Aserbaidschan

Die Erd­öl-Dik­ta­tur am Kas­pi­schen Meer, eines der erfolg­reichs­ten neue­ren Euro­vi­si­ons­län­der, bedient sich für sei­ne stets per­fekt pro­du­zier­ten Bei­trä­ge sehr ger­ne des schwe­di­schen Pop-Impor­tes. West­li­che Wer­te gehö­ren jedoch nicht zu den Ein­fuhr­gü­tern: für den ESC 2012 in Baku wur­den Men­schen zwangs­um­ge­sie­delt, um in Rekord­zeit eine neue prunk­vol­le Hal­le aus dem Boden stamp­fen zu können.
Dabei seit: 2008; ESC-Sie­ge: 2011; Rote Later­nen: keine.

ESC-Fina­le 2012: An ever­las­ting Pie­ce of Art

ESC-Fina­le 2012: An ever­las­ting Pie­ce of Art

Europa altert - und der Eurovision Song Contest reflektiert das. Musste die EBU noch 1990 eine Altersuntergrenze von 16 Jahren einführen, um den Wettbewerb nicht zur Mini Playback Show verkommen zu lassen, so schienen sich die Teilnehmerländer dieses Jahrgangs einen Wettstreit um den ältesten Grand-Prix-Partizipanten zu liefern. Nicht nur die Jugos schickten mit dem serbischen Balkanballadenkönig Željko Joksimović (40) und der mazedonischen Nina Hagen, Kaliopi (46), lebenserfahrene Barden. Gleich der erste Starter des Abends riß die bisherige, vom kroatischen Gerontorapper 75 Cents gelegte Meßlatte: das Vereinigte Königreich entsandte nämlich den sich nach einem schon lange verschiedenen deutschen Komponisten nennenden, mittlerweile…
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Ter­ror­an­schlag beim Grand Prix verhindert?

Nein, diese Überschrift bezieht sich nicht auf das frühzeitige Ausscheiden von Rambo Amadeus im Semifinale. Ausnahmsweise geht es nämlich nicht um die üblichen geschmacklichen Anschläge auf die Ohren Europas beim Grand Prix, sondern einen angeblich geplanten, religiös motivierten Terrorakt gegen den Eurovision Song Contest in Baku. Den will das dortige Ministerium für Nationale Sicherheit nach eigener Mitteilung mit der teils blutigen Festnahme von 40 Verdächtigen letzten Mittwoch verhindert haben, wie der NDR heute meldet. Um eine Massenpanik in Baku zu vermeiden, habe man sich erst zu einer nachträglichen Veröffentlichung der Festnahme entschlossen, bei der auch Waffen und Sprengstoff sichergestellt worden…
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Good Tas­te Day in Baku: zwei­te Pro­ben Big Five + AZ

Bei der heutigen zweiten Probenrunde bestätigten die Big Five dann noch mal, dass sie ihren pekuniär begründeten Sonderstatus in diesem Jahr gar nicht benötigten: so gut sind ihre Songs und Präsentationen, dass sie auch ohne ihn fest im Finale wären. Im Vergleich zur gestrigen ersten Kameraprobe legten die großen Fünf allesamt stimmlich noch mal zu, die meisten präsentierten sich heute auch in Bühnengarderobe - oder zumindest deutlich geschmackvolleren Klamotten. Engelbert Humperdinck erschien in einem schwarzen Hemd mit passender Hose und klang deutlich besser, wenn er auch die letzte, große Schlußnote noch immer nicht ganz schaffte. Aber dafür hat er auch noch…
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Sabi­na Bibo-Yeva lässt mich kalt, kalt, kalt (1. Pro­be AZ)

Und nun zum Heimbeitrag. Die aus der endlos quälenden aserbaidschanischen Vorentscheidung schon als Sirenenquetsche bekannte Sabina Babayeva erschien in einem üppigen gelben Kleid mit reicher Straß- und Federverzierung. Ein bisschen sah sie darin aus wie die Transenversion von Bibo aus der Sesamstraße. Rechts von ihr stehen, im tiefen Dunkel der Bühne von einzelnen Spots spärlich beleuchtet, drei weiß gewandete Chorsängerinnen. Und links von ihr thront ein staatlicher Aufpasser auf einem Podest, der wohl überwacht, dass der Chansonette kein regimekritisches Wort entfleucht. Sonst scheint er für die Bühnenshow keine erkennbare Funktion zu haben. Sabinas tiefes Brummen in der ersten Liedzeile klingt markerschütternd,…
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Arme­ni­en, nein dan­ke: kei­ne Apri­ko­sen­ker­ne im Euroclub

Wie der deutsche DJ DouzePoints gerade im Prinz-Blog berichtet, ist es im Bakuer Euroclub - der extra für die Eurovision unweit der Crystal Hall errichteten Eurovisionsdisco für die Delegationen und Akkreditierten - nicht gestattet, armenische Titel aufzulegen. Nachdem DouzePoints, dem diese angeblich bereits publizierte Regel nicht bekannt gewesen sei, in seinem heutigen DJ-Set unter anderem einen Remix von Eva Rivas 'Apricot Stone' spielte, sei eine halbe Stunde später der Clubchef bei ihm aufgekreuzt und wies darauf hin, das dies im Euroclub strikt untersagt sei: "sonst bekommen wir ein richtiges Problem". So viel zu den Zusagen der aserbaidschanischen Regierung, auch die…
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Homo­pho­be Web­at­ta­cke: esctoday.com ist vom Netz

Ausgerechnet am heutigen Internationalen Tag gegen Homophobie kaperten unbekannte Hacker die in den Niederlanden beheimatete, führende englischsprachige Eurovisionsnachrichtenseite esctoday.com und stellten dort einen schwulenfeindlichen Text ein: "Es gibt keinen Platz für unmoralische Schwule in Aserbaidschan. Verlasst unser Land." Die vom derzeitigen Eurovisionskoordinator der EBU, Sietse Bakker, gegründete und von Eurovisionsfans aus aller Welt ehrenamtlich betriebene Website, für die auch ich früher mal Beiträge geschrieben habe, ist derzeit komplett vom Netz. Wie der Prinz-ESC-Blog unter Bezugnahme auf die Facebookseite von esctoday.com berichtet, seien sämtliche Inhalte aus 12 Jahren Arbeit zerstört. Auch die aserbaidschanische Seite eurovision.az ist derzeit nicht zu erreichen, andere…
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Alles für die Aliyews

Der autokratisch regierende Präsident Aserbaidschans gibt nicht nur die Staatsknete mit vollen Händen aus, um sein Land (und damit ihn) als Ausrichter des Eurovision Song Contest 2012 glänzen zu lassen - sein Clan profitiert auch ganz direkt davon, wie Medienberichte aufdecken. So weist das Antikorruptionsprojekt OCCRP darauf hin, dass sich eine der aserbaidschanischen Konstruktionsfirmen, die am Bau der eigens für den Contest errichteten Baku Crystal Hall beteiligt sind, verdeckt im Besitz der Herrscherfamilie befinde. Kein Wunder, dass sich die Aliyews, wie der Stern berichtet, mehrfach persönlich auf der Baustelle vom Stand der Arbeiten überzeugten - und bei der Gelegenheit sogleich…
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Aser­bai­dschan disst Frankfurt

Da fühle ich mich gleich doppelt bestätigt, nicht nach Baku zu reisen: vermutlich als Racheakt für die kritische Berichterstattung deutscher Medien über Menschenrechtsverletzungen im diesjährigen Eurovisions-Austragungsland Aserbaidschan disst das dortige Staatsfernsehen nun zurück, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Aufhänger der medialen Watsche: das Occupy-Camp in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main, welche der Reporter als schmutzige Drogen- und Prostitutionshölle brandmarkt. Aus dem seit einem halben Jahr in den Wallanlagen zu Fuße der Europäischen Zentralbank bestehenden politischen Protestcamp gegen die entfesselte Bankenmacht wird in dem TV-Bericht flugs eine Ansammlung hungerleidender Ausreisewilliger; eine rasche Autofahrt durch das Rotlichtmilieu des angrenzenden Bahnhofsviertels dient als…
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Lost and for­got­ten (IS, ES, HU, AZ 2012)

Sie haben es tatsächlich wahr gemacht. Ich könnte heulen vor Wut! Wie bereits angedroht, singen Gréta Salóme und Jónsi ihren Beitrag in Baku nicht, wie noch bei der Vorentscheidung, in isländischer Muttersprache, sondern auf englisch. 'Never forget' heißt der Song nun, und ich muss den Beiden zugestehen, dass es sich wohl um eine ziemlich werkgetreue Übersetzung handelt, die auch - anders als so mancher osteuropäische, englisch gesungene Beitrag der letzten Jahre - weder Ohren noch Hirn beleidigt. Dennoch: für mich geht mit der Anglifizierung ein Gutteil der wilden, düsteren, mystischen Magie des Originalliedes 'Mundu eftir mér' so schmerzlich wie unwiderbringlich verloren.…
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Aser­bai­dschan: fas­ter pus­sy­cat, kill, kill! (AZ 2012)

Als wäre es ein satirischer Kommentar zum Eurovision Song Contest als solchem: 'When the Music dies' lautet der Titel des Beitrags des diesjährigen Gastgeberlandes. Einen besonders köstlichen Unterton bekommt die Wahl des Songtitels, wenn man sich an den siegbringenden Auftritt der aserbaidschanischen Chanteuse Sabina Babayeva im Finale der dortigen Vorentscheidung erinnert, als sie ausgerechnet 'The Greatest Love of all' der tags zuvor verstorbenen Whitney Houston posthum massakrierte. Auch die nun ausgewählte, prätentiöse Ballade bietet dem singenden Rochen aus dem Ölstaat jede nur denkbare Gelegenheit zu überflüssigen, nervtötenden Modulationen und Dehnungen, denen sich Sabinas großes Vorbild ja auch nicht immer abhold zeigte.…
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Kein Lob dem Grand Prix

Nicht nur die miserablen Einschaltquoten von Unser Star für Baku werfen derzeit einen bedrückenden Schatten auf die deutsche Eurovisionsteilnahme. Auch hinsichtlich der desolaten Menschenrechtslage im Austragungsland Aserbaidschan und dem Umstand, dass für den Grand Prix im Zusammenhang mit der geplanten Aufhübschung Bakus alteingessene Bewohner unter einer brutalen Vertreibung leiden, gibt es derzeit Feuer aus allen Rohren. So gingen beispielsweise die direkt im Anschluss an die gestrige Finalshow sendenden Tagesthemen gar nicht auf den Sieg von Roman ein. Stattdessen zeigten sie ein längeres Feature über die Unterdrückung der Opposition im Erdölstaat am Kaspischen Meer. Ähnlich verfuhr bereits letzte Woche das Politmagazin…
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Ticket­ver­kauf star­tet am 28. Febru­ar 2012

Wie die offiziellen Eurovisionsseiten der EBU und der ARD heute übereinstimmend vermelden, beginnt der Kartenvorverkauf für den Eurovision Song Contest 2012 am Dienstag, dem 28. Februar. Weitere Details wie Uhrzeit, Bezugsquelle und Preise sind noch nicht bekannt - lediglich, dass der Verkauf wiederum online abgewickelt wird. Wer also trotz der desolaten Menschenrechtslage in Aserbaidschan nach Baku möchte, sollte sich diesen Tag besser frei nehmen, denn: "die Tickets sind in aller Regel in sehr kurzer Zeit vergriffen," warnt die ARD. Ab sofort können sich Fans, Schwurnalisten und echte Medienvertreter außerdem um eine Akkreditierung bewerben. Reisende nach Aserbaidschan benötigen übrigens ein Visum,…
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Sabi­na Babay­e­va für Aserbaidschan

Nach ungefähr 75 Vorrunden und über drei (gefühlt: 12) Stunden des amateurhaftesten Vorentscheidungsfinales, mit einem Bühnenbild wie in den Fünfzigerjahren (Blumendekoration!), ist es endlich geschafft: die Repräsentantin Aserbaidschans für Baku steht fest. Sie heißt Sabina Babayeva und nahm 2011 schon einmal am Milli Seçim Turu teil. Doch damals legte Nikki bekanntlich das größere Bakschisch-Bündel hin. Immerhin: unter den fünf Finalisten, die allesamt wirkten, als habe man sie in einer Karaokebar mit dem Lasso eingefangen, war sie noch mit die - und ich verwende das Wort hier in gedachten Anführungszeichen - Professionellste. Auch wenn ich es ihr verüble, dass sie, wohl aus…
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Der ESC bringt den Men­schen kei­ne Freude!

Sonntag Abend lief im Kulturmagazin ttt der ARD ein Bericht über Baku und die dortigen Vorbereitungen auf den Eurovision Song Contest. Mit dem Schwerpunkt auf den Menschenrechtsverletzungen des diktatorisch herrschenden Aliyew-Clans und dem illegalen Abriß noch bewohnter Häuser zum Zwecke des Neubaus der Baku Crystal Hall. Zu Wort kommt unter anderem die aserbaidschanische Menschenrechtlerin Leyla Yunus, die selbst im Zuge der Bauarbeiten ihr Haus verlor und die sagt, der ESC bringe "den Menschen in Aserbaidschan keine Freude". Sie appelliert an die anreisenden Besucher, sich vorher über die politische Lage im Land des Feuers zu informieren und vor Ort mit Einheimischen…
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Light my Fire, Baku!

Der Eurovision Song Contest 2012 scheint eine Raucherveranstaltung zu werden: "Light your Fire" heißt das heute vorgestellte, offizielle Motto der europäischen Popfestspiele in Baku, Aserbaidschan. Wenig originell auch das bei den olympischen Winterspielen von Nagano 1998 abgekupferte Logo, für welches dasselbe deutsche Team verantwortlich zeichnet wie schon für das Langnese-Herz von 2011, das ja auch keinen Innovationspreis gewann. Nach dem mittlerweile bereits das Dach drauf ist, wurde heute auch die sich noch im Rohbau befindliche Baku Crystal Hall als Veranstaltungsort offiziell bestätigt. Neben der Schlüsselübergabe zwischen den Bürgermeistern von Düsseldorf und Baku fand auch die Auslosung der Startplätze in den Semis…
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Free me: AI-Pro­test beim Schwei­zer Vorentscheid?

Die desolate Menschenrechtslage im diesjährigen Gastgeberland Aserbaidschan sorgt nun für Unfrieden der Schweiz. Die dortige Sektion von Amnesty International (ai) verschickte mit Hinweis auf inhaftierte Regierungskritiker Buttons mit der Aufschrift "Free me" an die 14 auserkorenen Finalteilnehmer. Verbunden mit der Bitte, diese beim Vorentscheid am 10.12., ironischerweise dem Internationalen Tag der Menschenrechte, zu tragen. Zwei der Finalisten sagten nach einem Bericht des Tagesanzeigers zu. Was umgehend den SF auf den Plan rief, der eine Mail an alle Vierzehn schickte und ihnen nahe legte, "zurückhaltend zu reagieren und sich ein Urteil über das Gastgeberland erst nach eurem Besuch in Baku im Mai 2012 zu…
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Baku: nah am Was­ser gebaut

Bekanntlich arbeitet die aserbaidschanische Führung unter Hochdruck an der Erstellung einer funkelnagelneuen Veranstaltungshalle für den Eurovision Song Contest 2012, der Baku Crystal Hall. Gewissenhafte geologische Gutachten wurden bereits eingeholt, die deutsche Baufirma Alpine ist mit der fristgerechten Fertigstellung des ehrgeizigen Projektes am Flaggenplatz beauftragt. Ein möglicher Entwurf der 25.000 Zuschauer fassenden Halle findet sich auf den Internetseiten des Wiener Architekturbüros OLN (Office le Nomade). Und toll sieht's aus! Bekommt man beinahe Lust, hinzufahren: die virtuelle Kristallhalle (mehr …)
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It’s Shi­te Time (AZ 2011)

Sinn für Humor haben sie ja, die Aserbaidschaner. Nach der wohl absurdesten Vorentscheidung diesseits der Ukraine, an deren Ende vor vier Wochen für alle überraschend eine stimmlich begabte Jungtunte und eine krächzende Nebelkrähe vor einem desinteressierten Publikum als Eurovisionsvertreter 2011 ausgerufen wurden, haben es die Azeris tatsächlich geschafft, für die beiden eine leere Ballade zusammen zu zimmern, die trotz heftigstem Autotune-Einsatz wohl niemanden überzeugt. Mit dem wunderbar passenden Titel 'Running scared'. Denn das dürften die beiden bedauernswerten Exponenten im Mai tatsächlich tun müssen, wenn der Erdölstaat erstmals im Semi hängen bleibt. Da war ja Dänemark 2010 noch emotional glaubwürdiger! (mehr …)
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Fang­fri­sche Musikvideos

Gut einen Monat liegt das Ende der Vorentscheidungssaison 2011 nun zurück. Zwischenzeitlich reichten einige Länder noch professionelle Musikvideos nach, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Da ist an vorderster Front Eric "Marquis de" Saade zu nennen, der in seinem (sehr düsteren) Clip auf Michael Jacksons Spuren wandelt und die Geschichte des Tanzwettbewerbs mit einer Straßengang aus 'Beat it' nacherzählt. Nur, dass es in Erics Fassung nicht bei der sublimen Verlagerung der Rivalität zwischen Gut und Böse in den Tanz bleibt, sondern er von den fiesen Bullies gleich zu Anfang erst mal richtig die Fresse poliert bekommt. Nichts für empfindliche…
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ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

ESC-Fina­le 2010: Do I have to sing again?

Ein Meilensteincontest und das Ende eines heimischen Traumas: 28 Jahre, nachdem eine blockflötenhafte junge Saarländerin im Kommunionskleid Europa überzeugen konnte, dass Deutschland nicht mehr den totalen Krieg will, sondern nur noch "ein bißchen Frieden" (DE 1982), und zwölf Jahre, nachdem ein zottelhaariger Derwisch dem ungläubig staunenden Ausland demonstrierte, dass Deutsche doch Humor haben ('Guildo hat Euch lieb', DE 1998), verdrehte eine charmante Hannoveranerin einem ganzen Kontinent den Kopf, in dem sie bewies, dass wir auch lässig sein können. Im Gegensatz zu den diesjährigen Fluten von hörbar auf den vermuteten Jurygeschmack hin produzierten, saft- und kraftlosen Seichtballaden oder den mit viel…
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Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Zwei­tes ESC-Semi 2010: Sca­red to lose my Fun

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: das habt Ihr nun davon, liebe Juryfreunde! Kaum knackte das diabolische Bevormundungsgremium auch die Qualifikationsrunden, waren wir wieder genau dort angekommen, von wo der Wettbewerb einst in eine knapp zehnjährige Hochphase zeitgenössischer Popmusik aufbrach: es ist wieder 1996! Und wir sind zurück beim Eurovision Schnarch Contest, wo es keine Rolle spielt, wie beschissen man singt und wie stark man die Töne versemmelt, Hauptsache man präsentiert eine lahme, tödlich einschläfernde Ballade! Doch nicht nur musikalisch wurden wir heuer Zeuge des Eurovision Horror Contest: nach dem fachgerechten Würgen zarter Frauenhälse im ersten Semi lautete das Leitthema dieser…
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Aser­bai­dschan 2010: Rain­drops keep fal­lin’ on my Head

Aser­bai­dschan 2010: Rain­drops keep fal­lin’ on my Head

Nach einigem Hin und Her steht es nun fest: 'Drip Drop' ist der Song, den Safura Əlizadə in Oslo zu Gehör bringen wird. Vorausgegangen war ein für das korrupte Erdölland Aserbaidschan typisches, zähes Auswahlverfahren mit einer Jury voller hochrangiger (oder finanzstarker) Apparatschiks, in der Anfang März die Entscheidung auf das verunsicherte, überagierende Mädel fiel, das in keiner DSDS-Auswahlrunde fehl am Platze wäre und - natürlich! - auch im eigenen Lande durch eine Castingshow Berühmtheit erlangte. Sie (bzw. ihr Bakschischbündel) setzte sich gegen zwei Mitbewerber durch und durfte drei Songs präsentieren, ohne dass zunächst eine Entscheidung gefallen wäre, welcher es denn nun sein soll. Zur…
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Geld­stra­fen für Spa­ni­en und Aserbaidschan

Geld­stra­fen für Spa­ni­en und Aserbaidschan

Die Regelverstöße Spaniens und Aserbaidschans beim Eurovision Song Contest haben nun doch noch ein Nachspiel, wenn auch ein mildes: wie der NDR heute berichtet, verhängte die Reference Group der EBU bei ihrem Treffen am Wochenende in Oslo Geldstrafen gegen die Sender RTVE in Madrid und Icitimai TV in Baku. Spanien hatte das zweite Halbfinale, in dem es als Big-Four-Land stimmberechtigt war, wegen einer Sportübertragung nicht live gezeigt. Der Sender Aserbaidschans wandte alle Regeln der Kunst an, um Anrufe seiner Bewohner für den Nachbarn Armenien, mit dem sich das Land in einem bewaffneten Konflikt um die Region Bergkarabach befindet, zu unterbinden:…
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Aser­bai­dschan: Ich weiß, was Du letz­ten Mai gewählt hast

Aser­bai­dschan: Ich weiß, was Du letz­ten Mai gewählt hast

Amoklauf der Vorratsdatensammler: eine offizielle, "investigativ" geführte Untersuchung habe die EBU nach eigener Äußerung gegen Aserbaidschan eingeleitet, nachdem durchsickerte, dass in dem Kaukasusstaat nicht nur während der Übertragung des armenischen Beitrags beim ESC 2009 wie zufällig ein Schneesturm über die Bildschirme wanderte, sondern dass die Innenbehörde auch alle 43 Aserbaidschaner polizeilich vernahm, die dennoch die Stirn besaßen, für das offiziell verfeindete Nachbarland anzurufen. Über mögliche Konsequenzen wolle man erst nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden. Jedenfalls beweist der nachgerade unglaubliche Fall auf das Schönste, wohin die Datensammelwut der Behörden in letzter Konsequenz führen kann - und das ist gar nicht mehr…
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ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

ESC-Fina­le 2009: It comes as no Surprise

Als haushoher Favorit ging er ins Rennen, als wolkenkratzerhoher Sieger ging er daraus hervor: der norwegische Knuffel Alexander Rybak. Punkte aus allen 42 abstimmenden Ländern, darunter sechzehn Mal die Höchstwertung; hundert Punkte Abstand zur Zweitplatzierten: das Abschneiden des nordischen Eurovisionsmärchens geriet zum erwartbarsten Sieg seit 1976. Und stand somit leider auch am Ende der wohl langweiligsten Punkteauszählung seit Menschengedenken. Die auch durch den neu eingeführten 50/50-Jury-Televoting-Mix nicht spannender wurde. Im Gegenteil: auch die Juror:innen setzten den norwegischen Geigentroll mit astronomischem Abstand an die Spitze. https://www.youtube.com/watch?v=WXwgZL4zx9o Alex und die Manamana-Singerettes (NO). Meine Vermutung, zubrotfreudige Juror:innen könnten gar die Verantwortung für das…
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