieder heim ins Reich holt. Denn für eigenständige Entscheidungen sind die Est:innen noch immer nicht reif genug, wie sich heute Abend im dritten Semifinale der Eesti Laul 2022 erneut zeigte. Einen einzigen Song gab es im gesamten Line-up, der unbedingt eine Runde weiter gehört hätte: das die goldenen Zeiten der Neunzigerjahre wieder aufleben lassende 'Let's talk about' des extrem campen Russlandesten Aleksei Baruzdin alias Levvi, eine Kreuzung aus Sin with Sebastians CSD-Hymne 'Shut up (and sleep with me)' und Salt'n'Pepas gerappter Aufklärungsstunde 'Let's…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Emo­ti­ons­lo­se Ejakulation

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Emo­ti­ons­lo­se Ejakulation

Eine heimatsprachliche Woche fand am vergangenen Samstag statt beim zweiten Viertelfinale der Eesti Laul 2022: alle zehn Beiträge wurden auf estnisch gesungen. Was Landessprachennostalgiker:innen wohlig aufseufzen ließ, sorgte beim Blogbetreiber für Enttäuschung: genährt von der unwahrscheinlichen Ballung des Heimatidioms und insbesondere der Teilnahme der absoluten Eesti-Laul-Legende Meisterjaan, der uns bereits die unsterblichen Meisterwerke 'Unemati' und 'Parmupillihullus' schenkte, hoffte ich auf eine Rückkehr des so schmerzlich vermissten "Estonian Cool", dieser einzigartigen, genialen Schrägheit, wie sie nur das kleine Land am baltischen Meerbusen liefern kann. Und Jaan Tätte Juunior, so der bürgerliche Name des versponnenen Jünglings, lieferte. Mit 'Vahel lihtsalt' ('Manchmal einfach')…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Por­no mit dem Klempner

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Por­no mit dem Klempner

So früh wie noch nie ging gestern Abend, fast pünktlich zur Halbzeit zwischen dem letzten Eurovision Song Contest in Rotterdam und dem kommenden in Turin, die aktuelle Vorentscheidungssaison los. Im ersten Viertelfinale der Eesti Laul 2022 traten die ersten zehn von insgesamt 40 (!) ausgewählten Songs gegeneinander an, von denen die Zuschauer:innen per Televoting drei ins allerdings erst Anfang Februar 2022 terminierte Halbfinale weiterwählten und eine achtköpfige Jury zwei weitere. Falls sich der estnische Sender von der Vervierfachung des Angebots eine breitere musikalische Palette versprach, so trat dies jedenfalls bei der Auftaktsendung nicht ein. Vielmehr manifestierte sich bei der gestrigen…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Mamas <span class="amp">&</span> the Papa

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: The Mamas & the Papa

In seiner vierten Vorrunde lief das hier so oft und viel gescholtene Melodifestivalen am gestrigen Abend dann doch noch mal stellenweise zu altem Glanz auf. Gleich zwei Direkt Til Finalen-Acts präsentierte es uns, die einmal mehr demonstrierten, wie man musikalische Mittelmäßigkeit so überzeugend verpackt, dass uns nichts weiter übrigbleibt, als es zu lieben. Das gilt natürlich zum einen für das Pop-Gospel-Trio The Mamas, das bereits 2019 als Backgroundchor den ESC-Auftritt von John Lundvik in Tel Aviv mit 'Too late for Love' zu etwas Besonderem veredelte und 2020 mit 'Move' den schwedischen Vorentscheid gewann, dann aber aufgrund der Covid-bedingten Absage des…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der dop­pel­te Uku

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: der dop­pel­te Uku

Trotz der in diesem Jahr coronabedingt deutlich reduzierten Zahl an nationalen Vorentscheidungen ballte es sich am gestrigen langen Supersamstag dank der mangelnden Abstimmungsbereitschaft der einzelnen Rundfunkstationen mal wieder gewaltig: neben drei Finalrunden gingen ebenso viele Halbfinale über die Bühne, für deren Aufarbeitung ich mich daher schwerpunktmäßig auf die ausgeschiedenen Titel beschränken muss. Den Auftakt machte das zweite Semi der Eesti Laul, mit welcher der Sender bei der ersten Runde noch hilfreich auf den Donnerstag ausgewichen war. Warum nicht auch mit dieser, ETV? Die erfreulichste Mitteilung zuerst: kein Weiterkommen gab es für die Rockband Alabama Watchdog und ihren gleichnamigen, transphoben und…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: No Woman, no cry

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: No Woman, no cry

Das Patriarchat regiert mit eiserner Faust beim Eesti Laul: im ersten Semi des estnischen Vorentscheids 2021 fielen heute Abend ausnahmslos alle angetretenen Frauen gnadenlos durch, ins Finale kamen nur Männer weiter. Nun befanden sich unter ihnen mit den früheren Teilnehmern Koit Toome (der seine Sülzballade sehr unpassend in einer legeren Jeansjacke vortrug) und dem schätzungsweise 75jährigen Heiner-Bremer-Double Ivo Linna zwar zwei sehr bekannte Namen. Doch auch Tatjana Mihhailova-Saar (unter Freunden: Tanja), die Vertreterin von 2014, versuchte es erneut - und scheiterte gnadenlos. Dabei konnte ihr durch und durch belangloses, fröhliches Popschlagerchen 'Best Night ever' zumindest mit einer hübschen Hairography aufwarten…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Anhän­ger­la­dun­gen von Aquavit

Welche verheerende Wirkungen die humorlose Eurovisionsjury selbst in ihrer Abwesenheit entfaltet, ließ sich dieses Wochenende bei den beiden Vorentscheidungs-Vorrunden in Skandinavien beobachten. Denn obwohl in diesem Stadium des Melodi Grand Prix die Zuschauer:innen alleine über das Wohl und Wehe der vier Bewerber:innen um das Ticket fürs MGP-Finale bestimmten, zeigten sie sich durch die jahrelange Erziehungsarbeit der Grauen Herren und Damen und deren ritueller Abstrafung alles auch nur entfernt Lustigen beim Eurovision Song Contest dergestalt nachhaltig konditioniert, dass sie in einem Anfall vorauseilenden Gehorsams den einzigen unterhaltsamen Beitrag des Abends schon im ersten Durchgang rauswählten. Die Rede ist natürlich von 'Bli…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die tigh­te Büchse

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: die tigh­te Büchse

Mit der ersten von vier Vorrunden des Melodifestivalen begann am gestrigen Supersamstag die heiße Phase der diesjährigen Vorentscheidungssaison. Jedenfalls, wenn es nach der Aufmerksamkeit der internationalen Grand-Prix-Fans geht. Inhaltlich ist die Begeisterung für den schwedischen Vorentscheid kaum nachzuvollziehen: selten in meinem Leben langweilte ich mich so sehr wie gestern Abend bei dieser Parade von sieben gleichermaßen grundegalen, müden Mainstream-Popsongs, von denen mich nicht einer auch nur im Entferntesten erreichte. Dem Auftrag zur Unterhaltung kam als einziger der gutgebaute Schwedenschnuckel Danny Saucedo in angemessener Weise nach, der für seine mittelmäßige Grand-Prix-Disco-Nummer 'Dandi dansa' ein gigantisches Bühnengimmick in Form eines von mehreren…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: I love my Bear

Neben dem Vorentscheid in Frankreich fanden am gestrigen Supersamstag weitere Vorrunden in Norwegen und Litauen statt, die allerdings von wenig Belang für das eurovisionäre Geschehen sein dürften, geht es in beiden Ländern doch letztlich nur noch darum, wer im jeweiligen Vorentscheidungsfinale gegen die bereits fix gesetzten Top-Favoriten Keiino bzw. The Roop verlieren darf. Ungeachtet des offensichtlichen Ausgangs traten in der dritten Vorrunde des Melodi Grand Prix (MGP) auch gestern wieder vier Acts gegeneinander an, von denen lediglich einer pro forma weiterkam. Auf der Strecke blieben dabei zwei aus unterschiedlichen Gründen spannende Beiträge, die zwar beide nicht unbedingt musikalische Feuerwerke entzündeten,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Der zweite Vorentscheidungssamstag des neuen Jahres liegt hinter uns, und die Parallelen zum ersten waren unübersehbar. Wie schon vor sieben Tagen liefen zeitgleich die Vorrunden des norwegischen Melodi Grand Prix (MGP) und des litauischen Pabandom Iš Naujo (PIN); wie schon vor sieben Tagen fiel dabei ein alter weißer Mann mit einem irgendwie konservativ schmeckenden Schlager durch; und wie schon vor sieben Tagen richtete sich die gesammelte Aufmerksamkeit der Fans nicht auf die Vorrundenbeiträge, sondern auf einen außer Konkurrenz vorgestellten, fix fürs Finale gesetzten Song einer erst unlängst am Eurovision Song Contest teilgenommen habenden Band, die als Anwärter für den Sieg…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Auch wenn es einem angesichts der aktuellen Seuchen- und politischen Weltlage beinahe ein bisschen surreal erscheint, so startete doch gestern die Hochphase der diesjährigen Vorentscheidungssaison mit zwei gleichzeitig laufenden Vorrunden in Norwegen und Litauen. In beiden Shows mussten die auftretenden Acts im zuschauer*innenfreien Sendestudio performen, in beiden Ländern übertünchten die Sender die peinliche Stille nach den Auftritten mit tosendem Dosenapplaus, was die Sache zwar nicht weniger steril und unnatürlich machte, aber immerhin etwas weniger fremdschämwürdig als beim deutschen Eurovisions-Finale 2020 aus dem Hamburger Delphi. Eine weitere Gemeinsamkeit verband die Auftaktrunden der zwei Meeresanrainerstaaten: in beiden flogen so erwartbar wie traurigerweise…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Organisierte Eurovisionsfans können manchmal der übelste Menschenschlag auf diesem Planeten sein! Diesen Montag ging das mit 25 Teilnehmer:innen bestückte Semifinale des als albanische Vorentscheidung dienenden, traditionellen Festivali i Këngës über die Antenne. Das fand wegen Corona diesmal nicht im Kongresspalast zu Tirana statt, sondern auf dem mit einer imposanten Freilichtbühne bestückten Platz davor. Richtig: im Freien, mitten im Winter, bei, wie sich an den Dampfschwaden aus den Mündern der Interpret:innen unschwer erkennen ließ, knackiger Kälte! Und auch nicht wie sonst live, sondern als Aufzeichnung schon ein paar Tage vorab. Natürlich trat das Unvermeidliche ein und die Ergebnisse sickerten bereits am…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Es liegt einfach kein Trost in dieser Zeit: während sich das Katastrophenjahr 2020 quälend langsam dem bitter ersehnten Ende entgegenschleppt, flankiert von einem abgewählten US-Präsidenten, der sich wie ein trotziger Fünfjähriger im Zimmer verbarrikadiert und wütend "ich hab aber nicht verloren" schreit, sowie von einer Schar von Solidaritäts- und Realitätsverweigerern, die im Angesicht der unvermindert wütenden Corona-Pandemie "Oh, wie ist das schön"-singend durch deutsche Innenstädte ziehen und mit solchen als "Querdenker-Demos" apostrophierten Superspreader-Events den Tod weiterverbreiten, und zwar in seiner grausamen Variante; währenddessen also tauchten in der bunt glitzernden Gegenwelt des Eurovision Song Contest in den zurückliegenden Tagen bereits die…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love tonight

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Can you feel the Love tonight

Bevor am heutigen Abend beim weißrussischen Vorentscheid zwölf leider durch die Bank uninteressante Songs im Kampf um die Fahrkarte nach Rotterdam antreten, gilt es, noch schnell einen nostalgisch getrübten Blick auf die legendären jährlichen öffentlichen Auditions in Minsk zu werfen. Diese fanden heuer vor gut einem Monat statt und versammelten weniger Interessierte als in früheren Jahren. Denn im Versuch, der unter anderem mit den ehemaligen Repräsentant:innen Zena und Navi bestückten Auswahljury das Schlimmste zu ersparen, hatte der Sender BTRC verfügt, dass nur noch weißrussische Staatsangehörige vorsingen dürfen. Nicht alle kapierten das: neben 65 inländischen Acts bewarben sich dennoch 30 ausländische,…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Child­ren of the Revolution

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Child­ren of the Revolution

Bevor es mit dem bereits am Donnerstag startenden, nächsten Vorentscheidungs-Wochenende wieder in die maximale Überforderung geht, gilt es, noch zwei Semis vom vergangenen Samstag nachzureichen. In Portugal bot das traditionsreiche Festival da Canção, wie wir es von dem kleinen Land gewohnt sind, mal wieder eine frappierende Mischung aus völlig aus der Zeit gefallenen Musical-Nummern, lendenlahmen Schnarchballaden, abseitigem Ethnofolk und bizarren Darbietungen. Acht Acts kämpften am späten Abend um vier Finalplätze. Und leider erlaubten sich (genau weiß man es noch nicht, die Split-Voting-Ergebnisse hält der Sender RTP unter Verschluss) entweder das Publikum oder, deutlich wahrscheinlicher, die Jury beim Heraussieben einen massiven…
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