Internationale Vorentscheidungen

Sie sind das Salz in der Euro­vi­si­ons­sup­pe, die Spiel­wie­sen des ret­tungs­los schrä­gen Trashs, die Jagd­grün­de für Grand-Prix-Con­nais­seu­re, der hei­li­ge Gral aller Per­len­tau­cher: die natio­na­len Vor­ent­schei­dun­gen, wo aus einem bun­ten Pot­pour­ri vom hoff­nungs­lo­sen Ama­teur bis zum hoch­glanz­po­lier­ten Schwe­den­schla­ger immer nur das Furcht­bars­te für den inter­na­tio­na­len Wett­be­werb her­aus­ge­sucht wird. 

Nie­der­lan­de 2020: The Boy from Paramaribo

Nie­der­lan­de 2020: The Boy from Paramaribo

Zehn Tage ist das neue Jahr alt, und schon ist der erste Neujahrsvorsatz gebrochen: an sich wollte ich über reine Kandidatennominierungen nicht mehr berichten, so lange der Beitrag noch nicht feststeht. Doch heute bestätigte der niederländische Sender AVROTROS, dass der Sänger Jeangu Macrooy das gastgebende Land in Rotterdam vertritt. Und setzt damit, passend zum Contestmotto "Open up", auch ein Zeichen für Diversität: denn Macrooy ist schwarz - und schwul. Der Endzwanziger kam 1993 in dem südamerikanischen Staat Suriname zur Welt, einer erst seit 1975 unabhängigen früheren niederländischen Kolonie. Wie das Portal queer.de unter Bezug auf eine dpa-Meldung berichtet, sei er…
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Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rotterdam

Can’t get him out of my Head: Geor­gi­en schickt Tor­ni­ke Kipia­ni nach Rotterdam

Den Silvesterabend 2019 wählte das georgische Fernsehen als prominenten Sendeplatz für das Finale der aktuellen Staffel der Castingshow Sakartvelos Varskvlavi, hierzulande bekannt als DSDS. Spannungsarm ging diese zu Ende: wie bereits in ausnahmslos allen vorangegangenen Runden setzte sich der 32jährige Tornike Kipiani auch im Finale spielend gegen drei verbliebene Konkurrent/innen durch und vertritt damit das Kaukasusland beim Eurovision Song Contest 2020. Sein Beitrag für Rotterdam steht allerdings noch nicht fest: die Show diente heuer nur zur Ermittlung des Interpreten. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man spekuliert, dass es laut und düster werden dürfte, denn…
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Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

Fes­ti­va­li i Kën­gës 2020: Ein lau­ter Schrei nach Liebe

'Shaj' ('Schrei'), so heißt der albanische Eurovisionsbeitrag für den Eurovision Song Contest 2020 in Rotterdam. Und genau so klingt er. Dass man in Tirana nach dem letztjährigen, zaghaften Experiment mit einem moderat aufgefrischten Festivali i Këngës wieder zum klassischen Format mit verpflichtender Orchesterbegleitung und ausschließlichem Juryentscheid zurückkehrte, wies bereits den Weg: folgerichtig wählte man auch beim Beitrag ein altbekanntes Konzept, nämlich das der dissonant kreischenden Frau. Die heißt heuer Arilena Ara, stammt (wie Rona Nishliu) gebürtig aus dem Kosovo und gewann 2013 die Castingshow X-Factor. Die dort gelernten Lektionen beherzigte sie denn auch bei ihrem siegreichen FiK-Auftritt: es kommt nicht…
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Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2020

Ein Greis im Laber­flash: die FiK-Semis 2020

Nichts geht doch über das lieb gewonnene Vorweihnachtsritual des Festivali i Këngës (FiK)! Bereits zum 58. Mal findet das traditionsreiche, wie der Eurovision Song Contest selbst am Vorbild des italienischen San-Remo-Festival geschulte Liederfest heuer statt und dient erneut als Vorentscheid für Rotterdam. Nach einem ebenso halbherzigen wie umstrittenen Modernisierungsversuch mittels einer Halbplaybackrunde kehrte der albanische Sender RTSH diesmal flugs zur altgewohnten Ausrichtungsform mit klassischem, großem Rundfunkorchester und zwei Qualifikationsrunden zu je zehn Kombattant/innen zurück. Ebenso traditionell auch die jeweils (!) fünfundvierzigminütige (!!) Verspätung, mit der beide (!!!) Semis sowohl am Donnerstag als auch am Freitag starteten und die RTSH mit…
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Bul­ga­ri­en 2020: Unsub­stan­ti­al Blues

Bul­ga­ri­en 2020: Unsub­stan­ti­al Blues

Die 22jährige Victoria Georgieva wird beim Eurovision Song Contest 2020 Bulgarien vertreten, wie der verantwortliche Sender BNT heute annoncierte. Bekanntheit erlangte die intern bestimmte Repräsentantin durch ihre Teilnahme an der Castingshow X Factor Bulgaria, wobei sie sich durch Beharrlichkeit auszeichnete: schon bei der Erstausstrahlung des Formats in ihrem Heimatland im Jahre 2011 bewarb sie sich, schaffte es aber - auch aufgrund ihres Alters - nicht in die Sendung. Was sie nicht davon abhielt, es so lange immer wieder zu versuchen, bis sie Ende 2015 in der vierten Staffel endlich antreten durfte. Übrigens unter Jurorenschaft von Lucy Diakovska von den No…
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Vid­bir 2020 mit Krim-Klausel

Vid­bir 2020 mit Krim-Klausel

Wie esctoday heute unter Bezugnahme auf den ukrainischen Staatssender UA:PBC mitteilt, implementiert dieser in die Teilnahmebedingungen für seinen nationalen Eurovisionsvorentscheid Vidbir eine Ausschlussregel für Künstler*innen, die mit dem verfeindeten Russland kollaborieren. An der Vidbir teilnehmen darf nur noch, wer seit 2014 nicht im Gebiet der Föderation aufgetreten ist oder dort aufzutreten beabsichtigt. Auch eine Reise auf die Halbinsel Krim seit ihrer Annexion durch Russland stellt ein Ausschlusskriterium dar. UA:PBC reagiert damit auf das Debakel um den diesjährigen Vorentscheid, das zu einem Rückzug des Landes vom Wettbewerb in Tel Aviv führte, nachdem die Siegerin Maruv sich weigerte, im Nachgang zu ihrer…
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Spa­ni­en 2020: How loo­ks the Trumpet

Spa­ni­en 2020: How loo­ks the Trumpet

Sein Vorname bringt in mir unweigerlich den präpubertären Zehnjährigen zum Kichern: gestern gab das spanische Fernsehen bekannt, dass der 27jährige Blas (hihihi) Cantó Moreno beim Eurovision Song Contest 2020 die iberische Halbinsel vertreten wird. Der schmucke junge Mann versucht bereits seit 15 Jahren vergebens, sein Land zu repräsentieren: 2004 bewarb er sich zum ersten Mal, damals noch für den Junior-ESC, scheiterte aber im Vorentscheid. Dasselbe Schicksal ereilte ihn 2011, wo er es als Teil der populären Boyband Auryn zwar ins Superfinale der Destino Eurovisión schaffte, dort aber den Kürzeren gegen Lucía Pérez zog. Diesmal verzichtete der Sender RTVE vorsichtshalber gleich…
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Sonn­tag ist Song­tag: die letz­ten Lie­der für Tel Aviv

Sonn­tag ist Song­tag: die letz­ten Lie­der für Tel Aviv

"Lieder, Lieder, die letzten Lieder hier! Der absolute Hauptgewinn ist hier in dieser Dose drin!" Oh, sorry, da ist es angesichts der in Kürze drohenden Nach-Vorentscheids-Eurovisions-Zwischendepressions-Phase wohl ein wenig mit mir durchgegangen. Bemühen wir uns um einen etwas sachlicheren Ton: von den insgesamt 41 Beiträgen für den Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv kannten wir bis gestern 38, die restlichen drei kamen am heutigen Sonntag hinzu. Darunter auch der Heimbeitrag des Gastgeberlandes Israel, dargeboten von dem in einer Castingshow ausgewählten, ausgebildeten Opernsänger Kobi Marimi. Dessen clever 'Home' betitelte Ballade sollte eigentlich als letzte des Tages veröffentlicht werden, sickerte jedoch…
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Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Melo­di­fes­ti­va­len 2019: I belie­ve I can fly

Wer hat an der Uhr gedreht? Mit dem Finale des schwedischen Melodifestivalen ging am gestrigen Samstagabend bereits die letzte öffentliche Vorentscheidung der Saison 2019 über die Bühne. Trotz - oder vielmehr wegen - des erneut geänderten Auszählungsverfahrens im Televoting, das die Stimmen des Publikums nunmehr nach verschiedenen Altersklassen gewichtet und damit den starken Einfluss der netzaffinen Jugend zurückdrängt, die seit der Einführung der Voting-App ihre Punkte gleichmäßig auf sämtliche Titel verteilte und damit die Entscheidungsgewalt faktisch in die Hände der Jury legte, geriet die Votingsequenz des MF 2019 zur langweiligsten seit Menschengedenken. Der bereits vorab in allen Umfragen stark favorisierte…
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Das Bes­te und die Res­te: mehr Lie­der für Tel Aviv

Das Bes­te und die Res­te: mehr Lie­der für Tel Aviv

Mit Riesenschritten nähern wir uns dem Ende der Vorentscheidungssaison 2019. Mit dem Finale des schwedischen Melodifestivalen steht an diesem Samstag der letzte öffentliche Vorentscheid an. Ausgerechnet all jene Nationen, die zu faul oder zu geizig waren, einen solchen zu organisieren, haben sich nun verabredet, Fans und Eurovisionsblogger in den Stressinfarkt zu schicken, in dem sie all ihre - teils seit vielen Wochen im Tresor gebunkerten - Beiträge mehr oder minder gleichzeitig veröffentlichten. Den Beginn in unserer kleinen Werkschau macht das mittlerweile auch vonseiten der EBU offiziell umbenannte Nordmazedonien, das als einzige der beteiligten Nationen einen validen Grund vorweisen kann, seinen…
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San Mari­no 2019: Die Legen­de ist zurück!

San Mari­no 2019: Die Legen­de ist zurück!

Was haben wir darauf gewartet! Seit der sanmarinesische Sender SMRTV zum Jahreswechsel verkündete, nach dem krachend gescheiterten Experiment mit der crowdfinanzierten öffentlichen Vorentscheidung des Vorjahres wieder zur bewährten internen Auswahl zurückzukehren und mit einem "internationalen Künstler" zu arbeiten, der sich Ende Januar 2019 als Serhat Hacıpaşalıoğlu entpuppte, wartete die Grand-Prix-Gemeinde mit angehaltenem Atem auf die Veröffentlichung seines Beitrags für Tel Aviv. Gestern früh leakte der Song erstmalig, und zur Mitternacht erfolgte dann der Release des offiziellen Videoclips. Selbstredend enttäuscht uns Serhat nicht und liefert mit 'Say na na na' exakt das ab, wonach die Fans lechzen: nach einem durch und…
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Bela­rus­si­scher Vor­ent­scheid 2019: Hit me Baby, one more Time

Bela­rus­si­scher Vor­ent­scheid 2019: Hit me Baby, one more Time

Das muss man dem weißrussischen Sender BTRC wirklich lassen: er schafft es, seine nationale Eurovisions-Vorentscheidung jedes Jahr auf eine andere Weise absurd aufzuziehen und dabei die hohe Kunst der Schiebung völlig ungeniert vor unser aller Augen zu zelebrieren. Diesmal schloss man das Publikum zur Sicherheit komplett vom Voting aus und legte das Schicksal der zehn angetretenen (bzw. ausgewählten) Kandidat/innen in die Hände einer siebenköpfigen Jury unter Mitwirkung von Koldun, die ihre Voten direkt im Anschluss an den Auftritt verteilte. Zehn Punkte durfte jede/r Juror/in jedem Act maximal geben, sieben waren offensichtlich das Minimum: weniger als das erhielt gestern Abend niemand.…
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Zypern 2019: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Zypern 2019: Feu­er brennt doch auch in dir drin

Dem Eurovisionssieg so nah wie 2018 war Zypern noch nie: mit dem beeindruckend vorgetanzten, fluffig-leichten Pop-Stampfer 'Fuego' erreichte Eleni Foureira in Lissabon mit dem zweiten Platz das bislang beste Ergebnis des zweigeteilten Mittelmeer-Eilandes. Warum also nicht die selbe Rezeptur noch einmal anwenden? Als zyprische Vertreterin stand die in Georgien geborene griechische Sängerin Tamta Goduadze bereits seit Ende Dezember 2018 offiziell fest. Seither warf man perpetuell mit kleinsten Informationsbröckchen (Titel, Komponist, Teaser, Veröffentlichungsdatum, Verschiebung des Veröffentlichsdatums) um sich: eine von immer mehr Ländern verfolgte und unglaublich nervige Strategie, um permanent in den sozialen Medien präsent zu sein. Heute Abend nun stellte…
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O Melo­di pen­tru Euro­pa 2019: ohne DoRe­Dos nix los

O Melo­di pen­tru Euro­pa 2019: ohne DoRe­Dos nix los

Vom vergangenen Samstag gilt es noch das Ergebnis des moldawischen Vorentscheids O Melodi pentru Europa nachzureichen. Gerade mal 28 Bewerbungen erreichten die nationale Sendeanstalt TRM hierfür, zwei Titel sortierte man wegen fragwürdiger Inhalte sofort aus. 26 Interpret/innen lud man zum traditionellen Vorsingen am Mittag des 2. Februar 2019, und die Ausbeute muss dermaßen katastrophal gewesen sein, dass TRM das ursprünglich eingeplante Semifinale strich und lediglich zehn Songs direkt zum Finale zuließ. Das verlegte der Sender dann dummerweise vom ursprünglich geplanten Sonntag auf den bereits mit Konkurrenzveranstaltungen zum Bersten gefüllten letzten Supersamstag der Saison, so dass die Veranstaltung praktisch unter Ausschluss…
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Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Beo­vi­zi­ja 2019: Das schlägt dem Fass die Kro­ne ins Gesicht

Neben Nordmazedonien, Russland, San Marino und Ungarn schickt nun auch Serbien eine Rückkehrerin zum Eurovision Song Contest 2019 nach Tel Aviv: bereits vor sechs Jahren stand Nevena Božović in Malmö auf den Brettern, die die Welt bedeuten; seinerzeit als Teil des unmittelbar nach dem Wettbewerb wieder aufgelösten Trash-Trios Moje 3 mit ihrer Alle-meine-Entchen-Melodie 'Ljubav je svuda', das vermutlich auch dank der grausam entstellenden Klamottenwahl der drei serbischen Liebchen im Semifinale ausschied. Modisch hat sich die erschreckend dünne Nevena, die zur Sicherheit stets eine ganze Batterie von Vomitierspateln am Arm und um den Hals mit sich führt, um bei bulimischen Fressanfällen…
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Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2019: Fly­ing the Flag

Sakart­ve­los Vars­kv­la­vi 2019: Fly­ing the Flag

Ein "streng patriotisches" Lied über die "Stärke Georgiens" und dem Wunsch nach einem "Ende des Krieges und der Konflikte", so die Beschreibung des Kaukasus-Korrespondenten von Wiwibloggs, gewann gestern Abend im Finale von Sakartvelos varskvlavi (Georgien sucht den Superstar) das Ticket nach Tel Aviv. Die seit Monaten laufende Castingshow fand mit vier verbliebenen Kandidat:innen ihren Abschluss, welche sich lediglich drei Lieder teilen mussten: sowohl der ausgesprochen niedliche Giorgi Nakashidze als auch der in seinen zirka vier Nummern zu großen Klamotten und mit Manbun eher nach einem Obdachlosen als nach einem Hipster aussehende Jazzsänger Oto Nemsadze brachten die siegreiche, von einem massiven…
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Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2019: Das Sandstürmchen

Uuden Musii­kin Kil­pai­lu 2019: Das Sandstürmchen

Die wohl vorhersehbarste und irgendwie auch überflüssigste Vorentscheidung fand am gestrigen Samstag im finnischen Ort Turku statt. Wie schon im Vorjahr gab es bei der UMK nur einen bereits seit einiger Zeit bekannten Interpreten, nämlich den EDM-DJ und -Produzenten Ville Virtanen alias Darude, dessen bekanntester Hit 'Sandsturm' nun knapp zwanzig Jahre zurück liegt. Auch die drei zur Auswahl stehenden Songs kannte man bereits, hatte das finnische Fernsehen diese doch in den zurückliegenden Wochen im Siebentageabstand veröffentlicht. So stand im Grunde das Ergebnis bereits im Vorfeld fest, denn dass unter den drei allesamt sehr schwachen Beiträgen der zuletzt releaste Track 'Look…
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Fes­ti­val da Can­ção 2019: Neu­es aus dem Funkloch

Fes­ti­val da Can­ção 2019: Neu­es aus dem Funkloch

Acht Acts traten an im gestrigen Finale des portugiesischen Festival da Canção, übriggeblieben aus doppelt so vielen Semifinalist:innen. Und dennoch drehte sich der ganze Abend nur um einen einzigen Künstler und die Frage, ob er es schaffen wird, die Stimmen des Publikums und der Jurys zu gewinnen. Er schaffte es: Tiago Miranda oder, wie wir ihn kennen, Conan Osíris führte am Ende mit zweimal Douze Points das Feld klar an. Alles andere hätte sicherlich auch zu tumultartigen Szenen geführt, schließlich erhielten der gebürtige Lissabonner und sein absolut anmutiger Tänzer João Reis Moreira als einzige der Teilnehmer/innen stehende Ovationen im Saal.…
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Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Melo­di Grand Prix 2019: The Spi­rits are cal­ling your Name

Zehn Songs, drei Abstimmungsrunden und das von Anfang an erwartete Ergebnis: das norwegische Fernsehen NRK zeigte am gestrigen Abend mal wieder, wie man einen nationalen Vorentscheid mit einem klaren Ausgang dennoch unnötig in die Länge ziehen kann. Trotz aller Manipulationsversuche durch die internationale Jury gewann am Ende des unterhaltsamen Abends, wie allgemein vorhergesagt und völlig zu Recht das Trio Keiino mit dem eingängigen Grand-Prix-Disco-Tanzflächenfüller 'Spirit in the Sky', der uptemporäre Drums, einen supersüffigen Refrain und auf samisch gejoikte Ethno-Verzierungen zu einem Gesamtkunstwerk aus dem Lehrbuch für Eurovisionsschlager verbindet. Das eigens für den Melodi Grand Prix gebildete Projekt Keiino besteht aus…
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Söng­va­kepp­nin 2019: Til haming­ju Ísland

Söng­va­kepp­nin 2019: Til haming­ju Ísland

Endlich! Das wurde aber auch Zeit! Nachdem in der Vorentscheidungssaison 2019 bis auf seltene, einzelne Ausnahmen bislang eine tragische Fehlentscheidung die nächste jagte und sich das Feld fast ausschließlich mit drögem Mist füllte, gelang es am gestrigen, letzten Supersamstag gleich drei Nationen, den aktuellen Jahrgang gemeinschaftlich doch noch zu retten. Zuvorderst zu loben sind natürlich die Isländer/innen, seit gestern Abend offiziell das coolste, klügste und schönste Völkchen der Erde, in deren Händen gewissermaßen die Zukunft des Eurovision Song Contest lag. Und sie wählten ausnahmsweise einmal weise: das aus den Mitgliedern Einar Hrafn Stefánsson, Klemens Nikulásson Hannigan und Matthías Tryggvi Haraldsson…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: die ser­bi­sche Strickliesel

Per­len der Vor­ent­schei­dung: die ser­bi­sche Strickliesel

Bevor der heutige letzte Supersamstag der Vorentscheidungssaison 2019 unsere letzten Kraftreserven fordert, gilt es noch, die beiden Semifinale der serbischen Beovizija Revue passieren zu lassen, die am Mittwoch und Donnerstag dieser Woche über die Bühne gingen und die sich über weiteste Strecken in einer schier unglaublichen Nostalgie ergingen. Während man nämlich die jeweils 12 Kombattant/innen je Runde, von denen die Hälfte ins Finale passieren durfte, in einer knappen Dreiviertelstunde Schlag auf Schlag durch das Programm prügelte, unterbrochen nur von kaum einminütigen Einspielern (sieh und lerne, NDR!) füllte der Sender RTS die verbliebenen mehr als zwei Stunden Sendezeit bis zum Bersten…
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Bel­gi­en 2019: Song zum Wach­wer­den gesucht

Bel­gi­en 2019: Song zum Wach­wer­den gesucht

Heute präsentierte der wallonische Sender RTBF den Beitrag Belgiens zum Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv. Der Interpret steht schon länger fest: der 18jährige Eliot Vassamillet, der außer seiner wenig erfolgreichen Teilnahme an The Voice Belgique bislang noch nicht weiter in Erscheinung trat, singt die von Pierre Dumoulin ('City Lights') komponierte Nummer 'Wake up'. Die beginnt recht vielversprechend mit einer sphärischen, leicht düsteren Elektro-Fläche und zerbrechlich-rauem Gesang in der Strophe. Im Pre-Chorus zieht das Tempo dann sogar noch ein bisschen an und erweckt - passend zum Songtitel - die in diesem Jahrgang beinahe schon beerdigt geglaubte Hoffnung auf einen…
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Dansk Melo­di Grand Prix / A Dal 2019: Was kann der Sigis­mund dazu, dass er so schwul ist?

Dansk Melo­di Grand Prix / A Dal 2019: Was kann der Sigis­mund dazu, dass er so schwul ist?

Nach all der Aufregung um die Ukraine kehren wir in ruhigere Fahrwasser zurück und handeln rasch die beiden noch liegengebliebenen, eher zweitrangigen nationalen Vorentscheide vom vergangenen Samstag ab, nämlich das Dansk Melodi Grand Prix und das ungarische A Dal. In ersterem setzte sich die 20jährige Eiskunstläuferin und Sängerin Leonora Jepsen im Superfinale des dänischen Vorentscheids mit 42% der Anrufe gegen die Konkurrenz durch. Ihr völlig harmloses und grundegales La-La-Liedchen 'Love is forever', dessen Auftakt leider frappant an die Bestie in Schlagergestalt erinnert, das unerträgliche 'Lemon Tree' der Pforzheimer Kapelle Fools Garden, verbreitet seine lyrischen Plattitüden gleich in vier Sprachen: im…
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Vid­bir 2019: Komm doch mal rüber

Vid­bir 2019: Komm doch mal rüber

Ist das herrlich: nuttiger Trash, schmutzige Politik, Aufregung, Drama, Ränkespiele und ein stürmischer Rückzug - so kennen und so lieben wir die Ukraine! Seit dem Finale des Vorentscheids Vidbir am vergangenen Samstag überschlagen sich dort die Ereignisse und haben mit der heute verkündeten Suspendierung der Siegerin durch den Sender UA:PBC nun ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden. Doch der Reihe nach: gegen den Willen der dreiköpfigen Jury gewann vor knapp 48 Stunden die Sängerin Hanna Korsun unter ihrem Bühnennamen Maruv aufgrund des klaren Plazets des ukrainischen Publikums die Vidbir. Und zwar mit einem gräuslich gesungenen, aber erfrischend billig bollernden Uptempo-Trasher mit dem…
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Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps tonight

Euro­vi­zi­jos 2019: The Lions sleeps tonight

Zahlreiche Ergebnisse sind noch nachzureichen vom vergangenen Wochenende, wo am Samstag in gleich vier Ländern nationale Finale stattfanden. In den meisten von ihnen, in denen bereits diverse Vorrunden und Semis vorausgingen, passierte dabei allerdings nichts bahnbrechend Neues mehr. So beispielsweise in Litauen, wo sich die heuer verhältnismäßig kurz gehaltene Nacionalinė Eurovizijos Atranka in die Endrunde schleppte. Die gute Nachricht: die perfide Strategie der Sängerin Monika Marija Paulauskaitė, welche die Vorrunden mit zwei sehr ähnlichen Powerballaden verstopfte, um ihre Chancen zu erhöhen, und kurz vor dem vorgestrigen Finale eine davon unter Inkaufnahme einer Geldstrafe wegwarf, ging nicht auf. Die Litauer/innen bescherten…
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