ESC Hall of Shame, Raum 2: 1963

5. Nil­poin­ter: Nie­der­lan­de (2) Annie Pal­men Een Speel­dos

Ja, tat­säch­lich: auch beim Mogel-Con­test von Lon­don gab es gleich vier Nul­poin­ter. Und auch 1963 ging einer der unge­lieb­ten Trost­prei­se wie­der­um an die Nie­der­lan­de, die mit einer unfass­bar betu­li­chen Wei­se über eine ‘Spiel­do­se’ antra­ten, gegen wel­che Siw Malm­kivsts the­ma­tisch gleich­ge­la­ger­te ‘Pri­ma­bal­le­ri­na’ nach­ge­ra­de als Tech­no­schla­ger daher­kommt. Wer der­ar­tig krass wie Frau Pal­men gegen das ers­te Grand-Prix-Gebot ver­stößt, näm­lich “Du sollst nicht lang­wei­len”, der ris­kiert völ­lig zu Recht die Null!

6. Nil­poin­ter: Nor­we­gen (1) Ani­ta Thallaug Solhverv

Nor­we­gens ers­te (von bis dato ins­ge­samt vier) Nulpointer:innen, die anstel­le der so hell­sich­ti­gen wie unwil­li­gen Vor­ent­schei­dungs­sie­ge­rin Nora Brock­s­tedt in Lon­don antrat, erlang­te der­einst Berühmt­heit für ihre Haupt­rol­le als dro­gen­süch­ti­ges Go-Go-Girl in dem schwe­di­schen Explo­ra­ti­ons­strei­fen Blon­din in Fara (deut­scher Ver­leih­ti­tel: Mona, die Schwe­din). Und dafür, eines der weni­gen Euro­vi­si­ons-Lie­der gesun­gen zu haben, das man nie­mals auf Plat­te press­te. Dau­men hoch für die­sen noblen Akt der Res­sour­cen­scho­nung, denn tat­säch­lich müss­te hier jeg­li­cher Mate­ri­al­ein­satz als üble Ver­schwen­dung gelten.

7. Nil­poin­ter: Finn­land (1) Lai­la Hal­me Muis­to­je­ni Laulu

Was für fabel­haf­te Klei­der, was für fan­tas­ti­sche Fri­su­ren und was für ster­bens­lang­wei­li­ge Lie­der bei die­sem Con­test in Lon­don! Die von den Jurys auch auf­grund ihres herr­lich skur­ri­len Idi­oms bis zum Weg­fall des Hei­mat­spra­chen­zwangs lei­der durch­gän­gig miss­ach­te­ten Fin­nen such­ten (in Gestalt von Frau Hal­me) hier Zuflucht beim leicht ver­ständ­li­chen “La la la”, was die­se lah­me Num­mer aber auch nicht ret­ten konn­te. Den­noch: allei­ne schon das Out­fit hät­te eine mil­de Punk­te­ga­be verdient!

8. Nil­poin­ter: Schwe­den (1) Moni­ca Zet­ter­lund En Gång i Stockholm

Die viel­ge­lieb­te Film- und Jazz-Legen­de Moni­ca Zet­ter­lund nahm uns mit auf eine win­ter­li­che Segel­törn durch die ver­schnei­ten Buch­ten der schwe­di­schen Haupt­stadt. Eine ele­gan­te, melan­cho­lisch schwe­ben­de Bal­la­de voll fili­gra­ner Text­ar­beit, ein musi­ka­lisch anspruchs­vol­les Klein­od, von Kritiker:innen und Afi­cio­na­dos geliebt. Und ich kann durch­aus nach­voll­zie­hen, war­um. Den­noch, ich muss es zu mei­ner Schan­de geste­hen, schlie­fen und schla­fen mir dabei die Füße ein. Den Juro­ren anschei­nend auch: die 2005 auf tra­gi­sche Wei­se bei einem Zim­mer­brand ums Leben gekom­me­ne Moni­ca reis­te mit lee­ren Hän­den aus Lon­don ab. Ja, rich­tig gele­sen, lie­be Euro­vi­si­ons­fans der Nach-Zwei­tau­sen­der-Genera­ti­on: selbst das gehei­lig­te Schwe­den konn­te beim Wett­be­werbs einst rich­tig tief ins Klo grei­fen. Kaum zu glau­ben, aber wahr!

Rei­che Null-Punk­te-Beu­te also zu Beginn der Swin­ging Six­ties. Ob das so bleibt? Schau­en wir mal im nächs­ten Raum nach.…

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