Internationale Vorentscheidungen

Sie sind das Salz in der Euro­vi­si­ons­sup­pe, die Spiel­wie­sen des ret­tungs­los schrä­gen Trashs, die Jagd­grün­de für Grand-Prix-Con­nais­seu­re, der hei­li­ge Gral aller Per­len­tau­cher: die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen, wo aus einem bun­ten Pot­pour­ri vom hoff­nungs­lo­sen Ama­teur bis zum hoch­glanz­po­lier­ten Schwe­den­schla­ger immer nur das Furcht­bars­te für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­aus­ge­sucht wird. 

Eurovi­isukar­sin­ta 1961: Tau­send Fenster

Eurovi­isukar­sin­ta 1961: Tau­send Fenster

Gleich drei beim Eurovision Song Contest Zeit ihres Bestehens meist massiv unterbewertete Länder meldeten sich im Jahre 1961 erstmals zum europäischen Wettsingen an: die damalige rechte Diktatur Spanien unter dem Faschisten Franco sowie das seinerzeit noch unter der Knute des Sozialisten Tito zwangsvereinte Jugoslawien, beides beliebte Urlaubsdestinationen der Deutschen. Und das blockfreie Finnland, sowohl geografisch wie kulturell der Puffer zwischen der skandinavischen Halbinsel und der damaligen UdSSR. Dessen Sender YLE hatte im Jahr zuvor den internationalen Wettbewerb zum ersten Mal im Fernsehen übertragen und dem heimischen Publikum gefiel, was es sah. Die damals im Lande sehr populäre Schlagersängerin Laila Kinnunen…
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San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

San-Remo-Fes­ti­val 1961: Küss mich, ich bin der Frosch aus dem Märchen

Die ungebrochen hohe Popularität des italienischen San-Remo-Festivals, zehn Jahre zuvor aus der Taufe gehoben, um dem ligurischen Küstenstädtchen auch in der kalten Jahreszeit touristische Impulse zu geben, sowohl beim Publikum als auch bei den auftretenden Künstler:innen, erlaubte es den Veranstaltern, ein wenig mit dem Format zu experimentieren. So stockte man 1961 die beiden Qualifikationsrunden auf jeweils zwölf Titel auf, präsentiert von je zwei verschiedenen Interpret:innen, aus denen eine Jury je die Hälfte für das Finale heraussiebte. Dort aber hatte erstmals das Publikum das alleinige Sagen. Da Postkarten, wie sie beispielsweise beim Eurovisionsvorentscheid in den Niederlanden zum Einsatz kamen, aufgrund der…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1961: Der Rübermacher

Con­cours Euro­vi­si­on 1961: Der Rübermacher

Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung, also seit 1956, nahm der in Genf als Rolando Bonardelli gebürtige Entertainer Jo Roland nun bereits durchgängig am schweizerischen Vorentscheid teil, oftmals mit gleich mehreren Beiträgen. Und das stets erfolglos: kein einziges Mal sollte der im Heimatland als Sänger und Showmaster durchaus beliebte Roland das ESC-Ticket erringen. Also reichte Jo das von seinen Eidgenossen heuer so schnöde zurückgewiesene Chanson 'Nous deux' ('Wir zwei') eben beim Internationalen Songfestival im polnischen Sopot ein, das just im Sommer 1961 Premiere feierte. Und dort, im sozialistischen Ausland, schätzte man den zu Hause Verschmähten: Roland gewann (!) die Erstausgabe des langlebigen Liederwettstreites, welcher…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1961: Dar­auf sei gepfiffen!

Melo­di­fes­ti­va­len 1961: Dar­auf sei gepfiffen!

Dergestalt aprilfrisch ging es zu beim schwedischen Melodifestivalen von 1961, das man meinen konnte, die Show sei von Lenor gesponsert. Der ausrichtende Sender SVT experimentierte fleißig mit dem jungen Format und strich die bisher üblichen acht Radiovorrunden. Stattdessen wählte eine Jury aus rund 550 Einsendungen fünf Songs aus für das im Rahmen der Nordvision erneut ebenfalls in Dänemark, Finnland und Norwegen ausgestrahlte TV-Finale, die wiederum in jeweils zwei verschieden stark orchestrierten Fassungen von unterschiedlichen Sänger:innen interpretiert wurden. Zwei dieser fünf Stücke trugen das Wort 'Frühling' ('Vår') direkt im Titel, ein weiteres besang den Monat 'April', und das vierte hieß 'Spela på Regnbågen'; ein im…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mudder

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1961: Ja ja… dei­ne Mudder

Was steckt bloß hinter dieser merkwürdigen Mutterfixierung der Belgier/innen? Denn nicht nur, dass das unbestreitbar größte musikalische Muttersöhnchen aller Zeiten, der gebürtige Niederländer Heintje ('Mama'), seit jeher in Flandern lebt: das Land, das 1969 mit Jean-Jacques Bertolai ('Maman, Maman') eine blasse Heintje-Kopie zum Eurovision Song Contest schickte, setzte 2014 mit dem tragisch veranlagten Wallonen Axel Hirsoux und seinem liedgewordenen Ödipuskomplex 'Mother' der musikalischen Mütterverehrung die Norman-Bates-Gruselgedächtniskrone auf. Doch das Thema hat im Land eine lange Tradition: schon 1957 zeichnete Bobbejaan Schoepen im belgischen Vorentscheid das 'Bild meiner Mutter', und auch heuer, also 1961, versuchte der seinerzeit ebenfalls im deutschsprachigen Raum bekannte und später…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1960: Le Java sans Tralala

Con­cours Euro­vi­si­on 1960: Le Java sans Tralala

Welch' ein Durcheinander in der sonst doch als so ordentlich geltenden Schweiz! Fehlte beim helvetischen Vorentscheid von 1959 bereits das Tessin als eines von drei aus Gründen des Sprachregionenproporzes stets zu repräsentierenden Landesteilen, so lässt sich aus dem 1960er Line-up noch nicht einmal mehr herauslesen, wer nun für welchen Part der Eidgenossenschaft startete. So stammte der einzige (!) deutschsprachige Titel im Aufgebot mit dem immergrünen Thema 'Frühling' von einem heute völlig vergessenen Sänger mit italienischem Namen, nämlich Bianco Cavallini. Was auch noch klingt wie ein Tetrapack-Tafelweißwein aus dem Discounter für 1,59 € der Liter. Als einzige verlässliche Größe sorgte der eidgenössische Dauerteilnehmer Jo Roland…
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Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Melo­di Grand Prix 1960: Nur Sams­tag Nacht

Was für ein grandioser Start! Das 1960 erstmalig am Eurovision Song Contest teilnehmende Norwegen, bis heute Rekordhalter im Sammeln von Roten Laternen, bediente sich bereits von Anfang an des über die Jahre immer mal wieder inhaltlich sanft angepassten, aber stets unter dem gleichen Namen laufenden Vorentscheidungsformates Melodi Grand Prix (MGP). Dem ging zur Premiere ein im Radio ausgetragenes Semi voraus, bei dem lediglich zwei Sänger:innen, nämlich der Schnulzier und Kabarettist Jens Book-Jenssen und Inger Jacobsen, sämtliche elf Titel interpretierten. Geplant war, dass fünf Beiträge ins Finale einziehen sollten, aufgrund von Punktegleichheit der drei Viertplatzierten wurden daraus jedoch sechs. Darunter fanden sich…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1960: Ding A Din­ge­ding Dong

Natio­naal Song­fes­ti­val 1960: Ding A Din­ge­ding Dong

Als eine hoch vergnügliche Stunde puren Comedy-Goldes geht das niederländische Nationaal Songfestival (NSF) von 1960 in die Annalen der Grand-Prix-Geschichte ein. Acht "Liedjes" gelangten zur Aufführung, interpretiert jeweils in zwei verschieden instrumentierten Varianten von unterschiedlichen Künstler:innen und dargeboten vor teils passend zum Songtext mit Kreide auf eine Schiefertafel gemalten Bildhintergründen. Vielfach ließ sich erkennen, dass die Autoren sich Gedanken gemacht hatten, was bei den Eurovisionsjurys gut ankommen könnte. So wie gleich beim ersten Beitrag des Abends, welcher sich des bereits beim Premieren-Contest in Lugano von Lys Assia bemühten Jahrmarkt-Themas 'Carroussel' bediente. Was den beiden NSF-Rückkehrern Marcel Thielemans (der den Zuschauer:innen gar ungehörig die Zunge…
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A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

A Song for Euro­pe 1960: When the Tide turns

Um Haaresbreite hätte er es nicht ins Vorentscheidungsfinale geschafft, der britische Eurovisionsvertreter von 1960, Bryan Johnson. Wie bereits im Vorjahr schaltete die BBC dem British Final auch heuer zwei Semis mit jeweils sechs Beiträgen vor, von denen jeweils die ersten drei weiterkamen. Johnsons am Ende siegreicher Uptempo-Song 'Looking high, high, high' (der im Lied auf die Titelzeile folgenden Ankündigung "I shall die, die, die" leistete der Sänger dann 35 Jahre später Folge) teilte sich in der zweiten Qualifikationsrunde nach dem regionalen Juryvoting noch punktgleich den dritten Rang mit dem seherisch benannten, zähen Balladenriemen 'When the Tide turns' der britischen Vorjahres-Repräsentanten Pearl Carr…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1960: Oh mein Papa

Dansk Melo­di Grand Prix 1960: Oh mein Papa

'Op og see Land' (frei übersetzt: 'Schau, dass du Land siehst'), so hieß der mäßig schmissige, wenngleich stimmlich recht harsch interpretierte Marsch, mit dem ein gewisser Otto Hænning im Jahre 1960 den aus insgesamt sieben Liedern bestehenden dänischen Eurovisionsvorentscheid Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) eröffnete. Moment mal: Hænning? Kennen wir den Namen nicht irgendwoher? Und tatsächlich: es handelte sich bei diesem Otto um den im Jahre 2004 verstorbenen Vater der international bekannten Schlagerlegende und deutschen Eurovisionsvertreterin von 1973, Gitte Hænning, der sich hier rundheraus berechtigte Nil Points ersang. Die für die Wertung verantwortliche Jury verteilte ihre Gaben ohnehin äußerst spärlich, so dass auch der beim DMGP der…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1960: Zwei­mal Unrecht macht kein Recht

Melo­di­fes­ti­va­len 1960: Zwei­mal Unrecht macht kein Recht

Experimentierunfreudigkeit kann man dem schwedischen Fernsehen in Sachen Eurovision nun wahrlich nicht vorwerfen. Wie bereits 1959 fanden auch 1960 vor dem eigentlichen Melodifestivalen wiederum acht Radio-Vorrunden statt, aus denen sich mit Hilfe des Publikums jeweils ein Titel fürs Finale qualifizieren sollte. Mitten im laufenden Verfahren schmiss der verantwortliche Sender SVT jedoch alles um und entschied, dem Beispiel Italiens folgend, alle Finalbeiträge in zwei unterschiedlich orchestrierten Versionen von jeweils zwei Interpret:innen singen zu lassen. Da man die vorab eingeplante Sendezeit von lediglich 45 Minuten nicht verdoppeln wollte, reduzierte eine flugs einberufene Jury daraufhin die Anzahl der Lieder auf vier, wodurch beispielsweise…
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San-Remo-Fes­ti­val 1960: Love is the Drug

San-Remo-Fes­ti­val 1960: Love is the Drug

Ich weiß nicht, welche Drogen beim erneut als italienischer Eurovisionsvorentscheid fungierenden San-Remo-Festival von 1960 backstage so im Umlauf waren. Beziehungsweise beim Dreh des Schlagerfilms San Remo - die große Herausforderung, aus welchem die im Netz verfügbaren Youtubeclips mit den Auftritten der Teilnehmer:innen zum großen Teil stammen und von dem mir nicht hundertprozentig klar ist, ob er digital (dann allerdings sehr gut) aufgearbeitetes Originalmaterial verwendet oder mit den Interpret:innen eigens nachgestellte Szenen. So oder so: die Substanzen müssen von hervorragender Qualität gewesen sein! Zwar neigt bekanntlich, wenn wir mal kurz Stereotype bemühen wollen, der typische Italiener generell zur großen Geste. Aber…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1960: und immer lockt der Fud

Immer in den geraden Jahren, wenn es den frankophonen Wallonen obliegt, den belgischen Eurovisionsbeitrag zu bestimmen, fallen die im Netz zum Vorentscheid auffindbaren Informationen eher spärlich aus. So auch 1960. Was wir wissen, ist, dass fünf Interpret:innen teilnahmen, darunter die 1958 als Grand-Prix-Repräsentantin Luxemburgs ausgewählte belgische Sängerin Solange Berry. Deren bekanntester (um nicht zu sagen: einziger bekannter) Hit ist das Lied 'Dis-moi quelque chose de gentil', welches sie zum Soundtrack des 1956er Skandalstreifens Und immer lockt das Weib (Et Dieu… créa la femme) beisteuerte, einem von der Kritik als "geiler Groschenroman" bezeichneten und von der Zensur massiv beschnittenen Kinofilm, mit dem der jungen französischen…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1960: Ich bau Dir kein Schloss

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1960: Ich bau Dir kein Schloss

Das französische Fernsehen neigt in Sachen Eurovision Song Contest seit jeher zur internen Auswahl seiner Repräsentant:innen. So verhielt es sich bereits im Jahre 1959, wo der damalige Sender TF1 (heute: France 1) den Wettbewerb selbst in Cannes organisierte, für das allerdings sämtliche Informationen zum Vorentscheid fehlen. Für 1960 liegt hingegen eine 38 Liedvorschläge umfassende Liste vor, aus welcher TF1 den Beitrag für London auswählte. Darunter befanden sich so hübsche Titel wie ‚Mademoiselle Tour Eiffel‘ oder das beschwingt-lautmalerische ‚Tique taque‘ der von der Presse gerne als "die nächste Edith Piaf" apostrophierten Pia Colombo (†1986). Generell lesen sich die Namen der angedachten Interpret:innen wie das Who is Who der damaligen frankophilen Grand-Prix-Welt.…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1959: Die Lys ist weg!

Con­cours Euro­vi­si­on 1959: Die Lys ist weg!

Etwas Ungeheuerliches musste geschehen sein. Stand die helvetische Konföderation vor einer inneren Zerreißprobe? Seit Anbeginn der Grand-Prix-Zeitrechnung (sprich: in den Jahren 1956 und 1957 traten beim schweizerischen Concours Eurovision stets drei Künstler:innen gegeneinander an, jeweils entsandt aus den drei verschiedenen Sprachregionen der Eidgenossenschaft, so dass niemand sich benachteiligt oder unberücksichtigt fühlen konnte. 1959 hingegen fand sich nicht ein einziges italienischsprachiges Canzone im Aufgebot. Und auch die für die Deutschschweiz bis dato immer verlässlich parat stehende und im Vorentscheid stets siegreiche Lys Assia blieb dem Bewerb unerklärlicherweise fern, obschon sie doch im Vorjahr mit dem fabelhaften 'Giorgio' ihren besten Grand-Prix-Beitrag abgeliefert…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1959: Ein biss­chen siegen

Natio­naal Song­fes­ti­val 1959: Ein biss­chen siegen

Nach dem (verdienten) letzten Platz für die Niederlande beim Eurovision Song Contest 1958 nahm der verantwortliche Sender einige Veränderungen vor am heimischen Vorentscheid, dem Nationaal Songfestival (NSF). Dem Vorbild Italiens folgend, präsentierte man die acht Wettbewerbsbeiträge daher in jeweils zwei unterschiedlichen Versionen, davon eine mit großem Orchester und eine in einer etwas zurückgenommeneren Variante. Die bisher übliche, für Manipulationen durch Fanclubs anfällige Abstimmung per Postkarte ersetzte der Sender durch eine frühe Art des Televotings: in zwölf Gemeinden der Tulpennation stimmten jeweils zehn handverlesene Zuschauer:innen telefonisch ab, deren Ergebnisse man als regionale Jurys zusammenfasste. Bei den am NSF teilnehmenden Künstler:innen hingegen…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1959: Piep piep piep, bit­te hab mich lieb

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1959: Piep piep piep, bit­te hab mich lieb

Es ist, so muss ich schweren Herzens hier berichten, hinsichtlich des belgischen Auswahlverfahrens zum Eurovision Song Contest doch oftmals ein ziemlich vages Stochern im historischen Nebel der Fünfzigerjahre, wohl nicht zuletzt aufgrund der kulturellen Zweiteilung des Landes. Während sämtliche Details über die wallonische Vorentscheidung des Vorjahres bis heute im Dunkeln liegen, ist über die flämische Vorauswahl des Jahres 1959 immerhin so viel bekannt, dass es zwei im Wochenabstand abgehaltene Vorrunden mit jeweils neun (vollständig verschollenen) Titeln gab, aus denen nur die beiden Siegersongs ins Finale gelangten. Bei dem einen handelte es sich um die 'Levenssymphonie' der "flämischen Doris Day", Josephine Leemans-Verbustel…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1959: Der Kuss des Todes

Dansk Melo­di Grand Prix 1959: Der Kuss des Todes

Das Schlagerpärchen Birthe Wilke und Gustav Winkler, das bereits 1957 den Premierenbeitrag des skandinavischen Landes beim Eurovision Song Contest präsentierte, dominierte auch den dritten Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) im Jahre 1959. Diesmal sangen die Zwei jedoch nicht gemeinsam, sondern konkurrierten solo. Außerdem intonierten sie jeweils ein Duett mit anderen Künstler:innen. Gustav paarte sich - rein musikalisch natürlich! - mit einer Dame mit dem schönen Namen Grete Klitgaard, zweifellos die dänische Bezeichnung für einen Keuschheitsgürtel. Birthe tat es hingegen mit dem Schauspieler und Sänger Preben Uglebjerg. Die beiden Letztgenannten versuchten es daneben ebenfalls solo, wobei Preben mit 'Latinersangen (Peblinge cha-cha-cha)' einen vom Songtitel her recht vielversprechenden…
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A Song for Euro­pe 1959: Die Baumschänder

A Song for Euro­pe 1959: Die Baumschänder

Nach einer einjährigen Schmollpause kehrte die BBC 1959 auf Initiative ihres neuen, eurovisionsaffinen Unterhaltungschefs Eric Maschwitz, der als Komponist 1956 selbst zwei Lieder zum damaligen, zu spät terminierten britischen Vorentscheid beigesteuert hatte, zum europäischen Wettbewerb zurück. Das schlichtweg British Final benannte Auswahlverfahren bestand diesmal aus zwei Vorrunden mit jeweils sechs Beiträgen, wobei die 1957 noch obligatorische orchestrale Zweitversion jedes Titels wegfiel. Die Sieger der Veranstaltung, das auch im echten Leben miteinander verheiratete Schlagerpärchen Pearl Carr und Teddy Johnson, schickten gleich zwei Beiträge ins Rennen, von denen 'That's it, that's Love' allerdings im Semi kleben blieb. Um so größer fiel die Zustimmung…
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San-Remo-Fes­ti­val 1959: Ver­span­nun­gen im Vatikan

San-Remo-Fes­ti­val 1959: Ver­span­nun­gen im Vatikan

Erfolg gebiert meist noch mehr Erfolg: nachdem 'Volare', der Vorjahressiegertitel des San-Remo-Festivals, in zahllosen Coverversionen weltweit die Hitparaden erobert hatte, wuchs die Zuschauer:innenzahl der diesjährigen, wiederum als Grand-Prix-Vorentscheid genutzten Festspiele des italienischen Canzone, die per Eurovision erneut in etlichen europäischen Ländern zur Ausstrahlung gelangte, auf geschätzte 20 Millionen. Auch in der ligurischen Kurstadt, so weiß Wikipedia zu berichten, stürmten Fans die Hotels und das städtische Kasino, in welchem der Wettbewerb damals stattfand. Der Rummel forderte mit San-Remo-Star Claudio Villa gar ein Opfer: renitente Autogrammjäger:innen belagerten ihn so hart, dass er sich eine Verrenkung der Schulter zuzog. Im Wettstreit mit alten…
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Melo­di­fes­ti­va­len 1959: Oh, ist das ein Mann

Melo­di­fes­ti­va­len 1959: Oh, ist das ein Mann

Heutzutage genießt das schwedische Melodifestivalen (MF) bei Fans einen fast unantastbaren Status als das Maß aller Dinge in Sachen Eurovisionsvorentscheidungen. Doch bis dahin war es ein weiter Weg, der 1959 mit einem ausgesprochen skurrilen und unnötig komplizierten Auswahlverfahren begann. Hatte es sich der Sender SVT bei seiner Grand-Prix-Premiere 1958 mit einer internen Nominierung noch ziemlich leicht gemacht, so betrieb man diesmal einen ungleich höheren Aufwand: in sage und schreibe acht (!) Radio-Vorrunden zu je zwei Liedern, die seit Oktober 1958 unter dem Namen Säg det med Musik: Stora Schlagertävlingen über den Äther gingen und bei denen die Zuschauer:innen per Briefwahl abstimmen durften, sammelte man…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1958: Ver­gam­mel­te Speisen

Dansk Melo­di Grand Prix 1958: Ver­gam­mel­te Speisen

Wenig Spannendes gibt es über den Dansk Melodi Grand Prix (DMGP) von 1958 zu berichten, den zweiten seiner Art. Das knutschende Vorjahresschlagerpärchen Birthe Wilke und Gustav Winckler nahm erneut am dänischen Eurovisionsvorentscheid teil, beide nicht zum letzten Mal. Den am vielversprechendsten klingenden, im Netz jedoch leider unauffindbaren Titel steuerte der hauptsächlich als Filmschauspieler in Erscheinung getretene Preben Neergaard bei: 'Mit gamle Hakkebræt' sollte keinesfalls als Protestsong gegen den vergammelten Hackbraten in der DR-Kantine zu verstehen sein, sondern als Lobgesang auf sein Instrument, die Zither (auch als Hackbrett bekannt). Sechs Beiträge traten insgesamt gegeneinander an, aus denen eine zehnköpfige Jury die besonders langweilige Ballade 'Ich reiße eine Seite aus meinem…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wolken

Natio­naal Song­fes­ti­val 1958: Über den Wolken

Gegen Corry Brokken schien Ende der Fünfzigerjahre einfach kein Kraut gewachsen zu sein! Zum dritten Mal in Folge trat sie beim niederländischen Nationaal Songfestival an, und zum dritten Mal in Folge setzte sie sich in der Publikumsabstimmung mit deutlichem Abstand durch. Erneut belegte sie sogar gleich die beiden ersten Plätze, denn jede:r der diesmal sechs Teilnehmer:innen durfte mit zwei Liedern antreten. Entweder war die 2016 Verstorbene, nicht zuletzt aufgrund ihres Siegs beim europäischen Wettbewerb in Frankfurt am Main im Vorjahr, damals tatsächlich die beliebteste Sängerin Hollands, oder sie verfügte über einen besonders gut organisierten Fanclub, der fleißig Abstimmungspostkarten für sie einschickte.…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bruder

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bruder

Nach dem aufwändigen und chaotischen französischen Vorentscheidungsverfahren von 1957 mit seinen zahlreichen Vorrunden und seinem Interpretinnenwechsel in letzter Minute stand in diesem Jahr der gallische Vertreter von vorneherein fest: der seinerzeit bereits 42jährige André Claveau, ein schon seit den Vierzigern im Lande sehr erfolgreicher und technisch versierter Pariser Schnulzensänger und Schlagerfilm-Mitwirkender, der sich durch seine samtene Stimme und seinen Hang zu schmalzigen Liedern besonderer Beliebtheit bei der weiblichen Zuhörerinnenschaft erfreute, wenngleich er selbst einer finnschwedischen Eurovisionsseite zufolge wohl dem eigenen Geschlecht zugeneigt gewesen sei. Was er, so der Journalist Tobson, im vergleichsweise toleranten "gay" Paris relativ offen ausleben konnte -…
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San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

Er sollte einen unsterblichen Welthit hervorbringen, dieser Jahrgang des San-Remo-Festivals, das erneut als italienische Eurovisionsvorentscheidung fungierte. Der bislang auch für die Inhalte zuständige Staatssender Rai legte die Organisation des Wettbewerbs nunmehr vollständig in die Hände des Tourismusbüros der ligurischen Kurstadt - schließlich verfolgte der festliche Event in erster Linie den Zweck der Fremdenverkehrswerbung - und beschränkte sich auf die Übertragung der Show. Inhaltlich blieb jedoch alles beim Alten: erneut gab es zwei Vorrunden mit je zehn Liedern, die jeweils von zwei meist arrivierten Künstler:innen unterschiedlich interpretiert wurden. Zehn davon schafften es ins Finale am Samstag. Darunter auch eine eingängige, ohrwurmhafte…
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