Internationale Vorentscheidungen

Sie sind das Salz in der Euro­vi­si­ons­sup­pe, die Spiel­wie­sen des ret­tungs­los schrä­gen Trashs, die Jagd­grün­de für Grand-Prix-Con­nais­seu­re, der hei­li­ge Gral aller Per­len­tau­cher: die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen, wo aus einem bun­ten Pot­pour­ri vom hoff­nungs­lo­sen Ama­teur bis zum hoch­glanz­po­lier­ten Schwe­den­schla­ger immer nur das Furcht­bars­te für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­aus­ge­sucht wird. 

HaS­h­ir Shela­nu L’Eurovizion 2021: Every­thing is chik-chak

HaS­h­ir Shela­nu L’Eurovizion 2021: Every­thing is chik-chak

Es stand ja von Vorneherein zu befürchten: unter lediglich drei eher mittelmäßigen Uptemposongs durfte das israelische Publikum in der heute Abend ausgestrahlten Sendung HaShir Shelanu L'Eurovizion 2021 (Unser Lied für die Eurovision) bestimmen, und unter zwei so-la-laen Tanzflächenfüllern mit passenderweise jeweils einem "La La" im Titel und einem Midtemposong wählte es die mittelmäßigste aller Alternativen, nämlich das sich nicht so recht zwischen Club-Banger und Ballade entscheiden könnende 'Set me free'. Die Nummer liefert in drei Minuten von allem ein bisschen was, außer einer zwingenden Hookline, und dürfte beim Hauptwettbewerb in Rotterdam am Ende des Schnelldurchlaufes bereits wieder dem Vergessen anheim…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Some say that my Music is bad

Der zweite Vorentscheidungssamstag des neuen Jahres liegt hinter uns, und die Parallelen zum ersten waren unübersehbar. Wie schon vor sieben Tagen liefen zeitgleich die Vorrunden des norwegischen Melodi Grand Prix (MGP) und des litauischen Pabandom Iš Naujo (PIN); wie schon vor sieben Tagen fiel dabei ein alter weißer Mann mit einem irgendwie konservativ schmeckenden Schlager durch; und wie schon vor sieben Tagen richtete sich die gesammelte Aufmerksamkeit der Fans nicht auf die Vorrundenbeiträge, sondern auf einen außer Konkurrenz vorgestellten, fix fürs Finale gesetzten Song einer erst unlängst am Eurovision Song Contest teilgenommen habenden Band, die als Anwärter für den Sieg…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Thun­der and Glo­ria in der Bierbärenbar

Auch wenn es einem angesichts der aktuellen Seuchen- und politischen Weltlage beinahe ein bisschen surreal erscheint, so startete doch gestern die Hochphase der diesjährigen Vorentscheidungssaison mit zwei gleichzeitig laufenden Vorrunden in Norwegen und Litauen. In beiden Shows mussten die auftretenden Acts im zuschauer*innenfreien Sendestudio performen, in beiden Ländern übertünchten die Sender die peinliche Stille nach den Auftritten mit tosendem Dosenapplaus, was die Sache zwar nicht weniger steril und unnatürlich machte, aber immerhin etwas weniger fremdschämwürdig als beim deutschen Eurovisions-Finale 2020 aus dem Hamburger Delphi. Eine weitere Gemeinsamkeit verband die Auftaktrunden der zwei Meeresanrainerstaaten: in beiden flogen so erwartbar wie traurigerweise…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Gutes Kar­ma aus Tirana

Das Wichtigste erstmal vorweg: danke, RTSH! Wohl wissend um die Bedeutung des traditionsreichen albanischen Liederfestivals für das Seelenheil der Fans als erster nationaler Vorentscheid einer jeden Saison und als virtueller Weihnachtsbaum für die Grand-Prix-Familie, scheute der Sender keine Kosten und Mühen, inmitten einer grassierenden Pandemie eine spektakuläre Show über drei Abende zu fabrizieren und uns damit - nach dem Worst Case eines coronabedingt ausgefallenen Eurovision Song Contests - das so bitterlich herbeigesehnte Licht am Ende zwar nicht des Tunnels, aber eben des schlimmsten Jahres der Grand-Prix-Geschichte zu entzünden. Und wie dringend haben wir dieses benötigt! Die äußeren Umstände zwangen die…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: Vor­wärts in die Vergangenheit

Organisierte Eurovisionsfans können manchmal der übelste Menschenschlag auf diesem Planeten sein! Diesen Montag ging das mit 25 Teilnehmer:innen bestückte Semifinale des als albanische Vorentscheidung dienenden, traditionellen Festivali i Këngës über die Antenne. Das fand wegen Corona diesmal nicht im Kongresspalast zu Tirana statt, sondern auf dem mit einer imposanten Freilichtbühne bestückten Platz davor. Richtig: im Freien, mitten im Winter, bei, wie sich an den Dampfschwaden aus den Mündern der Interpret:innen unschwer erkennen ließ, knackiger Kälte! Und auch nicht wie sonst live, sondern als Aufzeichnung schon ein paar Tage vorab. Natürlich trat das Unvermeidliche ein und die Ergebnisse sickerten bereits am…
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Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Per­len der Vor­ent­schei­dun­gen: vom ent­setz­li­chen, süßen und dra­ma­ti­schen Tod

Es liegt einfach kein Trost in dieser Zeit: während sich das Katastrophenjahr 2020 quälend langsam dem bitter ersehnten Ende entgegenschleppt, flankiert von einem abgewählten US-Präsidenten, der sich wie ein trotziger Fünfjähriger im Zimmer verbarrikadiert und wütend "ich hab aber nicht verloren" schreit, sowie von einer Schar von Solidaritäts- und Realitätsverweigerern, die im Angesicht der unvermindert wütenden Corona-Pandemie "Oh, wie ist das schön"-singend durch deutsche Innenstädte ziehen und mit solchen als "Querdenker-Demos" apostrophierten Superspreader-Events den Tod weiterverbreiten, und zwar in seiner grausamen Variante; währenddessen also tauchten in der bunt glitzernden Gegenwelt des Eurovision Song Contest in den zurückliegenden Tagen bereits die…
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Dad­dy Cool: Daði Freyr und Gagna­ma­gnið tre­ten 2021 für Island an!

Dad­dy Cool: Daði Freyr und Gagna­ma­gnið tre­ten 2021 für Island an!

Es ist die Nachricht, auf die wir alle gewartet haben und die einen goldenen Lichtstrahl der Hoffnung und Freude in diese all zu düstere Zeit schickt: wie der durch die seuchenbedingte Absage des Eurovision Song Contest 2020 verhinderte höchstwahrscheinliche Grand-Prix-Sieger von 2020, Daði Freyr, heute in einem Tweet mitteilte, wird er Island kommendes Jahr in Rotterdam vertreten, erneut in Begleitung seiner Posse, der Band Gagnamagnið. Damit steht auch fest, dass es keinen öffentlichen Vorentscheid gibt: Freyr, der mit dem sensationellen 'Think about Thinks' neben der litauischen Band The Roop als heißester Anwärter auf die diesjährige Krone galt, hatte eine Direktnominierung…
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Ein Licht­blick: die ESC-Sai­son 2021 startet

Ein Licht­blick: die ESC-Sai­son 2021 startet

Auf nur wenig ist in diesen Zeiten Verlass. Um so tröstlicher, dass nach der offiziellen EBU-Zeitrechnung - so wie immer - auch am 1. September 2020 für Eurovisionsfans wieder das neue Jahr beginnt. Jeder ab heute neu veröffentlichte Song könnte ein potenzieller ESC-Titel sein, und so haben wir wenigstens wieder einen Grund, um morgens aufzustehen. Denn nach dem coronabedingt abgesagten Eurovision Song Contest 2020 soll die Europameisterschaft im Singen im neuen Jahr auf jeden Fall durchgeführt werden, auch wenn noch abzuwarten bleibt, wie das ganze über die Bühne gehen soll. Davon, dass in Rotterdam im kommenden Mai eine riesige Sause…
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Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Aser­bai­dschan 2020: Strai­ght or gay

Das Land des Feuers scheint beim Eurovision Song Contest 2020 eine Art Resteverwertung zu betreiben. Zunächst verkündete der zuständige Sender Ictimai Ende Februar 2020, dass die 28jährige ehemalige The Voice-Teilnehmerin Samira Efendi, die sich zuvor schon viermal erfolglos um die Grand-Prix-Repräsentanz beworben hatte, heuer Aserbaidschan vertreten dürfe, nachdem sie sich in einer internen Jurywahl gegen vier Konkurrenten durchsetzen konnte. Heute veröffentlichte der Sender ihren Beitrag 'Cleopatra', ein ziemlich campes, orientalisch aromatisiertes Uptempo-Machwerk, zu dem ich vor meinem geistigen Auge bereits Horden von Fans allerlei Geschlechts im Euroclub den Tanz der sieben Schleier aufführen sehe und das fast so viel diebisches…
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San Mari­no 2020: In the Disco

San Mari­no 2020: In the Disco

Es scheint grundsätzlich nur zwei Arten von Menschen erlaubt zu sein, das kleine San Marino beim Eurovision Song Contest zu vertreten, und die heißen entweder Valentina Monetta oder S**h*t. Der sexy Disco-Daddy Serhat war bereits letztes Jahr an der Reihe, daher holte SMTV heuer Senhit Zadik Zadik aus der Versenkung. Die langweilte uns 2011 in Düsseldorf mit dem superspröden 'Stand by' zu Tode, da noch unter dem Namen Senit, und schied zu Recht im Semi aus. Für Rotterdam lernte sie zumindest aus ihren Fehlern und versucht es heuer mit demselben Rezept wie ihr erfolgreicher Vorgänger: mit der guten, alten Disco!…
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Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

Maze­do­ni­en 2020: Ebenee­zer Goode

In der Abendausgabe seiner TV-Nachrichten stellte der nordmazedonische Sender MRT vor wenigen Minuten den Videoclip zu seinem Eurovisionsbeitrag 2020 vor. Der heißt sehr simpel 'You' und wird gesungen von Vasil Garvanliev, der bereits letztes Jahr in Tel Aviv als Chorknabe für die Jurysiegerin Tamara Todevska im Einsatz war. Der in Mazedonien geborene Vasil wuchs hauptsächlich in den USA auf, seit seiner Rückkehr in die frühere jugoslawische Republik konnte er dort mehrere Hits platzieren. Sein Eurovisionsbeitrag, der gegen diesen Katalog natürlich deutlich abfällt, mündet nach einem einminütigen, von sparsam eingesetzten Akkordeonklängen und einer fast orientalisch anmutenden Gesangsführung begleiteten Vorspiel in einem…
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Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Fes­ti­val da Can­ção 2020: Un Banc, un Arb­re, une Rue

Das Zweitbeste ist immer das Erstschlechteste. Diese Lektion lehrte uns (mal wieder) das gestrige Finale des Festival da Canção, bei dem sich in der Abstimmung Publikum und Jurys nicht einigen konnten und in Folge dessen sich die in beiden Votings lediglich Zweitplatzierte Elisa Silva durchsetzen konnte. Mit einer für meine Ohren grauslich gesungenen, steinschweren Ballade namens 'Medo de Sentir' ('Angst vor dem Gefühl'), mit denen sich das Urlaubsland mal wieder als aussichtsreicher Bewerber für den letzten Platz im ESC-Semifinale in Stellung bringt. Nicht nur, dass das kaum zu ertragende, depressive Geflenne der aus Madeira stammenden Künstlerin im diesjährigen, sich gerade…
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Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Dansk Melo­di Grand Prix 2020: Run­ning scared

Vor komplett leeren Rängen fand das dänische Melodi Grand Prix 2020 statt. Nicht etwa, weil die Zuschauer:innen endgültig genug gehabt hätten von dem faden Musikbrei, denen ihnen der verantwortliche Sender DR Jahr für Jahr dort kredenzt, und den Vorentscheid boykottiert hätten. Vielmehr entschied die sozialdemokratische dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nur einen Tag vor der Show, im Zuge der grassierenden Coronovirus-Hysterie alle öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauer:innen zu untersagen. Nun hatte der Sender die das rund Zehnfache fassende Royal Arena in Kopenhagen bereits gebucht, die Proben schon durchgeführt. Eine Verlegung der Sendung schied aus terminlichen Gründen aus, und so…
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Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Melo­di­fes­ti­va­len 2020: Nicht das Gel­be vom Ei

Ein Punkt. Ein einziges gottverdammtes Pünktchen trennte am Ende einer nervenaufreibenden Abstimmung beim diesjährigen Melodifestivalen die Siegerinnen von der Fan-Favoritin. Immerhin war es hier nicht die Schuld der internationalen Jury: die zeigte sich nämlich genau so gespalten wie das Publikum und bedachte beide Beteiligten mit der exakt gleichen Stimmenzahl. So, dass es alleine den schwedischen Televoter:innen oblag, für Klarheit zu sorgen. Und die entschieden sich mit einem wirklich nur hauchdünnen Vorsprung von 0,1% der abgegebenen Stimmen für The Mamas, den Begleitchor des Vorjahresvertreters John Lundvik, die heuer, geschrumpft vom Quartett zum Trio, selbst angetreten waren im Kampf um die Fahrkarte…
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Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2020: Wenn ich ein Jun­ge wär

Ein ereignisreicher Supersamstag, der letzte der Vorentscheidungssaison 2020, liegt hinter uns, mit Entscheidungen in drei skandinavischen Ländern und in Portugal. Und fast überall kam es zu totalen Katastrophen sowie erneut zum Beweis, dass Jurys elende Wichser sind, die niemand braucht. Den schlimmsten Verlust gab es bei der Uuden Musiikin Kilpailu zu beklagen. Nach zwei eher mäßigen Ergebnissen mit vom Sender vorherbestimmten Interpret:innen hatte sich YLE entschieden, in diesem Jahr wieder einen offenen Vorentscheid mit sechs Teilnehmer:innen zu veranstalten. Und seit der Veröffentlichung aller sechs Beiträge vor geraumer Zeit stand fest, dass Finnland bei dieser UMK nur einen einzigen Job zu…
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Zypern 2020: Stan­ding naked

Zypern 2020: Stan­ding naked

Seit ewigen Zeiten bereits steht der deutsche Sänger und The Voice-Teilnehmer Alessandro Rütten alias Sandro Nicolas als Vertreter Zyperns beim Eurovision Song Contest 2020 fest. Auch, dass sein Beitrag 'Running' heißt, wissen wir schon länger. Heute nun, nur wenige Tage vor dem offiziellen Annahmeschluss für Rotterdam, durfte die Öffentlichkeit endlich des Machwerks gewahr werden. Lohnte sich das lange Warten wenigstens? Naja. Das (seufz!) midtemporäre 'Running' verfügt über einen ordentlichen Beat, entwickelt aber keinen Schub. Dafür kommt die Nummer über das Weglaufen vor den inneren Dämonen zu düster daher und kann sich auch nie so richtig zwischen Jammerpop und Dance-Banger entscheiden.…
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Irland 2020: Whe­re the Grass is real­ly greener

Irland 2020: Whe­re the Grass is real­ly greener

Und als hätte man sich mit den am gleichen Tage veröffentlichenden Österreichern abgesprochen, setzt auch der irische Sender RTÉ, der seit Monaten großspurig und unablässig einen "Almighty Bop" ankündigte, für seinen heute endlich vorgestellten Eurovisionsbeitrag 'Story of my Life' auf gefälligen Retro-Pop. Wie eine stark verwässerte Variante von Katy Perrys Hit 'California Gurls' aus dem Jahre 2010 klingt die gitarrengetriebene, fröhliche Uptemponummer, die von Anfang an voll auf die Zwölf geht und auch inhaltlich eine lyrisch zwar gemäßigte, dennoch erfrischende Fick-Dich-ich-mach-was-ich-will-Attitüde an den Tag legt. Mit der Textzeile "I'm not a Puppet on a String" gleich im ersten Vers flicht…
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Öster­reich 2020: Strai­ght Masterpieces

Öster­reich 2020: Strai­ght Masterpieces

Ein stark verwässerter Neuaufguß von Mark Ronsons Tophit 'Uptown Funk' aus dem Jahre 2014, so könnte man den heute morgen traditionell zu nachtschlafender Stunde gegen 7:40 Uhr zunächst im Ö3-Radiowecker vorgestellten und später von einem offiziellen Videoclip begleiteten österreichischen Beitrag für Rotterdam knapp zusammenfassen. Sicherlich nicht die originellste Umschreibung, aber der originellste Song ist 'Alive' ja nun auch nicht gerade. Ein bisschen schleppend fängt er an, nach knapp einer Minute schaltet er in einen höheren Gang und groovt gemächlich vor sich hin. Gerade genug zum entspannten Mitwippen im Fauteuil, ohne dass es einen zum Aufstehen und Tanzen animierte. Am Ende…
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Schweiz 2020: The Rain! The Rain! Crying!

Schweiz 2020: The Rain! The Rain! Crying!

Und noch eine Ballade! Nachdem das Schweizer Fernsehen 2019 mit einem hervorragend inszenierten Uptempo-Banger erstmals seit einem guten Jahrzehnt das tiefe Tal der Tränen verließ, entschied man sich beim SRG heuer für ein entgegengesetztes Konzept. Erneut bestimmte man den Interpreten intern: der heißt Gjon Muharremaj, stammt gebürtig aus dem französischsprachigen Kanton Fribourg und nahm natürlich schon an The Voice teil, in Frankreich. Sein Künstlername lautet Gjon's Tears und macht bereits deutlich klar, wohin die Reise geht. Folgerichtig besteht 'Répondez-moi' ('Antwortet mir'), sein Beitrag für Rotterdam, aus drei Minuten hochelegantem Sadboi-Gejammer, das sich zu einem recht zurückgenommenen, molllastigen Musikbett stimmlich in…
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Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2020: Nimm mich, so wie ich bin

Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2020: Nimm mich, so wie ich bin

Noch nachzureichen gilt es den gestern veröffentlichten georgischen Beitrag zum Eurovision Song Contest 2020. Das Kaukasusland hatte bereits am Silvesterabend 2019 im Rahmen der Castingshow Sakartvelos Varskvlavi den kernigen Tornike Kipiani zu seinem Vertreter bestimmt. Dessen bisheriges Repertoire erweckte zunächst die Hoffnung auf etwas sehr Lautes, sehr Düsteres. Doch, leider: seine nun vorgestellte Rocknummer 'Take me as I am' fiel vergleichsweise zahm und melodisch aus, der Georgier hält sich mit dem für ihn sonst charakteristischen Anschreien ziemlich zurück und überlässt gar zwei engelsgleichen Frauenstimmen Teile des Refrains. Was nicht heißen soll, dass der Song nicht noch immer positiv herausstäche aus…
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HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

HaS­h­ir HaBa 2020: Let the Sun shi­ne in

Ein echtes Novum bescherte uns gestern Abend das israelische Fernsehen bei der Auswahl des Songs für seine schon länger feststehende Eurovisionsrepräsentantin Eden Alene, der Siegerin der wie jedes Jahr gefühlt über mehrere hundert Runden laufenden Castingshow HaKokhav HaBa 2020. Vier Lieder standen für die 19jährige mit den äthiopischen Wurzeln bei der etwas über einstündigen Auswahlshow HaShir HaBa zur Auswahl: eine Ballade und drei formidable Pop-Banger. Die Chance, es zu versauen, lag also rein rechnerisch bei nur 25%, und zu meinem großen Erstaunen zogen die Israelis diese Option nicht (aufgemerkt, Moldawien und Rumänien!). Die mit 60% Entscheidungsgewalt ausgestatteten, auf mehrere Gruppen…
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Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Beo­vi­zi­ja 2020: Im Auge des Orkans

Sie kommen wie ein Wirbelwind über Europa, die drei serbischen Pop-Königinnen Ivana Nikolić, Ksenija Knežević (die im Chor ihres Papas beim ESC 2015 in Wien mit auf der Bühne stand) und Sanja Vučić ('Shelter'), welche gemeinsam die (übrigens wirklich nach zwei tropischen Orkanen benannte) Girlgroup Hurricane bilden. Als haushohe Favoritinnen gingen sie im Finale der Beovizija 2020 am vergangenen Sonntag ins Rennen, und haushoch räumten sie im Televoting ab. Selbst die Jury, die sich ansonsten bei so gut wie keinem der elf Konkurrenztitel mit dem Publikum auch nur im Entferntesten einig zeigte, ergab sich kampflos und schob den drei Glitzerelsen…
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Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Sel­ecția Națio­nală 2020: Alco­hol is free

Die uninteressanteste Vorentscheidung der gesamten Saison 2020 ging am letzten Super-Samstag in Buzău in der Walachei über die Bühne. In das Hunderttausend-Einwohner-Städtchen hatte der unter extremen Geldnöten stehende rumänische Sender TVR die Selecția Națională verlegt, weil der dortige Bürgermeister die Kosten der kompletten Sendung aus der Gemeindekasse übernahm. Aus pekuniären Gründen erfolgte auch die Zusammenarbeit mit dem größten einheimischen Plattenlabel Global Records, das mit der vorab zur Alleininterpretin bestimmten 20jährigen Larisa Roxana Giurgiu alias Roxen immerhin einen der aktuellen Top-Stars des Landes beisteuerte. Für nämliche Roxen galt es nun, unter fünf bereits vor Tagen veröffentlichten Liedern auszuwählen; samt und sonders musikalisch…
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Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Daddy?

Söng­va­kepp­nin 2020: Who’s my Daddy?

Wie bereits im Vorjahr, als sich beim isländischen Eurovisionsvorentscheid Söngvakeppnin alles um einen einzigen Namen drehte, nämlich um Hatari, stand auch 2020 alles im Schatten der Frage: schafft es Daði Freyr Pétursson diesmal oder muss er sich, wie schon 2017 mit dem großartigen 'Is it Love?', erneut geschlagen geben? Die gute (und bereits seit Samstagnacht bekannte) Nachricht: er schaffte es! Gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Begleitband Gagnamagnið (in etwa: Datenvolumen) konnte er die fantastisch coole Retro-Synthie-Nummer 'Think about Things' zum Sieg führen, um die schon vor gut zwei Wochen ein Internet-Hype losbrach, nachdem Daði den dazugehörigen, extrem selbstironischen Videoclip veröffentlichte und…
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Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Dora 2020: She’s like the Wind to my Tree

Für eine sehr klassische, herzzerreißende Balkan-Schmerzensballade entschieden sich die Kroat:innen am vergangenen Samstagabend im Rahmen des klassischen Eurovisionsvorentscheidungsformats Dora und bestätigten damit einmal mehr ihren Ruf als konservative Grand-Prix-Nation. Denn musikalisch könnte das schmalztriefende, geigengesättigte 'Divlji Vjetre' ('Rauer Wind') mitsamt seiner etwas überraschend an der Stelle, an der man das Lied eigentlich zu Ende wähnt, drangeschraubten Rückung auch im Jahre 1990 angesiedelt sein. Oder 1960. Lyrisch war es vielleicht nicht die geschickteste Wahl für den im Frühlingsmonat Mai in Rotterdam stattfindenden Hauptwettbewerb, denn der in schwarzer Trauerkleidung auftretende Damir Kedžo, einstmals Kirchenchorknabe und später Boyband-Mitglied, greift darin zur Umschreibung seines Trennungsschmerzes…
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