Albanien

Beim Fes­ti­va­li i Kën­gës, dem tra­di­ti­ons­rei­chen alba­ni­schen Lie­der-Fes­ti­val mit fest­li­chen Roben, üppi­gem Orches­ter und aus ver­dien­ten Künst­lern des Vol­kes zusam­men­ge­setz­ter Jury bestimmt das Land der Ski­pe­ta­ren stets schon Ende Dezem­ber sei­nen Euro­vi­si­ons­bei­trag, der anschlie­ßend fast immer musi­ka­lisch kom­plett umge­krem­pelt und angli­fi­ziert wird. Es domi­niert die dis­so­nant krei­schen­de ein­zel­ne Dame.
Dabei seit: 2004; ESC-Sie­ge: kei­ne; Rote Later­nen: keine.

Déjà vu: 2. Pro­ben AL, RO, CH, BEFI

Wenig Neues erbrachten die zweiten Probendurchläufe für die nächsten fünf Starter. Rona Nishliu hängt sich nach wie vor stimmlich bei 'Suus' mit voller Hingabe rein - ich hoffe und bete, dass sie am Dienstagabend noch bei Stimme ist, so wie sie sich verausgabt! Dankenswerterweise legte sie das Haarnetz mit den bunten Billardkugeln heute nicht mehr an, und auch ihr aus Rastalocken geflochtener Dutt sah nicht mehr so aus, als wohnten Tiere in ihm. Selbst ihr heutiges Kleidchen stand ihr viel besser. Im Semi, das sagte sie bereits, wird sie aber etwas anderes tragen. Augenscheinlich suchte sie vor der heutigen Probe…
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My Baby Baby, bal­la bal­la: 1. Pro­be Albanien

Rona! Oh mein Gott! Was hat diese Traube aus bunten Tischtennisbällen da auf Deinem Kopf verloren? Bitte mach das weg, sofort! Hörst Du, auf der Stelle! Ja, das mag ein wenig oberflächlich klingen, aber wenn Du möchtest, dass sich die Menschen auf die ergreifende Schönheit Deines bewegenden Klagegesangs einlassen, dann entferne bitte das optische Störfeuer, das von diesem albernen Kugellager ausgeht. Ich verlasse mich außerdem darauf, dass Du im Semi in etwas Festlicherem erscheinst als in dieser umgearbeiteten Abendmahltischdecke - und die Beratung eines Visagisten in Anspruch nimmst. Der Contest wird in HD übertragen, und wenn schon im Internet-Probenvideo die…
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Fångad av en Betong (AL, EE, CY 2012)

Und die Videos trudeln weiterhin fleißig ein. So kommen wir heute erstmals in den Genuß der gekürzten Eurovisionsfassung von Rona Nishilus 'Suus'. Die Ärmste hat sich augenscheinlich des Präsentationsvideos mit der Albanermafia angelegt und wartet nun, bereits mit einem entsprechenden Beinkleid präpariert, in einer bis auf zwei retardierte Kinder leeren Lagerhalle auf ihren Abtransport in den nächstgelegenen Fluss. Ihr flehendes, ja verzweifeltes Rufen nach einem "Tschai" als Schierlingsbecher verhallt ungehört; noch nicht einmal die beiden imbezilen Schrazen, die Ronas Immobilität zum straffreien Beschmieren der Wände nutzen, machen irgendwelche Anstalten, sie mit dem begehrten Heißgetränk zu versorgen. Obwohl doch sogar schon ein…
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Wir trin­ken Tsc­hai (AL 2012)

Als erste Kosovarin wird die 24jährige Rona Nishliu Albanien beim Eurovision Song Contest in Baku vertreten. Mit einer hochdramatischen Ballade über die durch das Trinken von viel zu heißem Gewürztee ("Tschaaaaaaaaaaaaaaaiiiiiiiiii!") verursachten Schmerzen konnte sie beim soeben zuende gegangenen Festivali i Këngës die Juroren überzeugen. Zuschauerstimmen waren bei der 50. Ausgabe des traditionellen albanischen Songfestivals nicht zugelassen. Ronas Beitrag 'Suus' verfügt zwar nur in leisesten Spurenelementen über so etwas wie eine Melodie, von einem wahrnehmbaren Refrain erst gar nicht zu reden. Dafür beeindruckte die Fünftplatzierte von Albanien sucht den Superstar 2004 mit einer Vokalakrobatik, die an die besten Momente polnischer Eurovisionskunst…
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Per­len der Vor­ent­schei­dung: Dr. Alban & die sata­ni­schen Murmler

Gestern und vorgestern fanden in Tirana die beiden Halbfinale des albanischen Festivali i Këngës (FiK) statt, in denen eine fünfköpfige Jury sich der harten Aufgabe stellte, jeweils ganze vier von jeweils 14 Beiträgen zu elimieren. Opfer dieses Verfahrens wurde im zweiten Semi ausgerechnet ein verschüchtert wirkendes, blutjunges Ding mit dem großartigen Namen Goldi Halili und einem halbgaren Discosong mit dem Titel 'Rroj për dashurinë', der an seinen besten Stellen ganz entfernt an das epochale Italo-Disco-Meisterwerk 'Like a Yo Yo' von Sabrina Salerno erinnerte. Schade drum! Die gestrige Sendung gab dann auch Aufschluß über eine drängende Frage, die sicherlich jeden meiner Leser schon langem beschäftigt: was wurde bloß aus Nu Pagadi?…
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Every Song is a Cry (AB 2011)

Albanien hält auf Tradition. Traditionell an Weihnachten fand das dreitägige Festivali i Kënges (FiK) statt. Traditionell stimmte eine Jury ab, und traditionell entschied sich sich für eine furchteinflößende Domina mit einem, wie es Tradition in Albanien ist, laut geschrieenen, dezent orientalisch anmutenden Klagelied mit 'Kënga' ('Lied') im Titel. Wie es die Tradition weiter erfordert, wurde auch dieses Lied bis zur Unkenntlichkeit neu abgemischt und mit einem englischen Text versehen, von dem man aufgrund der traditionell katastrophalen englischen Sprachfähigkeiten der Albaner wiederum kein Wort versteht. "I hold my Nipple in the open Sky"? Verrückte Frau! httpv://www.youtube.com/watch?v=3r5cWoZFIw0 Hier die albanische Originalfassung 'Kengä…
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Alba­ni­en 2010: An einem Sonn­tag in Tirana

Wie man Traditionen schafft und gleichzeitig mit ihnen bricht, bewies Albanien beim Festivali i Kenges. Schon traditionell wählte Albanien wieder über die Weihnachtsfeiertage seinen Eurovisionsbeitrag aus und ist damit erneut (und auch bereits traditionell) das erste Land, von dem sowohl Interpret als auch das Lied für Oslo feststehen. Weniger traditionell erscheint der Beitrag: begeisterte mich das Land seit seiner Erstteilnahme fast immer mit zunächst schwer zugänglichen, beim siebzehnten Hören aber um so schöneren Ethnoballaden oder mit grotesk kostümiertem, wunderbar eingängigen Eurotrash, so entschied sich die allein stimmberechtigte Jury diesmal für ein nichts sagendes Nullachtfünfzehn-Uptempostück namens 'Nuk mundem pa ty' (laut…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Zwei­tes ESC-Semi 2009: Don’t be hap­py and don’t be gay

Schizophren: die unglaublich lustige Comedy-Techno-Nummer 'Tingaliin', mit denen die Schweden beim diesjährigen Melodifestivalen zur Einstimmung auf Moskau spaßeshalber sämtliche Russlandklischees auf den Arm nahmen, zog eine diplomatische Krise zwischen beiden Ländern und den offiziellen Protest des dortigen Botschafters nach sich. Als Eröffnungsact des zweiten Semis präsentierten die Russen dann selbst exakt die gleichen tanzenden Bären, Matroschkas und Kalinka-Chöre, über die sie sich zuvor beklagt hatten. Nur, dass der Moskauer Act anscheinend bierernst gemeint war. Womit sich erneut zeigte: wer nicht über sich selbst lachen kann, dem ist auch sonst nicht zu trauen. http://youtu.be/XYJwnCsMBfo Verstehen Sie Spaß? Schwedens lustiger MF-Act Komoderatorin…
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Alba­ni­en 2009: This is her Life

So, nach all den Horrornachrichten der letzten Tage nun endlich der erste Lichtblick! Albanien ist mal wieder das erste Teilnehmerland, das seinen Beitrag für Moskau präsentieren kann: Siegerin des zweitägigen Festivali i Kenges am vergangenen Wochenende wurde die sechzehnjährige Kejsi Tola, diesjährige Gewinnerin der Castingshow Albanien sucht den Superstar. Ihren Siegersong mit den vielen lustigen "ë"s im Titel schrieb das selbe Team, das schon für den 2004er Beitrag 'The Image of you' von Anjeza Shahini verantwortlich zeichnete. Merkt man dem Refrain auch stellenweise an, macht aber nichts - im Gegenteil. Jedenfalls ist 'Më merr në ëndërr' bis dato mein offizieller…
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ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

ESC-Fina­le 2008: Lie­be schmeckt wie Kaviar

Zwölf Anläufe hatte der flächengrößte und einwohnerstärkste Teilnehmerstaat des Eurovision Song Contest für seinen ersten Grand-Prix-Sieg gebraucht. Seinen Führungsanspruch und seine kulturelle Zugehörigkeit zu Europa wollte Russland damit unterstreichen - und vertiefte doch nur die Gräben, denn kaum ein Siegertitel rief im Westen so eine starke Ablehnung hervor wie Dima Bilans musikalisch malades und überanstrengt dargebotenes 'Believe', welches der Sargnagel für das hundertprozentige Zuschauervoting sein sollte. Für den russischen Plattenmillionär, dem bei seinem Erstversuch 2006 mit dem deutlich besseren 'Never let you go' nur die finnischen Monsterrocker Lordi in die Quere kamen, reichte es lediglich für einen schwachen Rang 54 in…
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Fes­ti­va­li i Kën­ges 2008: Ich bin heut böse

Fes­ti­va­li i Kën­ges 2008: Ich bin heut böse

Auch wenn es Albanien dieses Jahr nicht schaffte, den ersten bekannten Beitrag zum Eurovision Song Contest beizusteuern: die offizielle Eröffnung der Vorentscheidungssaison lässt man sich nicht abnehmen! Bereits traditionell endete mit dem Festivali i Kënges (FiK) das erste nationale Finale des laufenden Jahrganges schon vor Weihnachten. Siegerin ist die junge Olta Boka mit der schmerzensreichen Balkanballade 'Zemrën e lamë peng'. Was nicht etwa 'Wir schießen auf zerzauste Lahme' heißt, wie der Titel suggeriert, sondern 'Wir verspielten unser Herz'. Wir sehen ein grimmig dreinblickendes junges Mädchen, glamourös aufgebrezelt wie eine Marktfrau, die mit schmerzverzerrter Miene (die straff zurückgekämmten Haare?) eine anfangs etwas zähe…
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ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

ESC-Semi 2007: Wo ist Andorra?

Natürlich hätte ich auf die Enttäuschung vorbereitet sein müssen. Schließlich bin ich lange genug Fan, um zu wissen, dass die fiesen, geschmacksgestörten Televoter im Semifinale immer die besten Songs aussortieren. Ganze 28 Länder traten in diesem Jahr in der Qualifikationsrunde gegeneinander an, so viele wie noch nie seit der Einführung der Semis. Lediglich zehn Slots für das Finale am Samstag gab es, aber 16 von mir favorisierte Titel, die unbedingt hätten weiterkommen müssen! Selbst unter Zuhilfenahme der Finger konnte ich mir also ausrechnen, dass ein Gutteil meiner Lieblinge auf der Strecke bleiben werden. (mehr …)
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Fes­ti­va­li i Kën­ges 2007: Jeder Ton ist wie ein Stein

Fes­ti­va­li i Kën­ges 2007: Jeder Ton ist wie ein Stein

In Albanien entschied sich eine Jury für eine zähe Ethno-Ballade. Willkommen im Semifinale 2008! 'Balada e Gurit' lautet der Titel des vom Ehepaar Aida und Frederik Ndoci gesungenen Beitrags. Auf Deutsch: 'Die Steinballade'. Und so klingt das Ganze auch: zum Steinerweichen. Unmelodische, winselnde Klagegesänge, die für das Ohr ungefähr so angenehm sind wie ein Ziegelstein auf den Kopf. Diese krasse Fehlentscheidung ist wohl ausschließlich einer Jury zu verdanken - das Publikum war beim dreitägigen Festivali i Kënges nicht gefragt. Diejenigen, die masochistisch genug veranlagt waren, sich durch die ungefährt siebenhundert Vorentscheidungstitel durchzuhören, berichten in den Fan-Foren von einer durchweg unterirdischen musikalischen…
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ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

ESC-Semi 2006: I’ll fuck­ing win

Westeuropäische Grand-Prix-Fanclubs bestehen in der Regel - in exakter Umkehrung der üblichen Bevölkerungsanteile - zu 95% aus schwulen Männern. Und die haben, logischerweise, einen völlig anderen Musikgeschmack als das beim Eurovision Song Contest abstimmende Massenpublikum an den Bildschirmen. Natürlich scherzten die im Athener Olympiastadion versammelten Fans noch vor Beginn des Halbfinales, dass man hinterher, wenn die zehn Finalisten feststünden, wohl mal wieder kopfschüttelnd in der Halle säße. Und genau so kam es auch. https://youtu.be/itM8IzJakNU Die beiden größten Schocks stellten das Ausscheiden der Fan-Favoritin Kate Ryan[ref]Die Belgierin hatte einst mit blasphemischen Coverversionen von unantastbaren Mylène-Farmer-Songs in ganz Westeuropa Hitparadenerfolge gefeiert und…
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