Songfinale

Will ein:e Senderverantwortliche:r ihre/seine Lieblingsinterpret:in als nationale:n Repräsentant:in für den ESC gegen die hei­mi­schen Zuschauer:innen durch­set­zen, im Fal­le eines schlech­ten Ergeb­nis­ses aber nicht in der Ver­ant­wor­tung ste­hen, wählt sie/er die­ses For­mat: hier tritt nur ein Act mit meh­re­ren mög­li­chen Titeln an.

Gerührt, nicht geschüt­telt: Con­chi­ta Wurst gibt uns das Bond-Girl

Gerührt, nicht geschüt­telt: Con­chi­ta Wurst gibt uns das Bond-Girl

Als erste Teilnehmerin für den Eurovision Song Contest 2014 nominiert, spannte uns die österreichische Vertreterin Conchita Wurst hinsichtlich ihres Beitrags am längsten auf die Folter: heute früh erst, bereits nach dem offiziellen Abgabetermin, veröffentlichte der ORF ihren Song für Dänemark. Das Warten hat sich gelohnt: das unter anderem von dem Deutschen Ali Zuckowski komponierte 'Rise like a Phoenix' ist eine klassische James-Bond-Ballade von der ersten bis zur letzten Sekunde, verschwenderisch orchestriert und dramatisch aufgebaut, mit viel Raum für große, shirleyeske (Bassey, nicht Clamp) Noten, die Conchita ansprechend meistert. Selbstredend handelt der vom US-Amerikaner Charly Mason verfasste Text von Transformation und…
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Ein Lied für Mill­street 1993: Wer nichts fühlt, ist tot

Ein Lied für Mill­street 1993: Wer nichts fühlt, ist tot

Nach dem Null-Punkte-Fiasko mit dem Schlager 'Venedig in Regen' beim Eurovision Song Contest 1991 in Rom und dem daraufhin erstmals in der österreichischen Contestgeschichte erfolgten 'Hurricane' in der heimischen Medienlandschaft griff der Sender ORF im darauffolgenden Jahr zu einem scheinbar bewährten Verfahren zurück und bestellte erneut einen Beitrag beim deutschen Poptitan Dieter Bohlen, der dem Land bereits 1989 mit dem von ihm verfassten 'Nur ein Lied' ein gutes Ergebnis verschafft hatte. Als Interpret beauftragte man den Zweitplatzierten des letzten Vorentscheids, den Burgenländer Tony Wegas. Der erwies sich beim Wettbewerb in Malmö der im Refrain mehrsprachigen Powerballade 'Zusammen gehn' als durchaus…
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Öster­reich 1981: Alles fad und leer

Öster­reich 1981: Alles fad und leer

"Dem Sänger wurde auch weiter das Vertrauen ausgesprochen," so skizziert die Autorin Christine Ehrhardt in dem sehr lesenswerten Sammelband Eurovision Song Contest: Eine kleine Geschichte zwischen Körper, Geschlecht und Nation die Stimmung in den österreichischen Medien im Vorfeld des allerersten öffentlichen Grand-Prix-Vorentscheids unserer wunderbaren Nachbarnation im Frühjahr 1981. Bei dem dergestalt Vertrauenswürdigen handelte es sich um den damaligen Twen Marty (gebürtig: Martin) Brem, der im Vorjahr beim Wettbewerb in Den Haag als Teil der eigens für den Contest zusammengestellten Retortenformation Blue Danube ('Du bist Musik') gemeinsam mit Marc Berry und weiteren Mitstreiterinnen den achten Rang ersungen hatte: nicht das bislang…
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Natio­naal Song­fes­ti­val 1971: Die Zeit macht nur vor dem Teu­fel halt

Natio­naal Song­fes­ti­val 1971: Die Zeit macht nur vor dem Teu­fel halt

Die mehr als fischige Abstimmung beim niederländischen Vorentscheid von 1970, wo eine fünfköpfige nationale Jury eine zweite, internationale, überstimmte, in dem sie all ihre Voten auf einen einzigen Act vereinte, hatte beim heimischen Publikum verständlicherweise für große Empörung und für naheliegende Bestechungsvorwürfe gesorgt. Wohl, um solch einem erneuten Eklat zu entgehen, aber auch, weil sich das Format beispielsweise für die Briten als überaus erfolgreich erwies, stellte das niederländische Fernsehen das Nationaal Songfestival ab 1971 auf eine reine Songauswahl mit fix gesetzten Interpreten um. Und was läge näher, als das im Vorjahr düpierte Folkschlagerpärchen Saskia & Serge mit einer Direktnominierung für…
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A Song for Euro­pe 1971: Das machen nur die Bei­ne von Dolores

A Song for Euro­pe 1971: Das machen nur die Bei­ne von Dolores

Auch nach dem frühen Tod des BBC-Unterhaltungschefs und Eurovisionsverantwortlichen Tom Sloan kurz nach dem Contest von 1970 im Alter von 50 führte sein Nachfolger Bill Cotton das seit Jahren bewährte Vorentscheidungsverfahren fort. Als Grand-Prix-Repräsentantin wählte man die Sängerin Clodagh Rodgers aus, die bereits eine Handvoll von Chart-Hits vorweisen konnte und auch aufgrund ihres attraktiven Äußeren ("The Best Legs in British Showbusiness") gern gesehener Gast in TV-Shows war. Da der Wettbewerb 1971 erstmalig in Irland stattfand, könnte man die Ernennung der gebürtigen Nordirin als Beschwichtigungsgeste im damals hitzig geführten Disput über den britisch besetzten Teil der Insel interpretieren, wobei von dort…
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A Song for Euro­pe 1970: The Door is always open wide

A Song for Euro­pe 1970: The Door is always open wide

Bereits im Sommer 1969 nominierte der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloan mit der gebürtigen Waliserin Mary Hopkin einen weiteren topaktuellen Star von der heimischen A-Liste als Vertreterin des Vereinten Königreichs beim Eurovision Song Contest. Die blonde Sängerin mit der glockenhellen Sopranstimme hatte 1968 die Talentshow Opportunity knocks des britischen Privatsenders ITV gewonnen und wurde von Paul McCartney für das Apple-Plattenlabel gesignt. Ihre erste Singleveröffentlichung, das auf einer traditionellen russischen Volksweise basierende 'Those were the Days', wurde zum Welthit mit einer Nummer 2 in den amerikanischen Charts und einer Spitzenposition auch in der deutschen Verkaufshitparade. 1969 nahm sie am San-Remo-Festival teil und erzielte…
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Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Bel­gi­scher Vor­ent­scheid 1969: I love the PRS-Checks that you bring

Zwei Jahre zuvor, als der flämische Landessender BRT zuletzt für die belgische Eurovisionsteilnahme verantwortlich zeichnete, musste sich der ehemalige Technische Zeichner Louis Neefs (nicht zu verwechseln mit dem beim Chaos-Contest von 1991 in Rom zu Weltruhm gelangten EBU-Aufsichtsbeamten Frank Naef) noch in einem mehrstufigen offenen Vorentscheid gegen zahlreiche mit harten Bandagen kämpfende Konkurrent:innen durchsetzen. Seinen damaligen Sieg verdankte er auch seinem strategischen Geschick, alles auf eine Karte zu setzen und einen seiner beiden Finaltitel zurückzuziehen. Diesmal gestaltete sich die Sache für ihn deutlich entspannter: zur Belohnung für seine mit dem siebten Rang verhältnismäßige gute Platzierung beim Eurovision Song Contest in…
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Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Spa­ni­scher Vor­ent­scheid 1969: Wor­te, nur Worte

Man muss sie nicht unbedingt verstehen, die Tendenz des spanischen Senders TVE, es sich unnötig schwer zu machen mit seiner nationalen Vorentscheidung. Speziell 1969, da man nach dem ersten, mit tatkräftiger deutscher Hilfe realisierten Eurovisionssieg des damals noch diktatorisch geführten Landes eigentlich alle Hände voll zu tun hatte, den diesjährigen Wettbewerb in Madrid auszurichten. So entschied sich der Sender, die seinerzeit 29jährige Maria Rosa Marco Poquet alias Salomé, die bereits im Vorjahr kurzzeitig als Ersatz für den von Franco geschassten Juan Manuel Serrat im Gespräch war, die Rolle als künstlerische Kollaborateurin jedoch ablehnte, direkt zur Repräsentantin des Landes zu ernennen.…
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A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

A Song for Euro­pe 1969: Lala mit Lulu

Kein Problem sollte es für die BBC im Jahre 1969 darstellen, erneut einen aktuellen Popstar von der A-Liste als Eurovisionsrepräsentantin zu finden: die als Marie McDonald McLaughlin Lawrie geborene schottische Sängerin Lulu hatte bereits als Fünfzehnjährige mit einer robusten Coverversion der Isley-Brothers-Nummer 'Shout' ihren ersten von zahlreichen Tophits. Mehrere von ihr in Folge aufgenommene deutschsprachige Singles floppten zwar, dafür landete sie 1968 bei uns mit 'I'm a Tiger' ihren größten kommerziellen Erfolg, auch wenn dieser heutzutage weniger präsent ist als ihre Zusammenarbeit mit der Boyband Take That im Jahre 1993 mit der Neuauflage des Discoklassikers 'Relight my Fire'. Praktischerweise hatte…
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A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

A Song for Euro­pe 1968: How sounds the Trumpet

Die gelernte Sekretärin, beliebte Popsängerin und noch beliebtere TV-Moderatorin Cilla Black (bürgerlich: Priscilla White) präsentierte den britischen Vorentscheid 1968 als Gastgeberin im Rahmen ihrer wöchentlichen BBC-Show Cilla. Dabei hatte der Sender ursprünglich ihr selbst angeboten, Großbritannien beim Eurovision Song Contest zu vertreten, der nach dem Sieg ihrer Landsfrau Sandie Shaw im Jahr zuvor diesmal in London gastierte. Black glaubte jedoch nicht, dass eine Frau für das Vereinte Königreich ein zweites Mal in Folge die Grand-Prix-Krone holen könnte und sagte ab. An ihrer Stelle verpflichtete der BBC-Unterhaltungschef Tom Sloane für die Gage von 2.000 £ einen weit über die Insel hinaus…
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Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bruder

Fran­zö­si­scher Vor­ent­scheid 1958: Schla­fes Bruder

Nach dem aufwändigen und chaotischen französischen Vorentscheidungsverfahren von 1957 mit seinen zahlreichen Vorrunden und seinem Interpretinnenwechsel in letzter Minute stand in diesem Jahr der gallische Vertreter von vorneherein fest: der seinerzeit bereits 42jährige André Claveau, ein schon seit den Vierzigern im Lande sehr erfolgreicher und technisch versierter Pariser Schnulzensänger und Schlagerfilm-Mitwirkender, der sich durch seine samtene Stimme und seinen Hang zu schmalzigen Liedern besonderer Beliebtheit bei der weiblichen Zuhörerinnenschaft erfreute, wenngleich er selbst einer finnschwedischen Eurovisionsseite zufolge wohl dem eigenen Geschlecht zugeneigt gewesen sei. Was er, so der Journalist Tobson, im vergleichsweise toleranten "gay" Paris relativ offen ausleben konnte -…
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