Internationale Vorentscheidungen

Sie sind das Salz in der Euro­vi­si­ons­sup­pe, die Spiel­wie­sen des ret­tungs­los schrä­gen Trashs, die Jagd­grün­de für Grand-Prix-Con­nais­seu­re, der hei­li­ge Gral aller Per­len­tau­cher: die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen, wo aus einem bun­ten Pot­pour­ri vom hoff­nungs­lo­sen Ama­teur bis zum hoch­glanz­po­lier­ten Schwe­den­schla­ger immer nur das Furcht­bars­te für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­aus­ge­sucht wird. 

San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

San-Remo-Fes­ti­val 1958: Heu­te blau und mor­gen blau

Er sollte einen unsterblichen Welthit hervorbringen, dieser Jahrgang des San-Remo-Festivals, das erneut als italienische Eurovisionsvorentscheidung fungierte. Der bislang auch für die Inhalte zuständige Staatssender Rai legte die Organisation des Wettbewerbs nunmehr vollständig in die Hände des Tourismusbüros der ligurischen Kurstadt - schließlich verfolgte der festliche Event in erster Linie den Zweck der Fremdenverkehrswerbung - und beschränkte sich auf die Übertragung der Show. Inhaltlich blieb jedoch alles beim Alten: erneut gab es zwei Vorrunden mit je zehn Liedern, die jeweils von zwei meist arrivierten Künstler:innen unterschiedlich interpretiert wurden. Zehn davon schafften es ins Finale am Samstag. Darunter auch eine eingängige, ohrwurmhafte…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Siebengescheiten

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1957: Die sechs Siebengescheiten

Frankreich, in den Gründerjahren des Grand Prix Eurovision eine der häufigsten Siegernationen und im Hinblick auf die damalige durchgängige Bestückung des Wettbewerbs mit möglichst frankophil klingenden Chansons stilistisch tonangebend, neigte bei der Auswahl seiner Wettbewerbsbeiträge (wie auch heutzutage noch) mit nur wenigen Ausnahmen meist zum internen Verfahren. Und obwohl bei der Eurovisionspremiere von 1956 vonseiten der EBU ein nationaler Vorentscheid vorgeschrieben gewesen sein soll, bestimmte der gallische Sender seine beiden ersten Repräsentantinnen Dany Dauberson (†1979) und Mathé Altéry auf eben diese Weise. Die letztgenannte, in Paris geborene Operettensängerin fand sich ebenfalls im Teilnehmer:innenkreis des bizarren Vorentscheidungsverfahrens von 1957 wieder, das unter dem Motto…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1957: Die Som­mer­nacht im schwu­len Paris

Belgien, das ist das Bosnien-Herzegowina Westeuropas: ein kulturell wie politisch unheilbar geteiltes Land, bestehend aus zwei sich gegenseitig mit tief sitzendem Misstrauen beäugenden Völkern (hier: die niederländisch sprechenden Flamen und die französisch parlierenden Wallonen), mehr schlecht als recht zusammengehalten von einem gemeinsamen Königshaus sowie von einer von niemandem so wirklich respektierten Bundesregierung, die stets am Rande der politischen Handlungsunfähigkeit dahinmanövriert. Dass noch keine Blauhelmsoldaten der UN einmarschieren mussten, verdankt der Beneluxstaat vor allem seiner finanziellen (und der daraus folgenden gesellschaftlichen) Stabilität sowie dem fein austarierten Proporz der Institutionen. So existieren neben zwei Regionalparlamenten auch zwei getrennte Rundfunkanstalten, der flämische Sender…
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Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pärchenlüge

Dansk Melo­di Grand Prix 1957: Die Pärchenlüge

Dansk Melodi Grand Prix (DMGP): so hieß der dänische Vorentscheid zum Eurovision Song Contest bei seiner Premiere im Jahre 1957, und so heißt er heuer noch immer. Damals wie heute bevölkerte fast ausschließlich Superseichtes den skandinavischen Wettbewerb, denn wie ihre südlichen Nachbarn, die Deutschen, mögen es auch die Dän:innen in ihrer breiten Masse musikalisch eher kantenlos und weichgespült. Während sich die kulturelle Einfallslosigkeit heutzutage meistens auf zehn mehr oder minder uniforme Beiträge und zehn Interpret:innen verteilt, wählte der veranstaltende Sender Dansk Radio (DR) damals lediglich zwei Künstler:innen aus, die sowohl gegen- als auch miteinander antraten. Die junge Kopenhagenerin Birthe Wilke stellte…
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A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

A Song for Euro­pe 1957: Das klei­ne Ding, das gött­lich singt

1956, im ersten Jahr des von der BBC mitinitiierten Eurovision Song Contests, konnten die Briten aus organisatorischer Unfähigkeit nicht an den europäischen Festspielen teilnehmen. Zwar hielten auch sie einen am Vorbild des italienischen San-Remo-Festivals orientierten Liederwettbewerb ab. Doch das mit zahlreichen Vorrunden versehene Festival of British popular Songs ging bizarrerweise erst am 22. Oktober 1956 zu Ende, mithin fünf Monate zu spät für den ESC. Und obschon mit Petula Clark ein erfolgreicher Kinderstar daran teilnahm, brachte es nicht einen einzigen Hit hervor. Nur drei Monate später, am 22. Januar 1957, startete die BBC dennoch unverdrossen die zweite Ausgabe des Formates. Welches…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Con­cours Euro­vi­si­on 1957: Für zwei Gro­schen Musik

Wie in den Niederlanden setzte man in den späten Fünfzigerjahren auch in der Eidgenossenschaft auf Kontinuität beim Eurovisionsvorentscheid. Wie bereits 1956 traten erneut drei Künstler:innen (je eine:r pro Landesteil) mit insgesamt elf Titeln zum Vorsingen an. Dabei schickte die Romandie, wie noch so oft, erneut Jo Roland, der 'Avec vingt Sous', mit 20 Pfennigen also, im Hochpreisland Schweiz nicht sehr weit kam. In Deutschland hätte das zumindest für einen Wunschtitel in der Jukebox gereicht, denn dort bekam man bekanntlich 'Für zwei Groschen Musik'! Der Sender des deutschsprachigen Teils delegierte wiederum die Vorjahressiegerin Lys Assia, die mit ganzen fünf Beiträgen den Abend komplett…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Messerwerfer

Natio­naal Song­fes­ti­val 1957: Iwan, der Messerwerfer

Business as usual bereits im zweiten Jahr des niederländischen Eurovisionsvorentscheides, dem Nationaal Songfestival: erneut traten vier Künstler:innen gegeneinander an, die wie schon im Vorjahr jeweils zwei Lieder vortragen durften; erneut stimmte in vorbildlich demokratischer Weise das Publikum per Postkartenzuschrift über das Ergebnis ab; erneut kam die Sendung aus den AVRO-Studios in Hilversum und erneut führte Karin Kraaykamp durch den Abend. Mit der Sängerin Corry Brokken fand sich sogar eine der Teilnehmerinnen des Vorjahres erneut im Line-up, und erneut (!) machte sie das Rennen. Und zwar mit der so geschmack- wie dezent schwungvollen Ballade 'Net als toen', die in Frankfurt am…
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San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Entkommen

San-Remo-Fes­ti­val 1957: Kein Entkommen

Das wohlmeinende Experiment war gescheitert: hatte man 1956 beim San-Remo-Festival, dem auch als italienischen Vorentscheid genutzten ligurischen Musikfestival, die etablierten Sänger:innen mit den großen Namen außen vor gehalten, um dem musikalischen Nachwuchs eine Chance zu geben, so holte der verantwortliche Sender Rai aufgrund des ausgesprochen geringen öffentlichen Zuspruchs bereits ein Jahr später die Stars wieder zurück. Es gab zwei Vorrunden mit jeweils zehn Titeln, von denen sich jeweils die Hälfte per Jury-Entscheid für das samstägliche Finale qualifizierte. So jedenfalls die Planung. Tatsächlich flog in den Semis in letzter Sekunde noch das Lied 'La cosa più bella' heraus, da es sich…
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Con­cours Euro­vi­si­on 1956: Auf­tritt einer Legende

Con­cours Euro­vi­si­on 1956: Auf­tritt einer Legende

Die Schweiz beherbergt in ihrer zweitgrößten Gemeinde Genf den Hauptsitz der europäischen Rundfunkunion EBU, welche bekanntlich 1955 den Eurovision Song Contest aus der Taufe hob. Dessen Premiere ging 1956 ebenfalls in der Eidgenossenschaft über die Bühne, und zwar in Lugano im malerischen Tessin. Kein Wunder also, dass das Land sich selbst gerne als ideelle Heimat des Grand Prix beschreibt. Und um so erstaunlicher, dass die Geschichtsschreibung hinsichtlich der Details der helvetischen Vorentscheidungen der Fünfzigerjahre ziemlich im Trüben fischt. Für die Erstveranstaltung ist immerhin soviel bekannt, dass die Vorauswahl wenige Wochen vor dem internationalen Wettbewerb als Radio-Liveshow in Lausanne stattfand. Drei Künstler:innen…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüdelüdelü

Natio­naal Song­fes­ti­val 1956: Tüdelüdelü

Für gesellschaftliche Progressivität sind die Niederlande bekannt, und zwar nicht erst seit der Institutionalisierung von Coffeeshops und der damit einhergehenden Teillegalisierung von Marihuana oder seit der Einführung der Homo-Ehe im Jahre 2001, damals als erster Staat weltweit. So nimmt es wenig Wunder, dass es dem holländischen Sender NTS als einziger der sieben an der Erstausgabe des Eurovision Song Contests von 1956 teilnehmenden TV-Stationen vorbehalten blieb, seinen Vorentscheid, das Nationaal Songfestival (NSF), nach demokratischen Maßstäben zu organisieren und dem Publikum als maßgeblichem Richter die Entscheidung zu überlassen, welche:n der drei angetretenen Künstler:innen und ihrer insgesamt acht Lieder es nach Lugano delegieren…
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San-Remo-Fes­ti­val 1956: Die Wur­zel alles Guten

San-Remo-Fes­ti­val 1956: Die Wur­zel alles Guten

Auch wenn sich sowohl Irland - die Nation mit den meisten Grand-Prix-Siegen - als auch die Schweiz gerne mal den selbst verliehenen Titel "Heimat des Eurovision Song Contest" an die Brust heften, so steht die kulturelle Wiege unseres Lieblingsevents tatsächlich in Italien. Genauer gesagt in der ligurischen Kurstadt San Remo: dort fand im Februar 1951 erstmalig das Festival della Canzone italiana statt, ein nationaler, von Anfang an live im Radio übertragener Liederwettstreit, der im Lande rasch eine hohe Gunst genoss. Bereits mit ihrer fünften Ausgabe brachte das italienische Staatsfernsehen Rai im Jahre 1955 die im deutschsprachigen Raum als San-Remo-Festival bekannte…
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